Aber ein Traum …

Autorer als andere Autoren

Freitag, 05.04.19

Freitag, 05.04.19

Habe ich eigentlich schon einmal erwähnt, wie sehr ich diese doofen Aufkleber, die sich nie restlos vom Cover entfernen lassen, auf neuen Büchern hasse? Als ob ich ein Buch kaufen würde, nur weil es ein „Spiegelbestseller“ ist, neu verfilmtwurde oder angeblich von Stephen King empfohlen wurde!

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Mir ist vor meinem Bücherkauf (1) übrigens etwas für mich ganz Ungewöhnliches passiert. Wahrscheinlich werde ich langsam alt und dement. Wer meine Gedankensplitter regelmäßig liest, wird vielleicht wissen, dass ich ab und an zu diesen Caféhaus-Schreibern gehöre, die sich in eine Ecke des Lokals setzen, eine Lesebrille mit dicken Gläsern aufsetzen, ihr Moleskine und ihren bevorzugten Stift zücken und ihre Kopfgeburten unter indignierten (2) Aufsicht eines Publikums entwerfen. Schließlich ist Schreiben die einsamste Beschäftigung von der Welt und im Café ist man dann wenigstens nicht alleine dabei. Angesprochen wird man übrigens äußerst selten. Die Leute haben eine gewisse Scheu und Respekt vor Schreibenden und halten, auch wenn sie neugierig herübersehen, Abstand. Ein weiterer Vorteil ist: Sucht man eine Inspiration, dann zieht man die Brille von den Augen, sieht sich um und lauscht auf das Gespräch am Nebentisch. Schon sprudeln die Ideen.

Heute war ich nun im Stadtcafé in Augsburgs Bücherei, wo ich zuerst vergebens nach einem Wander- und Radtourführer für das Altmühltal suchte. Ich setzte mich ans Fenster mit Blick auf den geschäftigen Stadtmarkt, bestellte einen Milchkaffee und wollte weiter am 4. Teil des Geltsamer schreiben, dessen nächstes Kapitel ich schon vollständig im Kopf, aber noch nicht zu Papier gebracht habe und inzwischen damit etwas in Verzug geraten bin. Doch ich hatte meine Stiftebox vergessen – ausgerechnet! Das ist mir noch nie passiert. Weder in meiner Umhängetasche, noch in meiner Jacke war ein Schreibwerkzeug. Das ist für mich, als würde ich ohne Schuhe aus dem Haus gehen. Also stürzte ich den Café au lait brühendheiß hinunter, zahlte beim freundlichen, aber ob meiner unbotmäßigen Eile etwas konsternierten syrischen Kellner und raste auf direktem Weg ins nächstgelegene Schreibwarengeschäft, um mir meinen einhunderttausendsten Bleistift zu kaufen. Ist es jetzt auszeichnungspflichtige Werbung und bin ich ein Influenzer, wenn ich hier erwähne, dass mein Lieblingsstift der „Grip Matic 0.7“ von Faber-Castell ist, den man nie spitzen muss? Der liegt auch wesentlich besser als die anderen in der Hand. Von dem habe ich ungefähr fünf oder sechs verschiedene Exemplare griffbereit zuhause herumliegen. Der Härtegrad der Mine ist übrigens von der Qualität des Notizbuchs abhängig. Je besser das Papier, umso härter die Mine, die ich benutze.

Schuld war übrigens mal wieder Amy, die Katze, die eine putzmuntere Feldmaus in die Küche schleppte und sie dort entkommen ließ. Durch die – bisher erfolglose – Jagd auf den flinken Eindringling habe ich meine Arbeitsutensilien vergessen, als ich noch aufgewühlt in die Stadt aufbrach. Aber die Falle ist aufgestellt!

Erschöpft von der Jagd. Betrachtet man die Fotos von meiner Katze auf diesem Blog, kann man den Eindruck bekommen, sie würde fast immer schlafen. Dieser Eindruck ist richtig.

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(1) Leonardo Padura, Joel Dicker und Pierre Bost; die drei sind meine Osterurlaubslektüre – falls Frau Klammerle nicht schneller ist und mir diese Bücher vor der Nase wegschnappt.

(2) Laut Meyers Großes Konversations-Lexikon von 1905 ist Indignation der „ gerechte Unwille über eine unwürdige, vom sittlichen Gefühl verurteilte Handlung.“ Das wollte ich nur mal anmerken.

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4 Gedanken zu „Freitag, 05.04.19

  1. Dir auch einen Guten Morgen. Bei mir kann er nur besser werden. Meine Katze war in der Nacht wieder fleißig und ich habe inzwischen bereits zwei(!) lebendige Feldmäuse in der Wohnung, denen ich bisher vergebens hinterher jage. Hier in Augsburg ist noch alles grauverhangen und ich habe in der rechten Hand einen Muskelkrampf, weil ich eben meine Gartenterrasse kärcherte und putzte. Gut, dass ich Linkshänder bin. Kleinigkeiten … und gerade reißt wie auf Kommando die Wolkendecke auf und die Sonne strahlt in mein Arbeitszimmer.

    Ich schreibe auch manche Texte direkt in den Computer; es kommt darauf an, wie wichtig sie mir sind. Wenn ich „dichte“, also Geschichten entwerfe, dann geht das nur mit dem Bleistift in der Hand. Die dabei entstehenden Texte sind wie die Skizzen eines Zeichners. Ich wünsche dir einen Tag voller Begegnungen, Momente und anregender Unterhaltung, aber jetzt werde ich meine Gartenmöbel streichen.

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  2. Ja, stimmt, ich schreibe fast nur Lyrik – aber ich kloppe auch meine Texte direkt in den PC. Guten Morgen – es scheint ein vielversprechender Tag zu werden.

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  3. Als ausufernder Epiker benötige ich den Schreibfluss. Das Spitzen eines Stiftes kann mich da vollkommen aus der Bahn werfen.An Bleistiften kauen – ich glaube, das machen in der Hauptsache Lyriker. Und der Geschmack des zerbröckelnden Lacks in meinem Mund ist auch nicht so mein Ding. Aber die meisten Autoren kennen heute dieses altmodische Gefühl nicht mehr, weil sie ihre Texte direkt in die Tastatur ihres Computers hacken.

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  4. Mit Bleistift schreibe ich auch gerne, aber es muss dann einer aus Holz sein – zum anspitzen und hinten ein bisschen angekaut.

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