Aber ein Traum …

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In den Bücherkellern des Vatikans (15)

<– zum 14. Teil …

Auf jeden Fall konnte ich Krakows geheimes Reich ungehindert und ohne Probleme betreten. Ich machte Licht und war enttäuscht. Meine alten Erinnerungen an das Eiszeitmuseum und die Laboranlagen in Antenora hatten mich die mit allen technologischen und architektonischen Raffinessen ausgestatteten unterirdischen Hallen eines James-Bond-Bösewichts erwarten lassen. Ich betrat jedoch nur einen nüchtern und karg eingerichteten Kellerraum ohne Fenster. Er war kaum besser als eine Besenkammer: Gurgelnde Heizungsrohre liefen an der Decke entlang und die grauen Betonwände, die die Maserung ihrer ehemaligen Bauverschalung zierte, waren nicht einmal überstrichen. An einer Seite entdeckte ich eine weitere, diesmal abgesperrte Tür, in der allerdings der Schlüssel steckte. Wie ich gehofft hatte, ist dort ein Ausgang aus dem Altersheim: Wie ich durch einen schnellen Blick feststellte, gelangt man durch diese Tür in die Heizungsgänge. Von hier aus werde ich später bestimmt einen Weg ins Freie finden und unbemerkt entschlüpfen können. Sicherlich wird man dann schon nach mir suchen. Wenn der Frühdienst bemerkt hat, dass ich nicht in meinem Zimmer geschlafen habe und mich scheinbar in Luft aufgelöst habe, wird man das Heim gründlich durchforsten.

Es heißt, die Persönlichkeit eines Menschen würde sich nicht zuletzt auch in seiner Einrichtung widerspiegeln. Wenn dies so ist, dann hat Krakow keinerlei Persönlichkeit – oder er ist kein Mensch. Wenn ich je eine Bestätigung für diesen Verdacht benötigt hätte, dann hatte ich ihn hier gefunden. Die Einrichtung in diesem Raum besteht aus einem unbequemen Holzstuhl, einem großen Tisch, auf dem seitlich der blinkende Kasten der Abhöranlage, ein Magnetaufzeichnungsgerät und ein CM-1810-Personal Computer neuester sowjetischer Fertigung stehen. Von solchen technischen Geräten, von denen ich absolut nichts verstehe, lasse ich besser meiner Finger. Doch dass auf dem Sideboard neben dem Eingang Krakows Samowar bereitstand, versöhnte mich mit meinem unfreiwilligen Versteck. Ich hätte es schlechter treffen können.

Ich entschied also, es mir hier bis zum frühen Morgen gemütlich zu machen. Der Stuhl ist ungepolstert und die Sitzfläche drückt hart auf meine Hämorriden. Aber immerhin ist es wegen der kaum isolierten Rohre angenehm warm, während ich draußen im Fahrstuhlschacht wie ein Hund gefroren habe. Ich konnte mir sogar kurz erlauben, ein wenig die schweren Augen zu schließen und mich auszuruhen, bevor ich meine Aufzeichnungen fortsetzte. Die Wirkung des starken Tees hielt mich zwar wach, aber in meinem Alter benötigt man nicht mehr viel Schlaf. Außerdem fürchtete ich mich vor den Geistern, die mich nächtens in meinen Träumen heimsuchen. Nun ist ja wahrscheinlich auch noch der junge Wyschnin hinzugekommen. Anstatt in die vorwurfsvollen Augen all der Menschen zu starren, die ich überlebt habe, konnte ich stattdessen meinen heutigen Tag planen. Ich werde später versuchen, mich durch die Keller und die Wäscherei unbemerkt aus dem Kollontai hinauszuschleichen. Dann werde ich den ›Schlüssel‹ aus seinem Versteck holen und ihn zur Buchhandlung bringen. Weiter will ich nicht nachdenken. Ein weiteres meiner sieben Leben ist vorbei, aber das neue hat noch nicht begonnen. Dieses Geheimbüro ist ein Wartesaal und ich hoffe, mir wird es nicht wie Lew Tolstoi ergehen, der der Tod auf dem Bahnhof von Astapowo einholte, wo er gerade auf den nächsten Zug wartete.

Nachdem ich meine verklebten Augen wieder geöffnet hatte, fiel mein Blick auf die breite Schublade des Tischs, die ich natürlich sofort neugierig öffnete. Darin fand ich endlich ein paar wirklich nützliche Dinge: Da lag Krakows Füllfederhalter, mit dem ich jetzt auf meinen Blättern schreibe. Daneben ein ordentlich dickes, mit einer Geldklammer zusammengehaltenes Bündel Rubelscheine – insgesamt 1500 Rubel, also etwa das Zehnfache meiner Rente. Für mich ist das ein kleines Vermögen, das nun in meiner rechten Hosentasche ruht und das ich gut investieren werde. Und dann lag in der Schublade noch eine gut geölte Makarow Typ PB (pistolet bes’schumnyj) mit einem abschraubbaren Schalldämpfer. Die Armeevariante war unter Generalmajor Nischenko meine Ordonnanzpistole gewesen und ich kenne mich deshalb gut mit ihr aus. Mit einem raschen Handgriff entlud ich sie und nahm das Magazin heraus. Von den acht 9 x 18 mm Standardkugeln fehlte eine. Die Makarow war erst kürzlich abgefeuert worden. Wahrscheinlich hielt ich die Mordwaffe in der Hand, mit der sich Krakow von seinem Sekretär befreit hat und nun waren meine Fingerabdrücke drauf. Auch sie werde ich mitnehmen müssen und sie später in einem Newa-Kanal entsorgen. Oder ich behalte sie vielleicht, fällt mir gerade ein. Denn auch ein Krakow ist nicht gegen Kugeln gefeit.

Der bemerkenswerteste Fund aber war meine mit ein paar Blutspritzern besudelte Wodkaflasche ohne Etikett, in der noch ein paar Schlucke durchsichtige, mit öligen Schlieren versetzte Flüssigkeit schwamm. К черту! – ›Zum Teufel!‹ Selbstverständlich ließ ich die Finger von dem Schnaps, denn diese Flasche hatte ich sofort wiedererkannt. Es war meine eigene, mit deren Hilfe ich Lasar vergiftet hatte. Sie war die ganze Zeit – wie ich es vermutet hatte – im Besitz von Krakow gewesen. Er hatte sie tatsächlich an sich gebracht und sie hier verborgen. Es lag auf der Hand, weshalb er dies getan hatte. Das Blut war wohl das von Wyschnin …

So! Nachdem ich dich nun auf den neuesten Stand gebracht habe, mein lieber Leser, will ich die Stunden bis zum Morgen nutzen, um meine Erlebnisse in Antenora fortzusetzen. »Na, endlich«, höre ich dich sagen, »das wird auch langsam Zeit, Towarischtsch!« Gut, dann gib mir noch einen Moment, damit mein Geist wieder durch die Zeit zurückwandern kann. Mit dem Wodkaglas in der Hand fiele es mir leichter …

›С лёгким паром!‹ – ›Möge dich der Dampf umschmeicheln!‹

Diese Tage im Herbst waren aus Watte gemacht. Glaube mir, mein eifriger Leser, der Nebel fühlte sich genau so an und er sah auch so aus, als sei eine feuchte, kalte Wolke direkt aus dem Himmel in die Grube von Antenora gefallen. Sie lag nun gärend in der Kuhle des Gulags wie ein Brotteig in seinem Backkorb. Der nasse Nebel war beinahe greifbar dicht; er besaß eine schwere Stofflichkeit, die jedermann das Atmen so erschwerte, als würde er an einer Wasserlunge leiden. Man sah keine drei Meter durch sein Wabern hindurch. Wäre nicht die beißende Kälte gewesen, hätte man den Eindruck bekommen können, man genieße einen freien Tag im баня einer der zwei großen Leningrader Badeanstalten, die Aleksandr Nikol‘skij Anfang der Dreißigerjahre erbaut hat.

Der erstickende Schleier leuchtete blendend von innen heraus und merkwürdige Lichtreflexe funkelten in ihm. Er wurde auch in der Nacht kaum düsterer, sondern nur ein wenig gelber, als würde jemand Kurkuma in den Milchbrei einer каша rühren. Da war es bereits ein abenteuerliches Unterfangen, sich von den Baracken zu den Latrinen zu tasten, ohne sich dabei hoffnungslos zu verirren. Diese extreme Wetterlage war selbst jetzt im Spätherbst ziemlich einzigartig. Normalerweise zogen während dieser Jahreszeit heftige Sturmwinde über die eisigen, staubtrockenen Hochebenen des Gebirges. Sie nagten an den Spitzen unserer aufgehäuften Erdpyramiden und verwehten deren Dreck und Staub bis weit hinunter ins Flachland des Oblasts. Die die LKW-Fahrer berichteten, allein unsere tiefe Grube sei mit dem merkwürdigen Nebel gefüllt. Sie würde deshalb von der Ferne wie ein milchiger See wirken. Die Grubenarbeiter, die in der Senke arbeiteten, wussten zu berichten, der Dampf käme von unten und nicht aus dem Himmel. Sie behaupteten, er quelle handwarm und stickig nach Schwefel stinkend aus dem Erdreich der Ausgrabung empor, als wäre dort unten ein Geysir.

Wenn die Gefangenen mal ihr Arbeitsquadrat gefunden hatten, war es in dem Nebel allerdings beinahe angenehm. Trotz des Seiles, durch das alle miteinander verbunden waren, damit sich niemand verlief oder den Wahnwitz eines Fluchtversuchs unternahm. Die Temperatur war wie in einem Badeort am Schwarzen Meer, man fühlte sich in dem Nebel geborgen und die Wärter kontrollierten einen kaum – wenn sie einen überhaupt fanden.

[Zum 16. Teil …]

Die drei bisher erschienen Bände der Geltsamer-Trilogie mit ihren neuen Titelbildern. Sie sind in jeder gutsortierten Buchhandlung und selbstverständlich überall als E-Book erhältlich.

NEU: Brautschau – Zeit muss enden

Willkommen in den Überlebenden Landen, Wanderer zwischen den Welten!

… und manchmal geht eben alles etwas schneller.

Ich habe heute schon meine Domain

Brautschau – Zeit muss enden

wiedereröffnet. Der Schneesturm, der um mein Heim bläst, hat mich zum Homeoffice gezwungen, was mir die Gelegenheit gegeben hat, an der Site weiter herumzubasteln. Wie du oben sieht, habe ich dabei auch den Kniff herausbekommen, wie ich Videos in meine WordPress-Blogs einfügen kann. (1) Wie gefalle ich dir in der Rolle des Meisters Jac Javac Mauvaise, des Erzabbas‘ von Stabsang? Eigentlich spricht im Roman Sahar, der Märchchenerzähler, diese Worte. Allerdings wird er dort als androgyner, schlanker und muskulöser Endzwanziger beschrieben.

Ich konnte dir das einfach nicht vorenthalten, meine liebe, treue Leserin. Ich hoffe, du gehst mal hinüber zur „Brautschau“ und siehst dich dort ein wenig um. Manches ist noch nicht ganz fertig, anderes lange nicht vollständig, einiges noch nicht einmal begonnen. Aber ich hoffe, du fühlst dich dort ebenso wohl wie hier und dir gefällt, was du dort sehen und lesen kannst. Ich habe mir wirklich sehr viel Mühe gegeben.

Du kannst dort bereits zwei spannende Leseproben aus der „Brautschau-Sage“ lesen, z. B. den Anfang von „Meister Siebenhardts Geheimnis“:

Ich würde mich sehr freuen, wenn du mir deine Meinung mitteilen oder mir sogar auf BRAUTSCHAU folgen würdest! Vielleicht kannst du auch ein wenig Werbung für mich machen …

Liebe Grüße,

Nikolaus ›Jac‹ Klammer
Weltenschöpfer und Dichter


(1) Der Trick ist, das fertige Video über die WordPress Smartphone-App in die eigene Mediathek hochzuladen und es dann wie ein Bild einzufügen. Im Gegensatz zur PC-Version funktioniert das dort – weiß der Teufel, weshalb …

Brautschau – Die Website (Vorankündigung)

Außer meinem Blog nikolaus-klammer.blog besitze ich seit vielen Jahren noch zwei weitere Sites bei WordPress. Die eine – rosmarinkatze.wordpress.com – gehört Verena Salva, einer Protagonistin meiner Romantrilogie „Dr. Geltsamers erinnerte Memoiren“, deren 4. Teil (!) ich gerade hier als Fortsetzungsroman vorveröffentliche. Wer über die geheimnisvolle Frau im Geltsamer nicht genug erfahren hat, wird auf ihrem Blog fündig, auf dem sie auch ein paar Dinge über ihr Leben preisgibt, die sie in den Büchern verschweigt.

Die andere Domain hat die Adresse siebenhardt.wordpress.com und sie liegt seit vielen Jahren brach. Ich habe sie 2015 gegründet, weil ich die Genres, in denen ich tätig bin, trennen wollte, nämlich in die Belletristik und in die Phantastik. Mir wurde glaubhaft versichert, ein Autor, der unter einem einzigen Pseudonym zwei oder drei verschiedene Literaturgattungen bedient, würde bei den Lesern nur Verunsicherung bewirken. Die Arbeit an zwei literarischen Blogs gleichzeitig wuchs mir jedoch sehr schnell über den Kopf, deshalb stellte ich die Siebenhardt-Seite (1) nach gut einem Jahr ein, stellte sie „privat“ und ließ sie in meinem virtuellen Kellerloch verschimmeln. Die Brautschau-Saga wuchs jedoch in den darauffolgenden Jahren an und mir manchmal auch über den Kopf. Inzwischen sind aber 3 lange, im Eigenverlag veröffentlichte Romane erschienen, insgesamt über 1400 Seiten Lesefutter. An dem fast fertigen Roman „Mánis Fall“, der das Prequel zur Sage ist, arbeite ich. Ich will den Band noch in diesem Sommer veröffentlichen. Dazu existieren einige Entwürfe für weitere Geschichten aus den „Überlebenden Landen“.

Die drei bislang erschienenen Romane der Brautschau-Sage

Es haben sich in den Jahren, in denen ich an der „Brautschau“ schrieb, außer den Büchern viele Artworks, Landkarten, Orts- und Namenslisten, Zeittafeln, sogar die Grundzüge einer Sprache und alles mögliche weitere Material angesammelt, das in den Romanen keinen Platz gefunden hat, aber meine Leserinnen vielleicht interessiert. Deshalb habe ich beschlossen, die Seite siebenhardt.wordpress.com wieder zu eröffnen. Hier soll es zusätzlich zu dem eben Erwähnten News und Leseproben rund um die Brautschau-Sage geben (2). Ich denke, im Februar bin ich so weit, dass ich die Seite starte. Selbstverständlich soll die Brautschau-Site auch eine Art von Visitenkarte sein, die Vorbeisurfenden Lust macht, die Bücher zu lesen – also schlicht auch Werbung machen.

Dies ist schon mal ein Screenshot der Titelseite, die sich aber wahrscheinlich noch ein wenig verändern wird. Aber ich glaube, man kriegt schon eine gute Vorstellung, wie das Ganze am Ende aussehen soll.

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(1) Der dicke und gerissene Meister Siebenhardt ist die Hauptfigur der Romane und – ja – auch eine Art von Alter Ego.

(2) Der Geltsamer, meine zweite große Romanserie, und auch meine anderen Projekte haben weiterhin hier auf dem Blog ihre Heimat.

06.01.21 – kurze Nachrichten aus dem Elfenbeinturm

In herrlicher Einsamkeit hab ich manchmal in mir selber gelebt,
ich bin’s gewohnt geworden, die Außendinge abzuschütteln
wie Flocken von Schnee.
 Hölderlin

Mittwoch, 06.01.2021

Liebe unbekannte Leserin,

wir haben es also geschafft. Wir sind in Zweieinundzwanzig und damit endlich in den Zwanzigerjahren angekommen.(1)  Fühlt sich das Neue Jahr anders an als das erbärmliche 2020? Für mich eher nicht. Die äußeren Umstände haben sich nicht verändert, sie wurden sogar noch verschärft und nun müssen Frau Klammerle und ich uns wieder entscheiden, welcher unserer Söhne uns der Liebste ist und mit welchem wir uns treffen wollen. Immerhin: Es schneit …

Im Moment postet ja jeder in den sozialen Medien Winterbilder und ich musste neidisch zusehen, weil die Schneewolken bislang einen weiten Bogen um Diedorf machten. Aber nun hatte das Tief Ahmet zum Ärger der Idioten von der AfD und zu meiner Freude Erbarmen mit mir und hat zum ersten Mal in diesem Winter auch meiner Heimatgemeinde ein paar Flocken beschert. Mashalla! (2) Es ist wirklich eine Erleichterung. Die kurzen Tage um Neujahr waren grau, kalt, dunkel, deprimierend, einsam. Nun sind sie weiß, kalt, hell – und einsam. Das ist doch schon mal was! Am Nachmittag werde ich meine Boots anziehen und in die Wälder stapfen, die eiskalte Luft atmen und das Wunder genießen, wie ein wenig Schnee die Welt verzaubern und verschönern kann. (3) Dann werde ich auf meiner Terrasse die Glühweinreste von Weihnachten genießen und  mein ganz privates Dreikönigstreffen veranstalten: Frau Klammerle (die übrigens bereits geimpft ist), Katze Amy und meine Wenigkeit. C+M+B, „Christus mansionem benedicat“.

Bis dahin habe ich mich in mein Büro im ersten Stock zurückgezogen, die Heizung aufgedreht und schreibe weiter an meinem Geltsamer-Roman. Frau Klammerle liest inzwischen aufs Sofa gekuschelt und mit schnurrendem Katzen-„Topping“ unerschüttert und schmachtend im bereits 6. Band der „Schwesternsaga“ von Lucinda Riley. Das Leben im Elfenbeinturm ist schön.

Du hast sicher gesehen, dass „Die Bücherkeller des Vatikans“ gut vorwärts kommen und ich schon die ersten 100 Seiten (Das sind ungefähr 25000 Wörter!) in einer fortgeschrittenen Version fertig habe, mit der ich im Großen und Ganzen recht zufrieden bin. In den letzten zwei Wochen war ich sehr, sehr fleißig und es „lief“ bei mir in meiner Schreibklausur. Vielleicht hast du ja schon ein wenig reingelesen.

Ach ja, vergiss nicht: Ich treibe mich jetzt auch auf YouTube herum – und dort mein Unwesen. Gestern habe ich meine „10 goldenen Regeln“ für den erfolgreichen Schriftsteller als Online-Lesung hochgeladen und du kannst in der Aufnahme nicht nur erkennen, dass mir Frau Klammerle recht erfolgreich die Haare geschnitten, sondern dass die Weihnachtsvöllerei inzwischen durchaus Ergebnisse zeigt. (4) Wenn du also Lust hast, dich gut zu unterhalten, ein wenig fremdzuschämen und mich in „Liveaction“ zu genießen, dann klicke doch unten auf den Link und schon zaubert mich Freund Google auf deinen Bildschirm. Wenn du möchtest, kannst du mich dort sogar abonnieren. Viel Vergnügen!

Eine Online-Lesung

Ich würde mich natürlich auch wahnsinnig freuen, wenn du mir dort oder hier einen kritischen Kommentar zu meinem YouTube-Abenteuer hinterlassen würdest. Ich habe keine Ahnung, wie und ob das ankommt. Danke im Voraus.

Du siehst also, meine liebe unbekannte Leserin, dass ich noch an meinen guten Vorsätzen festhalte und fleißig dabei bin, meine leichte Lebens- und Schreibkrise zu überwinden. Der Lockdown hilft mir durchaus dabei.

Bis bald, dein Nikolaus


(1) Du weißt, ich bin ein alter Klugscheißer. Da es kein Jahr Null gab, begannen die Dekade der ‚Goldenen 20er‘ des 21. Jhds. eben erst vor sechs Tagen.

(2) Ich bin ein Held! Ich bin sogar schon um 09:00 Uhr mehr oder weniger freiwillig aufgestanden (Amy wollte gefüttert werden und hat Theater gemacht) und habe schneegeräumt!

(3) Ich bleibe natürlich im Radius von 15 km!

(4) Ab Montag wird es die leichte und kalorienarme Gemüseküche von Frau Klammerle geben. Zucchini, Kohlrabi und Brokkoli – sie leben hoch!

In den Bücherkellern des Vatikans (14)

<– zum 13. Teil …

»да – Ja. Aber ich wurde auch zu Ihrem Schutz abgestellt.«

»Als ob ich den brauchen würde! Seit vier Dekaden bewahre ich den ›Schlüssel‹ für euch auf. Auch wenn ich nie daran glaubte, dass einmal der Tag kommen würde, an dem die Pagen ihn zurückfordern würden. Ich habe ihn behütet. Das war ich meinem Peptej schuldig. In all den Jahren habe ich durchgehalten. Die Hyänen haben mich bespitzelt und wie ich jetzt weiß, niemals aus den Augen gelassen. Von der ›Buchhandlung‹ jedoch habe ich nie mehr etwas gehört – bis sie gestern wieder auftauchte!«

»Das geschah ausschließlich zu Ihrer Sicherheit, glauben Sie mir. Es wäre viel zu gefährlich gewesen, wenn wir weiter Kontakt mit Ihnen gehalten hätten. Aber wir waren immer in Ihrer Nähe, hatten immer einen Blick auf Sie. Aber wir mussten vorsichtig sein. Wenn die Hyänen geahnt hätten, dass Sie den ›Schlüssel‹ besitzen, würden Sie jetzt wohl nicht mehr leben.«

»Natürlich ahnten sie etwas, mein Junge. Besonders einer von ihnen. Wie eine Spinne hat er ein Netz um mich gewoben. Darin sitzt er seit Jahrzehnten geduldig und wartet. Wenn die Hyänen etwas besitzen, dann ist es Zeit. Sie bedeutet ihnen nichts. Auch jetzt hockt er im Geheimen und beobachtet mich. Zumindest versucht er es.« Ich deutete zur Badezimmertür, aus der das Rauschen der Dusche erklang.

»Ich dachte die ganze Zeit, es sei einer dieser grotesken Zufälle in meinem Leben gewesen, dass von allen ausgerechnet Taganow der Direktor des Kolonai wurde. Ich glaubte, er hielt mir nur für einen schwachsinnigen Alten unter vielen. Niemals kam mir der Verdacht, dass auch er mich erkannt hatte. Schließlich war ich ja direkt nach meiner Entlassung aus dem Gulag in meine jetzige Tarnexistenz geschlüpft und hatte sorgfältig mit der Hilfe der Pagen alle Spuren verwischt, die mich mit meinem früheren Ich verbanden. Das war nach der chaotischen Amnestie vom 17. März 1953 kein Problem, während der auch Antenora ›liquidiert‹ wurde. Hunderttausende kehrten abgerissen und ohne Papiere aus den sibirischen Lagern zurück. Da war es nicht schwer, mir die Identität von einem Unglücklichen zu stehlen, der nicht so viel Glück wie ich hatte und in Antenora erfroren war. Ich trat ins Militär ein und begann mein zweites Leben. Ich heiratete ›Птичка моя‹ – mein ›Vögelchen‹ und stieg bis zum Adjutanten von Generalmajor Nischenko auf, dem ich meinen Platz hier im Kollontai verdanke. Ich glaubte mich in Sicherheit. Nie hörte ich etwas von den Pagen, nichts von den Hyänen, nichts vom ›schwarzen Buch‹. Dies alles lag hinter mir wie ein Albtraum, aus dem ich erwacht war. Doch in all der Zeit gab es einen, der mir auf der Spur blieb und mich belauerte. Das erkenne ich erst jetzt. Seit ich ihn in Antenora beinahe getötet hatte, war er hinter mir her. Er trägt zwar ein neues Gesicht – das alte ist ja verbrannt! – aber seine Augen haben ihn verraten. Es sind die Augen der Hyäne.«

Jetzt war es an Wyschnin, schockiert zu sein. Diese Runde ging an mich. »Alter Mann, du meinst …«

»Ja. Dmitri Alexandrowitsch Krakow und Igor Igorowitsch Taganow sind ein und dieselbe Person.«

Siehst du, Freund Leser, ich war ehrlich zu dir. Jetzt weißt du schon fast alles. Aber lass mich noch schnell ein paar Lücken füllen, bevor ich ich mich auf den Weg mache. Nachdem der arme Wyschnin meine Mitteilung verdaut hatte, brachen wir unser konspiratives Gespräch eilig ab, denn er musste sofort die ›Buchhandlung‹ informieren. Wir verabredeten uns auf morgen Nachmittag. Ich würde in der Zwischenzeit den ›Schlüssel‹ aus seinem Versteck holen, das selbstverständlich nicht im Heim ist, sondern an einem anderen Ort, den ich allerdings problemlos zu Fuß erreichen kann. Selbstverständlich erzählte ich ihm nicht, was ich sonst noch zu erledigen hatte. Denn meine kleine Sünde, Lasar mit Brennspiritus zu vergiften, ging ihn nun wirklich nichts an. Würde ich nach so vielen Jahren endlich von der Last befreit worden, die mir Wastija aufgebürdet hatte? Du erinnerst dich? Ich rede von Sebastian Kerr, dessen Urenkelin nun geboren war. War damit meine Aufgabe erfüllt, die begonnen hatte, als ich als grüner Junge im literarischen Club Väterchen Bulgakows Buch gestohlen hatte? Ich hoffte es.

Freilich ist inzwischen alles ganz anders gekommen. Aber das weißt du ja auch schon, mein aufmerksamer Leser. Nachdem Wyschnin die ›Wanze‹ wieder an ihrem ursprünglichen Platz angebracht und sich von mir verabschiedet hatte, muss er sich irgendwie verraten haben. Vielleicht war er sogar so töricht und hat Krakow (bei diesem Namen werde ich jetzt bleiben) konfrontiert. Ich weiß nicht, ob es ihm noch gelungen ist, die anderen Pagen vor dem Direktor zu warnen, bevor dieser ihn umgebracht hat. Und ich bin bei meinem Versuch, meine kleine Giftattacke auf Lasar zu vertuschen, über Wyschnins Leiche gestolpert und musste mich in Krakows Büro vor dessen Handlangern verbergen, die mich zwar nicht entdeckten, aber einschlossen. So weit – so schlecht.

Aber nachdem ich meine Gedanken geordnet hatte, während ich im Dunkeln hektisch mein abendliches Abenteuer aufnotierte, fiel mir wieder etwas ein, das Wyschnin in unserem kurzen Austausch erwähnt hatte: Krakow besaß offenbar in seinem Büro ein geheimes Zimmer, von dem aus er mich abhören wollte. Das musste ich finden und mich darin verbergen. Dort war ich vor der Rückkehr von Renat und Petr sicher, denn sie wissen sicher nichts von diesem Versteck. Es war nicht einfach in der Dunkelheit, aber ich habe die unscheinbare Tapetentür nach einigem Abtasten und Klopfen recht schnell gefunden. Länger dauerte es dann, bis ich den geheimen Öffnungsmechanismus entdeckte. Ich will dich nicht mit meiner Suche langweilen, denn schließlich weißt du ja schon, dass sie erfolgreich war und ich gerade in Sicherheit bin. Die verborgene Tür öffnete sich von Zauberhand, als ich ein Buch im Regal neben ihr nach vorne zog. Es war übrigens Houdinis The right way to do wrong, was ein bezeichnendes Licht auf Krakows Charakter wirft.

Sein Geheimversteck liegt leider nicht auf der gleichen Ebene wie die Zimmer des Direktorats, sondern viele Stockwerke tiefer im Keller des Heims verborgen. Dorthin führte mich eine Art Fluchttreppe aus Gitterrost-Stufen, die in einen Schacht hinein gebaut war. Er wurde wahrscheinlich ursprünglich vom Architekten des Kollontai für den Einbau eines Fahrstuhls entworfen. Da ich in dem Halbdunkel, in dem auf meinem Weg hinab nur ab und an mal ein kleines Notlicht brannte, nur wenig sah, tastete ich mich langsam und vorsichtig in die Tiefe. Zu meinem Glück gab es ein Geländer. Ich will nicht wieder über mein Alter jammern. Aber Treppensteigen, auch wenn es abwärts geht, zählt nicht zu dem bevorzugten Zeitvertreib eines bald neunzigjährigen Säufers mit Herzproblemen. Ich benötigte für meinen Abstieg eine gute halbe Stunde. Dabei bat ich die Wladimirskaja, die Gottesmutter von Wladimir, dass dies keine Sackgasse war und ich später den ganzen Weg wieder hinaufsteigen musste.

»Du bist doch Marxist und Atheist!«, sagst du unwillig. »Warum flehst du eine alte Ikone an, auch wenn sie ein Nationalheiligtum ist? Glaubst du, ein Götzenbild kann dir helfen?« Du hast recht. Ich glaube nicht an die Macht eines bemalten Holzbretts, auch wenn ich es manchmal bedauere. Aber ich habees nie bereut, wenn ich mir eine weitere Option freigehalten habe. Ein Stoßgebet an die Madonna schadet doch nicht. Schau mal: Die Tür am Fuß der Treppe, die ich endlich keuchend und abgekämpft erreichte und sich gefühlt kurz vor dem Mittelpunkt der Erde befand, wäre wahrscheinlich auch offen gewesen, wenn ich die Gottesmutter nicht darum gebeten hätte. Aber weiß man es?

[Zum 15. Teil …]

Die drei bisher erschienen Bände der Geltsamer-Trilogie mit ihren neuen Titelbildern. Sie sind in jeder gutsortierten Buchhandlung und selbstverständlich überall als E-Book erhältlich.

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