16.07.21 – Kummer mit „Klummer“

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klummer

Freitag, 16.07.21

Nein, ich werde kein Foto von meinem Impfpass oder den Pflastern an meinem Arm posten! (1) Seit nun zwei Wochen gehöre ich ebenfalls zu den bundesrepublikanischen Privilegierten, die eine vollständige Corona-Impfung hinter sich haben. Und es geht mir ausgezeichnet dabei. Die beiden kleinen Nadelstiche in den Oberarm knapp unterhalb meiner Pockenimpfungsnarbe hatten keinerlei Neben- oder Nachwirkungen. Gesundheitlich (ich habe ja über 50 Pfund abgenommen) geht es mir so gut wie schon lange nicht mehr. Die Irren von der Impfgegner- und Coronaleugnerfront sind zwar der Meinung, dass ich damit mein eigenes Todesurteil unterschrieben habe, dessen Vollstreckung Gevatter Hein im Spätherbst zuverlässig erledigen wird – aber, hey, immerhin kommt nun ein Sommer, in dem ich wieder relativ unbelastet arbeiten, Freude und Verwandte treffen, in Konzerte und Essen gehen, reisen und Bergwandern kann. Das ist es wert. (2)

Oder aber: Das passiert alles nicht mir, sondern „Norbert Klummer“. Und das kam so: Zu den Impfungen meldete mich mein Arbeitgeber an, bei dem ich –  ständig einer größeren und wechselnden Personengruppe ausgesetzt – meinem Brotberuf nachgehe. Dabei kam es zu einem Übermittlungsfehler, den ich allerdings erst bemerkte, als der zweite Termin im Impfzentrum anstand und ich meine Unterlagen zusammensammelte. Dort stand zu lesen, dass statt „Nikolaus Klammer“ „Nikolaus Klummer“ die Impfung erhalten sollte. Nicht einmal meine Wohnadresse stimmte – es war die Adresse meines Arbeitgebers eingetragen. Ich machte im Zentrum selbstverständlich das Personal und den Arzt sofort auf diesen Fehler aufmerksam. Der ungläubige Arzt fragte mich zuerst allen Ernstes, ob ich zwischen den Impfungen meinen Namen in „Klammer“ geändert hätte.

„Klar. Ich habe geheiratet und den Namen meiner Frau angenommen.“ Er goutierte meinen Humor nicht und danach hatte ich es schwerer mit ihm. Zwar weist mich mein gelber Impfausweis richtig als „Klammer“ aus, aber leider hat auch er ein Manko. Als der Pass irgendwann in den 70ern erstellt wurde, hat sich die Arzthelferin beim Vornamen geirrt. Auf dem Impfausweis steht „Norbert Klammer“. Ich habe den „Norbert“ dann damals einfach durchgestrichen, in krakeliger Schrift „Nikolaus“ drübergeschrieben und mir in all den Jahren bei meinen Gelbsucht-, Tetanus- und all den anderen Impfungen nie Gedanken darüber gemacht. Ich kann also nicht beweisen, dass ich „ich“ bin und auf jeden Fall konnte niemand im Computer des Impfzentrums meinen Datensatz ändern und einfach aus dem „u“ ein „a“ machen.

„Das ist uns aus Datenschutzgründen nicht möglich“, hieß es. Dies ist echte deutsche Bürokratie. Der Datenschutz schützt mich vor mir selbst. (3) Der Fehler liegt immer bei mir und nie im Amt. Deshalb erhielt ich zwar trotzdem meine zweite Impfung, aber das QR-Zertifikat für die Corona-App nennt mich unverdrossen „Nikolaus Klummer“ (In die Luca-App kann ich es erst gar nicht eintragen). Bislang gab es damit keine Probleme, aber wenn ich in einem Monat nach Österreich und Südtirol zum Bergwandern reisen will, werde ich wohl meinen Namen in „Norbert Klummer“ ändern müssen, wenn ich über die Grenze möchte. Denn was im Computer steht, stimmt. Da könnte ja jeder kommen!

Ja. Wir wagen es und werden im August für mehrere Wochen verreisen. Wir haben Ferienwohnungen gebucht. Zuerst geht es ins Kaunertal und dann hoch zum Stilfser Joch. Jetzt hoffen wir, dass uns „Delta“ oder dieser Regenloch-Sommer(1) nicht noch dazwischen grätschen und wir in der Abgeschiedenheit und Einsamkeit auf unsere Berge steigen und Ruhe und Abstand finden können. Drückt uns die Daumen!


(1) Ich habe keine Ahnung, was die Leute dazu treibt, Instagram und Facebook mit solchen exhibitionistischen Aufnahmen zu fluten. In diesem Zusammenhang: Seit mehreren Monaten gibt es offenbar keine Nachrichtensendung mehr, in der nicht in Großaufnahme gezeigt wird, wie jemandem eine Impfung gesetzt wird. Ich glaube, ich habe in dieser Pandemie mehr entblößte Oberarme gesehen als in meinem ganzen Leben vorher. Es gibt viele Körperstellen, die beim Durchschnittsbürger nur bedingt erotisch sind und bleiche, picklige, fette Oberarme gehören definitiv dazu.

(2) Frau Klammerle ist übrigens schon seit Januar doppelt geimpft und ihr geht es ebenfalls glänzend. Sie lässt grüßen. Und lasst euch verdammt noch mal impfen! Es gibt kein vernünftiges Argument dagegen. Impfung ist der einzige Weg, um diese Pandemie zu überwinden. So sind wir auch die Pocken und die Kinderlähmung losgeworden und hoffentlich bald auch die Masern.

(3) Vor ein paar Jahren benötigte Sohn Nr. 2 für seinen Beruf als Erzieher ein sauteures, sogenanntes erweitertes Führungszeugnis. Als es endlich eintraf, stellten wir fest, dass als seine Staatsbürgerschaft als „finnisch“ angegeben war. Als Frau Klammerle nach endloser Buchbinder-Wanninger-Telefoniererei endlich bei der zuständigen Stelle landete, wurde sie allen Ernstes zuerst gefragt, ob es nicht möglich sei, dass er doch Finne sei. Es musste von ihr einiges an Überzeugungsarbeit geleistet und eidesstattlich versichert werden, dass es in unserer Familie noch nie einen Finnen gab, bis wir ein zweites, richtiges Zeugnis bekamen, das wir selbstredend noch einmal bezahlen mussten. Ein anderes Beispiel: In meinem digitalen Personalbogen bei meinem Brötchengeber steht eingetragen, dass ich insgesamt 4 Söhne hätte, Zwillinge, die wie mein Sohn Nr. 1 heißen und zwei, die den Vornamen von Sohn Nr. 2 tragen. Dieser Fehler wurde auch nie verbessert, obwohl ich mehrmals auf ihn hingewiesen habe. Ich habe keine Ahnung, was dieser Tippfehler noch für Konsequenzen haben wird.

(4) Nein, ich werde nicht über diesen beschissenen Sommer jammern! Ich will mir das abgewöhnen. Ist dir aufgefallen, wie viele Fotos von Regenbögen gerade gemacht werden? Ich habe mich auch schon dabei ertappt; man kommt ihnen morgens und abends kaum mehr aus. Dies ist ein Regenbogensommer. Und das ist ein herrlicher Titel für einen Roman, für den ich hiermit das Urheberrecht beanspruche (Demnächst in der Galerie der imaginären Cover)

 
 

12.05.21 – Werkstattbericht aus Stillblüten

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Mittwoch, 12.05.21

Liebe Leserin,

nach einigen Wochen melde ich mich mal wieder bei dir. Viel hat sich bei mir nicht getan in den letzten drei Wochen. Ich faste noch immer fleißig, und ernähre mich weiterhin von Wasser, ayurvedischem Tee und morgens mal einem Trinkjoghurt. Heute ist schon mein 31. Fastentag. Das ist für mich, der ich alle drei, vier Jahre faste, ein neuer persönlicher Rekord – über drei Wochen bin ich bislang noch nie hinausgekommen. Ich wollte eigentlich morgen endlich mit der inzwischen doch recht lästigen Selbstkasteiung aufhören und mit einem Vatertagsgrillen meine Abnehmerfolge (1) und die neugewonnene Lebensqualität feiern. Doch leider ist das Wetter weiterhin grausam zu uns und auf den viel zu kalten und verregneten April folgt nun ein viel zu kalter und verregneter Mai. Langsam nehme ich das alles sehr persönlich. Meine Forderung nach der sofortigen und dringenden Mediterranisierung Bayerns verhallte leider bislang ungehört, wenn man mal von dem 24-Stunden-Sommer-Intermezzo absieht, das den Muttertag wärmte. Zusammen mit der für mich sehr bedrückenden Pandemiesituation ist dies das besch*ste Frühjahr, an das ich mich erinnern kann. Deshalb habe ich mich entschieden, noch einmal ein paar Fastentage draufzulegen und weiterzumachen –  es spielt ja eh keine Rolle.

In den Pfingstferien wird Sohn Nr. 2 endlich seine inzwischen langjährige Verlobte standesamtlich ehelichen. Das Ganze wird coronabedingt in sehr kleinem Rahmen stattfinden, da außer dem glückseligen Bräutigam nur die Trauzeugen und die Mütter des Brautpaares vollständig geimpft sind und am der Zeremonie teilnehmen dürfen. (2) Alle anderen werden draußen vor der Tür warten müssen. Und gemeinsam feiern geht aufgrund der Pandemieregeln ebenfalls nicht. Auf jeden Fall möchte ich dann wieder in meine gute alte schwarze Hose passen, deren obersten Knopf ich allerdings im Moment noch nicht schließen kann. Daher werde ich wie der Herr in der Wüste nun volle 40 Tage hungern (das Beten werde ich sein lassen). Falls mich der Teufel mit einer Vier-Käse-Pizza oder einem Teller Spaghetti versuchen möchte, werde ich ihm wohl nachgeben. Aber bis jetzt hat er noch nicht an meine Tür geklopft. Für die zwei Wochen danach plane ich dann eine gemäßigtere Diät, in der ich auch viel Radfahren und Wandern möchte – sofern dieses Sch*-Wetter mitmacht. Ich plane ein Intervallfasten. Dies ist dann übrigens der kritischste Punkt, denn ich muss verhindern, dass ich wieder in alte Gewohnheiten falle und ich mir rasch wieder meinen Bierbauch zulege. Vielleicht ist es ganz gut, dass die Gastronomie noch geschlossen und auch kein Biergartenwetter ist. Habe ich eigentlich schon gesagt, wie gräuslig dieses Frühjahr ist?

Ich habe es schon erwähnt: Wenn mein Körper darbt, dann hüpft der Geist beschwingt. Das alte Sprichwort, dass ein voller Bauch nicht gern studiere, ist tatsächlich wahr. Seit 30 Tagen sprudle ich über von Einfällen und bin literarisch so aktiv wie schon ewig nicht mehr. Ich habe mit „Mein Frühjahr in Stillblüten“ eine Erzählung begonnen, die sich inzwischen zu einem veritablen kleinen Romanprojekt entwickelt hat. Inzwischen stehen über 10.000 Wörter in meinem Schreibprogramm. Da ich den Text hier Schritt für Schritt veröffentliche, kannst du seine Entwicklung mitverfolgen, wenn du Lust hast. Ich habe inzwischen auch mit meinem Grafikprogramm gespielt und einen ersten Entwurf des Covers gestaltet, das meiner Meinung nach die düstere und unheimliche Stimmung des Romans gut widerspiegelt:

Cover Stillblüten4

Mein Frühjahr ins Stillblüten spielt hauptsächlich in einem Bergdorf in den Schweizer Alpen in der Zeit ab Mitte April dieses Jahres. In einem komfortablen Chalet oberhalb von Stillblüten will sich die Schriftstellerin Bernadette Rainer von einem Schicksalsschlag und einer damit verbundenen Schreibkrise erholen und an ihrem angefangenen Roman „Levin Leonheart“ weiterschreiben. In einer Unzahl von E-Mails, die sie an ihre Tochter schickt, erzählt sie ihre Erlebnisse. Mit der Zeit bemerkt Bernadette, dass in ihrer Umgebung etwas nicht stimmt. Es geschehen merkwürdige Dinge in dem einsamen Chalet. Auch die Dorfbewohner von Stillblüten scheinen Geheimnisse zu haben – wie Bernadette selbst übrigens auch …

Was ist dran an der örtlichen Sage vom „Zug der armen Seelen“, von einer Seuche hingeraffte geisterhafte Erscheinungen, die nächtens von wilden Hunden begleitet über die Berggrate an den Wetterkreuzen vorbeiziehen und die Lebenden heimsuchen? Ist Bernadettes Leben in Gefahr? Wahrheit, Mythos und Wahngespinnste verfließen ineinander.

Die düstere Stimmung des Bildes auf dem Cover beruht also auf der einen Seite auf dem scheußlichen Regenwetters dieses Frühjahres (in Stillblüten schneit es fast ununterbrochen) und ist von der zermürbenden Pandemiesituation geprägt, aber auch von dem unheimlichen Rätsel, das das Dorf Stillblüten gefangen hält. Ich bin trotz meiner leicht morbiden Geschichte, die nicht nur vom „Todeszug“, sondern auch – ich gebe es zu – von „The Turning of der Screw“ von Henry James beeinflusst ist, übrigens noch immer guter Dinge und voller Aufbruchsstimmung  – wenn nur endlich das Wetter besser werden und die eine oder andere Ferienregion wieder öffnen würde.

Zum Abschluss noch ein Cover, diesmal eines aus meiner Galerie der imaginierten Cover. Es ist der Titel des Romans, an dem die Autorin Berndadette in „Mein Frühling in Stillblüten“ so verzweifelt wie erfolglos arbeitet. Ich kann mir vorstellen, dass du dieses Buch lieber lesen möchtest, aber sie hat es leider noch nicht zuende geschrieben.

LevinCover


(1) Immerhin sind es schon mehr als 15 Kilos, die ich abgespeckt habe. Das ist das Gewicht eines Kastens Bier, den ich nun nicht mehr mit mir herumschleppe. Wirklich erstaunlich!

(2) Ich habe am letzten Donnerstag auch meine 1. Portion Biontech erhalten, das gerade das Tagesangebot im Impfzentrum war. Die zweite erfolgt dann in 4 Wochen. Ich habe keine Ahnung, in welcher der Spritzen nun der Chip von Bill Gates ist und werde es wohl nie erfahren, weil meine Heimatgemeinde Diedorf ein großes Funkloch ist.

 
 

22.04.21 – Ich werde wieder ich

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Mittwoch, 22.04.21

Liebe Leserin,

ich will zuerst einmal ein Loblied auf das Fasten singen. Dessen Vorteile sind nicht nur, dass die zehn Kilo, die ich mir im Lockdown während der letzten 12 Monate zulegte, langsam wieder verschwinden (leider sehr langsam), sondern in erster Linie ist es auch ein geistiger, mentaler. Wenn man auf feste Speise, Alkohol und Kaffee und andere ungesunde Dinge verzichtet, sind die ersten drei Tage durchaus die Hölle. Aber dann ist plötzlich der Hunger weg, die Kopfschmerzen wegen des Koffeinentzugs schwinden und der Geist wird klarer, leistungsfähiger. Er erweitert sich. Das Fasten ist wie ein Durchlüften des Gehirns. Plötzlich öffenen sich in den Windungen der Neuronen wieder Türen, die vorher verschlossen waren. Es ist ganz erstaunlich. Kein Wunder, dass das das Fasten seit Jahrtausenden in allen Religionen und vielen Philosophien eine bedeutende Rolle spielt. Heute ist mein zehnter Fastentag. Ich fast habe gemeinsam mit den gläubigen Muslimen begonnen (ein reiner Zufall) und plane, bis zum Zuckerfest (das fällt in diesem Jahr auf Christi Himmelfahrt) weiterzumachen. Ich bin voller Tatendrang und das erste Ergebnis meines wiederaufgefrischten ICHs ist die nagelneue Erzählung „Mein Frühjahr in Stillblüten“, von der du den ersten Abschnitt gestern hier auf meinem Blog lesen konntest.

BannerStillblüten

Diese Geschichte wird in etwa 20 E-Mails erzählt, hat also beinahe den Umfang eines Romans, wenn sie fertig ist. Sie beginnt in der Woche nach Ostern 2021. Du begleitest darin ein paar Monate lange einen Autor, den sein Verleger in eine Schreibklause in ein Chalet oberhalb des Schweizer Bergdorfs Stillblüten geschickt hat. Dort soll er seine Schreibkrise überwinden, die ein Trauerfall in der engen Familie ausgelöst hat. In den E-Mails, die der Autor von dort verschickt, berichtet er von seinen Versuchen, wieder auf die Beine zu kommen und seinen angefangenen Roman zu beenden. Doch die scheinbare Idylle in dem abgeschiedenen Hochtal ist trügerisch. Die Menschen in Stillblüten haben ein Geheimnis und auch der Schriftsteller verbirgt etwas … Er ist ein unzuverlässiger Berichterstatter, dem man nicht trauen darf.

Ich plane, die E-Mails, auf denen die Erzählung aufbaut und in denen langsam die Geheimnisse enthüllt werden, regelmäßig auf meinem Blog zu veröffentlichen. Morgen folgt bereits die 2. Fortsetzung. Ursprünglich war angedacht, sie interessierten Lesern direkt und tatsächlich über die elektronische Post zukommen zu lassen. Das ist ein hübscher und wie ich denke, auch origineller Gedanke. Aber nicht zuletzt mangels Interesse nicht durchführbar. Ich kann ja froh sein, wenn sich überhaupt drei oder vier Leserinnen auf meinen Blog verirren. Falls du aber doch Interesse hast, sende ich dir die E-Mails gerne regelmäßig zu.

moi-verletzt

Ich bin also wieder aus meinem Schlaf erwacht. Verletzt, aber ungebrochen … Du hast es sicher bemerkt: Nun habe ich mich schon eine ganze Weile nicht mehr bei dir gemeldet. Und ich war nicht ohne Grund oder aus Faulheit verstummt.

Die letzten Monate waren für mich wie ein schier endloser Sturz in einem düsteren Schacht Richtung Erdmittelpunkt. Ich war antriebslos, frustriert, ausgelaugt. Ich trank und aß viel zu viel, konnte mich kaum zum Arbeiten oder Schreiben aufraffen, habe praktisch nichts gelesen. Im Nachhinein habe ich das Gefühl, dass ich durch Corona verdummt bin. Meine sozialen Kontakte, die schon immer recht eingeschränkt waren, tendierten gegen Null. Ich war also (mal wieder) in einer veritablen Krise. Ich existierte, aber ich lebte nicht. Ende März/Anfang April schlug ich dann am Boden meines Schachts auf und blieb zerschlagen und zerstört liegen. Das grausame Wetter, das mich in mein Heim fesselte, tat den Rest. Manchmal ist mir, als würde ich mein Leben in Spiralen leben, die sich um die Dinge ziehen. Ich komme regelmäßig wieder an den gleichen Punkt, aber immerhin gelingt es mir mit jeder Drehung, mich ein wenig höher hinaufzuschwingen. Ein Psychologe würde allerdings etwas von boarderline murmeln …

Was ist für eine Zeit, in der wir uns da befinden und an der wir leiden! Ich muss Frau Klammerle danken, die mich trotz meiner üblen Launen und meiner Niedergeschlagenheit tapfer ertrug und immer stützte. Ihr allein ist es zu verdanken, dass ich mich in meiner Verzweiflung nicht aus dem Kellerfenster stürzte. Doch ich war nahe dran und deshalb musste eine Änderung her. Es benötigte einige Anläufe, aber dann sprang mein Motor wieder an. Auch wenn er noch immer rumpelt und ab und an aussetzt. Ich faste, ich lese und ich schreibe.

Mein Blog, der in diesen Tagen 8 Jahre alt wird – ich habe ihn am 1. Mai 2013 gestartet – , soll wieder lebendiger werden. Ich habe schon einige Ideen. Ich hoffe, du bleibst neugierig und bist in »Stillblüten« dabei. Ich würde mich sehr freuen.

Bis bald, dein Nikolaus

 
 

23.03.21 – Ich werde berühmt – oder?

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Dienstag, 23.03.21

Liebe Leserin,

ich habe in der letzten Woche ein Interview für den Podcast „Windmanns Eck“ der norddeutschen Autorin Laura Windmann gemacht. Sie wird bei Bastei-Lübbe verlegt und hat einige heitere Bücher über ihr Leben mit Mann, Hund, Garten und „Muddi“ geschrieben. Ich habe sie über Instagram kennengelernt und sie hat mich mit ihrer Einladung, an ihrem Podcast mitzuwirken, ziemlich überrascht und mir auch geschmeichelt.

Unser Gespräch, das wir in Coronazeiten selbstverständlich nicht vis-à-vis, sondern über das Smartphone und die Podcast-Software „Anchor“ führten, dauerte aufgrund einiger Tonprobleme (mein Sch*-Internetanschluss von Vodaphone) ziemlich lang, bis wir eine knappe halbe Stunde einigermaßen sendbares Material zusammengebracht hatten. Wir haben insgesamt viermal von Neuem begonnen. Doch Laura ließ sich nicht aus der Ruhe und ihrer guten Laune bringen und so ist – glaube ich – ein ganz ordentliches Autoreninterview zustande gekommen, in dem ihre humorvolle und sympathische Hamburger Containance auf meine Bayerische Geschwätzigkeit trifft. Ergänzt haben wir das Ganze durch eine kurze Lesung aus meinem Buch „Noch einmal davon gekommen“. Trotz der akustischen Mängel, meinem „Augschburgerisch“ und der Tatsache, dass wir die Hälfte der Fragen vergessen haben, kann sich das Ergebnis hören lassen und dies selbstverständlich auch auf spotify, google, amazon etc. Hier die direkten Links zum Interview und zur Lesung (einfach auf das Bild klicken):

Durch das Interview bin ich jetzt auch im Besitz der Podcast-Software und ich spiele nun mit dem Gedanken, mir ebenfalls eine wöchentliche „Radio-Sendung“ zu erstellen, in der ich z. B. meine Blogartikel einlese, Lesungen aus meinen Büchern halte oder einfach ein wenig mit Freunden oder mit mir selbst (1) plaudere. Ich könnte das auch hier auf meinem Blog machen. Vielleicht nenne ich meinen Podcast „Nikolaus plaudert …“ und ich werde ein berühmter Influencer wie !Bibi und so oft gehört wie „Gemischtes Hack“. Aber das ist eine Welt, in der ich mich noch nie bewegt habe und wahrscheinlich bin ich dort vollkommen fehl am Platz. Zudem hat mir Sohn Nr. 2, der immer das Ohr am Puls der Zeit hat, glaubhaft versichert, dass heutzutage jede*r_s, wirklich jeder, einen Podcast führt; sogar Kühlschränke und Haustiere. Das ist dann doch wohl eher nichts für mich. Oder was meinst du?

Nur ein Entwurf …

*

Wie die anderen eitlen Autoren neige auch ich dazu, mich selbst im Internet zu suchen. Dabei stieß ich nicht nur auf weihnachtliche Basteleien mit Nikoläusen und Wäscheklammern, sondern in mehreren Gebrauchtbuch- und Antiquariatsseiten auf folgendes Angebot:

Das war wie ein Stich direkt ins Herz und es blutet noch immer. Da habe ich jemandem ein gewidmetes (!) Exemplar meines Kurzgeschichtenbands „Das Rote Haus“ zukommen lassen (wahrscheinlich sogar als Geschenk) und dann ist der- oder diejenige so dreist, es nicht einfach weiterzuverschenken, auf einer Parkbank liegenzulassen oder in einen öffentlichen Bücherschrank zu stellen, sondern es verkaufen zu wollen, obwohl es „handschriftliche Anmerkungen“(?) enthält. Auch der Angebotspreis des gebrauchten Buchs von 8 € (plus Versand) ist frech, denn ein nagelneues Exemplar des „Roten Hauses“ aus der Buchhandlung um die Ecke wäre erheblich billiger (und würde mir wenigstens ein paar Cent Autorenhonorar einbringen). Allein die E-Book-Variante würde weniger als das Porto kosten. So wird das wohl nichts mit dem Verkauf. Trotzdem:

Ich weiß, ich müsste loslassen können. Aber diese Bücher sind meine Kinder und es schmerzt, wenn sie jemand nicht mit Respekt behandelt. Es ist, als würde man mich selbst nicht wertschätzen. Ich fühle mich benutzt und irgendwie besudelt – ein nur schwer erklärbares Gefühl.

*

Und dann sind da noch dieser mistige, eisige Frühling, die ganze äußere Situation, die mich einengen und einsperren und der sich über Monate aufgestaute Ärger über eine Corona-Politik, die zu spät, zu wenig und zu inkonsequent handelt. Ja, mir ging es schon einmal besser. Und die Arbeitsplatte für unsere neue Küche ist auch noch nicht da!

Vielleicht sieht ja in der nächsten Woche alles wieder ein wenig besser aus und wir hören uns demnächst bei Windmanns Eck oder bei meinem eigenen Podcast.

Bis dahin, dein Nikolaus


(1) Das kann ich besonders gut. Laura, die ich zwischendurch in Grund und Boden schwatzte, kann davon ein Lied singen. Ich bin mir mein liebster, interessantester und belesenster Gespächspartner, der mich immer wieder durch seine Schlagfertigkeit, seinen Esprit und seine Selbstironie begeistert.

 

 

02.03.21 – Die Leserschaft braucht Sensationen

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Dienstag, 02.03.21

Liebe Leserin,

ich habe vor genau 4 Jahren begonnen, meine Bücher als Selfpublisher und Indieautor zu veröffentlichen. Das machte ich in erster Linie, weil ich meine Werke gerne im Bücherschrank stehen haben wollte. Dann wurde ich etwas ehrgeiziger …

Sie machen sich doch gut im Bücherregal, oder?

Im März 2017 brachte ich also mit Meister Siebenhardts Geheimnis den ersten Roman meiner Fantasy-Reihe »Brautschau« heraus und praktisch gleichzeitig mit Die Frau, die der Dschungel verschluckte auch den ersten Band der »Geltsamer«-Reihe. Im Mai folgte dann schon Noch einmal davon gekommen mit meinen besten Blogartikeln. Danach habe ich bis heute noch zehn weitere Bücher veröffentlicht und in diesem Monat steht mit Stromausfall mein neuer Band mit Erzählungen in den Startlöchern.

Ich bin sehr naiv an die Sache herangegangen und habe viele Fehler gemacht, die sich noch immer auswirken und Mitschuld tragen, dass ich nur wenige Bücher verkaufe.

Die größten Fehler machte ich bei meiner Fantasy, die wie alte Semmeln in der Auslage verschimmeln:

Ich verwende für alle meine Bücher den gleichen Namen Nikolaus Klammer; egal ob das Werk Genre ist oder  Belletristik. Zumindest für die Fantasy hätte ich mir ein anderes, markantes Pseudonym suchen sollen, das Erwartungen weckt. Es wäre richtig gewesen, meine verschiedenen literarischen Gesichter durch unterschiedliche Namen zu trennen. Die Leserschaft möchte Klarheit – mein Name auf all meinen so unterschiedlichen Werken verirrt nur und stößt ab. Wenn die Leserinnen Milkaschokolade kaufen wollen, haben sie eine gewisse Erwartungshaltung, die erfüllt werden soll. Da darf das Produkt nicht plötzlich bitter oder salzig schmecken. Erec T. – das steht natürlich für Tiberius – Stronghold wäre z. B. ein toller Fantasyautoren-Name gewesen. Da steckt Ritterlichkeit drin, Mittelalter, Kraft und Pathos! Erec T. Stronghold statt Nikolaus M. Klammer – das klingt doch gut und ist leicht zu merken! Es schreiben ja auch nur Amis gute Highfantasy. Bei SF und Fantasy sollte eh viel mehr englische Sprache auf dem Titel auftauchen, der viel, viel reißerischer sein muss als meine Romantitel. Nicht »Meister Siebenhardts Geheimnis« und nicht »Brautschau« (1) – viel besser wären »His darkest secret« und »The Matchmaker Files«. Auch sollte unbedingt ein Zitat von Stephen King auf den Titel: Superb Fantasy! Das hat er freilich nicht über mein Buch, sondern über ein anderes gesagt. Also habe ich nicht gelogen, sondern nur selektiv zitiert. Denn ohne King-Zitat oder einen Vergleich mit dem „Herrn der Ringe“ geht es einfach nicht, wenn man ein Fantasybuch verkaufen will. Und auf jedes Cover muss ein SPIEGEL-Bestsellerautor-Aufkleber!

Halte ich mich daran, dann müsste mein Cover so aussehen:

Im Vergleich dazu sind die Titelbilder meiner Romane bieder und langweilig, ja abschreckend. Sie müssten vielmehr eyecatcher sein und dramatisch. Auch wenn sie wie in diesem von mir schnell hingepfuschten Cover (2) nichts mit dem Inhalt zu tun haben. Ich vermute wirklich, wenn meine Fantasyromane Cover wie dieses hätten, dann würden sie von den Leuten eifrig gekauft und gelesen. Aber will ich das? Möchte ich für meine Romane Leser, die auf solch ein Augenfutter hereinfallen?

Was meinst du? Soll ich mir noch ein Pseudonym zulegen und meine Bücher mit melodramatischen Pulp-Covern ausstatten? Vielleicht auch der Belletristik aus meinem »Jahrmarkt in der Stadt«-Zyklus die Titel attraktiver gestalten? Ich denke, ich werde eine Kunstaktion starten, die ich Die imaginären Cover nennen werde. Als nächstes mache ich aus »Aber ein Traum« einen Liebesroman von Jeanne Apprêt. Eine schöne Frau von hinten, Lavendelfelder, reife Zitronen, eine toskanische Villa … mir fällt schon etwas ein.

Ich hatte in einem Februar noch nie so wenige Zugriffe auf meinen Blog wie in diesem Jahr. Das mag auch daran liegen, dass man mir meine Lustlosigkeit anmerkt, für praktisch niemanden zu schreiben. Das ist ein Teufelskreis, ich weiß. In den nächsten Wochen werde ich hier noch ein wenig stummer sein, denn Frau Klammerle und ich sind am Renovieren. Wir lassen uns eine neue, topmoderne Küche einbauen und damit die alten Schränke Platz im Keller haben, wird er nach zwanzig Jahren endlich einmal ausgemistet. Im Moment herrscht also gerade ziemliches Chaos in der Wohnung und wir können nicht mal kochen. Die Lieferdienste freut es und wir haben sogar schon angegrillt.

Bis demnächst, dein Nikolaus

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(1) Ich will nicht nerven, aber warst du schon auf meiner neuen Website für meine Fantasy-Romane? Sie ist mir wirklich gelungen, finde ich. Auf brautschau.blog findest du alles, was du über diese Bücher wissen willst und noch vieles mehr.

(2) Keine Sorge, liebe Bookcover-Verkäufer, die ihr so eifrig bei Instagram eure Instant-Titelbilder anpreist! Ich habe nicht vor, euch Konkurrenz zu machen. Meinen kleinen Entwurf erkläre ich hiermit zur public domain – wer ihn von euch für seinen Fantasyroman verwenden möchte, kann von mir die Datei geschenkt haben.