Aber ein Traum …

Autorer als andere Autoren

Freitag, 15.03.19

Freitag, 15.03.19

Heute Morgen hat mir meine Kaffeemaschine „Bitte entkalken“ empfohlen. Ich fühle mich alt.

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Frau Klammerle ist Kinderkrankenschwester in einer Frühgeburtenintensivstation und von daher hat sie einen äußerst unregelmäßigen Tagesablauf, der sich ständig ändert: Nachtwachenwochen wechseln sich mit Früh- und Spätdiensten ab, an freien Tagen schläft sie deshalb lange aus. Insgesamt ist sie eher ein Nachtmensch und wird munter, wenn ich langsam die nötige Bettschwere erreiche. Ich bin inzwischen – daran sind vorallem zwanzig Jahre früh aufstehen und die Kinder in die Schule schicken Schuld – eher ein Morgenmensch. Meine beste Zeit ist zwischen 08:00 Uhr und Mittag. Um diese Zeit schreibe ich an meinen Texten.

Nach dem Auszug von Sohn Nr. 1 ist Katze Amy die einzige im Klammerschen Haushalt, die hohen Wert auf einen geregelten und pünktlich zu vollziehenden Tagesablauf legt. Er ist bei ihr exakt und auf die Minute genau durchgeplant und nichts macht sie unleidlicher, als die „Komme ich heute nicht, dann komme ich morgen“-Mentalität der beiden Menschen, denen sie großzügig erlaubt, dass sie ihr Leben mit ihr teilen dürfen. So muss morgens Punkt 06:00 Uhr (also demnächst noch eine Stunde früher, denn die Sommerzeit wird von ihr ignoriert) gefrühstückt werden. Es ist die Zeit, in der Frau Klammerle oft heimkommt und die Lösung für die drei bedeutenden philosophischen Fragen der Menschheit weiß: „Wo komme ich her?“ (Von der Nachtwache.) „Wo gehe ich hin?“ (Heim in mein Bett.) „Was soll ich tun?“ (Schlafen!) Nimm dies, Immanuel!

Sollten aber die Menschen um diese unfreundliche Uhrzeit, in der es jetzt im März gerade beginnt, hell zu werden, noch in den Federn liegen, werden sie mit sanftem, aber hartnäckigem Drängen dazu gezwungen, aufzustehen und stinkendes Futter in einen Napf zu füllen und ihn der Katze mit aufmunternden Worten zu kredenzen. Während der Mensch anschließend barfuß in der Küche steht und noch nicht recht weiß, ob er Männlein oder Weiblein ist, nascht Amy kurz an ihrer leckeren Geleespeise (1), macht einen kleinen Verdauungsspaziergang zum Garten des Nachbarn gegenüber und legt sich dann bis um 14:00 Uhr ins leere Bett im Schlafzimmer, am Nachmittag wechselt sie dann nach einem erneuten Spaziergang ihren Schlafplatz und legt sich unten in meinen Lesesessel (im Sommer liegt sie draußen auf der Terrasse), von dort erhebt sie sich vor 22:00 Uhr nur kurz gegen 17:30 Uhr, um ihr Abendessen einzufordern. Dann beginnt ihre aufregende Nacht, die sie an die interessantesten Orte der Umgebung führt und oft damit endet, dass sie etwas nicht mehr ganz Lebendiges heimschleppt und mir großzügig zum Spielen überlässt. Während Amy morgens laut in mein Ohr maunzt, mir mit der feuchten Nase ins Gesicht stupft, geräuschvoll ihre Krallen am Rattanstuhl kratzt, vom Kleiderschrank auf meinen Bauch hüpft oder mit meinen nackten Zehen Fangen spielt, bis ich endlich aufstehe, ist ihre abendliche Methode diffizieller: Sie starrt mir vorwurfsvoll und ausdauernd ins Gesicht, versucht, mich zu hypnotisieren und mir den telephatischen Befehl zu geben, endlich die Katze zu füttern. Wenn ich mich bewege, rennt sie aufgeregt in Richtung des Schranks, wo ich ihr Futter aufbewahre. Offenbar hält sie mich wie die Kaffeemaschine von Frau Klammerle für sehr vergesslich.

 

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(1) Warum gibt es eigentlich nur Katzenfuttersorten mit dem Fleisch von Tieren, die eine Katze im normalen Leben nie fangen und fressen würde und nicht statt Thunfisch und Rind zum Beispiel „Leckere Stückchen vom Spatz und  der Maus?“

 

 

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2 Gedanken zu „Freitag, 15.03.19

  1. Darüber könnte man sicher ein gewaltiges Katzen-Heldenepos schreiben.

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  2. lunaewunia sagte am :

    Die Vorstellung, wie deine Amy versucht, eine Kuh zu Fall zu bringen, erheitert mir doch gerade sehr die Zugfahrt. 😋

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