1. Urlaubspostkarte 2021: Diedorf, die B300 und die »Querdenker«

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Sonntag, 15.08. 2021

Diedorf ist keine Dorfschönheit. Es liegt zwar idyllisch und verschlafen zwischen der naturbelassenen Schmutter und den ausgedehnten schwarzen Wäldern westlich von Augsburg, also genau dort, wo der Fuggerstädter sich in der Natur naherholt und seine schwäbische Heimat bei Kässpatzen und heimischem Bier genießt, aber … schön ist es nicht. Das Beste an Diedorf (im Jahr 1056 erstmals urkundlich erwähnt) ist also seine Lage. Allerdings führt die vielbefahrene B300 direkt durch den Ort in den „Wilden Westen“ Bayerisch-Schwabens (1). Sie macht viel kaputt. Auf dieser Straße staut sich zu den Berufspendler-Uhrzeiten morgens und am Abend alltäglich der Verkehr und das kilometerlang in beide Richtungen. Weil die Firma »Müllermilch« in der Nähe ihre Produktionsstätten hat (2) und von dort aus ihre Milchprodukte in alle Welt und insbesondere nach Italien und Osteuropa versendet, kommt noch ein gewaltiges LKW-Aufkommen dazu. Der Hauptort der zersiedelten Marktgemeinde – Diedorf selbst – ist ein Straßendorf. Es gibt deshalb für ihre Bewohner keine sinnvolle Möglichkeit, die selbstverständlich in jede Richtung nur einspurige Bundesstraße mit dem eigenen Auto zu umfahren. Freilich fordern Anlieger und die örtliche Politik  gefühlt seit dem Jahr 1056 eine Umgehungsstraße um die Ortschaft, doch ich glaube nicht, dass ich – oder meine ungeborenen Enkel – ihren lange versprochenen Baubeginn noch erleben werden.

So bin ich auch in meinem Urlaub 2021, dessen erste Wochen ich zuhause in meinem Gärtlein verbringe, häufig gezwungen, mich auf jener B300 im Schritttempo durchs Diedorf zu quälen und zusätzlich an jeder der vielen Ampeln stehen zu müssen. Dabei geht es altväterlich und gemütlich, aber leider auch hässlich zuerst an Discountern, großen Gewerbebetrieben und Tankstellen vorbei, anschließend durch den unteren Ortskern (Bäckerei – seit neuestem mit Eisverkauf -, Friseur, Tierarzt, Optiker, Metzgerei, Getränkemarkt, Genossenschafts-Biolädchen, noch ein Friseur, Buchladen (3), Gaststätte, Erdbeerstand. Direkt dahinter an der Kreuzung kann ich dann endlich nach links in Richtung Bürgerpark und Sportplatz abbiegen, in deren unmittelbaren Nähe Frau Klammerle und ich in einer ruhigen – manche sagen: toten – Rentnergegend wohnen. Bemerkenswert ist, dass man auf dieser Route durch den Markt an vier Storchennestern vorbeikommt, von denen die großen, aber offenbar etwas dummen Vögel drei Nester direkt auf Strommasten unmittelbar an der stinkenden und lauten Straße errichtet haben. Alle Storchenpaare haben inzwischen flügge gewordenen Nachwuchs und wenn sie alle über Diedorf und den feuchten Schmutterwiesen kreisen, verdunkelt sich der Himmel.

In den letzten Monaten ist auf meiner täglichen Stauroute durch den Ort ein Ärgernis hinzugekommen: Demonstranten stehen mit selbstgemachten Pappplakaten am Straßenrand, die sie mir überheblich lächelnd vor die Windschutzscheibe halten. Leider fordern sie nicht den sofortigen Baubeginn der Umgehungsstraße. Nein, es sind Diedorfs »Querdenker« (4), zehn oder manchmal auch zwanzig Personen, die meinen, es besser zu wissen als alle anderen. Sie trotzen den Abgasen und haben die kleine Handvoll »Zeugen Jehovas« vertrieben, die diesen Platz vor Corona reserviert hielten und stumm ihren »Wachturm« in die Höhe hielten. Die verkündete Botschaft ist jedoch die gleiche geblieben: Der Weltuntergang steht unmittelbar bevor! Nur wenige Auserwählte und Erweckte – also sie selbst – werden gerettet. (5) Nun ist es hierzulande das gute Recht von jedermann und jederfrau, sich für seine und ihre »Meinung« neben oder meinetwegen auf die Straße zu stellen und auf diese Weise uns geistig Armen mitzuteilen, die wir uns fälschlicherweise von Wissenschaft, Intelligenz und gesundem Menschenverstand leiten lassen, wie sehr wir uns irren. Ich nehme mir allerdings normalerweise mein Recht heraus, den »Querdenkern« aus dem Weg zu gehen, denn eine Diskussion ist mit ihnen ja vollkommen sinnlos. Im Alltag und im Internet funktioniert dieses Vermeiden einigermaßen, auch wenn diese bunte Mischung aus Verrückten, Bösen und Dummen so lautstark ihren pathologischen Unfug verkündet und mir irregeleitetem »Schlafschaf« als allein seligmachende Wahrheit aufdrängen will, dass dort meine eigene – andere – Meinung regelmäßig totgebrüllt wird. Die größten Gegner der Meinungs- und Redefreiheit sind die, die hysterisch behaupten, es gebe sie in Deutschland nicht.

Leider ist es im Stau auf der B300 nicht möglich, diesen unangenehmen Zeitgenossen irgendwie auszuweichen, ohne den einen oder anderen zu überfahren. Dieser Zwang, sich mit dem plakatieren vollkommenen Irrsinn macht mich jedesmal hilflos und wütend. Zwischen vier und fünf Uhr am Nachmittag ist Diedorf zumindest für Autofahrer wie mich die Vorhölle, von der der bayerische Papst frech behauptet hat, sie sei abgeschafft. Denn die Hölle, da bin ich mit Sartre eins, das sind die anderen, jene, die sich mir ungefragt aufdrängen und belästigen, die meine Freiheit, sie ignorieren zu dürfen, mit Füßen treten – Tag für Tag für Tag.

Schöne Grüße! Das Wetter ist gut und ab Mittwoch bin ich für ein paar Tage am Altmühlsee, bevor es dann am Sonntag ins Tiroler Kaunertal geht. Hoffentlich gibt es dort keine »Querdenker«.

Euer Nikolaus

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(1) Es gibt auch einen oberbayerischen „Nahen Osten“ jenseits des Lechs. Aber über den sei hier gnädig der Mantel des Schweigens ausgebreitet.

(2) … und nicht im Allgäu, wie deren Marketingabteilung frech behauptet, sondern im von Diedorf nur einen Katzensprung entfernten Aretsried, das auf einem sanften Hügel zwischen Fischach und Ustersbach liegt. Dort ist zwar nicht das Ende der Welt, aber man befindet sich in seiner unmittelbarer Nähe. Die große Privatbrauerei in letzterem Ort – so lecker ihr Bier auch ist – trägt nicht zur Entspannung auf der B300 bei. Da fast jede Ortschaft ihre Brauerei hat, gibt es in den Stauden Bier-LKWs so häufig wie E-Biker.

(3) … weil ich gefragt wurde: Nein, die kleine „Buchecke“ führt keines meiner Bücher. Man kann dort höchstens die E-Book-Ausgaben meiner Werke erwerben – die im Moment übrigens noch auf 99 Cent reduziert sind. Ich denke, dass man dort noch immer nicht realisiert hat, dass einer der bedeutendsten deutschen Autoren gleich um die Ecke wohnt. Vielleicht ist es ihnen auch egal.

(4) Schade um den schönen Begriff »Querdenker«, der einstmals unbequeme Menschen wie mich definierte und nun an Leute verschwendet ist, die überhaupt nicht denken.

(5) Immerhin sind die »Zeugen Jehovas« in der Regel keine Impfgegner. Sie scheinen zumindest auf diesem Gebiet mehr Verstand zu besitzen als unsere heimischen Covidioten.

»Noch einmal daran gedacht« für 0,99 €

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Noch einmal daran gedacht
Neue Glossen, Randbemerkungen und Aufreger

Das Beste aus meinem Blog
Band 2
(Die Buchausgabe hat 230 Seiten)

JETZT MIT NEUEM COVER!

Heißt mich willkommen!
Der, der euch neue Gedanken
und Geschichten bringt – das bin ich.
Und alles, was ihr vorher gehört habt, ist nur ein Wind.
Jetzt erzähle ich!
Nikolaus Klammer übt das Handwerk des Geschichtenerzählers aus, seit er sprechen kann – also schon eine lange, lange Zeit. Er lebt und schreibt im verträumten Diedorf bei Augsburg, ist seit über dreißig Jahren glücklich verheiratet und hat zwei inzwischen erwachsene Söhne, die längst auf eigenen Füßen stehen. Seit 2013 führt der Autor seinen Internetblog »Aber ein Traum«, aus dem er für dieses Buch seine besten Texte über Literatur und das Schreiben herausgesucht hat. Wer Vergnügen an kurzweiligen, mit Humor, Geist und Esprit geschriebenen Essays, Kolumnen, Kritiken, mancherlei Nachdenklichem und Gedankensplittern hat, wer die Sprache liebt und Bücher liebt, wird sich mit dieser Sammlung sofort wohlfühlen.

Aus dem Inhalt:
„Unser Weihnachten, damals …“ – „Der Westernheld“ – „Das Brautpaar der Woche“ – „Wie man eine Kritik schreibt, ohne das Buch jemals gelesen zu haben“ – Das Leid mit der Lyrik“ – „Autoren und ihre Bücher“ – „Unwürdige Lektüren“ – „Der erste Satz“ und vieles mehr.

Die gelungene Fortsetzung von „Noch einmal davon gekommen“: literarische Essays, Kritiken, Glossen und Shortstorys aus dem Blog des Autors. Das Buch hat mich verzaubert, ich finde es sehr gelungen. Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen, er ist sehr gut lesbar und hat mich immer wieder dazu gebracht, laut aufzulachen. Durch die gute und humorvolle Beschreibung hatte ich nach dem Buch das Gefühl, ihn und seine – durchaus eigene – Familie kennenzulernen und tatsächlich auch zu mögen.

Er selbst betrachtet sich selbst und seine Lieben mit Humor und nimmt dabei auch sich selbst nicht ganz bierernst, was ich sehr sympathisch finde.

Alltägliche Erlebnisse, die jeder in gewisser Weise von sich selbst kennt, diese werden sehr wortgewandt und pfiffig dargestellt. Ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt und hätte noch viele Erlebnisse des Autors lesen können und wollen. Aber vielleicht gibt es ja nochmal Nachschub.

Fazit:
Geschichten aus dem Leben, geistreich, wortgewandt und sehr gut unterhaltend. “ (5 Sterne)

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»Noch einmal davon gekommen« für 0,99 €

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Noch einmal davon gekommen
Glossen, Randbemerkungen und Aufreger

Das Beste aus meinem Blog
Band 1
(Die Buchausgabe hat 220 Seiten)

JETZT MIT NEUEM COVER!

„Noch einmal davon gekommen“, ist eine Sammlung von Kolumnen, Glossen und Kurzgeschichten, die der in Diedorf bei Augsburg wohnende Autor in den letzten Jahren für seinen Blog „Aber ein Traum“ geschrieben und für das Buch neu eingerichtet, erweitert und überarbeitet hat.

In seinen Texten voller Charme und Esprit beschreibt Klammer auf wirklich ansprechende und humorvolle, manchmal auch nachdenkliche Weise sein chaotisches Familienleben mit seiner immer wieder an seinen Unarten verzweifelnden Frau Klammerle, den zwei erwachsenen Söhnen und Amy, der Katze. Er gibt Einblicke in sein Leben als Autor, beschreibt seinen Kampf mit den Tücken des Objekts, dem Unkraut im Garten und den Widrigkeiten des Alltags.

Das alles beschreibt Klammer auf eine so heitere und selbstironische Weise, dass man ihm gerne durch sein Privatleben folgt und es wirklich bedauert, wenn man viel zu früh am Ende des Buchs angekommen ist.

„Noch einmal davon gekommen“ ist auf 230 Seiten liebevoll illustriert und eine absolute Empfehlung für alle, die sich geistreich unterhalten lassen wollen.

„Heiter, geistreich, intelligent und voller Humor, Wortwitz und Selbstironie sind sie, diese Geschichten aus dem Familienalltag eines Autors. Wie immer in dem unnachahmlichen Schreibstil, den ich von Nikolaus Klammer gewohnt bin. Und so anders. Erfrischend anders. Hier hat der Autor die besten Geschichten aus seinem Blog, den er seit einigen Jahren betreibt, zu einem köstlich charmanten Buch zusammengefasst, das berührt und bezaubert.

Ganz alltägliche Geschichten sind es, die genauso gut dir oder mir passieren könnten, soll heißen, natürlich nur, wenn „wir“ Klammers Familie wären, denn dir oder mir passieren solche teilweise urkomischen Begebenheiten nicht, beziehungsweise ist es uns nicht gegeben sie auf diese unnachahmliche Art dem Leser nahe zu bringen.

Und genau das ist es, was die Qualität des Geschriebenen ausmacht, der sensible einfühlsame Schreibstil, der uns manchmal glauben macht, selber der Protagonist zu sein.

Mich hat diese „ Sammlung“ wieder einmal total begeistert, und ich bin froh, dass es Autoren wie Nikolaus Klammer gibt, die aufzeigen, dass es abseits vom Mainstream so viel mehr und so viel unvergleichlich Lesenswertes gibt.

Hierfür kann es nur 5 Sterne geben, geht gar nicht anders !!“

21.07.21 – Aus! Aus! Das Spiel ist aus.

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Mittwoch, 21.07.21

sommerpause

Heute Morgen war es ziemlich kalt in meinem Gärtchen; der Tau lag in dicken Tropfen auf dem Gras und den Terrassenmöbeln. Die jungen Diedorfer Störche (wir haben hier inzwischen eine Kolonie mit vier Nestern und etwa zehn Jungtieren) übten in der Höhe ihre Kreise. Zwar hat dieser schier endlose Zeitschleifen-, Regenbogen- und Gewittersommer der letzten Wochen (Monate?) einem zumindest bis Samstag stabilen Hoch Platz gemacht, aber der Juli ist wie der Juni und wie der Frühling ersatzlos ausgefallen.  Die Sonnenblumen und Echinaceen haben zu blühen begonnen, die Kürbisse und Tomaten reifen auf dem Hochbeet. Ein wohlbekannter Duft, ein würziger Geschmack und durchsichtiges Licht liegen in der Luft: Aus dem Regenloch kam nicht der Sommer, sondern der Herbst gekrochen.

Und ich bemerkte heute Morgen beim Umsehen in meinem Gärtlein auch mit plötzlichem Erschrecken, dass es für mich endlich Zeit wird, so bald wie möglich den jährlichen Urlaub zu beginnen, bevor die Tage immer kürzer werden und man bei den Discountern Lebkuchen, Zwetschgendatschi und neuen Suser kaufen kann. Und es ist höchste Zeit! Für mich als Autor ist jetzt Jahresende, im Sommer sind alle mehr Körper als Geist und das ohnehin schon mangelnde Interesse an meiner Kunst kommt vollkommen zum Erliegen. Meine Literatur eignet sich leider auch nicht zur leichten Urlaubslektüre. Ich werde in den nächsten Tagen noch die eine oder odere Lesung einsprechen (1), aber dann pfeife ich das Spiel ab. Ich werde mich für die nächsten zwei Monate aus dem Internet zurückziehen, meinen social-media-Kramladen schließen und nur noch im Notfall auf E-Mails und Whats-App-Nachrichten reagieren (2). Analoge Arbeit, die keine Ablenkung duldet, steht an. Das Kerngeschäft muss im Vordergrund stehen; der vierte Band meiner fünfteiligen Geltsamer-Trilogie will zuende geschrieben und korrigiert werden; denn ich will den Roman noch in diesem Jahr veröffentlichen, auf den nicht wenige meiner Leser seit drei Jahren mehr oder weniger ungeduldig warten.

Kerr - Kopie (2)

Selbstverständlich ist auch längst ein längerer Urlaub geplant. Frau Klammerle und ich werden uns zum ersten Mal seit November 2019 wieder ins befreundete Ausland wagen und einen längeren Wanderurlaub zuerst in Österreich (Kaunertal), dann in Südtirol (Stilfser Joch) unternehmen. Weiter in den Süden haben wir uns nicht gewagt und so muss das geliebte mare nostrum ein fernes Sommermärchen bleiben, eine unerreichbare, süße Sehnsucht, die im Herzen wie eine Nadel sticht.

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Trotzdem: Es wird herrlich werden. Vielleicht schicke ich euch ja mal eine Postkarte. Seid ruhig ein wenig neidisch.

Und nun schicke ich zum Abschluss herzliche Grüße aus meiner Schreibklause. Ihr wisst ja, vor dem Spiel ist nach dem Spiel. Vielleicht bleibt mir ja der oder die eine oder andere von euch über meine Sommerpause hinweg treu und wir sehen und hören uns im Herbst wieder.

Euer Nikolaus

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(1) Ich sehe zwar, dass ich mit meinen Online-Lesungen büchstäblich niemanden erreiche, aber da es mir noch Spaß macht, die kleinen Filmchen zu erstellen und sie hier und bei Youtube hochzustellen, mache ich noch ein wenig weiter.
 
(2) Sehe ich mir die Zugriffszahlen hier auf diesem Blog, auf Youtube und auf Instagram an, dann ist die Tendenz klar: Es wird mich kaum jemand in den nächsten Wochen vermissen. Falls doch der oder die eine oder andere Entzugserscheinungen bekommt: Ich habe den ganzen August meine 14 E-Books in allen Onlineshops auf 0,99 Euro verbilligt und man kann meine großartige und spannende Literatur genießen, ohne sich finanziell ruinieren.
 

16.07.21 – Kummer mit „Klummer“

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klummer

Freitag, 16.07.21

Nein, ich werde kein Foto von meinem Impfpass oder den Pflastern an meinem Arm posten! (1) Seit nun zwei Wochen gehöre ich ebenfalls zu den bundesrepublikanischen Privilegierten, die eine vollständige Corona-Impfung hinter sich haben. Und es geht mir ausgezeichnet dabei. Die beiden kleinen Nadelstiche in den Oberarm knapp unterhalb meiner Pockenimpfungsnarbe hatten keinerlei Neben- oder Nachwirkungen. Gesundheitlich (ich habe ja über 50 Pfund abgenommen) geht es mir so gut wie schon lange nicht mehr. Die Irren von der Impfgegner- und Coronaleugnerfront sind zwar der Meinung, dass ich damit mein eigenes Todesurteil unterschrieben habe, dessen Vollstreckung Gevatter Hein im Spätherbst zuverlässig erledigen wird – aber, hey, immerhin kommt nun ein Sommer, in dem ich wieder relativ unbelastet arbeiten, Freude und Verwandte treffen, in Konzerte und Essen gehen, reisen und Bergwandern kann. Das ist es wert. (2)

Oder aber: Das passiert alles nicht mir, sondern „Norbert Klummer“. Und das kam so: Zu den Impfungen meldete mich mein Arbeitgeber an, bei dem ich –  ständig einer größeren und wechselnden Personengruppe ausgesetzt – meinem Brotberuf nachgehe. Dabei kam es zu einem Übermittlungsfehler, den ich allerdings erst bemerkte, als der zweite Termin im Impfzentrum anstand und ich meine Unterlagen zusammensammelte. Dort stand zu lesen, dass statt „Nikolaus Klammer“ „Nikolaus Klummer“ die Impfung erhalten sollte. Nicht einmal meine Wohnadresse stimmte – es war die Adresse meines Arbeitgebers eingetragen. Ich machte im Zentrum selbstverständlich das Personal und den Arzt sofort auf diesen Fehler aufmerksam. Der ungläubige Arzt fragte mich zuerst allen Ernstes, ob ich zwischen den Impfungen meinen Namen in „Klammer“ geändert hätte.

„Klar. Ich habe geheiratet und den Namen meiner Frau angenommen.“ Er goutierte meinen Humor nicht und danach hatte ich es schwerer mit ihm. Zwar weist mich mein gelber Impfausweis richtig als „Klammer“ aus, aber leider hat auch er ein Manko. Als der Pass irgendwann in den 70ern erstellt wurde, hat sich die Arzthelferin beim Vornamen geirrt. Auf dem Impfausweis steht „Norbert Klammer“. Ich habe den „Norbert“ dann damals einfach durchgestrichen, in krakeliger Schrift „Nikolaus“ drübergeschrieben und mir in all den Jahren bei meinen Gelbsucht-, Tetanus- und all den anderen Impfungen nie Gedanken darüber gemacht. Ich kann also nicht beweisen, dass ich „ich“ bin und auf jeden Fall konnte niemand im Computer des Impfzentrums meinen Datensatz ändern und einfach aus dem „u“ ein „a“ machen.

„Das ist uns aus Datenschutzgründen nicht möglich“, hieß es. Dies ist echte deutsche Bürokratie. Der Datenschutz schützt mich vor mir selbst. (3) Der Fehler liegt immer bei mir und nie im Amt. Deshalb erhielt ich zwar trotzdem meine zweite Impfung, aber das QR-Zertifikat für die Corona-App nennt mich unverdrossen „Nikolaus Klummer“ (In die Luca-App kann ich es erst gar nicht eintragen). Bislang gab es damit keine Probleme, aber wenn ich in einem Monat nach Österreich und Südtirol zum Bergwandern reisen will, werde ich wohl meinen Namen in „Norbert Klummer“ ändern müssen, wenn ich über die Grenze möchte. Denn was im Computer steht, stimmt. Da könnte ja jeder kommen!

Ja. Wir wagen es und werden im August für mehrere Wochen verreisen. Wir haben Ferienwohnungen gebucht. Zuerst geht es ins Kaunertal und dann hoch zum Stilfser Joch. Jetzt hoffen wir, dass uns „Delta“ oder dieser Regenloch-Sommer(1) nicht noch dazwischen grätschen und wir in der Abgeschiedenheit und Einsamkeit auf unsere Berge steigen und Ruhe und Abstand finden können. Drückt uns die Daumen!


(1) Ich habe keine Ahnung, was die Leute dazu treibt, Instagram und Facebook mit solchen exhibitionistischen Aufnahmen zu fluten. In diesem Zusammenhang: Seit mehreren Monaten gibt es offenbar keine Nachrichtensendung mehr, in der nicht in Großaufnahme gezeigt wird, wie jemandem eine Impfung gesetzt wird. Ich glaube, ich habe in dieser Pandemie mehr entblößte Oberarme gesehen als in meinem ganzen Leben vorher. Es gibt viele Körperstellen, die beim Durchschnittsbürger nur bedingt erotisch sind und bleiche, picklige, fette Oberarme gehören definitiv dazu.

(2) Frau Klammerle ist übrigens schon seit Januar doppelt geimpft und ihr geht es ebenfalls glänzend. Sie lässt grüßen. Und lasst euch verdammt noch mal impfen! Es gibt kein vernünftiges Argument dagegen. Impfung ist der einzige Weg, um diese Pandemie zu überwinden. So sind wir auch die Pocken und die Kinderlähmung losgeworden und hoffentlich bald auch die Masern.

(3) Vor ein paar Jahren benötigte Sohn Nr. 2 für seinen Beruf als Erzieher ein sauteures, sogenanntes erweitertes Führungszeugnis. Als es endlich eintraf, stellten wir fest, dass als seine Staatsbürgerschaft als „finnisch“ angegeben war. Als Frau Klammerle nach endloser Buchbinder-Wanninger-Telefoniererei endlich bei der zuständigen Stelle landete, wurde sie allen Ernstes zuerst gefragt, ob es nicht möglich sei, dass er doch Finne sei. Es musste von ihr einiges an Überzeugungsarbeit geleistet und eidesstattlich versichert werden, dass es in unserer Familie noch nie einen Finnen gab, bis wir ein zweites, richtiges Zeugnis bekamen, das wir selbstredend noch einmal bezahlen mussten. Ein anderes Beispiel: In meinem digitalen Personalbogen bei meinem Brötchengeber steht eingetragen, dass ich insgesamt 4 Söhne hätte, Zwillinge, die wie mein Sohn Nr. 1 heißen und zwei, die den Vornamen von Sohn Nr. 2 tragen. Dieser Fehler wurde auch nie verbessert, obwohl ich mehrmals auf ihn hingewiesen habe. Ich habe keine Ahnung, was dieser Tippfehler noch für Konsequenzen haben wird.

(4) Nein, ich werde nicht über diesen beschissenen Sommer jammern! Ich will mir das abgewöhnen. Ist dir aufgefallen, wie viele Fotos von Regenbögen gerade gemacht werden? Ich habe mich auch schon dabei ertappt; man kommt ihnen morgens und abends kaum mehr aus. Dies ist ein Regenbogensommer. Und das ist ein herrlicher Titel für einen Roman, für den ich hiermit das Urheberrecht beanspruche (Demnächst in der Galerie der imaginären Cover)