Aber ein Traum …

Autorer als andere Autoren

Wochenlese 13. Mai – 19. Mai 2013

reinboldAdelheid Reinbold
König Stephan

Was für ein Ungeheuer von einem Roman!
Die Autorin starb 1839 an „brandiger Halsbräune“ (so ihr Freund Ludwig Tieck im Vorwort der Erstausgabe) und griff in ihrem opus magnum eine Legende auf, die sich um den bald in Zweifel gezogenen Tod des portugiesischen Königs Stephan I. (1554 – 1578) bei der Schlacht von Alcazarquivir rankte.
Ich bin noch nie so einem politisch völlig unkorrekten Roman begegnet, der ganze Kapitel lang die übelsten und dunkelsten Vorurteile gegen Muslime (im Roman „Mohren“ genannt), Schwarze und Juden ausbreitet.

Dabei ist der Roman gleichzeitig überquellend von wilder und leidenschaftlicher Romantik, für die Zeit ungewöhnlich gewagter Erotik (auch zwischen Männern) und Sadomasochismus, Exotik, Blut, Schweiß, Tränen, der größten liebenden Hingabe und den schwärzesten Kabalen und Mordkomplotten. Hat man sich erst einmal an den sehr „alterthümlichen“ Stil gewöhnt, liest man diesen leider eben auch sehr rassistische Vorfahr von „Shades of Grey“  aus dem frühen 19. Jhd. kopfschüttelnd und atemlos zugleich.

Dresden und Leipzig 1839
(ebenfalls von mobileread.com als Ebook ausgegraben)

buch

CamilleriAndrea Camilleri
Die Sekte der Engel

Obwohl der bald 88-jährige Camilleri ein fast unübersehbares Œuvre vorzuweisen hat, ist er in Deutschland nur für seinen schlitzohrigen Commisario Salvo Montalbano bekannt. Ein großer Teil seiner weiteren Werke spielt jedoch im 19. Jahrhundert in Sizilien (seiner Heimat).

So auch der Kurzroman „La setta degli angeli“ von 2011, der auf einer wahren Begebenheit beruhen soll. Er beginnt kraftvoll und amüsant wie ein klassischer Schelmenroman, im zweiten Teil lässt Camilleri stark nach und das ganze mündet in unüberlesbar lustloser und seichter Kirchen- und Gesellschaftskritik. Ein typischer Text des alternden Autors – aber wegen mancher Altherren-Sexschnurren leider für den Leser an manchen Stellen peinlich zu lesen.

Nagel & Kimche 2013
(Onleihe)

buch

...und weil am Freitag der Internationaler Tag gegen Homophobie war, diese Empfehlung:

Truman Capote
Andere Stimmen, andere Räume

„Ich bin schwul. Ich bin süchtig. Ich bin ein Genie!“

Das Erstlingswerk des „Kaltblütig“-Autors ist von einer makellosen Schönheit und Eleganz, die mich wirklich neidisch macht. Hervorragend! Unbedingt lesen.

Goldmann 2010

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