»Noch einmal daran gedacht« für 0,99 €

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Noch einmal daran gedacht
Neue Glossen, Randbemerkungen und Aufreger

Das Beste aus meinem Blog
Band 2
(Die Buchausgabe hat 230 Seiten)

JETZT MIT NEUEM COVER!

Heißt mich willkommen!
Der, der euch neue Gedanken
und Geschichten bringt – das bin ich.
Und alles, was ihr vorher gehört habt, ist nur ein Wind.
Jetzt erzähle ich!
Nikolaus Klammer übt das Handwerk des Geschichtenerzählers aus, seit er sprechen kann – also schon eine lange, lange Zeit. Er lebt und schreibt im verträumten Diedorf bei Augsburg, ist seit über dreißig Jahren glücklich verheiratet und hat zwei inzwischen erwachsene Söhne, die längst auf eigenen Füßen stehen. Seit 2013 führt der Autor seinen Internetblog »Aber ein Traum«, aus dem er für dieses Buch seine besten Texte über Literatur und das Schreiben herausgesucht hat. Wer Vergnügen an kurzweiligen, mit Humor, Geist und Esprit geschriebenen Essays, Kolumnen, Kritiken, mancherlei Nachdenklichem und Gedankensplittern hat, wer die Sprache liebt und Bücher liebt, wird sich mit dieser Sammlung sofort wohlfühlen.

Aus dem Inhalt:
„Unser Weihnachten, damals …“ – „Der Westernheld“ – „Das Brautpaar der Woche“ – „Wie man eine Kritik schreibt, ohne das Buch jemals gelesen zu haben“ – Das Leid mit der Lyrik“ – „Autoren und ihre Bücher“ – „Unwürdige Lektüren“ – „Der erste Satz“ und vieles mehr.

Die gelungene Fortsetzung von „Noch einmal davon gekommen“: literarische Essays, Kritiken, Glossen und Shortstorys aus dem Blog des Autors. Das Buch hat mich verzaubert, ich finde es sehr gelungen. Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen, er ist sehr gut lesbar und hat mich immer wieder dazu gebracht, laut aufzulachen. Durch die gute und humorvolle Beschreibung hatte ich nach dem Buch das Gefühl, ihn und seine – durchaus eigene – Familie kennenzulernen und tatsächlich auch zu mögen.

Er selbst betrachtet sich selbst und seine Lieben mit Humor und nimmt dabei auch sich selbst nicht ganz bierernst, was ich sehr sympathisch finde.

Alltägliche Erlebnisse, die jeder in gewisser Weise von sich selbst kennt, diese werden sehr wortgewandt und pfiffig dargestellt. Ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt und hätte noch viele Erlebnisse des Autors lesen können und wollen. Aber vielleicht gibt es ja nochmal Nachschub.

Fazit:
Geschichten aus dem Leben, geistreich, wortgewandt und sehr gut unterhaltend. “ (5 Sterne)

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16.03.21 – „Stromausfall“ – Eine Reise in alte und neue Welten

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Dienstag, 16.03.21

Liebe Leserin,

hast du schon dein Exemplar von „Stromausfall“ erworben? Das Buch gibt es ja seit letzter Woche überall im Buchhandel als illustriertes Taschenbuch und als E-Book. Und es ist schön geworden. Für das Cover, für das ich ein Ölgemälde meines alten Freundes Bernd Wurzer verwendete, und für die Illustrationen, bei denen ich eigene Fotos am Computer überarbeitet habe, bekam ich viel Anerkennung. Kritiken zu den Texten sind noch nicht erschienen. Vor einigen Jahren hat eine anonyme Internetbekanntschaft über die Titelgeschichte folgendes geschrieben:

»Ich habe heute die Erzählung „Stromausfall“ in einem Zug gelesen. Und dies mit Begeisterung. Man ist ja heute ziemlich entwöhnt von Klammers hoher sprachlicher Qualität und seinen längeren Texten, die Aufmerksamkeit erfordern. Die Komposition, die Lakonie, der wirklich neue Erzähler und das Mädchen Marga – alles großartig! Schwangerschaft macht einsam – auch vor der besten Freundin, die während dieser Initiation völlig außen vor bleiben muss in ihrer spielerisch aufregenden, verschwitzten, sexualisierten Jugendwelt. Die ganze Welt ist nicht mehr die gleiche, man sucht neue Gefährten, die der Gefahr standhalten. Man findet sie nicht. Man wird titanisch mit dem erstbesten Ding, das man in die Hand bekommt (Säge), dem Erstbesten aus der neuen Welt (Soldat). Erst wenn man den „Stromausfall“ erreicht hat, die gnadenlose Erwachsenenwelt betreten, sich bewiesen, dass man es kann, erst dann erlaubt man sich auch wieder die Regression ins eigene Kind. Man kann endlich zwischen den beiden Welten hin- und hergehen, je nachdem, wie stark man gerade ist. Und man trägt die Stärke der einen in die andere und umgekehrt. das ist die erwachsene Lebensform. Sehr sensibel hat Nikolaus Klammer hierfür Worte, Bilder und Struktur gefunden. Großartige Literatur und eine unbedingte Leseempfehlung.«

Was? Du hast „Stromausfall“ noch nicht gekauft? Ganz ehrlich – das habe ich mir schon gedacht.(2) Meine Letztveröffentlichung, der Roman „Aber ein Traum“, wurde in den 5 Monaten seit seinem Erscheinen insgesamt einmal als Taschenbuch und sechsmal als E-Book verkauft – es gab keine Rückmeldungen, keine Rezensionen oder Kritiken. Warum sollte es mir mit „Stromausfall“ oder irgendeinem anderen meiner Bücher anders ergehen? Ich habe es ja in der letzten Woche schon gesagt: Der Hauptgrund, aus dem ich meine Bücher selfpublishe, ist der, dass ich möchte, dass sie in gebundenen Ausgaben in meinem Bücherschrank stehen. Durch meine Einkünfte in meinen Brotberuf kann mich mir inzwischen solche Extravaganzen leisten. Und da steht Stromausfall nun und ich finde, es sieht gut aus – ein weiteres meiner literarischen Kinder, auf das ich stolz bin.
 
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(1) Ich habe vor einigen Jahren die Arbeit an diesem Zyklus eingestellt, da ich inzwischen andere Literatur schreibe. „Jahrmarkt in der Stadt“ ist Teil meiner ersten Schaffensphase im Alter zwischen 20 und 35 und für mich weitgehend abgeschlossen. Das Augsburg und die Menschen, die ich darin beschrieben habe, gibt es nicht mehr. Außer den oben erwähnten Werken, die ich alle in den letzten Jahren im Eigenverlag veröffentlichte und die überall im Buchhandel erhältlich sind, existieren noch der bislang unveröffentlichte, zum Zyklus dazugehörige Kriminalroman Ein goldenes Kalb und etliche längere und kürzere Bruchstücke von Erzählungen und Romanen. Ob auf diese jemals das Auge einer Leserschaft fallen wird oder sie erst in meinem Nachlass auftauchen werden, steht noch in den Sternen.
(2) Falls du „Stromausfall“ doch möchtest: Du kannst das Buch auch über mich beziehen. Schreibe mir einfach über klammer@email.de. Du müsstest dann zwar zusätzlich das Porto bezahlen, aber ich lege dir eine Kunstpostkarte vom Titelbild bei und selbstverständlich schreibe ich dir eine persönliche Widmung hinein. Wobei, es ist ziemlich schwer, diese unbequemen Geschichten jemandem zu widmen. Deshalb habe ich im Buch auf der letzten Seite folgendes geschrieben:

09.03.21 – Stromausfall, Cevennen und Grammatik

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Dienstag, 09.03.21

Liebe Leserin,

ich habe es wieder getan. Erneut habe ich als Selfpublisher mit „Stromausfall“ ein Buch veröffentlicht, das du seit gestern überall im Online-Buchhandel erwerben oder beim Buchhändler deines Vertrauens bestellen kannst. Es ist mittlerweile mein 14. Buch, seit ich im März 2017 damit begonnen habe, meine Werke auf diese Weise unter die Menschheit zu bringen. 

Ich komme dabei fleißiger rüber, als ich bin. In einem Schriftstellerleben wie dem meinen, das ich nun ja schon über 40 Jahre lang führe, sammelt sich doch einiges in der Schublade an. Ich habe zum Beispiel noch zwei komplette Kriminalromane, einen SF-Roman und einiges Halbfertiges im Materiallager herumliegen, dazu kommen Erzählungen, Kurzgeschichten, Essays – sogar Lyrik. (1) Diese Texte müssen nur überarbeitet, geglättet, ergänzt oder beendet werden. Zusammen mit den neuen Texten, die gerade entstehen, werde ich noch einige Zeit damit weitermachen können, 2 oder sogar 3 Bücher im Jahr zu veröffentlichen.

Die vier Erzählungen in „Stromausfall“, die ich gerade veröffentlicht habe, sind alle aus den frühen 90ern und eine sogar aus den 80ern, also gut abgelagerter und alter Käse, den ich nur ein wenig entstaubt und im Fall von „Eine andere Art der Liebe“ erweitert und umgeschrieben habe.

Meine buntgemischte Bücherreihe im Eigenverlag gebe ich auch zu meinem Privatvergnügen heraus, um meine eigenen Werke in akzeptablen Ausgaben ins Bücherregal stellen zu können. Ich werde dadurch weder als Autor bekannter, noch kann ich mit den Taschenbüchern und E-Books Geld verdienen. Aber ich gebe zu, dass ich manchmal manische Schreibphasen habe, in denen ich gut vorankomme. Bis zum nächsten Buch, dem 4. Geltsamerband, wird jeodoch noch ein halbes Jahr vergehen; da bin ich mittendrin und die Protagonisten bereiten mir gerade ein paar Widerstände. Ich rechne mit seiner nächsten Veröffentlichung frühstens Ende des Sommers. „Mánis Fall“ – der Prolog-Roman zu meiner Fantasy-Reihe „Brautschau“  – wird noch ein paar Monate länger brauchen, bis ich ihn wahrscheinlich um Weihnachten herum freigebe. Die ersten 90 Seiten kannst du auf brautschau.blog lesen. Jede Woche kommen noch einmal 10 Seiten hinzu.

Eine Protagonistin der Erzählung „Eine andere Art der Liebe“, mit der „Stromausfall“ beginnt, ist Clara Szczeszny. Sie ist in der Erzählung, die Anfang der 90er Jahre spielt, eine noch junge Augsburger Autorin, die kurz vor dem Durchbruch steht. Da ich gerade an solchen Spielereien Spaß habe, zeige zeige ich dir mal das Cover ihres Erstlingsroamans, der in der Geschichte mehrmals erwähnt wird. Du siehst mal wieder, dass ich von meinen Figuren wesentlich mehr weiß, als dann in der Geschichte über sie erzählt wird. Wer meine Romane aus der „Jahrmarkt in der Stadt“-Reihe gelesen hat, kennt Clara übrigens auch aus den zeitlich später angesiedelten Romanen „Nutzlose Menschen“ und „Die Wahrheit über Jürgen“ (beide als Paperback oder E-Book erhältlich), in denen sie eine wichtige Figur ist. Inzwischen ist sie eine arrivierte Augsburger Autorin und ihr „Lavendelbett“ wurde gerade verfilmt.

Zugleich ist dieses Cover ein weiterer Beitrag zu meiner neuen „Galerie von „Imaginierten Buchtiteln“. Und noch ein Insider für die Fans meiner Geltsamerreihe: Clara Szczesny veröffentlicht im Welkenbaum-Verlag. Hier noch ein Ausschnitt aus „Eine andere Art der Liebe“:
»Für viele bin ich die Eloise du Bracque aus dem ›Lavendelbett‹. Du glaubst gar nicht, wie oft ich danach gefragt werde, ob der Roman auf eigenen Erfahrungen beruht.« – »Und? Tut er das?«, fragte Gitta und verzog maliziös die Mundwinkel. Sie selbst hätte ihr Lächeln niemals maliziös genannt – sie hatte nicht einmal eine genaue Vorstellung davon, was das Wort eigentlich bedeutete – aber Clara kam dieses Adjektiv sofort in den Sinn. Auch wenn sie sich lieber einen Finger abgeschnitten hätte, bevor sie es in einem ihrer eigenen Texte zu verwendet hätte. Sie gehörte nicht zu den Autorinnen, die angeberisch ein Fremdwort benutzten, wenn es auch passende deutsche Formulierungen dafür gab.
»Du fragst mich allen Ernstes, ob ich meinen schwindsüchtigen Ehegatten mit einem muskulösen, cevennischen Bauernsohn betrogen habe?« – »Und? Tust du das?«

 

Der gestrige Abend fand mich bei meiner Lieblingsbeschäftigung: Ich saß in meinem Lesesessel, begann ein neues Buch und nippte an einem Glas Weißwein. Die Katze hatte es sich auf meinem Schoß gemütlich gemacht. Der Roman, den ich begonnen habe, war „Sprich mit mir“ von T. C. Boyle. Das ist ein Autor, den ich sehr schätze, obwohl seine Bücher in letzter Zeit etwas nachlassen. Aber „Die Frauen“ ist einer der besten Romane, die ich je gelesen habe. Leider kam ich bei „Sprich mit mir“ nur bis zur Seite 33, als mir der Text eine heftige Ohrfeige verpasste, die mich dazu bewog, das Buch wütend in die Ecke zu schmeißen und den Fernseher einzuschalten (2). Nachdem kurz vorher schon „Worte“ und Wörter“ verwechselt worden waren, tauchte eine geballte Ladung an gravierenden Grammatikfehlern auf, die mir den Spaß verdorben haben. Ich weiß, dass Boyle nichts dafür kann und ich kann auch normalerweise gut mit Druckfehlern leben. Die tauchen schließlich in jedem Buch auf – selbstverständlich auch in meinen eigenen. Aber das hier ist nur Schlamperei vom Hanser-Verlag, der offenbar kein Lektorat mehr beschäftigt. Der Übersetzer jedenfalls ist mies oder hat – wahrscheinlich schlecht bezahlt und unter Zeitdruck – extrem schlampig und oberflächlich gearbeitet. Gefühlt taucht zum Beispiel in jedem dritten Satz eine mehr oder weniger missglückte „dass“-Nebensatzkonstruktion auf, die ein typischer Anfängerfehler ist und die ein erfahrener Schriftsteller wie der Teufel das Weihwasser meidet. Ich werde wohl ein anderes Buch lesen müssen – schade.

Geht dir das auch so? Oder bin ich der einzige, dessen innerer Monk solche Grammatikfehler nicht ertragen kann und sie – obwohl ich kein Deutschlehrer bin – am liebsten im Buch rot markieren würde?

Grüße, Nikolaus

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(1) Keine Sorge, die werde ich schön brav für mich behalten.

(2) „Magnus“ in der ARD-Mediathek. Unbedingt anschauen! Skurriler geht es kaum mehr.

„Aber ein Traum“ und die Doppelgänger – Eine Abhängigkeit von Hoffmann

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»Mein Feind fiel auf den Rücken und keuchte. Das war der erste Laut, der unser bis dahin stummes Ringen unterbrach. Die Situation weiter ausnutzend, setzte ich mich auf ihn und rang ihn nieder. Ich fasste seine Handgelenke, brachte dabei meinen Mund ganz nah an sein Ohr. Etwas war falsch und ich wusste gleichzeitig, was es war. Ich rang nicht mit einem Zwillingsbruder, den gab es gar nicht – ich rang hier mit mir selbst, mit einer Kopie meines Ich. Der böse Zwilling war nur eine Konstruktion.«

aus: Nikolaus Klammer, Aber ein Traum, Kapitel Zwei

»Ich stand auf, aber kaum war ich ei­ni­ge Schrit­te fort, als, aus dem Ge­büsch her­vor­rau­schend, ein Mensch auf mei­nen Rü­cken sprang und mich mit den Armen um­hals­te. Ver­ge­bens ver­such­te ich, ihn ab­zu­schüt­teln – ich warf mich nie­der, ich drück­te mich hin­ter­rücks an die Bäume, alles um­sonst. Der Mensch ki­cher­te und lach­te höh­nisch; da brach der Mond hell­leuch­tend durch die schwar­zen Tan­nen, und das to­ten­blei­che, gräß­li­che Ge­sicht des Mönchs – des ver­meint­li­chen Me­dar­dus, des Dop­pelt­gän­gers, starr­te mich an mit dem gräß­li­chen Blick, wie von dem Wagen her­auf. – »Hi … hi … hi … Brü­der­lein … Brü­der­lein, immer, immer bin ich bei dir … lasse dich nicht … lasse … dich nicht …«

aus: E.T.A. Hoffmann, Die Elixiere des Teufels, 2. Teil

Die Ähnlichkeit der beiden Textausschnitte ist frappierend. Sie ist ein Beweis dafür, wie sich Lektüren über Jahrzehnte hinweg in einem Erinnerungskeller des Gedächtnisses ablagern, zu dem nur das Unbewusste und vielleicht der Traum den Schlüssel haben. Dies ist eine durchaus beängstigende Untertunnelung meines heutigen Ichs, die durch die Jahre und die Zwiebelschalen meiner Person bis tief in die Vergangenheit zurückreicht. Ich fühle mich dabei wie eine Marionette, die keinen eigenen Willen hat, sondern von unsichtbaren Fäden gezogen wird; von einem „Ich“, das in mir ist, das ich aber nicht kenne, einem Doppeltgänger in mir selbst.

Als ich „Aber ein Traum“ vor ein paar Jahren zu schreiben begann, lag meine Hoffmannlektüre lange zurück. Die Elixiere des Teufels (1) hatte ich im Alter von 16 Jahren gleich nach dem Kater Murr (2) gelesen. Das war wie eine Erlösung, besser: wie eine Initiation. Das vor düsterer Romantik und gothischem Horror triefende Werk um den entlaufenen Mönch Medardus aber inzwischen vollkommen vergessen. Umso größer war meine Überraschung, als ich beim Wiederlesen der Elixiere in dieser Woche auf die oben erwähnte Stelle stieß, auf einen Doppeltgänger meines eigenen Textes.

Ich wusste zwar noch, dass dort eines der beliebtesten Themen der Romantik, nämlich das des bösen Zwillings, behandelt wird, das ich ja mit den Brüdern Alban und Ruben Waldescher ebenfalls in den Mittelpunkt meines Romans „Aber ein Traum“ gestellt hatte. Ich glaubte allerdings, ich hätte E. A. Poes Varianten dieses Themas mehr zu verdanken, in erster Linie den Erzählungen „William Wilson“ und „Der Mann in der Menge“(3).  Auch R. L. Stevensons Dr. Jeckyll und Mr. Hyde lagen mir näher; schließlich auch „Dorian Gray“ von Oskar Wilde oder Franz Kafka, der dafür gesorgt hat, dass dieses von ihm in allen seinen Romanen benutzte Motiv seinen Weg in die Moderne fand und auch heute noch vor allem von SF- und Fantasy-Autoren (Androiden und Gestaltwandler) fröhlich benutzt wird.

Die Unsicherheit unserer modernen Existenz, das dünne Eis, auf dem wir uns tagtäglich bewegen, der Fremde, der uns aus dem Spiegel entgegen blickt, diese digitalisierte, ‚entfremdete‘ Welt, in der wir nur noch ein Teil einer Statistik sind, in der jede Empfindung und jeder Gedanke in jedem Augenblick tausendmal gespürt und gedacht werden – in ihr ist das Bild des Doppelgängers, der uns unserer nur eingebildeten Einzigartigkeit brutal beraubt, modern und zeitgemäß.

»Es war Wilson; aber seine Sprache war kein Flüstern mehr, und ich hätte mir einbilden können, ich selber sei es, der da sagte: “Du hast gesiegt, und ich unterliege. Dennoch, von nun an bist auch du tot – tot für die Welt, den Himmel und die Hoffnung! In mir lebtest du – und nun ich sterbe, sieh hier im Bilde, das dein eigenes ist, wie du dich selbst ermordet hast.”«

aus: E.A. Poe, William Wilson

»Dann trifft mich das heiße Licht, schneidet sich in einer Explosion aus Pein in meinen Unterleib wie in weiche Butter, durchdringt ihn mühelos. Es hinterlässt rasende Schmerzen tief unten im Rücken, Schmerzen, die mich schreien machen. Den Schrei kann ich nicht hören. Ich kippe nach hinten, schließe im Fallen die Augen. Hier bin ich tot.«

aus: Nikolaus Klammer, Aber ein Traum, Epilog

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(1) E.T.A. Hoffmann, Die Elixiere des Teufels. Neben dem höchst amüsanten und bedauerlicherweise unvollendeten Kater Murr sind die düsteren Elixiere der einzige Roman des vielseitigen Genies, das auch malte und – heutzutage leider fast vergessen – ein bedeutender Komponist war. Seine Klaviersonaten, seine Sinfonie und seine Opern (z. B. Undine) kann man heute wie ‚missing links‘ zwischen Mozart und Beethoven hören. Es gibt einige wenige Aufnahmen dieser Musik, meist jedoch von zweitrangigen Ensembles. Zu empfehlen ist der Jahreszeit angemessen sein wunderbares Misere b-moll (z. B. zusammen mit der Es-Dur-Sinfonie), die durchaus neben dem berühmten Requiem von Mozart bestehen kann, dem Hoffmann in tiefer Verehrung den ‚Amadeus‘ entliehen hat.

(2) E.T.A. Hoffmann, „Lebensansichten des Katers Murr, nebst fragmentarischer Biografie des Kapellmeisters Johannes Kreisler in zufälligen Makulaturblättern“ Den auch heute noch oft gelesenen und beliebten Roman gibt es in erstaunlich vielen, teilweise wundervoll illustrierten Ausgaben, als Hörbuch und freilich auch als kostenloses E-Book bei den üblichen Verdächtigen. Schon der sperrige Titel weist auf das Ziel hin, die Erziehungsromane der Aufklärung und die schmalzigen Liebesromane der Romantiker im Dunstkreis um die Brüder Schlegel zu persiflieren, aber es enthält mit den Kreisler-Abschnitten auch eine versteckte Autobiografie des Autors selbst. Und es ist eine Lektüre, die noch nie jemand bereut hat …

(3) Der eher unbekannte „Mann in der Menge“ ist neben „Das verräterische Herz“ die beste kurze Geschichte von Poe. Hier verfolgt der Erzähler einen Tag und eine Nacht lang unerkannt einen Mann in der Menge, der ihm aufgefallen ist. Dabei stellt er fest, dass jener von ihm Observierte, der ihm wie eine Verkörperung des Verbrechens erscheint, keine Heimat hat, sondern sich nur dort aufhält, wo er in Menschenmengen untertauchen kann. Der Erzähler und der ‚Massenmensch‘ – ich glaube, es ist das erste Mal, dass dieser Begriff in der Literatur auftaucht – sind Doppelgänger, eben Teil einer Masse, der sie nicht entkommen können.

„Das Rote Haus“ – Eine Rezension von Andreas Milanowski

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Heute hat der sympathische Kölner Autor Andreas Milanowski, den ich auf Instagram kennengelernt habe, bei Amazon eine Rezension meiner „jugendgefährdenden“ Kurzgeschichtensammlung „Das Rote Haus“ veröffentlicht. Es ist die längste Rezension, die ich je bekommen habe; länger als manche Story, die sich in meinem Band findet. Danke schön!

Übrigens scheint es nun auch bei Büchern bei Amazon möglich zu sein, sie anonym nur mit Sternen zu bewerten, ohne eine kurze Kritik dazu zu schreiben. Dies nennt man dort eine „globale Bewertung“. Obwohl ich beim „Roten Haus“ davon profitiert habe und bei zwei Rezensionen dreimal 5 Sterne erhielt, halte ich dieses System für eine selten blöde Einrichtung, die jedes Ergebnis nur verfälschen kann.

»„Aber du wirst einsehen, wie ich aus dem Zustand des einen auf die Gesamtheit schließen kann. Ich will einen herausgreifen und ihn zeigen wie er scheitert oder sich arrangiert. Eine dritte Möglichkeit gibt es nicht!“ Hier hattest du es eilig, mich zu unterbrechen: „Auch Arrangement ist ein Scheitern. Es ist die alltägliche Form des Scheiterns, die undramatische, die du in deinen Geschichten und Bildern gerne unterschlägst. Auf einem falschen Weg kann man nur wenige Schritte in die richtige Richtung gehen.“

Das ist meine Lieblingsstelle aus Niklas Klammers Kurzgeschichtensammlung „Das rote Haus“. Sie ist aus dem Text „Wanderer“ und sie ist es deswegen, weil er an dieser Stelle, in diesem Abschnitt, exemplarisch sein Programm vorstellt. Das Buch folgt diesem Einen auf einer Zeitreise durch drei Jahrzehnte literarischen Schaffens. Es zeigt zu Beginn einen zornigen, jungen Autoren, der sich mit der braunen Vergangenheit seiner Vätergeneration auseinandersetzt, mit Konzentrationslagern und Gulags. In „Rache“ erzählt er von einem, von paranoiden Fantasien getriebenen, ehemaligen KZ-Aufseher, der einer Jüdin begegnet, die er meinte, ermordet zu haben. Nicht genug damit, versucht sein vermeintliches Opfer auch noch, ihrem Peiniger nach einem Unfall das Leben zu retten. Man folgt in „Palimpsest“ dem Physiker Dr. Renning, dem Erfinder einer Zeitmaschine, mit deren Hilfe er sich ins Jahr 1923 zurückbeamt, um mit einem gezielten Kopfschuss Adolf Hitler zur Strecke zu bringen. Ich darf verraten: es misslingt und zwar auf so groteske Weise, dass, wer den wirklichen Fortgang der Geschichte kennt, sich ein mandelbitteres, verzweifelt verzerrtes Grinsen nicht verkneifen mag. Die zweite von vier Abteilungen des Buches befasst sich mit Futuristischem, einer Welt beispielsweise, in der die Literatur von Computerprogrammen erstellt wird, mit allen katastrophalen Folgen für die Lesbarkeit der Texte. Sie holt Kindheitserinnerungen zurück über die Irritationen, die das Auftauchen des weiblichen Geschlechts in einer Bande halbwüchsiger Jungs schafft und sie entführt uns mehrfach ins toskanische Italien, wie man unschwer erkennen wird, einem der bevorzugten Aufenthaltsorte des Autors Klammer. Die dritte Abteilung befasst sich mit Beziehungsgeschichten im weitesten Sinne des Wortes, die vierte mit, mehr oder weniger, programmatischen Texten, wobei die Sinnhaftigkeit des Auftauchens diesen oder jenen Textes in den jeweiligen Gruppen sich mir nicht immer erschließt. Es gibt Überschneidungen. Das ist aber nur eine Randnotiz und stört nicht, da jede der Geschichten des Buches eine, in sich abgeschlossene erzählerische Einheit darstellt. Mein persönliches Highlight ist die Geschichte „Der Schriftsteller, die Putzfrau und der Tod“. Hier kann man, obwohl, oder vielleicht gerade weil es ums Sterben geht, von Herzen über einen Schriftsteller lachen, der sich, soeben unter überaus merkwürdigen Umständen verstorben, zusammen mit seiner ebenfalls just verschiedenen Putzfrau vor einer Kinoleinwand wiederfindet, auf der in diesem Moment ein Film läuft, der die letzten Minuten im Leben der beiden zeigt. Die Geschichte ist, obwohl vom Plot her tragisch, so komisch erzählt, dass der Tod, der am Ende als lässiger Literaturliebhaber erscheint, seinen Schrecken gänzlich verliert.

Niklas Klammer macht den Zugang zu seinen Texten nicht immer einfach und das ist gewollt. Gerade die älteren sind herausfordernd und teilweise, aufgrund der politischen Thematik, schwer verdaulich. Das macht sie jedoch nicht weniger interessant und lesenswert – im Gegenteil. Sie sind schwierig, weil sie den Leser zwingen, sich zu positionieren. Klammer lesen und danach Tagesschau sehen oder ruhig ins Bett legen, das funktioniert nicht. Die späteren Texte sind leichter, humorvoll und mit viel Raffinesse geschrieben. Beeindruckend ist die Genauigkeit der Beobachtung menschlichen Verhaltens. Niklas Klammers Kurzgeschichten sind nie nett, keine Love Stories, keine pittoresken Bildchen aus dem braven, bürgerlichen Leben. Es sind Traumbilder, manchmal alptraumhaft. Sie wollen eklig sein, komisch, grotesk, gelegentlich absurd, verstörend. Es sind Bilder aus dem Leben eines Einzelnen, der sich exemplarisch nimmt für das Ganze. Wer sein Leben ruhig und beschaulich mag, der ist hier falsch! Für alle anderen, vor allem die, die den Autoren Niklas Klammer kennenlernen wollen, ist „Das rote Haus“ ein must read!«

Andreas Milanwoski