Aber ein Traum …

Autorer als andere Autoren

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Der frühe Morgen und ich – Die Geschichte einer innigen Feindschaft

In jeder Alltagswoche zwingt mich mein Brotberuf, morgens gegen 05:45 Uhr aufzustehen.

„Was?“, wird nun vielleicht einer der beiden Fans des weltberühmten Autors und Kolumnisten Nikolaus M. Klammer überrascht ausrufen: „Mein Lieblingsschriftsteller kann von seiner Literatur nicht leben? Das hätte ich nie gedacht; so eine Schande. Wie krank ist denn diese Welt?!“

Ja, mein lieber Freund, ich stimme dir gerne zu und gestehe es dir hier im Vertrauen – sozusagen von Angesicht zu Angesicht – denn sonst liest ja diesen Text eh niemand: So ist das. Von der Feder zu leben ist so ertragreich wie der Versuch, einen Ochsen zu melken (und so riskant). Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen:

Der Versuch, vom Schreiben zu leben, ist zwar nicht die schnellste Art zu verhungern, aber es ist doch noch immer die zuverlässigste.

Zudem gehen die meisten Verleger, Leser (und Internet-Aktivisten) davon aus, dass der Autor überhaupt nur aus reinem Idealismus und Menschenfreundlichkeit schreibe und froh und dankbar sein sollte, wenn er seine Werke und schlauen Gedanken ohne freche Honorarforderungen herschenken dürfe. Für Literatur Geld zu verlangen, erachten viele als niederträchtig und einen unfreundlichen Akt.

„Was?,“ werden alle anderen ausrufen, die mich nicht kennen und denen du, lieber Fan, fassungslos von meinem frühen Aufstehen erzählst: „Die überempfindliche Heulsuse Klammer jammert mir wegen seines traurigen Loses die Ohren voll, weil er tatsächlich ein, zweimal in der Woche gegen 05:45 Uhr aufstehen muss? Das hätte ich nie von ihm gedacht! Von dem lese ich keine Texte mehr, da muss ich mich nur aufregen.“ Halt, sage ich, ihr habt ja recht! Eigentlich kann ich froh sein, wenn mich in meinem langweiligen Brotberuf überhaupt jemand dafür bezahlt, dass ich herumstehe, klug daher rede und durch Handauflegen Computer repariere. Da werde ich mein müdes Haupt auch einmal vom warmen Kissen und den altersschwachen, rheumageplagten Körper aus den Pfühlen erheben können, wenn die Sonne noch nicht aufgegangen ist. Ja, ihr habt alle recht, all ihr Frühdienstler und Nachtwächter, ihr braven Bauern, Arbeiter und Angestelle, Beamte und Köche, die ihr niedergedrückt von der Woche Last wohlverdiente (und kostenfreie) Entspannung bei meinen Texten sucht. Ihr alle, die ihr jeden Tag und oft auch wochenends klaglos vor den Hühnern aufsteht, um im Schweiße eures Angesichts euren kärglichen Lebensunterhalt zu verdienen – ihr habt meinen Respekt. Ich klage mal wieder auf hohem Niveau; das kann ich wirklich gut. Selbstmitleid ist meine persönlichste Regung, das sollte inzwischen bekannt sein.

Aber ich bin eben auch Künstler und mir ist es einfach nicht in die Wiege gelegt, in die Gene geschrieben oder durch die Erziehung geprägt worden, morgens vor der Frühmesse schon wach zu sein. Die Stunde des Dichters ist der späte Abend, es ist die Nacht. Sie allein hat Erbarmen mit ihm, hüllt ihn ein in einen wärmenden Mantel der Ruhe und der Besinnung. Daher richtet er auch seine Hymnen an den leuchtenden Sonnenuntergang, an die funkelnden Sterne hoch oben am schwarzen Firmament, an die mürrischen Barkeeper hinter den Theken seiner Lieblingskneipen, nicht an die stumpfe, allzu kalte Morgendämmerung, nicht an die öligen Regentropfen aus grauen Nebelwolken und die mürrischen Busfahrer hinter den Lenkrädern der Linie 604.

Zählen wir doch einmal: Wie viele Maler malten denn die Morgensonne? Was zählt ein Claude Monet gegen gefühlte tausend Abendstimmungen von Caspar David Friedrich? Wie viele Lyriker beschrieben rosa Wolkenfinger, die sich in den Morgenhimmel krallen? Und wie viele Lieder an die Nacht wurden dagegen gereimt? „Warte nur, balde ruhst du auch.“ Wie viele musikalische Morgenstimmungen gibt es? Ah, da meldet sich einer: „Der Zarathustra von Strauß und der Grieg’sche Peer Gynt“, höre ich. Brav, da hat aber einer seine Hausaufgaben gemacht.

Erstens: Diese zwei Beispiele stehen so einsam gegen all die Abend- und Gute-Nacht-Lieder, Serenaden und kleinen Nachtmusiken, dass sie wohl kaum ins Gewicht fallen und wahrscheinlich eh nur geträumte Phantasien des Komponisten sind, der sie spät am Abend – wenn nicht gar in der Nacht – zu Noten machte. Zweitens: Meine Argumentation ist zu gut, um sie mir von der Wahrheit kaputt machen zu  lassen.

Zusammengefasst: Ich bin einfach nicht dafür geboren, vor 08:30 Uhr aufzustehen! Ich möchte richtig verstanden werden; ich bin kein Oblomov, ich verschlafe nicht den ganzen Vormittag. Ich kann sogar hervorragend vor meiner verdienten Mittagsruhe arbeiten – aber nicht, wenn ich mich zu früh in den Tag kämpfen muss. Dann kann ich nicht denken, kaum zwei zusammenhängende Sätze formulieren, jemandem zuhören oder konzentriert arbeiten, gar mit Menschen reden, ohne ihnen Beleidigungen oder Gegenstände ins Gesicht zu werfen. Gut, dass diesen Menschenkontakt bei meiner Arbeit niemand von mir verlangt, denn morgens herrscht bei mir Ausnahmezustand. Wenn ich mich nicht am Griff meiner Kaffeetasse festhalten kann, rutsche ich langsam vom Stuhl.

Berlin 87-4

Gemach! Bevor alle Werktätigen mit Früh- und Nachtschichten von Neuem über mich herfallen – ich kann bereits den einen oder anderen bösen Kommentar auf der Zunge schmecken –, ich weiß, dass ich auf höchstem Niveau jammere. Aber ein-, zweimal in der Woche zwingt mich mein Brotberuf, bereits gegen 05:45 Uhr aufzustehen und ich hasse das. Der Herr hat den Menschen nicht dazu geschaffen, um diese Uhrzeit aufzustehen, schließlich geht auch die Sonne erst später auf. Ich bin kein Langschläfer, aber vor sieben Uhr aufstehen: Das ist eine unmenschliche Tortour, ein Verbrechen an der Menschheit, das gesetzlich verboten gehört.

Denn mein gequälter Leib schleppt sich nach dem unbarmherzigen Weckerklingeln einem Zombie gleich ins Bad, während meine Seele noch im Bett liegt und von heiteren, leichten Dingen träumt. Erst, wenn mein seelenloser Körper  sich vor dem Spiegel stehend oberflächlich wäscht und mechanisch die Zähne schrubbt, werde ich langsam wach und mein noch vom Schlaf verwirrter Geist kommt hinter mir her ins Bad getrottet. Dort finde ich mich und eine Laune. Selten ist es eine gute, denn der Verfall, der mir aus dem Spiegel mit zahnpastaverschmierten Lippen eine Grimasse zieht, schreitet hurtig voran und die Zahl der grauen Haare steigt täglich progressiv. Selbst wenn ich mich noch für eine schnelle Dusche mit „revitalisierenden Algenextrakten“ und „Hairenergizer“ (wird wahrscheinlich „Här-Einischeißer“ ausgesprochen) entscheide, bringt das keine Jugendlichkeit zurück.

Auch der weitere Ablauf des Tagesbeginns folgt einer festen Zen-Regel: Ich tappe an den Briefkasten und nehme die Zeitung (ja, es gibt Leute, die vor mir wach sind: Danke), trage sie in die Küche und schmeiße den lärmenden Kaffeevollautomaten von Frau Klammerle an. Dann schleppe ich mich zum Radio und öffne den Sender meines Vertrauens. Da ich grundsätzlich – und am Morgen insbesondere – auf das waidwunde Gewinsel von Helene Fischer, des Grafen, von Xavier Naidoo et. al. und auf das Beste aus den 80ern und die Hits der 90er verzichten kann, ist die Frequenz auf den einzigen Rocksender eingestellt, der Bayern beschallt. Da die Songauswahl der Rockantenne eng begrenzt ist, singen meist AC/DC, Jon Bon Jovi oder Die toten Hosen, was ich morgens gerade noch hinnehmen kann. Ist es jedoch Rammstein, die sich immer so anhören, als hätten die Nazis den Krieg gewonnen, muss ich passen und schalte wieder aus. Das geschieht in der letzten Zeit leider immer häufiger. Mir ist es vollkommen unverständlich, wie man mit dieser Marschmusik morgens wach werden kann. Ich packe also an allen Nicht-Rammstein-Tagen meinen Pott Kaffee, kühle ihn großzügig mit Milch, vergesse dann aber meist umzurühren und verbrenne mir den Mund. Mühsam versuche ich die Schlagzeilen der Zeitung zu verstehen. Mist, ich brauche jetzt wirklich bald eine Lesebrille. Die Laune bessert sich nicht. Da hilft mir auch das zum einhundertsten Mal gespielte Hotel California nicht.

Und dann wird in die letzten Takte des Liedes gequatscht und der Ärger geht los: Warum müssen Radiomoderatoren – insbesonder Morgenshow-Moderatoren – immer so hysterisch gute Laune haben? Da wird ein Sparwitz nach dem anderen gerissen und künstlich darüber gelacht und damit der trübe Morgenverstand des Hörers auch mitbekommt, dass das lustig sein sollte, wird das Ganze noch mit einem Trötgeräusch oder einer Fanfare untermalt. Und so kichert man sich durch die Moderation und durch den Wetterbericht und wirft sich bei den Verkehrsmeldungen fast weg, unterbrochen von den immer gleichen Werbejingles, in denen mir noch hysterischere, kurz vor der Einweisung in eine Anstalt stehende Menschen jeden Morgen aufs Neue versichern, wie lecker die Spätzle von Settele sind, wie günstig eine Autofinanzierung ist und welche Nummer die Telefonauskunft hat – dazwischen singen mal wieder Boston What a feeling, obwohl ich, wenn ich ehrlich bin, außer aufsteigendem Zorn noch überhaupt nichts fühle …

Ist es denn so schwer zu begreifen, dass ich das am Morgen alles nicht brauche? Können denn die Moderatoren (Barny! Eisprinzessin! Ha, ha, ha ha, ha! Das Wetter, ha ha! Klingeling, wer ist denn da dran? Ha, ha, ha! Trööt!) nicht auf mich Rücksicht nehmen oder wenigstens in einem der tausend anderen Sender keine klinischen Fälle in der manischen Phase plappern, sondern auch einfach mal so schlecht gelaunt sein wie ich?  Ich habe mir sogar ein Internetradio mit 50.000 Sendern zugelegt. Dadurch wurde nichts besser: Jetzt kann ich aber die Morgenhysteriker in allen Sprachen der Welt empfangen – am schlimmsten sind die Japaner …

Warum gibt es kein Morgenmuffelradio, in dem jemand mit übler Stimmung halb schlafwandlerisch ein paar Informationen ins Mikro murmelt und dann Leonard Cohen oder The Cure jammern lässt oder ohne Gequatsche die besten Morgenblues-Titel spielt? Das würde mir morgens wirklich  auf die Beine helfen …

Vielleicht sollte ich selbst solch eine Radiostation gründen: Morgenmuffel 92,4, das Programm für die Nichtausgeschlafenen, mit der Schlechte-Laune-Garantie für den ganzen Tag, Staumeldungen und den traurigsten Rockballaden – werbefrei und ohne Gewinnspiele.

„First we take your morning, than we take your day…“

Der Geilwuchs

Aus aktuellem Anlass:

Die Sumpfblüte

Es ist wieder so weit: Das viel zu warme Januarwetter und die damit verbundenen heftigen Regenfälle in den letzten Tagen haben nicht nur Schneeglöckchen und Krokusse ausgebrütet und dafür gesorgt, dass zum Leidwesen der Allergiker die Haselsträucher in voller Blüte stehen, sondern auch ein besonders lästiges Unkraut, das nicht in jedem Jahr, aber regelmäßig und dann unvermeidbar innerhalb weniger Tage heranwächst und das Dorf und die nahe Stadt verschandelt und überwuchert:

Es handelt sich um das gemeine Wahlplakat (pergamentum electionis vulgaris), das sich gerade wie eine Seuche ausbreitet, gegen die es kein Unkrautmittel zu geben scheint. Die gemeine Ackerwinde (Convolvulus arvensis vulgaris) ist harmlos dagegen.

An allen möglichen und unmöglichen Orten schießen wegen der Bundestagswahlen diese unheimlichen Pflänzchen wie Spargel aus dem Boden, es sind inzwischen so viele, dass eigentlich kein Platz mehr für neue bleibt, will man nicht Fenster, Böden oder Haustiere bekleben.

Kein Laternenmast, kein Baumstamm, keinen Bauzaun und keine Wand gibt es mehr, von der nicht ein schmierig grinsender Mensch stolz auf mich herabblickt, kein Fuß- oder Radweg, ab dem mich nicht eine Reihe Aufsteller mit Zwei- oder maximal Dreiwort-Parolen zu ständigen Umwegen zwingt. Hundertmal sehe ich in das gleiche flache, mit Photoshop geschönte Gesicht, das schon beim ersten Anblick wie eine kalte Dusche wirkte, lese zwanghaft die den Verstand beleidigenden Worthülsen, die offenbar eine Druckmaschine mit Zufallsgenerator unter die Köpfe gesetzt hat. Die Kandiaten, die sich auf meine Kosten für die nächsten Jahre bequem in die Rathäuser setzen wollen, benutzen immergleiche Textbausteine:

– „Für …“ (bitte selbst ein politisch korrektes Wort einsetzen, es bieten sich an: Freiheit, Gerechtigkeit, Frieden, Bildung, Miteinander, Mitte, Werte, Energiewende, 130 auf Autobahnen, Umweltschutz, Klima, Deutschland, Jugend, Alter, Kitas, Kinder, Arbeitnehmer, Europa, DSL für alle, endlich eine Umgehungsstraße, Freibier. Das letztere Wort wird für meinen Geschmack viel zu selten benutzt, obwohl es sicherlich das erfolgreichste wäre. Manches der leeren Worthülsen benötigt noch ein passendes Adjektiv. „sozial“, „frei“, „gerecht“ und „ökologisch“ sind die Beliebtesten.)

– Gegen …“ (bitte selbst ein politisch unkorrektes Wort einsetzen. Vorgeschlagene Wörter: Steuern, Zuwanderer, Rüstung, Kapitalismus, Klimahysterie, 130 auf Autobahnen, Internetüberwachung, Energiewende, Reiche, Europa, Euro, die Umgehungsstraße, Brokkoli. Das letztere Wort wird für meinen Geschmack viel zu selten benutzt, obwohl es bei mir sicherlich das erfolgreichste wäre. Das „Gegen“-Pflänzchen ist eher bei den Radikalen von links und rechts zu finden; dieses Unkraut wächst übrigens am höchsten hinaus, was den Vorteil hat, dass doch einiges über dem Gesichtsfeld hängt und leichter übersehen werden kann.)

– „Ich bin…“ (gut, jung, gesund, aufgeschlossen, dynamisch, sportlich, ehrlich, zuverlässig, für sie da, Anwalt, Bauer, Diplom-Ökologe, Rentner, Schulrat, Hausfrau und Mutter, Musiker, vegetarischer Metzger, aus dem Volk, kurz: ganz toll. Aber das schreibt keiner.)

– „wählt…“ (Kürzel der Partei, den Frieden, die Freiheit, die Eierkuchen, Jesus, Karl Marx, überhaupt mal, ihr Pfeifen!, kurz: „Wählt verdammt noch mal mich! Sonst muss ich mir eine vernünftige Arbeit suchen!“ Aber das schreibt keiner.)

Die CSU geht hauptsächlich mit Einwortsätzen  und der „Sicherheit“ hausieren: „Bayern. Zukunft“ und „Bayern. Freiheit.“ Statt „CSU“ könnte wirklich jeder beliebige andere Parteienname über Slogan und Bild stehen. Die Beliebigkeit hat mit der Augsburger CSU-Bürgermeisterkanditatin ihren Gipfel erreicht, die sich tatsächlich entblödet, mit dem Schlagwort „CSUsammen“ für sich zu werben.

Und da kommt mir doch eine sinnvolle Idee:

Könnte man nicht einfach ein wiederverwendbares Standard-Wahlplakat mit einer attraktiven jungen Frau Mustermann  (Das ist Geschlechtergerechtigkeit: Wir sind alle attraktive junge Frauen und Professorinnen) drucken, auf dem „Für das Gute. Gegen das Schlechte. Wählt mich und meine Partei!“ und darunter der Wahltermin stehen? Es würde dann per Gesetz beschlossen, dass pro Straße nur zwei dieser Infoplakate gehängt werden dürfen, in jede Fahrtrichtung eines. Was könnte man sinnlos verbratenes Geld einsparen und wie viel schöner wären unsere Innenstädte!

PS. Eine Abart des pergamentum electionis vulgaris sind die epistolae electionis, die – kaum informativer – im Briefkasten siedeln und als Schmarotzerpflanze langsam die restliche Post vertreiben. Besonders eklig sind die braunen Epistolae, die unsere Dorfnazis – vulgo AfD’ler – vor den Wahlterminen verteilen. Leider erwische ich sie nie bei ihren heimlichen, sinistren Machenschaften, aber eines weiß ich: Wenn sie nicht aufhören, mir ihren stinkenden Unrat in den Briefkasten zu stecken, dann fäkiere ich auch mal in den der AfD…

Nur gut, dass diese Seuche am Montag nach der Wahl so schnell wieder verschwindet, wie sie aufgetaucht ist. Bis zur nächstenmal …

PS.: Dies war übrigens einer meiner Blogartikel, der es nicht geschafft hat, in mein köstliches und überall im Handel erhältliches Büchlein  „Noch einmal davon gekommen“ aufgenommen zu werden, in dem ich meine besten Glossen, Kurzgeschichten und Texte gesammelt habe und auf das ich hier noch einmal hinweisen möchte:

Noch einmal davon gekommen
Glossen, 228 Seiten, reich illustriert
Taschenbuch und E-Book
ISBN 978-3745043006

Der fürchterliche Monat

Der fürchterliche Monat.

Einer der bedauerlichsten Irrtümer der Evolution ist der, dass sie den Menschen nicht wie den Bären, die Maus, den Igel oder das Murmeltier oder auch den Siebenschläfer zum Winterschlaf geführt hat. Man sollte sich diese Tiere als glücklich vorstellen. Der Mensch jedoch muss unverdrossen auch in der kalten Jahreszeit wirken, weben und handeln, leben, lieben, leiden und – frieren. Wie angenehm wäre es, für drei oder vier Monate all die Arbeit, den Ärger, die Politik und die Mitmenschen zu vergessen, sich Anfang November in sein Schlafzimmer zurückzuziehen, noch ein wenig im Zauberberg zu blättern (da macht es nichts, wenn man im Frühjahr nicht mehr weiß, was man gelesen hat), dann gelangweilt und sattsam müde das Nachttischlicht löschen, sich in dicke Federkissen einrollen und bis in den März hinein zu schlafen, um gestärkt und ein paar Pfunde leicher gemeinsam mit der Natur wieder zu erwachen.

Gut, ein paar Dinge wären anders, aber wahrscheinlich besser: Man müsste Weihnachen im Sommer feiern, auch alle Geburtstage würden in die schöne Jahreszeit fallen. Auf der anderen Seite gäbe es das unselige Skifahren nicht und keine Langlaufloipen. Die Berge würden nicht von den Dinosaurierskeletten der Lifte und Bahnen verschandelt und durch die Beanspruchung verkarsten, es gäbe keine Glatteisunfälle und Rentnerinvasionen auf Mallorca, man müsste keinen Schnee schippen, sein Auto nicht enteisen und Heizöl und Benzin würde noch ein paar Jahrhunderte länger reichen. Kein Bauer könnte mehr seine Gülle schon im Februar auf die Felder kippen und – welche Erleichterung – den rheinischen Karneval würden ebenfalls alle verschlafen (Statt „Kölle alaaf“ hieße es „Kölle schlaf“). Vielleicht gäbe es auch weniger Kriege, weil die Leute lieber schlafen als kämpfen. Die Verbrechensrate wäre bestimmt geringer; man bräuchte für edle Pelzmäntel keine Tiere schlachten und würde insgesamt länger leben, da uns unser Energiehaushalt zu einem langsameren, ruhigeren Leben zwingen würde.

Man stelle sich nur die heiteren Familienfeste Ende Oktober vor, bei denen man sich von einander verabschiedet und sich gemeinsam seinen Winterspeck anfuttert, um die anschließenden Fastenmonate zu überstehen, die man schlafend und angenehm in seine Pfühle gekuschelt verbringt. Das türkische Zuckerfest wäre dagegen eine Diätveranstaltung. Apropos Diät: Die Winterruhe wäre ein wirklich funktionierendes ‚Abnehmen im Schlaf‘ für jedermann und alle Frauen kämen ohne irgendwelche ‚leckere‘ Diät-Drinks und die Weight-Watchers im Frühjahr mit ihrer Bikinifigur aus dem Schlafzimmer!

Aber es soll leider nicht so sein … Die Tretmühle läuft ohne Pause weiter.

Und der schlimmste dieser Wintermonate ist der Januar, an dem eigentlich nichts zweigesichtiges ist, da er einem tagein, tagaus seine hässliche Fratze entgegenstreckt. Der Januar ist ein Monstrum, ein Unhold. Dass das neue Jahr ausgerechnet mit diesem toten, amorphen und grauen, dabei endlosen Monat beginnen muss, ist mir ein Rätsel. Januar ist kein Neubeginn. Er ist noch vollkommener Winter, kalt, düster, seine Wetterkapriolen grausam und davon, dass die Tage wieder länger werden, merkt man auch noch nichts. Der Januar kennt kaum Feiertage und keine Lichtblicke, man leidet unter Vitamin-D-Mangel und depressiven Schüben. Er bringt die ersten bedeutenden Schneemengen und viele zusätzliche Arbeiten und Gefahren. Bewegungslos und gleichförmig reihen sich seine kurzen Tage aneinander und die bitteren Nächte werden nicht einmal vom Lichterschmuck wie im Dezember erhellt. Es gibt auch plötzlich keine Glühweinstände und Weihnachtsmärkte mehr, obwohl sie gerade jetzt viel notwendiger sind als während des Advents, in dem normalerweise vorweihnachtliches Tauwetter und frühlingshafte Temperaturen vorherrschen.

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Warum ist ausgerechnet der Januar einer dieser Monate mit 31 Tagen? Nicht einmal die gnädige Kürze des Februars will man uns gönnen. Warum nimmt man nicht wenigstens den letzten Tag und hängt ihn meinetwegen an den Juni? Ein 31. Juni hätte immer schönes, warmes Sommerwetter, aber ein 31. Januar – wer braucht denn den? Gleiches gilt übrigens für den diesjährigen Schalttag Ende Februar, auch dieser ist völlig verschwendet an den Winter und sollte z. B. in den goldenen September verschoben werden. So könnte man durch eine einfache Kalenderänderung dem Jahr zwei weitere schöne Tage hinzufügen. Vielleicht sollte man den Januar gleich zwischen Juli und August legen! Das ist es: Dann hätten wir einen Monat mehr Sommer. Warum ist darauf eigentlich noch niemand gekommen? Vielleicht sollte ich mit dieser genial einfachen, aber sinnvollen Forderung einmal zu meinem Bundestagsabgeordneten gehen …

Aber wie immer hört ja keiner auf mich! Nein, der erste Monat des Jahres hat nichts, was mir symphatisch ist, außer an unverdienter Länge hat er von allem zu wenig. Er ist abweisend wie ein verbitterter alter und ungewaschener Mann. Und alle 12 Monate, wenn ich ihn fast schon wieder vergessen habe, tritt er erneut in mein Leben, hockt sich ausdauernd  auf meine Seele und belästigt mich. Ja, wie  gerne würde ich zumindest den Januar verschlafen! Ich habe es versucht, war letzte Woche fest entschlossen, erst wieder aufzustehen, wenn Anfang Februar mein Geburtstag ansteht. Frau Klammerle und auch mein Arbeitgeber waren von der zwingenden Notwendigkeit, diesen Monat einfach auszulassen, nicht zu überzeugen. Nur deshalb gibt es heute einen Blogeintrag. Eigentlich wollte ich noch im Bett sein.

Wenn Ihr also von heute an nichts von mir hört: Weckt mich nicht.

Enden will ich allerdings mit den Zeilen meines engen Freundes und Leidensgefährten Walther Vogelweide, der missmutig und übellaunig schon vor einigen Jahren dichtete:

„Möchte ich verslâfen des winters zît ! 
wache ich die wîle, sô hân ich sîn nît, 
daz sîn gewalt ist sô breit und sô wît. 

Diesen und andere Texte findet ihr in meinem Buch „Noch einmal davon gekommen“, das als Softcover oder als Ebook überall im Buchhandel erhältlich ist.

Silber – Eine Kurzgeschichte

Silber, das ist ja Silber. ein raum zeit zu gehen da wohnt noch keiner Ein Monolog über mich. ein raum zeit zu gehen da wohnt doch einer Zwei, die gemeinsam reden, müde Stimmen. da hat Mehr wäre Lüge, oder vielleicht auch nur hör doch da drüben die stimme lass doch ein Spiel? nicht wahr Auch Wirklichkeit ist Schweigen. da drüben nein da ist alles anders Ich muss es sagen. Die Räume warst hast sind gewohnt. Auch die Gestalt. Wie immer. hat Leerlauf. Leergang oder Mühen: da drüben nein da ist alles anders Es lohnt sich nicht. nein da möchte ich nicht einmal sterben Alles gewohnt, nichts Neues und doch: du fragst mich Ich bin nahe am Schweigen, nach überdecke mit Worten: lösungen fragst du Das ist Silber. du

Ich hab mir den Bart mit einer Haushaltsschere gestutzt. Es war nichts anderes greifbar. Wo ist eigentlich… egal; zögernd überm Waschbecken, dem Alibert zugeneigt, wie immer. Mir selbst entgegen lächelnd. Aber: Werde ich dick? Mein Gesicht war schon schmaler. Vergeistigter. Es ist wie aufgebläht von Wohlleben und Kapitalismus, die Zornfalte ist doch nur noch ein umhegtes Steckenpferd. Jeder verhätschelt was, ein Haustier, eine Frau, so in der Art. Jeder das seine, ich weiß nicht. Ich habe meine Neurosen. Die sind gar nicht so pflegeleicht. Wenn man sie gewohnt ist, wird man Bürger. So wie mein Bruder, der sitzt in seiner teuren Wohnung mit Frau und Kindern. Das ist schon lächerlich bei dem. Rackert sich einen ab, hat sogar geheiratet. Muss man sich mal vorstellen, nein.

Die Schere war klebrig und stumpf. Jeder Schnitt war schwerer als der vorherige. Die Haare blieben wie Schamkräusel am Pissbecken hängen. Dann habe ich einen Pickel entsorgt. Ein Riesending an der Nase, richtig unappetitlich. Da hilft nur noch ausdrücken.

Ich bin ein Feigling. Trau mich nicht ran. Komm, ein bisschen Schmerz. Dann ist alles vorbei, kaum der Rede wert. Wenn es blutet, mach ich aber alles noch schlimmer, das sieht dann eklig aus. Der Pickel wird sicher bluten. Der ist ein Bluter. Ich sehe das. Und ich habe eine Pflasterallergie. Also so kann ich doch nicht unter Leute.

Als Zwischenbemerkung, zur Situation: Sitzen die beiden Mädchen im Sommacal nach der Schule und lassen sich von einem Zuhälter beschwatzen. Ich bin feige und still, knabbere hingebungsvoll am Anisplätzchen zum Kaffee. Draußen auf der Maxstraße holpert ein Bundeswehrlaster vorbei. Ein paar Blicke. Die Bedienung stinkt wieder nach Schweiß. Ich schwänze eine Vorlesung. Eindrücke sammeln, nenne ich das. Das war gestern. Ich habe mir den Bart gestutzt, fingere an einem Pickel. Das ist heute. Morgen? Irgendwie ist gestern bereits morgen. Sitzt da ein Zuhälter mit zwei Schülerinnen im Sommacal und gafft einem kurzen Rock hinterher. Seine fetten Finger tätscheln. Ich nage an einem Keks. Zum Kaffee. Irgendwie ist das Morgen. Und das Wetter? Ja, das Wetter. Das ist dem Monat entsprechend, würde ich sagen. Bald ist Herbst.

Mir ist das zu kalt. Für jemanden, der Schals und Handschuhe mag, gut. Aber mir ist das zu kalt. Vielleicht kommt bald Föhn. Ich spürte zwar nichts, als ich den Pickel ausdrückte, aber mir war, als ob bald Föhn wäre.

Da spritzt der Eiter, klatscht gegen den Spiegel. Und bluten tut es auch. Ich habe es gewusst.

Ich hatte ein Taschentuch in Reichweite. Ich bin ein vorsorgender Mensch. Presste es an die Nase, sah zur Uhr. Noch Zeit. Ein Rätsel will ich sein. Mir und den anderen. Um mich hinter dem Ohr kratzen. Jetzt. Ich habe dort einen grünen Streifen. Ja, hinter dem Ohr bin ich grün. Ha, ha. Das Brillengestell reagiert dort mit meinem Schweiß und oxidiert Grünspan. Nimmt das die Haut auf? Kann man davon Krebs bekommen? Oder eine Bleivergiftung?

Ich möchte mal wieder das Testbildpfeifen in der Glotze hören, gibt es das eigentlich noch? Bei der Rundumversorgung? Früher habe ich am Piepston erkannt, welcher Sender gerade „Nichts“ sendete. Ich habe das geübt. Ich wollte damit in „Wetten das?“ auftreten.

Oder ich zähle meine Bücher. sechstausendsiebenhundertneunundreißig, alphabetisch sortiert von Achternbusch, Herbert bis Zweig, Stefan. Und alles, was es dazwischen gibt. Die achtundertzweiundachzig im Arbeitszimmer nicht mitgerechnet.

Wenn nichts mehr hilft, räume ich die Wohnung auf. Therapie. Das sagte ich schon. Soll mich ablenken und be-chef-tigen. Sie beschützt mich.

Anders gesagt: Zwar habe ich noch ein paar Fragen, aber ich suche keine Antworten mehr. Ich bin nicht mehr so verbissen. Das sind noch die gleichen, selbstverständlich, aber sie sind, wie soll ich sagen, wichtiger? Nein, das ist nicht wahr. Existenzieller? Ja, wahrscheinlich. Aber ein Fremdwort macht nicht immer alles gut.

Also, wo war ich? Ich fange noch einmal an: Es sind die gleichen Fragen wie früher, aber sie sind existenzieller geworden. So in etwa. Gut.

Aber wenn ich es mir überlege. Existentiell?

Ich hab’s. Ich bin den Antworten nicht näher gekommen, aber sie sind nicht mehr ein dominierender Bestandteil meines Lebens. Dominierend dominant. Existentiell dominant. Dominierende Existenz. Schön. Wüsste ich keine Fremdwörter, würde ich welche erfinden. Exdoministenz. Das.

Das ist ein geschickter Themenwechsel. Er funktioniert. Der Selbstschutz. Ich bewundere mich. Ich kenne niemanden, der so viel Eleganz entwickelt, wenn er unbequemen Gedanken ausweicht. Es blutete auch nicht mehr. Die Stelle war gut verschorft und ich bemühte mich, nicht an ihr zu kratzen. Ich konnte mit der Herstellung meines Gesichtes fortfahren. Haare mussten gewaschen werden. Nägel geschnitten. Körperlotion, Toilettenwasser. Heute Abend würde ich perfekt sein. Das hatte ich im Gefühl. Ich war bereits jetzt in der Stimmung.

Kiening

Das habe ich mir letzten Samstag auch eingebildet. Letzten Samstag bekam ich einen Feind. Ich stand gut auf und war fit. Es kam ein Brief, der deutlich war; diese Art von Briefen, die auf dem Umschlag schon das Unglück verraten, das in ihnen steckt. Seitdem weiß ich nicht, wo ich beginnen soll. Klammere ich mich an der Zeit fest. Ich versuche auszuharren. Aber alles entgleitet mir. War diese Woche schon? Eine Woche. Sie ist mit einem Augenaufschlag abgetan. Und doch, mal ehrlich, seit dem Tag fühle ich mich im Auge eines Sturms. Die Zeit ruht. Nein, sie ist nur bewegungslos. Sie lügt.

Ja. Sie ist mein Feind.

Lüge, lüge, Lügner. keine sorge nur ein kurzes Inzwischen ist es ja deutlich. Mal wieder nur das gewohnte Bild, nichts Neues. Auch die Worte sind nur Reminiszenz. Aber sie sind wieder ehrlich und ernst gemeint. nein nicht einmal gestorben will ich will so bin ich ein paar sätze machen noch das alles du Hör auf. Muss ich das denn immer wieder sagen? Sei duldsam. Warte auf den Schluss. Auch wenn du dich langweilst. Deine Empfindung ist nur eine Varianz, eine geringfügige Abweichung von der Norm. Die Empirie gibt mir Recht. leben heißt dort lebendig begraben nicht mit mir ich steh auf verfolgte der erde nicht mit mir ich bin keine antwort ich bin ein programm.

Ich stehe also vor dem Nichts. Und das ist wahr, obwohl es wie eine Lüge klingt. Bei Aphorismen lüge ich immer. Weil der Kreter weiß: Die Generalisation ist die Mutter aller Lügen. Ja, sehr wahr. Jeder Philosoph kennt diesen Satz. Nichts. Was ist das? Ich stehe davor. Wovor? Stehe ich? Vielleicht sitze ich doch auch. Ich. Wer ist denn das?

Das ist ausgesprochen kasuistisch. Ich werde immer spitzfindig, wenn ich Zeit habe und langsam ins Sommacal schlendere. Ich weiß nicht, das liegt an den Menschen um mich herum, an der Umgebungskaries, klar: Was weiß ich, Stimmung eben, Über-all-einstimmung. Und dazu ich selbst. Frisch den Bart gestutzt, Haare gewaschen, überhaupt: Gewaschen und gut riechend. In zu enger Kleidung.

Ich werde doch wirklich zu dick.

So elegant, wie es mir möglich ist. Und jetzt bin ich auch noch Kasuist. Die Zornfalte ist tief gefurcht. Mein Kainsmal. Ein Herr-Mann mit inneren Narben. Hessingway. Der schmerzlich-grame Ausdruck um die Augen. Dieses: Welt, ich weine. Welt, ich fluche. Genau so gehe ich den Weg zur Verabredung. Der nachdrückliche Schritt des Helden an einem ganz normalen Abend im Herbst.

Nein, seit Tagen.

Seit Samstagen stehe ich vor dem Nichts. Ich bin am Ende. Es wird mir von Tag zu Tag bewusster. Obwohl ich mich mühe, die Schmerzen zu unterdrücken.

Psychosomagenschmerzen.

Die werden immer stärker. Da, an der Seite, nicht so weit rechts. Dort ist der Punkt. Da, ja. Ich denke, ich habe sie schon länger, nicht erst seit voriger Woche. Ich bin mir sicher. Sie sind schon seit Monaten da, eingeschlossen in Haut und Fleisch – auf unauffällige Weise präsent. Aber deutlich spüre ich sie erst seit einer Woche. Der Brief war wie ein Schalter. Jetzt kann ich die Schmerzen richtig einordnen. Ich glaube, ihre Dimension ist jetzt eine andere, sie strahlen. Und so gesehen gehören sie doch zu meiner gegenwärtigen Situation, sie sind ein Teil von mir. Es kann natürlich auch der Föhn sein. So ein Föhn, der ist doch was. Wenn er kommt.

Eine glänzende Ausrede zumindest. Und jetzt.

Jetzt bleibe ich an einer Auslage stehen, verharre, ich würde sagen, unschlüssig. Ich achte nicht auf den Inhalt des Fensters, ich suche meine Magenschmerzen. Aber ein Es-Teil meines Gehirns muss sich doch für das Dargebotene interessiert haben. Ich starre seit geraumer Zeit in das Schaufenster eines Miederwarengeschäfts, auf Negliges, Satin, Strapse, verpackte Fleischwaren, gemeinsam mit Dekoflitter-flatter appetitlich (Arno Schmidt hätte jetzt „appe-titt-lich“ geschrieben) dargeboten. Ich werfe vorsichtige Blicke zu den Seiten, dann schlendere ich betont gleichgültig weiter.

Ich bin bestimmt rot im Gesicht. Das kommt von der abendlichen Kälte, dem Bier, der frohen Erwartung. Ich verkünde euch eine große Freude.

Kaum. Aber meine Probleme sind mal wieder weit weg. Ich betrachte aufmerksam die Leute. Der hat die gleiche Hose wie ich. Mir steht sie besser. Bei dem schlottert sie, wirft Falten, außerdem ist meine sauberer. Das liegt am Waschmittel. Sie ist sondern rein.

Vielleicht noch einmal zur Situation: Gestern Abend: Fernsehen. Die Augen habe ich in die Glotze gesteckt, ganz nah am Flimmern, bis sich die Gesichter fast in Farbpunkte auflösen. Pointillismus. Bis zum Einschlafen; irgendein Debattierclub, in Ledersessel versunkene Freitaxabendreden. Den Bartwuchs der Wichtigtuer beobachten, selten das Thema gedankenverloren streifend: Damals, ja, da war ich noch. Ich könnte meinen mal wieder stutzen. Heute: Stimmungsvolles glöckchenhelles Schlendern in der Dämmerung. Erfolgshoffnung. Unterstützung der Kondomindustrie.

Bin ich unmoralisch?

Wer vor dem Nichts steht, kann nicht unmoralisch sein. Und morgen, das hatten wir schon. Das ist irgendwie gestern. Also Fernsehen, vielleicht diskutieren sie noch immer. Nur: Morgen ist eine Woche vorbei. So weit, so gut. Andere Gedanken sind stärker, relativieren vieles. Einen anderen Weg gibt es immer. Dieses Nichts ist zu endgültig. Es klingt gelogen wie die Liebe in einer Fernsehserie, talmiglänzende christliche Erbarmherzigkeit.

Zusammengefasst: Ich habe die Lage wohl richtig erkannt, mit „Nichts“ treffend genau beschrieben. Aber realisieren, „Nichts“ Sein lassen, ist mir nicht möglich. Meine Gedanken machen mich nicht schlauer.

Sie machen mich traurig. Eine Woche. Irgendwie ist das Morgen. Irgendwie ist das das „Nichts“. Suizid? Fremdwörter. Selbstmord. Mord.

Ich gehe durch die Nacht. Es ist nun Nacht. Jetzt habe ich meinen Schritt beschleunigte Lichter blenden mir ins Gesicht. Geräusche der Kälte sind um mich. Sie dringen durch den Schal, der mich nicht wärmt. Trauer tragen die Häuser. Eine skurrile Zeit ist das: Dezember. Zeit zwischen den Zeiten. Bewegungslosigzeit zwischen einem Lokal und Daheim, zwischen Frau und Frau. Unterwegs zum Nichts. Heute ist der Tag, an dem ich mit dem Suizid kokettiere.

Ja. Die Fremdwörter.

Was soll ich sagen. Narzissmus. Ein paar Worte vielleicht zu diesem Thema. Vergiss nicht, alles schon gehabt. Diesmal ist es etwas deutlicher und weniger Weihrauch. Aber trotzdem eine Wiederholung. Die zur Seite ins Unwesentliche gerutschte Vaterfigur, Dominanz der Mutter. delegation legende familie hausmachertherapie Hilft da nur für kurze Zeit die Kunst. Nimm doch die Romantiker, da wird es auf jeder Seite, die du liest, deutlicher. Die sind fast zu typisch. Der Doppelgänger, wo kommt der her? Narziss, Ödipus. Und dann, natürlich: Ich bin die Wonne der Welt, die meinen Neidern die Freude vergällt. Wie gut, dass einem jeden nur sein eigener Zustand behagen muss. Und die Moral, wo bleibt die Moral? das positive ja ein gespenst in seiner weiteren entwicklung hast hat sich verlaufen der katzenjammer die ärmsten da will ich nicht einmal begraben willl ich will bin ja pfahl bin ja spieß bin ja produziere meine eigenen totengräber ja du Der Untergang der Moral und der Sieg des Narzissmus sind gleich unvermeidlich. Vielleicht hilft da nur noch der Glaube: Es macht den Wert und das Glück des Lebens aus, in etwas Größeres aufzugehen, als man selbst ist. Heute ist euch der Retter geboren. lachhaft das ist ja da möcht ich nicht mal sterben Ja, wir haben es doch erlebt, gehört, wie moderne Deutsche das „Gegrüßet seist du, Maria“ aufgaben und an seine Stelle „Heil Hitler“ setzten. Was also bleibt? ich liebe mich

Jeder Platz ist gewohnt, von mir be-sitzt. Weniger der im Schlauch zum Klo; am Besten ist doch ein Vierertisch von an der Fensterfront. Vielleicht nicht gerade bei der Tür. Da zieht es im Winter. Ich habe genau den richtigen Platz erwischt, war kein Problem. Es ist die Zeit. Wenn die Nachmittagskaffetrinker heimgehen, das Abendpublikum noch vergeblich einen Parkplatz auf der Maxstraße sucht. In einer halben Stunde, weiß ich, wird es nicht mehr möglich sein, noch einen einigermaßen brauchbaren Stuhl zu finden.

Ich habe ein Pils bestellt. Schmeckt heute anders und wärmt nicht. Aber der bittere Geschmack löscht am besten den Durst.

Ich bin königshöflich zu früh. Was musste ich auch vom Capitol aus rennen? Jetzt kommt die Lange weilende Zeit der Sammlung. Ich habe nicht einmal ein Buch dabei, das habe ich ganz vergessen. Es macht immer Eindruck, wenn man etwas Kluges liest, dann setzt sich auch keiner zu einem. Man will ja nicht stören. Sie nehmen einem höchstens die Stühle weg. Also werde ich ernst und tiefsinnend warten, den Zeigefinger auf den Mund gelegt. Die Augen weit geöffnet, die Backen eingezogen. Das macht mich gleich etwas dünner. Penetrierend auf der Suche nach Augenkontakt. So wirke ich. Interessant vergeht doch die Zeit am schnellsten. Ich beobachte. Ich höre. Ich rieche. Warum muss ich eigentlich immer an einem Tisch sitzen, für den diese Landschweißpomeranze zuständig ist?

Da fällt mir Rudi ein. Den hasst sie, weil er einmal ohne zu zahlen das Lokal verlassen wollte; aus Schussligkeit, so ist er eben. Fertigte sie dann auch noch von oben herab ab. Abfertigte sie dann von oben her ab. Ab.

Nun, er kann noch viel arroganter sein als ich. Jetzt ist er ihr persönlicher Zechpreller. Das hat sie auch den anderen Bedienungen der Kellnerinnenmafia deutlich gemacht. Rudi sitzt nun unter liebevoll aufmerksamer Bewachung im Sommacal und einigen anderen Lokalen. Wenn er auf’s Klo geht. Egal. Und ihre Abneigung gegen ihn kriege ich auch zu spüren. Sie behandelt mich mit ausgesuchter, zuvorkommender Unfreundlichkeit. Wieder eine blöde Sache, die ich Rudi zu verdanken habe. Ich hoffe, ihm fällt nicht ein, heute ins Sommacal zu gehen.

Gestern haben die Unrasierten im Fernsehen über Narzissmus als psychische Krankheit geredet. Nach einer Stunde Worte um die Ohren, links und rechts, war ich überzeugt, dass Rudi und ich, nein, dass ich und Rudi, das heißt, dass eigentlich nur ich ein klassisch zu nennender Vertreter dieser Neurotikergruppe bin. Und ein Satz mit dreimal dass, das ist doch was. Na, dann auf mich: Prost.

Wenn ich so sitze. Ja, dann geht es mir gut. Viel zu gut. Und morgen ist mal wieder erst in einem Jahr. In einem Jahr. Unsinn! Morgen. Eine Farce ist das, butterweich gerührt, nur ein Geschmack. Das Heute.

Diese bewegungslose Lüge der Ruhe ist mein wirklicher Feind, die Falle, falle, der ich Farfalle bolgnese. Doch unter der Oberfläche bewegt die Unruh mein Uhrwerk. Tick, tack. Mein rechtes Augenlid ist wieder in regelmäßigen Abständen von hek-tic-schem Zittern befallen. Das hatte ich jetzt schon Jahre nicht mehr. Das letzte Mal in den Tagen vor dem Abitur.

Ausgedrückter Pickel und Magen schmerzen. So kann ich doch heute nicht mehr weiterleben. Jetzt ist es schon an der Zeit zu sterben. Die besten Heute hatte ich schon Gestern. Morgen kommt „Nichts“ mehr. Es kann nur noch schlechter werden. Träume, Tag für Tag. Schon wieder Suizid, werde ich doch manisch. Depressifremdwort. Nein. Kein Selbstmord. Was ich bräuchte, wäre anders. Dramatisch originell. Das bin ich mir schuldig. Vom einem Schulbus überrollt, an einem Staubsauerrohr erstickt, von einem Elefanten totgeschissen. Aber doch keine lange Krankheit, TBC, AIDS oder so. Krebs.

Oder ich heirate, arbeite, ziehe Kinder groß, werde der Bruder meines Bruders. Auch ein Selbstmord, wahrscheinlich der längste und quälendste. Aufhängen soll schnell gehen, wenn das Genick bricht. Sonst röchelt man noch drei Minuten und macht sich in die Hose. Alles ist besser als so weiter zu leben. Warum eigentlich?

Das hat man mir eingeredet. Meine Eltern waren so professionelle Einredner. Mein Vater. Und inzwischen habe ich keine Chance mehr. Ich kann mich kaum bewegen. Die Gitterstäbe meines Gefängnisses sind zwar kaum stärker als Strohhalme, aber ich habe einfach nicht mehr die Kraft, aufzustehen und sie einzureißen.

Lieber schließe ich die Augen und träume sie mir weg.

So lange bis alles zu Ende ist. Fehlt mir nur noch die Frau.

Und da kommt sie schon herein. Sie hat mir keinen Korb gegeben. Sie sieht mich nicht. Ich winke. Jetzt, sie lächelt. Vielleicht hat sie mich gar nicht mehr erkannt. Gerade gut sieht sie aus. Und ich bin heute in der richtigen Stimmung. Das merkt sie. Fangen wir mal an: Hallo, setz dich. Wie geht’s? Ich bin noch nicht lang hier. Ach. Ganz gut. Du siehst fantastisch aus. Ehrlich, ich bin hingerissen. Wenn ich nicht sitzen würde, würde ich umfallen. Ja.

Und so weiter und so weiter und so weiter. Das Wetter, ihre Ohrringe, was machst du an Weihnachten, meine künstlerischen Ambitionen, die Steuerreform. Die ganze Nummer. Atmosphäre. Und so weiter. Quod erat. Quod esset. Ach, das sage ich nur zu mir. Weißt du, ich bin mein bester Gesprächspartner. Da krieg ich immer die Antwort, die ich will. Ja, das Pils ist jetzt hier von einer anderen Brauerei. Ist immer noch besser als Hasen.

Und so weiter.

Ja.

Ja, genug Gerede. Es kommt nichts mehr außer Wiederholungen. Das war ein Resümee, ein euphemistischer Schwanengesang. Zum letzten Mal diese Figur und letzten Mal diese Nähe. Selbstgespräch, gelangweiltes. Das muss einmal ein Ende haben. Ich wollte was ich will das will ich nicht was ich bin das bin ich nicht was ich will das will ich nicht was ich bin das bin ich nicht Was ich wollte. Ich wollte einen Schlussstrich, etwas, mit Worten zugedeckt. Einlullen wollte ich mich. Und Wirk. Was? Ach, ja. Wirklichkeit. Ja. Na, auch Wirklichkeit. Ein wenig zumindest. Zu wenig, um zufrieden zu sein, zu viel, um es als Lüge abzutun. Also doch auch ein wenig Gold, denn geschwiegen wird viel. Verschwiegen die Hauptsache. was ich will das will ich nicht was ich bin das bin ich nicht was ich will das will ich nicht was ich bin das bin ich nicht Die fehlt im Bewusstmachungsprozess. Ich hatte nicht die Möglichkeit, mich mit ihr zu konfrontieren. Dazu war ich zu schwach, da habe ich Silber geredet.

Doch ich bin nahe am Schweigen. So nah war ich noch nie. Ich überdecke es nur noch mit Worten.

was ich will du fragst nach lösungen nach lösungen fragst du mich

Adventliche Süchte

Versuchungen sollte man nachgeben. Wer weiß, ob sie wiederkommen!
Oscar Wilde 

Jetzt naht sie wieder in rasantem Tempo, jene Zeit, die man aus unerfindlichen Gründen in dem südlichen, al­penländischen Raum, den ich bewohne, eine ’staade‘ (für die Nordlichter: ’stille‘) nennt, obwohl sie die mit Ab­stand hektischte im Jahreskreis ist, jedermann und vorallem -frau von Er­ledigung zu Geschenkeeinkauf, von Adventsfeier zu Famili­enfest, von Glühwein- zu Bratwurststand hetzt und alle Werbefritzen und Marktschreier ihre Warenangebo­te mit allerlei Glitzerzeug und Lametta behängt in die winterlich verschneite und frühe Nacht brüllen oder mir aufs Handy schicken. Als würde man sich in einer Zeitschleife befinden, wird gefühlt der Abstand zwischen zwei Hl. Abenden immer kürzer und obzwar die Discounter schon im September mit prallgefüllten Regalen voller Schokoladenweihnachts­männermilitärparaden (so ein Wortwurm geht nur im Deutschen, einfach wundervoll!) vorwarnen, überfällt mich Weihnachten immer wieder überraschend.

„Was, nur noch eine Woche?“ – Kurze, stockende, kopf­schüttelnde Fassungslosigkeit. „Eben war doch noch Herbstanfang.“

Alle Jahre wieder versuche ich die Adventstage zu ent­schleunigen und will als zwar durchaus sentimentaler, aber nichts desto weniger vollkommen, um nicht zu sagen, verstockt Ungläubiger – besonders wenn ich die Haare geschnitten habe -; wohl eher ‚agnostischer‘ Mensch, meine Familie geduldig dazu überreden, dem diesjähri­gen Weihnachtsstress auszuweichen und das Fest irgendwann im Juli zu feiern, stoße aber für mich vollkommen unbegreiflich auf wenig Verständnis.

„In diesem Jahr brauchen wir doch keinen Baum! Ein Gesteck tut es auch!“, versuche ich es trotz besseren Wis­sens.

„Schnickschnack! Zu Weihnachten gehört ein Baum! Aber auf die Geschenke könnten wir vielleicht verzich­ten.“ (1)

„Genau meine Meinung. Am besten sind wir Weihnach­ten überhaupt nicht zuhause.“

„Weihnachten sind wir immer zuhause. Wie in jedem Jahr. Die Söhne kommen und am Sebastianstag auch deine ganze Sippschaft. Ich weiß noch gar nicht, wie wir die alle im Wohnzimmer unterbringen.“

„Wenn wir auf den Baum verzichten würden, hätten wir mehr Platz …“

„Ein Baum muss sein. Punkt. Aber ich werde in diesem Jahr vielleicht ein paar Loibla(2) weniger backen, vielleicht nur die halben Rezepte. Du bist dick genug.“ (3)

Damit bin ich bei meinem Thema angelangt. Und diesmal regt es mich wirklich auf. Ich gestehe es: Ich bin süchtig nach Weihnachtsbackwerk und Süßigkeiten. In jedem Herbst, wenn die ersten Anzeichen für einen nahenden Advent nicht mehr zu übersehen sind, Lebkuchenfirmen mir fürsorglich ihre Prospekte ins Haus schicken, der Teeladen meines Vertrauens sein leicht vergilbtes Schild mit dem einen verheißungsvollen Wort wiederfindet und ins Schaufenster hängt: „Lebkuchenbruch“, ich kompli­zierte Umwege beim Einkaufen mache, um den Süßwa­renauslagen auszuweichen, dann ist es wieder so weit: Dann reift bei mir der Entschluss, auf keinen Fall wie­der in meine seelische und körperliche Abhängigkeit von Spekulatius und den unbeschreiblich leckeren Zimtsternen meiner Frau zu verfal­len. Dich, Gewürzspekulatius, der du so genial mit Tee harmonierst, aber in allen Zahnzwischenräumen kleben bleibst, mit deinen 70 Kalorien pro Stück, der du das rei­ne Fett bist, extrem ungesund und dabei sicher auch noch krebserregend, dich, Teufel, lasse ich in diesem Jahr nicht in meine Nähe! Weiche von mir, du mit schwarzer Scho­kolade überzogener Lebkuchen, saftig, nussig und mit einer Überfülle an Geschmack gesegnet, dass mein Großvater dich sogar in sein Bier eintunkte, du diaboli­sche Erfindung mit deinen 388 Kalorien, zu fast der Hälfte bist du aus ungesundem Zucker! Nicht mit mir, diesmal nicht! Ich werde stark sein und den Versuchungen widerste­hen.

Ein Teil der diesjährigen Auswahl. Dass das Bild etwas unscharf ist, liegt an den Tränen der Rührung, die ich beim Fotografieren in den Augen hatte.

Und tatsächlich gelingt es mir, mich im November noch zurückzuhalten, ich bin ja ein erwachsener, mitten im Leben stehender Mann, der sich und seine unterirdi­schen Gelüste im Griff hat. Ich bin rein, esse Salat, Obst und jetzt gerade in der dunklen Jahreszeit viel Gemüse. Ich bin ein Mönch, ein Gesundheitsapostel. Dann – pünktlich zum ersten Advent – hat Frau Klammerle gebacken. Zimtsterne, Florentiner, Vanillekipferl, Gewürz- und Stollenbollen, Schokoladenbrot, Betmännchen, Ausstecherle, Maronen, und, und, und … aber weniger dieses Jahr, nur die Hälf­te. Behauptet sie zumindest. Aber sie macht Fotos von ihren Werken und verschickt sie über „WhatsApp“ an nei­dische Freundinnen. Plötzlich liegen da auch Spekulati­us und wagenradgroße Lebkuchen beim Vorrat, Schoko-Klammer-Nikoläuse (ja, der Scherz ist alt …) und andere weihnachtliche Leckereien. Habe ich die gekauft? Ich kann mich nicht erinnern, ich war wohl nicht bei Sin­nen, schlafwandelte wahrscheinlich durch den Supermarkt.

Und der Inhalt unseres Adventskalenders wird von Jahr zu Jahr süßer und größer.

Also, eine Sünde kann ja nicht schaden, nur ein „Loib­le“, frisch vom Blech. Ich bin wie ein trockener Alkoholi­ker: Ein einziger Zimtstern stürzt mich zurück in die Sucht. Und ich esse und esse und esse. Und esse. Und nehme heimlich die Batterien aus der Personen­waage im Bad. Die zeigt eh immer zuviel an. Denn auch meine winterlichen sportli­chen Aktivitäten wie extreme-christkindlemarket-going und hot-glowwine-trinking helfen nur bedingt, das Gewicht zu wahren. Ich werde mir ein paar weitere Hosen kaufen müssen und im Frühjahr, versprochen: Da werde ich wieder fasten. Bis Ostern. Dann gibt es Schokoeier, Osterhasenhohlfiguren, Osterzopf …

Ach, wie schwach ist doch der Mensch, wenn er Nikolaus M. Klammer heißt. (4)

Einen schönen Advent wünscht Euch allen

Nikolaus Klammer

 

 

 

 

 

 


(1) Achtung, eine Warnung an die Männer, die diese Glosse lesen. Frau Klammerle sagt zwar wie jedes Jahr, dass sie keine Geschenke will, aber sie meint es nicht so.  Mein Rat: Glaube niemals deiner Frau, wenn sie an ihrem Geburtstag oder eben zu Weihnachten ver­kündet, in diesem Jahr brauche sie keine Geschenke! Das ist eine ganz gemeine Falle. Kaufe daher das größte, teuerste und wundervollste Geschenk, das du finden kannst. Überrasche sie, denn sie hat sicher ebenfalls et­was ganz Tolles für dich, wenn es wahrscheinlich auch nicht die neue Playstation ist, die du dir eigentlich wünscht, sondern vielleicht ein Wellness-Gutschein für zwei, da­mit du wieder etwas in Form kommst nach der Weih­nachtsvöllerei.

(2) Loibla, auf Augschburgerisch auch Plätzle genannt. Mein westbayerisch-hochdeutsches Wörterbuch übersetzt unzureichend mit „kleines Weihnachtsgebäck, Plätzchen“. Jedes Jahr ver­fällt Frau Klammerle in der Woche vor dem ersten Ad­vent der Blätzle-Backwahn-Sekte. Das ist ihre Sucht.  Wer tolle Rezepte kennt, darf sie gerne schicken; Frau Klammerle ist stets dem Neuen aufgeschlossen und ich bin gerne bereit, dieses Neue auch zu probieren.

(3) Diese Drohung machte sie tatsächlich im letzten Jahr wahr: Sie hat keine Loibla gebacken und meine Söhne und ich saßen 4 entsetzliche Adventswochen auf dem Trockenen. Die Herren Söhne verfielen in eine Schockstarre und ich in eine solch entsetzliche Depression, dass wir das traurigste Weihnachten ever erlebten. Ein Horror, der in diesem Jahr nicht stattfindet, da Frau Klammerle unser Flehen erhört und wieder gebacken hat.

(4) Diese und viele weitere Geschichten findet ihr hier:

Noch einmal davon gekommen

Dieser schöne Band ist für wenig Geld überall im Buchhandel (natürlich auch als Ebook) erhältlich und ein ideales Weihnachsgeschenk für jung und alt. Kommt Leute! Unterstützt mal zur Abwechslung einen hungernden Autor.

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