Aber ein Traum …

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Freitag, 26.07.19 – Am Ende angelangt

Freitag, 26.07.19

Du bist zwar schneller,
aber wir sind im Urlaub.
Aufkleber auf der rückseitigen Tür eines Wohnmobils

Am Ende angelangt

Das ist ein Gespräch, das ich gerade gefühlt fast täglich führe:

„Ach ja, Frau Klammerle und du, ihr macht doch dauernd Urlaub.“
„Tja, wer kann, der kann. In diesem Sommer fahren wir übrigens nach Italien; an den Iseo-See.“
„Ach, nett, da war ich auch schon.“

Es ist merkwürdig: Egal, wohin ich in den Urlaub fahre – alle waren schon vor mir da, aber mir wird es zum Vorwurf gemacht. Wahrscheinlich liegt das daran, dass sowohl meinem Brotberuf, als auch meiner Schriftstellerei ein neiderweckendes Maß an Freizeit und Faulheit unterstellt werden. Da kann ich nur sagen: Augen auf bei der Berufswahl und mal ein wenig an der eigenen Nase packen. Viele von denen, die mir Faulheit unterstellen, sind selbst nicht unbedingt fleißig und der hartnäckigste Kritiker meiner Freizeitgestaltung, der immer ein spöttisches Wort über meinen Brotberuf findet, ist seit 25 Jahren Frührentner.

*

Doch leider ist auch ein Tropfen Gallebitternis in die nun kommenden Urlaubswochen verrührt.

Also gut, ich bin es leid. Irgendwann in den letzten Wochen kapierte sogar ich hartnäckiger Träumer, dass es so nicht weitergeht, dass alle Arbeit, alle Anstrengung, aller Fleiß und alle Hoffnung vergeblich waren: Ich bin am Ende; meine Flucht vorwärts führte direkt in eine Sackgasse hinein.*

Am Ende? Nun, es gibt heute zumindest ein Staffelfinale ohne Cliffhanger und ohne die vollkommene Gewissheit, ob es im Herbst eine Fortsetzung geben wird.

Wie in jedem Sommer geht mein Blog „Aber ein Traum“ nun für zwei Monate (oder vielleicht auch für viel länger) in die Sendepause.

Ich ziehe mich vollkommen zurück in mein Schneckenhaus (Gut, ein oder zwei Fühler strecke ich noch aus …) oder, um beim Künsterbild zu bleiben: Ich wohe ab heute in meinem privaten Elfenbeinturm. Ich als Autor, der tausende von Seiten geschrieben, 8 Bücher veröffentlicht und hier fleißig gebloggt hat, fühle mich gerade allzu erschöpft und ausgelaugt, deprimiert – in die Enge getrieben und endlich auch besiegt. Mein digitales Anbiedern, die Internetprostitution, das Freundlichtun gegenüber Gleichgültigen und Überheblichen Selbstdarstellern ekeln mich an.

Ich will nun mal wieder analog leben, Kraft schöpfen, meine Ehe und meine Beziehungen pflegen, die Welt (zumindest einen kleinen Teil von ihr) sehen, ohne Verpflichtungen und äußere Zwänge sein. Das habe ich allzulange vermisst. Ich möchte dicke und noch dickere Bücher lesen, unbeeinflusst von Verpflichtungen oder Erwartungen an meinen eigenen Werken schreiben und das eine oder andere Neue auf neue Weise beginnen. Ich will morgens ohne Last und Termine erwachen und den Tag mit Mozart, Vivaldi, Albert King und einer Butterbreze beginnen. Ich will tagsüber Schönheit, Kultur und Kunst in mich aufnehmen, damit sie mich noch im Winter von innen wärmen. Ich will abends mit einem Glas Weißwein (Unser Ferienhaus liegt in einem Weingut) in der Hand auf einer Terrasse an einem See sitzen und zu den noch glühenden nahen Bergen, die mein morgiges Ziel sind, hinübersehen, während die Stille nach Sonnenuntergang etwas Kühle heranwehen lässt und die letzten Schwalben in der hohen Luft pfeifen. Ich will endlich die erschöpfte Melancholie dieses Sommers, in dem so viele Dinge enden, genießen können. Der Blog ruht in der Zeit als Versprechen wie ein schon von weitem sichtbares Storchennest, dessen Jungtiere flügge geworden und dessen Storchenpärchen in den Süden geflogen ist. Das alles will ich – und noch einiges mehr. Wird es mir zumindest im Ansatz auch gelingen? Ich will es versuchen und diese Hoffnung kann mir niemand nehmen. Bis zur Ziehung der Lottozahlen im Herbst bin ich ein Millionär.

Ja, ich bin ein von Selbstzweifeln und Lebensängsten zerfressener Autor und ein unsicherer, überaus schüchterner Mensch. Daher brauche ich Jahr für Jahr diese Ausruhphasen, um weitermachen zu können, mich vom Tonnengewicht meines Scheiterns befreien zu können. Nun, das hat auch sein Gutes: Niemand wird meine Stimme über den Sommer vermissen, denn ich finde ja keine Leser – auch nicht mit diesem Text. Da gibt es seit Wochen keinen, der sich auf meinen Blog verirrt und etwas liest, niemanden, der meine Bücher kauft, keine Kritiker, keine Anhänger, noch nicht einmal Feinde. Das Internet ist mein Totes Meer. Meine Texte dümpeln unbemerkt im Salzwassersee der Gleichgültigen und Uninteressierten. In den letzten Wochen habe ich viele lange Abschnitte meiner Werken überarbeitet und hier gebloggt, teilweise gehören diese Texte zum Besten, was ich als Schriftsteller schaffen kann – sie sind die Früchte harter und intensiver Arbeit. Es war als Werbung für mich selbst gedacht. Doch nichts fand Aufmerksamkeit oder auch nur Gnade, da war kein Publikum. Was bedeuten 150 Follower, wenn sich niemals einer von ihnen auf meine Seite verirrt oder gar einen Dialog mit mir beginnen will? Damit aus meinen Schriften Literatur wird, brauchen sie nur ein, zwei Leser, das Auge des Betrachters. Wenn dieser jedoch fehlt, dann ist alles, was ich mache, eitel und unnütz und der Blog nur ein Papierkorb. Die Mona Lisa ist ein buntes Bildchen, wenn sie im Keller hängt und niemand sie ansieht. Ein Kunstwerk wird nur eines, wenn es sich von seinem Schöpfer löst und betrachtet wird. Meine Texte sind jedoch Angebote, die nicht angenommen werden – aus welchen Gründen auch immer. Deshalb werde ich nicht nur den Blog auf unbestimmte Zeit schließen, sondern auch meine Buchveröffentlichungen zumindest für die nächste Zeit stoppen.

Meine Stimme war nicht laut, doch sie ist heiser geworden und ich muss sie jetzt verstummen lassen. Aber außer mir bedauert das eh niemand.

*

Ich wünsche trotzdem jederfrau (und -mann) eine schöne Sommer- und Ferienzeit, Erholung und Glück im Großen und – wertvoller oft – im Kleinen.

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* Ich weiß, dass es paradox ist, aber ich will in diesem Zusammenhang auf meine Erzählung „crisis“ hinweisen, in der ich schon vor fast vierzig Jahren sehr gut zusammengefasst habe, wie ich mich im Moment in Deutschland und in meinem Leben fühle.

Freitag, 05.07.19 – Was ich schon immer mal sagen wollte …

„Die Deutschen sind übrigens wunderliche Leute!
Sie machen sich durch ihre tiefen Gedanken und Ideen, die sie überall suchen
und überall hineinlegen, das Leben schwerer als billig.
Ei, so habt doch endlich einmal die Courage, euch den Eindrücken hinzugeben,
euch ergötzen zu lassen, euch rühren zu lassen, euch erheben zu lassen, ja euch belehren,
und zu etwas Großem entflammen und ermutigen zu lassen:
aber denkt nur nicht immer, es wäre alles eitel,
wenn es nicht irgend abstrakter Gedanke und Idee wäre.“

Goethe, 1827

Nicht funktionierende Wecker, kaputte Türen, Überreste von Katzenmahlzeiten auf dem Teppich. Seltsame Gewächse in meinem Hochbeet, Klavier spielende Nachbarn, Mücken, Radiosender, Gender-Wissenschaft und Rasenmäher, Weihnachtslieder, Neologismen, merkwürdige Urlaubsorte … und meist ist das Wetter schlecht. Fast beängstigend, über was ich mich schon alles aufgeregt habe – und das war nur eine kleine Auswahl der Emotionen, die für diesen Blog inzwischen zu hunderten Texten geronnen sind. (1)

Mir ist bewusst, dass jedes einzelne meiner Problemchen im dunklen Schlagschatten der oft existentiellen Nöte von anderen Menschen steht und wie ein Hundehäufchen neben einem Alpengipfel wirkt. Die Widrigkeiten in meinem Leben wirken in der Summe von Millionen, ja Milliarden viel grausamerer Einzelschicksale lächerlich nichtig und unbedeutend. Es ist beinahe schon eine Beleidigung für die wirklich Leidenden, wenn ich mich hier auf diesem Blog und speziell in meinen Freitagsaufregern über die unerquicklichen und unerfreulichen Dinge in meinem Alltag echauffiert habe oder darüber, dass wirklich niemand meine Romane liest. In der Regel sind es wirklich nur Kleinigkeiten und Erste-Welt-Wehwehchen – wie das Sohn Nr. 1 formulieren würde -, die mich plagen, aber sie sind eben Teil meiner bürgerlichen Existenz in einem der wohlhabendsten Länder der Welt. Da ich mir selbst am nächsten bin, stehen mir meine Sorgen und Nöte im Mittelpunkt, so gering man sie auch einschätzen mag. Es sind meine Rückenschmerzen, die mich plagen, es sind meine Freunde, zu denen ich den Kontakt verliere. Es ist meine Lebenszeit, die ein unerfreulicher Alltag und eine belastende Arbeit in Windeseile auffressen. Es ist mein verregnetes Wochenende. Mir deswegen ein Jammern auf hohem Niveau vorzuwerfen, ist ungerecht.

Seien wir an dieser Stelle einmal ehrlich: Jedes Leben – auch meines – ist in letzter Konsequenz tragisch. Egal, wie bequem dieses Leben ist und wie lang es noch dauern mag – es verläuft für jeden auf die gleiche Weise: Es bringt für den einen früher, für den anderen später – aber unvermeidbar – den Verlust von allem mit sich, an dem ihm gelegen ist. Am Ende des Weges verliert man sich selbst, Stück für Stück, Zahn für Zahn, Erinnerung für Erinnerung, Mensch für Mensch. Manchen geschieht der Gedächnisverluss schon lange vor ihrem körperlichen Tod. Krankheiten quälen, Träume platzen, Lebensentwürfe scheitern, geliebte Menschen verlassen uns: „Was sind wir Menschen doch? Ein Wohnhaus grimmer Schmerzen, […] Ein Schauplatz herber Angst und abgebrannte Kerzen.“ (2)

*

Oje, hier muss ich unbedingt einen Absatz machen. Ich habe mich verlaufen! Wie bin ich nur in diesen Sumpf gelangt? Und wie ziehe ich mich wieder aus ihm heraus? Mein Haar ist nicht wie das vom Baron Münchhausen zum Zopf gebunden …

Ich erzähle hier nicht von meinen Alltagsnöten, weil ich bedauert werden will. Schließlich mache ich mich doch auch oft genug über meine Missgeschicke und Peinlichkeiten lustig und belache mich selbst, sehe die Komik in den Ereignissen, die ich zuerst tragisch nahm. Ich erzähle von meinen alltäglichen Fehlschlägen, weil ich glaube, dass es ein Vergnügen ist, von den Problemen der anderen zu lesen und sich über ihre kleinen Sorgen zu amüsieren. Das lenkt wunderbar von den eigenen ab.

Heißt es nicht: Wer den Schaden hat, macht die reinste Freude – oder so ähnlich? Ich exhibitioniere meine Sorgen und Missgeschicke nur, weil ich meine Leser unterhalten will. Meine kleinen Klagen sollen ein paar vergnügte Momente lang unterhalten, goutiert und dann vergessen werden – die Glosse als Schokoriegel, als Teil der täglichen Hygiene. Was ich zu bieten habe, fordert ein-, zweimal in der Woche ein paar Minuten Lebenszeit und das kleine Risiko, enttäuscht und gelangweilt (3) zu werden. Sollte diese von mir angebotene Leckerei bei einem Leser einen schlechten oder faden Geschmack im Mund erzeugen, dann bitte ich um Verzeihung. Aber ich glaube, das Preis-Leistungs-Verhältnis meines Angebots ist sensationell. Und nein: Es ist nicht alles schlecht, was nicht so bekannt ist!

Obwohl ich weiß, dass es ein verlogenes Bild ist, sehe ich es noch immer gerne gemeinsam mit der Maus Frederick (4) auf die folgende Weise: Mit meinem Talent, Geschichten zu erfinden und sie zu erzählen, wurden mir ein Farbtopf und ein Pinsel in die Hand gedrückt, mit deren Hilfe ich diese graue, grausame Welt ein wenig bunter tupfen und dem Leser ein Lächeln auf die Lippen zaubern kann.

Auch deswegen habe ich dieses Buch geschrieben. Es ist mein Beitrag dazu, die Welt ein ganz klein wenig besser zu machen.

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(1) Eine Auswahl aus dieser Auswahl ist in meinem Buch „Noch einmal davon gekommen“ nachzulesen. Im Herbst gibt es einen weiteren Sammelband, der „Noch einmal daran gedacht“ heißen wird. Davon morgen mehr …

(2) Andreas Gryphius, Menschliches Elende. Ich rate sehr dazu, mehr barocke Lyrik zu lesen, dort fühle ich zumindest mich sehr heimisch. Die Autoren jender Zeit sind uns um so vieles näher als die Minnedichter vor und die Klassiker nach ihnen. Erst Barock, dann die Moderne, erst Gryphius und Fleming, dann Jandl und Celan. Lyrisch betrachtet, kann man große Teile des 18. und fast das gesamte 19. Jahrhundert getrost vergessen und überblättern.

(3) Seien wir exakt. Kein Text ist langweilig, die Langeweile ist eine Empfindung, die von innen kommt, aus dem Gefühl heraus. Sie wird nie von außen an mich herangetragen, sie existiert allein in mir selbst. Mir ist langweilig, nicht das Buch ist langweilig. Selbstverständlich gibt es viele Texte, dich mich gelangweilt haben, z. B. dieser Adalbert Stifter’sche Nachsommer, in dem edle und gute Menschen in schöner Umgebung 700 Seiten lang – nichts tun. Den halte ich persönlich für eine meiner schlimmsten Leseerfahrungen.  Offensichtlich war ich nicht das Publikum für diesen Text, ich kenne Leute, die ihn mögen. Ich schätze hingegen Arno Schmidt, andere können kaum eine Seite lesen, ohne kopfschüttelnd einzuschlafen.

Zusammengefasst: Ich werde es nie schaffen, einen Text zu schreiben, der niemanden langweilt, das schafft auch Stephen King nicht. Aber ich werde mit meinen Texten immer jemanden finden, für den gerade dieser Text neu ist, interessant ist, der mir Publikum ist. „Gehobene Literatur“, und es ist wahrscheinlich das, was die meisten schreiben wollen, hat immer nur ein kleines Publikum, auch bekannte Autoren können nur ganz selten von dem leben, was sie schreiben, vielleicht ein, zwei Leute pro Generation. Der Rest schreibt, weil er das Bedürfnis hat, seine Sicht der Dinge, seine „Utopie“, weiterzugeben. Wieviel Publikum er hat, ob zehn, zwanzig oder hunderttausend Leser, ist dabei doch nicht von Interesse.

(4) Leo Lionni, Frederick. Unter den ungezählten Kinderbüchern, die ich meinen Söhnen Abend für Abend vorgelesen habe, waren einige – wie eben dieses – von so tiefer Weisheit, dass sie eigentlich zur Pflichtlektüre von jedermann zählen sollten. Andere wiederum … waren der letzte Mist; sie waren merkwürdigerweise oft die beliebtesten.

Mittwoch, 22.05.19 – Fasten mit Klammer (2. Woche)

Dienstag, 21.05.19
Elfter Fastentag

Vermischte Nachrichten:

  • Die gute Botschaft zu Beginn: Ich lebe noch immer und ich habe meine strenge Null-Diät weiter durchgehalten, schon einige Kilos abgespeckt und bin eine Konfektionsgröße nach unten gerutscht, auch wenn es in meiner Umgebung noch niemand aufgefallen ist. Die meisten bemerken zwar, dass etwas anders ist, aber nicht was. „Hast du eine andere Frisur?“, ist gerade eine häufige Frage, die mir gestellt wird. Tja, tägliches Sehen macht uns blind, wir nehmen unsere Umgebung nur noch dann wahr, wenn etwas vollkommen fehlt. Noch fühle ich mich einigermaßen fit und habe kein großes Hungergefühl, der Körper hat längst auf Fettabbau umgestellt. Die zweite Woche einer Fastenkur hat eine andere Qualität als die erste; die Laune lässt langsam, aber sicher nach. Ich will noch bis nächsten Montag durchhalten – das wären dann 16 Tage, danach will ich etwas neues ausprobieren; nämlich das in der letzten Zeit so gehypte „Intervall“-Fasten (1). Davon gibt es mehrere Varianten, bei denen ich micht für die für mich sinnvollste entschieden habe: Ich will eine Zeitlang jeden Tag zwischen einer gesunden Wohlfühlmittelmeerdiät und einem Fastentag zu wechseln, während ich versuche, durch Radfahren, Schwimmen und Laufen auf dem Stepper das Restfett durch Muskelmasse zu ersetzen.Vielleicht klappt’s ja! Schließlich haben meine Söhne (2) über die Pfingsttage ein paar Bergtouren mit mir im Sinn und ich möchte nicht alleine 100 Höhenmeter unter ihnen und der überaus sportlichen und zwei-, dreimal in der Woche ins Fitnessstudio eilenden Frau Klammerle die Serpentinen emporkeuchen.
  • Das werden also insgesamt nur 16 und keine 40 Tage; aber ich bin auch nicht der Sohn Gottes. Ich bin aber trotzdem auf meine bisherige Leistung einigermaßen stolz, dass ich widerstanden habe. Wobei mich Luzifer persönlich in Gestalt von Frau Klammerle durchaus täglich heimsuchte und mit demonstrativ üppigen Mahlzeiten, gefülltem Kühlschrank, täglichem „Perfektes Dinner“-Glotzen und Geprächen über allerlei Kochrezepte gequält und in Versuchung geführt hat. Weiche von mir, Bube!
  • Ich will keinen falschen Eindruck erwecken: Mein Fasten ist nicht religiös oder gar spirituell-esoterisch motiviert, um in höhere Bewusstseinszustände vorzudringen (in denen befinde ich mich eh schon), sondern nur mein schwellender Bayerischer Bierbauch und die dadurch verbundenen Unannehmlichkeiten zwingen mich dazu. Würde ich übrigens, wie in meinem Dorf üblich, katholisch-bayerisch fasten, dann ließe ich vielleicht einen Knödel vom vegetarischen Schweinsbraten (Entschuldige, Hans-Dieter) weg und würde den Verlust durch einen Liter dunklen Mai-Bock ausgleichen. Überhaupt finde ich es seltsam, wie die Kirchen heutzutage mit der Fastenzeit umgehen. Offenbar ist sie den Gläubigen kaum mehr zu vermitteln. Anstatt wie früher auf’s Fressen und auf übermäßigen Fleischkonsum zu verzichten – was durchaus sinnvoll wäre, denn wir leben ja in einer Zeit, in der tatsächlich täglich mehr Menschen am übermäßigen Konsum als am Hunger sterben und unsere gesamte Ernährung auch in ökologischer Hinsicht auf dem Prüfstand steht – da sollen wir ausgerechnet „Smartphone-“ oder „Autofasten“. Wirklich seltsam; was soll denn das sein? Was wohl der Messias in der Wüste zu diesem homöophatischen Genussverzicht gesagt hätte? Aber ich gebe es zu: Ein ganz klein wenig Spiritualität schwingt gerade in den letzten Tagen doch bei mir mit. Ich fühle mich allen zum Essen Gezwungenen und von ihren Gelüsten Getriebenen überlegen, sitze als priesterlicher Asket und Yogimeister auf meinem Nagelbrett daneben und verstehe die ganze Aufregung um die Nahrung nicht. Auch wenn ich kein Freund der christlichen und leider auch Decartes’schen Trennung von Körper und Seele bin, ist es doch jeden Morgen ein Triumph meines Geistes, dem Körper erneut einen Tag lag meinen Willen aufgezwungen und ihn unterjocht zu haben. Das ist ein schwierig zu beschreibendes Gefühl von … ja, von Freiheit und Unabhängigkeit.
  • Doch nicht alles ist eitel Sonnenschein. Ich habe festgestellt, dass es, je älter ich werde, immer schwieriger wird, abzunehmen. Der Körper klammert sich verzweifelt an seinen Pfunden fest und will wie ein alter Geizhals sein angefressenes Kapital nicht mehr hergeben. Dazu kommt der Effekt, dass ich immer zuerst im Gesicht abnehme und sich die Falten, die bisher vom Fett aufgepolstert waren, vertiefen, auch am Hals, der vorher so schön glatt war. Ich fühle mich zwar wie zwanzig, solange ich nicht in den Spiegel sehe. Mache ich es jedoch, starrt mich das Alter mit seiner hässlichsten Fratze an. Den fast weißen Bart auf 3-Tages-Niveau und die immer grauer werdenden Haare kurz zu schneiden, half ein wenig, den morgendlichen Blick in den Spiegel zu ertragen. Dazu kommt, dass mir dauernd kalt ist, ich nachts nur unruhig schlafe und sehr schnell ermüde. Gerüche (3), Farben, Sinneseindrücke allgemein, nehme ich dafür deutlicher wahr – manchmal ein Segen, meistens eher nicht. Hier noch eine Warnung: Wer dieses extrem harte Fasten nachmachen will, sollte wirklich nur Wasser und Kräutertees trinken, aber auf keinen Fall irgendeine Diät-Cola. In der sind zwar keine Kalorien, weil ein künstlicher Zuckeraustauschstoff oder Stevia benutzt wurden, aber diese bewirkt, dass die Zunge trotzdem „süß“ schmeckt und der Körper beginnt, Insulin zu produzieren. Dadurch kommt es zu einem Heißhunger auf Süßigkeiten.

Ich werde weiter berichten.

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(1) Herrn Dr. Hirschhausen, der das Intervallfasten hochjubelt als wäre es das Ei des Kolumbus, finde ich übrigens nervtötend und eher beängstigend als lustig und versuche soweit möglich einen Medienkontakt mit ihm zu vermeiden. Jemand hat mir mal ein Buch von ihm geschenkt, das ich nur noch besitze, weil ich grundsätzlich keine Bücher wegschmeiße. Wenn es jemand haben möchte, einfach bei mir melden.

(2) Die beiden sind sehr besorgt, weil meine Frau eben in unserer Whatsapp-Gruppe ein Foto von unserem Radausflug am Samstag gepostet hat, das mich tatsächlich mit einem Glas Wasser(1) in der Hand zeigt. Sie lasen aus dem Bild den versteckten Hilferuf eines Entführten heraus und wollten das SEK einschalten. Obwohl ich selbstverständich auch Wasser trinke, gibt es solche Fotos eigentlich nur, wenn ich ein Bier in der Hand halte. Ich wollte aus diesen Aufnahmen schon einmal einen Kalender machen, den ich unter meinen Verwandten und Bekannten verteile: 12 Monate – Klammerle trinkt ein Bier.

Den Teil mit dem noch immer recht voluminösen Bauch habe ich weggeschnitten.

(3) Gerüche nehme ich besonders intensiv wahr. Wahrscheinlich erwacht in mir langsam das Raubtier. Demnächst klaue ich noch kleinen Kindern ihre Lutscher.

Freitag, 17.05.19 – Gartenarbeit und Weisheiten

Freitag, 17.05.19
Siebter Fastentag (1)

Der Mai will sich an diesem Freitag und vielleicht auch morgen von seiner sonnigen, trockenen und – verglichen mit den letzten vierzehn Tagen – warmen Seite zeigen. Heißt es zumindest im Wetterbericht. Danach soll es wieder scheußlich werden. Deshalb ist mein Gedankensplitter heute kurz und schnell dahingeschrieben, denn es wartet Gartenarbeit auf mich.

Wie in jedem Frühjahr ignoriert Frau Klammerle die Witterung und die Größe unserer Freiflächen und Gemüsebeete und schleppt von jedem Einkauf Blumenstöcke, Gewürztöpfe, Gemüsepflanzen und 40-Kilo-Säcke mit Erde heim, die wir alle vorläufig auf dem Terrassentisch lagern, der sich unter ihrem Gewicht biegt. Nachdem ich seit bald zwei Jahrzehnten glücklicher Reihenhausbesitzer im ländlichen Weichbild der Stadt bin (und das Haus irgendwann auch abbezahlt habe), nenne ich einen Garten mein Eigen. Er hat in etwa die Größe einer Picknickdecke; bietet immerhin Platz für eine Südterrasse, einen Werkzeugschuppen, ei­nen Kirschbaum, Obststräucher, Blumenbeete, ein wildwucherndes Kräuterbeet, allerlei mehr oder eher weniger geschmackvolle Deko-Artikel, selbstverständlcih Frau Klammerles selbstgeflochtene Weidenkunstwerke und sogar ein geniales, selbst gebautes und erst im letzten Jahr erweitertes Hochbeet, in dem ich gerade unter einer Abdeckung Karotten, Rote Rüben(2), Meerrettich und anderes Unkraut züchte. Selbstverständlich alles in der Bonsaiausführung – gut, dass  meine Frau und ich eher unterdurchschnittlich groß sind. Die Rasenflä­che ist so ausladend, dass ich schon an die Anschaffung eines Aufsitzmähers gedacht habe. Dennoch ist in den letzten frostigen, nassen und grauen Tagen einiges an Arbeit liegengeblieben, die ich heute erledigen will, wenn sich die Sonne gegen 10:00 Uhr entschließt, auch in meinen Garten hineinzuscheinen. Ich glaube, wir haben inzwischen mehr Jungpflanzen in schwarzen Plastiktöpfen auf dem Tisch stehen, die auf das Einpflanzen in Beete oder größere Töpfe warten, als wir noch irgendwo unterbringen können; zumal gerade die Gemüsepflanzen für die Hochbeete (habe ich eigentlich schon einmal erwähnt, dass ich sie selbst gemacht habe?) auf Frau Klammerles Wunsch mit System gesetzt werden sollen, was einige logistische Probleme aufwirft. Sie redet in letzter Zeit dauernd irgendetwas von Mischkulturen und Starkzehrern. So ganz habe ich das nicht verstanden, aber ich darf auf keinen Fall die Süßkartoffel (ein Geschenk von Sohn Nr. 1 zum Muttertag) neben den Hokkaido-Kürbis pflanzen und auch die Freilandgurken müssen anderswo hin als die Paprika und die Aubergine. Das Ganze gleicht einem Echtzeit-Strategiespiel. Vielleicht sollte ich mir einen Plan machen oder mit den Schultern zucken und das Gemüse einfach dorthinpflanzen, wo noch Platz ist.

Immerhin, wir besitzen den mit Abstand hummel- und bienenfreundlichsten Garten in der Gegend und sind bald die einzigen, die sich noch weigern, Kiesflächen aufzuschütten, scheußliche Mauern aus gefangenen Steinen zu errichten und ihre Freifläche in eine hässliche, graue Mondlandschaft zu verwandeln. Trotz Katze Amy nisten bei uns die Amseln und Scharen von Spatzen und Staren kontrollieren jeden Tag, wie weit unsere Kirschen und Johannisbeeren sind.

Ein Panoramabild unseres Gartens.

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(1) Danke. Es geht mir gut. Morgen wollen wir allerdings die wunderschön renaturierte Wertach hinunter bis zum Bobinger Stausee radeln. Da kommen wir an einigen Einkehrmöglichkeiten vorbei, z. B. bei der von allen Augsburgern heißgeliebten Kulper-Hütte. Schauen wir mal, ob ich danach noch faste …

Mein heutiges Frühstück. Den ayurvedischen Kräutertee habe ich aus Frau Klammerles Teebox geklaut. Wer Inger mag, liegt hier richtig.

Apropos: Was diesen Sinnspruch am Bändel des Teebeutels betrifft. Dort stand: Liebe deine Seele.

Ich will nicht von der Qualität der Heißgetränke der Firma „YOGI TEA“ erzählen, sondern von ihrem altruistischen Bemühen, die überteuerten Teemischungen zusätzlich noch mit Versatzstücken aus der fernöstlichen Lebensweisheit zu würzen und diese auf die Pappschildchen ihrer Teebeutel zu drucken. Die Inder, die Chinesen und die anderen Völker, die in Richtung der aufgehenden Sonne wohnen, besitzen unendlich tiefsinnige Traditionen, ehrwürdige Philosophien, Weisheitslehren und Religionen, die teilweise in Zeiten zurückweisen, in denen meine Vorfahren noch ungewaschene Barbaren waren. Yoga, Zen, Buddhismus, Yin und Yang, Konfuzius, I-Ging, Feng-Shui, Laotse, Asketen, Ayurveden, spirituelle Führer, taoistische Transmutationen … ein kleines Brainstorming ist ausreichend, um die Tiefe der fernöstlichen Weisheit anzudeuten, die ein Einzelner überhaupt nicht ausloten kann (oder will). Und ein Europäer, der in einer vollkommen anderen Vorstellungswelt aufgewachsen ist, schon gar nicht.

Was hat nun „YOGI TEA“ aus dieser jahrtausendealten Weisheit und geistigen Tiefe gemacht? Was muss ich lesen, während ich meinen Würztee acht Minuten ziehen lasse? Darüber soll ich meditieren?

„Liebe ist Leben, Leben ist Liebe.“ – „Ich bin schön, voller Gaben und Seligkeit.“ – „In unseren Beziehungen fehlt Heiligkeit.“ – „Liebe ist Seligkeit.“ – „Liebe ist ein Zustand von Mitgefühl, in dem Freundlichkeit regiert.“ – „Liebe kennt keine Furcht oder Vergeltung“, und so weiter und so weiter. Ja, was ist Liebe denn nun?

Das sollen Weisheiten sein? Diese Fastfoodsätzchen fürs Poesiealbum einer Zwölfjährigen? Diese mehr als billigen Gemeinplätze sind der Aufguss der Moral und der Erkenntnisse weiser Menschen, die ihr Leben lang gefastet haben und sich kasteit, um sich von den irdischen Fesseln zu lösen und hinter die Oberfläche der materiellen Welt zu sehen, einen Blick auf die Urgründe des Seins zu werfen? Die uns voran gegangen sind ins erlösende Nirwana? Das bleibt am Ende übrig von all den Weisheitslehren, dem Jahrtausende währenden Ringen um Erkenntnis, um den richtigen Weg, den man im Leben einschlagen soll? Ein sinnentleerter Satz auf einem Etikett? Das ist bitterer, zu lange gezogener Tee.

(2) Diesmal sind es echte – hoffe ich zumindest (siehe auch: Die Mangold-Affäre).

 

Mittwoch, 15.05.19 – Fasten mit Klammer

Mittwoch, 15.05.19
Fünfter Fastentag

Schluss, aus!

Die maximale Ranzenspannung ist erreicht, der Gürtel zwickt und die Schnalle ist im letzten Erweiterungsloch angekommen, aus meiner Konfektionsgröße bin ich längst hinaus gewachsen und die Hemden spannen sich bedrohlich über den wie warmer Hefeteig aufgequollenen Speckfalten. Gut, das war jetzt etwas übertrieben, aber leider nur wenig. Würde ich den Statistiken glauben, den ganzen BMI-Tabellen, Fachleuten, Diät-Ärzten und Faustregeln – die meiner Meinung nach nur dazu dienen, einem ein schlechtes Gewissen einzureden (1) – dann wäre ich ernsthaft krank und adipös – ein adipöser, mangelernährter, infarktgefährdeter Alkoholiker mit Bluthochdruck übrigens. Fehlte nur noch, ich würde zu rauchen beginnen. Tatsächlich fühle ich mich höchstens ein wenig übergewichtig, treibe allerdings außer Bergwandern keinen Sport, bin ein leidenschaftlicher Esser und trinke abends gerne ein, auch mal ein, zwei Gläser Wein. Doch damit ist nun Schluss.

Klammer muss abnehmen!

Mal wieder. Ich bin der lebende Jo-Jo-Effekt, auch wenn es mir in den letzten Jahren gelungen ist, mein Gewicht besser in den Griff zu bekommen. Ich war als Kind bereits stark übergewichtig, als Jugendlicher und junger Erwachsener auch immer wieder mal fett. Den oberen Ausschlag auf der Skala erreichte ich mit Mitte Dreißig. Ich wog über einhundertzehn Kilo (2) und hatte beim (übrigens rauchenden und ebenfalls übergewichtigen) Amtsarzt Probleme, ein Gesundheitszeugnis für meinen neuen Job zu bekommen. Freilich hatte ich immer wieder versucht, mein Gewicht zu reduzieren und der unappetitliche Anblick, der sich mir im Spiegel (3) bot, entsprach ganz und gar nicht dem Eigenbild, das ich von mir als existentialistischer, zynischer Schriftsteller und Actionheld hatte. Aber ich fraß mir leider in einem halben Jahr jedes Kilo, das ich mir mühsam für den Job abhungerte, wieder an. Und selbstverständlich endeten die meisten hoffnungsvoll begonnenen Diäten nach drei Tagen in der Pizzeria um die Ecke. Ich bin der lebende Beweis dafür, dass Vegetarier nicht immer anämisch und dürr sein müssen.

Dann wurde ich Vierzig und mich schüttelte eine gewaltige Midlife-Krise durch. Ich änderte meine Gewohnheiten und hungerte mich in einem halben Jahr auf 73 Kilo herunter. Dieses Gewicht hielt ich viele Jahre. Doch nun habe ich wieder zu viel Speck auf den Rippen, er hat sich ganz langsam und von mir kaum bemerkt heimlich angesammelt. Natürlich habe ich längst noch nicht mein altes Kampfgewicht erreicht, das einem Sumo-Ringer Ehre machen würde. Aber die Notbremse muss gezogen werden. Ich bin am Ende der Fahnenstange angekommen.

Nun bin ich ein überaus ungeduldiger Mensch. Folglich will ich schnell abnehmen und da gibt es für mich nur einen einzigen Weg: Weniger essen. Es gibt tausend Diäten und jede verspricht Gewichtsverlust. Ob man sich nun modisch vegan ernährt, eine Trennkost-, Frauenzeitschriften-, Atkins-, Weight-Watchers-, Neandertaler-, Bikini-, Low-Carb-, Mittelmeer-Diät macht oder mithilfe des pappigen Nahrungsergänzungsmittels abnimmt, für das zwei oder drei Möpse und eine vertrauenswürdig wirkende Apothekerin mit „vielen leckeren Rezepten“ Werbung machen, sie funktionieren nur, weil man bewusst und fettärmer isst. Eigentlich einfach, oder?

Schon 5 Tage geschafft!

Für mich ist – zumindest bei Diätbeginn – die härteste Methode die Beste: Ich esse drei Wochen lang überhaupt nichts, verzichte auf feste Nahrung. Ich faste. Heute ist der fünfte Tag, an dem ich nur Kräutertees, Mineralwasser und Trinkjoghurt zu mir nehme und es geht mir gut. Die erste Krise und die Kaffeesucht sind überwunden. Das sind die Tage 2 und 3, an denen der Heißhunger fast übermächtig wird, mich wegen des Koffeinentzugs Kopfschmerzen quälen und ich den Eindruck habe, jeder in meiner Umgebung wäre ausschließlich mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt. Danach verschwindet der Hunger seltsamerweise für sieben Tage und ich fühle mich in dieser Zeit fit und gesund, geistig rege. Wie unter Drogen nehme ich Farben, Gerüche, Geräusche genauer und intensiver wahr und bin euphorisch und heiter. Es geht mir glänzend. Freilich betrügt mich hier mein Körper, er läuft auf Notstrom, erschöpft schnell und nachdem ich in den ersten Tagen einige schnelle Kilo abgenommen habe, weigert er sich dann für fast eine Woche, weiter an Gewicht zu verlieren. Dann allerdings, in der dritten Fastenwoche, geht es wieder rasant nach unten. Danach wechsle ich dann zu einer sanften Diät, mit der ich die Fastenerfolge festige und bis Pfingsten bin ich wieder rank und schlank. Dann will ich nämlich eine große Reise unternehmen und möchte nicht den halben Bierkasten an augenblicklichem Übergewicht mit mir herumschleppen. Auch das Fahrrad wird wieder in Betrieb genommen.(4)

Ich wiege mich übrigens die ganze Zeit nicht. Das subjektive Empfinden, dünner zu werden – bereits jetzt nach vier Tagen Fasten passen meine Hosen wieder erheblich besser – ist wichtiger und wohltuender als die Kilozahl auf der Waage.

Ob das gesund ist? Ob man das empfehlen kann? Sicher nicht. Aber es ist meine Art abzunehmen und nie bin ich ein besserer Autor als in der Zeit, in der ich faste. Es ist, als würde der Geist die Auszehrung des Körpers kompensieren.

Ich werde regelmäßig berichten, wie es mit mir weiter ergeht.

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(1) Diese Gesundheitsmafia, die mir ständig einreden will, ich würde über meine Verhältnisse leben, funktioniert wie die katholische Kirche: Das ganze System ruht auf dem schlechten Gewissen der Leute und ihrer Angst vor einer rächenden Gottheit.

(2) Das sind fast 230 Pfund! Bei meiner Körpergröße von 1,78 cm (morgens und gut gelaut gemessen) ist das gewaltig – 80 Pfund Übergewicht. Aber es ist auch ein bisschen wie bei Kalorien und Joules oder bei Euro und D-Mark: Je größer die Zahl, um so gewaltiger das Erschrecken.

(3) Einer der wenigen Gegenstände, die aus dem Nachlass meines Großvaters in meinen Besitz übergingen, ist ein großer Spiegel, vor dem er als Schneidermeister seine Kunden den Sitz der Anzüge probieren ließ. Ich kann diesen geschickt geschliffenen Schneiderspiegel nur empfehlen: In ihm sieht jeder ein paar Kilo leichter und ein paar Zentimeter größer aus.

(4) Obwohl ich kürzlich von einem Freund ein Grillbesteck in einem Koffer geschenkt bekam – also die Golftasche des Normalbürgers – ist ein E-Bike für mich immer noch keine Option. So alt fühle ich mich nicht. Ich werde mir auch keinen von diesen klobigen, wie aus Lego-Duplo-Steinen zusammengebauten übergroßen SUVs kaufen. Versprochen!

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