Aber ein Traum …

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Grüße vom Winterurlaub!

Diesmal hat es Frau Klammerle und mich nach Toblach im Südtiroler Hochpustertal verschlagen, wo wir unserer Leidenschaft fürs Schneeschuhwandern in der atemberaubenden winterlichen Dolomitenlandschaft des 3-Zinnen-Gebiets nachgehen, aber auch noch genug Zeit für das Langlaufen*, Winterwandern, Sauna-Wellness und gutes Essen auf abgelegenen Almhütten finden. Das Wetter ist eisig, aber sonnig, die Wanderwege tief verschneit, die Aussichten gewaltig und auch der Muskelkater in meinen Beinen hat sich gewaschen.

Leider ist der Urlaub fast schon wieder vorbei. Ab Montag beginnt dann mit der 15. Fortsetzung meines Künstlerromans „Die Wahrheit über Jürgen“ wieder der Alltag auf diesem Blog.

Bis dahin, noch ein schönes Wochenende und Grüße von meinem Lieblingsplatz.

Euer Nikolaus

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* Wohlbemerkt: Frau Klammerle läuft lang – mir ist die Fortbewegung auf  rutschigen Holzbrettern, die man auch noch einwachst, ein Gräuel und nicht nachvollziehbar. Während meine liebe Gattin frisch und fromm über die Loipen segelte, habe ich inzwischen weiter  am 3. Geltsamerroman geschrieben, den ich fast zu Hälfte fertig habe. Er geht mir flott von der Hand. Da liegt wahrscheinlich auch an den frostigen Außentemperaturen von – 17° C hier in Toblach, denn ein Großteil meines neuen Buchs spielt in einem sibirischen Gulag.

Ein, zwei Wochen Ruhe vor mir …

Lustig ist die Fasenacht, wenn Frau Klammerle Küchle backt …

kiechle

Ich würde euch gerne mal von den Küchle (sprich. „Kiachle“) probieren lassen, aber das Beamen von Lebensmitteln ist leider noch in der Versuchsphase und die Ergebnisse nicht unbedingt zufriedenstellend. Doch schließt mal die Augen und streckt eure Nasenlöcher in die Luft … riecht ihr das? Es riecht nach Fett, Kalorien, Zucker, Diabetes und Kalorien im Übermaß – einfach wundervoll! Vor allem, wenn man wie ich seinen Neujahrsvorsatz eingehalten und vom 1.Januar bis heute strenge Diät gehalten hat. Zehn Kilo sind schon runter – nicht schlecht, was? (Wahrscheinlich werden es nach der Faschingswoche nur noch 5 sein …)

Dsch-Zwischen

Auf jeden Fall werde ich meine Wundertüte hier für ein paar Tage ruhen lassen und mit Frau Klammerle Winterurlaub im verschneiten Hochpustertal machen, um Winterwanderungen zu machen, langzulaufen (Frau Klammerle zumindest, mir ist das viel  zu rutschig) und mit Schneeschuhen auf die Berge zur nächstgelegenen offenen Almhütte zu stapfen.

Und freilich werde ich auch an meinen Texten weiterarbeiten und letzte Korrekturen an meinem neuesten Werk Der Weg, der in den Tag führt (habe ich das eigentlich schon erwähnt?) durchführen. Mein Korrekturexemplar ist vorgestern von der Druckerei gekommen und der 400-Seiten-Roman wird Ende Februar offiziell im Buchhandel erhältlich sein.

Wenn euch der Aschermittwoch und der Beginn der Fastenzeit dann zu trist und traurig sind und der Sturmregen gegen eure Fenster prasselt – dann macht euch eine Tasse Tee Ingwertee,  setzt euch in euren Lieblingssessel am prasselnden Kaminofen und lest -, vielleicht sogar ein paar meiner Geschichten. Es wäre ein schönes Geburtstagsgeschenk für mich (Wer den 2. Band von Dr. Geltsamers erinnerte Memoiren gelesen hat, weiß  ja, dass ich wie Bert Brecht am 10. Februar Geburtstag habe). Ich würde mich wirklich freuen.

Bis bald in ein, zwei Wochen – bei hoffentlich frühlingshafterem Wetter.

Euer Nikolaus.

 

Am Wegesrand: Ein Spaziergang in den Februar

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Die Altwasser-Gehölze an den vom Tauwetter schlammigen und überschwemmten Schmutterwiesen sind noch kahl und kraftlos. Die Farben der Natur sind von dem eisigen Januar ausgewaschen, erschöpft, fahl. An schattigen Orten klammert sich hartnäckig vereister Firnis am Boden fest.

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Das Eis des versteckten Weiher inmitten der sich seit Jahrzehnten selbst überlassenen Schonung hat die Farbe von geronnener Milch. Darüber kämpft eine bleiche Sonne halbherzig mit den Wolkenschleiern. Ab und an färbt sich der Himmel hellblau und eine Ahnung von Frühjahr senkt sich wie ein feiner Geruch durch die Luft herab und liegt wie Tau auf der würzigen Erde.

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Glaube mir, dieser Winter, vielleicht gewinnt er noch die eine oder andere Schlacht, aber den Krieg gegen den Frühling, den hat er längst verloren.

Alle Jahre wieder: Selbstmitleid

Der Alpsee im Winter 2013

Niklas, jetzt mal ehrlich: Was bringt dir deine alljährliche Januars-Winterdepression eigentlich?

  • Ich habe ordentlich zugenommen und eine Gewichtsklasse erreicht, die ich lange hinter mir wähnte. Inzwischen habe ich eine strenge Diät begonnen, von der ich hoffe, durch sie wieder einige Pfunde zu verlieren. Wahrscheinlich ist das nur ein frommer Wunsch.

Erkenntnis: Vierzehn Tage nichts essen bringt einen nicht um, aber auf viele neue, manchmal bonbonbunte Ideen. Fasten bessert zwar nicht die Laune, aber man ist auf andere zornig und nicht mehr auf sich selbst.

Konntest du dich wenigstens als Literat weiterentwickeln, erkältet und eingemummt in meinem Zimmer sitzend und in einer Vielzahl von neu erworbenen Büchern blätternd?

  • Ich habe versucht, meine Philosophiekenntnisse aufzufrischen. Ob es am Nachlassen meiner geistigen Fähigkeiten oder am Schleim in meinen Bronchen oder an der stickigen Luft in den überheizten Räumen lag: Ich scheiterte daran, meine Lektüren zu verstehen und zu durchdringen – Bücher von und über Denker, über die ich früher leichthin dozieren konnte.

Erkenntnis: Ich habe über die Jahre Angesammeltes schneller vergessen, als ich mir Wissen angeeignet habe. Ich verdumme langsam, aber stetig: Leben und Lernen – ein Minusgeschäft, das schnurstracks in die Demenz führt.

Wie war dann diese Zeit für dich?

  • Ich war in einer Art Winterschlaf, aus dem ich nicht erwachen wollte und auch nicht konnte. Wie somnambul lief ich durch die Welt und sah der Zeit beim Vergehen zu. Das kann sie gut und schnell, sie ist ein zuverlässiger Marathonläufer. Es ist schon wahr – ab einem bestimmten Alter ist alle drei Monate Weihnachten und früher war das Wetter besser.

Erkenntnis: Der Weg in die Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert. Als Meister des Vor-mir-her-Schiebens (neumodisch: Prokrastination) hat sich im letzten, verlorenen halben Jahr literarisch bei mir überhaupt nichts getan. Die bislang eher vergebliche Anstrengung, diesen Blog wieder in Gang zu bringen, ist ein Versuch, das zu ändern und ich werde jetzt mit hoffentlich neuer Kraft an meine Texte gehen.

Hast du Vorsätze für das neue Jahr?

  • Mir wurde klar, dass ich einige Freundschaften sträflich vernachlässigt habe, manche über Jahre hinweg. Je länger das Schweigen dauerte, um so schwieriger war es für mich, einen neuen Anfang zu wagen – bis ich es ganz ließ. Dadurch habe ich wichtige Freundschaften verloren. Selbstverständlich hätten sich auch die anderen mühen können, aber denen ging es wohl wie mir. Zum nahen Geburtstag will ich sie trotzdem alle einladen, ein großes Fest feiern. Vielleicht findet ja der eine oder andere diesen Blog. Er ist auch eine Flaschenpost.

Erkenntnis: Alte Bande rosten nicht – sie verfaulen.

Und? Wo stehst du im Moment?

  • Im Moment ziehe ich mich gerade wie Münchhausen an meinem eigenen Zopf aus dem Sumpf meiner Missstimmung, die momentane Kälte und die Hoffnung auf einen baldigen Frühling hilft. Ihn empfinden wohl die meisten als Befreiung, Erlösung. Und schnell vergisst wir dabei, dass er nicht für immer siegreich ist, sondern nur für ein knappes, halbes Jahr. Dann – im September, Oktober – dann kommt wieder die Depression.

Erkenntnis: Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen, die sich über die Dinge ziehn. (R. M. Rilke)

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Anmerkung: Selbstverständlich ist meine schlechte Stimmung, die ich hier recht leichtsinnig eine Depression nenne, keine klinische, sondern Jammern auf hohem Niveau. Gegen die Probleme, die andere Leute haben, sind die meinigen gering, ja, lächerlich unbedeutend. Sie könnten für manche, die echte Depressionen haben, beleidigend sein. Aber es sind halt meine und deren Auswirkungen bekomme ich eben am stärksten zu spüren.

Eine Welt aus Kälte, Eis und Schnee

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»Die meisten von euch, meine südlichen Freunde«, begann Sahar seine Sage, nachdem er sich mit ein paar Blicken versichert hatte, dass er die ungeteilte Aufmerksamkeit aller Zuhörer besaß, »kennen den Winter nicht und haben noch nie Schnee gesehen, deshalb lasst ihn mich euch zuerst beschreiben. Eine Schneeflocke ist ein kleiner, weicher Stern, der durch die Wolken zum Boden fällt, sich dabei weiß glitzernd um sich selbst dreht und wendet und im leichten Wind mutwillig wie ein eisiger Schmetterling tanzt. Fällt er auf deinen Handrücken, spürst du von ihm einen winzigen, eiskalten Mückenstich. Doch bevor du dir den ausgefransten Schneestern genauer betrachten kannst, taut er schon, schmilzt auf deiner warmen Haut zu einem köstlich kühlen Tau. Die Kinder in meinem Land versuchen, die Schneeflocken mit ihren Zungen zu fangen und sie erzählen sich, dass sie die gefrorenen Schweißperlen der dunkelsten unter den Wolkenriesen seinen. Eine genau auf die Spitze der Zunge segeln zu lassen, soll Glück bringen!

Fällte der Schnee jedoch auf die ewig gefrorene Erde der Tundra, so schmilzt er durchaus nicht, sondern er bleibt liegen und verbindet sich mit all den anderen Flocken, die sein Schicksal teilen, verwebt sich zu einer immer höher anwachsenden, blendend weißen Decke, die alles bedeckt, unter sich erstickt, abtötet, erfriert – egal, ob Pflanze, Tier, Mensch, Baum, Gebäude oder Berg. Die Konturen verschwimmen, die Welt wird kleiner, fast gemütlich, doch sie ist menschenfeindlich, gefährlich, sie verzeiht keinen Fehler. Ja, Schnee ist eine Todesfalle.

Bewohner von Karukora! Meine Geschichte spielt vor gut zweieinhalbtausend Jahren in den dunklen Jahrhunderten nach dem Fall der Drei Länder, nach deren schrecklichem Krieg alle Zivilisation, Kultur und Wissen, Mitmenschlichkeit und Friede für immer verloren schienen und die Menschen ganz langsam aus dem Albtraum zu erwachen begannen, der unsere Welt verwüstet und in einen Ort der Tränen und Verzweiflung verwandelt hatte. Sie beginnt im fernen Frostje im ewigen Eis, hoch im Norden der Welt, dort, wo der dämmrige Tag nur einige kurze Stunden und die Nacht oft ewig andauert. Schnee taumelte feucht aus den grauen, tiefen Wolken und er fiel so dicht und schwer, dass Straif nur wenige Fuß weit sehen konnte. Er stapfte müde und verzweifelt über das unter seinen Schritten knirschende, blendend-weiße Leintuch einer namenlosen Hochebene. Sie erstreckte sich weit unterhalb des vergletscherten Berges Trudgelmir, dessen Sattel der junge, tapfere Mann von Süden her überschritten hatte. Über dieser tief verschneiten Tundra, die längst alle Umrisse und Landmarken unter ihrer kalten Last verloren hatte und deren Horizont mit den Wolken verschmolz, tanzten munter die Schneeflocken, doch es war ein Totentanz, zu dem sie den verlorenen Jüngling aufforderten.

aus: „Der Weg, der in den Tag führt“, Anfang von Sahars Sage

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Eindrücke von einer Winterwanderung im eisig kalten und tief verschneiten Bayerischen Wald.

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Die Fotos sind in den Wäldern von Lam entstanden.

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