Aber ein Traum …

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Die Verliese des elfenbeinernen Palastes – Was bisher geschah …

Wie ich gestern ausführte, werde ich in den nächsten Wochen intensiv an dem 2. Band meines Fantasy-Epos „Der Weg, der in den Tag führt“ arbeiten, damit ich den Roman bis zum Ende des Jahres abschließen kann. Deshalb gibt es heute schon einmal eine kleine Zusammenfassung des 1. Teiles „Karukora“, der auch am Anfang des Buches zu finden sein wird. Ich denke, das ist ein Dienst am Kunden, vor allem, wenn es vielleicht schon ein Jahr oder länger her ist, dass man den Einstiegband gelesen hat. Nur wenige besitzen das Gedächtnis, sich an die Verwicklungen der Handlung und die Namen der Protagonisten zu erinnern.

Eine aktuelle Daguerrotypie des „Elfenbeinernen Palastes“ aus dem Jahr 5875 im 14. Jahr der glorreichen Regierung des „Unterwerfers“

Was bisher geschah

In den Überlebenden Landen herrscht der heiße Sommer des Jahres 5879 nach der Großen Welle, die die alte Welt der Vorgän­ger zerstörte. Der Stadtstaat Karukora ist auf der Höhe seiner Macht. Das Juwel der Wüste, wie die große Stadt auch ge­nannt wird, befindet sich inmitten unwegsamer Wüs­teneinöden und westlich der Ebenen des Ewigen Krie­ges, wo sich seit Jahrtausenden drei Robo­terarmeen Nacht für Nacht eine erbitterte und doch nie endende Schlacht liefern, die keinen Sieger kennt. Aber Karuko­ra liegt auch am Kreuzungspunkt der wichtigsten Han­delsrouten der Überlebenden Lan­de im Mündungsdelta des vielbefahrenen gewaltigen Stromes Ma­rat ins Süd­meer. Die Stadt wird seit ihrer frühesten urkundlichen Erwähnung im Jahr 3126 von einer Ab­folge von Herr­scherfamilien regiert, deren erste, die so­genannte Bingh-Dynastie, sich direkt von dem legendä­ren Grün­der des Stadtstaats herleitete, dessen Name im Dunkel der Zeit verlorengegangen ist. An der Spitze des Staa­tes steht deshalb seit vielen Jahrhunderten der sogenannte Namenlose Herrscher, der, von seinem Diwan und sei­nem Vezir-Bey beraten, vom Falken­thron des Elfenbein-Pa­lasts aus die Geschicke der Stadt und der umliegen­den Wüsten- und Oasenland­schaften bis hinauf zum Helmgebirge und den Gro­ßen Wall lenkt. Dort grenzt das Herrschaftsgebiet der Namenlosen an das Königreich der Lamargue, mit der Karukora jahrhundertelang in Grenzstreitigkeiten und kriegerische Auseinanderset­zungen verwickelt war und sich heutzutage in einem prekären und brüchigen Waffenstillstand befindet.

Der augenblickliche Herrscher, der sich auch der „Unterwerfer“ nennen lässt, entstammt der relativ jungen Bişra-Dynastie. Sein machtgieriger und intriganter Vezir Ómer Sud, mit dessen hochschwangerer Tochter Eóra der Namenlose ver­mählt ist, plant dessen Sturz, um sich selbst zum Re­genten zu machen und seine eigene Sud-Dynastie zu begründen. Ómer hat sich für seinen Putsch mit dem mächtigen General Paşha Ultem verschworen und will auf einem Gastmahl zuschlagen, das er für Regno Raul IV., den Fürsten der Lamargue, ausrichtet. Dieser be­findet sich gerade von seiner Entourage und seinem Geheimdienstchef Idrichson Galves, der die „Schwalbe von Avríl“ genannt wird, zu diplomatischen Beratungen und Handelsgesprächen in Karukora. Auch die oberen Zehntausend Karukoras und Miladí da Hiver, die rät­selhafte Botschafterin des technologisch fortschrittli­chen 5-Städte-Bundes weit im Osten der Überlebenden Lande, sind zu dem Fest eingeladen, das Ómer mit gro­ßem Aufwand geplant hat, um seine Gäste mit der Überlegenheit der Karukorer Kultur zu beeindrucken. Er erhofft sich gleichzeitig ihre Unterstützung bei sei­nem Handstreich, der ihn an die Macht befördern soll. Doch sein Festmahl, dessen Höhepunkt ein Vortrag des berühmten alten Märchenerzählers Alis Dabinghi sein soll, ruft noch andere Verschwörer auf den Plan, von denen Ómer nichts ahnt.

Druşba es Sakr, die geheimnisvolle Anführerin der legendären Karukorer Assassinengilde „Kalte Hand“, plant an diesem Abend ein bezahltes Attentat auf den hühnenhaften Regno, den man auch als den „Bären von Jasir“ bezeichnet. Der Auftraggeber für diese Mordtat bleibt zwar noch im Verborgenen, aber Meister Adelf von Süderbal, der Botschafter des Mönchsstaats Italmar in Karukora, erfährt durch einen Zufall von dem Komplott. Doch bevor er den Regno oder jemanden anderen warnen kann, wird er von der „Kalten Hand“ aus dem Weg geräumt. Allerdings kann er eine Botschaft hinterlassen, die der Mönchsadept Sahar findet, der sich eigentlich in Karukora aufhält, um nach dem abtrünnigen Meister Siebenhardt zu suchen, der von Italmar wegen Ketzerei gesucht wird. Sahar überredet die skeptischen Raul und Galves, dass auch er als ein weiterer Märchenerzähler verkleidet an dem Fest teilnehmen kann, um die Assassinen auf frischer Tat entlarven und ihren Anschlag vereiteln zu können.

Auch der alte Alis Dabinghi hat eigene Pläne für das Fest. Er lebt mit seinem Enkel Selin, dessen Mutter bei seiner Geburt starb, und mit seiner älteren Tochter Sirtis in ärmlichsten Verhältnissen in den Slums von Karukora, denen er entfliehen möchte. Er will den Abend des Fests dazu nutzen, um mit der Hilfe eines Dieners von Ómer, seinem stummen, alten Freund Muhar, einen wertvollen Schatz aus dem Elfenbein-Palast zu stehlen. Diesen Raub soll für ihn der junge und geschickte Selin durchführen, während Alis selbst auf der Bühne steht und eines seiner Märchen vorträgt. Das Objekt seiner Begierde ist der „Weg, der in den Tag führt“. Dabei handelt es sich der Sage nach um eine Karte oder eine Wegbeschreibung, die eine Möglichkeit aufzeigt, wie man unbeschadet die Ebenen des Ewigen Krieges durchqueren kann, um zu der legendären Stadt des Friedens und des Glücks Pardais zu gelangen, die inmitten des Schlachtfelds liegt. Soweit Alis, der ein direkter Nachfahre der Bingh-Dynastie ist, aus den Familienüberlieferungen weiß, ist „Der Weg, der in den Tag führt“ in einem Geheimfach im Falkenthron direkt im Thronsaal des Elfenbein-Palasts verborgen. Da Selin zwar seinem Großvater gehorsam, aber kein Dieb ist, macht Alis einen Vertrag mit der Diebeszunft von Karukora, ihn bei einem Raub zu unterstützen. Diese schmuggelt zwei ihrer Mitglieder auf das Fest, die Selin unterstützen sollen: Das sind Jalah, die Dienerin von Semira Binsa, die mit ihren reichen Eltern ebenfalls an dem Fest teilnimmt und Selins heimliche Geliebte ist, und der geheimnisumwitterte Meisterdieb Ludo sorriento, der sich als der Kaufmann Juel aus dem 5-Städte-Bund ausgibt und niemand anderer als der von Sahar gesuchte ehemalige Meister Siebenhardt ist.
Schließlich beginnt Ómers Gastmahl und während sich Sahar und Alis vor den hohen Gästen ein Duell liefern, wer von ihnen der beste Märchenerzähler ist, machen sich Selin und Juel heimlich in Richtung Thronsaal auf, um den „Weg, der in den Tag führt“ zu rauben. Auch Jalah schleicht sich davon. Sie wird von der neugierigen und aufmerksam gewordenen Semira verfolgt, die sich fragt, was ihr Freund und ihre Dienerin vorhaben.

Der traditionelle Satz, mit dem ein Märchenerzähler zum Schluss seines Vortrags kommt, lautet: „Aber das ist eine weitere Geschichte nach der Geschichte und ich will sie euch an einem anderen Tag erzählen.“ Ómer hat mit Paşha Ultem verabredet, dass diese Worte, wenn sie Alis ausspricht, das Signal sein sollen, ihre Palastrevolte gegen den Namenlosen zu starten. Doch auch der ehrgeizige General hat seine eigenen Pläne. Er hat den Vezir gemeinsam mit dem Seneschall Radik Emre an den „Unterwerfer“ und an die Elitesoldaten des Namenlosen, die „Treuwacht“, verraten und vereitelt mit seiner Truppe Wüstenkriegern den Putsch. Ómer wird sofort verhaftet und ins Verlies des Palasts gebracht. Das Gastmahl könnte nun weiter-gehen. Doch in diesem Augenblick stürzt der Regno Raul von seinem Stuhl. Er wurde von den Assassinen der Kalten Hand vergiftet.

Ein paar Stunden vor diesen Ereignissen, kurz vor Sonnenuntergang, nähert sich ein Eselsgespann, das von einer dicken Frau auf dem Kutschbock gelenkt wird, der großen Alhaşra-Karawanserei vor den Toren von Karukora …

Ab morgen werde ich als Leseprobe und zum Reinschmecken das über 100 Seiten lange, längst überarbeitete und fertige 1. Kapitel des Romans in Fortsetzungshäppchen veröffentlichen. Dessen Inhalt, eine Geschichte, die am Großen Feuer der Karawanserei erzählt wird, kann auch gut ohne Kenntnisse des ersten Teils gelesen werden. Obwohl ich schon lange nicht mehr daran glauben mag: Vielleicht findet sich ja unter meinen ach so schweigsamen Followern und Blogbegleitern ein Leser, der mich auf dieser Reise begleiten und den einen oder anderen Kommentar abgeben möchte.

 

Kampf um Karukora – ein Werkstattbericht

Bis Ende Dezember, also pünktlich zum Weihnachtsgeschäft und den Tagen zwischen den Jahren, in denen die meisten Literaturbegeisterten viel Zeit zum Lesen haben, wollte ich eigentlich meinen Roman „Die Verliese des elfenbeinernen Palastes“ fertigstellen, der der zweite Band der „Der Weg, der in den Tag führt“-Trilogie werden soll.

Nun zeigt sich aber immer deutlicher, dass dies ein sehr sportlicher Termin ist, den ich mir da leichtsinnigerweise in den Kalender geschrieben habe. In den letzten Wochen und Monaten habe ich immer wieder erheblich in die Struktur des Buchs eingreifen müssen, weil ich beim endgültigen Überarbeiten des Buchs feststellen musste, dass das Fundament, auf dem die Handlung ruht, insgesamt mehr Breite, Stabilität und Tiefe benötigt. Glaubt einem alten Hasen:

Nichts ist schwieriger für einen Autor, als am Mittelteil einer Trilogie zu schreiben.

Der zweite Band ist wie eine Waage, auf deren Schalen der 400 Seiten lange und damit recht gewichtige, im letzten Jahr erschienene, 1. Band „Karukora“ und der noch zu schreibende Abschlussband „Der Schatten über Paradis“ liegen. Der Mittelteil ist das Zünglein an dieser Waage. Diese ausgleichende Mitte muss den Leser des 1. Teils abholen und seine Erwartungen erfüllen, ihn mit einer spannenden Handlung an der Hand nehmen und ohne größere Umwege vor die Tore des 3. Teils transportieren. Dabei sollte der Plot sinnvoll fortgesetzt und ausgebaut werden, mann muss Dinge erklären und Geheimnisse aufdecken, die bisher noch im Dunkeln verborgen lagen, und den Figuren, die ja noch einen fetten, aktionreichen Schlussroman tragen sollen, mehr Tiefe verleihen. Insgesamt musste ich als Autor mehr Farben und vor allem Zwischentöne auf meine ohnehin schon sehr bunten Palette haben. Das Universum, in dem die Geschichte spielt, muss sich sinnvoll und auch logisch erweitern, neugierig auf mehr machen. Das alles darf aber auch nicht ausarten, wie es z. B. George R. R. Martin(1) oder Patrick Rothfuss(2) geschehen ist, die wohl nie mehr aus dem Labyrinth des Mittelteils ihrer Geschichten herausfinden werden und lieber kleine Nebennovellen oder Prequels schreiben, als ein Ende zu finden. Diese Versuchung kenne ich gut. Ein Autor hat unverschämtes Glück, wenn er Leser findet, die ihm dabei über viele Jahre die Stange halten. Es ist wie mit dem Rauchen: Das Anfangen ist leicht, das Aufhören schwer. Das liegt auch daran, dass viele Autoren – ich nehme mich da nicht aus – zu Beginn gar keinen oder nur einen oberflächlichen Handlungsentwurf haben und während des Schreibens am ersten Teil von ihren eigenen Einfällen wie ein Ast von einem strudelnden und reißenden Bergbach mitgerissen werden und es ihnen im Anschluss kaum mehr gelingt, in ruhigeres Fahrwasser zu gelangen und zu einem befriedigenden oder auch nur logischen Abschluss zu kommen. Oder glaubt hier jemand, J. K. Rowling hätte das heillose Durcheinander der letzten Potter-Bände am Anfang geplant? Wahrscheinlich hätte sie die Serie nie zuende gebracht, wenn ihr kein Verlag im Nacken gesessen wäre.(3)

»Der Weg, der in den Tag führt«

Gleichzeitig muss im Mittelteil noch viel Luft nach oben bleiben, denn der Höhepunkt ist eindeutig der Schlussband, in dem man „aus allen Rohren feuern“ muss. Für mich hieß dies, dass ich etwa 100 Seiten(4) von „Der Schatten über Paradis“ vom Anfang des Buchs in den 3. Teil verschieben musste, wo sie nun den Prolog bilden. Andere Textteile wurden hin- und hergeschoben, eine große Rückschau als neuen Prolog eingefügt und etliche Handlungslücken, die mir erst beim Überarbeiten auffielen, ergänzt. Einige wichtige Handlungsträger wie z. B. der „Namenlose“, seine Frau Eóra, der Senneschal Radik Emre oder General Ultem, die im ersten Teil noch sehr kursiv eingeführt wurden, benötigten danach eine ausführlichere Beschreibung ihres Charakters und ihrer Beweggründe. Die Bösen müssen ausgefeilter und Vielschichtiger sein als die Helden. Den Schluss des Romans musste ich vollkommen neu schreiben, um den 3. Teil vorzubereiten und auf einen noch gemeineren „Cliffhanger“ als am Ende von „Karukora“ zusteuern. Das ist alles viel Arbeit, doch noch habe ich die Hoffnung, sie in den nächsten beiden Monaten abschließen zu können – auch wenn „Die Verliese des elfenbeinernen Palastes“ vielleicht erst Anfang 2020 in den Buchläden auftauchen werden. Nun, ich denke, meine Leser werden sich noch gedulden und vielleicht in der Zwischenzeit noch einmal den 1. Band lesen, damit sie wieder in der Handlung sind.

Deshalb ruhte in diesem Jahr auch meine Arbeit an meinem persönlichen Lieblingsbuch „Dr. Geltsamers erinnerte Memorien“, deren zwei Abschlussbände ich mir endlich im nächsten Jahr vornehmen und zu einem hoffentlich befriedigenden Ende führen werde.

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(1) Wir hätten das Ende seiner „Game-of-Thrones“-Sage nie erfahren, wenn ihm nicht ein riesiger Konzern in Nacken gesessen hätte, der ihn zwang, die Handlung der nach seinen Romanen gestalteten Fernsehserie zu einem – übrigens äußerst schlampigen, fahrigen und auch unausgegorenen – Ende zu bringen. Ich glaube auch nicht, dass Martin die Serie in Buchform beendet. Wie man hört, schreibt er inzwischen an einem Prequel, das tausend Jahre vorher spielt. Viel Erfolg beim Mittelteil!

(2) Patrick Rothfuss – „Die Königsmörder-Chroniken“. Das kennst du nicht? Das ist wirklich eine Bildungslücke, auch für Leute, die eigentlich keine Fantasy-Romane lesen und mögen. „Der Name des Windes“ und „Die Furcht des Weisen“ sind die beste Fantasy nach „Ghormengast“ von Marvin Peake (oder meinetwegen auch J. R. R. Tolkien, den ich allerdings für vollkommen überschätzt, rassistisch, misogyn und insgesamt britisch-langweilig halte). Der abschließende Band der Trilogie namens „The doors of stone“ ist seit über einem Jahrzehnt angekündigt, aber wird wohl nie mehr erscheinen. Lieber schreibt Herr Rothfuss Novellen zu einen Hauptfiguren.

(3) Von Douglas Adams wird kolportiert, dass sein Verleger bei ihm vor der Haustür kampierte, damit er endlich die „Anhalter“-Romane vollendete.

(4) Jeder Roman der Trilogie soll etwa 400 Seiten, resp. um die 100.000 Wörter, lang werden.  Im Moment existieren etwa 850 Seiten von der „Der Weg, der in den Tag führt“-Trilogie. Von der Anschluss-Trilogie „Brautschau“ gibt es noch einmal so viele Seiten. Jemand wie Tad Williams mag darüber lachen, für mich ist das ganz schön viel Holz.

Noch einmal daran gedacht – Ein Buch nimmt Form an

Vor zwei Jahren habe ich den Glossen- und Essayband „Noch einmal davon gekommen“(1) veröffentlicht, von dem ich als einziges von meinen veröffentlichten Büchern ab und an mal ein Exemplar verkaufe und das bei allen seinen Lesern durchweg gute Kritiken bekommen hat. In dem Band habe ich die heitersten und unterhaltsamsten Texte aus fünf Jahren „Aber ein Traum“ versammelt. Das sind etwa dreißig von annähernd tausend Artikeln, die ich hier im Lauf der Zeit veröffentlichte.

Für den Herbst plane ich nun einen weiteren Band. Er wird „Noch einmal daran gedacht“ heißen und etwas ehrgeizigere Blogtexte beinhalten. Im Allgemeinen sind das Essays zur Literatur und der eine oder andere lyrische Moment. Dazu kommen im Speziellen autobiografische Erinnerungen und belletristische Texte, die sich direkt auf diese wahrgelogenen Memoiren beziehen. Ihr Überarbeiten und Ergänzen nimmt mich gerade stark in Anspruch und schiebt sich vor alle anderen literarischen Projekte, an denen ich in meiner Werkstatt auch noch feile. Gerade die Texte, die sich mit dem Wahrlügen beschäftigen und – wie der Titel schon sagt -, halb biografisch, halb fiktiv sind, jedoch exemplarisch deutlich machen, aus welchem tiefen Brunnen ich meine Literatur schöpfe, verlangen meine volle Aufmerksamkeit.

Um noch einmal deutlich zu machen, worum es mir dabei geht, hole ich heute den (überarbeiteten) einleitenden Text zum Thema aus den Blogarchiven wieder nach oben und werde in den nächsten Wochen weitere wahrgelogene Erinnerungen aus den Tiefen des Blogs und auch ein paar weitere, die neu für das Buch entstanden, an dieser Stelle vorveröffentlichen. Ich hoffe, es gibt den einen oder anderen Leser, der mir auf diesem Weg folgen möchte.

Das Wahr-Lügen
und
das Wahre lügen

Es klingt nach einer Binsenweisheit: Autoren sind Geschichtenerzähler; aber wir lieben die Geschichten von Schriftstellern für ihre Lügen, nicht für ihre Tat­sachen.

Gerade, wenn sie behaupten, sie würden die Wirklich­keit nun wiedergeben oder jetzt endlich die ungeschminkte Wahrheit erzählen, ist äußerste Vorsicht geboten. Freilich hat jeder Text ganz zwangsläufig einen autobiografischen Anteil, wie sich auch etwas von mir in meiner überaus köstlichen Stachelbeer-Marillen-Marmelade befindet, die ich gekocht habe.

Aber der Autor versteckt und verbirgt sich und leugnet, spielt Vexierspiele und Scharaden. Was er ausgewählt und für erzäh­lenswert betrachtet, presst er durch das engmaschige Netz seiner Persönlichkeit und Meinungen. Nur manchmal ist ihm das bewusst, häufiger arbeitet beim Schreiben fleißig sein Unterbewusstes für ihn: Er lügt, ohne sich der Lüge bewusst zu sein. Oft weiß sein Pu­blikum das und fordert es auch von ihm. Ein schönes Beispiel dafür sind die „Papillon“-Bücher von Henri Charrière. Sobald der autobiografische Protagonist in seinen Erinnerungen nach unzähligen Abenteuern und Fluchtversuchen die Teu­felsinsel verlassen hat (auffallenderweise enden die beiden Verfilmungen an dieser Stelle) und der französische Autor von einer überprüfbaren, näher am Jetzt liegenden Zeit erzählen muss, wird alles merkwürdig langwei­lig, was er noch zu berichten weiß und erlebt hat. Wir lieben dieses Buch für seine Lügen, nicht für seine Tatsachen.(2)

Es darf dem Autor aber nicht zum Vorwurf gemacht werden, denn er hat gar keine andere Wahl. Selbst wenn er sich müht, die Dinge so abzubilden, wie sie sind, sind sie doch in seinen Erinnerungen nur die Schattenbilder, die ein flackerndes Lagerfeuer an die unregelmäßigen Wände der Höhle wirft. Ohne weiter Platon bemühen zu wollen: Er­zähltes ist die Abstraktion einer Abstraktion; sozusagen eine Idee 2. Grades. Der Le­ser kann nie das sehen, was der Autor erblickte – und wer weiß schon, ob die Augen des Schriftstellers wirklich die gleichen Dinge wie sein Publikum sehen. Viel­leicht ist seine Welt so weit von der seiner Leser ent­fernt, dass nur mehr die Sprache eine unzulängliche, wacklige Brücke zwischen ihm und ihnen bilden kann. Das ist ein wenig wie die Kluft zwischen Mann und Frau; die ist genauso tief und nur durch Worte oder Liebe kurzfristig überbrückbar.

Trotzdem ist die Erzählung des Autors auf einer an­deren Ebene ebenso wahr, wie sie – objektiv! – falsch ist. Wahrheit kann auch durch Lügen entstehen; zum Beispiel, wenn es darum geht, über die eigene Kind­heit zu berichten. Zu unzulänglich sind die Erinne­rungen, zu groß die Lücken. Zu oft täuschen uns auch die Berichte älterer Menschen, die ebenfalls wahrlügen, Zeiten und Orte vermischen sich, wichtige Personen verlieren sich zu undeutlichen Konturen und jeder Befragte erinnert sich anders. Manche unserer Erinnerungen bilden wir uns nur ein, wie die Gehirnforscher heute wissen. Sie können gemacht werden, wenn man sie nur oft genug eingeredet bekommt.

Ein Beispiel: Der – von mir mal abgesehen – einzige Künstler in meiner nahen und auch ferneren Ver­wandtschaft war ein äußerst erfolgloser Kunstmaler, der Werner Nebler hieß und dessen Atelierwohnung in der Annastraße in Augsburg ich als Fünf- oder Sechsjähriger gegen Ende der 60er Jahre – näher lässt sich das nicht mehr einschränken – mit meiner heute schwer de­menzkranken Mutter besuchte. Es ist außer dem einen oder anderen Familienfest das einzige nähere Zu­sammentreffen mit ihm, an das ich mich erinnere. Er ist nur wenige Jahre später verstorben.

Ich musste den dürren, kleinen und kahlen Mann mit den spitzen, rosigen Ohren „Onkel Nebler“ nen­nen, obwohl ich sein Großcousin 2. Grades war und ihn sonst nur zum Geburtstag meines Vaters sah, zu dem er immer eingeladen wurde. Der „Onkel Nebler“ eben. Das wurde nicht hinterfragt. Die abgehakten, dabei ausufernden Bewe­gungen des kleinen Mannes erinnerten mich an einen Kakadu, den ich aus dem Vogelhaus des Augsburger Zoos kannte. Überhaupt war er eine heitere, flaumige und vollbär­tige Persönlichkeit, der Haarbüschel aus den Ohren, aber nur wenige auf dem Kopf wuch­sen. Nebler war ein klassischer Hungerkünstler, der zu Familienfeiern kleine See- und Waldstücke ver­schenkte, die er zu diesem Zweck eigens anfertigte. Jeder in meiner Familie hat noch den einen oder an­deren „echten Nebler“ in der Wohnung hängen oder verschämt hinter Kisten auf dem Dachboden verbor­gen. Wertvoll werden diese Bilder allerdings nie mehr; sie sind nicht einmal besonders geschickt ge­malt.

Eine Zeitlang pinselte unser Familienkünstler für das Capitol-Kino hinter dem Merkurbrunnen großformatige Filmplakate auf Sperrholzgrund, die über dem Kinoeingang in einem eigenen Rahmen weithin sichtbar Werbung für den gezeigten Streifen machten. Obwohl das Capitol in­zwischen den Multiplexkinos gewichen und zuerst in eine Tanzbar, dann in ein gutbürgerliches Lokal um­gewandelt wurde, gibt es diesen von steinernen Grazien eingefassten Rahmen über den Türen noch immer, auch wenn inzwischen ein Fenster in ihn eingepasst wurde. Nebler benutzte für seine Plakate die Standfotos aus den Filmen, ergänzte sie durch exotische Hintergründe eigenen Entwurfs, den Film­titel, die Hauptdarsteller und die Vorführzeiten. Of­fenbar machte er jedoch Mitte der Fünfziger den Feh­ler, Gordon Scott als Tarzan nur mit einem Lenden­schurz bekleidet darzustellen. Die Moralvorstellun­gen der Augsburger ließen das damals nicht zu und so verlor er diesen Beruf als Kinomaler. Also dilettierte er weiter seine röhrenden Hirsche, seine schönen Zigeunerinnen, die Bergidyllen und seine heimlich trinkenden Mönche, die sich allesamt kaum verkauften.

Onkel Nebler, den die Erwachsenen grundsätzlich „der Nebler, Werner“ nannten, mit einer kurzen Pau­se nach dem Familiennamen und das „Werner“ wie eine Frage formuliert, wohnte während des Krieges im Haus meiner Großeltern väterlicherseits. Als Opa als Soldat an der Front war, gebar meine fröhliche und überaus lebenslustige Großmutter nach zehn Monaten meinen Onkel Rolf, der 17 Jahre jün­ger ist als mein Vater. Onkel Rolf sieht ihm und auch dem Großvater nicht ähnlich …

Die Atelierwohnung war im Dachjuchhe und eng und niedrig; angefangene Bilder lehnten gegen die Dachschrägen. Für mich als Kind war das Beein­druckendste in dem Atelier eine H0-Dampflock mit drei Waggons, die auf ihren Schienen direkt auf dem schmutzigen Parkett eine große Ellipse um die Staffe­lei zog.  Das Werk, an dem er im Brennpunkt der Gleise malte, war eine Ansicht des Hamburger Ha­fens. Ich wurde eine Weile mit ihm im staubigen Ate­lier allein gelassen, während meine Mutter mit seiner Frau in der Nähe ins Café Bertele ging. Große, hohe Fenster ge­währten einen wunderschönen Blick über die bunten Dächer der Innenstadt und auf die strenge evangelische Moritzkirche. Das war ein Ausblick, den er merkwürdigerweise nie gemalt hat, der mich aber mehr faszinierte als die flachen Ölgemälde, die penetrant nach Petroleum und Ölfarben stanken, ein Geruch, der auch an Onkel Nebler hing, als wäre er ein Teil von ihm. Ich setzte mich zu ihm an einen über und über mit Farbresten bekleckerten Tisch, machte mich dabei ordentlich schmutzig und sah ihm beim Malen  und der Dampflok beim Rundenziehen zu oder folgte mit meinen Blicken den Schwalben, die draußen vor dem Atelier pfeifend ihre kühnen Runden drehten. Mir war langweilig, aber ich blieb still, denn ich wollte nicht stören. Irgend­wann drehte er sich zu mir, mich gleichsam wieder entdeckend, legte seine Palette und den Pinsel zur Seite und wühlte in den Taschen sei­nes grauen Malermantels. Lange kramte er, förderte Kreide­stückchen, Radierer, Kohlestummel zu Tage. Schließlich drückte er mir ein kleines Geldstück in die Hand und vergaß mich wieder. Er wandte sich zurück zu dem winzigen Kirch­turm im Hintergrund seines Bildes, den er mit ein paar flüchtigen Farbpunkten skizzierte. Ich fand es erstaunlich, wie es ihm gelang, diesem Turm mit so wenigen Stri­chen eine glaubwürdige Existenz zu ge­ben.

Als wir später die enge Holztreppe hinunterstiegen, die ebenfalls nach dem Atelier und dazu noch nach Bohnerwachs stank, fragte meine Mutter, was der Onkel Nebler mir denn geschenkt hätte. Erst jetzt öffnete ich meine schwitzige Kinderfaust, in der sich ein silb­riges 50-Pfennig-Stück befand. Meine Mutter sagte: „Das musst du in Ehren halten, für den Onkel Nebler ist das sehr viel Geld. Er ist so ein armer Mann. Das kann er sich als Künstler eigentlich überhaupt nicht leis­ten.“ Ich war beeindruckt und schloss meine Faust wieder. Ich entschied mich, auf keinen Fall Künstler zu werden. Und am nächsten Tag kaufte ich mir für die 50 Pfennig fünf Päckchen mit Klebebildern für mein Tiersammel-Album. Die meisten hatte ich leider schon.

*

Diese Geschichte aus meiner Kindheit habe ich noch nie jemandem erzählt. Aber ist sie auch wahr?

Nun, der Onkel, der bereits 1974 verstarb, hieß nicht Werner Nebler, so, wie ich selbstredend nicht Nikolaus M. Klammer heiße. Er war zwar Kunst­maler und er hatte auch ein Atelier in Augsburg in der Annastraße, aber ich kann mich nicht an den Be­such erinnern, von dem mir einmal meine Mutter be­richtet hat. Sie trank übrigens niemals Kaffee. Ich kann sie leider auch nicht mehr fragen, denn sie wird mir ja nicht mehr antworten. Das mit der Eisenbahn auf dem Boden hat mir meine äl­tere Schwester M. erzählt. Was ich mit dem Geldstück machte? Ich habe keine Ahnung. Wahrscheinlich wur­de es in meinem rosa Plastiksparschwein für später verwahrt und landete am Weltspartag auf meinem Konto. Nebler und seine Frau, die putzen ging, waren arm, nahe am Bettelstab und mein Vater hat tatsächlich noch ein paar der unsäglich öden Ölschinken von ihm auf dem Dachboden aufbewahrt, die er ihm aus Mitleid abgekauft hat. Wie der Maler aussah? Ich habe keine Vorstellung, denn ich habe kein Foto von ihm gefun­den. Die anderen Geschichten? Mein Onkel, das Kino, Tarzan? Das waren Familiensagen, teilweise nur leise hinter vorgehaltener Hand geraunt. Die habe ich ir­gendwann gehört, ich habe sie nicht erlebt. Ob sie wahr sind? Ob ich jetzt die Wahrheit erzählt habe? Wer weiß … Denn schließlich gilt ja:

Dennoch, trotz all der Ungenauigkeiten und Vereinfachungen, ist die obige Geschichte aus meiner Jugend nicht einfach nur gelogen und damit nichts weiter als Literatur: Sie spiegelt die Zeit, das Denken und nicht zuletzt mich selbst als das Kind, das ich einmal war, wieder. Und sie erzählt viel über mich, warum ich so bin, wie ich heute bin.

Es ent­stand ein Wahrlü­gen.

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(1) Ich weiß durchaus, dass man davonkommen in der Regel zusammenschreibt. Aber der – wenn er alleine steht – ein wenig missglückte Titel sollte ein Wortspiel und bewusst zweideutig sein; er sollte auch ausdrücken, ich sei noch einmal von den Blogtexten her gekommen. Das ist leider nicht ganz deutlich geworden. Vielleicht schafft ja der Titel des neuen Blogsammelbandes hier etwas Klarheit.

(2) Selbstverständlich gibt es hier auch Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen. Wenn sich z. B. Autoren, wie sich das unlängst ein paar angemaßt haben, selbst zum Holocaust-Opfer zu stilisieren, obwohl sie nie eines waren, nur um das Interesse und den Verkauf des Buches zu befördern, dann pervertiert dies das Ziel, durch Lügen Wahrheit entstehen zu lassen, und ist eine nachträgliche Verhöhnung der Opfer.

Dienstag, 02.07.19 – Amy omnipräsent …

Amivorher

Amy – 15:27:12 Uhr

Amydanach

Amy 15:27:28 Uhr

Wie jeder gelehrte Feleologe (Katzentheologe) weiß, sind Omnipräsenz, Allgegenwart oder Ubiquität Fachbegriffe, die die allumfassende Präsenz einer Katze an mehreren Orten gleichzeitig kennzeichnen. Hier ist der Beweis: Zwischen diesen beiden Schnappschüssen liegen tatsächlich nur etwa 15 Sekunden, in denen ich schnell mein Arbeitszimmer verließ und damit meinen Bürostuhl preisgab, um mir ein Glas Wasser zu holen. Amy saß in dem Moment in einem anderen Zimmer auf einem ihr recht unbequemen Stuhl. Als ich nach Augenblicken zurückkam, lag sie wohl schon seit Stunden in vollkommenem Tiefschlaf in meinem Sessel.

Ich nehme an, Katzen haben die Möglichkeit, parallele Welten zu betreten und dadurch relative Zeitparadoxe in der unseren zu erzeugen, gleichzeitig da und nicht da zu sein (siehe auch bei Schrödinger) und einen Tag auf Wochen auszudehnen. Die gewonnene Zeit nutzen sie zum Schlafen.

Auf jeden Fall musste nun ich für den kurzen Rest des Nachmittags mit dem harten Holzstuhl vorlieb nehmen …

Nutzlose Menschen – Der Jahrmarkt geht weiter …

Das Korrekturexemplar meines neuen Buchs „Nutzlose Menschen“ ist in der letzten Woche, die ich im Urlaub in Holland (1) verbrachte, angekommen und es sieht schon mal sehr gut aus.

Dieser Roman ist der Dreh- und Mittelpunkt meiner „Jahrmarkt in der Stadt“-Reihe, mit dem ich über Jahre hinweg kaum verschlüsselt die Kultur meiner Heimatstadt Augsburg begleitet habe. Er spielt in der Mitte der 1990er Jahre und gibt am deutlichsten preis, welches unerreichbare Vorbild ich hatte, als ich den Zyklus entwarf:

Selbstverständlich war es die Comédie humaine von Honoré de Balzac. Die Literatur ist ein Monotheismus. Sie kennt Genies, Könige und Kaiser, aber nur einen Gott. Das ist Balzac. Vor ihm habe ich mich in den „Nutzlosen Menschen“ verneigt, darauf weisen nicht nur die den Titeln von Balzac-Romanen übernommenen Kapitelüberschriften hin. Der französische Romancier wird von der Hauptfigur Nikolaus Klammer häufig zitiert und in zwei Kapiteln darf der Leser auch eine Erzählung im Stil von Balzac lesen.

Obwohl die „Nutzlosen Menschen“ mit etwa fünfhundert Buchseiten der längste Text des Zyklus ist, spielt er nur an einem einzigen Sommerabend und schildert die Erlebnisse einer Gruppe von Leuten, die in die Fänge eines überlegenen Mannes geraten, der sich wie ein Regisseur in ihr Leben mischt und sie als die Akteure eines von ihm geschriebenen Drehbuchs handeln lässt. Denn er weiß:

Sie tun nichts, was wert ist, getan zu werden, und sagen nichts, was wert ist, gesagt zu werden, aber sie tun und sagen es immer und immer wieder. Diese Menschen mögen zwar nutzlos erscheinen. Aber mit Geschick und Einfühlungsvermögen kann ich sie zu allem bringen: Zur Größe, aber auch zum verabscheuungswürdigsten Verbrechen.

Dieser Mann ist der spöttische, unendlich belesene Beamte Nikolaus Klammer. Er war mir Namenspate für mein Autoren- und mein Internetpseudonym, obwohl unsere einzigen Gemeinsamkeiten die Vorliebe für Balzac und ein gesunder Zynismus sind. Wenn man das eine oder andere Werk des Zyklus bereits gelesen hat, dann ist man Klammer schon ein paar Mal begegnet, z. B. in „Die Wahrheit über Jürgen“ oder in „Ein kleines Licht“. „Nutzlose Menschen“ zeigt ihn jedoch als Hauptperson. Jede meiner Figuren hat das Recht, einmal im Mittelpunkt zu stehen, so wie jeder in seinem eigenen Leben die Hauptrolle spielt.

Es ist seltsam mit diesem Buch. Es tut mir weh, es ist ein Schmerzenskind. „Nutzlose Menschen“ gehört zu den besten belletristischen Texten, die ich bisher geschrieben habe und ich weiß, dass der Roman mit den meisten zeitgenössischen Erzählwerken und Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt zumindest mithalten kann – meiner bescheidenen Meinung nach manchmal sogar besser ist – aber  er hat nie Leser oder Öffentlichkeit gefunden, weil ich als Schriftsteller gescheitert bin und in der Masse derer schwimme, die es nie geschafft haben.

„Nutzlose Menschen“ ist ein Symbol für das, was hätte sein können und das, was ist. Auch von diesem Scheitern erzählt der Roman.

Wenn jemand nicht die Katze im Sack kaufen möchte und hier auf dem Blog ein wenig reinlesen möchte:

Nikolaus Klammer – Nutzlose Menschen
Roman aus dem Zyklus
„Jahrmarkt in der Stadt“

Obwohl ich seit Monaten keine Bücher (auch keine E-Books) mehr verkauft habe, werden ich und meine Lektoren die „Nutzlosen Menschen“ bis Mitte Juli nach Fehlern durchforstet haben und ich werde – trotzig und hartnäckig wie ich bin! – den Roman dennoch in meinem kleinen Selbstverlag veröffentlichen. Auch wenn es wirklich niemanden interessiert, so wächst doch die Nikolaus-Klammer-Abteilung in meinem Bücherregal.

Grüße in den hier im Süden wolkigen, aber bei euch hoffentlich sonnigen Sonntag.

Nikolaus

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(1) Was ich gemacht habe? Nun, in der Hauptsache bin ich mit Frau Klammerle Rad gefahren und habe die Natur bewundert. Die Maasduinen in der Provinz Limburg haben ein übersichtliches, vorbildliches und engmaschiges Radwegenetz, von dem wir hier nur träumen können. Zudem ist es dort so flach, dass ich mir, der ich nur ein normales und noch lange kein E-Bike (so alt fühle ich mich einfach noch nicht) besitze, nicht wie ein Paria vorkam und mit den Rentner-Radl-Kolonnen mithalten konnte.

 

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