Aber ein Traum …

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Donnerstag, 13.06.19 – Auf gepackten Koffern

Donnerstag, 13.06.19
?. Fastentag, ich zähle nicht mehr mit

 

Nachdem wir gestern wieder aus dem Lechtal zurückgekehrt sind, ziehe ich mal eine kleine Zwischenbilanz. Bis jetzt ist dieser Urlaub so entspannend wie schon lange keiner mehr. Das Wetter war größtenteils schön und die Wanderungen inspirierend. Ich fühle mich wie schon lange nicht mehr im Einklang mit mir selbst und das Leben ist schön. Heute ist ein Zwischentag, um zuhause Blumen zu gießen, den Rasen zu mähen, die Räder herzurichten, ein paar Einkäufe zu erledigen und die benutzte Wäsche zu waschen und die Koffer neu zu packen, um dann morgen in aller Frühe mit einem kleinen Zwischenstopp in Rüdesheim am Rhein in die niederländische Provinz Limburg zu fahren, wo wir die nächste Woche mit Radfahren, Wandern und Städtetouren verbringen wollen. Wir haben es uns inzwischen angewöhnt, größere Strecken nie in einem Rutsch durchzufahren, sondern etwa bei der Hälfte eine Pause von ein-, zwei Tagen einzulegen, damit die Seele hinterherkommen kann und wir nicht als bleiche Zombies an unserem Ziel ankommen. Am Rheinsteig waren wir noch nie. Diese „Rhythmisierung“ hat sich inzwischen bewährt. Am nächsten Sonntag geht es dann auf ähnliche Weise wieder zurück ins heimatliche Augsburg, wobei noch nicht genau feststeht, wo wir pausieren werden.

Außer einigen Büchern(1) werde ich mir auch ein wenig Arbeit in den so fernen Norden mitnehmen. Da ist zum einen der 2. Teil von „Der Weg, der in den Tag führt“, an dessen letztem Kapitel ich arbeite (Ich veröffentliche hier trotz Pause an jedem Sonntag ein Stück von dem Roman – inzwischen kann man etwa 300 Seiten dieses Romans hier lesen) und werde mein Korrekturexemplar von „Nutzlose Menschen“ nach Fehlern durchgehen. Dieses Buch aus meinem „Jahrmarkt-in-der-Stadt“-Zyklus will ich Ende Juli in meinem kleinen, exklusiven Eigenverlag veröffentlichen (Hier kann man ein wenig reinlesen). Ich habe zwar inzwischen keinerlei Hoffnungen mehr, aber vielleicht interessiert sich ja doch jemand für meine Texte.

Der Weg ist das Ziel

Grüße, Nikolaus

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(1) Da ich mich mit meinen Urlaubslektüren immer dem Land anpasse, das ich besuche, habe ich diesmal den „Psalmenstreit“ von Maarten ‚t Hart und „Kriegslicht“ von Michael Ondaatje dabei – wobei letzterer etwas gemogelt ist, da er eigentlich ein kanadischer Schriftsteller niederländisch-tamilisch-singhalesischer Herkunft ist.

Zwei analoge Wochen

Nun ja. Die Wetteraussichten sind eher medioker bis saumäßig. Es soll in der nächsten Zeit in Südtirol ziemlich wolkenverhangen und regnerisch sein (1). Aber hat nicht mein Vater immer gesagt, dass es kein schlechtes Wetter, sondern nur eine schlechte Ausrüstung gebe? (2) Und er muss es eigentlich wissen, denn schließlich war er in jungen Jahren ein weitgereister Bergsteiger, der so berühmte Gipfel wie den Montblanc, den Ararat, den Kilimandscharo, den Popocatepetl und dazu auch einige 7000er im Himalaya erklommen hat – und das meist bei miesem Wetter.

So hoch hinaus wollte ich bei meinem obligatorischen Herbsturlaub nicht, der Frau Klammerle und mich – wieder einmal – ins eigentlich auch Anfang November sonnige Vinschgau führen wird; aber verwöhnt vom endlosen Sonnenschein dieses Jahres muss ich schon zugeben, dass ich ein wenig enttäuscht von den feuchten Aussichten bin. Meinen neuen Wanderführer habe ich mir in der letzten Woche wohl umsonst gekauft. Aber die von Frau Klammerle ausgesuchte Ferienwohnung im Martelltal hat zwar keinen Fernseher, aber eine große Wellness-Anlage mit Innenpool, dafür keinerlei Internet und ist ziemlich abgelegen und einsam. Wir werden also eher ruhige und stille Tage dort verbringen, wenig wandern, sondern viel lesen, Brettspiele spielen, reden, gut essen gehen oder italienisch kochen, ausspannen und eventuell mal einen Abstecher nach Meran (3) oder in die nahe Schweiz unternehmen. Meiner Ehe, die nun schon über 30 Jahre hält und mindestens noch einmal so lange dauern soll, tun solche Tage wirklich gut. Sie sind die Tankstelle, an der wir den Benzintank unseres Ehe-Vehikels wieder füllen.

Mein Smartphone (4) werde ich ganz bewusst daheim liegen lassen. Ich will mal wieder vollkommen analog sein, was mir im Sommerurlaub nicht einmal annähernd gelungen ist. Ich werde am 4. Geltsamer-Roman weiterschreiben, die Schlusskorrektur meines Ende November erscheinenden Romans „Die Wahrheit über Jürgen“ (5) durchführen und endlich die Erzählung „Heilende Wasser“ (6) fortsetzen. Mal sehen, wieviel davon ich schaffen werde und wie oft ich mit den besten Vorsätzen und mit Papier und Bleistift bewaffnet auf einer Saunaliege sanft entschlummern werde.

Der Blog – ihr seid das ja schon von mir gewöhnt -, wird wie ich eine Zeitlang ruhen. Vergesst mich nicht vollkommen. (7)

Bis bald und viele herzliche Grüße, Nikolaus


(1) Falls ihr nicht mehr wisst, was Regen ist: Das ist so eine durchsichtige Flüssigkeit, die aus niedrighängenden, dunkelgrauen Wolken fällt. Ihr müsst euch das so ähnlich wie unter der Dusche vorstellen. Früher, als ich noch ein Kind war, regnete es eigentlich das ganze Jahr.

(2) … also gut, ich gebe/gäbe es zu: Bei solchen Konjunktiv-Sätzen verlassen mich meine ansonsten recht zuverlässigen Deutschkenntnisse. Ich weiß nie, ob ich in diesem Fall „gebe“ oder „gäbe“ schreiben muss. Ich gebe/gäbe einiges, wenn mir mal jemand Schlaues die Regel für mich verständlich erklären könnte.

(3) Hans-Dieter Heun hat mir mal glaubhaft versichert, Meran besitze ein sogenanntes „Mikroklima“. Dort sei das Wetter immer gut, auch wenn es in ganz Südtirol regnen würde. Tatsächlich war ich schon mehrmals bei strömendem Regen in dieser Stadt. Ich nehme an, HD hat mir mal wieder einen Bären aufgebunden – er ist nach mir der größte Mythomane, den ich kenne.

(4) Ich habe mir erst vor zwei Jahren auf Druck von Frau Klammerle eines angeschafft, weil sie wollte, dass ich sie erreichen kann, falls ich mal auf der Autobahn im Stau stehe. Jetzt stehe ich zwar oft stundenlang auf der A8 und starre aphatisch in die Rücklichter meines Vordermanns, wenn ich von meinem Brotberuf heim nach Diedorf fahre, aber Frau Klammerle ist telefonisch nie zu erreichen, weil sie ihr Gerät entweder stummgeschaltet hat oder gerade in ein stundenlanges Telefonat verwickelt ist. Ich verweigerte mich jahrelang dieser Technik, denn kenne mich gut und weiß ganz genau, was für eine große Suchtgefahr für mich von so einem Smartphone ausgeht. Tatsächlich ist das Ding jetzt so eine Art von juckendem Hautausschlag, an dem ich ständig kratzen muss, auch wenn ich ganz genau weiß, dass ich das besser lassen sollte. Wie alle Handy-Süchtigen lasse ich mich dauernd von meinem Gerät ablenken und verschwende viel zu viel Zeit mit dem Ding. Vielleicht habe ich ja Glück und es geht bald kaputt.

(5) Ich habe den Roman zu drei Vierteln im Lauf dieses Jahres bereits in inzwischen 36 Fortsetzungen hier vorveröffentlicht. Diese Leseproben werde ich bald vom Blog löschen. Wer den Schluss von „Die Wahrheit über Jürgen“ lesen möchte, muss sich schon das Buch kaufen.  😉

(6) Den Anfang kann man hier lesen. Das nur der Vollständigkeit halber, denn ich weiß ja genau, dass niemand diesen Link anklicken wird.

(7) Ich bin einfach ein Fußnoten-Fetischist, aber das muss noch gesagt werden: Kauft meine Bücher, es lohnt sich für euch und ich kann mir dann noch mehr Urlaube leisten und noch mehr Urlaubsankündigungen mit noch mehr Fußnoten schreiben. Hach!

Dieser Herbst ist groß!

Ohne – wie das sonst meine geschwätzige, gut bayerische Art ist – große Worte zu machen: Was war das für ein fantastisches, traumhaft schönes, sensationelles Herbst-Wochenende, das da hinter uns liegt? Ich konnte es ausnutzen und im Karwendelgebiet wandern und jetzt bin ich immer noch bis an den Rand aufgefüllt von der Schönheit und der Wärme, die ich erleben durfte. Es werden auch wieder nassgraue, neblige Tage kommen, aber im Moment fürchte ich sie nicht. Herr, der Sommer war groß …

PS.: Und noch ein kleiner Insider-Tipp. Den weltbesten Käsekuchen gibt es in der Ammergauer Schaukäserei in Ettal. Ungelogen!

Wake me up when September ends! (Eine sommerliche Blogpause)

Die Bayerische „Rockantenne“ gehört zu den wenigen Sendern, die ordentliche Musik spielen (auch wenn sie auf dem Blues-Auge blind sind). Leider ist ihr Programm zumindest tagsüber recht eingeschränkt und es ertönen immer wieder die gleichen Songs. Damit unterscheiden sich sich kaum von den anderen Stationen, aber es ist immerhin größtenteils Rock, der da in Heavy Rotation läuft und nicht irgend ein Helene-Fischer-Xavier-Naidoo-Hiphop-Rhianna-Scheiß. Gelegentliche Fehlgriffe wie die neuen Trallala-Pop-Liederchen von den Toten Hosen (Tage wie diese) seien ihnen verziehen.

Man sollte den Redakteuren aber vielleicht einmal verraten, dass Frank Zappa auch andere Lieder als Bobby Brown einspielte, Pink Floyd mehr als Another Brick in the Wall kann, Alice Cooper auch andere Songs als School’s out und Poison hat und AC/DC-Stampf auch bei der hundertsten Wiederholung nicht besser wird. Nightwish jodeln gefühlt alle zehn Minuten Nemo, dann ertönt Lady in Black. Und wenn ich Sonntagmorgen beim Frühstück noch einmal Hotel California oder Behind Blue Eyes – beides eigentlich schöne Titel – höre, schmeiße ich mich aus dem Küchenfenster im Erdgeschoss. Auch ist es wenig sinnvoll, im Februar The Boys of Summer oder von Green Day Wake me up when September ends zu spielen. Obwohl mein jüngerer Sohn behauptet, von letzterem bekäme er immer Kopfschmerzen, ist das eigentlich ein nettes und auch sehr trauriges Lied, aber die Dauerschleife, in der es gespielt wird, nervt wirklich.

Warum erzähle ich euch das alles? Weil ich Lust dazu habe und weil ich und mein Blog jetzt endlich die verdiente und längst angekündigte Sommerpause machen, ‚till September ends. Um meinen 92jährigen Herrn Vater zu zitieren: „Es muss auch mal gut sein. Alles ist nur eine Weile schön.“

Ich lasse die Arbeit hier bis Mitte oder Ende September vollständig ruhen und schreibe offline meinen Roman „Der Weg, der in den Tag führt“ zuende, der im Winter erscheinen soll und das Prequel zu meiner Fantasy-Saga „Brautschau“ abschließt. Ich werde meinen Garten pflegen, cool in Biergärten chillen, mit Freunden grillen(1), faulenzen und in der Sonne liegen, dicke Bücher lesen, Nächte durchdiskutieren und mich in der Schnapsbrennerei versuchen. Dann mache ich noch Urlaub in Österreich, wandere mit Frau Klammerle im Tannheimer Tal und am Dachstein herum, wellnesse mit ihr dazwischen in einem Schilcher-Weingut in der südlichsten Südsteiermark. Ich werde acht Wochen lang keine neuen Artikel mehr veröffentlichen. Vergesst mich nicht vollkommen in dieser langen Zeit.

Diejenigen unter euch, die es ohne mich nicht aushalten, findet auf meiner Texte/Kontakt-Seite seit kurzem die Links zu meinen literatischen Texten im Blog und kann mir dort auch eine E-Mail schreiben, die ich selbstverständlich beantworten werde. Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn ihr den Mut aufbringen würdet, den Gegenwert eines Kaffees oder einer Pizza investieren und ein Buch von mir erwerben würdet – es vielleicht sogar irgendwo bewertet.

Ich grüße die zufällig auf meine Seiten stolpernden Gäste, meine Follower und Freunde, die mich hier trotzdem besuchen kommen. Ich wünsche uns allen einen wundervollen, sonnigen, erfrischenden und erholsamen Sommer voller Einsichten, Genuss und Erfahrungen.

Ich werde Kraft und Ideen sammeln und melde mich wieder zurück, wenn der September endet. Weckt mich bitte nicht vorher.

Liebe Grüße,

Eurer Nikolaus Klammer

Vielleicht begegnen wir uns ja zufällig auf einem einsamen Wanderweg hoch über der Welt …


(1) … komm doch einfach bei mir vorbei, wenn dir danach ist und du in meiner Nähe bist.

Ein Pilgergang zum Heiligen Berg (Alle Jahre wieder …)

andechs2

Einmal im Jahr hat jeder Bayer die staatsbürgerliche Pflicht, auf den Hl. Berg zu wallfahrten. Da der Ministerpräsident ihn schon im letzten Monat aufsuchte – wahrscheinlich aufgrund eines Bußgangs wegen der Affäre um die CSU-Nepoten – war es für mich heute ebenfalls an der Zeit, gen Andechs zu pilgern. Ich wählte den einzigen regenfreien, herrlich sonnigen Tag in dieser Woche. Man kann es mit der Buße nämlich auch übertreiben.

andechsEs führen viele Wege hinauf zu den bierbrauenden und zanksüchtigen Mönchen. Der Klassiker ist ein kurzer Aufstieg von Herrsching aus. Kommt man von Westen, kann man auch am Uttinger Bahnhof parken und vom nahen Landungssteg aus mit der Bayerischen Seeschifffahrtslinie übersetzen – mit einem wunderbaren Blick auf den Wetterstein. Zurück geht es dann durchs wildromantische Kiental. Aber bitte schön langsam und vorsichtig, denn der Weg führt dort stellenweise steil hinab und schon mancher hat beim Versuch, seiner prall gefüllten Blase am Wegesrand Erleichterung zu verschaffen, nicht nur sein Wasser, sondern auch sein Leben gelassen. (Ha! Was für ein Satz! Nehmt dies!)

Man kann als fußkranker Rentner oder lauffauler Oberbayer (vulgo: Münchner) auch bis zum Parkplatz unterhalb des Klosters fahren, aber das ist unsportlich und hat nicht den Segen der Kirche, deren Zwiebelturm noch oberhalb der Schwemme in den weiß-blauen Himmel deutet und mit dem Wallfahrtskloster aus dem 15. Jhd. ein durchaus sehenswertes Barockensemble bildet – wenn man denn auf den Bayerischen Barock, Votivtafeln und Schlangen vor den Toiletten steht.

Der schönste – und auch längste – Weg nach Andechs beginnt jedoch im Hof des sehenswerten Schlosses Seefeld am Pilsensee, in dem man auch baden kann. Das Schloss ist in Privatbesitz derer von Toerring (ja, genau, die brauen ebenfalls Bier) und kann nicht besichtigt werden, aber in den ehemaligen Stallungen und Wirtschaftsgebäuden haben sich einige nette Läden, Kunsthandwerker und ein Kino angesiedelt. Hinter dem Schloss beginnt ein gemütlicher, durchaus pittoresker (ha!) Wanderweg, der sich bis auf wenige Stellen ordentlich markiert Richtung Andechs schlängelt. Im Zweifelsfall hält man sich an diese unscheinbare Wandermarkierung:

andechs4Man läuft auf dem im Moment nach dem Dauerregen etwas matschigen Weg etwa 1 ¾ Stunden bis 2 Stunden (8 km) an schängelnden Bächen entlang, durch lichte Wälder und über Wiesen, hat zwischendurch einen schönen Blick auf den Ammersee und immer mal wieder kommt einem in der Ferne das Ziel vor Augen. Erst ganz kurz vor Andechs verliert sich plötzlich der Weg in einem Acker und man muss aufpassen, dass man bei den ausgedehnten Bärlauchfeldern den Ochsengraben verlässt und ihn auf der Seefelder Straße überquert. (Man kann auch kurz steil über den Tobel absteigen, auf der anderen Seite hinauf und kommt dann am Klostergarten vorbei zur Wallfahrtskirche hinauf.)

andechs3Dann hat man es aber auch nicht mehr weit – eine kurze Durststrecke einen schattenlosen, gekiesten Weg entlang und man steigt durch die Anlagen der Brauerei zur Schwemme empor, dabei ein paar Trödler überholend – und erreicht den wahren Himmel der Bayern: Den geschäftigen und lärmigen Andechser Biergarten, das Ziel der Wallfahrt. Jetzt holt man sich einen dunklen Doppelbock, eine Breze, einen Radi, einen Kas und einen Krautsalat (wenn man keine Brotzeit mitgebracht hat, denn in Bayerischen Biergärten darf man sein Essen selbst mitbringen) oder, wenn man kein Vegetarier ist und Lust hat, eine halbe Stunde an der Essensausgabe anzustehen, die klassische Schweinshaxe und feiert unter den großen Sonnenschirmen sein Leben und die Glückseligkeit, am Leben zu sein.

Der Weg zurück ist dann lang genug, dass man ein wenig ausnüchtert und im Schloss Seefeld wieder durstig und hungrig ankommt. Gut, dass es dort auch ein Bräustüberl mit einer für bayerische Verhältnisse großen fleischfreien Karte gibt …

 

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Ergänzung 2014 Es ist mal wieder an der Zeit. Die göttliche Gnade ist aufgebraucht und ich brauche einen neuen Schub Heiligkeit. Deshalb werde ich heute auf den Hl. Berg pilgern (nein, ich meine nicht Tabor, Herr Heun, sondern Andechs) und mir im dortigen Biergarten bei Doppelbock und einer selbstmitgebrachten Brotzeit meine jährliche Ration an katholischer Labsal und Seelenfrieden abholen. Dann muss es aber auch wieder gut sein für die nächsten zwölf Monate. Der pittoreske (ha!) bayerische Barock ist wie der Genuss von Zuckerwatte: Die erste Portion ist zwar klebrig und knirscht zwischen den Zähnen, aber sie ist doch schön. Von der zweiten wird mir schlecht.

Diesmal werden Frau Klammerle und ich den Berg nicht wie im Vorjahr auf Schusters Rappen erklimmen, sondern einen Abschnitt des launigen Ammersee-Radrundwegs nehmen, von dem wir für diesen kurzen Umweg abweichen wollen.  Das sind knapp 30 km hügeliges Auf und Ab, leider nur selten am See entlang, da die Grundstücke direkt am Ufer den „Großkopferten“, Unternehmern und CSU’lern, gehören und das Vogelschutzgebiet im Schwemmland der Ammer einen größeren Umweg erfordert. Am Starnberger See ist es allerdings noch schlimmer, dort kommt man außer an den Badeanstalten überhaupt nicht ans Wasser. Der Ammersee, den die Augsbürger kürzlich in spontaner Begeisterung in „Schwäbisches Meer“ umgetauft und am 1. April auch auf den Straßenschildern umgeändert haben, als zum Ärger der oberbayerisch königstreuen Herrschinger ein neuer Dampfer der Seeschifffahrt auf den Namen der schönsten Stadt Bayerns getauft wurde, ist glücklicherweise besonders auf dem Westufer noch etwas normaler und bäuerlicher geblieben. Auf unserem Weg liegen z. B. Utting mit seinem schönen alten Strandbad und das „Künstler“-Dorf Dießen mit  berühmtem Töpfermarkt und üppig spätbarockem Augustiner-Chorherrenstift.

Ich wünsche meinen Freunden und Lesern einen wunderschönen sonnigen Freitag. Meiner wird bestimmt traumhaft.

Und so war es im letzten und auch im vorletzten Jahr und so wird es auch diesmal sein. Das Glück der Wiederholung:

Andechs

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Ergänzung 2016 Aus aktuellem Anlass wieder nach oben geholt. Heute geht es mit der ganzen Familie auf den Hl.  Berg und wir starten wieder – siehe unten – am Pilsensee. Die Brotzeit ist schon in die Rucksäcke gepackt, die Wanderschuhe vom Dreck unserer Alpentour gereinigt und die kurzen Hosen, unter denen sich muskulöse, wohl definierte Waden der Sonne, den Mücken und den Zecken aussetzen, gewaschen. Ich trage dem Anlass angemessen ein weißblaues Hemd und werde diesmal auch keinen Krug klauen.

Aber ich  werde eine Kerze für diejenigen anzünden, die meine Texte lesen …

Ich gebe es zu: Ich bin süchtig; süchtig nach Wandern. Die letzten zwei Wochen haben mich wieder voll auf Droge gebracht und deshalb kann ich nicht mehr aufhören: Morgen werden Frau Klammerle, Sohn Nr. 1 (er hat gerade seinen Master in Biologie mit 1,3 gemacht) und meine Wenigkeit für ein paar hoffentlich sonnige Tage in den Bregenzerwald fahren und dort unsere Sucht ausleben. Nicht vergessen: Der Weg ist das Ziel!

Bis demnächst.

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Ergänzung 2018 Falls es einen Himmel gibt und ich tatsächlich – was ich bezweifle – das unverdiente Glück habe, dort anzukommen, hoffe ich, dass es dort in Ewigkeit immer gleich bleibt; sich nichts ändert. Eine Vorschau auf dieses Paradies bietet der Fußweg von Schloss Seefeld nach Kloster Andechs, auf dem ich gestern mal wieder genusswanderte. Hier ändert sich niemals etwas. Auch wenn man ein Jahr mal auf die Wallfahrt verzichtet hat, kennt man doch jede knorrige Buche, alle in den Weg ragenden Wurzeln und jede Matschpfütze. Ich habe sogar das Gefühl, es sind sogar die gleichen Insekten und Vögel, denen ich auf den Wegen begegne. Menschen sieht man hier nur selten. Alles war wie immer und alles war schön. So soll das sein.

Herauszuheben ist unbeding noch die italienische Eisdiele, die auf dem Heimweg einen kleinen Abstecher nach Innig lohnt.

 

 

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