Aber ein Traum …

Autorer als andere Autoren

Archiv für das Schlagwort “Trilogie”

Die Bücher sind da!

Gestern hat der nette Paketbote von der DHL endlich das ersehnte Paket von meiner Druckerei gebracht und ich bin schließlich doch noch in den Besitz meiner beiden bisher erschienen „Brautschau“-Romane mit den von mir selbst gestalteten neuen Coverbildern gelangt. Ich finde, sie sind mir gut gelungen und machen hoffentlich Lust auf den spannenden Inhalt. Vielleicht locken diese Titelbilder ja ein oder zwei neuer Leser an. Vergesst nicht, in nur 35 (in Worten: fünfunddreißig) Tagen ist Weihnachten! Diese Bücher machen sich perfekt unter dem Gabentisch und kann sich während der Tage zwischen den Jahren in ihren Seiten und Geschichten verlieren. Wie angekündigt, wird noch in diesem Jahr der 2. Band der Karukora-Trilogie erscheinen, dessen erstes Kapitel (120 Seiten) ihr hier lesen könnt. Für Lesestoff ist also gesorgt.

Nebenzu: Ich höre immer wieder die bedauernde Ausrede „Das sind zwar tolle Bücher, aber ich lese eigentlich keine Fantasy.“(1) Ich finde es schade und auch ein wenig verbohrt, einfach ein Genre auszuschließen und sich damit einen großen Lesegenuss zu verschließen. Denn einige Werke, die der deutsche Leser überheblich einem Genre zuordnet und damit den Stempel „minderwertig“ verpasst, sind Weltliteratur (z. B. „Gormenghast“ von Mervyn Peake(2)). Marcel Reich-Ranicki hat zum Beispiel grundsätzlich keine Kriminalromane gelesen und wahrscheinlich auch nie einen SF- oder einen Fantasyroman in der Hand gehalten. Wir arm und karg muss die Lektüre des Kritikerpapstes gewesen sein! Es ist wie mit Loriots Möpsen. Ein Leben ohne Genreliteratur ist möglich, aber sinnlos. Keine Angst. Bei mir gibt es keine Elfen oder Orks und auch keine Zauberei und Fantasy habe ich es nur genannt, weil mir kein adäquater anderer Begriff zur Verfügung stand – Sage oder Märchen würde zwar auch passen, führt aber ebenso in die Irre.

Aber genug geplappert. Lest meine Bücher, verflixt!

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(1) Dabei weiß ich genau, das die Hälfte dieser Leute überhaupt nichts lesen!

(2) Kennst du nicht? Das ist wirklich eine Sünde. „Gormenghast“ zählt zu den zehn besten Büchern, die ich in meinem Leben gelesen habe.

Die Verliese des elfenbeinernen Palastes – Was bisher geschah …

Wie ich gestern ausführte, werde ich in den nächsten Wochen intensiv an dem 2. Band meines Fantasy-Epos „Der Weg, der in den Tag führt“ arbeiten, damit ich den Roman bis zum Ende des Jahres abschließen kann. Deshalb gibt es heute schon einmal eine kleine Zusammenfassung des 1. Teiles „Karukora“, der auch am Anfang des Buches zu finden sein wird. Ich denke, das ist ein Dienst am Kunden, vor allem, wenn es vielleicht schon ein Jahr oder länger her ist, dass man den Einstiegband gelesen hat. Nur wenige besitzen das Gedächtnis, sich an die Verwicklungen der Handlung und die Namen der Protagonisten zu erinnern.

Eine aktuelle Daguerrotypie des „Elfenbeinernen Palastes“ aus dem Jahr 5875 im 14. Jahr der glorreichen Regierung des „Unterwerfers“

Was bisher geschah

In den Überlebenden Landen herrscht der heiße Sommer des Jahres 5879 nach der Großen Welle, die die alte Welt der Vorgän­ger zerstörte. Der Stadtstaat Karukora ist auf der Höhe seiner Macht. Das Juwel der Wüste, wie die große Stadt auch ge­nannt wird, befindet sich inmitten unwegsamer Wüs­teneinöden und westlich der Ebenen des Ewigen Krie­ges, wo sich seit Jahrtausenden drei Robo­terarmeen Nacht für Nacht eine erbitterte und doch nie endende Schlacht liefern, die keinen Sieger kennt. Aber Karuko­ra liegt auch am Kreuzungspunkt der wichtigsten Han­delsrouten der Überlebenden Lan­de im Mündungsdelta des vielbefahrenen gewaltigen Stromes Ma­rat ins Süd­meer. Die Stadt wird seit ihrer frühesten urkundlichen Erwähnung im Jahr 3126 von einer Ab­folge von Herr­scherfamilien regiert, deren erste, die so­genannte Bingh-Dynastie, sich direkt von dem legendä­ren Grün­der des Stadtstaats herleitete, dessen Name im Dunkel der Zeit verlorengegangen ist. An der Spitze des Staa­tes steht deshalb seit vielen Jahrhunderten der sogenannte Namenlose Herrscher, der, von seinem Diwan und sei­nem Vezir-Bey beraten, vom Falken­thron des Elfenbein-Pa­lasts aus die Geschicke der Stadt und der umliegen­den Wüsten- und Oasenland­schaften bis hinauf zum Helmgebirge und den Gro­ßen Wall lenkt. Dort grenzt das Herrschaftsgebiet der Namenlosen an das Königreich der Lamargue, mit der Karukora jahrhundertelang in Grenzstreitigkeiten und kriegerische Auseinanderset­zungen verwickelt war und sich heutzutage in einem prekären und brüchigen Waffenstillstand befindet.

Der augenblickliche Herrscher, der sich auch der „Unterwerfer“ nennen lässt, entstammt der relativ jungen Bişra-Dynastie. Sein machtgieriger und intriganter Vezir Ómer Sud, mit dessen hochschwangerer Tochter Eóra der Namenlose ver­mählt ist, plant dessen Sturz, um sich selbst zum Re­genten zu machen und seine eigene Sud-Dynastie zu begründen. Ómer hat sich für seinen Putsch mit dem mächtigen General Paşha Ultem verschworen und will auf einem Gastmahl zuschlagen, das er für Regno Raul IV., den Fürsten der Lamargue, ausrichtet. Dieser be­findet sich gerade von seiner Entourage und seinem Geheimdienstchef Idrichson Galves, der die „Schwalbe von Avríl“ genannt wird, zu diplomatischen Beratungen und Handelsgesprächen in Karukora. Auch die oberen Zehntausend Karukoras und Miladí da Hiver, die rät­selhafte Botschafterin des technologisch fortschrittli­chen 5-Städte-Bundes weit im Osten der Überlebenden Lande, sind zu dem Fest eingeladen, das Ómer mit gro­ßem Aufwand geplant hat, um seine Gäste mit der Überlegenheit der Karukorer Kultur zu beeindrucken. Er erhofft sich gleichzeitig ihre Unterstützung bei sei­nem Handstreich, der ihn an die Macht befördern soll. Doch sein Festmahl, dessen Höhepunkt ein Vortrag des berühmten alten Märchenerzählers Alis Dabinghi sein soll, ruft noch andere Verschwörer auf den Plan, von denen Ómer nichts ahnt.

Druşba es Sakr, die geheimnisvolle Anführerin der legendären Karukorer Assassinengilde „Kalte Hand“, plant an diesem Abend ein bezahltes Attentat auf den hühnenhaften Regno, den man auch als den „Bären von Jasir“ bezeichnet. Der Auftraggeber für diese Mordtat bleibt zwar noch im Verborgenen, aber Meister Adelf von Süderbal, der Botschafter des Mönchsstaats Italmar in Karukora, erfährt durch einen Zufall von dem Komplott. Doch bevor er den Regno oder jemanden anderen warnen kann, wird er von der „Kalten Hand“ aus dem Weg geräumt. Allerdings kann er eine Botschaft hinterlassen, die der Mönchsadept Sahar findet, der sich eigentlich in Karukora aufhält, um nach dem abtrünnigen Meister Siebenhardt zu suchen, der von Italmar wegen Ketzerei gesucht wird. Sahar überredet die skeptischen Raul und Galves, dass auch er als ein weiterer Märchenerzähler verkleidet an dem Fest teilnehmen kann, um die Assassinen auf frischer Tat entlarven und ihren Anschlag vereiteln zu können.

Auch der alte Alis Dabinghi hat eigene Pläne für das Fest. Er lebt mit seinem Enkel Selin, dessen Mutter bei seiner Geburt starb, und mit seiner älteren Tochter Sirtis in ärmlichsten Verhältnissen in den Slums von Karukora, denen er entfliehen möchte. Er will den Abend des Fests dazu nutzen, um mit der Hilfe eines Dieners von Ómer, seinem stummen, alten Freund Muhar, einen wertvollen Schatz aus dem Elfenbein-Palast zu stehlen. Diesen Raub soll für ihn der junge und geschickte Selin durchführen, während Alis selbst auf der Bühne steht und eines seiner Märchen vorträgt. Das Objekt seiner Begierde ist der „Weg, der in den Tag führt“. Dabei handelt es sich der Sage nach um eine Karte oder eine Wegbeschreibung, die eine Möglichkeit aufzeigt, wie man unbeschadet die Ebenen des Ewigen Krieges durchqueren kann, um zu der legendären Stadt des Friedens und des Glücks Pardais zu gelangen, die inmitten des Schlachtfelds liegt. Soweit Alis, der ein direkter Nachfahre der Bingh-Dynastie ist, aus den Familienüberlieferungen weiß, ist „Der Weg, der in den Tag führt“ in einem Geheimfach im Falkenthron direkt im Thronsaal des Elfenbein-Palasts verborgen. Da Selin zwar seinem Großvater gehorsam, aber kein Dieb ist, macht Alis einen Vertrag mit der Diebeszunft von Karukora, ihn bei einem Raub zu unterstützen. Diese schmuggelt zwei ihrer Mitglieder auf das Fest, die Selin unterstützen sollen: Das sind Jalah, die Dienerin von Semira Binsa, die mit ihren reichen Eltern ebenfalls an dem Fest teilnimmt und Selins heimliche Geliebte ist, und der geheimnisumwitterte Meisterdieb Ludo sorriento, der sich als der Kaufmann Juel aus dem 5-Städte-Bund ausgibt und niemand anderer als der von Sahar gesuchte ehemalige Meister Siebenhardt ist.
Schließlich beginnt Ómers Gastmahl und während sich Sahar und Alis vor den hohen Gästen ein Duell liefern, wer von ihnen der beste Märchenerzähler ist, machen sich Selin und Juel heimlich in Richtung Thronsaal auf, um den „Weg, der in den Tag führt“ zu rauben. Auch Jalah schleicht sich davon. Sie wird von der neugierigen und aufmerksam gewordenen Semira verfolgt, die sich fragt, was ihr Freund und ihre Dienerin vorhaben.

Der traditionelle Satz, mit dem ein Märchenerzähler zum Schluss seines Vortrags kommt, lautet: „Aber das ist eine weitere Geschichte nach der Geschichte und ich will sie euch an einem anderen Tag erzählen.“ Ómer hat mit Paşha Ultem verabredet, dass diese Worte, wenn sie Alis ausspricht, das Signal sein sollen, ihre Palastrevolte gegen den Namenlosen zu starten. Doch auch der ehrgeizige General hat seine eigenen Pläne. Er hat den Vezir gemeinsam mit dem Seneschall Radik Emre an den „Unterwerfer“ und an die Elitesoldaten des Namenlosen, die „Treuwacht“, verraten und vereitelt mit seiner Truppe Wüstenkriegern den Putsch. Ómer wird sofort verhaftet und ins Verlies des Palasts gebracht. Das Gastmahl könnte nun weiter-gehen. Doch in diesem Augenblick stürzt der Regno Raul von seinem Stuhl. Er wurde von den Assassinen der Kalten Hand vergiftet.

Ein paar Stunden vor diesen Ereignissen, kurz vor Sonnenuntergang, nähert sich ein Eselsgespann, das von einer dicken Frau auf dem Kutschbock gelenkt wird, der großen Alhaşra-Karawanserei vor den Toren von Karukora …

Ab morgen werde ich als Leseprobe und zum Reinschmecken das über 100 Seiten lange, längst überarbeitete und fertige 1. Kapitel des Romans in Fortsetzungshäppchen veröffentlichen. Dessen Inhalt, eine Geschichte, die am Großen Feuer der Karawanserei erzählt wird, kann auch gut ohne Kenntnisse des ersten Teils gelesen werden. Obwohl ich schon lange nicht mehr daran glauben mag: Vielleicht findet sich ja unter meinen ach so schweigsamen Followern und Blogbegleitern ein Leser, der mich auf dieser Reise begleiten und den einen oder anderen Kommentar abgeben möchte.

 

Kampf um Karukora – ein Werkstattbericht

Bis Ende Dezember, also pünktlich zum Weihnachtsgeschäft und den Tagen zwischen den Jahren, in denen die meisten Literaturbegeisterten viel Zeit zum Lesen haben, wollte ich eigentlich meinen Roman „Die Verliese des elfenbeinernen Palastes“ fertigstellen, der der zweite Band der „Der Weg, der in den Tag führt“-Trilogie werden soll.

Nun zeigt sich aber immer deutlicher, dass dies ein sehr sportlicher Termin ist, den ich mir da leichtsinnigerweise in den Kalender geschrieben habe. In den letzten Wochen und Monaten habe ich immer wieder erheblich in die Struktur des Buchs eingreifen müssen, weil ich beim endgültigen Überarbeiten des Buchs feststellen musste, dass das Fundament, auf dem die Handlung ruht, insgesamt mehr Breite, Stabilität und Tiefe benötigt. Glaubt einem alten Hasen:

Nichts ist schwieriger für einen Autor, als am Mittelteil einer Trilogie zu schreiben.

Der zweite Band ist wie eine Waage, auf deren Schalen der 400 Seiten lange und damit recht gewichtige, im letzten Jahr erschienene, 1. Band „Karukora“ und der noch zu schreibende Abschlussband „Der Schatten über Paradis“ liegen. Der Mittelteil ist das Zünglein an dieser Waage. Diese ausgleichende Mitte muss den Leser des 1. Teils abholen und seine Erwartungen erfüllen, ihn mit einer spannenden Handlung an der Hand nehmen und ohne größere Umwege vor die Tore des 3. Teils transportieren. Dabei sollte der Plot sinnvoll fortgesetzt und ausgebaut werden, mann muss Dinge erklären und Geheimnisse aufdecken, die bisher noch im Dunkeln verborgen lagen, und den Figuren, die ja noch einen fetten, aktionreichen Schlussroman tragen sollen, mehr Tiefe verleihen. Insgesamt musste ich als Autor mehr Farben und vor allem Zwischentöne auf meine ohnehin schon sehr bunten Palette haben. Das Universum, in dem die Geschichte spielt, muss sich sinnvoll und auch logisch erweitern, neugierig auf mehr machen. Das alles darf aber auch nicht ausarten, wie es z. B. George R. R. Martin(1) oder Patrick Rothfuss(2) geschehen ist, die wohl nie mehr aus dem Labyrinth des Mittelteils ihrer Geschichten herausfinden werden und lieber kleine Nebennovellen oder Prequels schreiben, als ein Ende zu finden. Diese Versuchung kenne ich gut. Ein Autor hat unverschämtes Glück, wenn er Leser findet, die ihm dabei über viele Jahre die Stange halten. Es ist wie mit dem Rauchen: Das Anfangen ist leicht, das Aufhören schwer. Das liegt auch daran, dass viele Autoren – ich nehme mich da nicht aus – zu Beginn gar keinen oder nur einen oberflächlichen Handlungsentwurf haben und während des Schreibens am ersten Teil von ihren eigenen Einfällen wie ein Ast von einem strudelnden und reißenden Bergbach mitgerissen werden und es ihnen im Anschluss kaum mehr gelingt, in ruhigeres Fahrwasser zu gelangen und zu einem befriedigenden oder auch nur logischen Abschluss zu kommen. Oder glaubt hier jemand, J. K. Rowling hätte das heillose Durcheinander der letzten Potter-Bände am Anfang geplant? Wahrscheinlich hätte sie die Serie nie zuende gebracht, wenn ihr kein Verlag im Nacken gesessen wäre.(3)

»Der Weg, der in den Tag führt«

Gleichzeitig muss im Mittelteil noch viel Luft nach oben bleiben, denn der Höhepunkt ist eindeutig der Schlussband, in dem man „aus allen Rohren feuern“ muss. Für mich hieß dies, dass ich etwa 100 Seiten(4) von „Der Schatten über Paradis“ vom Anfang des Buchs in den 3. Teil verschieben musste, wo sie nun den Prolog bilden. Andere Textteile wurden hin- und hergeschoben, eine große Rückschau als neuen Prolog eingefügt und etliche Handlungslücken, die mir erst beim Überarbeiten auffielen, ergänzt. Einige wichtige Handlungsträger wie z. B. der „Namenlose“, seine Frau Eóra, der Senneschal Radik Emre oder General Ultem, die im ersten Teil noch sehr kursiv eingeführt wurden, benötigten danach eine ausführlichere Beschreibung ihres Charakters und ihrer Beweggründe. Die Bösen müssen ausgefeilter und Vielschichtiger sein als die Helden. Den Schluss des Romans musste ich vollkommen neu schreiben, um den 3. Teil vorzubereiten und auf einen noch gemeineren „Cliffhanger“ als am Ende von „Karukora“ zusteuern. Das ist alles viel Arbeit, doch noch habe ich die Hoffnung, sie in den nächsten beiden Monaten abschließen zu können – auch wenn „Die Verliese des elfenbeinernen Palastes“ vielleicht erst Anfang 2020 in den Buchläden auftauchen werden. Nun, ich denke, meine Leser werden sich noch gedulden und vielleicht in der Zwischenzeit noch einmal den 1. Band lesen, damit sie wieder in der Handlung sind.

Deshalb ruhte in diesem Jahr auch meine Arbeit an meinem persönlichen Lieblingsbuch „Dr. Geltsamers erinnerte Memorien“, deren zwei Abschlussbände ich mir endlich im nächsten Jahr vornehmen und zu einem hoffentlich befriedigenden Ende führen werde.

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(1) Wir hätten das Ende seiner „Game-of-Thrones“-Sage nie erfahren, wenn ihm nicht ein riesiger Konzern in Nacken gesessen hätte, der ihn zwang, die Handlung der nach seinen Romanen gestalteten Fernsehserie zu einem – übrigens äußerst schlampigen, fahrigen und auch unausgegorenen – Ende zu bringen. Ich glaube auch nicht, dass Martin die Serie in Buchform beendet. Wie man hört, schreibt er inzwischen an einem Prequel, das tausend Jahre vorher spielt. Viel Erfolg beim Mittelteil!

(2) Patrick Rothfuss – „Die Königsmörder-Chroniken“. Das kennst du nicht? Das ist wirklich eine Bildungslücke, auch für Leute, die eigentlich keine Fantasy-Romane lesen und mögen. „Der Name des Windes“ und „Die Furcht des Weisen“ sind die beste Fantasy nach „Ghormengast“ von Marvin Peake (oder meinetwegen auch J. R. R. Tolkien, den ich allerdings für vollkommen überschätzt, rassistisch, misogyn und insgesamt britisch-langweilig halte). Der abschließende Band der Trilogie namens „The doors of stone“ ist seit über einem Jahrzehnt angekündigt, aber wird wohl nie mehr erscheinen. Lieber schreibt Herr Rothfuss Novellen zu einen Hauptfiguren.

(3) Von Douglas Adams wird kolportiert, dass sein Verleger bei ihm vor der Haustür kampierte, damit er endlich die „Anhalter“-Romane vollendete.

(4) Jeder Roman der Trilogie soll etwa 400 Seiten, resp. um die 100.000 Wörter, lang werden.  Im Moment existieren etwa 850 Seiten von der „Der Weg, der in den Tag führt“-Trilogie. Von der Anschluss-Trilogie „Brautschau“ gibt es noch einmal so viele Seiten. Jemand wie Tad Williams mag darüber lachen, für mich ist das ganz schön viel Holz.

Des Dilemmas 2. Teil oder „Aus 2 mach 3“

Oje!

Je länger und intensiver ich am 2. Teil meines Romans „Der Weg, der in den Tag führt“ arbeite, um so deutlicher wird mir, dass die Geschichte um die Wüstenstadt Karukora viel, viel länger wird, als ich es dachte. Ursprünglich als Erzählung mit etwa 35.ooo Wörtern geplant, hatte bereits der 1. Teil, den ich im Februar veröffentlichte, über 90.000 Wörter. Beim zweiten Teil, der im Winter in den Regalen stehen soll, bin ich im Moment bei 70.000 Wörtern angelangt. Aber ein baldiges Ende ist noch nicht abzusehen, wenn ich die Geschichte jetzt nicht abwürgen und sie sauber auserzählen will. Deshalb werde ich – schweren Herzens, denn meine Leser/innen wollen ja nicht ewig auf die Fortsetzungen warten – die Geschichte nicht, wie im Frühjahr geplant, in zwei, sondern in drei Teilen veröffentlichen. Damit wird aus einer kleinen Erzählung von etwa 150 Seiten eine Roman-Trilogie von 1200 Seiten entstanden sein. Damit ist die Prequel-Reihe zu „Brautschau“ länger als die bisher entstandenen Teile der Haupterzählung, zu der ich eigentlich ganz gerne zurückkehren will.

Also sieht mein Plan im Moment so aus:

Der Weg, der in den Tag führt
Prequel zur „Brautschau“-Trilogie

Brautschau
Trilogie

Die Zauberlehrlinge von Italmar
Prequel zur „Brautschau“-Trilogie

 – Falls jemand von euch preiswert in das große Abenteuer einsteigen möchte: Die E-Book-Ausgaben von „Der Weg, der in den Tag führt – Teil 1“ (400 Seiten) und von „Meister Siebenhardts Geheimnis“ (600 Seiten) gibt es gerade überall im Buchhandel für lächerliche 99 Cent –

Ich hoffe, wir werden das Ende dieser Geschichten alle noch erleben … bevor uns der schwarze Màni aufs Haupt fällt.


PS.: Wie gefallen euch eigentlich die Cover meiner Bücher? Da ich leider keinen Illustrator oder Maler kenne, der sich meiner Werke annehmen will, muss ich alles selbst machen.

Der Weg, der in den Tag führt, Teil II: Pardais – Prolog (1)

Der Weg, der in den Tag führt
Teil 2: Pardais

 

Prolog
Esda in der Tiefe

Esda war kurz abgelenkt gewesen und nun hing ihr Überleben an einem zum Zerreißen gespannten seidenen Faden – und dies wortwörtlich. Sie hatte sich nur kurz nach einem der Spinnenroboter umgesehen, der an der Wand des Felsengangs in ihrer Augenhöhe an ihr vorbeigehuscht war und sie durch sein plötzliches Auftauchen erschreckt hatte. Dabei nahm sie das Licht ihrer Blendlaterne für einen Moment von dem Schienenstrang, dem sie folgte, richtete ihren Strahl gegen die Wand und machte dabei nur einen unachtsamen Schritt nach vorn.

Es war der eine Schritt zuviel. Sie blieb mit dem Schienbein an einem etwa dreißig Zentimeter über den Boden quer durch den Gang gespannten Draht hängen. Er war mit irgendeiner tödlichen Anlage verbunden, die sich durch ein lautstarkes Klicken links von ihr bemerkbar machte. Esdas Reflexe waren auf solche Hindernisse geschult und sie verharrte sofort regungslos auf der Stelle. Der Draht wurde von ihrem Bein aufs Äußerste gespannt. Er konnte jeden Moment reißen und die Falle endgültig auslösen. Sie hielt die Luft an und stieß nur einen leisen Fluch in ihrer Sprache aus.

»Drschbar! – Diese Mistviecher!«

Diese Roboter, die die bruchstückhaften Schriften auf der heiligen Wand des Großen Tempels von Es Sakrat „Deltas“ nannten, waren etwa handtellergroße Geschöpfe der Vergangenen Menschen mit vielen haardünnen Spinnenbeinchen. Sie waren zwar vollkommen harmlos und nicht interessiert an den Menschen in der Tiefe, die sie wahrscheinlich nicht einmal wahrnahmen. Aber jetzt hatte sie wegen einer dieser Roboter, die hier unten in diesen Gängen nahe der Bunker die Ratten ersetzten, vielleicht ihr Leben verwirkt.

Esda rutschte mit ihrem Bein, das den gespannten Stolperdraht hielt, einen Millimeter zurück, um den Druck ein wenig zu mildern. Noch wagte sie es nicht, weiter zurückzutreten, denn sie nahm an, dies könnte den gleichen Effekt hervorrufen wie ein Durchtrennen des Drahts. Als erstes musste sie aufmerksam ihre Umgebung erkunden. Sie leuchtete mit ihrer Kaltlichtlampe nach unten. Erschrocken zog sie scharf die Luft ein. Es war kaum zu glauben, dass der dünne Kupferdraht noch nicht gerissen war, so weit, wie sie ihn mit ihrem Schienbein nach vorne durchdrückte. Sie verfolgte seine Herkunft mit ihrem Licht nach links, von wo aus das klickende Geräusch ertönt war. Sie erkannte eine Sprengfalle, wenn sie eine sah, denn sie war hier im unterirdischen Schienennetz, wo sie ihrem Beruf als Sammlerin nachging und nach Artefakten der Altvorderen suchte, schon einigen begegnet. Sie hatte einige Erfahrungen mit ihnen und wusste, wie sie mit ihnen umzugehen hatte. Dieses Exemplar war an der Seite einer angelaufenen silbrigen Tragesäule montiert, die in regelmäßigen Abständen links und rechts die niedrige Decke stützten und an eine Entschärfung der Bombe war nicht zu denken. Die Sprengladung war nicht einmal sehr groß, aber sie würde Esda zerreißen, wenn sie sich ihrer Wucht direkt und ungeschützt aussetzte.

Hier waren Augenmaß und Millimeterarbeit gefragt. Mit äußerster Vorsicht schob sie ihr Bein zur rechten Seite und gleichzeitig wieder etwas nach vorne, um den Druck auf der kupfernen Reißleine aufrecht zu erhalten. Ihr Ziel – die bröcklige Wand, an der das andere Ende des Drahtes befestigt war -, war zwar nur zwei Meter von ihr entfernt, aber bei ihrem langsamen zur Seite rutschen noch eine ganze Stunde von ihr entfernt. Bald begann sie in dem schwülen Höhlengang, in den durch die verstopften Belüftungsschächte nur wenig frische Luft drang, zu schwitzen und die salzigen Tropfen rannen ihr über das Gesicht und fielen ihr vom Kinn. Der Schweiß lief ihr den Rücken hinunter und färbte ihr dünnes, rotes Hemd dunkel. Die Hand, mit der sie die kleine Lampe hielt, begann zu zittern und nachdem sie nach einer gefühlten Ewigkeit etwa die Hälfte zwischen ihrem ursprünglichen Standort und der Wand zurückgelegt hatte, begann in ihrem nach vorn gestreckten Bein ein aufgeregter Ameisenhaufen zu wimmeln; es starb ihr langsam ab. Trotzdem ließ Esda für keinen Moment in ihrer Aufmerksamkeit nach und ließ sich nicht aus dem Konzept bringen.

Ihr Plan – der einzige, bei dem sie eine kleine Chance hatte, die unvermeidbare Explosion des Arbeitsamen-Sprengsatzes zu überleben -, war es, die rechte Wand zu erreichen, an der sie in Sprungweite vor sich eine Spalte im Fels entdeckt hatte, die breit und hoffentlich auch tief genug war, um sie aufzunehmen und zu schützen. Vielleicht war an dieser Stelle einmal ein Versorgungsschacht von dem Stollen abgezweigt. Doch noch war sie längst nicht an ihrem Ziel angelangt, von dem aus sie den Sprung hinein in diese Felsspalte wagen wollte. Esda war klar, wie viel bei ihrem verzweifelten Versuch, auf diese Weise ihr Leben zu retten, schiefgehen konnte. Aber sie schob den Gedanken und den Ärger darüber, in welche fatale Lage sie die Arbeitsamen gebracht hatten, weit von sich. Sie durfte sich bei ihrer Anstrengung von nichts ablenken lassen und mühte sich deshalb um einen gleichmäßigen und ruhigen Atem, während sie ihre Seitenbewegung mit der größten Behutsamkeit fortsetzte.

Hoffentlich reichte der Strom im Akku, der das Licht ihrer Dynamo-Taschenlampe erzeugte, noch aus! Sie hatte das Gefühl, der Lichtkegel würde langsam trüber und gelbstichiger. Sie konnte im Moment unmöglich in ihre Umhängetasche fassen und die Kurbel hervorholen, mit deren Hilfe sie durch schnelles Drehen die Batterie wieder laden konnte. Würde ihre Lampe verlöschen, dann wäre sie von vollkommener Finsternis umgeben und ihr Versuch, der Explosion der Stolperfalle zu entkommen, zum Scheitern verurteilt.

Nicht nachlassen! Noch ein paar Zentimeter nach rechts, die beißende Taubheit im Bein ignorieren, weitermachen, ruhig atmen. Das Zittern unterdrücken, an angenehme Dinge denken. Noch lebte Esda. Noch gab es Hoffnung, auch wenn sie nur ein Augenzwinkern von einem schrecklichen Tod entfernt war. Sie durfte nicht einfach hier unten in den Minen sterben! Das war sie ihrer Familie, die oben in der Stadt auf sie wartete, schuldig. Esda hatte täglich vier hungrige Mäuler zu stopfen, die ohne sie verloren waren, nachdem ihr Ehemann vor achtzehn Monaten am Lichtfieber gestorben war: Ihre beiden Kinder, die Zwillinge Aaha und Behara, die gerade vier Jahre alt waren und Esdas alte und gebrechliche Eltern Lena und Sol. Ohne die tapfere Frau und die Dinge, die sie unter Lebensgefahr im Untergrund beschaffte und auf dem Markt von Bas verkaufte, würden ihre Liebsten verhungern oder Opfer der Behutsamen Schwestern werden. Esda graute, wenn sie an diese Möglichkeit dachte.

Schließlich erreichte sie doch noch die Seitenwand. Sie fühlte sich gleichzeitig erleichtert und um Jahre gealtert. Es hätte sie nicht gewundert, wenn das Mahagoni ihrer kurz geschnittenen Haare in der letzten Stunde weiß geworden wäre. Inzwischen war es sicher schon Nacht in den Ebenen und die Schlacht tobte. Aber hier unten war außer ein paar sehr weit entfernten und dumpfen und unregelmäßigen Donnerschlägen nichts vom Krieg der Roboter zu hören oder zu bemerken. Das Grollen ihrer Waffen gehörte wie das Schnarchen ihres Vaters zur Untermalung jeder Nacht ihres Lebens. Esda war nun nur noch eine halbe Armlänge von dem Fels entfernt. Ihr Licht, das nun schon merklich schwächer war, hatte gehalten und sie hatte auch die Falle noch nicht ausgelöst. Vielleicht – und das wäre das Beste gewesen -, war der Auslöser der Bombe defekt. Doch daran glaubte sie nicht wirklich. Sie leuchtete nach vorne zu dem Spalt im Fels, der ihr Deckung geben sollte. So weit sie im schwindenden Licht ihrer Lampe erkennen konnte, war er breit und offenbar auch tief genug, um einen Sprung zu wagen. Esda atmete tief ein und hielt dann die Luft an. Sie hatte nur einen einzigen Versuch, Würde sie bei ihrem Sprung ausrutschen oder zu kurz springen oder nicht genau in die Öffnung fallen, dann würde sie von der Explosion erwischt und getötet werden.

Sie zählte langsam rückwärts von Fünf auf Null. Als sie bei der Zwei war, hörte sie die schweren, stampfenden Schritte eines gewaltigen Vierbeiners. Sie kamen von weiter hinten im Gang direkt auf sie zu.

»Nein, das kann nicht sein«, stieß sie ihren Atem wieder aus und hob die Lampe, die allerdings nicht mehr die Kraft hatte, den Tunnel auszuleuchten. Unheimliche Schatten lagen wie schwarze Felsnadeln vor ihr auf den Schienen und verwoben sich mit der absoluten Finsternis, die hinter ihnen lag. Dann hörte Esda das Schaben eines Panzer an der Wand. Und gleich darauf das markerschütternde Knirschen, das von den mahlenden Zahnreihen einer Nagid-Echse erzeugt wurde. Nach dem grausamen und gefräßigen Gott der Tiefe war dieses Raubtier das bösartigste und tödlichste Ungeheuer, das diese Höhlenwelt unter Es Sakrat, der Stadt unter dem heiligen Doppelgipfel, kannte. Dabei es war vollkommen egal, ob man der Nummer Eins oder der Nummer Zwei zum Opfer fiel! Und die Nummer Zwei kam direkt auf Esda zu.

[Zum 2. Teil …]

Neu im Buchhandel:

Der Weg, der in den Tag führt
Teil I: Karukora

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