Aber ein Traum …

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Mittwoch, 29.05.19 – Teepause

Mittwoch, 29.05.19
19 (-1). Fastentag

Warum kühlt Kaffee in einer Tasse eigentlich schneller aus als Tee? Und warum geht mir diese Frage gerade nicht mehr aus dem Kopf? Es ist ein amöbenhaftes, geistig recht begrenztes Leben, das ich gerade führe – eigentlich nur eine Existenz. Die Tage plätschern ohne Höhe- und Tiefpunkte dahin und meine Laune ist wie das Maiwetter – unbeständig, wechselhaft, zu kühl. Der Brotberuf nimmt mich gerade ziemlich ran und besetzt den Großteil des Tages; leiden müssen meine Literatur, mit der ich auf der Stelle trete und nicht vorwärts komme und dieser Blog, auf den ich im Moment wenig Lust habe. Was man, glaube ich, bemerken kann. Es ist jetzt nicht gerade eine Schreibblockade oder eine Krise, aber ich habe einfach wenig Lust (Was natürlich auch daran liegt, dass ich in den letzen Monaten kein einziges Buch verkauft habe und alle meine Versuche, Leser zu finden an einer für mich nicht übersteigbaren Mauer zerschellen). Ich brauche einfach dringend eine Auszeit, Urlaub, Lektüre, Anregungen, Gespräche. Dann hat der Stumpfsinn und damit auch mein Amöbenleben wahrscheinlich wieder ein Ende und die Karawane zieht weiter. Hoffentlich.

Heute ist ja auch schon mein neunzehnter Fastentag; genauer gesagt, der achtzehnte, da ich inzwischen wie angekündigt mit dem Intervallfasten begonnen habe und gestern ein Knäckebrot mit Hüttenkäse zum Frühstück, einen Apfel zum Mittag und einen Spargelsalat zum Abendessen genossen habe, um meinen vom mehrwöchigen Fasten in den Winterschlaf geschickten Magen nicht zu überlasten. Morgens hatte ich zum ersten Mal wieder einen kleinen Kaffee und Abends zum Spargel ein halbes Glas Pinot Blanc. Heute ist nun wieder ein Nulldiät-Tag, also gibt es Tee, Wasser und sonst – nix. Das klingt jetzt irgendwie selbstmitleidig und larmoyant oder auch angeberisch, je nach Sichtweise. Doch ich habe dabei ungefähr zehn Kilo abgenommen und es geht mir so gut, dass ich noch eine ganze Weile so weitermachen könnte. Ich bin inzwischen laut BMI-Tabelle nicht mehr adipös, sondern „nur“ noch übergewichtig.

Der Apfel gestern war übrigens gefühlt der beste, den ich in meinem ganzen Leben gegessen habe; auch wenn ich nur die Hälfte von ihm schaffte, weil ich sofort pappsatt war. Also, die Diät läuft und beeinflusst meine Stimmung wenig. Ich fühle mich fit, obwohl ich schon meine Beinmuskulatur schmerzhaft spürte, wenn ich eine Treppe in den ersten Stock hinauflaufe. Seit zwei Tagen kommt auch mal wieder unser Fitness-Crosstrainer zu Ehren, den ich vor 15 Jahren leichtfertig beim Discounter erworben habe und der seitdem in unterschiedlichen Räumen und immer im Weg still und leise vor sich hin verstaubte. Wer mich kennt und das liest, wird vor Erstaunen erstarren, denn Klammer und Sport sind zwei Wörter, die normalerweise nicht in einem Satz (nicht einmal in einem Roman) vorkommen. Und tatsächlich ist mir noch nicht ganz klar, warum ich diese Qual auf mich nehme und auf dem Folterinstrument täglich ein paar Kilometer bergauf laufe. Aber schließlich will ich ja morgen für ein paar Tage in die Berge und mich nicht vor Frau Klammerle schämen, wenn wir die paar hundert Höhenmeter auf den Falken steigen. Mal sehen, wie es wird …

Über Pfingsten sind Frau Klammerle mit Sohn 1 und 2 im Lechtal und gleich anschließend fahren wir für zehn Tage ins niederländische Arcen, wo wir radfahren, Tourismus betreiben und die Tage genießen wollen. Den Höhepunkt dieser Reise wird am Samstag auf der deutschen Seite der Grenze die große „Nacht der Gaukler“ in Geldern sein, ein internationales Zauberertreffen, das unser Freund Hajo Bier und seine Frau Conny alle zwei Jahre organisieren.

Deshalb werde ich bis Ende Juni diesen Blog ruhen lassen und eine schöpferische Pause machen. Ich hoffe, wir lesen uns danach wieder.

Grüße, Nikolaus

Freitag, 17.05.19 – Gartenarbeit und Weisheiten

Freitag, 17.05.19
Siebter Fastentag (1)

Der Mai will sich an diesem Freitag und vielleicht auch morgen von seiner sonnigen, trockenen und – verglichen mit den letzten vierzehn Tagen – warmen Seite zeigen. Heißt es zumindest im Wetterbericht. Danach soll es wieder scheußlich werden. Deshalb ist mein Gedankensplitter heute kurz und schnell dahingeschrieben, denn es wartet Gartenarbeit auf mich.

Wie in jedem Frühjahr ignoriert Frau Klammerle die Witterung und die Größe unserer Freiflächen und Gemüsebeete und schleppt von jedem Einkauf Blumenstöcke, Gewürztöpfe, Gemüsepflanzen und 40-Kilo-Säcke mit Erde heim, die wir alle vorläufig auf dem Terrassentisch lagern, der sich unter ihrem Gewicht biegt. Nachdem ich seit bald zwei Jahrzehnten glücklicher Reihenhausbesitzer im ländlichen Weichbild der Stadt bin (und das Haus irgendwann auch abbezahlt habe), nenne ich einen Garten mein Eigen. Er hat in etwa die Größe einer Picknickdecke; bietet immerhin Platz für eine Südterrasse, einen Werkzeugschuppen, ei­nen Kirschbaum, Obststräucher, Blumenbeete, ein wildwucherndes Kräuterbeet, allerlei mehr oder eher weniger geschmackvolle Deko-Artikel, selbstverständlcih Frau Klammerles selbstgeflochtene Weidenkunstwerke und sogar ein geniales, selbst gebautes und erst im letzten Jahr erweitertes Hochbeet, in dem ich gerade unter einer Abdeckung Karotten, Rote Rüben(2), Meerrettich und anderes Unkraut züchte. Selbstverständlich alles in der Bonsaiausführung – gut, dass  meine Frau und ich eher unterdurchschnittlich groß sind. Die Rasenflä­che ist so ausladend, dass ich schon an die Anschaffung eines Aufsitzmähers gedacht habe. Dennoch ist in den letzten frostigen, nassen und grauen Tagen einiges an Arbeit liegengeblieben, die ich heute erledigen will, wenn sich die Sonne gegen 10:00 Uhr entschließt, auch in meinen Garten hineinzuscheinen. Ich glaube, wir haben inzwischen mehr Jungpflanzen in schwarzen Plastiktöpfen auf dem Tisch stehen, die auf das Einpflanzen in Beete oder größere Töpfe warten, als wir noch irgendwo unterbringen können; zumal gerade die Gemüsepflanzen für die Hochbeete (habe ich eigentlich schon einmal erwähnt, dass ich sie selbst gemacht habe?) auf Frau Klammerles Wunsch mit System gesetzt werden sollen, was einige logistische Probleme aufwirft. Sie redet in letzter Zeit dauernd irgendetwas von Mischkulturen und Starkzehrern. So ganz habe ich das nicht verstanden, aber ich darf auf keinen Fall die Süßkartoffel (ein Geschenk von Sohn Nr. 1 zum Muttertag) neben den Hokkaido-Kürbis pflanzen und auch die Freilandgurken müssen anderswo hin als die Paprika und die Aubergine. Das Ganze gleicht einem Echtzeit-Strategiespiel. Vielleicht sollte ich mir einen Plan machen oder mit den Schultern zucken und das Gemüse einfach dorthinpflanzen, wo noch Platz ist.

Immerhin, wir besitzen den mit Abstand hummel- und bienenfreundlichsten Garten in der Gegend und sind bald die einzigen, die sich noch weigern, Kiesflächen aufzuschütten, scheußliche Mauern aus gefangenen Steinen zu errichten und ihre Freifläche in eine hässliche, graue Mondlandschaft zu verwandeln. Trotz Katze Amy nisten bei uns die Amseln und Scharen von Spatzen und Staren kontrollieren jeden Tag, wie weit unsere Kirschen und Johannisbeeren sind.

Ein Panoramabild unseres Gartens.

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(1) Danke. Es geht mir gut. Morgen wollen wir allerdings die wunderschön renaturierte Wertach hinunter bis zum Bobinger Stausee radeln. Da kommen wir an einigen Einkehrmöglichkeiten vorbei, z. B. bei der von allen Augsburgern heißgeliebten Kulper-Hütte. Schauen wir mal, ob ich danach noch faste …

Mein heutiges Frühstück. Den ayurvedischen Kräutertee habe ich aus Frau Klammerles Teebox geklaut. Wer Inger mag, liegt hier richtig.

Apropos: Was diesen Sinnspruch am Bändel des Teebeutels betrifft. Dort stand: Liebe deine Seele.

Ich will nicht von der Qualität der Heißgetränke der Firma „YOGI TEA“ erzählen, sondern von ihrem altruistischen Bemühen, die überteuerten Teemischungen zusätzlich noch mit Versatzstücken aus der fernöstlichen Lebensweisheit zu würzen und diese auf die Pappschildchen ihrer Teebeutel zu drucken. Die Inder, die Chinesen und die anderen Völker, die in Richtung der aufgehenden Sonne wohnen, besitzen unendlich tiefsinnige Traditionen, ehrwürdige Philosophien, Weisheitslehren und Religionen, die teilweise in Zeiten zurückweisen, in denen meine Vorfahren noch ungewaschene Barbaren waren. Yoga, Zen, Buddhismus, Yin und Yang, Konfuzius, I-Ging, Feng-Shui, Laotse, Asketen, Ayurveden, spirituelle Führer, taoistische Transmutationen … ein kleines Brainstorming ist ausreichend, um die Tiefe der fernöstlichen Weisheit anzudeuten, die ein Einzelner überhaupt nicht ausloten kann (oder will). Und ein Europäer, der in einer vollkommen anderen Vorstellungswelt aufgewachsen ist, schon gar nicht.

Was hat nun „YOGI TEA“ aus dieser jahrtausendealten Weisheit und geistigen Tiefe gemacht? Was muss ich lesen, während ich meinen Würztee acht Minuten ziehen lasse? Darüber soll ich meditieren?

„Liebe ist Leben, Leben ist Liebe.“ – „Ich bin schön, voller Gaben und Seligkeit.“ – „In unseren Beziehungen fehlt Heiligkeit.“ – „Liebe ist Seligkeit.“ – „Liebe ist ein Zustand von Mitgefühl, in dem Freundlichkeit regiert.“ – „Liebe kennt keine Furcht oder Vergeltung“, und so weiter und so weiter. Ja, was ist Liebe denn nun?

Das sollen Weisheiten sein? Diese Fastfoodsätzchen fürs Poesiealbum einer Zwölfjährigen? Diese mehr als billigen Gemeinplätze sind der Aufguss der Moral und der Erkenntnisse weiser Menschen, die ihr Leben lang gefastet haben und sich kasteit, um sich von den irdischen Fesseln zu lösen und hinter die Oberfläche der materiellen Welt zu sehen, einen Blick auf die Urgründe des Seins zu werfen? Die uns voran gegangen sind ins erlösende Nirwana? Das bleibt am Ende übrig von all den Weisheitslehren, dem Jahrtausende währenden Ringen um Erkenntnis, um den richtigen Weg, den man im Leben einschlagen soll? Ein sinnentleerter Satz auf einem Etikett? Das ist bitterer, zu lange gezogener Tee.

(2) Diesmal sind es echte – hoffe ich zumindest (siehe auch: Die Mangold-Affäre).

 

Bock des Monats – April

Ich war kürzlich recht malade und in den ersten Tagen dieser Krankheit fühlte ich mich so, als würde mein Leben nun bald ein unerfreuliches Ende nehmen. So schlimm kam es dann nicht, aber anfangs konnte ich keine Nahrung zu mir nehmen (und bei mir behalten). Ich lag wie ein tote Frettchen auf dem Sofa und litt – Männerschnupfen, ich habe es schon erwähnt. Damit der Körper überhaupt Flüssigkeit bekam, überredete mich Frau Klammerle, ihren favorisierten Kräutertee zu trinken. Naja. Wer Ingwer mag …

Aber ich will nicht von der Qualität der Heißgetränke der Firma „YOGI TEA“ erzählen, sondern von ihrem altruistischen Bemühen, die überteuerten Teemischungen zusätzlich noch mit Versatzstücken aus der fernöstlichen Lebensweisheit zu würzen und diese auf die Pappschildchen ihrer Teebeutel zu drucken. Die Inder, die Chinesen und die anderen Völker, die in Richtung der aufgehende Sonne wohnen, besitzen unendlich tiefsinnige Traditionen, ehrwürdige Philosophien, Weisheitslehren und Religionen, die teilweise in Zeiten zurückweisen, in denen meine Vorfahren noch ungewaschene Barbaren waren. Yoga, Zen, Buddhismus, Yin und Yang, Konfuzius, I-Ging, Feng-Shui, Laotse, Asketen, AyurVeden, spirituelle Führer, taoistische Transmutationen* … ein kleines Brainstorming ist ausreichend, um die Tiefe der fernöstlichen Weisheit anzudeuten, die ein Einzelner überhaupt nicht ausloten kann (oder will). Und ein Europäer, der in einer vollkommen anderen Vorstellungswelt aufgewachsen ist, schon gar nicht.

Was hat nun „YOGI TEA“ aus dieser jahrtausendealten Weisheit und geistigen Tiefe gemacht? Was muss ich lesen, während ich meinen Würztee acht Minuten ziehen lasse? Darüber soll ich meditieren?

Teebeutel

„Liebe ist Leben, Leben ist Liebe.“ – „Ich bin schön, voller Gaben und Seligkeit.“ – „In unseren Beziehungen fehlt Heiligkeit.“ – „Liebe ist Seligkeit.“ – „Liebe ist ein Zustand von Mitgefühl, in dem Freundlichkeit regiert.“ – „Liebe kennt keine Furcht oder Vergeltung.“ und so weiter. Ja, was ist denn nun? Was ist Liebe denn nun?

Das sollen Weisheiten sein? Diese Fastfoodsätzchen für’s Poesiealbum einer Zwölfjährigen? Diese mehr als billigen Gemeinplätze sind der Aufguss der Moral und der Erkenntnisse weiser Menschen, die ihr Leben lang gefastet haben und sich kasteit, um sich von den irdischen Fesseln zu lösen und hinter die Oberfläche der materiellen Welt zu sehen, einen Blick auf die Urgründe des Seins zu werfen? Die uns voran gegangen sind ins erlösende Nirwana? Das bleibt am Ende übrig von all den Weisheitslehren, dem Jahrtausende währenden Ringen um Erkenntnis, um den richtigen Weg, den man im Leben einschlagen soll? Ein sinnentleerter Satz auf einem Etikett? Das ist bitterer, zu lange gezogener Tee.

Dafür bekommt die Firma „YOGI TEA“ von mir den Bock des Monats April überreicht! Aber ihren „Black Çay“ mag ich trotzdem.

 bock

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* … komm, Hans-Dieter, das ist doch was für dich. Warum bist du in der letzten Zeit so stumm? Bist du noch immer beleidigt? Denke doch dran: „Liebe ist Verzeihen und Langmut.“

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