Aber ein Traum …

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Terror in Klein-Venedig – Leseprobe (Teil 5)

[<– Zum 1. Teil]

4.

Klaus Wendlbaur, ein achtundsechzigjähriger, breiter Rentner und Witwer mit einer häßlichen, feuerroten Narbe quer über der Stirn, die er sich im Krieg zugezogen hatte, fühlte sich nur wenig erleichtert, als er die Grottenaupost verließ und sich nach rechts wand. Ob­wohl es ja ein ungewöhnlich warmer Tag für diese Jahreszeit war, fröstelte ihn und er vergrub sich tiefer in seinen Trenchcoat. Er hatte zwar Oliver Heyses Wunsch erfüllt und dessen brisante Unterlagen per Einschreiben an ihn zurückge­schickt, aber er machte sie ernste Sor­gen um den Vetter seiner vor über zehn Jahren verstorbenen Frau, der sich nach einer längeren Frist so plötz­lich bei ihm gemeldet und ihm eine phantastische Geschichte erzählt hat­te. Es war wahrscheinlich ein Fehler ge­wesen, dieses geheime Grundsatzpa­pier der ASO nicht zu kopieren, jedoch­ wehrte sich jede Faser in ihm, mit der ganzen Angelegenheit etwas zu tun zu haben. Wenn Heyse nicht übertrieben hatte und jene seltsame Vereinigung von Augsburg-Freunden, an die er geraten war, tatsächlich so radikal und extremi­stisch wie in ihrem Manifest war, dann schwebten sie unter Umständen beide in tödlicher Gefahr. Nun, heute Abend würde er sich ja mit Heyse treffen, dann würde er ihm si­cherlich die Andeutungen erklären, die er gestern spät in der Nacht merkwür­dig gehetzt und kurz angebunden am Telefon gemacht hatte. Wendlbaur wusste nur, dass es um die Verleihung des Brechtpreises am Wochendende ging.

An der Kreuzung hielt er sich rechts und betrat die Annastraße, Augsburg Haupteinkaufsmeile. Er är­gerte sich kurz darüber, dass sein altes Postamt an der Kreuzung Frauentor­straße/Pfärrle geschlossen worden war. Dort war jetzt ein übrigens gut ausgestattetes Schreibwarengeschäft. Deshalb musste er jetzt wegen eines Einschreibebriefes bis in die Stadt ge­hen. Er ging beim Attinger vorbei und sein Blick streifte oberflächlich über die Auslagen. Er konnte es nicht genau festmachen, aber irgendein Reflex im Spiegel der Schaufensterscheiben ließ ihn aufmerksam werden. Es war mehr ein Gefühl als eine Gewissheit, aber in diesem Augenblick war er sich plötzlich sicher, verfolgt zu werden. Das ist verrückt, dachte er bei sich, jetzt lasse ich mich schon von Olivers Psychosen anstecken. Terroristen von der Augsburger Separatisten Organisa­tion!, das war wirklich lächerlich. So et­was gab es nur in schlechten amerika­nischen Fernsehserien. Trotzdem ging er sehr unsicher wei­ter, immer versucht, den Kopf blitz­schnell zu drehen und den hinter ihm gehenden Menschen ins Gesicht zu sehen. Er zwang sich jedoch, dieser Versuchung nicht nachzugeben, damit er, falls er tatsächlich einen Verfolger hatte, nicht verriet, dass er ihn bemerkt hatte.

Erst in der Hartmannpassage blieb er vor einem Ssgaufenster des Spielwarengeschäfts stehen und tat so, als würde er sich für die ausgestellten Brettspiele interessieren. Dabei sah er, wie er meinte, unauffällig zurück. Es waren heute viele Leute unterwegs, aber niemand sich um ihn zu küm­mern. Die Menschen, die an ihm vor­beigingen, starrten ihm zwar nahezu ausnahmslos ins Gesicht, aber daran war er wegen seiner auffälligen Narbe ge­wöhnt. Er musste sich also getäuscht haben. Trotzdem blieb ein großer Zweifel in ihm und er spürte, während er anschließen die Passage verließ und den Rat­hausplatz querte, einen bohrenden Blick in seinem Rücken. Für einen Mo­ment wühlte wieder Angst in seinem Magen.

Ein Straßenbahnwagen der Linie Zwei näherte sich gemütlich vom Moritzplatz her der Rathaushaltestelle. Wendlbaur begann zu schnel­ler zu gehen, um sie noch zu errei­chen. Die Bahn hielt mit stotterndem Quietschen vor dem großen Tor des gewaltigen Renaissance-Rathauses und öff­nete zischend ihre Türen. Er lief um den hinteren Teil der Tram herum, dabei warf er wieder einen Blick hinter sich. Niemand hatte wie er seinen Schritt beschleunigt und Wendlbaur war auch der letzte, der hinten in den Wagen stieg. Die Bahn war nicht sehr voll, trotzdem blieb der ältere Mann auf der hinteren Plattform stehen; es lohnte nicht, sich für die drei Stationen, die er fahren wollte, zu setzen. Er streckte sich nach einem Haltegriff, die Türen schlossen sich, die Tram fuhr an, am Perlachturm vorbei, die Karolinenstra­ße hinab. Wendlbaur fühlte sich erleichtert. Ihm war, als wäre ihm ein tonnenschweres Gewicht von der Seele genommen.

Da kreuzte er den scharfen Blick eines ungewöhnlich muskulösen, breitschultrigen Mannes, der ihn schon fixiert hatte, als Wendlbaur eingestiegen war und Panik brannte wie Sodbrennen seinen Schlund empor. Fast hätte er um Hilfe geschrien. Der brutal wirkende Bodybuilder stand bei der nächsten Tür, lässig gegen eine Stange gelehnt, die Arme verschränkt. Wie er es bei der ruckelnden Fahrt um die Domkurve fertigbrachte, scheinbar mühelos im Gleichgewicht zu bleiben, als wäre er mit dem Boden und der Haltestange verwachsen, war dem Wit­wer ein Rätsel. Natürlich, jetzt fiel es ihm ein. Dieser Muskelberg war vorhin in der Passage an ihm vorbeigegangen und er war der einzige gewesen, der ihn nicht beachtet hatte. Das hätte ihn gleich stutzig machen sollen. Er hatte sich also doch nicht geirrt! Sein Verfolger war nur nicht hinter, sondern vor ihm gewesen, hatte wahr­scheinlich auch schon gewusst, dass der Rentner mit der Zweier heimfahren wollte. Und nun starrte er ihm frech in die Augen und grinste breit. Er sah dabei wie ein Affe aus, ein roher, brutaler Gorilla, der das Rückgrat eines alten Mannes wahrscheinlich wie ein Streichholz brechen konnte. Wendlbaur konnte diesem grausa­men Blick nicht standhalten und senkte die Lider.

Was nun, was konnte er tun? Er war ein alter Mann, gegen solch ein Tier hatte er nicht den Hauch einer Chance. Und weshalb verfolgte ihn die­ser Body-Builder? War das vielleicht doch einer dieser Terroristen von der ASO, von denen Heyse gesprochen hatte? War es klug, an seiner Zielhalte­stelle auszusteigen oder nicht vielleicht besser, einfach weiter zu fahren und ir­gendwo zu versuchen, den Verfolger abzuschütteln? Die Entscheidung wurde Wendelbau­er auf überraschende Weise abgenom­men: Die Tram hielt vor dem Englischen Institut und der vermeindliche Verfolger stieg lächelnd aus. Er ging draußen am Wagen entlang; als er an dem Wit­wer vorbeikam, sah er ihn noch einmal kurz an und fletschte dabei wie ein Raubtier die Zähne. Die Bahn setzte sich wieder in Bewe­gung und Wendelbauer sah hinter dem Fleischberg her, der nun über die Straße ging und ihm nun den Rücken zuwandte. Er atmete erleichtert aus und drückte den Halteknopf. Sein Herz pochte noch immer bis zum Hals. Dieses Wechsel­bad der Gefühle war fast zu viel für ein schwaches Herz. Sein Arzt hatte ihm schon vor geraumer Zeit jede Aufre­gung verboten. Innerlich schimpfte er auf Heyse, der ihn mit seinem Verfolgungswahn infi­ziert hatte. Was war heute nur mit ihm los? Überall sah er Verbrecher, die es auf ihn abgesehen hatten.

Als er am Fischertor ausstieg, fiel ihm auf, dass er vor lauter Aufregung ver­gessen hatte, seine Streifenkarte abzustempeln. Ein wenig schämte er sich, dass er die VGA betrogen hatte und er ent­schloss sich, bei seiner nächsten Fahrt eben zwei Streifen mehr zu entwerten. Er ging die Frauentorstraße hinunter und dann in die Georgenstaße, in deren Mitte er gegenüber der Kirche wohnte. Niemand verfolgte ihn, da war er ganz sicher.

Sie wartete auf ihn in dem Torbogen, durch den er gehen musste, wenn er in seine Wohnung wollte. Die Eingangstür war auf der Rückseite des Hauses. Er sah sie erst, als er praktisch vor ihr stand. Er erkannte sie sofort, obwohl er ihr nur einmal begegnet war. Eine Frau wie sie vergaß ein Mann nicht. Obwohl Wendlbaur alt war, war nicht unempfindlich für ihre offenherzig zur Schau gestellten Reize. Er muster­te sie und war erstaunt, wie ruhig er plötzlich war. Sie trug ein hautenges, tief ausgeschnittenes Minikleid und schwarze Seidenstrümpfe, die ihren wohlgeformten Körper und das perfekte Rund ihrer Brüste hervorragend zur Geltung brachten. Sie sah trotz ihrer Aufmachung kein bißchen nuttig aus, sie trug diese Kleidung mit nachlässi­ger Eleganz. Auf ihrem engelhaften Gesicht erschien ein bezauberndes Lächeln.

»Wir haben uns schon lange nicht mehr gesehen, Herr Wendelbauer«, sagte sie ruhig und kam noch näher. Der unauffällige Hauch ihres herben Parfüms gelangte in sein Bewußtsein. Der Mund des Rentners wurde trocken. Wie war es einem so faden und unauf­fälligen Mann wie es Oliver Heyse nur gelungen, eine Liebesbeziehung zu dieser Frau zu beginnen? Dabei war der Vetter seiner Frau auch noch zehn oder mehr Jahre älter als sie.

»Guten Tag, Julia«, sagte er mit brüchiger Stimme. »Es ist nett, dass sie wieder einmal bei mir vorbei schauen.« Plötzlich begann er zu verstehen. Ihre grünen Augen blitzten schelmisch auf. Wendlbaur fiel auf, daß die dunklen Ringe unter den Augen keine Schminke, sondern ein Zeichen ihrer Übermü­dung waren. Julia legte den Kopf schief und ein Schwall roter Locken schmiegte sich auf ihre rechte Schulter. Ihr feuchter, roter Mund klaffte einen Spalt auseinander und für einen Moment konnte Wendlbaur ihre Zungenspitze sehen. Welches perverse Vergügen hatte sie dabei, ihn zu reizen?

»Ich würde mich gerne mit Ihnen unterhalten, Klaus. Es geht um Oliver«, sagte sie und sah an ihm vorbei. Ein kurzer, scharfer Fußtritt war hinter ihm zu hören. Wendlbaur brauchte sich nicht um­zudrehen, er wusste, wer hinter ihm stand und er zuckte nicht einmal zu­sammen, als ihn eine behaare, riesige Hand am Oberarm packte. Er blicktekurz zu dem Body-Builder, der nun ne­ben ihm stand.

»Julia, was hast du getan? Was ist mit Oliver?«, fragte der Rentner matt.

Ihre Stimme wurde noch sanfter. »Lassen Sie uns in Ihre Wohnung ge­hen, dort können wir besser reden. Darf ich ihnen übrigens Erwin vorstel­len; er ist ein guter Freund.«

Klaus Wendlbaur war kein Held. Nach einer Viertelstunde erzählte er Julia alles, was sie wissen wollte. Erwin brauchte kaum nachdrücklicher zu wer­den. Doch dann hörte das Herz des Witwers plötzlich auf zu schlagen und er kippte vornüber vom Sofa auf den Teppich. Eine Weile ruderte er noch epileptisch mit seinen Armen und Beinen. Dann wurden seine Augen starr. Julia glaubte erst an einen Trick, dann suchte sie vergeblich an seiner Hals­schlagader nach seinem Puls. Sie wechselte einen überraschten Blick mit ihrem treuen Helfer, anschließend zuckte sie mit den Schultern. Sie sah hinunter auf die zusammengesunkene Leiche. Dieser Zufall nahm ihr viel Arbeit ab. Wendlbaur war nur ein weiterer alter Mann, der in seiner Wohnung einem Herzanfall erlag. Für einen Moment regte sich tatsächlich ein wenig Mitleid in ihr, obwohl sie nur ein paar Minuten vorher die feste Absicht gehabt hatte, Wendlbaur zu töten. Schnell schüttelte Julia dieses unerwünschte, ihr fremde Gefühl ab und begann sorgfältig, ihre Spuren zuvernichten und evenuelle Fingerabdrücke abzuwischen. Auch wenn sie zu spät gekommen war, Roman würde mit ihr zufrieden sein. Nun musste sie nur noch morgen in Olivers Wohnung auf den Postboten mit dem Einschreibebrief warten.

*

Die Untertassensektion der U.S.S. Enterprise-D hatte sich gerade vom Rumpf getrennt und war auf volle Im­pulsgeschwindigkeit gegangen, als es zum gefürchteten Warpkernbruch kam, sich Materie und Antimaterie vermischten und der untere Teil des Raumschif­fes explodierte. Die Druckwelle erfaßte die nicht schnell genug fliehende Untertasse und trieb sie wie ein trockenes Blatt vor sich her in die Atmosphäre eines Pla­ neten, wo sie in gebirgiger Landschaft abschmierte. Während die Brückenbesatzung unter dem Konstruktionsfehler aller Enterpri­semodelle, nämlich den fehlenden Sicherheitsgurten, litt und durch die Luft geschleudert wurde, suchte Anna, im­mer wieder von der Zerstörung ihres Lieblingsraumschiffes ergriffen, er­schaudernd nach Sebastians Hand. Sie ergiff sie, ohne den gebannten Blick von dem Geschehen auf der Kinoleinwand zu lassen. Erst als sie spürte, dass seine Hand ihren Druck unerwidert ließ und schlaff blieb, run­zelte sie verwundert die Stirn und warf einen kurzen Blick zu ihm.

Tief in den Sitz gerutscht, den Kopf nach hinten auf die Rückenlehne ge­sunken, schlief er fest und schnarchte sogar ein wenig. Anna stieß ihn belei­digt mit dem Ellbogen in die Seite. Sebastian zeigte keine Reaktion. Als er dann gegen Ende des Filmes endlich erwachte, war der Platz neben ihm leer; Anna war beleidigt und vor Wut kochend gegangen. James T. Kirk starb gerade feist lächelnd unter einem großen Haufen ro­stigen Alteisens. Obwohl er zwanzig Meter in die Tiefe gestürzt war, war sein Toupet nicht verrutscht.

»Das war ein Spaß«, waren seine letzten Worte. Sebastian konnte ihm nicht zustimmen. Er hatte extra auswendig gelernt, wie die Eltern von Spock (Sarek und Amanda) hießen und nach wem die Jeffries-Röhre (nach dem Bühnenbildner Matt Jefferies, dem Designer der ersten Enterprise) benannt war. Wehmütig zuckte er mit dem Achseln und verließ fünf Minuten vor Schluss das Kino. Es war an der Zeit, so schnell wie möglich ins Bett zu kommen. Er fragte sich, warum er an diesem Tag über­haupt aufgestanden war.

[Zum 6. und letzten Teil der Leseprobe …]

Wochenlese 03. Juni – 09. Juni 2013

werdenfalls
Ja ronemechs: wandlig sam verdrohnt, zwitschelnd par oletanen. Nie rone melde nex: pasin ot begrihnt, gendelnd wer ubilanen. werdenfalls. jojo.
ldnaj, werdenfalls

In dieser Woche habe ich einfach weitergelesen.

Palma2Felix J. Palma
Die Landkarte des Himmels

Manche Literatur gleicht einer Tafel Milka-Schokolade. Sie erfüllt exakt die Erwartungen und schmeckt doch immer gleich. Eine Tafel ist wie die andere – ein Buch ist wie das andere. ‚Die Landkarte des Himmels‘ ist geringfügig dicker als ‚Die Landkarte der Zeit‘, aber sonst ist es ‚the same procedure‘. Wer also mit einer langweiligen Milka-Schokolade glücklich ist, sollte auch den 2. Band lesen. Seine Erwartungen werden genau erfüllt, leider mit gehörigem Abnutzungseffekt.
Wieder stehen H. G. Wells und der „Zeitreisende“ Murray im Mittelpunkt des Geschehens, das sich diesmal um eine Invasion vom Mars dreht. Erneut erwartet den Leser ein intelligentes Spiel um Sein und Schein, das sich diesmal aber mehr dem Genre Horror verpflichtet fühlt und unter anderen Oscar Wilde, Lovecraft und Poe in den Cocktail mixt; Edgar A. Poet tritt sogar in einer prominenten Rolle auf.
Ob ich mich
beim zweifelsfrei demnächst erscheinenden 3. Band wieder auf diese etwas retardierende Geisterbahnfahrt über 800 Seiten  einlasse, glaube ich nicht, zumal jeder Band für sich abgeschlossen ist.

Kindler, 2013
(Hugendubel-Remitte)

buch

helix

Quarantäne
John Vornholt

Der mir völlig unbekannte Autor hat die undankbare Aufgabe, den 4. von 6 Bänden des Star-Trek-Zyklus ‚Doppelhelix‘ (peinliche Lektüren, hatten wir schon) fortzusetzen, einigermaßen anständig über die Bühne gebracht, obwohl er neben dem langweiligen Band 3 den eigentlich überflüssigsten Roman des Zyklus geschrieben hat.
Im Mittelpunkt steht Tom Riker, eine bei einem Transporterunfall entstandene identische Kopie des bekannten Commander Will Riker, seines Zeichens 1. Offizier der Enterprise-D. (TNG: Riker:2=?)
. Der Maquis, vertreten u. a. durch Chakotay und B’Elanna Torres, darf ebenfalls mitmischen. Die im Mittelpunkt des Buches stehende Gewissensfrage, ob Tom sich den Rebellen des Maquis anschließen soll und überhaupt die Quarantäne überleben kann, wurde bereits mit der DS9-Folge ‚Defiant‘ beantwortet, die später spielt. Die Handlung ist also für den Trekkie eher uninteressant, ein klassischer Lückenfüller.

cross-cult, 2012

buch

jandl1

Am 09. Juni 2000 starb mit Ernst Jandl einer der besten deuschsprachigen Dichter und Lyriker der 2. Hälfte des 20 Jhds.; vielleicht war er der einzige, dessen Werk Volkstümlichkeit erreichte. (Lechts und Rings).

„du wundern mein schön deutsch sprach? sein sprach von goethen mir heilig sein. das sein ein sprach…“

Ernst Jandl, Die Humanisten

…und da ich schon mit einer Hommage an ihn begonnen habe, ende ich auch mit einer:

Für Ernst
daJnl im lWdane
Jdanl im Wdlane
Jadln im Wadlne
Janld im Wandle
Jandl im Wandel

Wochenlese 06. Mai – 12. Mai 2013

Vargas1Fred Vargas

Die dritte Jungfrau

Krimis der Französin kritisieren zu wollen, hieße, Salz ins Tote Meer zu schütten. Zumindest lässt Vargas niemanden gleichgültig. Entweder man mag die erstaunlich konstruierten, haarsträubenden Plots voller historischer Gelehrsamkeiten und das mehr als skurrile, neurotische Personal ihrer Bücher oder man lehnt das alles kopfschüttelnd ab. Ich gehöre zu den ersteren, denn mit ein paar ihrer Irren wäre ich gerne befreundet.

Übrigens hat ‚Kugel‘, die faule Katze der Pariser Mordbrigade hier einen prominenten Auftritt: Sie spürt durch ihren Geruchssinn eine 38 Kilometer entfernte Person auf. Seltsam, wie manchmal die Lektüre mit dem Leben korreliert…

atb 2009

(Hugendubel-Remitte)

buch

greenblatt

Stephen Greenblatt

Die Wende – Wie die Renaissance begann

Süffig zu lesendes Buch über Poggio Bracciolini, einen florentinischen Humanisten des 15. Jhds, im Brotberuf Sekretär bei acht Päpsten, mit beneidenswert schöner Handschrift gesegnet, Miterfinder der modernen Antiqua-Schriften, fleißiger Dialoge-Schreiber und Büchersammler. Man fragt sich bei diesem Arbeitspensum, ob damals die Zeit langsamer verstrich.

Poggio hat in einem deutschen Kloster das verloren geglaubte Gedicht „De rerum natura“ von Lukrez gefunden und  der Menschheit wiedergegeben. Laut Greenblatt soll das atheistische und atomistische Lehrgedicht des Epikur-Schülers die Renaissance (die Wende) eingeläutet und unzählige Denker bis in unsere Tage beinflusst haben. Das will ich bezweifeln, da Poggio selbst bereits ein Renaissance-Mensch war und auch für den Lukrez-Text, den ich euphemistisch als „schwierig“ bezeichnen will, Lessings Aphorismus gilt: „Viel gelobt, wenig gelesen.“

Siedler 2012

(ein Geburtstagsgeschenk)

buch

Carey

Diane Carey

Roter Sektor – Doppelhelix 3

Aus der Rubrik „Peinliche Lektüren“: Ich ‚oute‘ mich als Trekkie. Doppelhelix ist die sechsbändige Geschichte einer Verschwörung, die über Jahre praktisch das gesamte Personal der Startrek-Next Generation beschäftigt. In diesem leider etwas langwierigen Band müssen neben Jean-Luc Picard und Crew unter anderen Dr. McCoy und Botschafter Spock antreten. Die beiden letzteren sind auch in dem sehr empfehlenswerten “Into the Darkness“-Film zu bewundern, der gerade im Kino läuft. (Übrigens hat die Enterprise im Kinofilm endlich Sicherheitsgurte an den Sitzen)

cross cult 2012

(der Stadtbücherei entliehen)

buch

…und weil am Freitag der Jahrestag der Berliner Bücherverbrennungen war, mal eine Empfehlung:

ernst weiß

Ernst Weiß

Ich – Der Augenzeuge

Auch diesen Roman gibt es bei mobileread.com als Ebook, da sich der Autor 1940 im französischen Exil das Leben nahm. Dort ist auch mehr über den Autor zu lesen, der zu meinen persönlichen Lieblingsschriftstellern gehört.

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