In den Bücherkellern des Vatikans (18)

Der Autor, Dr. Geltsamers erinnerte Memoiren, Fortsetzungsroman, Geschichte, Gesellschaft, Künstlerroman, Kriminalroman, Leseprobe, Literatur, Literatur, Märchen, meine weiteren Werke, Phantastik, Roman, Sprache, Werkstattbericht

<– zum 17. Teil …

Nachdem er den Toten endlich über den Grubenrand hinausgezogen hatte, rutschte der schlaffe Körper auf dem weichen Matsch problemlos und fast heiter wie ein Kufenschlitten im Schnee den steilen Hang hinunter. Fedor folgte ihm, bis seine Schnur fast vollkommen abgewickelt war. Die beiden landeten wie erhofft eine Ebene tiefer in dem Grabungsquadrat, in dem wir die Mumie der Eiszeitfrau gefunden hatten. Dort lag noch immer die Ausschachtung offen, aus der später ihre Überreste geborgen worden waren, die man hoch zu Krakows Labor transportiert hatte. Das ganze Areal sah im Nebel wie ein vorbereitetes Grab aus. Es war der ideale Ort, um die Leiche des Angreifers vorläufig zu verbergen. Mit einem letzten Kraftakt gab Fedor ihr einen Stoß und einem dumpfen Aufprall fiel sie in das rechteckige Loch hinunter. Mein Freund machte sich nicht einmal die Mühe, den Körper mit Erde zu bedecken oder über ihr ein Gebet zu sprechen. Er zuckte mit den Schultern, wandte sich ab und begann, den Hang wieder emporzusteigen. Inzwischen schmerzte ihn jeder Schritt und die Wunde blutete munter weiter.

In der nächsten Zeit, zumindest so lange, wie der Nebel auf Antenora lag, würde sich bestimmt niemand in die Nähe der verfluchten Ausgrabungsstätte wagen. Wenn man den Toten dann später irgendwann entdeckte, würde man wohl glauben, der Mann hätte sich verirrt, wäre dabei versehentlich in die Ausschachtung gestürzt und so unglücklich gefallen, dass er sich das Genick gebrochen hatte. Solche Unfälle geschahen ja immer wieder im Gulag. Da wurde nicht weiter nachgeforscht, ob jemand nachgeholfen hatte.

Erleichtert und gerade noch rechtzeitig vor den Wachen, die ihn abholen kamen, gelangte Fedor wieder bei seinem Arbeitsabschnitt an. Jetzt musste es ihm nur noch gelingen, sich an den Wärtern vorbei ins Lager zu schleichen, ohne dass sie seine Verletzung bemerkten. Doch er machte sich unnötige Sorgen, dann oben bei den Baracken war man in heller Aufregung. Niemand interessierte sich für ihn und der dichte Nebel half zusätzlich: Im Lager war die Hölle los.

Denn alles war noch viel schlimmer gekommen: Gegen Mittag hatte ein patrouillierender Wärter in der Nähe von Baracke 14 unter einem Bretterstapel den übel zugerichteten Leichnam der armen Schwester Aljona gefunden. Du erinnerst dich bestimmt. Das war die fette, ältere Pflegekraft, die in der Krankenstation jene Fälle behandelte, bei denen Timofejs Rosskuren nicht anschlugen. Ich habe ihren Vatersnamen nie erfahren. Man stelle sich das Entsetzen vor: Sie war gefesselt, brutal vergewaltigt und anschließend erdrosselt worden. Den Spuren nach zu urteilen, hatten mehrere Männer diese grauenvolle Untat begangen.

Als Fedor und die anderen Grubenarbeiter von unten zurückkehrten, hatte sich das Lager in einen Ameisenhaufen verwandelt, in den jemand einen Stock gesteckt hatte. Er hatte deshalb keine Probleme, sich an allen vorbei in die heimatliche Baracke 6 zu schleichen. Dort vernähte er selbst notdürftig seine Schnittwunde und ließ sich von Väterchen Himbeere versorgen und verbinden. Trotz sofortiger Suche, einer Razzia in allen Baracken und in den Unterkünften der Wachsoldaten und einigen ›hochnotpeinlichen‹ Verhören blieben die Täter übrigens im Verborgenen. Auch ein von Krakow ausgesetzter, hoher Rubelbetrag führte nicht zur Aufklärung dieses und einiger anderer Verbrechen, die in der ›Nebelzeit‹ begangen wurden.

Ich selbst, der ich ja weiterhin in meinem Zimmerchen in Krakows Laborgebäude gefangen gehalten wurde, hatte freilich von all dem wenig bemerkt. Was ich erfuhr, teilte mir Fedor mit, wenn es ihm mal wieder gelungen war, sich davonzuschleichen und über den Lichtschacht in meinem Badezimmerchen Kontakt aufzunehmen. Dies geschah in den ersten zwei Wochen meines Aufenthalts trotz des Nebels selten und musste dann ganz aufhören, als er von dem Angreifer verwundet worden war. Vergeblich verbrachte ich meine Abendstunden auf der Toilette sitzend und machte mir Sorgen. Oh, es gab wirklich schlechtere Orte in Antenora, um sich die Zeit zu vertreiben! Ich war jeden Tag aufs Neue von dem unerhörten Luxus begeistert, ein eigenes Bett und ein Badezimmer zu besitzen, die ich nicht mit einer Hundertschaft ungewaschener und rüpelhafter Proletarier aus allen Winkeln der Sowjetrepubliken teilen musste. Mir wurde es nicht langweilig, an der Seife zu riechen, zärtlich über die sauberen, gestärkten Handtücher, die täglich gewechselt wurden, zu streichen und mir das weiche Toilettenpapier an die Wange zu halten. Dazu hatte mir Krakow mit Wastijas Roman eine wirklich interessante Lektüre befohlen, in der ich fasziniert las.

Doch davon später, Towarischtsch – falls es mir die Zeit und die Muße erlauben, alles aufzuschreiben, was ich noch erlebt habe. Denn der Morgen naht schnell und dann muss ich ja das Kollontai für immer verlassen. Weißt du, wohin mich mein Schicksal führen wird? Ich nicht.

Krakow ließ mich in den ersten Tagen in Ruhe. Wahrscheinlich war er voll und ganz mit seinem Mumienfund ausgelastet. Ich bekam nicht nur nicht mit, was draußen im Nebel vor sich ging, sondern erfuhr auch nichts von den Vorgängen direkt vor meiner Tür und warum er mich überhaupt hier in seiner Nähe wollte. Mein einziger sozialer Kontakt in diesen zwei Wochen war neben den Stippvisiten von Fedor die schweigsame junge Krankenschwester, die mir frische Wäsche und zweimal am Tag Essen und Trinken brachte. Bald schon fieberte ich ihren kurzen Besuchen ebenso entgegen wie Fedors Auftauchen im Luftschacht. Sah man mal von der armen Schwester Aljona ab, dann war sie die erste Frau, der ich seit über einem Jahr begegnet war. Mein Freund, es dauerte nicht lang, und ich war bis über beide Ohren in sie verliebt und ihr rettungslos verfallen. Der gewaltige Altersunterschied, schließlich war sie nur halb so alt wie ich, kam mir dabei gar nicht in den Sinn.

Wie soll ich sie beschreiben, ohne auf irgendwelche Plattitüden zurückzugreifen, die dich langweilen würden? Ihr rundes Gesicht schien nur aus ihren zwei Augen zu bestehen. Dieser Eindruck wurde noch durch die Gläser ihrer Brille verstärkt. Ich habe in meinem ganzen Leben kein weiteres Mal solch einen selbstbewussten, selbstsicheren und dabei abschätzenden Blick in einem weichen Frauengesicht gesehen. Aber was mühe ich mich mit dem Erzählen ab! Ich trage doch immer eine kleine Fotografie von Ksenia Matulowa bei mir, die ich zu diesen Aufzeichnungen legen werde. Ich habe sie nie lächeln sehen und auch auf der Aufnahme, die sie mir auf meinen Wunsch hin schenkte, war sie reserviert und ernst.

Es heißt, man würde härter stürzen, wenn man zum ersten Mal fällt. Aber bei mir war es das zweite Mal, das mich mehr verwundete. Nach dem frühen Tod von Nadja, meiner ersten Liebe, hatte ich längst die Hoffnung aufgegeben, noch einmal einen Menschen zu finden, mit dem ich mein Leben teilen wollte. Ach, mein Bruder! Wir sind in ein dunkles Jahrhundert hineingeboren, in dem Welt- und Bürgerkriege, Hunger und Gefangenschaft, Seuchen und Revolutionen sich wie Pferde auf einem Karussell abwechseln. Da war einfach kaum Platz mehr für anderes in meinem Leben gewesen.

Es mag nicht glaubhaft klingen. Obwohl ich später in den Sechzigern dann mein ›Vögelchen‹ heiratete und mit ihr bis zu ihrem Tod eine glückliche Ehe führte, bin ich noch heute in Ksenia verliebt. Inzwischen weiß ich, dass es nur die Ausdünstungen der Eiszeitjägerin waren, die diese Leidenschaft für meine Krankenpflegerin erweckten und für die Vorfälle im Lager verantwortlich waren. Aber ich hatte im Gegensatz zu meinen armen Mitgefangenen ein Ziel für meine plötzliche Liebestollheit. Irgendwann war der Duft verflogen und ich erwachte aus dem Rausch. Die lebenslange Liebe ist mir aber geblieben. Und ist es nicht vollkommen gleichgültig, welcher Einfluss sie ausgelöst hat? Hat uns denn nicht die Wissenschaft erklärt, Liebe sei nur eine chemische Reaktion, der wir hilflos ausgeliefert sind? Trotzdem bleibt das eigentliche Geheimnis bewahrt und wir nie offenbart werden. Wir wissen nicht, was das ist: Liebe.

Dies ist erneut einer der Momente, in denen ich mir wünsche, ich könnte weinen. Doch wie kann sich Trauer in eine Seele schleichen, die so wahrhaft lieben darf?

[Zum 19. Teil …]

Die drei bisher erschienen Bände der Geltsamer-Trilogie mit ihren neuen Titelbildern. Sie sind in jeder gutsortierten Buchhandlung und selbstverständlich überall als E-Book erhältlich.

In den Bücherkellern des Vatikans (17)

Der Autor, Dr. Geltsamers erinnerte Memoiren, Fortsetzungsroman, Geschichte, Gesellschaft, Künstlerroman, Kriminalroman, Leseprobe, Literatur, Literatur, Märchen, meine weiteren Werke, Phantastik, Roman, Sprache, Werkstattbericht

<– zum 16. Teil …

Fedor legte seinen Kopf auf seine verschränkten Arme und war dabei, in dieser Stellung einzuschlafen. Wie die meisten Gefangenen hatte er gelernt, in jeder Lage die Augen zu schließen und ein wenig zu dösen, wenn sich die Gelegenheit dazu fand. Da hörte er plötzlich einen Warnruf seines Ahnen Peptaj – er erklang so deutlich in seinem Ohr, als würde der Schamane direkt neben ihm stehen. Fedor zuckte erschrocken zusammen. Er ließ die Schaufel fallen, fuhr herum und sprang gleichzeitig einen Schritt zur Seite. Jemand hatte sich, von dem Dösenden unbemerkt, an ihn herangeschlichen. Eine lange, gerade Klinge, die wie ein Schwert geformt war, blitzte kurz an seiner Seite auf. Fedor vermutete später, dass das Bajonett von der Kalaschnikow eines Wächters gestohlen worden war. Wie bei einer Kontrolle festgestellt wurde, war einen Tag vorher genau so eines aus der gut verschlossenen Waffenkammer verschwunden.

Seine reflexhafte Bewegung rettete Fedor das Leben. Aber ganz entkam er der grausamen, rasiermesserscharfen Waffe nicht. Sie bohrte sich allerdings anstatt in seinen Bauch, auf den der überraschende Angriff ursprünglich gezielt war, in seine Kleidung, riss sie auf und traf ihn knapp oberhalb der rechten Hüfte ins Fleisch. Dabei schnitt das Bajonett eine hässliche und stark blutende Wunde an der Seite auf. Den Schmerz nahm Fedor in seinem Schock kaum wahr – er war damit beschäftigt, zu überleben. Er ließ sich rückwärts in seine kniehohe Grube hinter sich fallen und riss dabei eilig an seinem Seil, dessen aufgewickelten Rest er dabei vom Gürtel löste. Gleichzeitig brüllte er aus Leibeskräften:

» На помощь! Zur Hilfe!« Doch bevor er die Unterstützung der anderen in seiner Nähe erhoffen konnte, hätte ihn sein Angreifer längst abgeschlachtet. Er war vollkommen auf sich allein gestellt, das wusste er!

Scheinbar besiegt, lag er als leichtes Opfer im matschigen Erdreich seiner Grube und machte rudernde, hilflose Bewegungen. Dabei wickelte er sich wie zufällig sein Seil um die Füße. Die Schaufel lag in Griffweite neben ihm im Dreck. Doch bevor er wieder auf die Beine kommen und nach greifen konnte, um sich mit seinem Werkzeug zu verteidigen, trat auch schon eine verwaschene Gestalt aus den aufgewirbelten Nebelschwaden heraus und zu ihm in die Ausschachtung hinunter. Sie kam knurrend näher, um ihm den Rest zu geben. Ja, er knurrte wie ein Hund! Das war kein menschlicher Ton, der dem Angreifer dabei über die Lippen kam, sondern der tierische Laut eines tollwütigen Werwolfs. Ihm stand sogar schaumiger Geifer vor dem gefletschten Gebiss. Und dieser Oboroten kannte kein Zögern und kein Erbarmen! Er hob mit beiden Händen sein Bajonett über seinen schmutzigen Glatzkopf und wollte damit zustechen.

Da rollte sich Fedor geschickt herum und zog durch diese Bewegung sein Seil mit den Füßen straff. Der Plan ging auf. Der ohnehin unsicher stehende Mörder kam aus dem Gleichgewicht, stolperte über die Schnur. Er stürzte neben Fedor wie ein gefällter Baum in das aufgeweichte Erdreich. Er fiel direkt aufs Gesicht, schlug scher auf und blieb für einen Moment wie betäubt liegen. Sein Bajonett rammte er dabei in den Boden, wobei ihm der Griff aus den Fingern und seine Hände über den Teil der Klinge glitten, der noch aus dem Schmutz ragte. Er schnitt sich beide Handflächen blutig, aber gab keinen Schmerzenslaut von sich. Nur ein weiteres Knurren drang aus seinem Mund.

Jetzt hatte Fedor die Oberhand. Er war vor seinem Gegner auf den Beinen. Er packte seine Schaufel, holte aus und zog ihr Blatt mit aller Kraft, die ihm zur Verfügung stand, über den Kopf des Mannes. Der wollte gerade seinen Oberkörper heben und bot ein leichtes Ziel. Es gab ein widerwärtiges, klatschendes Geräusch. Der Angreifer sackte endgültig in sich zusammen. Mein Freund hatte ihm mit seinem Schlag das Genick gebrochen und ihm dabei die halbe Kopfhaut vom eingeschlagenen Schädel heruntergerissen. Der Kampf hatte nur wenige Sekunden gedauert.

Fedor legte die Schaufel zur Seite und drehte die Leiche auf den Rücken. Er starrte in ein dreckverschmiertes, blutiges Gesicht, das ihm vollkommen fremd war – auch nachdem sich verzerrten Züge im Tod entspannt hatten. Dies war eindeutig ein Antenora-Sträfling; wer sonst sollte ihn auch hier überfallen? Aber Fedor konnte sich nicht erinnern, ihn jemals bewusst wahrgenommen oder gar mit ihm gesprochen zu haben. Er suchte neugierig die Tätowierung am Unterarm, die jeder Gefangene bei seiner Ankunft erhielt. Die eingestochene Nummer war ›1/12/У‹, also Baracke 1, Insasse 12. ›У‹ stand für ›Уголовник‹ – ›Schwerverbrecher‹. Aufgrund der niedrigen Nummer konnte Fedor davon ausgehen, dass der Mann ein langjähriger Lagerinsasse im Gulag von Dr. Krakow war. War Fedor ihm irgendwann in den letzten Monaten unbeabsichtigt auf die Füße getreten oder war dies ein missglückter Auftragsmord gewesen? Vielleicht war ihm diese Aufgabe von unserem Bandenchef Senja Oblow gegeben worden, der ja noch eine Rechnung mit meinem Freund offen hatte.

Auf jeden Fall fühlte mein Freund weder in diesem Moment, noch später irgendwelche Gewissensbisse. Ich glaube nicht, dass sie überhaupt Teil von seinem moralischen Kodex waren. Ihn beschäftigte etwas anderes. Er hatte auch keine Zeit, über solche Dinge nachzudenken, denn Fedor musste die Leiche schnell loswerden, bevor die Sirene das Ende der Schicht einläutete. Fedor hatte zwar morgen noch genug Zeit, die Kampfes- und Blutspuren in seiner Grube zu beseitigen, aber der Leichnam durfte auf keinen Fall in seiner unmittelbaren Nähe gefunden werden. Da würde er sich nicht rausredenkönnen. Jetzt hätte er gut die Hilfe von Sascha gebrauchen können, der ja unweit von ihm im nächsten Abteil arbeitete. Mit der Unterstützung des kräftigen ehemaligen Tänzers wäre es kein Problem gewesen, den Toten unter einem Abraumhaufen zu verbuddeln. Es war nur merkwürdig, dass Sascha offenbar weder seinen Schrei noch den Kampf gehört hatte.

Mein Freund nahm sein Seil auf und begann, es aufzuwickeln. Er tastete sich mit dessen Hilfe hoch auf den Weg und dann an der Hauptleine weiter. Nach ein paar Schritten erreichte er den Knoten, mit dem Saschas ›Ariadnefaden‹ befestigt war. Er zog an dessen Seil und holte es zu sich heran. Zu seiner Überraschung gab es keinen Widerstand. Beunruhigt holte er eilig das Seil ein und hielt bald das abgeschnittene andere Ende in der Hand.

»Himmelblauer? Wo bist du?«, rief er und versuchte vergeblich, die Nebelwand mit seinen Blicken zu durchdringen. Doch inzwischen hatte die von unten schnell herannahende Dämmerung schwarze Farbe in den Nebel gekippt. Fedor konnte kaum mehr seine Hand vor den Augen sehen. Weit entfernt von ihm schienen am Boden des Trichters ein paar winzige Lichter zu tanzen. Er wusste nicht, ob er sie sich nur einbildete. Das Schlimmste aber war die stumpfe Stille um ihn herum. Sie ängstigte ihn mehr als alle Mörder und Halsabschneider von Antenora.

»Sascha?«, flüsterte er erneut, nun schon resigniert. Er fürchtete sich vor dem namenlosen Grauen, das mit dem Nebel in die Grube gelangt war.

Die einzige Antwort, die er erhielt, war die ferne Lagersirene, die mit einem Mal laut erscholl. Ihr Lärm erschreckte den Lauschenden so sehr, dass er seinen Herzschlag hektisch am Hals pochen fühlte. Nun würde sich ein Trupp Wärter auf den Weg machen und die Arbeiter einsammeln. Nicht mehr lange, dann würden sie auch bei ihm ankommen – er hatte vielleicht noch eine Viertelstunde, eher weniger. Nun musste er sich beeilen! Er konnte nicht mehr weiter auf eine Antwort von Sascha warten und rannte zurück zu seinem Abschnitt. Dort hatte sich nichts verändert. Der Leichnam lag unberührt im Schlamm. Fedors Gedanken rasten. Was nun? Er nahm zuallererst das Bajonett an sich und steckte es der Leiche vorne in die Jacke. Dann packte hektisch den schlaffen Körper an seinen Füßen und zerrte an ihm. Zuerst ging es sehr schwer, als würde sich ein im Erdboden versteckter Gumenik an ihm festklammern.

[Zum 18. Teil …]

Die drei bisher erschienen Bände der Geltsamer-Trilogie mit ihren neuen Titelbildern. Sie sind in jeder gutsortierten Buchhandlung und selbstverständlich überall als E-Book erhältlich.

In den Bücherkellern des Vatikans (16)

Der Autor, Dr. Geltsamers erinnerte Memoiren, Fortsetzungsroman, Geschichte, Gesellschaft, Künstlerroman, Kriminalroman, Leseprobe, Literatur, Literatur, Märchen, meine weiteren Werke, Phantastik, Roman, Sprache, Werkstattbericht

<– zum 15. Teil …

Aber dann kam der Nebel. Sein erstickender Schleier leuchtete blendend von innen heraus und merkwürdige Lichtreflexe funkelten in ihm. Er wurde auch in der Nacht kaum düsterer, sondern nur ein wenig gelber, als würde jemand Kurkuma in den Milchbrei einer каша rühren. Da war es bereits ein abenteuerliches Unterfangen, sich von den Baracken zu den Latrinen zu tasten, ohne sich dabei hoffnungslos zu verirren. Dieses Mikroklima in der künstlichen Caldera von Antenora war selbst jetzt im beginnenden Herbst einzigartig und ein Naturphänomen, das man hier im Oblast noch nie gesehen hatte. Zu dieser Jahreszeit zogen von Norden her heftige Sturmwinde über die eisigen, staubtrockenen Hochebenen des Putorana-Gebirges. Sie nagten an den Spitzen unserer aufgehäuften Erdpyramiden und verwehten deren Dreck und Staub bis weit hinunter ins Flachland und bis nach Nganatgi, auf das der Staub aus unserer Grube wie ein Ascheregen fiel. Die die LKW-Fahrer berichteten, allein unsere tiefe Grube sei mit dem merkwürdigen Nebel gefüllt und sie hatten es sehr eilig, wieder fortzukommen. Diese abergläubischen Wogulen flüsterten untereinander davon, dass Xul’ater, der Herrscher der Unterwelt, den Nebel geschickt hätte, weil er erzürnt war, dass wir in seine heiligen Stätten vordrangen und seine Gebeine entwendeten. Sie sagten, von der Ferne würde Antenora wie ein milchiger See wirken, wie das blinde Auge eines Urweltungeheuers, das hier begraben lag.

Die Gefangenen, die tief unten am Grund der Grube schufteten, waren aufgeklärte Sowjetmenschen. Sie glaubten nur an die Geister, die sie nach dem Genuss einer Flasche Wodka zu Gesicht bekamen. Aber auch sie wussten furchtsam zu erzählen, dass der Dampf tatsächlich von unten wie direkt aus der Hölle käme und nicht über Nacht vom Himmel gefallen wäre. Er würde handwarm und stickig aus mehreren Spalten aus dem Erdreich der Ausgrabung emporquellen, als wäre dort unter unseren Füßen ein tätiger Geysir. Der Dampf würde an den Austrittsorten merkwürdigerweise intensiv nach Zitrusfrüchten riechen und in unangenehm in der Nase stechen.

Wenn die Gefangenen am Morgen mal ihr Arbeitsquadrat gefunden hatten, war es in dem Nebel allerdings beinahe angenehm. Trotz des Seiles, durch das alle miteinander verbunden waren, damit sich niemand verlief oder den Wahnwitz eines Fluchtversuchs unternahm, war er fast ein angenehmerer Aufenthaltsort als die Baracken, in dem es seit einiger Zeit immer häufiger zu Streitigkeiten und spontanen Gewaltausbrüchen kam. Die Temperatur glich unterhalb des Lagers der in einem Badeort am Schwarzen Meer. Man fühlte sich in dem hell leuchtenden, fürs Auge kaum durchdringbaren Wattemeer, in dem die Wassertropfen wie Diamantenstaub glitzerten, merkwürdig geborgen. Die Wärter kontrollierten einen kaum und verließen nur selten ihre Kontrollpunkte. Erst nach Ende der Schicht holten sie die Seile ein. Doch da waren die vielen geisterhaften Stimmen und Geräusche um einen herum. Sie klangen seltsam verzerrt durch die Milchweiße heran. Es war, als hätte man seinen Kopf in Wasser getaucht. Unmöglich, festzustellen, ob die Gesprächsfetzen und Töne von nah oder fern ans Ohr drangen oder gar die Richtung anzugeben, aus der sie kamen – manche schienen von einem anderen, fremden Ort oder einer anderen Zeit zu stammen. Es gab Gefangene, die schworen bei den Honigtöpfen ihrer бабушка, sie hätten gregorianische Chorgesänge gehört. Dann wieder echoten dunkle Schlagschatten herum, tauchten aus dem Nichts, erschreckten einen, wuchsen zu gewaltiger Größe, um dann blitzartig wieder in sich zusammenzufallen. Die Schatten grotesker Fabelwesen waren zu entdecken, verwachsene Riesen und die ruhelosen Seelen der im See Ertrunkenen gaukelten einem vor den Augen.

So weit es möglich war, ignorierte jedermann diesen Irrwitz, der wie ein Albdruck auf den Gemütern der Gefangenen und selbstverständlich auch der Wächter lastete. Aber je länger die seltsame Inversionslage andauerte und wir im ›Milchsee‹ schwammen, umso nervöser und gereizter ging es in den Baracken zu und langsam breitete sich Verfolgungswahn aus. Das Gerücht machte die Runde, es wäre etwas in der Luft, das diese Zustände auslöse. Alle in Antenora sehnten sich nach der Kälte und der Finsternis zurück.

Ihren allgemeinen Höhepunkt erreichte die Hysterie in der zweiten Woche, als kurz hintereinander ein Anschlag auf das Leben von meinem Fedor verübt wurde und Sascha Senjunin, der das Planquadrat neben ihm bearbeitete, spurlos verschwand. Es war, als hätte ihn eines der Nebelungeheuer gefressen. Habe ich dir schon von Sascha erzählt, mein Freund? Ich glaube nicht, deshalb lasse es mich hier rasch nachholen und verzeihe mir die Wut, mit der ich zurückblicke: Um Senjunin von den anderen Saschas, die wir zuhauf im Lager hatten, zu unterscheiden, wurde er von allen голубое саша – ›himmelblauer Sascha‹ gerufen. Er war vor seiner Karriere als Gulageinsasse Tänzer im Kirow-Ballett der berühmten Waganowa gewesen. Sascha, was ja eigentlich ›der Männer Abwehrende‹ heißt, war wirklich kein sehr passender Name für jemanden, der als Prinz Siegfried im ›Schwanensee‹ einige Erfolge feiern konnte und mit unserem großen Nationalkomponisten die Vorliebe fürs eigene Geschlecht teilte. Er hatte auch das gleiche verschreckte Mopsgesicht Tschajkowskys, in dem der gleiche kurz geschorene und hellbraune Vollbart wuchs. Die zärtliche Pflege seiner Manneszierde kostete Sascha fast seine ganze freie Zeit. Er war aber trotzdem eine zartgliedrige, überaus elegante Erscheinung geblieben, die in keine Schublade passte und für die das Wort androgyn erfunden wurde. Trotzdem war er wie jeder Balletttänzer sehr muskulös und zäh.

Seit 1934 ging das homophobe Väterchen Stalin auch massiv gegen Schwule vor und ließ sie zu Tausenden in Arbeitslager deportieren oder gleich exekutieren. Sie gehören zu den vielen vergessenen Opfern seiner Säuberungen. Die miefig bäuerlichen Vorstellungen unseres ›Stählernen‹ von Gesellschaft und Familie hatten die Vorstellungen der kulturell-liberalen Avantgarde der Zwanzigerjahre verdrängt und fanden bei uns Russen einen überaus fruchtbaren Nährboden. Auch heute sind noch in der realsozialistischen Gesellschaft der UdSSR fest verankert, wo jeder Homosexuelle als ›Päderast‹ bespuckt und geächtet wird. Dennoch ließ man den ›himmelblauen Sascha‹ in Antenora meist in Ruhe. Tatsächlich erweckte er bei einigen kaum eingestandene Begehrlichkeiten, über die ich lieber Stillschweigen bewahren möchte. Rückte ihm doch einer zu nahe, war er durchaus in der Lage und auch willens, ihn sich notfalls mit einem gezielten Fausthieb vom Leib zu halten. Er war ein Einzelgänger und hatte eigentlich nur näheren Kontakt zu Fedor und damit auch zu mir. Mein Freund, der sich ja als ein geschickter Schwarzmarkthändler entpuppt hatte, ließ Sascha häufig an seinen kleinen Geschäften teilnehmen und besorgte für ihn die Döschen mit ungarischer Bart-Wichse, Borodist-Öle und die Bürsten aus Wildschweinborsten. Frage mich nicht – ich habe keine Ahnung, über welche Kanäle Fedor im tiefsten Sibirien an solche exquisiten Dinge kam. Obwohl ich ebenfalls von seinem Handel profitierte, hielt ich mich ja von der illegalen, aber äußerst lukrativen Schattenwirtschaft fern, in die die Hälfte der Gefangenen, Wärter und Arbeiter von außerhalb verwickelt war.

Aber nun lass mich von dem Anschlag auf Fedors Leben berichten. Es war bereits später Nachmittag. Fedor, der nicht besonders fleißig den ganzen Tag unten in seinem Planquadrat gearbeitet hatte, stand am Rand seiner Ausschachtung. Er stützte die gekreuzten Arme entspannt auf den Querholm seiner Schaufel und wartete geduldig auf das zweimalige Zerren an dem Seil, das mit einem Haken an seinem Gürtel befestigt war. Dies war das Signal für die Gefangenen, dass es Zeit für den langen und blinden Rückmarsch war. Fedors ›Ariadnefaden‹ war wie der der anderen weiter oben mit einer dicken Hauptleine verknotet, die auf dem Weg zurück zum Lager lag. Mit dieser sinnreichen Erfindung war es dem Direktor gelungen, trotz des dichten Nebels weiter an seiner Ausgrabung arbeiten zu lassen. Wenn dann am Abend endlich die Lagersirene heulte, gingen mehrere Wächter von dem dicken Tau geleitet den Weg ab. Dabei zogen sie an den Seilen und sammelten auf diese Weise langsam die Arbeiter ein. Bisher hatte das sehr gut funktioniert.

 

[Zum 17. Teil …]

Die drei bisher erschienen Bände der Geltsamer-Trilogie mit ihren neuen Titelbildern. Sie sind in jeder gutsortierten Buchhandlung und selbstverständlich überall als E-Book erhältlich.

Videos, Illustrationen und … keine Sau interessiert’s

Über den Roman, Brautschau, Der Autor, Der Weg der in den Tag führt, Die Verliese des elfenbeinernen Palastes, E-Books, Fantasy, Fantasy, Gedankensplitter, Glosse, Katzen, Kunst, Leben, Mánis Fall, meine weiteren Werke, Phantastik, Roman, Science Fiction, Video, Werkstattbericht, Zyklus

Ich habe in der letzten Woche sehr fleißig weiter an meiner neuen Website

BRAUTSCHAU

gearbeitet und z. B. ein paar kleinere Videos zu den Leseproben dort erstellt und habe für meine Laienspielaufführungen übrigens nur Windowsbordmittel benutzt. Nachdem ich nun den Trick weiß, mit dem es mir gelingt, Videos in meine WordPress-Mediathek hochzuladen und sie in Beiträge einzufügen, denke ich, dass ich das noch häufiger machen werde. (*) Wie gefallen dir meine ersten Versuche? Ich habe auch begonnen, für meine neue Site die doch recht primitiven und arg hässlichen Landkarten neu zu gestalten, die meine Brautschau-Bücher bislang verunzierten.

Dazu verwende ich die gute Landkarten-Software „Wonderdraft“, mit der es nach ein wenig Eingewöhnung, Zeit und Nachbearbeitung möglich ist, schöne Fantasy-Maps zu erstellen. Ich finde, zu einem guten Fantasy-Roman gehört auch eine Karte, auf der der Leser mit dem Finger nachvollziehen kann, wie die beschriebene Welt aussieht. Wie findest du meine neuen Entwürfe?

Du siehst also, dass ich das Beste aus dem Lockdown und der Homeoffice mache, zu der ich wie wir alle wegen des Scheiß-Virus‘ verdammt sind. Ich versuche inzwischen, diese bewegungslosen Wochen nicht nur als Gefängnisaufenthalt in Einzelhaft, sondern auch als Chance zu nutzen. Leider gibt es ein altes Problem, das mich immer wieder in Depressionen stürzt: Niemand kauft meine Bücher, niemand rezensiert sie, niemand interessiert sich für meine Literatur. Ich kann keine Leser erreichen, mir kein Publikum aufbauen. Auf meiner neuen Site kommt mich niemand besuchen und auch hier akuf meinem Blog sieht es ja seit Längerem zappenduster aus, wenn ich mal von dir absehe, liebe einzige Leserin. Das alles ist tödliches Gift für jeden Künstler und ich nehme jeden Tag einen Schluck von ihm …

Deshalb versuchen es Amy und ich heute mal mit Hypnose:

Du willst meine Bücher lesen! Du willst meine Bücher lesen! Du willst meine Bücher kaufen und lesen! Du willst!

________________

(*) Der Trick ist, es nicht zu versuchen, die mp4-Datei des selbsterstellen Videos in der Desktop-App von WordPress hochzuladen, denn das wird mir aus angeblichen Sicherheitsgründen verweigert. Es geht aber merkwürdigerwesie anstandslos in der Smartphone-App (Zumindest auf Android).

17.01. Mánis Fall und die Dramen der Natur

Über den Roman, Der Autor, E-Books, Fantasy, Gedankensplitter, Heimat, Katzen, Kolumne, Leben, Literatur, Mánis Fall, Mein Dorf, meine weiteren Werke, Phantastik, Roman, Science Fiction, Video, Werkstattbericht, Wochenlese

Sonntag, 17.01.21

Liebe Leserin,

ich kann mir gut vorstellen, dass ich dir mit meiner penetranten Werbung für meine neue Internet-Präsenz

Brautschau – Zeit muss enden

inzwischen ein wenig auf die Nerven gehe. Aber ich hoffe eben, dass ich mit meiner Werbung nicht nur dich, chinesische Suchmaschinen-Bots und all die 100.000 Spammer erreiche, die mir mit nervtötender Penetranz Onlinecasinos und Pornographie anpreisen. Vielleicht gelingt es mir ja, auch jemanden anderen von hier auf meine andere Site zu locken. Denn das Angebot dort ist einfach zu gut, um es ablehnen zu können. Gerade erst gestern habe ich dort den Anfang meines neuen Romans „Mánis Fall“(1) vorveröffentlicht. Er ist der Einstieg in meinen Brautschau-Zyklus, von dem ich bereits drei dicke Bücher herausgegeben habe. Obwohl am Anfang einige der Hauptfiguren der Saga auftreten, kann „Mánis Fall“ ohne Vorkenntnisse gelesen werden, da er Ereignisse schildert, die sich fast 6000 Jahre vor der Haupthandlung ereignen. Ich will den Roman, der mehr Science-Fiction als Fantasy ist, noch in diesem Jahr veröffentlichen.

Ich habe den deprimierenden Lockdown der letzten Wochen dazu genutzt, fleißig an meinen Texten zu arbeiten und auch unendlich viel Arbeit in die Brautschau-Site gesteckt. Dass ich überhaupt keine Rückmeldungen oder Kommentare bekomme und die Romane nicht gekauft und nicht gelesen werden, das lässt mich schon ein wenig verzweifeln. J.R.R. Tolkien würde N.M. Klammer lesen. Warum nicht auch du?

In der letzten Woche hat sich mal wieder ein Drama in mehreren Akten ereignet. Im Mittelpunkt stand wie in den meisten Fällen, wenn es im Klammerschen Haushalt dramatisch wird, meine Katze Amy. Als ich am Mittwochmorgen aufstand und mich mit viel Kaffee selbst in den Tag schupsen wollte, bemerkte ich, dass sie schon die ganze Nacht unbeweglich und ausdauernd vor meinem Kaminofen (2) in Lauerstellung war.

Da es regelmäßig geschieht, vermutete ich gleich, dass sich die ältere Katzendame mal wieder etwas zum Spielen und Naschen mit in die Wohnung geholt hatte, das ihr dann entkommen war und sich im Ofen verbarg. Ich entfernte also die untere Abdeckung und fand eine putzmuntere Feldmaus, die sich dort recht behaglich eingerichtet hatte. Halten Feldmäuse eigentlich keinen Winterschlaf? Leider entwischte das putzige Tierchen (Frau Klammerle sieht sie etwas differenzierter als ich) und kletterte höher ins Innenleben des Ofens, wo sie für mich unereichbar war und mir wahrscheinlich eine Nase drehte.

Also stellte ich eine Falle auf. (3) Leider entschied sich die kleine, hübsche Maus in der darauffolgenden Nacht, mein Rettungsangebot zu ignorieren und stattdessen ihre neue Umgebung zu erkunden. Amy war jedoch noch immer auf der Lauer. Es gab kurz nach Mitternacht einen kurzen Krach im Wohnzimmer, dann herrschte Ruhe. Am nächsten Morgen fand ich nur noch eine stolze Katze vor. Die Maus ist seitdem verschollen. Ich habe nicht einmal einen Rest von ihr gefunden.

Und die Lehre daraus? Tja. Lieber in einer Falle gefangen, als in Freiheit gefressen? Gehst du nicht in die Natur, dann kommt sie zu dir? Keine Ahnung. Auf jeden Fall habe ich gerade in meinem Gärtchen ein Denkmal für die beiden Helden meiner kleinen Geschichte aufgestellt.

Ach, ja! Du hast es gesehen. Es schneit. Vier Wochen zu spät, aber immerhin. Und ich kann ihn genießen, da ich momentan das Auto nicht bewegen muss. Und ja, ich habe gerade auch viel Spaß daran, Videos zu machen und zu bearbeiten. (4)

Ich wünsche dir in dieser bewegungslosen, erstarrten Zeit einen schönen und besinnlichen 8. Adventssonntag.

Bis zur nächsten Woche, dein Nikolaus.


(1) Ein wenig Nerd-Wissen, falls du neugierig bist: Máni ist in der nordischen Mythologie der Gott des Mondes. Er findet in der nordischen Dichtung und selbstverständlich auch in der Edda Erwähnung. Während Ragnarök, also am Ende aller Zeiten, wird er von dem Wolf Hatti verschlungen.

(2) Winter, Schneefall, ein bullernder Holzofen, Glühwein, ein fetter Roman, Frau Klammerles selbstgebackene Leckereien … Kann das Leben im Lockdown schöner sein?

(3) Selbstverständlich eine Lebendfalle. Ich bin ja Vegetarier und kein Unmensch. Ich habe in dem Ding schon mehrere Mäuse gefangen (der beste Köder ist Marzipan oder, wie sind ja in Bayern, altbackene Brezelbrocken). Wir hatten Anfang letzten Jahres für drei Wochen eine Maus hinter dem Kühlschrank, die mir die Vorgängerfalle zuverlässig leerfraß, sich aber nie fangen ließ. Ich vermutete zuerst, das Tier sei sehr clever. Aber in Wirklichkeit war die Falle defekt. Die neue hatte ich keine zwei Stunden aufgebaut, als ich die Maus schon gefangen hatte und sie auf dem nächsten Acker aussetzen konnte.

(4) Ich weiß, ich bin lästig mit meiner Werbung. Aber bei der Gelegenheit möchte ich dich noch einmal auf meinen Youtube-Kanal aufmerksam machen, auf dem ich aus meinen Romanen lese.