16.07.21 – Kummer mit „Klummer“

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klummer

Freitag, 16.07.21

Nein, ich werde kein Foto von meinem Impfpass oder den Pflastern an meinem Arm posten! (1) Seit nun zwei Wochen gehöre ich ebenfalls zu den bundesrepublikanischen Privilegierten, die eine vollständige Corona-Impfung hinter sich haben. Und es geht mir ausgezeichnet dabei. Die beiden kleinen Nadelstiche in den Oberarm knapp unterhalb meiner Pockenimpfungsnarbe hatten keinerlei Neben- oder Nachwirkungen. Gesundheitlich (ich habe ja über 50 Pfund abgenommen) geht es mir so gut wie schon lange nicht mehr. Die Irren von der Impfgegner- und Coronaleugnerfront sind zwar der Meinung, dass ich damit mein eigenes Todesurteil unterschrieben habe, dessen Vollstreckung Gevatter Hein im Spätherbst zuverlässig erledigen wird – aber, hey, immerhin kommt nun ein Sommer, in dem ich wieder relativ unbelastet arbeiten, Freude und Verwandte treffen, in Konzerte und Essen gehen, reisen und Bergwandern kann. Das ist es wert. (2)

Oder aber: Das passiert alles nicht mir, sondern „Norbert Klummer“. Und das kam so: Zu den Impfungen meldete mich mein Arbeitgeber an, bei dem ich –  ständig einer größeren und wechselnden Personengruppe ausgesetzt – meinem Brotberuf nachgehe. Dabei kam es zu einem Übermittlungsfehler, den ich allerdings erst bemerkte, als der zweite Termin im Impfzentrum anstand und ich meine Unterlagen zusammensammelte. Dort stand zu lesen, dass statt „Nikolaus Klammer“ „Nikolaus Klummer“ die Impfung erhalten sollte. Nicht einmal meine Wohnadresse stimmte – es war die Adresse meines Arbeitgebers eingetragen. Ich machte im Zentrum selbstverständlich das Personal und den Arzt sofort auf diesen Fehler aufmerksam. Der ungläubige Arzt fragte mich zuerst allen Ernstes, ob ich zwischen den Impfungen meinen Namen in „Klammer“ geändert hätte.

„Klar. Ich habe geheiratet und den Namen meiner Frau angenommen.“ Er goutierte meinen Humor nicht und danach hatte ich es schwerer mit ihm. Zwar weist mich mein gelber Impfausweis richtig als „Klammer“ aus, aber leider hat auch er ein Manko. Als der Pass irgendwann in den 70ern erstellt wurde, hat sich die Arzthelferin beim Vornamen geirrt. Auf dem Impfausweis steht „Norbert Klammer“. Ich habe den „Norbert“ dann damals einfach durchgestrichen, in krakeliger Schrift „Nikolaus“ drübergeschrieben und mir in all den Jahren bei meinen Gelbsucht-, Tetanus- und all den anderen Impfungen nie Gedanken darüber gemacht. Ich kann also nicht beweisen, dass ich „ich“ bin und auf jeden Fall konnte niemand im Computer des Impfzentrums meinen Datensatz ändern und einfach aus dem „u“ ein „a“ machen.

„Das ist uns aus Datenschutzgründen nicht möglich“, hieß es. Dies ist echte deutsche Bürokratie. Der Datenschutz schützt mich vor mir selbst. (3) Der Fehler liegt immer bei mir und nie im Amt. Deshalb erhielt ich zwar trotzdem meine zweite Impfung, aber das QR-Zertifikat für die Corona-App nennt mich unverdrossen „Nikolaus Klummer“ (In die Luca-App kann ich es erst gar nicht eintragen). Bislang gab es damit keine Probleme, aber wenn ich in einem Monat nach Österreich und Südtirol zum Bergwandern reisen will, werde ich wohl meinen Namen in „Norbert Klummer“ ändern müssen, wenn ich über die Grenze möchte. Denn was im Computer steht, stimmt. Da könnte ja jeder kommen!

Ja. Wir wagen es und werden im August für mehrere Wochen verreisen. Wir haben Ferienwohnungen gebucht. Zuerst geht es ins Kaunertal und dann hoch zum Stilfser Joch. Jetzt hoffen wir, dass uns „Delta“ oder dieser Regenloch-Sommer(1) nicht noch dazwischen grätschen und wir in der Abgeschiedenheit und Einsamkeit auf unsere Berge steigen und Ruhe und Abstand finden können. Drückt uns die Daumen!


(1) Ich habe keine Ahnung, was die Leute dazu treibt, Instagram und Facebook mit solchen exhibitionistischen Aufnahmen zu fluten. In diesem Zusammenhang: Seit mehreren Monaten gibt es offenbar keine Nachrichtensendung mehr, in der nicht in Großaufnahme gezeigt wird, wie jemandem eine Impfung gesetzt wird. Ich glaube, ich habe in dieser Pandemie mehr entblößte Oberarme gesehen als in meinem ganzen Leben vorher. Es gibt viele Körperstellen, die beim Durchschnittsbürger nur bedingt erotisch sind und bleiche, picklige, fette Oberarme gehören definitiv dazu.

(2) Frau Klammerle ist übrigens schon seit Januar doppelt geimpft und ihr geht es ebenfalls glänzend. Sie lässt grüßen. Und lasst euch verdammt noch mal impfen! Es gibt kein vernünftiges Argument dagegen. Impfung ist der einzige Weg, um diese Pandemie zu überwinden. So sind wir auch die Pocken und die Kinderlähmung losgeworden und hoffentlich bald auch die Masern.

(3) Vor ein paar Jahren benötigte Sohn Nr. 2 für seinen Beruf als Erzieher ein sauteures, sogenanntes erweitertes Führungszeugnis. Als es endlich eintraf, stellten wir fest, dass als seine Staatsbürgerschaft als „finnisch“ angegeben war. Als Frau Klammerle nach endloser Buchbinder-Wanninger-Telefoniererei endlich bei der zuständigen Stelle landete, wurde sie allen Ernstes zuerst gefragt, ob es nicht möglich sei, dass er doch Finne sei. Es musste von ihr einiges an Überzeugungsarbeit geleistet und eidesstattlich versichert werden, dass es in unserer Familie noch nie einen Finnen gab, bis wir ein zweites, richtiges Zeugnis bekamen, das wir selbstredend noch einmal bezahlen mussten. Ein anderes Beispiel: In meinem digitalen Personalbogen bei meinem Brötchengeber steht eingetragen, dass ich insgesamt 4 Söhne hätte, Zwillinge, die wie mein Sohn Nr. 1 heißen und zwei, die den Vornamen von Sohn Nr. 2 tragen. Dieser Fehler wurde auch nie verbessert, obwohl ich mehrmals auf ihn hingewiesen habe. Ich habe keine Ahnung, was dieser Tippfehler noch für Konsequenzen haben wird.

(4) Nein, ich werde nicht über diesen beschissenen Sommer jammern! Ich will mir das abgewöhnen. Ist dir aufgefallen, wie viele Fotos von Regenbögen gerade gemacht werden? Ich habe mich auch schon dabei ertappt; man kommt ihnen morgens und abends kaum mehr aus. Dies ist ein Regenbogensommer. Und das ist ein herrlicher Titel für einen Roman, für den ich hiermit das Urheberrecht beanspruche (Demnächst in der Galerie der imaginären Cover)