09.03.21 – Stromausfall, Cevennen und Grammatik

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Dienstag, 09.03.21

Liebe Leserin,

ich habe es wieder getan. Erneut habe ich als Selfpublisher mit „Stromausfall“ ein Buch veröffentlicht, das du seit gestern überall im Online-Buchhandel erwerben oder beim Buchhändler deines Vertrauens bestellen kannst. Es ist mittlerweile mein 14. Buch, seit ich im März 2017 damit begonnen habe, meine Werke auf diese Weise unter die Menschheit zu bringen. 

Ich komme dabei fleißiger rüber, als ich bin. In einem Schriftstellerleben wie dem meinen, das ich nun ja schon über 40 Jahre lang führe, sammelt sich doch einiges in der Schublade an. Ich habe zum Beispiel noch zwei komplette Kriminalromane, einen SF-Roman und einiges Halbfertiges im Materiallager herumliegen, dazu kommen Erzählungen, Kurzgeschichten, Essays – sogar Lyrik. (1) Diese Texte müssen nur überarbeitet, geglättet, ergänzt oder beendet werden. Zusammen mit den neuen Texten, die gerade entstehen, werde ich noch einige Zeit damit weitermachen können, 2 oder sogar 3 Bücher im Jahr zu veröffentlichen.

Die vier Erzählungen in „Stromausfall“, die ich gerade veröffentlicht habe, sind alle aus den frühen 90ern und eine sogar aus den 80ern, also gut abgelagerter und alter Käse, den ich nur ein wenig entstaubt und im Fall von „Eine andere Art der Liebe“ erweitert und umgeschrieben habe.

Meine buntgemischte Bücherreihe im Eigenverlag gebe ich auch zu meinem Privatvergnügen heraus, um meine eigenen Werke in akzeptablen Ausgaben ins Bücherregal stellen zu können. Ich werde dadurch weder als Autor bekannter, noch kann ich mit den Taschenbüchern und E-Books Geld verdienen. Aber ich gebe zu, dass ich manchmal manische Schreibphasen habe, in denen ich gut vorankomme. Bis zum nächsten Buch, dem 4. Geltsamerband, wird jeodoch noch ein halbes Jahr vergehen; da bin ich mittendrin und die Protagonisten bereiten mir gerade ein paar Widerstände. Ich rechne mit seiner nächsten Veröffentlichung frühstens Ende des Sommers. „Mánis Fall“ – der Prolog-Roman zu meiner Fantasy-Reihe „Brautschau“  – wird noch ein paar Monate länger brauchen, bis ich ihn wahrscheinlich um Weihnachten herum freigebe. Die ersten 90 Seiten kannst du auf brautschau.blog lesen. Jede Woche kommen noch einmal 10 Seiten hinzu.

Eine Protagonistin der Erzählung „Eine andere Art der Liebe“, mit der „Stromausfall“ beginnt, ist Clara Szczeszny. Sie ist in der Erzählung, die Anfang der 90er Jahre spielt, eine noch junge Augsburger Autorin, die kurz vor dem Durchbruch steht. Da ich gerade an solchen Spielereien Spaß habe, zeige zeige ich dir mal das Cover ihres Erstlingsroamans, der in der Geschichte mehrmals erwähnt wird. Du siehst mal wieder, dass ich von meinen Figuren wesentlich mehr weiß, als dann in der Geschichte über sie erzählt wird. Wer meine Romane aus der „Jahrmarkt in der Stadt“-Reihe gelesen hat, kennt Clara übrigens auch aus den zeitlich später angesiedelten Romanen „Nutzlose Menschen“ und „Die Wahrheit über Jürgen“ (beide als Paperback oder E-Book erhältlich), in denen sie eine wichtige Figur ist. Inzwischen ist sie eine arrivierte Augsburger Autorin und ihr „Lavendelbett“ wurde gerade verfilmt.

Zugleich ist dieses Cover ein weiterer Beitrag zu meiner neuen „Galerie von „Imaginierten Buchtiteln“. Und noch ein Insider für die Fans meiner Geltsamerreihe: Clara Szczesny veröffentlicht im Welkenbaum-Verlag. Hier noch ein Ausschnitt aus „Eine andere Art der Liebe“:
»Für viele bin ich die Eloise du Bracque aus dem ›Lavendelbett‹. Du glaubst gar nicht, wie oft ich danach gefragt werde, ob der Roman auf eigenen Erfahrungen beruht.« – »Und? Tut er das?«, fragte Gitta und verzog maliziös die Mundwinkel. Sie selbst hätte ihr Lächeln niemals maliziös genannt – sie hatte nicht einmal eine genaue Vorstellung davon, was das Wort eigentlich bedeutete – aber Clara kam dieses Adjektiv sofort in den Sinn. Auch wenn sie sich lieber einen Finger abgeschnitten hätte, bevor sie es in einem ihrer eigenen Texte zu verwendet hätte. Sie gehörte nicht zu den Autorinnen, die angeberisch ein Fremdwort benutzten, wenn es auch passende deutsche Formulierungen dafür gab.
»Du fragst mich allen Ernstes, ob ich meinen schwindsüchtigen Ehegatten mit einem muskulösen, cevennischen Bauernsohn betrogen habe?« – »Und? Tust du das?«

 

Der gestrige Abend fand mich bei meiner Lieblingsbeschäftigung: Ich saß in meinem Lesesessel, begann ein neues Buch und nippte an einem Glas Weißwein. Die Katze hatte es sich auf meinem Schoß gemütlich gemacht. Der Roman, den ich begonnen habe, war „Sprich mit mir“ von T. C. Boyle. Das ist ein Autor, den ich sehr schätze, obwohl seine Bücher in letzter Zeit etwas nachlassen. Aber „Die Frauen“ ist einer der besten Romane, die ich je gelesen habe. Leider kam ich bei „Sprich mit mir“ nur bis zur Seite 33, als mir der Text eine heftige Ohrfeige verpasste, die mich dazu bewog, das Buch wütend in die Ecke zu schmeißen und den Fernseher einzuschalten (2). Nachdem kurz vorher schon „Worte“ und Wörter“ verwechselt worden waren, tauchte eine geballte Ladung an gravierenden Grammatikfehlern auf, die mir den Spaß verdorben haben. Ich weiß, dass Boyle nichts dafür kann und ich kann auch normalerweise gut mit Druckfehlern leben. Die tauchen schließlich in jedem Buch auf – selbstverständlich auch in meinen eigenen. Aber das hier ist nur Schlamperei vom Hanser-Verlag, der offenbar kein Lektorat mehr beschäftigt. Der Übersetzer jedenfalls ist mies oder hat – wahrscheinlich schlecht bezahlt und unter Zeitdruck – extrem schlampig und oberflächlich gearbeitet. Gefühlt taucht zum Beispiel in jedem dritten Satz eine mehr oder weniger missglückte „dass“-Nebensatzkonstruktion auf, die ein typischer Anfängerfehler ist und die ein erfahrener Schriftsteller wie der Teufel das Weihwasser meidet. Ich werde wohl ein anderes Buch lesen müssen – schade.

Geht dir das auch so? Oder bin ich der einzige, dessen innerer Monk solche Grammatikfehler nicht ertragen kann und sie – obwohl ich kein Deutschlehrer bin – am liebsten im Buch rot markieren würde?

Grüße, Nikolaus

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(1) Keine Sorge, die werde ich schön brav für mich behalten.

(2) „Magnus“ in der ARD-Mediathek. Unbedingt anschauen! Skurriler geht es kaum mehr.

02.03.21 – Die Leserschaft braucht Sensationen

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Dienstag, 02.03.21

Liebe Leserin,

ich habe vor genau 4 Jahren begonnen, meine Bücher als Selfpublisher und Indieautor zu veröffentlichen. Das machte ich in erster Linie, weil ich meine Werke gerne im Bücherschrank stehen haben wollte. Dann wurde ich etwas ehrgeiziger …

Sie machen sich doch gut im Bücherregal, oder?

Im März 2017 brachte ich also mit Meister Siebenhardts Geheimnis den ersten Roman meiner Fantasy-Reihe »Brautschau« heraus und praktisch gleichzeitig mit Die Frau, die der Dschungel verschluckte auch den ersten Band der »Geltsamer«-Reihe. Im Mai folgte dann schon Noch einmal davon gekommen mit meinen besten Blogartikeln. Danach habe ich bis heute noch zehn weitere Bücher veröffentlicht und in diesem Monat steht mit Stromausfall mein neuer Band mit Erzählungen in den Startlöchern.

Ich bin sehr naiv an die Sache herangegangen und habe viele Fehler gemacht, die sich noch immer auswirken und Mitschuld tragen, dass ich nur wenige Bücher verkaufe.

Die größten Fehler machte ich bei meiner Fantasy, die wie alte Semmeln in der Auslage verschimmeln:

Ich verwende für alle meine Bücher den gleichen Namen Nikolaus Klammer; egal ob das Werk Genre ist oder  Belletristik. Zumindest für die Fantasy hätte ich mir ein anderes, markantes Pseudonym suchen sollen, das Erwartungen weckt. Es wäre richtig gewesen, meine verschiedenen literarischen Gesichter durch unterschiedliche Namen zu trennen. Die Leserschaft möchte Klarheit – mein Name auf all meinen so unterschiedlichen Werken verirrt nur und stößt ab. Wenn die Leserinnen Milkaschokolade kaufen wollen, haben sie eine gewisse Erwartungshaltung, die erfüllt werden soll. Da darf das Produkt nicht plötzlich bitter oder salzig schmecken. Erec T. – das steht natürlich für Tiberius – Stronghold wäre z. B. ein toller Fantasyautoren-Name gewesen. Da steckt Ritterlichkeit drin, Mittelalter, Kraft und Pathos! Erec T. Stronghold statt Nikolaus M. Klammer – das klingt doch gut und ist leicht zu merken! Es schreiben ja auch nur Amis gute Highfantasy. Bei SF und Fantasy sollte eh viel mehr englische Sprache auf dem Titel auftauchen, der viel, viel reißerischer sein muss als meine Romantitel. Nicht »Meister Siebenhardts Geheimnis« und nicht »Brautschau« (1) – viel besser wären »His darkest secret« und »The Matchmaker Files«. Auch sollte unbedingt ein Zitat von Stephen King auf den Titel: Superb Fantasy! Das hat er freilich nicht über mein Buch, sondern über ein anderes gesagt. Also habe ich nicht gelogen, sondern nur selektiv zitiert. Denn ohne King-Zitat oder einen Vergleich mit dem „Herrn der Ringe“ geht es einfach nicht, wenn man ein Fantasybuch verkaufen will. Und auf jedes Cover muss ein SPIEGEL-Bestsellerautor-Aufkleber!

Halte ich mich daran, dann müsste mein Cover so aussehen:

Im Vergleich dazu sind die Titelbilder meiner Romane bieder und langweilig, ja abschreckend. Sie müssten vielmehr eyecatcher sein und dramatisch. Auch wenn sie wie in diesem von mir schnell hingepfuschten Cover (2) nichts mit dem Inhalt zu tun haben. Ich vermute wirklich, wenn meine Fantasyromane Cover wie dieses hätten, dann würden sie von den Leuten eifrig gekauft und gelesen. Aber will ich das? Möchte ich für meine Romane Leser, die auf solch ein Augenfutter hereinfallen?

Was meinst du? Soll ich mir noch ein Pseudonym zulegen und meine Bücher mit melodramatischen Pulp-Covern ausstatten? Vielleicht auch der Belletristik aus meinem »Jahrmarkt in der Stadt«-Zyklus die Titel attraktiver gestalten? Ich denke, ich werde eine Kunstaktion starten, die ich Die imaginären Cover nennen werde. Als nächstes mache ich aus »Aber ein Traum« einen Liebesroman von Jeanne Apprêt. Eine schöne Frau von hinten, Lavendelfelder, reife Zitronen, eine toskanische Villa … mir fällt schon etwas ein.

Ich hatte in einem Februar noch nie so wenige Zugriffe auf meinen Blog wie in diesem Jahr. Das mag auch daran liegen, dass man mir meine Lustlosigkeit anmerkt, für praktisch niemanden zu schreiben. Das ist ein Teufelskreis, ich weiß. In den nächsten Wochen werde ich hier noch ein wenig stummer sein, denn Frau Klammerle und ich sind am Renovieren. Wir lassen uns eine neue, topmoderne Küche einbauen und damit die alten Schränke Platz im Keller haben, wird er nach zwanzig Jahren endlich einmal ausgemistet. Im Moment herrscht also gerade ziemliches Chaos in der Wohnung und wir können nicht mal kochen. Die Lieferdienste freut es und wir haben sogar schon angegrillt.

Bis demnächst, dein Nikolaus

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(1) Ich will nicht nerven, aber warst du schon auf meiner neuen Website für meine Fantasy-Romane? Sie ist mir wirklich gelungen, finde ich. Auf brautschau.blog findest du alles, was du über diese Bücher wissen willst und noch vieles mehr.

(2) Keine Sorge, liebe Bookcover-Verkäufer, die ihr so eifrig bei Instagram eure Instant-Titelbilder anpreist! Ich habe nicht vor, euch Konkurrenz zu machen. Meinen kleinen Entwurf erkläre ich hiermit zur public domain – wer ihn von euch für seinen Fantasyroman verwenden möchte, kann von mir die Datei geschenkt haben.

22.02.21 – Ich … ein weißer Mann, ein Rassist?

Alltägliches, Aufreger, Der Autor, Fragen, Gedankensplitter, Geschichte, Gesellschaft, Kolumne, Leben, Literatur, Sprache

Montag, 22.02.21

Liebe Leserin,

wie wir alle, werde auch ich ohne mein Zutun immer wieder in eine neue Gruppe eingeteilt. Was oder wer letztlich bestimmt, zu welcher Menschengruppe ich gehöre, bleibt dabei recht diffus und es ist für mich meist nicht durchschaubar. Dies wird in einem gesellschaftlichen Dialog entschieden, der nur allzu oft ein Monolog ist, der über meinen Kopf hinweg bestimmt, was oder wer ich bin – oder gefälligst zu sein habe. Oft sind es äußere Faktoren, die mich definieren und auf die ich wenig oder überhaupt keinen Einfluss habe; z. B. mein inzwischen bibliesches Alter von 58 Jahren, das mich automatisch der Personengruppe der Boomer zuordnet und mir gewisse Eigenschaften unterstellt. Diese Eingruppierung konnte ich mir nicht aussuchen. Es ist ein Anzug, der mir nicht passt, aber ich muss ihn tragen. Und dann bin ich nicht einmal LSBTIQ* – ich hoffe, ich habe niemanden vergessen und beleidigt -, sondern nur ein unaufälliger, heterosexueller Mann, dessen Hautfarbe aufgrund seiner Ahnenreihe zwischen schweinchenfarben rosig und käsig weiß diffundiert und im Hochsommer an ungeschützten Körperteilen auch mal ins Hellbraune geht. Als Kind verkleidete ich mich u. a. als Cowboy oder Indianer und habe Huckleberry Finn und Jim Knopf gelesen. Ich gendere weder beim Schreiben meiner Literatur, noch beim Sprechen und sehe auch keinen Grund, dies zu tun. (1)

Ich hatte nie eine Chance: Aufgrund alldessen bin ich ein Rassist. Punkt.

Dies unterstellt mir zumindest die Erzählung, die die gesellschaftliche Diskussion in den Medien, der Politik und in den Universitäten dominiert. Es scheint mir jedoch die aus den USA herübergeschwappte Erzählung einer sehr übersichtlichen Anzahl von Personen zu sein, einer studentischen Avantgarde, der es trotzdem gelungen ist, kulturelle Dominanz zu erreichen und ihre Forderungen vielerorts durchzusetzen. Eine Diskussion ist nicht erwünscht und ich wüsste auch nicht, mit wem ich sie führen sollte. Inzwischen ähneln die schlimmsten Auswüchse wie shitstorms und die cancel culture Buchverbrennungen und Hexenverfolgungen (2) und führen in Extremfällen zur Vernichtung ganzer Karrieren.

Doch zurück zum Thema. Zweifelsohne gibt es in meiner Generation zuhauf Rassisten. Die Anzahl der Deppen stagniert auf hohem Niveau. Wer sonst würde die AfD wählen? Aber mich ohne Kenntnis meiner Person nur aufgrund meiner Lebensumstände zu den Rassisten zählen, ist eine Unverschämtheit. Diese ist zwar nicht –  wie manche argumentieren – „rassistisch“, aber zumindest ein Vorurteil, das mir entgegengebracht wird. Denn ich werde nicht über meine Person, sondern über meinen gesellschaftlichen Status eingeordnet.

Zwischen Vorurteilen und Rassismus ist ein gerne vergessener Unterschied. In meiner Familie gab und gibt es unverbesserliche Rassisten. Ich kann den Unterschied durchaus erkennen. Vorurteile kann man im Gegensatz zu Rassismus überprüfen und korrigieren. Aber „Ausrotten“ (LTI!) kann man sie beide nicht. Das Schubladendenken ist Teil der menschlichen Existenz, gehört zur Überlebensstrategie und wird übrigens auch oft mit der festen Meinung einer Person verwechselt. Ich habe Vorurteile – ja – wie alle anderen auch. Es gibt keinen vorurteillosen Menschen und es wird auch nie einen geben. Manche meiner Vorureile sind kleinlich, manche lächerlich, die meisten halten einer Überprüfung nicht stand. Aber im Gegensatz zum Rassisten setze ich mich mit meinen Vorurteilen auseinander und schere nicht alle aufgrund einer zufälligen Äußerlichkeit über einen Kamm.

Aber ich bin kein Rassist. Wir sind alle homo sapiens sapiens und stammen wahrscheinlich alle von einer einzigen „Eva“ ab, die vor 200.000 Jahren in Botswana lebte. Ihrer Hautfarbe war klimabedingt schwarz. Der Begriff „Rasse“ ist also höherer Blödsinn. Wir bald 8 Milliarden Menschen sind alle Familie und der Coronavirus macht keine Unterschiede. Warum dann wir? Das einmal als Erstes. Nun wird mir natürlich trotz dieser Aussage unterstellt, ich wäre zumindest unterschwellig und unterbewusst „Rassist“. Ich habe auf diesen Vorwurf hin meine Literatur untersucht. Freilich kommen in den meisten meiner Erzählungen und Romanen ausschließlich „Weiße“ vor. Sie spiegeln die gesellschaftliche Realität wider, in der ich existiere. In meinen Fantasy-Romanen sind übrigens nahezu alle „Nicht-Weiß“. Aber dies nur am Rande. Wie gehe ich nun mit den Personen, die in meinen Texten auftauchen und ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen angehören, um? Obwohl selbstverständlich das eine oder andere Stereotyp und Vorurteil durchschimmern mögen, kann ich keinen Rassismus entdecken, ich entwürdige niemanden aufgrund einer Äußerlichkeit. Ich überprüfe immer wieder meine Texte darauf. Das gleiche gilt auch für mein alltägliches Leben, in dem ich wegen meines Brotberufs mit sehr vielen Angehörigen von gesellschaftlichen Minderheiten begegne. Sehr bewusst versuche ich, die Einzelperson zu „beurteilen“ und nicht ihr Umfeld oder ihre Herkunft.


(1) Ich habe Lingua Tertii Imperii, 1984, Babel-17  und Die Kriegssprachen von Pao gelesen. Ich weiß, dass Sprache das Denken einer ganzen Gesellschaft und Generation beeinflusst, ja, manchmal mittels Sprache gezielt gesteuert wird. Wer auch immer die Sprache der Menschen diktiert, beherrscht sie, denn was nicht sagbar ist, ist auch nicht denkbar. Das Experiment, die deutsche Sprache durchzugendern und nicht nur Frau und Mann, sondern jede noch so winzige geschlechtliche Minderheit dabei mitaus- und anzusprechen, ist grotesk und muss meiner Meinung nach scheitern. Denn gerecht wäre Sprache nur dann, wenn ich tatsächlich jeden einzelnen von uns 81 Millionen persönlich ansprechen würde. Nur in diesem – unmöglichen – Fall könnte ich wirklich sicherstellen, dass alle mitgemeint sind und ich niemanden übersehen habe. Zumindest müsste sich eine gerechte Sprache nicht nur an Geschlechtsidentitäten, sondern auch an alle gesellschaftlichen Gruppen wenden, denn viele Menschen definieren sich nicht über ihr Geschlecht, sondern z. B. über ihren akademischen Grad. Wären die Sprachgenderapologethen konsequent, so müssten sie bei einer allgemeinen Anrede auch immer alle Doktortitel, die es gibt, alle Berufe, alle Heimatorte etc. aufzählen. Das kann höchstens ein Computer leisten. Diese babylonische Sprachverwirrung wird im schlimmsten Fall genau auf die Minderheiten zurückfallen, die man eigentlich einbeziehen wollte. Selbstverständlich ist Sprache eine scharfe Klinge ohne Griff, die man vorsichtig verwenden sollte, denn sie kann die Sprechenden wie die Hörenden verletzen. Aber wie weit soll dies gehen? Schon jetzt wird mancher brav ausgegenderte Zeitungsartikel unverständlich  – und wie ich finde anbiedernd.

(2) Ich werfe hier nur einmal nebenzu ein, dass es weniger die katholische Kirche war, die den Hexenwahn in Gang brachte, sondern die „modernen“ Kirchenreformer um Luther und Calvin. Im Mittelalter eher die Ausnahme, wurde die Hexenverfolgung erst mit der Neuzeit en vouge. Die meisten Scheiterhaufen brannten in protestantischen Gegenden. Warum ich dies erwähne und die Fußnoten mal wieder länger als den Haupttext mache? Selbstverständlich will ich auch beweisen, dass ich ein belesenes, schlaues Kerlchen bin. Aber dazu denke ich, dass die heutigen Sprachreformer den gleichen Fehler wie die Kirchenreformer machen und mit den Boomern eine Gruppe verteufeln, in die sie auch mich eingereiht haben. Versteh mich richtig: Ich betrachte ich mich nicht als ein Opfer von Verfolgung und würde auch nie die Unverschämtheit besitzen, mich einem zu vergleichen. Aber ich sehe auch, wohin solch ein radikaler Reformeifer führen kann.

06.01.21 – kurze Nachrichten aus dem Elfenbeinturm

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In herrlicher Einsamkeit hab ich manchmal in mir selber gelebt,
ich bin’s gewohnt geworden, die Außendinge abzuschütteln
wie Flocken von Schnee.
 Hölderlin

Mittwoch, 06.01.2021

Liebe unbekannte Leserin,

wir haben es also geschafft. Wir sind in Zweieinundzwanzig und damit endlich in den Zwanzigerjahren angekommen.(1)  Fühlt sich das Neue Jahr anders an als das erbärmliche 2020? Für mich eher nicht. Die äußeren Umstände haben sich nicht verändert, sie wurden sogar noch verschärft und nun müssen Frau Klammerle und ich uns wieder entscheiden, welcher unserer Söhne uns der Liebste ist und mit welchem wir uns treffen wollen. Immerhin: Es schneit …

Im Moment postet ja jeder in den sozialen Medien Winterbilder und ich musste neidisch zusehen, weil die Schneewolken bislang einen weiten Bogen um Diedorf machten. Aber nun hatte das Tief Ahmet zum Ärger der Idioten von der AfD und zu meiner Freude Erbarmen mit mir und hat zum ersten Mal in diesem Winter auch meiner Heimatgemeinde ein paar Flocken beschert. Mashalla! (2) Es ist wirklich eine Erleichterung. Die kurzen Tage um Neujahr waren grau, kalt, dunkel, deprimierend, einsam. Nun sind sie weiß, kalt, hell – und einsam. Das ist doch schon mal was! Am Nachmittag werde ich meine Boots anziehen und in die Wälder stapfen, die eiskalte Luft atmen und das Wunder genießen, wie ein wenig Schnee die Welt verzaubern und verschönern kann. (3) Dann werde ich auf meiner Terrasse die Glühweinreste von Weihnachten genießen und  mein ganz privates Dreikönigstreffen veranstalten: Frau Klammerle (die übrigens bereits geimpft ist), Katze Amy und meine Wenigkeit. C+M+B, „Christus mansionem benedicat“.

Bis dahin habe ich mich in mein Büro im ersten Stock zurückgezogen, die Heizung aufgedreht und schreibe weiter an meinem Geltsamer-Roman. Frau Klammerle liest inzwischen aufs Sofa gekuschelt und mit schnurrendem Katzen-„Topping“ unerschüttert und schmachtend im bereits 6. Band der „Schwesternsaga“ von Lucinda Riley. Das Leben im Elfenbeinturm ist schön.

Du hast sicher gesehen, dass „Die Bücherkeller des Vatikans“ gut vorwärts kommen und ich schon die ersten 100 Seiten (Das sind ungefähr 25000 Wörter!) in einer fortgeschrittenen Version fertig habe, mit der ich im Großen und Ganzen recht zufrieden bin. In den letzten zwei Wochen war ich sehr, sehr fleißig und es „lief“ bei mir in meiner Schreibklausur. Vielleicht hast du ja schon ein wenig reingelesen.

Ach ja, vergiss nicht: Ich treibe mich jetzt auch auf YouTube herum – und dort mein Unwesen. Gestern habe ich meine „10 goldenen Regeln“ für den erfolgreichen Schriftsteller als Online-Lesung hochgeladen und du kannst in der Aufnahme nicht nur erkennen, dass mir Frau Klammerle recht erfolgreich die Haare geschnitten, sondern dass die Weihnachtsvöllerei inzwischen durchaus Ergebnisse zeigt. (4) Wenn du also Lust hast, dich gut zu unterhalten, ein wenig fremdzuschämen und mich in „Liveaction“ zu genießen, dann klicke doch unten auf den Link und schon zaubert mich Freund Google auf deinen Bildschirm. Wenn du möchtest, kannst du mich dort sogar abonnieren. Viel Vergnügen!

Eine Online-Lesung

Ich würde mich natürlich auch wahnsinnig freuen, wenn du mir dort oder hier einen kritischen Kommentar zu meinem YouTube-Abenteuer hinterlassen würdest. Ich habe keine Ahnung, wie und ob das ankommt. Danke im Voraus.

Du siehst also, meine liebe unbekannte Leserin, dass ich noch an meinen guten Vorsätzen festhalte und fleißig dabei bin, meine leichte Lebens- und Schreibkrise zu überwinden. Der Lockdown hilft mir durchaus dabei.

Bis bald, dein Nikolaus


(1) Du weißt, ich bin ein alter Klugscheißer. Da es kein Jahr Null gab, begannen die Dekade der ‚Goldenen 20er‘ des 21. Jhds. eben erst vor sechs Tagen.

(2) Ich bin ein Held! Ich bin sogar schon um 09:00 Uhr mehr oder weniger freiwillig aufgestanden (Amy wollte gefüttert werden und hat Theater gemacht) und habe schneegeräumt!

(3) Ich bleibe natürlich im Radius von 15 km!

(4) Ab Montag wird es die leichte und kalorienarme Gemüseküche von Frau Klammerle geben. Zucchini, Kohlrabi und Brokkoli – sie leben hoch!

Hl. Abend, 2020 – Die große Erschöpfung …

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Ich werde versuchen, dieses Weihnachten
in mein Herz zu legen und
das ganze Jahr dort aufzubewahren.
Charles Dickens

 

Mittwoch, 24.12.2020

Liebe unbekannte Leserin,

geht es dir wie mir? Mein Zwanzigzwanzig war wie bei vielen eine Katastrophe. Es war grausam, übergriffig, ungesund und verstörend.

Status.

Ich bin froh, dieses furchtbare Jahr in ein paar Tagen nur noch als schlechte Erinnerung im Rückspiegel betrachten zu können. Ich weiß nicht, ob unser Zwanzigeinundzwanzig besser wird, aber ich hoffe es wirklich. Denn noch so ein Jahr will ich nicht überleben. Selbstverständlich waren ein paar meiner Probleme typische Erstwelt-Sorgen, die zu erwähnen ich mich fast schäme. Ich will auch nicht schon wieder mit dem Jammern über meine Erfolglosigkeit als Autor anfangen. Es wäre mir peinlich, diese Unannehmlichkeiten, über die andere mit einem Achselzucken hinweg gehen, hier vor dir auszubreiten. Zusammengefasst wurde ich in diesem Pandemie-Jahr um gefühlte zehn Jahre älter, einige körperliche Beschwerden verstärkten sich, meine Laune war die meiste Zeit bei -2, wenn ich mal eine Skala von 1 bis 10 ansetze. Am stärksten getroffen hat mich der Tod meines Vaters während der ersten Coronawelle im April, der mir meine seelischen Defizite und meine eigene Sterblichkeit deutlich vor Augen führte und sehr viele Auswirkungen auf mein alltägliches Leben hatte. Ich hatte in den leeren, endlosen und einsamen Tagen dieses Jahres viel Gelegenheit, darüber nachzudenken und habe dabei viel zu viel gegessen, getrunken und Netflix geglotzt. Die Ablenkungen über diesen Lebenszeit verschwendenden Konsum hinaus waren rar gesät. Dazu machte mir eine heftige Schreibkrise zu schaffen, an deren Nachwirkungen ich noch immer laboriere. Der Brotberuf wurde zur Last und die Beziehnung zu Frau Klammerle litt unter meinen Zuständen.

Pläne.

Aber nun kommen die in diesem Jahr tatsächlich stillen Tage zwischen den Jahren und ich will sie wie immer nutzen, nach vorne sehen, Neues beginnen, Altes abschließen. Ich hoffe, dass ich sie nicht wie Silvestervorsätze schon im Januar vergesse. Du wirst von mir erst einmal nicht viel hören, denn ich gehe „offline“ und arbeite mit einem konsequenten Plan am 4. Geltsamer-Roman „In den Bücherkellern des Vatikans“, dessen Entwurf ich weiterhin in wöchentlichen Häppchen hier ins Netz stellen möchte (1) und den ich Mitte nächsten Jahres abschließen will.  Dann möchte ich im Frühjahr 2021 einen Band mit meinen Erzählungen herausbringen, der eine Art Zwilling des Kurzgeschichtenbuchs „Das Rote Haus“ werden soll. Als drittes plane ich mit „Mánis Fall“ einen Roman aus meiner „Brautschau“-Sage. Er ist chronologisch der erste der Fantasy-Reihe und ist schon recht weit fortgeschritten.

Die Neuerscheinungen 2021

Auch Online tut sich bei mir etwas. Ich bin dabei, vor meiner Webcam einige meiner Texte als Lesungen einzusprechen und habe einen YouTube-Kanal gegründet, wo ich diese veröffentliche. Das widerspricht zwar dem 8. Gebot für Autoren: „Du sollst keine Lesungen halten“ und ist auch noch dilettantisch und manchmal zum Fremdschämen. Aber wenn du mal Zeit und Lust hast und mich „live“ und in Farbe erleben möchtest, dann klicke doch auf den Link im Bild. Ich würde mich wirklich freuen. Vielleicht willst du mich sogar „abonnieren“ und hinterlässt ein Lebenszeichen.

Fazit.

Du sieht also, ich versuche mal wieder, mich wie Münchhausen am eigenen Zopf aus dem Sumpf zu ziehen, in dem ich 2020 immer tiefer versunken bin. Mir ist bewusst, dass ich solche Ankündigungen bei jedem Jahreswechsel mache und jedesmal von Neuem denke: „Im nächsten Jahr, dann wird es endlich klappen. Dann finde ich Leser, ein Publikum, Anerkennung, Freunde.“ Trotzdem will und werde ich versuchen, dieses unglückselige Jahr als Sprungbrett zu verwenden, um genau das zu erreichen.

Die Ikone habe ich übrigens von meinem Vater geerbt, der sie nach der Gefangenschaft aus der UdSSR mitbrachte.

Nun bleibt mir eigentlich nur noch, dir und den zufällig Vorbeisurfenden gesunde, besinnliche, glückliche Weihnachtsmomente mit den Menschen, die du liebst, zu wünschen. Wir treffen uns dann irgendwann im Januar in einem hoffentlich besseren Neuen Jahr.

Dein Nikolaus.

 


(1) Ich weiß, dass die Zugriffszahlen meines Blogs seit vielen Monaten gegen 0 tendieren und er sein – statistisch betrachtet – schlechtestes Jahr hinter sich hat. Es kommen mich hier eigentlich nur noch Spammer besuchen. Aber das belastet mich nicht, denn die Hoffnung, mir über ihn ein Publikum aufzubauen, habe ich nicht mehr. Der Blog ist zu dem geworden, was er eigentlich auch sein sollte: Mein Online-Tagebuch. Und eigentlich will ich gar nicht, dass in meinem Tagebuch geschmökert wird.