Aber ein Traum …

Autorer als andere Autoren

Archiv für das Schlagwort “Morgen”

Der frühe Morgen und ich – Die Geschichte einer innigen Feindschaft

In jeder Alltagswoche zwingt mich mein Brotberuf, morgens gegen 05:45 Uhr aufzustehen.

„Was?“, wird nun vielleicht einer der beiden Fans des weltberühmten Autors und Kolumnisten Nikolaus M. Klammer überrascht ausrufen: „Mein Lieblingsschriftsteller kann von seiner Literatur nicht leben? Das hätte ich nie gedacht; so eine Schande. Wie krank ist denn diese Welt?!“

Ja, mein lieber Freund, ich stimme dir gerne zu und gestehe es dir hier im Vertrauen – sozusagen von Angesicht zu Angesicht – denn sonst liest ja diesen Text eh niemand: So ist das. Von der Feder zu leben ist so ertragreich wie der Versuch, einen Ochsen zu melken (und so riskant). Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen:

Der Versuch, vom Schreiben zu leben, ist zwar nicht die schnellste Art zu verhungern, aber es ist doch noch immer die zuverlässigste.

Zudem gehen die meisten Verleger, Leser (und Internet-Aktivisten) davon aus, dass der Autor überhaupt nur aus reinem Idealismus und Menschenfreundlichkeit schreibe und froh und dankbar sein sollte, wenn er seine Werke und schlauen Gedanken ohne freche Honorarforderungen herschenken dürfe. Für Literatur Geld zu verlangen, erachten viele als niederträchtig und einen unfreundlichen Akt.

„Was?,“ werden alle anderen ausrufen, die mich nicht kennen und denen du, lieber Fan, fassungslos von meinem frühen Aufstehen erzählst: „Die überempfindliche Heulsuse Klammer jammert mir wegen seines traurigen Loses die Ohren voll, weil er tatsächlich ein, zweimal in der Woche gegen 05:45 Uhr aufstehen muss? Das hätte ich nie von ihm gedacht! Von dem lese ich keine Texte mehr, da muss ich mich nur aufregen.“ Halt, sage ich, ihr habt ja recht! Eigentlich kann ich froh sein, wenn mich in meinem langweiligen Brotberuf überhaupt jemand dafür bezahlt, dass ich herumstehe, klug daher rede und durch Handauflegen Computer repariere. Da werde ich mein müdes Haupt auch einmal vom warmen Kissen und den altersschwachen, rheumageplagten Körper aus den Pfühlen erheben können, wenn die Sonne noch nicht aufgegangen ist. Ja, ihr habt alle recht, all ihr Frühdienstler und Nachtwächter, ihr braven Bauern, Arbeiter und Angestelle, Beamte und Köche, die ihr niedergedrückt von der Woche Last wohlverdiente (und kostenfreie) Entspannung bei meinen Texten sucht. Ihr alle, die ihr jeden Tag und oft auch wochenends klaglos vor den Hühnern aufsteht, um im Schweiße eures Angesichts euren kärglichen Lebensunterhalt zu verdienen – ihr habt meinen Respekt. Ich klage mal wieder auf hohem Niveau; das kann ich wirklich gut. Selbstmitleid ist meine persönlichste Regung, das sollte inzwischen bekannt sein.

Aber ich bin eben auch Künstler und mir ist es einfach nicht in die Wiege gelegt, in die Gene geschrieben oder durch die Erziehung geprägt worden, morgens vor der Frühmesse schon wach zu sein. Die Stunde des Dichters ist der späte Abend, es ist die Nacht. Sie allein hat Erbarmen mit ihm, hüllt ihn ein in einen wärmenden Mantel der Ruhe und der Besinnung. Daher richtet er auch seine Hymnen an den leuchtenden Sonnenuntergang, an die funkelnden Sterne hoch oben am schwarzen Firmament, an die mürrischen Barkeeper hinter den Theken seiner Lieblingskneipen, nicht an die stumpfe, allzu kalte Morgendämmerung, nicht an die öligen Regentropfen aus grauen Nebelwolken und die mürrischen Busfahrer hinter den Lenkrädern der Linie 604.

Zählen wir doch einmal: Wie viele Maler malten denn die Morgensonne? Was zählt ein Claude Monet gegen gefühlte tausend Abendstimmungen von Caspar David Friedrich? Wie viele Lyriker beschrieben rosa Wolkenfinger, die sich in den Morgenhimmel krallen? Und wie viele Lieder an die Nacht wurden dagegen gereimt? „Warte nur, balde ruhst du auch.“ Wie viele musikalische Morgenstimmungen gibt es? Ah, da meldet sich einer: „Der Zarathustra von Strauß und der Grieg’sche Peer Gynt“, höre ich. Brav, da hat aber einer seine Hausaufgaben gemacht.

Erstens: Diese zwei Beispiele stehen so einsam gegen all die Abend- und Gute-Nacht-Lieder, Serenaden und kleinen Nachtmusiken, dass sie wohl kaum ins Gewicht fallen und wahrscheinlich eh nur geträumte Phantasien des Komponisten sind, der sie spät am Abend – wenn nicht gar in der Nacht – zu Noten machte. Zweitens: Meine Argumentation ist zu gut, um sie mir von der Wahrheit kaputt machen zu  lassen.

Zusammengefasst: Ich bin einfach nicht dafür geboren, vor 08:30 Uhr aufzustehen! Ich möchte richtig verstanden werden; ich bin kein Oblomov, ich verschlafe nicht den ganzen Vormittag. Ich kann sogar hervorragend vor meiner verdienten Mittagsruhe arbeiten – aber nicht, wenn ich mich zu früh in den Tag kämpfen muss. Dann kann ich nicht denken, kaum zwei zusammenhängende Sätze formulieren, jemandem zuhören oder konzentriert arbeiten, gar mit Menschen reden, ohne ihnen Beleidigungen oder Gegenstände ins Gesicht zu werfen. Gut, dass diesen Menschenkontakt bei meiner Arbeit niemand von mir verlangt, denn morgens herrscht bei mir Ausnahmezustand. Wenn ich mich nicht am Griff meiner Kaffeetasse festhalten kann, rutsche ich langsam vom Stuhl.

Berlin 87-4

Gemach! Bevor alle Werktätigen mit Früh- und Nachtschichten von Neuem über mich herfallen – ich kann bereits den einen oder anderen bösen Kommentar auf der Zunge schmecken –, ich weiß, dass ich auf höchstem Niveau jammere. Aber ein-, zweimal in der Woche zwingt mich mein Brotberuf, bereits gegen 05:45 Uhr aufzustehen und ich hasse das. Der Herr hat den Menschen nicht dazu geschaffen, um diese Uhrzeit aufzustehen, schließlich geht auch die Sonne erst später auf. Ich bin kein Langschläfer, aber vor sieben Uhr aufstehen: Das ist eine unmenschliche Tortour, ein Verbrechen an der Menschheit, das gesetzlich verboten gehört.

Denn mein gequälter Leib schleppt sich nach dem unbarmherzigen Weckerklingeln einem Zombie gleich ins Bad, während meine Seele noch im Bett liegt und von heiteren, leichten Dingen träumt. Erst, wenn mein seelenloser Körper  sich vor dem Spiegel stehend oberflächlich wäscht und mechanisch die Zähne schrubbt, werde ich langsam wach und mein noch vom Schlaf verwirrter Geist kommt hinter mir her ins Bad getrottet. Dort finde ich mich und eine Laune. Selten ist es eine gute, denn der Verfall, der mir aus dem Spiegel mit zahnpastaverschmierten Lippen eine Grimasse zieht, schreitet hurtig voran und die Zahl der grauen Haare steigt täglich progressiv. Selbst wenn ich mich noch für eine schnelle Dusche mit „revitalisierenden Algenextrakten“ und „Hairenergizer“ (wird wahrscheinlich „Här-Einischeißer“ ausgesprochen) entscheide, bringt das keine Jugendlichkeit zurück.

Auch der weitere Ablauf des Tagesbeginns folgt einer festen Zen-Regel: Ich tappe an den Briefkasten und nehme die Zeitung (ja, es gibt Leute, die vor mir wach sind: Danke), trage sie in die Küche und schmeiße den lärmenden Kaffeevollautomaten von Frau Klammerle an. Dann schleppe ich mich zum Radio und öffne den Sender meines Vertrauens. Da ich grundsätzlich – und am Morgen insbesondere – auf das waidwunde Gewinsel von Helene Fischer, des Grafen, von Xavier Naidoo et. al. und auf das Beste aus den 80ern und die Hits der 90er verzichten kann, ist die Frequenz auf den einzigen Rocksender eingestellt, der Bayern beschallt. Da die Songauswahl der Rockantenne eng begrenzt ist, singen meist AC/DC, Jon Bon Jovi oder Die toten Hosen, was ich morgens gerade noch hinnehmen kann. Ist es jedoch Rammstein, die sich immer so anhören, als hätten die Nazis den Krieg gewonnen, muss ich passen und schalte wieder aus. Das geschieht in der letzten Zeit leider immer häufiger. Mir ist es vollkommen unverständlich, wie man mit dieser Marschmusik morgens wach werden kann. Ich packe also an allen Nicht-Rammstein-Tagen meinen Pott Kaffee, kühle ihn großzügig mit Milch, vergesse dann aber meist umzurühren und verbrenne mir den Mund. Mühsam versuche ich die Schlagzeilen der Zeitung zu verstehen. Mist, ich brauche jetzt wirklich bald eine Lesebrille. Die Laune bessert sich nicht. Da hilft mir auch das zum einhundertsten Mal gespielte Hotel California nicht.

Und dann wird in die letzten Takte des Liedes gequatscht und der Ärger geht los: Warum müssen Radiomoderatoren – insbesonder Morgenshow-Moderatoren – immer so hysterisch gute Laune haben? Da wird ein Sparwitz nach dem anderen gerissen und künstlich darüber gelacht und damit der trübe Morgenverstand des Hörers auch mitbekommt, dass das lustig sein sollte, wird das Ganze noch mit einem Trötgeräusch oder einer Fanfare untermalt. Und so kichert man sich durch die Moderation und durch den Wetterbericht und wirft sich bei den Verkehrsmeldungen fast weg, unterbrochen von den immer gleichen Werbejingles, in denen mir noch hysterischere, kurz vor der Einweisung in eine Anstalt stehende Menschen jeden Morgen aufs Neue versichern, wie lecker die Spätzle von Settele sind, wie günstig eine Autofinanzierung ist und welche Nummer die Telefonauskunft hat – dazwischen singen mal wieder Boston What a feeling, obwohl ich, wenn ich ehrlich bin, außer aufsteigendem Zorn noch überhaupt nichts fühle …

Ist es denn so schwer zu begreifen, dass ich das am Morgen alles nicht brauche? Können denn die Moderatoren (Barny! Eisprinzessin! Ha, ha, ha ha, ha! Das Wetter, ha ha! Klingeling, wer ist denn da dran? Ha, ha, ha! Trööt!) nicht auf mich Rücksicht nehmen oder wenigstens in einem der tausend anderen Sender keine klinischen Fälle in der manischen Phase plappern, sondern auch einfach mal so schlecht gelaunt sein wie ich?  Ich habe mir sogar ein Internetradio mit 50.000 Sendern zugelegt. Dadurch wurde nichts besser: Jetzt kann ich aber die Morgenhysteriker in allen Sprachen der Welt empfangen – am schlimmsten sind die Japaner …

Warum gibt es kein Morgenmuffelradio, in dem jemand mit übler Stimmung halb schlafwandlerisch ein paar Informationen ins Mikro murmelt und dann Leonard Cohen oder The Cure jammern lässt oder ohne Gequatsche die besten Morgenblues-Titel spielt? Das würde mir morgens wirklich  auf die Beine helfen …

Vielleicht sollte ich selbst solch eine Radiostation gründen: Morgenmuffel 92,4, das Programm für die Nichtausgeschlafenen, mit der Schlechte-Laune-Garantie für den ganzen Tag, Staumeldungen und den traurigsten Rockballaden – werbefrei und ohne Gewinnspiele.

„First we take your morning, than we take your day…“

Freitag, 15.03.19

Freitag, 15.03.19

Heute Morgen hat mir meine Kaffeemaschine „Bitte entkalken“ empfohlen. Ich fühle mich alt.

*

Frau Klammerle ist Kinderkrankenschwester in einer Frühgeburtenintensivstation und von daher hat sie einen äußerst unregelmäßigen Tagesablauf, der sich ständig ändert: Nachtwachenwochen wechseln sich mit Früh- und Spätdiensten ab, an freien Tagen schläft sie deshalb lange aus. Insgesamt ist sie eher ein Nachtmensch und wird munter, wenn ich langsam die nötige Bettschwere erreiche. Ich bin inzwischen – daran sind vorallem zwanzig Jahre früh aufstehen und die Kinder in die Schule schicken Schuld – eher ein Morgenmensch. Meine beste Zeit ist zwischen 08:00 Uhr und Mittag. Um diese Zeit schreibe ich an meinen Texten.

Nach dem Auszug von Sohn Nr. 1 ist Katze Amy die einzige im Klammerschen Haushalt, die hohen Wert auf einen geregelten und pünktlich zu vollziehenden Tagesablauf legt. Er ist bei ihr exakt und auf die Minute genau durchgeplant und nichts macht sie unleidlicher, als die „Komme ich heute nicht, dann komme ich morgen“-Mentalität der beiden Menschen, denen sie großzügig erlaubt, dass sie ihr Leben mit ihr teilen dürfen. So muss morgens Punkt 06:00 Uhr (also demnächst noch eine Stunde früher, denn die Sommerzeit wird von ihr ignoriert) gefrühstückt werden. Es ist die Zeit, in der Frau Klammerle oft heimkommt und die Lösung für die drei bedeutenden philosophischen Fragen der Menschheit weiß: „Wo komme ich her?“ (Von der Nachtwache.) „Wo gehe ich hin?“ (Heim in mein Bett.) „Was soll ich tun?“ (Schlafen!) Nimm dies, Immanuel!

Sollten aber die Menschen um diese unfreundliche Uhrzeit, in der es jetzt im März gerade beginnt, hell zu werden, noch in den Federn liegen, werden sie mit sanftem, aber hartnäckigem Drängen dazu gezwungen, aufzustehen und stinkendes Futter in einen Napf zu füllen und ihn der Katze mit aufmunternden Worten zu kredenzen. Während der Mensch anschließend barfuß in der Küche steht und noch nicht recht weiß, ob er Männlein oder Weiblein ist, nascht Amy kurz an ihrer leckeren Geleespeise (1), macht einen kleinen Verdauungsspaziergang zum Garten des Nachbarn gegenüber und legt sich dann bis um 14:00 Uhr ins leere Bett im Schlafzimmer, am Nachmittag wechselt sie dann nach einem erneuten Spaziergang ihren Schlafplatz und legt sich unten in meinen Lesesessel (im Sommer liegt sie draußen auf der Terrasse), von dort erhebt sie sich vor 22:00 Uhr nur kurz gegen 17:30 Uhr, um ihr Abendessen einzufordern. Dann beginnt ihre aufregende Nacht, die sie an die interessantesten Orte der Umgebung führt und oft damit endet, dass sie etwas nicht mehr ganz Lebendiges heimschleppt und mir großzügig zum Spielen überlässt. Während Amy morgens laut in mein Ohr maunzt, mir mit der feuchten Nase ins Gesicht stupft, geräuschvoll ihre Krallen am Rattanstuhl kratzt, vom Kleiderschrank auf meinen Bauch hüpft oder mit meinen nackten Zehen Fangen spielt, bis ich endlich aufstehe, ist ihre abendliche Methode diffizieller: Sie starrt mir vorwurfsvoll und ausdauernd ins Gesicht, versucht, mich zu hypnotisieren und mir den telephatischen Befehl zu geben, endlich die Katze zu füttern. Wenn ich mich bewege, rennt sie aufgeregt in Richtung des Schranks, wo ich ihr Futter aufbewahre. Offenbar hält sie mich wie die Kaffeemaschine von Frau Klammerle für sehr vergesslich.

 

________________________________________

(1) Warum gibt es eigentlich nur Katzenfuttersorten mit dem Fleisch von Tieren, die eine Katze im normalen Leben nie fangen und fressen würde und nicht statt Thunfisch und Rind zum Beispiel „Leckere Stückchen vom Spatz und  der Maus?“

 

 

Der Freitagsaufreger (XVIII) – Das Lied des Weckers Teil 3

Wie mir im Vertrauen von einer treuen Leserin mitgeteilt wurde, lässt sie mein inzwischen durch zwei Fortsetzungen breitgetretenes Lamento über meine dramatischen Mittwochmorgenprobleme vollkommen gleichgültig. Denn schließlich hätte ja nur ich ein Problem mit meinem frühen Aufstehen. Da sei ihr Mitleiden doch überschaubar. Es bewahrheitet sich mal wieder der alte Spruch: „Lachst du, dann lacht die Welt mit dir. Weinst du, so weinst du allein.“
Deshalb werde ich mit der heutigen Lieferung diese Geschichte zum Ende bringen, obwohl ich als anerkannt ausufernder Epiker noch so viel zu jammern hätte und mein Problem weiterhin ungelöst bleibt. Aber ich bin auch der Diener meiner Leserschaft. Daher wird der nächste Freitagsaufreger – und das verspreche ich hiermit – wieder ein allgemein gültiges brisantes gesellschaftspolitisches Thema ersten Ranges behandeln, das allen Lesern, ja, der gesamten deutschen Bevölkerung unter den vor Spannung abgefressenen Fingernägeln brennt. Es steht nämlich momentan die quälende Frage im Raum, warum
sich Frau Klammerle als Spielzeug eine komplizierte Kaffeemaschine kaufte, ich mir aber keine neue X-Box anschaffen darf. Zudem beschäftigt mich, warum die NSA meine Brille versteckt hat und ob dies etwas mit den Sondierungsgesprächen zwischen Union und SPD zu tun hat.
Aber jetzt auf zur letzten Schlacht um die Morgenhoheit:

3. Höhepunkt und Coda

Dienstag, 07. Oktober bis Mittwoch, 08. Oktober 2013,
eine lange Nacht
Tagebuch der Familie Klammer

„Also die Idee mit dem Smartphone war nicht direkt überzeugend“, argumentierte ich gestern, am Ruhe-vor-dem-Sturm-Dienstag. Frau Klammerle zuckte mit den Schultern.

„Die Tastfelder sind einfach zu fummlig“, gab sie dennoch zu. Politik beherrscht sie wie die Kanzlerin: Dem Gegner in Kleinigkeiten rechtgeben, aber in der Sache festbleiben. „Doch ich habe die ideale Lösung gefunden: Ich werde deinen Wecker benutzen. Der ist einfach zu bedienen und überhaupt: Eigentlich war ursprünglich mal meiner.“

Damit hat sie recht. Argumentativ ist sie mir immer einen Schritt voraus. Früher hatte ich einen Radiowecker, der mich entweder mit hysterisch munterem Morgengequassel (siehe hier) oder mit dem ersten Lied einer eingelegten CD weckte. Nachdem er mich zum 264. Mal mit Come on up to the house von Tom Waits geweckt hatte, flog er an die Schlafzimmerwand. Ich erbte dann die Funkuhr meiner Frau.

„Aber du hast ihn mir vor vier Jahren gegeben, weil du dir einen viel besseren gekauft hast! Und dann habe ich doch keinen Wecker mehr! Ich muss mittwochs schließlich auch wahnsinnig früh raus!“

„Schnickschnack! Mein Wecker ist kaputt, also nehme ich meinen alten wieder zurück. Du brauchst doch gar keinen Wecker, du bist doch eh schon immer wach. Oder du stellst ihn dann noch einmal.“

„Ich bin wach, weil du mich weckst! Und weißt du was? Nimm den alten Wecker. Ich werde mir jetzt einen tollen neuen kaufen.“

Und tatsächlich gab es einen im Sonderangebot beim Kaffeegeschäft unseres Vertrauens, wohin mich mein Weg eh führte, weil Frau Klammerle gerade in die experimentelle Phase der Erprobung ihrer neuen Kaffeemaschine eingetreten ist und entsprechende Mengen an Bohnen verbraucht.

Nachdem ich die zwanzigseitige Bedienungsanleitung studiert hatte, fand ich tatsächlich auf der Rückseite meines neuen Weckers eng beieinander liegende klapprige Plastiktasten, mit denen ich nach einigen Fehlversuchen den Alarm programmieren konnte (Ich weiß noch immer nicht, was eigentlich eine „Snooze“-Funktion macht). Ich stellte ihn auf 06:00 Uhr morgens. Dieses Mal würde alles gut werden. Aufgeregt ging ich schon um 10:00 Uhr ins Bett, nachdem ich noch unbedingt einen Espresso aus dem wunderbaren Vollautomaten meiner Frau testen musste.

Irgendwann in der Nacht kratzte die Katze am Balkonfenster (ich weiß immer noch nicht, wie sie es jede Nacht schafft, da hoch zu kommen) und ich suchte mit müden Fingern nach meiner Neuerwerbung, fand den Lichtknopf, der sich als einziger oben am Gerät befindet. Ich öffnete die Augen ein wenig und drückte.

Eine grelle Lichtkaskade überflutete das Schlafzimmer; zwanzig Paparazzis fotografierten zugleich in das Schlafzimmer von Scarlett Johansson. Von außen musste es aussehen, als würde eine Blendgranate neben meinem Bett gezündet. Ich hatte ins Antlitz der Medusa geblickt, fiel versteinert zurück und kniff die Augen zusammen. Und dort, auf der Rückseite meiner Lider, konnte ich tatsächlich die Uhrzeit ablesen, als bunt leuchtendes Negativbild zwischen platzenden Plasmaringen: 02:53 Uhr! Frau Klammerle war nicht einmal wach geworden. Der geblendete Michael Strogoff tastete sich aus dem Bett und ließ die Katze herein, die ebenfalls recht desorientiert wirkte und über den Teppich stolperte, dann legte er sich wieder in seine Ruhestatt, nicht ohne sich dabei schmerzhaft das Schienbein am Holz des Futonbetts aufzuschlagen.
Und dann lag ich wach. Ich traute mich nicht mehr, noch einmal den Halogenstrahler an meiner Uhr einzuschalten, den ich morgen dem TSV Diedorf als Stadionflutlicht verkaufen werde. Ich starrte an die Decke, wo noch immer lustige Farbflecken tanzten. Offenbar wirkte jetzt die winzige Tasse Espresso…

Später schlief ich doch ein. Nein, meine Neuanschaffung, deren eigentliche Berufung es offenbar war, eine kleine Sonne zu imitieren, hatte nicht geläutet. Ihr Alarm funktionierte nicht, wahrscheinlich verbrauchte das Licht zuviel Strom. Mich weckte nicht der sanfte Alarm des Weckers meiner Frau, der einmal der meine gewesen war. Mit einer lässgen Handbewegung schaltete sie ihn aus und trat leise aus dem Zimmer, duschte und zog sich an. Das bekam ich aber alles nicht mit…

Dann bricht die Hölle los: Frau Klammerle hat unten in der Küche ihre neue Kaffeemaschine eingeschaltet. Sie rauscht, rattert, zermahlt, reinigt, heizt und plätschert, piepst und rülpst! Sie kocht, zittert, brüllt, dampft, stampft und zischt. Die Katze flüchtet unters Bett, Herr Klammer steht mit pochendem Herzschlag in seinem Bett.

Seitdem weckt mich jeden Mittwochmorgen der Vollautomat. Er ist zwar ein recht teurer Wecker, aber dafür bereitet er einen hervorragenden Kaffee!

wecker3

Der Freitagsaufreger (XVII) – Das Lied des Weckers Teil 2

Wir wissen also: Der Mittwoch zwingt mich zu einer widernatürlichen, abartigen Handlung, die meiner ganzen Persönlichkeit, meiner Weltanschauung und meiner Ethik widerspricht. Da ich gerne mit meiner humanistischen Bildung angebe, will ich es mit den Worten meines geschätzten Kollegen Tasso sagen: „So zwingt das Leben uns, zu scheinen, ja, zu sein, wie jene, die wir kühn und stolz verachten konnten.“

Ich muss tatsächlich einmal in der Woche schon um sechs Uhr aufstehen, aber das will mir nicht gelingen…

2. Der große Weckerkampf beginnt

Mittwoch, 11. September 2013, 04:58 Uhr morgens
Tagebuch der Familie Klammer

Ruhe herrscht im Haus, alles schläft. Allein die Katze hebt einmal kurz ihren Kopf von ihrer Ruhedecke zu den Füßen von Frau Klammerle. Sie öffnet nicht einmal die Augen, schnuppert nur einmal in die Luft, lauscht den gleichmäßigen Atemzügen, die von der rechten Bettseite etwas etwas lauter rasseln. Amy Katze hat ein gutes Gefühl für Stimmungen. Sie weiß, es liegt etwas in der Luft. Trotzdem schmiegt sie sich wieder in ihre ausgestreckten Pfoten.

Der digitale Funkwecker von Frau Klammerle ist auf die Weckzeit von 05:00 Uhr eingestellt, sie hat Frühdienst. Mein Wecker, ebenfalls eines dieses digitalen Teile, die einem die Supermärkte, Drogerien und Kaffeegeschäfte billig hinterherschmeißen, soll erst eine Stunde später läuten, immer noch zu früh, aber immerhin kann ich ja noch eine ganze Stunde schlafen. Noch 2 Minuten, bis das Schicksal zuschlägt…

Frau Klammerles Uhr erreicht den Weckzeitpunkt. Anstatt enervierend zu piepsen, knackt sie nur kurz. Ein leises Geräusch, das außer der Katze, die es nicht weiter interessiert, von niemandem gehört wird. Das Ehepaar Klammerle ruht ungestört weiter. Amy Katze hat jedoch eine perfekt funktionierende innere Uhr, weshalb sie zehn Minuten später Hunger auf einen kleinen Frühstücksnack bekommt. Deshalb erhebt sie sich aus ihrer Decke, reckt und streckt sich, gähnt einmal herzhaft und trottet gemütlich hinauf zum Kopfende, wo Frau Klammerle noch immer von angenehmen und harmlosen Dingen träumt. Amys Weckmethode ist etwas weniger subtil als das knappe Klacken des kaputten Weckers: Sie schlägt ihr mit der Pfote auf die Nase und ruft auf kätzisch: „Guten Morgen!“ Frau Klammerle steht im Bett, ihr Herz pocht. Ein Blick auf ihren Wecker zeigt ihr, dass sie zu viel zu spät dran ist. Mit einem Aufschrei stürzt sie ins Bad, ohne sich weiter um die Katze zu kümmern. Diese ist nur kurz beleidigt, dann entscheidet sie, dass es ja noch einen zweiten Menschen gibt, der sie zu ihrem Fressnapf geleiten kann. Auch ich werde mit einem liebevollen Schlag auf die Nase geweckt. Und bin noch eine Stunde früher wach.

Am nächsten Tag kaufe ich Frau Klammerle einen neuen Wecker beim Billigdrogeriemarkt im Dorf. Die alte Uhr, die zwar noch atomuhrgesteuert sekundengenau die Zeit anzeigt, aber nicht mehr weckt, landet in meinem Arbeitszimmer. Einen Nachmittag beschäftige ich mich, ihr zu erklären, wie der neue Wecker funktioniert. Einstellen der Alarmzeit, Schlummertaste usw. Warum sind diese Tasten bei Funkuhren immer so klein und fummlig, hinten am Gerät angebracht und warum muss man mindestens zweimal konzentriert drücken, um den Wecker auszuschalten? Da muss Methode dahinter sein…

Mittwoch, 18. September 2013, 05:00 Uhr morgens
Tagebuch der Familie Klammer

Wieder hat Frau Klammerle Frühdienst. Und der neue Wecker funktioniert! Ein unerträglich lautes Piepsen ertönt. Die Katze flüchtet unter das Bett, auf dem Herr und Frau Klammerle mit pochenden Herzen stehen. Frau Klammerle schnappt sich das plärrende Teil.

Wecker2„Wie schaltet man das Ding aus?“ ruft sie verzweifelt und drückt alle Tasten, die auf der Rückseite sind. Tatsächlich herrscht plötzlich Ruhe. Sie stellt den Wecker zufrieden zurück aufs Nachtkästchen und trollt sich ins Bad. Nachdem sich mein Puls wieder beruhigt hat, sinke ich zurück in meine warmen Pfühle, ich darf ja noch eine Stunde schlafen. Ein wunderbarer Traum muss noch weiter geträumt werden und tatsächlich gelingt mir das seltene Kunststück, wieder in ihn hinein zu finden und weiter ins Wunderland zu fliegen. Da geht Frau Klammerles Wecker erneut los. Ich schrecke hoch, schnappe mir das Teil und drücke alle Tasten, die auf der Rückseite sind. Mir gelingt es nicht, die richtige zu finden, die den Lärm stoppt. Also entferne ich die Batterien. Ruhe. Aber jetzt sind Schlaf und wunderbarer Traum endgültig geflohen und ich liege eine Stunde wach, bis meine Uhr sich pflichtbewusst meldet.

Am nächsten Tag landet der Wecker, der zwar funktioniert, aber für uns viel zu kompliziert ist, in einer Schublade im Arbeitszimmer, wo er weiterhin ab fünf Uhr morgens zehn Minuten lang vor sich hin plärrt, aber niemanden mehr stört.

Mittwoch, 25. September 2013, 05:00 Uhr morgens
Tagebuch der Familie Klammer

„Nein, du kaufst keinen neuen Wecker. Ich habe eine bessere Idee“, erklärte mir gestern meine Frau. Sie hat eben mit der Post ihr neues Smartphone erhalten und spielt verliebt mit dem komplexen Gerät, dessen Funktionen sie niemals alle verstehen wird. Aber das mit der Weckfunktion hat sie sich genauestens vom technikaffinen Sohn Nr. 2 erklären und vorführen lassen. Als angehender Pädagoge kennt er die besten Lernmethoden und hat es sie auch einmal selbst ausprobieren lassen. Sie stellt mit ihm gemeinsam die Weckzeit ein, sucht sich einen besonders ätzenden Weckton aus und schlummert nun gelassen ihrem Frühdienst entgegen.

Das Smartphone ist pünktlich. Die Katze flüchtet unters Bett, Herr und Frau Klammer stehen mit pochendem Herzschlag in ihrem Bett. Freilich lässt sich auch dieses Gerät nicht so einfach ausschalten, der Touchscreen mit seinen winzigen Icons ist für frühmorgendlich tastende bettwarme Finger zu klein und irgendwie hat Frau Klammerle auch wieder vergessen, wie das Ausschalten des Alarms funktioniert. Gestern ging es doch noch so einfach! Doch dann schweigt das Teil plötzlich. Sie nimmt vorsorglich ihr Telefon mit hinaus, schließt fürsorglich die Schlafzimmertür und legt es in den Gang, stellt sich erst einmal zur Beruhigung unter die Dusche. Ich sinke zurück in meine Pfühle, schlafe wieder ein. Von draußen dringt ein nerviges Piepsen an mein Ohr, langsam lauter werdend. Ich kann es nicht mehr ignorieren: Offensichtlich ist das eine Funktion der „Weck-App“. Verzweifelt renne ich also hinaus in den Gang, wo ich blind nach dem sich noch immer steigernden Lärm taste. Dann halte ich endlich dieses Gerät in der Hand und kann nicht einmal den Bildschirm aktivieren. Die Katze schmeichelt klagend um meine Beine, überrrascht, dass ich schon jetzt aufgestanden bin, um sie zu füttern. Frau Klammerle hört nichts. Sie duscht ja hinter verschlossener Tür und hat Shampoo in den Ohren. Endlich tapst Sohn Nr. 2 von seinem Dachjuchhe herunter, entreißt mir das Smartphone und schaltet es wortlos ab. Mit strafendem Blick drückt er mir das Gerät wieder in die Hand. Dann stapft spürbar angefressen wieder hoch in sein Reich.

Und wieder bin ich eine Stunde vor meinem Aufstehen hellwach. Meine Frau singt unter der Dusche.

Der Kampf ist noch lange nicht zu Ende. In der nächsten Woche geht es weiter.

Der Freitagsaufreger (XVI) – Das Lied des Weckers Teil 1

1. Morgengrauen

Einmal in jeder Alltagswoche zwingt mich mein Brotberuf, morgens vor 06:00 Uhr aufzustehen.

„Was?“ wird nun vielleicht einer der beiden Fans des weltberühmten Autors und Kolumnisten Nikolaus X. Klammer überrascht ausrufen:

„Mein Lieblingsschriftsteller kann von seiner Literatur nicht leben? Das hätte ich nie gedacht. Wie krank ist denn diese Welt?!“

Ja, mein lieber Freund, ich gestehe es dir im Vertrauen, sozusagen von Angesicht zu Angesicht, denn sehr viele lesen diesen Blog ja nicht: So ist das. Von der Feder zu leben ist so ertragreich wie der Versuch, einen Ochsen zu melken. Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Der Versuch, vom Schreiben zu leben, ist zwar nicht die schnellste Art zu verhungern, aber es ist doch noch immer die zuverlässigste. Zudem gehen die meisten Verleger und Publizisten (und Internetaktivisten) davon aus, dass der Autor überhaupt aus reinem Idealismus und Menschenfreundlichkeit schreibt und froh und dankbar sein sollte, wenn er seine Werke und schlauen Gedanken ohne freche Honorarforderungen herschenken darf.

„Was?“ werden alle anderen ausrufen, die von meinem frühen Aufstehen an jedem Mittwoch lesen:

„Die überempfindliche Heulsuse Klammer jammert mir wegen seines traurigen Loses die Ohren voll, weil er tatsächlich einmal in der Woche vor 06:00 Uhr aufstehen muss? Das hätte ich nie von ihm gedacht! Da lese ich nicht mehr weiter, da muss ich mich nur aufregen.“

Halt, sage ich, ihr habt ja recht! Eigentlich kann ich froh sein, dass mich in meinem Brotberuf überhaupt jemand dafür bezahlt, dass ich herumstehe und klug daher rede; da werde ich mein müdes Haupt auch einmal vom warmen Kissen erheben können, wenn die Sonne noch nicht aufgegangen ist. Ja, ihr habt recht, all ihr Frühdienstler und Nachtwächter, ihr braven Bauern, Arbeiter und Angestelle, Beamte und Köche, die ihr von der Woche Last jeden Freitag wohlverdiente (und kostenfreie) Entspannung beim Freitagsaufreger sucht. Ihr alle, die ihr jeden Tag und oft auch wochenends klaglos vor den Hühnern aufsteht, um im Schweiße eures Angesichts euren kärglichen Lebensunterhalt zu verdienen, habt meinen Respekt. Ich klage aufs Neue auf hohem Niveau; das kann ich wirklich gut. Selbstmitleid ist meine ehrlichste Regung, das sollte inzwischen bekannt sein.

Aber ich bin eben auch Künstler und mir ist es einfach nicht in die Wiege gelegt, in die Gene geschrieben oder durch die Erziehung geprägt worden, morgens vor der Frühmesse wach zu sein. Die Stunde des Dichters ist der späte Abend, es ist die Nacht. Sie allein hat Erbarmen mit ihm, hüllt ihn ein in einen wärmenden Mantel der Ruhe und der Besinnung. Daher richtet er auch seine Hymnen an den leuchtenden Sonnenuntergang, an die funkelnden Sterne am schwarzen Firmament, an die mürrischen Barkeeper hinter den Theken ihrer Lieblingskneipen, nicht an die stumpfe Morgendämmerung, nicht an die Regentropfen aus grauen Nebelwolken und die mürrischen Busfahrer hinter den Lenkrädern ihrer Linie.

Zählen wir doch einmal. Wie viele Maler malten denn die Morgensonne? Was zählt ein Claude Monet gegen tausend Abendstimmungen von Caspar David Friedrich? Wie viele Lyriker beschrieben rosa Wolkenfinger, die sich in den Morgenhimmel krallen? Und wie viele Lieder an die Nacht wurden dagegen gereimt? „Warte nur, balde ruhst du auch.“ Wie viele musikalische Morgenstimmungen gibt es? Ah, da meldet sich einer: „Der Zarathustra von Strauß und der Grieg’sche Peer Gynt“, höre ich. Toll, da hat einer aber nachgedacht.

Erstens: Diese zwei Beispiele stehen so einsam gegen all die Abendlieder, Serenaden und Nachtmusiken, dass sie wohl kaum ins Gewicht fallen und wahrscheinlich eh nur geträumte Phantasien der Komponisten sind, die sie spät am Abend zu Noten machten. Zweitens: Meine Argumentation ist so gut, dass ich sie mir von der Wahrheit nicht kaputt machen lasse.

Ich bin einfach nicht dafür geboren, vor 08:00 Uhr aufzustehen!

Ich möchte richtig verstanden werden; ich bin kein Oblomov, ich verschlafe nicht den ganzen Vormittag. Ich kann sogar hervorragend vor der verdienten Mittagsruhe arbeiten, aber nicht, wenn ich mich zu früh in den Tag kämpfen muss. Dann kann nicht denken, kaum zwei zusammenhängende Sätze formulieren, jemandem zuhören oder konzentriert arbeiten, gar mit Menschen reden. Gut, dass das bei meiner Arbeit niemand von mir verlangt. Mittwoch herrscht Ausnahmezustand. Wenn ich mich nicht am Griff meiner Kaffeetasse festhalten kann, rutsche ich vom Stuhl. Deshalb habe ich mich auch entschlossen, an diesem Tag nicht mehr zu bloggen.

Die Weltkultur und die Menschheit im Allgemeinen werden es wahrscheinlich überleben, wenn ich einmal in der Woche nicht blogge, nicht an meinem Roman schreibe und auch in der Arbeit nur Mist mache. Meine Sorge ist eine andere: Es ist das pünktliche Aufwachen. Ich bin im Besitz einer gut funktionierenden inneren Uhr, aber gerade in den frühen Morgenstunden versagt sie. Die wunderbare Frau Klammerle, die als pflichteifrige Krankenschwester jeden Tag zu den unmöglichsten Zeiten aufstehen muss, mal vor 05:00 Uhr zum Frühdienst, am nächsten Tag zum Spätdienst, dann zum Zwischendienst und anschließend mal wieder vergnügt ein paar Nächte arbeitet, bringt natürlich absolut kein Verständnis für mein oben geschildertes Problem auf. Es geht ihr auch schlimmer als mir: Obwohl sie noch nie zu spät zur Arbeit kam, ist sie anerkannte Weltmeisterin im Tiefschlafen und steht als solche auch im Guinnessbuch der Rekorde.

Wecker1

Daher brauchen wir beide dringend jeder einen eigenen Wecker auf dem Nachttisch mit privaten, täglich wechselnden Weckzeiten.

Und damit beginnt das eigentliche Ärgernis und zwar nicht nur Freitags oder Mittwochs, sondern jeden dummen Alltagsmorgen, den uns der Herr in seiner grenzenlosen Güte noch schenken will. Aber ich sehe schon, ich habe heute bereits zu viel geschrieben.

Deshalb mache ich besser nächste Woche mit der Geschichte vom großen Weckerkampf weiter.

Beitragsnavigation