Aber ein Traum …

Autorer als andere Autoren

Archiv für das Schlagwort “Maus”

Sonntag, 19.01.20 – ein schönes Buch, eine clevere Maus und eine Ruhebank

Sonntag, 19.01.20

Ich darf vorstellen: Das ist Piepsi. So hat sie meine Schwiegertochter getauft. Meine Katze Amy hat die kleine, braune Feldmaus vor einigen Tagen behutsam ins Haus geschleppt, um mit ihr ein wenig zu spielen. Dabei hat sie (Amy, nicht Piepsi) das clevere Tierchen „aus den Augen verloren“. Sie (Piepsi, nicht Amy) lebte seither in Untermiete gut verborgen und geschützt hinter den Küchenschränken in einer warmen Nische der Spülmaschine, wo sie für mich nicht erreichbar war und organisierte sich ihr Futter in meinen Lebensmittelschubladen. Nach mehreren Fehlversuchen ging sie mir vorgestern Abend endlich in die Falle. Sie war wohlernährt und gesund, möchte ich anfügen, denn es gelang ihr mehrmals, den Köder (alte, übriggebliebene Marzipankartoffeln von Weihnachten, denn ich bin Vegetarier und habe keinen Speck zuhause) aus meiner Lebendfalle zu fischen, ohne diese dabei auszulösen. Für Frau Klammerle war die letzte Zeit ein wahrer Horror.

Piepsi und ich machten dann gestern noch einen kleinen Spaziergang von meinem Haus hinüber zum Acker beim Sportplatz, wo wir uns nach einem netten, allerdings recht einseitigen Gespräch verabschiedet haben. Mach es gut, kleine Maus, und lass dich nicht noch einmal von Amy zum Abendessen bei uns einladen! Frau Klammerle weiß das nicht zu schätzen.

Nachtrag: In der Nacht dann kam Amy erneut mit einer Maus, von der diesmal nur ein paar kümmerliche Reste übrigblieben, die ich Heute morgen mit Schaufel und Besen entsorgte. Ich weiß nicht, ob das Piepsi war und hoffe, dass sie noch quietschvergnügt auf dem Kartoffelacker herumsaust … Ami genießt und schweigt sich aus.

*

Da ist es nun mit der Post gekommen: Das Korrektur-Exemplar meines neuen Buchs „Das rote Haus“, in dem ich fünfundzwanzig meiner besten kurzen Geschichten versammelt habe. Die älteste (Vision) ist vierzig Jahre alt, die jüngste stammt aus dem letzten Jahr. Obwohl die Texte sehr unterschiedlich sind, wirken sie für mich doch wie eine Art Autobiografie und bilden die Gesamtheit der Themen ab, die mich in meinem Leben beschäftigen.

Es ist jedesmal von Neuem ein unbeschreiblich schönes Gefühl, zum ersten Mal sein neues Buch in den Händen halten zu können, es vom Virtuellen zur Realität geboren zu haben, es zu fühlen, durchzublättern, anzulesen – auch wenn es noch voller Fehler ist. Trotzdem glaube ich, diesmal ist mir wirklich etwas Gutes gelungen. Ich liebe das Titelbild!

*

Gestern Morgen glitzerte schockgefrorenes Laub in meinem Garten in der Morgensonne. Ich machte ein paar Fotos und war glücklich, bis mir einfiel, was ich schon die ganze Zeit verdrängt hatte: Ich hatte einen Zahnarzttermin, den ich bereits im Dezember bereits einmal verschoben hatte, weil mich ein Hexenschuss quälte. Tatsächlich ging es meinem Rücken zu diesem Zeitpunkt schon wieder ganz gut, aber die Ausrede war einfach klasse.

Und schließlich noch ein Foto von der Bank am Stadtbach, ganz in der Nähe von der Wohnung in der Augsburger Bleich, in der ich aufgewachsen bin. Wahrscheinlich ist schon B. B. als Jugendlicher auf ihrer Lehne gesessen und hat heimlich eine dicke Zigarre geraucht. Auf ihr saß ich gestern nach meinem glimpflich verlaufenen Zahnarzt-Besuch in der erstaunlich warmen Sonne und dachte intensiv mit geschlossenen Augen über den Plot für mein nächstes Buch nach. (Euphemismusalarm: Tatsächlich habe ich nur den verfrühten Frühlingstag und den Mint-Geschmack auf den Zähnen genossen und – so würden es meine Söhne formulieren – mein Leben „ge-chilled“.)

Heute Abend kocht Frau Klammerle noch nach einem alten Familienrezept von meiner Großmutter für Schwiegertochter, Sohn Nr. 1 und für meine Wenigkeit noch die unbeschreiblich leckeren Dampfnudeln mit Vanillesauce. Dazu muss man unbedingt ein Bier trinken und die Glückseligkeit ist vollkommen. Das war eines der besten Wochenenden seit langem und ich muss dem Januar, den ich kürzlich so übel beschimpfte, Abbitte leisten!

Dampfnudel nach Familienrezept – nur echt mit karamelisierter „Scherre“, Vanillesauce und einem Hellen. Dreieinhalb Stück machten sogar Sohn Nr. 2 satt. Die restlichen gibt es morgen kalt mit Marmelade.

Vorankündigung: Karl-Heinz, die Fortsetzung

Seit dem 1. Advent veröffentliche ich auf meinem wenig besuchten Blog „Andere Welten, Andere Zeiten“ als kleine Weihnachtsüberrachung für meine treuen Leser alle sieben Tage einen weiteren Abschnitt des Wintermärchens „Karl-Heinz, der Weihnachtshund“, das in der Zusammenarbeit mit meinem Freund Hans-Dieter Heun entstand. Ein echter Geheimtipp! Ich hatte nie vor, dieser herzerwärmenden, aber für mich nicht allzu typischen Geschichte noch eine Fortsetzung folgen zu lassen.

Nun hat Hans-Dieter kürzlich auf Facebook in einem – von mir nicht als ein solcher erkannten  – Scherz verkündet, wir würden gemeinsam doch an einer Fortsetzung arbeiten und mich damit ein wenig in Verlegenheit gebracht, da ich glaubte, ich hätte etwas vergessen. Also leerte ich drei Becher dampfenden Glühwein, stopfte mich mit den Plätzchen von Frau Klammerle voll und schrieb die ersten Seiten von

Isabella, die Krippenkatze

Ein winterliches Märchen von Nikolaus Klammer
und Hans-Dieter Heun

weihnachtsband

um nach einer durchschriebenen Nacht zu erfahren, dass mein lieber Kollege durchaus nicht willens ist, meinen Handlungsfaden mit eigenen Ideen weiterzuspinnen, sondern mich nur ärgern wollte. Denn inzwischen lehnt er die epische Breite des Erzählens ab und ist ein Freund der Kurzlyrik-Weicheierfraktion geworden. Deshalb muss die gute Isabella nun leider Fragment bleiben, denn meine anderen Projekte sind mir wichtiger. Meinen durchaus umfangreichen Anfang jedoch, den vor allem Freunde von Karl-Heinz goutieren werden, da einige liebgewonnene Figuren wieder auftauchen, will ich der Welt trotzdem nicht vorenthalten und ich hoffe, ich kann etwas von dem Vergnügen zu vermitteln, das ich beim Schreiben hatte. Am Samstag, dem 3. 12,. werde ich den ersten Teil bloggen, in der Woche darauf den zweiten. Mehr gibt leider es nicht. Falls jemand eine weitere Fortsetzung wünscht, ist dies gegen eine kleine finanzielle Unterstützung durchaus denkbar.

Möge die Geschichte mit dem gleichen Ernst gelesen werden, mit dem sie geschrieben wurde.

AmyWeihnachten

 

Jagdszenen einer Winternacht – Nachtrag

Eine gefangene Feldmaus im Schwedenofen, verurteilt zum Schicksal von Schadrach, Meschach und Abed-Nego*. So konnte es freilich nicht bleiben. Ich bin nicht Nebukadnezar.

Ich bin ganz im Gegenteil anerkannter Kriegsdienstverweigerer und Vegetarier, bekannt als Tier- und manchmal (selten) auch als Menschenfreund. Also musste etwas geschehen, bevor Tierschützer zum Shitstorm blasen und mich fanatische PETA-Anhänger öffentlich steinigen. Die Maus musste gerettet werden.

Also wartete ich ab, bis die Katze zögernd ihren Lauerplatz und das Haus verließ, weil sie mal für kleine Katerchen musste (Das erledigt sie entweder im Acker vorne oder bei irgendwelchen Nachbarn im Garten, aber nie bei uns und selbstverständlich nie in ihrem Katzenklo). Bewaffnet mit Schraubendreher in der Linken,  einer Tupperschüssel in der Rechten und einer CSI-Lampe im Mund kauerte ich mich unter den Ofen, entfernte mit einigem logistischem Aufwand eine seitliche Metallklappe und da saß sie: Eine zitternde Jammergestalt von Maus, leicht zerrupft und an einem Ohr perforiert, trotzdem noch flink genug, mir noch einmal zu entkommen und unter das Sofa zu flüchten.

Dann aber war es ganz einfach. Ich hielt der Maus meine Plastikschüssel vor die Nase, sie schnupperte kurz und sprang von selbst hinein. Eilig ging ich mit der Maus spazieren und entließ sie weit weg von meinem Haus ins freie Leben. Das dichte Schneetreiben überdeckte bald ihre Spuren. Falls sie das Trauma übersteht und nicht einem anderen Räuber zum Opfer fällt, dann hat die kleine Maus daheim viel zu erzählen.

Als Amy zurückkehrte und wieder ihren Platz vor dem Ofen einnahm, war der Ausbruch längst geschehen. Die Katze bemerkte es erst nach einiger Zeit und ich hatte den Eindruck, sie war ebenfalls erleichtert.

Inzwischen macht Amy wieder tiefenentspannt ihre Yogaübungen:

Amy13

Bis sie die nächste Maus anschleppt…

__________

 * Dan. 1,3 ff. Ja. Auch Atheisten können bibelfest sein.

Jagdszenen einer Winternacht

Vielleicht wurde es gestern schon bemerkt: Ich bin wieder da.

Nachdem der Kundendienst meines Providers am Frei­tag überraschend schnell vor der Haustür stand, eine halbe Stunde am Signalfluss bastelte und ein neues, staubfreies Modem anschloss,  ist die Geschwindigkeit meines Internetanschlusses wieder ausreichend flott. In der Woche davor hatte ich Übertragungsraten, die mich an die guten alten Analogmodem-Zeiten (56 k) erinner­ten, als ich mir noch einen Kaffee kochen konnte, bis eine Seite am Bildschirm aufgebaut war. Seit damals bin ich koffeinsüchtig.

Aber heute war wieder alles im grünen Bereich. Ich wollte ausschlafen und für meine treuen Leser frischgestärkt meinen Heimatkrimi „Das goldene Kalb“ fortsetzen. Aber meine umtriebige Katze Amy hatte für mich ein anderes Programm: Statt Bettruhe und einer gemütlichen morgendlichen Verbrecherjagd an meinem Schreibtisch gab es stattdessen mitten in der Nacht eine Mäusejagd. Und die läuft noch immer!

Das kam so:

KatzeninitialVor geraumer Zeit demolierte ich bei dem vergeblichen Versuch, bei mir selbst einzubre­chen, meine Haustür. Der eine oder andere erinnert sich vielleicht an diesen für mich so peinlichen Moment, über den er weiter oben ausführlich unterrichtet wurde. Familie Klammer lehnte sich also finanziell weit aus dem Fenster und ließ sich im letzten Jahr eine neue Haustüre einbauen – mit teurer Katzen­klappe, die ausschließlich die unsere, aber nicht die Kat­zen der Nachbarn oder gar einen Waschbären hereinlässt – dachten wir zumindest anfänglich. Und damit begann der eigentlich erwartbare Ärger. Von diesem Moment an brachte uns Amy in ihrem Maul von ihren Ausflügen regelmäßig halbtote Nager mit in die Wohnung und Frau Klammerle an den Rand des Ner­venzusammenbruchs, wenn sie (die Katze, nicht meine Frau) diese mitten auf dem Wohnzimmerteppich ver­speiste oder voller Stolz als Jagdbeute präsentierte und für die Sauerei auch noch Lob erwartete. Und das manchmal zweimal in einer Nacht; ab und an war auch eine allzu freche Meise dabei. Hard workin‘ cat …

Doch nun hat der Winter sein blütenweißes Leintuch über dem Garten ausgebreitet und des Nächtens wird es ordentlich kalt. Zeit für Winterschlaf und Waffenruhe zwischen Katz und Maus. Dachte ich zumindest.  Weit gefehlt, denn weder Mäuse noch Katze ruhen. Nach der trügerischen Weihnachts- und Januarruhe wurde vorgestern die Jagdsaison eröffnet. Ich wurde Freitagnacht von einem triumphierenden Katzenschrei geweckt, der nichts Gutes verhieß. Und richtig. Auf dem braunen Teppich unten im Wohnzimmer saß zufrieden schnurrend meine Katze, vor ihr lag eine winzige, absolut tote Spitzmaus.* Amy frisst diese Jagdbeute nicht; offenbar sind diese Tiere nicht ihr Geschmack. Ich musste die Leiche deshalb mitten in der Nacht entsorgen und barfuß im Schlafanzug zur Mülltonne tappen. (Gehören tote Mäuse eigentlich in die graue Restmülltonne, in die braune Biotonne oder kann ich sie in meinem Komposthaufen begraben?)

Amys liebste Jagdbeute sind jedoch Feldmäuse – die sind für meine Katze eine Art von „Überraschungsei“. Spannung, Spiel und Schokolade (oder so etwas ähnliches). Meist bleiben von dem unglücklichen, putzigen Tierchen mit den schwarzen Knopfaugen und dem hellbraunen Fell nur der Schwanz und die Gallenblase übrig, der Rest wird mit wohligem Schmatzen verspeist. Das hört sich so ähnlich an, als würde die Katze Cornflakes ohne Milch knuspern.

Manchmal jedoch kann die Maus entkommen. Sie hat ihre Chancen. Im Garten ist das kein Problem. Aber manchmal verkriecht sich der halbtote Nager und legt sich irgendwo in der Wohnung zum Sterben hin – unter einem Schrank, hinter einem Regal und erst kürzlich in einem meiner Wanderschuhe. Das bemerkte ich allerdings erst, als ich diesen vor meiner Tour auf dem Parkplatz unterhalb meines Berges anziehen wollte und mich wunderte, was sich da so seltsam weich im Schuh anfühlte. Ich hoffe, das arme Tier hatte einen sanften, schmerzfreien und vom Geruch in meinem Wanderschuh benebelten Tod.

Doch heute Nacht flüchtete die überraschend agile Feldmaus, nicht nur vor Amy, sondern auch mir, der ich sie um 03:34 Uhr mit Pappschachtel und Kehrschaufel bewaffnet retten und im Garten freilassen wollte. Katze und Mensch verfolgten sie daher in bester Tom-und-Jerry-Tradition gemeinsam durch alle Zimmer, suchten hartnäckig ihre Spur unter Bücherregalen, dem Sofa, unter Schränken und hinter dem Kühlschrank.

Endlich – nach einer längeren Hetzjagd – flüchtete sich die Maus gerade noch eben unter den Schwedenofen und verkroch sich hinter einer seitlichen Metallabdeckung, die ich nur öffnen kann, wenn ich den ganzen Ofen abbaue. Seitdem ward die Maus nicht mehr gesehen. Und seitdem (inzwischen sind es acht Stunden) hockt Amy aufmerksam vor dem Ofen. Sie lauert geduldig, weicht keinen Zentimeter von ihrem Platz. So fand sie Frau Klammerle, als sie heute morgen von der Nachtwache heimkehrte und so sitzt sie noch immer da. Ich habe gerade nachgesehen. Offenbar weiß sie (Amy, nicht Frau Klammerle), dass sie Mist gebaut hat. Frau Klammerle verabschiedete sich mit den Worten ins Bett, sie würde gerade alle Katzen der Welt hassen.

Ich bitte nun empfindliche Gemüter unter meinen Lesern nicht fortzufahren, sondern hier aufzuhören. Denn ich befürchte, dass wir die Maus nie wieder sehen. Wahrscheinlich ist sie erschöpft und schwer verwundet hinter der Abdeckung verendet und wird dort langsam durch die Hitze des Holzofens mumifizieren, denn ich komme unmöglich von außen an sie heran. Hoffentlich stinkt der Kadaver während der Verwesung nicht zu arg. Ich bin jedenfalls nach der vergeblichen Nachtjagd zu müde, um heute die Leichen meines Krimis zu entsorgen und bin wieder meiner Kaffeesucht verfallen, um zumindest noch diesen Tatsachenbericht aus meinem grausamen Landleben zu schreiben. So etwas steht nie in der „Landliebe“.

Hier geht es weiter …

 

Auf der Lauer

In diesem Bild ist eine kleine Maus versteckt. Aber weder Amy noch ich wissen, wo…

________________

*Anmerkung für den Biologen in der Familie: Die Spitzmaus (Soricida) ist ein Insektenfresser und kein Nagetier und damit nicht mit der Maus verwandt. Sie können laut und schrill pfeifen, wenn ihnen Gefahr droht.

Beitragsnavigation