Aber ein Traum …

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Ein Unfall auf Madeira

Auf den Tag genau ein Jahr ist es her, dass ich mir am 10. April 2017 den Südwesten der Insel Madeira wandernd erschließen wollte und leichtfertig von der vorgegebenen Route abwich, um ein Foto von einem Wasserfall zu machen, den ich in der Nähe verlockend plätschern hörte, der aber hinter einer Kurve lag. Ich verließ die ausgetrampelte Levada (so nennt man auf der portugiesischen Insel schmale Wasserwirtschaftswege entlang alter Bewässerungsgräben; Levadas sind so etwas ähnliches wie die Südtiroler Waalwege) und folgte dem Lauf des Bachbetts zwischen den Felsen etwa 50 Meter weit. Die Wasser, die von allen Seiten herunterrannen und einen kurzen Fluss bildeten, strömten kräftig zwischen glitschigen Steinen und Moos auf die Levada zu. Es war ein Balance-Akt, aber er klappte und die Aufnahme belohnte alle Mühen:

Auf dem Rückweg jedoch misslang mir der letzte Sprung vom Fels zurück auf den sicheren Boden des Wanderwegs. Ich rutschte aus, stürzte in das etwa knietiefe, eiskalte Wasser, schug schwer mit dem Kopf auf den Fels – hielt aber meine Kamera dabei tapfer in die Luft. Sie war anschließend das einzige, was an mir noch trocken war. Ich fror also auf dem Heimweg – noch etwa 5 Kilometer Wanderpfad, dann eine stundenlange Fahrt mit dem Bus -, was aber noch schlimmer war, ich trug eine große Platzwunde und eine gewaltige Beule an der Stirn davon, meine Brille wurde mir dabei auf meiner Nase zerschlagen und ich musste für den Rest der Woche mit einer Sonnenbrille herumlaufen, hinter der sich die geschwollene Nase und das entstehende Brillen-Hämatom um die Augen nur unzureichend verbergen ließen. Es dauerte zwei Monate, bis ich in etwa wieder so aussah wie vor dem Sturz. Die Zeugen meines Unglücks, unter ihnen natürlich Frau Klammerle, lachen noch heute darüber. Ob bei mir geistige Schäden zurückblieben, müssen andere beurteilen. Zumindest bin ich für drei Tage etwas demütiger geworden – aber nicht länger. Am Abend des 10. April 2017 sah ich jedenfalls so aus:

Cover vorne

 

 

 

 

 

 

 

Der eine oder andere meiner Leser wird das Bild vielleicht kennen, denn ich benutzte es später leicht verfremdet für „Noch einmal davon gekommen“, der beliebten Sammlung meiner Missgeschicke, von denen mein Sturz in den Tobel nur eines von vielen war. Ohne diesen Unfall hätte es vielleicht dieses Buch nie gegeben.

Doch auch der 10. April diesen Jahres hat für mich etwas besonderes; allerdings kein Unglück – es sei denn, man rechnet die Arbeit dazu -, sondern eine große Freude. Heute fand ich, erschöpft und ausgelaugt vom Brotjob heimgekehrt, in den Briefkasten gequetscht das Korrekturexemplar meines neuen Buches „Kleine Lichter“ vor und ich finde, das Cover (und freilich auch der Inhalt) sind mir diesmal ganz ausgezeichnet gelungen. Es ist jedesmal ein besonderer Augenblick, das eigene Buch in der Hand zu halten. Er allein belohnt für das mühselige Schreiben, Korrigieren und Gestalten.

„Kleine Lichter“ enthält zwei Erzählungen und einen Kurzroman aus meinem Zyklus „Jahrmarkt in der Stadt“, zu dem z. B. auch der Montagsfortsetzungsroman „Die Wahrheit über Jürgen“ gehört.

Die belletristischen Texte des Zyklus‘ bilden eine Gruppe von Kurzgeschichten, Erzählungen und auch Romanen, die ich – ich gebe diesen Fetisch hiermit öffentlich zu – nach allzu heftiger und sehr leidenschaftlicher Auseinandersetzung mit der Comédie humaine des Monsieur Honoré Balzac entworfen und zu einem großen Teil auch geschrieben habe. Sie spielen in der Hauptsache in den 1990er Jah­ren, in denen auch die meisten der zu diesem Zyklus gehörigen Romane und Erzählungen geschrieben oder zumindest begonnen wurden.

Davon ausgehend, dass jeder in seinem eigenen Leben die Hauptrolle spielt, wollte ich – freilich in viel bescheidenerem Maße als der göttliche Franzose – einen zusammengehörigen Zyklus schreiben, in dem ein festes Figurenensemble immer wieder auftaucht und sich wie in einem Kettenkarussell sitzend um seinen Götzen dreht, der bei Balzac das Geld, bei mir die Eitelkeit und der Ruhm sein sollen.

Zum Beispiel ist der zynische ältere Beamte Nikolaus Klammer eine dieser Figuren. Wie sattsam bekannt, leiht er mir seit Jahren seinen Namen als Pseudonym und taucht gleich in mehreren meiner Geschichten auf, hat vorgeblich die eine oder andere von ihnen geschrieben. In meinem umfangreichen Roman ‚Nutzlose Menschen‘ ist er sogar als Autor eines Balzac-Plagiats zu bestaunen.

Selbstverständlich sind alle Ereignisse und Personen frei erfunden und nur meiner Phantasie entsprungen. Oder glaubt ihr, dass es solche Menschen in dem schönen Augsburg wirklich geben kann?

 

Reif für die Insel

Diese Aufnahme, die ich im Dschungel von Madeira machte, hätte mich in der letzten Woche beinahe das Leben gekostet, da ich beim Knipsen ausrutschte, mit der Stirn schwer auf einem der schlüpfrigen Steine aufschlug und dann noch ins Wasser fiel. Aber zum Glück gab es „nur“ tropfende Kleidung, eine blutende Platzwunde, große Beulen, Hämatome, eine zerbrochene Brille und ein angeknackstes Selbstbewusstsein … Aber das Foto ist klasse.

 

In den beiden nächsten Wochen lasse ich den Blog ruhen, da Frau Klammerle und ich einen Osterwanderurlaub auf einer fernen, aber nicht gerade einsamen Insel im Atlantik machen. Darauf freuen wir uns schon seit Wochen. Gut, dass ich für den „Geltsamer“ ein wenig portugiesisch gelernt habe. Bom dia! Como vai você?

Solltet ihr mich in der Zwischenzeit vermissen (was ich allerdings bei den mal wieder auf Null tendierenden Zugriffszahlen auf meinen Blog eher nicht vermute), habe ich für euch als kleines Ostergeschenk die überarbeiteten und fehlerbereinigten ersten 7 Kapitel – das sind über 300 Seiten (!) – von meinem im Herbst erscheinenden Roman „Der Weg, der in den Tag führt“ gratis als Ebook zum Download von meiner Dropbox. In drei Wochen geht es mit dem 8. Kapitel: „Alis‘ Märchen“ hier weiter. Einfach die passende Datei über den Link unten runterladen, auf den Reader, das Smartphone oder das Tablet packen und lesen, lesen, lesen!

Und dann gibt es natürlich auch noch meine veröffentlichten Bücher bei den meisten Internethändlern wie z. B. Amazon.de, Hugendubel.de, Weltbild.de, bücher.de, etc. und in ausgesuchten Buchhandlungen …

→ epub-Version für Tolino etc.   

→ azw3-Version für Kindle

Ich wünsche euch allen geruhsame, sonnige Ostern, in denen ihr viel Zeit zum Lesen findet.

Bis bald!

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