Aber ein Traum …

Autorer als andere Autoren

Archiv für das Schlagwort “Karukora”

„Die Verliese des elfenbeinernen Palastes“ – Jetzt im Handel!

 

Warum „irgendwas“ lesen, wenn man auch Niklolaus Klammer lesen kann?

NEU – »Die Verliese des elfenbeinernen Palastes« – NEU

DIE VERLIESE DES
ELFENBEINERNEN PALASTES
*
Der Weg, der in den Tag führt – Buch ZWEI
Jetzt überall im Online Buchhandel
als Taschenbuch oder günstiges E-Book erhältlich!

»Herrin der Nacht, du Allessehende und Allerbarmende. Höre mich.
Sechs Männer waren es, die meine Schwester töteten.
Heute Nacht werden sie für die Untat büßen,
die sie vor 20 Jahren begangen haben.
Keiner von ihnen wird seinem Schicksal entkommen!« 

Die Saga um die Suche nach der verlorenen Stadt Pardais geht endlich weiter.

Der Regno der Lamargue wurde auf dem Gastmahl des Großvezirs der Wüstenstadt Karukora vergiftet. Während sich das fröhliche Fest in eine blutige Schlacht verwandelt, nutzen ein paar Diebe die Gunst der Stunde. Sie wollen aus dem Thronsaal des Namenlosen Herrschers von Karukora eine Landarte stehlen. Sie soll einen Weg aufzeigen, der durch die »Ebenen des Ewigen Krieges« hinein das sagenhafte Pardais führt.

Der Diebstahl gelingt, aber die Häscher des »Unterwerfers« sind ihnen auf der Spur. Es beginnt ein verzweifelter Wettlauf mit der Zeit. Selin, Juel und ihre Gefährten müssen durch die Verliese des elfenbeinernen Palastes in die Tote Wüste flüchten und überall lauern tödliche Fallen und Gefahren auf sie.

DIE VERLIESE DES
ELFENBEINERNEN PALASTES

Neue Abenteuer in den »Überlebenden Landen«
Buch 2 der Trilogie
»Der Weg, der in den Tag führt«

Und hier noch zwei neue, recht schmeichelhafte Besprechungen des 1. Buches der Trilogie »Karukora«. Von beiden Rezensenten erhielt ich 5 Sterne:

Kürzlich fiel mir Karukora – Der Weg, der in den Tag führt (Teil1) von Nikolaus Klammer in die Hände und dazu möchte ich folgendes anmerken:

Im Mittelpunkt stehen der Geschichtenerzähler Alis und sein Neffe Selin, die durch eine List in den Palast des namenlosen Herrschers gelangen, wo sie sich während eines rauschendes Festes einer alten Schatzkarte bemächtigen wollen. Vezir Omer plant zeitgleich einen Putsch, doch dann kommt alles anders …

Nikolaus Klammer steigt ein mit einem spannenden Prolog, der den Leser neugierig macht. Dann beginnt die 379 Seiten umfassende Geschichte, die zunächst als Märchen aus 1000 und einer Nacht daherkommt. Nicht zuletzt durch die sehr detailreiche Beschreibung eines orientalischen Marktes mit all seinen Menschen, Tieren, Gerüchen und Eindrücken. Ebenso werden Gebräuche, Sprachen, Siegel, Gesetze, Rituale und Namen erläutert bzw. beschrieben, ja sogar erklärt, wie man eine Sehschwäche mit Hilfe eines Quarz-Ringes ausgleichen kann. Solche Informationen, egal ob erfunden oder irgendwo abgeleitet, verleihen Geschichten stets eine gewisse Authentizität. Dazu kommen genre-typische Vergleiche wie z.B. „Worte wie einen Teppich zu knüpfen“ oder „Dein Angebot ist bitter wie der Auswurf einer Niga-Echse“. Und nicht zuletzt sind es Titel, Namen und der Palast mit seinen Märchenerzählern und Bauchtänzerinnen, die den Leser Glauben machen, er befinde sich irgendwo im Orient, vielleicht in der Zeit der Umayyaden, so um 700 nach Christus.

Aber spätestens, als die aus den 1950er Jahren stammenden Zeichentrickfiguren „Road Runner“ und „Coyote“ in einem Kaleidoskop auftauchen, zweifelt man an dem Zeitalter, in dem sich unsere Helden befinden. Und tatsächlich, wie schon der Klappentext verrät, befinden wir uns rund 6000 Jahre in der Zukunft. Offensichtlich haben zu irgendeinem Zeitpunkt die Maschinen über die Menschen gesiegt. Erstere befinden sich noch immer im Krieg, während letztere wieder in einer nicht ganz unbekannten vergangenen Welt leben. Informationen darüber, wie es soweit kam, erhält der Leser durch die Geschichten der Märchenerzähler. Und so wird der Leser im letzten Drittel des Buches vom Orient in ein Fantasy-Abenteuer entführt, in dem Computer, Cybertechnik und Androiden auftauchen.

Nikolaus Klammer präsentiert uns hier eine spannende und in sich runde Geschichte, die Laune macht und gleichzeitig fesselt, sodass es einem schwer fällt, das Buch aus der Hand zu legen, bevor die letzte Seite erreicht ist, wo man überrascht feststellen muss. Es ist noch nicht vorbei!

Sabine Schmitt

Dieses Buch hat mich echt begeistert. Ein unerschöpfliches Meer an phantasivollen Geschichten wird zu einem bunten Märchenteppich wie aus „Tausend und eine Nacht“ gekonnt und sprachlich elegant verknüpft. Ein echter Tipp für alle, die sich gerne in das Reich der Phantasie entführen lassen wollen, um neue Welten, beeindruckende Charaktere und spannende Abenteuer zu entdecken. Ich freue mich schon sehr auf den nächsten Teil.

Toni Garber (Autor der Lifelinegames)

 

Das Abenteuer geht weiter!

Also ich, ich würde es lesen …

 

Und hier noch ein Ausschnitt aus der Landkarte zum Buch (bei einem Fantasyroman unverzichtbar!), mit deren Hilfe man sich in ferne Märchenwelten träumen kann:

 

Auch der Beginn der

spannenden Geschichte
ist überall im Buchhandel erhältlich:

Karukora
»Der Weg, der in den Tag führt«
Band 1

Als Taschenbuch oder günstiges E-Book,
380 Seiten, illustriert

„Die Verliese des elfenbeinernen Palastes“ – Eine kleine Leseprobe

»Herrin der Nacht, du Allessehende und Allerbarmende. Höre mich. Sechs Männer waren es, die meine Schwester töteten. Heute Nacht werden sie für die Untat büßen, die sie vor 20 Jahren begangen haben. Keiner von ihnen wird seinem Schicksal entkommen!«

Noch im Mai werde ich meinen neuen Roman „Die Verliese des elfenbeinernen Palastes“ veröffentlichen, der die direkte Fortsetzung von „Karukora“ ist und den 2. Teil meiner Triologie „Der Weg, der in den Tag führt“ bildet. Auf über 400 Seiten werden die Abenteuer des „ludo sorriento“ Juel, des jungen Prinzen Sahar und ihrer Wegbegleiter weitererzählt:

Der Regno der Lamargue wurde auf dem Gastmahl des Großvezirs vergiftet. Während sich das fröhliche Fest in eine blutige Schlacht verwandelt, nutzen ein paar Diebe die Gunst der Stunde. Sie wollen aus dem Thronsaal des Namenlosen Herrschers der Wüstenstadt Karukora eine Karte stehlen. Sie soll einen Weg aufzeigen, der durch die »Ebenen des Ewigen Krieges« in das sagenhafte Pardais führen soll.

Der Diebstahl gelingt, aber die Häscher des »Unterwerfers« sind ihnen auf der Spur. Es beginnt ein verzweifelter Wettlauf mit der Zeit. Selin, Juel und ihre Gefährten müssen durch die Verliese des elfenbeinernen Palastes in die Tote Wüste flüchten und überall lauern tödliche Fallen und Gefahren auf sie.

Und hier ein kleiner Leseschnipsel aus dem 4. Kapitel, das übrigens lange vor der Corona-Pandemie entstand:

4. Kapitel
Der Sonne entgegen

Auch wenn es nahezu jeder Bewohner des Juwels der Wüste anders empfunden und es sich nicht mehr erhofft hatte: Selbst diese längste aller Nächte, die über das Maß hinaus von Schrecknissen, Gewalttaten und Mord angefüllt gewesen war, auch sie hatte schließlich wie jede Nacht auf Erden ein Ende – selbst wenn es so anfühlte, als würde ihre Schwärze und Kälte ewig wie der Tod währen. Schließlich tauchte die Sonne doch noch strahlend am wolkenlosen, östlichen Firma­ment über der fernen, durch die Luftspiegelungen viel näher wirkenden und bereits in der Hitze schwimmenden Hügelkette auf, die die Grenze zu den Ebenen des ewigen Kriegs markierte. Die Sonne tat, was sie treu und zu­verlässig an jedem weiteren Morgen machte, den die Allerbarmende in ihrer Großmut ihren sündigen Geschöpfen noch gewähren wollte. Zögernd erst, aber dann machtgewohnt und gelassen kletterte das Tagesgestirn während seiner Wanderung gemächlich über dem Hori­zont der Toten Wüste empor hinauf in den Zenit und vertrieb die Finsternis, aber nicht die Sorgen. Sie würde dies bis ans Ende aller Tage tun, bis in nicht mehr allzu ferner Zukunft der schwarze Máni auf seinen Platz am Himmel zurückkehren und mit sei­nem Zorn allem Leben ein brennendes und qualvolles Ende bereiten würde. So lange würde die Sonne weiterhin ihre wabernde Gluthitze auf Karukora und die umliegenden Wüsteneien herabsenden und über Guten und Bösen gleichermaßen scheinen.

Es war den Gassen, Häusern, Tempelanlagen und selbst dem elfenbeinernen Palast selbst nicht anzumerken, dass an diesem Morgen alles anders war als nur fünfundzwanzig Stunden zuvor. Doch in der Stadt herrschte eine Stille, als hätte sie in der Nacht ihren Platz mit Tudas‘Tel ge­wechselt, der verfluchten Friedhofsstadt im Weichbild von Nearoma; der Heimstätte der Dämonen und Toten, die nur wenige tollkühne Abenteurer und Grabräuber zu betreten wagten und die kaum einer von ihnen wieder lebendig verlassen hatte. Die Sonnen­strahlen erhellten inzwischen auch noch die letzten Winkel der Straßen und Plätze, die großen Märkte, die tausend Brücken über den Syris, die Gärten, Balkone und Hinterhöfe der ziegelroten Häuser und die üppigen Wohnstätten der Reichen, doch nirgendwo fanden sie eine lebende Seele vor. Selbst die vielen Straßenköter, die vor allem in den handtuchbreiten Gassen und übereinandergestapelten Hütten des Armen­viertels Hamdala eine Plage waren, hatten sich in den finsteren Löchern und Verschlägen versteckt, die sie mit manchem grindigen Bettler und hustenden Straßenkindern teilten. Auch Karuko­ras wohlhabendere Bürger hatten sich wie diese Hunde in ihre Behau­sungen zurückgezogen, hinein in ihre Häuser und Woh­nungen. Die Fensterläden waren fest verschlossen, die Türen verrammelt und verriegelt. Kein Kaufmann und kein Handwerker hat­te seinen Laden geöffnet, niemand saß auf den Stühlen vor den Kav–Schenken und die Bazaare waren wie leer­gefegt. Die Priesterinnen der Tränenreichen hielten keine Gottesdienste ab, und die Vorbeter schwiegen. Nirgendwo genoss jemand den frühen Morgen in den Parkanlagen oder bettelte auf den öffentlichen Plätzen, es kehrten keine übermüdeten Nachtschwärmer in ihren Sänften von ihren Vergnügungen heim und kein Schüler eilte verspätet zum Unterricht. Kein Wagen rumpelte über die Pflas­ter, kein Kahn fuhr den Syris und kein Dampfer den Marat hinab. Die Stadt hielt den Atem an und verbarg sich vor der Sonne.

Die Verliese des elfenbeinernen Palastes – Flucht aus dem Elfenbein-Palast (6)

[Zum Anfang der Leseprobe …]

Die Verliese des elfenbeinernen Palastes
»Der Weg, der in den Tag führt«
Band 2

Kapitel 2
Flucht aus dem Elfenbein-Palast (6)

»Das ging ja außerordentlich schnell«, staunte der Bişra. »Berichte mir!« Ultem räusperte sich missbilligend und warf ei­nen kurzen Blick auf Eóra. Dadurch wurde dem Na­menlosen erst bewusst, wie kompromittierend seine momentane Situation war. Der Herrscher über die reichste und größte Stadt der Überlebenden Lande, der Gott der Wüsten und Oasen, Herr über Leben und Tod, Liebling der Allerbarmerin und unsterblicher Zermal­mer aller Feinde Karukoras, lag weinerlich in den Ar­men eines Weibes! Pasha Ultems Plan, von sich abzulenken, ging auf. Der Namenlose errötete unter seiner Maske und stieß Eóra, die sich gegen seine Seite lehnte, fast grob von sich.

»Du bist entlassen, Frau«, sagte er kalt. Fast sah es so aus, als würde Eóra aufbegehren, aber dann senkte sie nur ihr Haupt.

»Ja, mein liebreizender Gebieter, die Staatsgeschäfte rufen dich. Karukora braucht in dieser Krise deinen Weitblick und deine Stärke«, sagte sie und stand auf­grund ihrer fortgeschrittenen Schwangerschaft et­was mühsam aus der niedrigen Liege auf. »Hören und Gehorchen sind mir eine Einheit, Sonne meines Lebens. Nutze nur meine Gemächer als deinen vorübergehen­den Thronsaal, bis wieder Ruhe im Palast eingekehrt ist. Ich werde mich nun zurückziehen.« Sie lächelte Ultem an, der durch sie hindurchblickte, als wäre sie nur eine phantomhafte Geistererschei­nung. Noch wusste er nicht so recht, in welchen Wind er seine Fahne zukünftig hängen sollte und hielt sich daher für den Moment zurück, obwohl er, solange ihr Vater der mächtigste Minister im Land gewesen war, immer freundlichen und aufmerksamen Umgang mit der Gattin seines Herrn gepflegt hatte. Eóra trat wür­devoll an dem General vorbei hinter die Vorhänge. Kurz überlegte sie, ob sie lauschen sollte, aber es gab in dieser Nacht noch Wichtigeres für sie zu tun. Ein schwerer Gang stand ihr noch bevor und vor der Tür zu ihren Gemächern stand bestimmt noch Muhar und wartete ungeduldig auf sie, um sie zu begleiten.

»Also«, fragte der Namenlose, als er mit seinem Gene­ral allein war, und nahm seinen ganzen Mut zusam­men, »ist die Schlacht um mein geliebtes Karukora endlich entschieden?«

»Der Palast ist längst noch nicht zur Ruhe gekommen. Das wird er in dieser Nacht auch nicht mehr. Er gleicht einem aufgeschreckten Wespenbau. Ich stimme deiner Hohen Gattin zu und denke ebenfalls, dass es das Beste sein wird, wenn du vorerst im abgeschiede­nen Neuen Serail verweilst und geschützt von deiner Leibwache draußen die Entwicklungen hier ab­wartest, mein Gebieter. Lass mich zur Sicherheit eine weitere Abteilung der Treuwacht vor den Fenstern abstellen. Zu deiner Frage: Es war eine blutige und verlustreiche Schlacht, aber die Lamarger sind inzwischen fast vollständig besiegt und bis auf wenige Gefangene erschlagen. Zudem gilt es, ein paar Brände zu löschen und nach Ómers Mitver­schwörern zu fahnden. Eines der Murlane des Regno ist übrigens im Kampfgetümmel entkommen und streicht wahrscheinlich durch die Gärten. Ich habe schon nach dem Tierbändiger des „Unterwerfers“ rufen lassen, um das Raubtier einzufangen.« Ultem zögerte. Nun kam der Teil des Ge­sprächs, den er fürchtete.

»Mach ganz so, wie es dir beliebt«, antwortete Der Namenlose. »Du hast mein Vertrauen, Ser’Asker. Ich will am Morgen in aller Frühe als erstes meinen Soldaten und Treuwächtern für ihren Einsatz danken. Bereite eine Zeremonie vor, in der ich ein paar Orden verteilen und den Witwen mein Beileid aussprechen kann. Jetzt möchte ich die wenigen Stun­den, die noch bis zum Sonnenaufgang verbleiben, dazu nutzen, etwas zu ruhen.«

»Da ist noch etwas.« Ultem hob den Zettel in seiner Hand. »Es sieht so aus, als hätten ein paar Diebe die Gelegenheit ausgenutzt und lange Finger gemacht. Sie sind während der Kämpfe in den Thronsaal eingedrun­gen und haben zu allem Überfluss noch frech eine Nachricht hinterlassen. Ein paar meiner Wüstenkrieger haben den Frevel zufällig entdeckt, als sie die Spur von zwei Lamargern verfolgten, die ihnen leider entkommen sind.« Ul­tem verschwieg, dass es sich bei einem der Flüchtigen um Idrichson Galves handelte. Er machte einen Schritt nach vorn und überreichte dem Namenlosen das Blatt in seiner hand, dann wich er sofort zurück. Er machte es kurz, denn er war kein Freund von vielen Worten und Ausflüchten, wie sie Radik Emre so gerne benutzte:

»Diese Diebe haben den Thron geschändet, mein Herr … indem sie die Augen des Falken herausgebrochen und mit sich genommen haben. Noch ist nicht klar, auf welchem Weg sie in den Thronsaal gelangt und wie sie ihn wieder verlassen haben.«

Der Namenlose fuhr auf. »Was? Die zwei Trigonjuwelen wurde ge­stohlen?«, stotterte er. Den Zettel hielt er achtlos in der Hand. Er war viel zu weitsichtig und mit den Rubinen vor seinen Augen noch zusätzlich behindert, um den kleingeschriebenen Text zu entziffern. Aber diese Schwäche wollte er Ultem nicht eingestehen. »Diese Diebe müssen noch in dieser nacht ergriffen und bestraft werden! Weit können sie doch nicht gekommen sein!«

»Leider sind unsere Sbirren und Wächter durch die Vorkommnisse an den Palast gebunden, doch ich habe veranlasst, alle Tore zu schließen und die Flussketten über den Marat zu heben, damit kein Schiff die Stadt verlassen kann. Niemand kommt im Moment aus Karukora heraus. Allerdings wird es wohl eine mühsame Suche nach den Tätern werden, die sich sicher im Hamdala-Viertel verbergen werden.«

»Steckt da die Diebesgilde dahinter? Das sieht mir ganz nach ihrer Handschrift aus. Wollen sie sich rächen? Vielleicht sollten wir bei ihnen ein paar Köpfe rollen lassen. Das macht die Überlebenden redselig. Wie hieß noch einmal ihr Erzmeister? Abu Da‘Ad?«

»Abu Du‘Bur. Aber ich halte dies für keine gute Idee, mein Herr!«, wagte Ultem zu widersprechen. Ihn traf einer der roten Feuerblicke seines Bişras, aber er hielt ihm stand. Äußerlich vollkommen ruhig, verlagerte er nur sein Gewicht auf das linke Bein und schob gleichzeitig die rechte Schulter etwas nach vorn. Der General, der befürchtete, er müsse sich nun zwischen zwei Loyalitäten entscheiden, nämlich der zur Diebesgilde und seinem Vater Abu Du‘Bur auf der einen und seinem Herrscher auf der anderen Seite, wappnete sich, flink seinen Säbel ziehen zu können. Dabei suchte ein unruhiger Blick nach einem Fluchtweg. Der „Unterwerfer“ wusste nicht, wie nah er daran war, selbst den Kopf zu verlieren.

»Ein paar Meister der Gilde hinzurichten, würde nichts bringen, Herr«, fuhr Ultem gelassen fort, während er seine Rechte wie von Ungefähr auf den Knauf seiner Waffe legte. »Das wäre, als würdest du mit einer flachen Hand aufs Wasser klatschen. Ja, es würde Lärm machen und ein paar Wellen geben, aber der Untergrund bliebe ruhig und unbewegt und die Juwelen bekämen wir nicht zurück. Bedenke, mein Herrscher: Auch wenn dich die „Flinken Finger“ ab und an ärgern und das eine oder andere wertvolle Teil aus deinem Palast entwenden, so treu stehen sie doch seit den Gründungsjahren Karukoras beim Namenlosen und diese Treue ist sogar Teil ihres Diebeseides, den jedes neues Mitglied leisten muss …« Ultem zögerte. Er musste wirklich besser auf seine Worte achten, denn er wusste nicht, ob die ganz und gar nicht unberechtigten Gerüchte über seine geheimen Verbindungen zur Diebesgilde bereits an die Ohren des Namenlosen gedrungen waren. Doch so, wie er den Schleimer Radik Emre kannte, musste er davon ausgehen.

»… so weit ich über die Gildenregeln informiert bin, natürlich. Doch eines ist sicher: Die Diebe haben kein Interesse an einem Umsturz und Chaos in der Stadt. Sie sind treuere Anhänger der Dynastien als der Adel und die Kaufleute. Unruhen und eine Umwälzung der Gesellschaft würden ihre Geschäfte ruinieren. Sie verstehen sich als die Laus im Pelz der Reichen und nicht als der Murlan, der sie frisst. Nein, ich glaube nicht, dass die Diebesgilde mit dieser unerfreulichen Sache zu tun hat, das sieht mir doch eher nach der Tat von Eingeweihten aus, die die Verhältnisse im Palast genau kennen. Wir sollte die Diebe nicht mit übereilten Schuldzuweisungen verärgern, sondern uns vielmehr ihrer Unterstützung versichern, denn sie können es überhaupt nicht leiden, wenn Freischaffende in ihrem Jagdgebiet wildern. Wenn wir – selbstverständlich diskret und heimlich -, den Erzmeister Abu Du‘Bur ins Boot holen, werden sie viel zuverlässiger und sicherer verhindern, dass die Trigonsteine die Stadt verlassen oder ihre neuen, unrechtmäßigen Besitzer sie über einen Hehler zu Gold machen. Die Vorarbeiter der Hafengilde und die Betreiber der Karawansereien und Handelsgesellschaften arbeiten Hand in Hand mit der Gilde.«

Der Namenlose nickte.

»Verschone mich mit deinen Räuberspielen und Machenschaften. Das Knäuel an Intrigen hier in diesem Palast erscheint mir inzwischen so verwirrt und verknotet, dass es nicht mehr lösbar oder auch nur durchschaubar ist. Jeder in meiner Umgebung kocht sein eigenes Süppchen und ist dazu eifrig dabei, dem anderen in den Topf zu spucken oder ihm seine eigene Würze beizumischen. Wenn ich nur daran denke, bekomme schon wieder Kopfschmerzen davon. Hauptsache, es kehrt wieder Ruhe ein und wir bekommen die Steine schnell wieder zurück. Welche Wege du beschreitest, um dieses Ziel zu erreichen, ist mir gleichgültig, aber du stehst mir das Gelingen mit deinem Kopf ein. Im Moment wünschte ich fast, der Sud wäre noch mein Vezir. Der hätte mit solchen Gaunern kurzen Prozess gemacht. Oder steckt gar Ómer selbst hinter dem Raub? Schließlich ist er im Besitz des dritten Trigonsteins, der jeden seiner abnormen Turbane ziert.«

»Ómers Verbindungen in die Unterwelt und seine Spitzel, Halsabschneider und Ohren sind wie eine tausendbeinige Giftspinne, die ihr Netz über ganz Karukora gewoben hat. Aber diese Spinne steht uns nicht mehr zur Verfügung, nachdem wir ihr das verräterische Haupt abgetrennt haben«, sagte Ultem und zuckte mit den Schultern. Wahrscheinlich ist der unersättliche Radik Emre gerade dabei, Ómers Informantennetz zu übernehmen und sich den Turban mit dem Smaragd auf den Kopf zu setzen, dachte er bei sich. Schade, nur dass ich hier beim Namenlosen meine Zeit verschwende, die Gilde und ich könnten die Ohren des Vezirs ebenfalls gut gebrauchen.

Ultem machte eine auffordernde Geste: »Auf jeden Fall haben die Diebe diese Nachricht in deinen Händen hinterlassen und wir wissen deshalb, wer der wahrhschliche Hintermann der Tat ist. Es wird dich überraschen: Es sind Alis Dabinghi und seine Familie.«

»Der Märchenerzähler, der uns heute mit seiner Geschichte von Lakmi-âs-Sekr gelangweilt hat? Aber warum sollte er das tun? Hat ihn Ómer nicht bezahlt?«

»Es steht auf diesem Papier, Herr.«

Der Namenlose reichte erstaunt das Blatt Papier an Ultem zurück.

»Lies es mir vor« forderte er. Ultem kniff die Augen zusammen und hielt das Blatt von sich, damit er den mit einer sauberen, aber zittrigen Handschrift geschriebenen Text lesen konnte, denn auch er litt unter einer Augenschwäche. Wie die meisten Karukorer war er daran gewöhnt, laut zu lesen. Zuerst murmelnd und dann immer wütender erklang seine Stimme:

»Die Bingh leben. Die Bingh beschützen ihr Karukora. Sie werden sich den Falkenthron, der ihr rechtmäßiges Erbe ist, von den Ursurpatoren des Bişra-Abschaums zurückholen! Die heutige Nacht war nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was noch kommen wird. Wir haben die Steine des Trigons an uns genommen. Sehr bald werden auch die goldene Maske und Karukora selbst den echten Nachkommen des ersten Namenlosen gehören. Die Spatzen pfeifen es schon von den Dächern des Elfenbeinpalastes. Die Dynastie der Bişra wird bald enden. Sie sind endlich vorbei, die Jahre der Tyrannenherrschaft, die der Bişra, der elende Vater- und Muttermörder, ausübte. Komm und stelle dich deinem Schicksal, du „Unterwerfer“! Ich bin Selin Dabinghi, der einzige und wahre Erbe über das Reich der Namenlosen. Ich bin zum Herrschen geboren und du lausiger Abfall hast mir meinen Thron gestohlen. Ich erwarte dich jenseits der Felder des Ewigen Krieges vor den Toren von Pardais. Ich werde das Urteil, das die Allerbarmerin über dich gesprochen hat, vollstrecken. Oder bist du gar zu feige, mit deiner lächerlichen Armee und deinen speichelleckerischen Generälen gegen einen Einzelnen zu kämpfen, kleiner Dagor?« Ultem zerknitterte den Zettel zu einer kleinen Kugel und warf ihn durch den Raum.

»Kennt noch jemand außer dir den Inhalt?«, fragte der Namenlose scheinbar gelassen.

»Leider scheinen während der Revolte überall in der Stadt gedruckte Kopien davon verteilt worden zu sein.«

»Jeder, der solch einen Zettel besitzt oder weitergibt, soll den M‘Gaviâ zum Fraß vorgeworfen werden!«, brüllte der Namenlose plötzlich, sprang auf und wütete und schimpfte. Ultem machte sich noch ein wenig kleiner, wartete geduldig das Ende des Tobsuchtsanfalls seines Herrn ab, das tatsächlich nicht allzu lang auf sich warten ließ. Der Bişra presste seine Hand gegen die Stirn.

»Ah, diese Schmerzen …«, sagte er und lehnte sich mit dem Gesäß kraftlos gegen die Brüstung des Fensters, das über ein paar niedrige Dächer des Palastes einen Ausblick auf die Marathäfen und den Leuchtturm zeigte. Dort draußen, kurz vor Sonnenaufgang, herrschte eine gespenstische Stille.

[←zurück]             [weiter →]

Der Beginn der spannenden Geschichte
ist überall im Buchhandel erhältlich:

Karukora
»Der Weg, der in den Tag führt«
Band 1

Als Taschenbuch oder günstiges E-Book,
380 Seiten, illustriert

Beitragsnavigation