Eine kluge Frage und ein Jubiläum

Über den Roman, Der Autor, E-Books, Erzählung, Fantasy, Glosse, Jahrmarkt in der Stadt, Künstlerroman, Kurzgeschichte, Leben, Leseprobe, Literatur, meine weiteren Werke, Phantastik, Philosophie, Roman, Satire, Science Fiction, Sprache, Werkstattbericht

EIN GRUND ZUM FEIERN UND UM ZURÜCKZUBLICKEN

Ich gebe es zu: In den letzten Wochen habe ich meinen Blog ein wenig stiefmütterlich behandelt. Das liegt zum einen an meinem Brotberuf, der im Moment viel von meiner Zeit frisst, zum anderen schlicht daran, dass ich zu faul war. Schließlich war der April ungewöhnlich warm und sonnig und reizte zu Ausflügen, Wanderungen, Radtouren, Biergartenbesuchen und zum Einfach-mal-faul-auf-der-Gartenterrasse-Herumlümmeln. Es ist jedes Jahr das Gleiche: Gelange ich erst einmal langsam aus dem Winter- in den Sommermodus, bin ich mehr „Körper“ als „Geist“.  Außerdem sind die Zugriffe auf meinen Blog marginal und ich rede hier meist nur mit mir selbst. Da kann ich mir auch mal ein paar Pausen gönnen.

Meine liebe Kollegin lunaewunia, die mir hier folgt (sie selbst schreibt hier: schreibmaschinchenblog.wordpress.com), liest allerdings gerade meinen Roman „Die Wahrheit über Jürgen“, den ich hier jeden Montag in homöopatischen Häppchen vorveröffentliche, bis er im Herbst als Buch erscheinen wird. Sie war so nett, ein paar kritische Anmerkungen zu dieser Betaversion des Romans zu machen und hat mir unter anderem die folgende Frage gestellt:

lunaewunia: „Was ist denn deiner Meinung nach der beste Einstieg in dein Schaffen?“

Ganz ehrlich, ich war vollkommen überrascht. Diese Frage hat mir noch nie jemand gestellt und ich habe mir auch noch nierichtig  darüber Gedanken gemacht. Ich habe mir von lunaewunia ein wenig Bedenkzeit ausgebeten und nachgedacht. Heute – denke ich – ist der richtige Moment, diese Frage etwas ausführlicher zu beantworten, denn ich feiere in diesen Tagen ein ganz besonderes Jubiläum auf meinem Blog.

Er ist 5 Jahre alt geworden.

Im Moment findet ein interessierter Literatursüchtiger hier über 700 Artikel (1). Er kann Glossen, Rezensionen, Kurzgeschichten, Erzählungen, Romanausschnitte und sogar Gedichte und ein Theaterstück lesen. Aber das Ganze ist ein ungeordnetes Knäuel ohne innere Reihenfolge und System; es fehlt die ordnende Hand. Kein Wunder, bin ich doch nicht nur ein fauler, sondern auch ein schlampiger Mensch, der als Messie in seinem Dreck leben würde, ließe dies Frau Klammerle zu. Für mich war dieser Blog am Anfang nur ein neues Spielzeug, das ich mal ausprobieren wollte, um mitreden zu können. Doch mit dem mir selbst verordneten Zwang, ihn mit Inhalten zu füllen, wurde er mir für meine Arbeit als Autor schnell unverzichtbar und bringt mich dazu, regelmäßig an meiner Literatur zu arbeiten. Der Blog ist mein ins Internet ausgelagertes Gewissen, das mich zwickt, wenn ich mal wieder eine Faulenzerphase habe. Tatsächlich ist es nur ihm zu verdanken, dass ich inzwischen 6 Bücher geschrieben, überarbeitet und im Selbstverlag herausgegeben habe, denen noch in diesem Jahr zwei weitere folgen werden.

Die Texte dieser Bücher sind hier größtenteils nicht mehr zu finden; wer sie lesen möchte, muss sie kaufen. 😉

Also, wie sollte man nun in die Welten des Nikolaus Klammer einsteigen? Ich denke, das liegt am jeweiligen Leser. Denn ich bin ein sehr vielseitiger Autor, den Genre-Grenzen noch nie interessiert haben. (2)

Von kurz nach lang:  Wer nur einmal kurz reinschmecken möchte, um meine „Schreibe“ kennenzulernen, dem würde ich empfehlen, bei meinen Kurzgeschichten zu beginnen. Sie sind mal heiter, mal fantastisch, mal unbequem, aber immer originell. Hier folgt eine repräsentative Auswahl, die Reihenfolge ist zufällig; tatsächlich finden sich noch viele weitere Kurzgeschichten in den Archiven des Blogs:

Bappbpel Der FremdeDas Rote HausDer WolfsmondEismanns WilleWahrheit –  PalimpsestDer Schriftsteller, die Putzfrau und der TodRacheDer OktopusKleine VeränderungenKarls Träume

Für den etwas längeren Atem: Eine Liste von Erzählungen, die hier in mehreren Fortsetzungen erschienen und bis zu 50 Buchseiten lang sind. Die Geschichten sind für den erfahrenen Leser gedacht, ich mache es in ihnen weder ihm noch mir leicht. Der Link führt jeweils zum ersten Teil der Erzählung:

Der Engel im SpiegelTraditioncrisis – Bei den GroßelternDas Zeichen des Lebens –  Haare lassen ErSieEs

Der „Jahrmarkt in der Stadt“-Zyklus: Erzählungen und Romane, die um die Künstlerszene in Augsburg kreisen. Sie sind die ältesten Texte von mir, die man hier finden kann. Ich werde diese Geschichten noch einmal überarbeiten und in den nächsten Jahren Schritt für Schritt in Buchform veröffentlichen. (3)

StromausfallEin andere Art der LiebeDie fürsorgliche SchuldNutzlose MenschenDie Wahrheit über JürgenDas goldene Kalb

Für die Freunde des Phantastischen: Die mit Abstand erfolgreichsten und beliebtesten meiner Bücher sind die auf 5 Bände konzipierten Romane meiner „Dr. Geltsamers erinnerte Memoiren“-Trilogie, von der bereits Teil 1 und 2 im Selbstverlag erschienen sind; im Sommer folgt Teil 3, den man hier mitlesen kann. Dann finden sich hier noch die ersten sechs Kapitel des Romans „Aber ein Traum“, der dem Blog seinen Namen gab und sozusagen die „ernsthafte“ Variante der Memoiren ist. (4)

Dr. Geltsamers erinnerte Memoiren (Teil 3)Aber ein Traum

Fantasy und Science Fiction: Schließlich kommen wir zum Unterhaltsamsten, meinem spannenden Brautschauzyklus, der 8000 Jahre in der Zukunft spielt und als Young-Adults-Buchreihe konzipiert ist, die munter und respektlos Fantasy- und Science-Fiction-Elemente durchmischt. Das ist ein Projekt, das mich noch viele Jahre beschäftigen wird.

Brautschau 2: Faiabas Erwachen –  Der Weg, der in den Tag führt I: KarukoraDer Weg, der in den Tag führt II: Paradais

Anderes und Vermischtes: Ich habe im Laufe der Jahre hier viele Rezensionen, Glossen, Satiren, Streiflichter, Philosophisches und Theoretisches und Geistesblitze veröffentlicht, heiteres und ernsthaftes, nachdenkliches und unsinniges; vieles davon ist in dem Sammelband „Noch einmal davon gekommen“ zu finden. Hier kann man mich gut kennenlernen. Vielleicht ist dieses Büchlein der beste Einstieg in mein Werk.

Antilopen (Theaterstück)WochenleseDer Dichter als DenkerFreitagsaufregerBock des Monats und selbstverständlich mein Essay über die Minnedichtung

Ich hoffe, diese Liste hilft dem verwirrten Besucher meines Blogs, sich bei mir zurecht zu finden und sich aus dem üppigen Kuchen die Rosinen herauszupicken, die ihm munden.

Doch nun wünsche ich euch allen einen wunderschönen Mai und ich würde mich freuen, wenn ihr einfach mal bei mir vorbeischaut, egal ob virtuell oder tatsächlich, und mit mir auf 5 weitere und gemeinsame Jahre auf diesem Blog anstoßt. (5)

Euer Nikolaus

 

______________

(1) Ein paar Zahlenspiele: Etwa 300 Blogeinträge habe ich „privat“ gestellt. Das sind in der Regel Ausschnitte aus Texten, die ich später als Buch veröffentlicht habe und veraltetes, missglücktes Zeug. Insgesamt habe ich also seit dem Mai 2013 knapp 1000 Artikel geschrieben, das sind 2 – 3 pro Woche – nicht schlecht für einen faulen Autor. Jeder Artikel beinhaltet um die 1000 Wörter – mal mehr, mal weniger -, ich könnte also mit dem veröffentlichten Inhalt meines Blogs ein Buch mit 4000 Seiten füllen. Ich gebe es zu: Ich bin schon ein wenig stolz auf diese Leistung.

(2) Manche – sich selbst als „ernsthaft“ einordnende – Leser stößt so etwas ab, denn sie sind der Meinung, dass man nicht U und E miteinander vermischen kann und darf und ein Autor, der Fantasy oder Krimis schreibe, kein guter und lesenswerter Belletristiker sein könne. Nun, vielleicht ist das in meinem Fall so, aber ich selbst glaube, es ist nur ein veraltetes Vorurteil und diesen Lesern entgeht eine ganze Menge Spaß.

(3) Den Anfang hat das frisch veröffentlichte Buch „Kleine Lichter“ gemacht, in dem die Erzählungen „Pasenows Schuld“, „Die Lichtung“ und der Kurzroman „Ein kleines Licht“ zu finden sind; demnächst wird der Roman „Die Wahrheit über Jürgen erscheinen“, nächstes Jahr folgt dann der Band „Stromausfall“.

(4) Ich will in diesem Zusammenhang kurz auf rosmarinkatze.wordpress.com hinweisen, den außer von den lieben Spammern (4a) vollkommen unbeachteten Blog, den Verena Salva – eine der Hauptfiguren von „Dr. Geltsamers Memoiren“ – führt. In ihrem Blog lassen sich einige Gimmicks für die Fans der Geltsamer-Romane und hübsche Gedichte und Fotografien finden.

(4a) Während mich hier in den fünf Jahren etwa 500 Spamkommentare belästigten, sind es auf Verenas Blog, der erst seit einem Jahr existiert, bereits 11oo – die meisten übrigens in portugiesischer Sprache.

(5) Denkt an die Gefahren des Trinkens! In dem Glas, das ich auf dem Bild in der Hand halte, ist selbstverständlich kein Maibock, sondern ein alkoholfreies Radler.

Hinein ins 5. Jahr – Ein Blogjubiläum und ein paar Zahlen.

Alltägliches, Der Autor, Fragen, Leben, Literatur, Werkstattbericht

So vergeht die Zeit …

Als ich vor genau 4 Jahren mit einem kurzen Text über E. A. Poe diesen literarischen Blog „Aber ein Traum“ startete, geschah dies aus aus einer Augenblickslaune und eher zufällig. Doch bald wurde es mir zur tagtäglichen Angewohnheit, in ihm über meine Literatur und mein Leben zu schreiben, hier meine Texte zu veröffentlichen und eine Art von Tagebuch zu führen.

Bis zum heutigen Tag habe ich Woche für Woche für Woche insgesamt weit über 1.000 Beiträge für ihn erstellt und 800 Fotos hochgeladen. Der Blog wurde 12.000 mal aufgerufen, die Artikel bekamen gut 1.000 „Gefällt mir“ und wurden knapp 300 mal kommentiert (dazu kommen übrigens noch einmal weit über 500 Spam-Kommentare). Im Moment folgen dem Blog 117 andere Blogger, von denen allerdings höchstens 5 hier mehr oder weniger regelmäßig vorbeischauen. Im Durchschnitt bekommt der Blog am Tag 8 Besuche (etwa die Hälfte davon sind Suchmaschinen, Bots und Spammer), die Tendenz ist langsam fallend. Trotzdem bin ich ein wenig stolz auf meinen Blog.

Zusammengefasst: Ich habe weiterhin Spaß an der Sache, aber das Internet ist kein Ort, in dem ich Leser oder Freunde finde oder gar literarischen Erfolg, auch wenn zwei meiner Bücher inzwischen als E-Book oder On Demand zu kaufen sind. (→ z. B. hier)

Trotzdem mache ich weiter: Mein nächstes Projekt wird ein Band mit den besten Glossen sein, die in den letzten vier Jahren für „Aber ein Traum“ entstanden. Im Herbst werden dann die beiden Romane, die ich hier seit längerer Zeit wöchentlich in Portionen von etwa 8 – 10 Seiten vorveröffentliche, in den Buchhandel kommen: Dr. Geltsamers erinnerte Memoiren, Teil 2, und Der Weg, der in den Tag führt, das märchenhafte Prequel zu Meister Siebenhardts Geheimnis, an dessen Fortsetzung ich gerade arbeite.

 Projekte

Also, hinein ins 5. Jahr!

Euer Nikolaus

Ein Jubiläum und eine kurze Auszeit vom Bloggen

Aber ein Traum, Alltägliches, Der Autor, Leben, Literatur, Roman

Liebe Freunde,

zuerst geht mein Gruß an den Surfer aus Sri Lanka, der sich heute Nacht interessiert auf meinem Blog umgesehen und die Leseprobe von meinem Roman „Aber ein Traum“ heruntergeladen hat. Wenn man mal von Niederbayern absieht, kam er damit aus dem bislang fernsten und exotischten Land hier in meine guten Stube gereist. Das ist ein Teil der Faszination des Bloggens: Meine Worte werden in Weltgegenden und von Menschen gelesen, die ich wohl niemals besuchen und sehen werde – mich höchstens im Halbschlaf hinträumen kann. Ich stelle mir meinen Besucher aus dem fernen Osten als einen glücklichen Menschen vor und freue mich.

Überhaupt läuft mein Blog, der in diesen Tagen 3 Jahre alt wird, gerade recht ordentlich, nachdem 2015 das schlechteste Jahr war. Er hat die Abspaltung meines etwas peinlichen Zwillings Niklas, der seine Genre-Literatur nun auf seiner eigenen Site „Andere Welten, andere Zeiten“ veröffentlicht, gut überstanden und die Zugriffs- und Besucherzahlen steigen von Monat zu Monat langsam, aber  beständig leicht an. Im Augenblick habe ich hier 97 Follower und bin recht zuversichtlich, demnächst die magische 100 erreichen zu können. Mir ist freilich bewusst, dass die Mehrzahl dieser Follower mir nicht wirklich „folgt“ und Interesse an meinen Texten hat, mich auch nie auf meinem Blog besucht, dass unter den 97 einige Dateileichen, Suchmaschinen und vielleicht sogar der eine oder andere Bot ist. Aber die für manche vielleicht bescheidene Anzahl macht mich doch ein wenig stolz und ich danke noch einmal nachdrücklich allen, die hier ab und an vorbei schauen und meine Geschichten lesen, manchmal sogar kommentieren. Ich weiß, dass das nicht selbstverständlich ist.

Es ist vielleicht gerade ein ungünstiger Zeitpunkt, jetzt eine Pause zu machen. Aber wegen der im Augenblick recht heftigen Arbeitsbelastung in meinem Brotberuf und auch aus familiären Gründen muss ich meinen Blog für eine Weile ruhen lassen. Danach werde ich noch ein wenig Pfingsturlaub machen und mit Frau Klammerle einmal rund um den Bodensee radeln (Das ist, was die Unermüdliche unter Erholung versteht: Wenn sie mich nicht gerade „schlank kocht“ – vergebene Liebesmüh‘- dann zerrt sie mich von meinem Schreibtisch weg und bewegt mich hinaus in die weite Welt). Aber spätestens Anfang Juni geht es hier hoffentlich wieder frisch gestärkt weiter und ich werde dann mit der Veröffentlichung der nächsten Kapitel von „Aber ein Traum“ fortfahren, jenem Monstrum von Roman, wegen dem ich im Mai 2013 ursprünglich diesen Blog gegründet habe.

frühling5

Ich wünsche allen und insbesondere mir endlich einen Frühling, der diesen Namen verdient.

Bis bald, Nikolaus Klammer

Zwei Jahre „Aber ein Traum“

Alltägliches, Der Autor, Leben, Literatur, Werkstattbericht

Liebe Freunde und Leser!

Dieser 3. Mai ist für mich ein ganz besonderer Tag. Heute hat nicht nur mein Blog Aber ein Traum seinen 2. Geburtstag, sondern dieser Text ist durch einen sonderbaren Zufall zugleich der 500. Artikel, den ich auf meine kleine Internetplattform stelle. Das sind zwei Jubiläen an einem Tag, auf dich ich schon ein wenig stolz bin und von denen ich niemals dachte, dass ich sie erreichen könnte.

Den Prosecco zum Feiern habe ich auf Eis gelegt und heute Abend werde ich eine heiße „Blogparty“ mit Frau Klammerle feiern. Leider findet die Fete im Haus statt, denn hier in Diedorf schüttet es seit Donnerstagnacht ununterbrochen. Auch wird die Feier nicht zu lange dauern, denn morgen früh muss ich wieder arbeiten. Ich glaube, ich werde langsam alt.

Und schon wieder lächle ich. So wird das nie etwas mit der Schriftstellerkarriere…

Grund genug für mich, an diesem verregneten und trüben Vormittag ein wenig in die Vergangenheit und mit der Glaskugel in die Zukunft dieses Projektes zu blicken.

Aber ein Traum ist eher zufällig entstanden. Ich wollte eigentlich nur jemandem vorführen, wie er sich ohne großen Aufwand bei WORDPRESS einen eigenen Blog erstellen kann und wählte Titel, Design, Einteilung und Pseudonym als „Lehrbeispiel“. Konzeptlos und eher halbherzig postete ich ein paar kleine Texte, ohne zu wissen, wohin mich die Reise führen – ob ich sie überhaupt antreten sollte. Ich hatte nie vor, meine Literatur als „Indipendent-Autor“ häppchenweise ins Internet zu stellen und schrieb anfänglich in der Hauptsache launige kleine Artikelchen, Reiseberichte, Kritiken zu den Büchern, die ich gelesen hatte und mehr oder weniger heitere Glossen über den Alltag von Frau Klammerle und mir. Dabei übte ich mich, wurde von Woche zu Woche lockerer. Dann fing ich wieder Feuer. Der Blog wurde ein Heilmittel, durch das es mir gelang, eine beinahe zwanzig Jahre andauernde Schreibblockade zu überwinden.  Frustriert wegen meiner vollkommenen Erfolglosigkeit als Autor hatte ich Mitte der 90er meinen Stift frustriert und auch beleidigt in die Ecke geworfen und mein Leben neu organisiert. Ein Lebensabschnitt begann, in dessen Mittelpunkt die Familie stand. Ich suchte mir einen Brotberuf, übernahm Verantwortung und zog meine Söhne groß.

Dann verließen beide vor kurzer Zeit das Haus und mein „verlorener Sohn“, nämlich meine Literatur, kehrte reumütig zu mir zurück. Es gelang mir plötzlich, angefangene und längst zur Seite gelegte Projekte erneut aufzunehmen, zu überarbeiten und zu vollenden. Und ich konnte mich wieder auf ganz neue Abenteuer und Geschichten einlassen. Diesen Weg kann man hier in 500 Blogartikeln gut dokumentiert entdecken.

Die beiden am häufigsten aufgerufenen Artikel sind übrigens die Kurzgeschichte Vision und meine Zehn Gebote für den erfolgreichen Schriftsteller, dann folgt das Oktopusdrama.

Statistik

Die Statistik lügt nicht: In der Tendenz hat mein Blog von Monat zu Monat weniger Besucher.

Inzwischen sprudelt meine Quelle wieder munter und kraftvoll und tut dies mit so viel Überschwang, dass sie inzwischen häufig meine Tages- und Wochenabläufe dominiert. Ein Tag, an dem ich nicht schreiben kann, fühlt sich verloren an. Das Entstehen meiner Geschichten erfüllt mich mit tiefer Befriedigung, um nicht zu sagen: mit Glück.

Ein autobiografisches Buch von Jorge Semprun trägt den Titel „Leben oder Schreiben“. Tatsächlich gewinne ich langsam den Eindruck, diese beiden Entwürfe seien eifersüchtige Antagonisten, unversöhnbare Gegensätze, die einander vollkommen ausschließen. Kein bedeutender Autor führte jemals ein interessantes oder gar spannendes Leben, es sei denn, die Zeitumstände zwangen ihn dazu. Da ich aber weiterhin ein Familienmensch und Ehemann bin, werde ich meine Quelle in der nächsten Zeit wieder etwas drosseln, mehr „leben“. Im Sommer bin ich Körper, im Winter Geist. Mein Schreibfluss soll zwar nicht wieder vollkommen versiegen, aber doch ein wenig langsamer fließen.

Leider bittert weiterhin ein herber Wermutstropfen meine Begeisterung. Meine Literatur ist kein Tagebuch, das für mich schreibe. Ich will eine Erfahrung anbieten, die ein Leser – wenn er es denn möchte – teilen darf. Ich wende mich mit diesem Geschenk an ein Publikum, egal wie umfangreich es ist. Doch genau das finde ich nicht. Es haben sich zwar auf diesem Blog im Moment 70 „Follower“ eingetragen; bei der überwältigenden Mehrzahl von ihnen weiß ich nicht, warum sie das getan haben. Denn sie besuchen nie meine Seite oder lesen gar meine Texte. Im Moment kommen täglich fünf, sechs Besucher bei mir vorbei, drei davon sind „Googlebots„.  Ich bin also als Autor weiterhin vollkommen erfolglos und finde keine Leser oder gar Kritiker. Ich weiß nicht, ob oder was meine Texte taugen. Daher habe ich das zweite Ziel meines Blogs nicht erreicht. „Aber ein Traum“ bleibt aber ein Traum, den ich ganz allein und einsam träume.

Aber wahrscheinlich sind ein Blog und das Internet einfach der falsche Ort, um Leser zu finden. Ich habe allerdings noch nicht den richtigen gefunden.

Doch genug davon. Heute ist für mich ein Tag der Freude. Ich grüße die wenigen, die sich mit mir auf mein „Blog-Abenteuer“ eingelassen haben und stoße auf das Jahr „Drei“ an.

Euer Nikolaus Klammer

But a dream (Rewind) – Ein Jahr „Aber ein Traum“

Alltägliches, Über den Roman, Blog-Rewind, Der Autor, Experimente, Kunst, Leben, Literatur, Sprache

Wer wagt, durch das Reich der Träume zu schreiten,
gelangt zur Wahrheit.

E.T.A. Hoffmann

Heute auf den Tag genau vor einem Jahr, am 3. Mai 2013, begann mit dem folgenden Artikel mein Traum von einem Blog, mit dem ich mich als Autor einer Öffentlichkeit präsentieren, neue Menschen kennenlernen, alte Bekannte wiedertreffen, Kontakte pflegen und Gespräche führen wollte, nachdem ich 20 Jahre lang geschwiegen und nur für meine Familie gelebt hatte. Ich hatte sogar die verschämte Hoffnung, meine intellektuelle Vereinsamung beenden und – welch kühner, naiver Gedanke – vielleicht einen Verlag finden zu können…

Nun, aus diesem Traum bin ich erwacht. Nach einem Jahr fasse ich nüchtern zusammen: Niemand interessiert sich für meine Literatur oder meine Glossen. Der Blog dient mir inzwischen als Textarchiv in der ‚Cloud‘ und als Anreiz, meine Texte in eine endgültige Form zu schleifen.

Trotzdem kann ich mir selbst auf die Schultern klopfen: In dem Jahr habe ich 280 Einträge erstellt, jede Woche etwas neues geschrieben und veröffentlicht. Dabei sind hunderte von Seiten aus meinen Romanen, viele Erzählungen, Lyrik, 16 Kurzgeschichten, 32 „Freitagsaufreger“, 27 „Wochenlesen“ über Bücher und Autoren, ein Theaterstück und ein umfangreiches Essay über Minnedichtung, Artikel über das Leben in meinem Dorf, viele Glossen und Momentaufnahmen, Wanderberichte und sogar 3 Kochrezepte. Zum Zwecke der Illustration habe ich etwa 300 eigene Fotos eingebunden.

Heute beginnt mein zweites Blogjahr. Ich werde mir später eine Flasche französischen Sprudel von der Witwe Clicquot entkorken und mit mir selbst anstoßen.

Und weitermachen…

All that we see or seem
Is but a dream within a dream.

E. A. Poe

Gut, but mit aber zu übertragen mag ein wenig eigenwillig sein – „Edgar a Poet“ hätte es mir wohl verziehen, zumal seine Deutschkenntnisse nur gering waren – es gefiel mir deutlich besser als das gebräuchliche nurAber ist viel trotziger, aufsässiger, durch den langen Vokal am Anfang dominanter und hier ist es nicht als Konjunktion, sondern als Adverb gebraucht (im Sinne von wieder, abermals).

Aber ein Traum… Damit ist das Thema meines Romanes gesetzt und auch auf eine Quelle der Inspiration hingewiesen, und so beginnt das erste Kapitel auch mit dem Erwachen aus einem Traum, der jedoch erst später erzählt wird:

Am ersten Montag seines Sommerurlaubs erwachte Jonas Zacharias Habakuk mit bohrenden Rückenschmerzen, die wie ein Messer zwischen seinen Lendenwirbeln steckten.

Das war ihm überraschend, da der sportliche Mittvierziger nur selten Probleme mit seiner Wirbelsäule hatte und sich auch nicht erinnern konnte, am Wochenende schwer gehoben oder unbequem gesessen zu haben. Er lag daher selbstmitleidig und mehr erstaunt als ängstlich auf dem Rücken und versuchte, ihn so wenig wie möglich zu belasten. Ihm wurde bewusst, dass er bereits aus einem nicht erinnerten Traum heraus jede plötzliche Bewegung vermied, es nicht einmal wagte, seinen Kopf in Richtung Nachttischlampe und Uhr zu wenden.

Es dämmerte, wie er an dem verwaschen grauen, zum Fenster hin heller werdenden Lichtfleck an der Decke erkennen konnte und mochte gegen fünf Uhr am Morgen sein, noch viel zu früh, um an seinem verpflichtungslosen Urlaubstag Ende Juni aufzustehen.“