Aber ein Traum …

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Diese Sommerlektüren (8) – Faulkner

Das Leben ist an Gut und Böse nicht interessiert…
Das moralische Gewissen des Menschen ist der Fluch,
den er von den Göttern anzunehmen hatte,
damit er von ihnen das Recht bekam, zu träumen.
William Faulkner

Dieser Sommer ist anders.

Er ist alt, ein Anachronismus. Er ist ein Sommer aus dem letzten Jahrhundert. Einer, den ich in „Stromausfall“ beschrieben habe; einer, wie er streng und unnachgiebig in meiner Erinnerung regelmäßig die Augustferien während meiner Schuljahre dominierte: Schwül, drückend, gewitterreich, dann grau, regnerisch und rasch abkühlend in der Nacht. Ein August, der morgens schon nach Oktober schmeckt. In dem bereits Nebel in der Frühe über den Feldern dampft, der sich dann nur zögernd und unwillig wie ein schlecht erzogener Hund vor der stechenden Sonne  in die Wälder flüchtet.

Selbst wenn der Morgen wolkenlos und frisch aus der Nacht tritt und der Tag heiß und trocken wird, sich eitel vom Regen der Nacht sauber gewaschen mit Tautropfen wie mit einer Perlenkette schmückt: Spätestens zur Mittagsstunde quellen wieder hitzige Wolken in den Himmel, erobert wie eine sich rasch ausbreitende Seuche tintenfarbenes Schiefergrau das Blau. Vom Luftdruck verblödete Schmeißfliegen taumeln ziellos und lästig brummend herum. Bremsen und kleine Mücken stürzen wie Kamikazeflieger auf ihre Beute. Träge, endlose Nachmittage, voller unbestimmter Erwartung und nie erfüllbarer Sehnsucht. In ihnen fällt sogar das Nichtstun schwer und jede Bewegung erzeugt Schweißtropfen auf der Stirn.

Dann, am Ende dieser blauen Stunden, folgt ein atemloser Moment der Bewegungslosigkeit, in dem nur die Grillen und von Ferne der ICE zu hören sind. Kein Blatt bewegt sich am Baum, die Natur lauscht und wartet. Bald bläst ein Unwetter den toten Nachmittag davon und der Abend ist so nass und feucht, dass sich das Papier meiner Lektüre wellt, das Hemd juckend auf dem Leib klebt und die Atmosphäre am Weinglas kondensiert.

Nein, der Coronasommer ist hier südlich der Donau kein Sommer des 21. Jahrhunderts. Die großen Ferienthemen wie Kornkreise, Sommerbaustellen und Schnapsideen aus politischer Sommerfrische tauchen in diesem Jahr nur am Rande auf. Kalte und heiße Kriege werden zwar weiterhin erbittert geführt, Ideologien und Religionen stoßen unversöhnlich aufeinander, Machtphantasien oder schlichtweg Irrsinn fordern täglich ungezählte unschuldige Opfer. Die Deutschen sind im Heimaturlaub und stehen im Stau. Wenn ich nicht schon längst den Glauben an die menschliche Vernunft oder an einen Gott verloren hätte, ich würde verzweifeln und ein Ende suchen. Aber so, im Zynismus und im Auge des Sturms, lebt es sich in diesem Sommer gar nicht schlecht. Man kann ja auch unter dem Vordach grillen. Ennui.

Und nun zur Sommerlektüre

Das Licht und die Stimmung dieses Sommers: Genau so muss es in den südlichen Staaten am Mississippi sein und das nicht nur eine Fegefeuer-Saison lang von ein paar Wochen, sondern eine lange Höllenewigkeit. Man denke nur an Elisabeth Taylor, die es sich in einem engen schwarzen Kleid als Katze auf dem heißen Blechdach gemütlich macht, an die frühen Romane von Truman Capote („Die Grasharfe“ und „Andere Stimmen, andere Räume„), an Rhett Butler, Onkel Tom (ja, ja, ich weiß. Die Sommerthemen) und an die Hitze der Nacht. Baumwollplantagen, große Villen mit Säulengängen, gewaltige Eichen. Dampfiges, regenreiches, subtropisches Klima, Sklavenhalter, Louisiana. Ein Schwarzer Diener in Livree reicht Highballs, die mit schwarz gebranntem Whiskey gemixt wurden. An den Gläsern kondensiert die hohe Luftfeuchtigkeit, blaue Stunden. Ennui.

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Niemand hat diese Welt besser und zugleich komplexer in seinen Büchern bewahrt wie der Nobelpreisträger Willam Faulkner (1897 – 1962), der bei all seinen teilweise kindischen Modernismen[1] ein genialer Erzähler war und nicht zuletzt auch ein kleiner Balzac. Seine vielen Novellen, Kurzgeschichten und die etwa 20 Romane aus der von ihm erfundenen, vom Mississippi durchflossenen Provinz Yoknapatawpha (kein Scherz!) mit ihrer Hauptstadt Jefferson sind eine Art Chronik seiner Zeit mit einem festen Figurenpersonal, die sich im großen und ganzen um die Familien Satoris und Snopes dreht.

Das Gesamtwerk – auch hier ähnelt Faulkner Balzac – ist auf Deutsch nur antiquarisch erhältlich, wichtige Werke wie die Snopes-Trilogie sind nicht in aktuellen Ausgaben erhältlich. Es gibt eine alte Taschenbuchedition von Diogenes, von der allerdings nur ein Teil im Buchhandel erwerbbar ist. Faulkner zu übersetzen ist übrigens immer eine Großtat und erzeugt Rauschen in den Blättern der Feuilletons. Kürzlich  ist bei Rowohlt eine aktuelle Übersetzung von Schall und Wahn erschienen, dem Hauptwerk des Südstaatenromanciers – für Faulkner-Beginner ist das Werk allerdings nahezu unlesbar; egal, in welcher Ausgabe. Auch der wundervolle Roman Licht im August wurde neu übersetzt.

Empfohlen seien für Einsteiger, die sich nicht schwindlig lesen und das Buch wutentbrannt in die Ecke feuern wollen, die Erzählungen und unter diesen die Kriminalgeschichten, für die Faulkner ein Faible hatte. Ich will behaupten, dass „Eine Rose für Emily“ die beste Krimi-Kurzgeschichte ist, die ich je gelesen habe. Wer es nicht ganz so kurzatmig haben will, dem sei in diesem Südstaatensommer der für Faulknerverhältnisse leicht und flüssig lesbare Roman „Griff in den Staub“ empfohlen, in dem dieser mit der Hand des Meisters geradezu lässig eine Stimmung aufbaut, vor der man nur bewundernd in die Knie sinken kann. Es ist eine Detektivgeschichte, die sich zu einem ganz großen Drama entwickelt.

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[1] Im Satz wechselnde Erzähler, Hauptfiguren mit gleichem Vornamen, Stream-of-consciousness, fröhliche Zeitsprünge und andere, ungezählte Manierismen. Faulkner ist Meister im Leserverärgern.

Montag, 01.07.19 – Jandl im Gwandl

Montag, 01. Juli 19
Ich schleppe inzwischen buchstäblich einen
Kasten Bier weniger auf den Berg.

 

*

fauler haufen!

werdenfalls

Ja ronemechs:
wandlig sam verdrohnt,
zwitschelnd par oletanen.

Nie rone melde nex:
pasin ot begrihnt,
gendelnd wer ubilanen.
werdenfalls.

jojo.

*

Manus feste primusquisatoris, aus Zorn geSchmidtet.

Die Mietglieds-Zahlen(den) des for-literat-futur-ums lösen sich wie ein Count-Daunen / in den Pfählen zu Grau-Sammen / gepresst / bettween den Saitenhieben eines dieter-kühnen-dicken Buches das eilends Eises schmelzende in der Sonnen/Wolken/Stein auf.

Und lös ich der texte konserven-vatikan-tiefe Kotz-Mahler-Moral in sauren gestählzten wortlegobauküsten / auch dich nähm ich nicht herr-lich aus/ mein klammernder affe/ mein hoffendmönch medarus / ballsackchagrinkopie le(i)der du/ wunderts micht nichten.

Ess geht kein hahne manisch voran / kain Whisky-Ovid abelt/ kein tträumer griff on/ und gar fraulicht nicht zefürpartyna. Ooch beiden Poetten muß ich lestern / m(u/a)rxst jones und engelts zappaultduster. Und Kyra schwejkt dazu.

Die Königs-Leare daraus ist / hier führen Narren Blinde in züchten Rosenberge/ la(h)ma-tier-ende Gäule spuken Wiedergekäutes / Wo bleibt das versprocheneue?

Verdamenundherrnochmal gilt: Wähnt ihr wirkendlich die Liter-auf-Ruhr in Täuschland verneuern? Düsen ist nun Ldnajs ?Auf-auf? Ruf: Heerfrauschafftän/Strengt euch mehr an!

Isglarerjetz? … und: Kritik / so … da schau her. ja … sagense mal. ach … sagense besser nichts.

Dieser von ein paar lyrischen Versuchen eingerahmte Text  aus dem Jahre 2002 ist mir gerade wieder in die Hände gefallen. Er ist von Jandl und Arno Schmidt beeinflusst, aber ich habe nicht mehr den Hauch einer Ahnung, was ich eigentlich mit ihm aussagen wollte. Dennoch gefällt er mir, wenn er auch keine große Literatur ist, so will er mir doch zu den Gedankensplittern passen. Zum Glück bin ich längst von diesem Irrweg abgekommen, denn Bachmann-Breis-verdächtig, ist das alles nicht.

In diesem Sinne:

Für Ernst

daJnl im lWdane
Jdanl im Wdlane
Jadln im Wadlne
Janld im Wandle
Jandl im Wandel
der Jandl im Gwandl

*

Ach, ja, der Bachmann-Preis 2019. Dann will ich auch mal einen klugen Kommentar abgeben. Der wurde wohl wieder weniger wegen der Qualität, als vielmehr aufgrund der Alliteration vergeben: Birgit Birnbachers Bachmann-Breis. Schade, dass die Bachmann nicht Beate hieß. Ich gratuliere trotzdem ehrlich und nur in normalem Rahmen neidisch. Das ist Literatur von und für Buchhändlerinnen.

*

Und was die Hitze angeht, damit ich auch mitgeredet habe:

Schön, dass meine Söhne vergessen haben, ihre Ventilatoren mitzunehmen, als sie ausgezogen sind.

 

Mittwoch, 26.06.19 – Hitzefrei

Mittwoch, 26.06.19
15 Kilo leichter … nur noch 8 Kilo vor mir.

Der Norden ist ein Irrtum.
Friedrich Nietzsche

Nach einem heißen und langen Arbeitstag faul unter dem Kirschbaum liegen – und von seinen zuckersüßen Früchten naschen. Das ist Glück. Und das werde ich noch eine Weile genießen, deshalb nehme ich mir noch eine Woche hitzefrei vom Blog – oder länger. Je nachdem, was das Wetter mit uns vorhat.

Ich bin übrigens kein Hitzejammerer, sondern Sommermensch und im Moment mehr Körper als Geist; mehr Trans- als Inspiration. Folglich ist auch dieser Gedankensplitter ein kurzgefasster und schnell dahingeschriebener, bevor mein verdächtig brummender PC den Wärmetod erleidet. Aber mir ist das recht so. Von mir aus kann es noch zwei Monate so weitergehen, dann fahre ich nach Italien an den Iseosee. Aber ich will niemanden mit meinen Sommergefühlen auf die Nerven gehen.

Bis dann,

Nikolaus

Der Wolfsmond – Kurzgeschichte

Eigentlich wollte ich ganz fleißig sein, aber die drückende Hitze hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Puh, ist das heiß!

 

Deshalb gibt es heute nur einen Link auf eine „heiße“ Kurzgeschichte:

Wolfsmond – Kurzgeschichte

Puh!

Nein, ich kann im Moment nicht schreiben – viel zu heiß. Ich mache es wie meine Katze. Bis bald!

amy17

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