Ach, je …

Alltägliches, Der Autor, Glosse, Kolumne, Leben, meine weiteren Werke, Werkstattbericht

Nach einem Winter ohne Erkältung und Beschwerden musste es ja mal passieren: Am Donnerstagabend – nach meiner anstrengenden „Vadderdags“-Bergwanderung – begann mein Hals zu kratzen. Ich habe mir eine veritable Sommergrippe eingefangen, die eine etwas genervte Frau Klammerle leicht abschätzig als „Männerschnupfen“ abtut. Da sie als Kinderkrankenschwester im Intensivbereich täglich mit Entscheidungen zwischen Leben und Tod konfrontiert wird, ist sie da wahrscheinlich etwas vorurteilsbeladen und professionell deformiert.

wasserfall

So läuft im Augenblick meine Nase …

Die Meinungen, wie ernst meine Erkältung ist, gehen also weit auseinander. Wie dem nun auch sein mag, ob mein Leiden Hypochondrie oder lebensbedrohend ist: Ich huste, räuspere, schnupfe, fiebere und schniefe. Der Kopf ist dick, der Hals ist rau, die Glieder schmerzen, mich friert in der Sommerhitze und die Stimmung ist flau.

Deshalb muss ich mein literarisches Schaffen in der nächsten Zeit stark einschränken und kuriere mich mit Hausmittelchen, die die Woche Erkältung auf sieben Tage einschränken helfen. Ich muss auch diesen Blog früher als gedacht für einige Zeit ruhen lassen, nachdem ich ihn in der letzten Zeit eh schon ein wenig stiefmütterlich behandelte. Nachdem ich mich wieder auskuriert habe, werde ich mich am hoffentlich sonnigen Westufer des Gardasees und dann in einem versteckten Seitental am Reschenpass erholen. Ich habe vor, dort das zweite Geltsamer-Buch „Die Hyänen von Berlin“ zu Ende zu schreiben, denn es soll im August oder September erscheinen.

Apropos: Mein neues Buch „Noch einmal davon gekommen“, in dem ich die besten Glossen und Kolumnen dieses Blogs gesammelt, noch einmal überarbeitet und aktualisiert habe, ist nun fertig lektoriert (und von Frau Klammerle zensiert). Sogar die eine oder andere Kurzgeschichte hat ich in den Band verirrt. „Noch einmal davon gekommen“ kann demnächst bei den üblichen Verdächtigen (Amazon, epubli, Weltbild etc.) oder beim Buchhändler des Vertrauens als Taschenbuch bestellt und erworben werden. Mit der E-Book-Variante dauert es noch ein wenig länger, da die vielen Illustrationen und Fußnoten größere Arbeit machen.

Vielleicht interessiert das Büchlein ja den einen oder anderen. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

 

Nikolaus Klammer: Noch einmal davon gekommen, 228 Seiten, illustriert, 8,99 €, ISBN: 9783745043006

Ich mache also eine ausgedehnte Pause bis nach Pfingsten und leide still vor mich hin.

Grüße in die Welt,

Euer Nikolaus

Kalenderblätter, Garnrollen und eine Blogpause

Alltägliches, Der Autor, Leben, Literatur

Mein Abreißkalender leidet an der Magersucht. Besorgt beobachte ich seit geraumer Zeit, wie er täglich Blatt um Blatt verliert und dabei immer dünner und hinfälliger wird. Inzwischen ist er in einem erbarmungswürdig desolaten Zustand, ein Hauch seiner selbst. Mit meinem Verstand habe ich den treuen Begleiter meiner Tage längst aufgegeben und doch zögert mein Gewissen bei jedem Blatt, das ich abreiße, denn ich weiß, dass uns jeder neue Morgen seinem nahenden Ende und der letzten Weisheit näherbringt. Ich muss der Wahrheit ins Gesicht sehen. Nur noch wenige Blätter trennen 2015 vom Papierkorb – seiner letzten Ruhestätte. Ich habe mir ein neues, fettes, vor Gesundheit strotzendes 2016 gekauft. Es liegt noch eingeschweißt und ungeduldig wartend in einer Schublade. Ich halte es vor 2015 verborgen, denn ich habe nicht den Mut, das alte Jahr mit der jugendlichen Frische des neuen zu konfrontieren, damit, wie es selbst noch vor einem Jahr ausgesehen hat, als wir gemeinsam und voller Hoffnung dieses vielversprechende Neue angegangen sind. Ich selbst bin übrigens nicht dünner geworden – eher im Gegenteil – aber älter und ich fühle mich ebenso erschöpft und abgerissen wie mein alter Kalender.

Seltsame Gedanken eines Atheisten, der gerade mit einer 250-Lichter-Kette den Kampf des Laokoon nachstellt und einen mal wieder viel zu großen Weihnachtsbaum putzt:

Mein Leben will mir manchmal einer Garnrolle gleichen, deren Faden von der Zeit abgerollt wird. Am Anfang fiel mir überhaupt nicht auf, dass etwas fehlt. Zwischen den Umdrehungen – zwischen Weihnachten und Weihnachten – lagen gefühlte Jahrhunderte. Aber je mehr ich von meinem Lebensfaden abgegeben habe, um so schneller drehe ich mich durch die Jahre, wirble ich um mich selbst. Inzwischen wird mir manchmal von der Geschwindigkeit meines Schleuderns durch die Zeit schwindlig.

Diese letzten Tage im Dezember – jene Zeit zwischen den Jahren, die so aus der Zeit gefallen wirkt – lügt von Bewegungslosigkeit, davon, dass mit dem Sterben des Kalenders etwas enden würde, dass ein Einschnitt käme, das Ende eines Kapitels, vielleicht sogar eines Romans. Und ich falle jedes Mal auf ihre vielversprechenden Märchen herein: Zwischen Weihnachten und den Drei Königen – diese Zeitspanne erscheint mir im Voraus jedes Mal eine Ewigkeit zu dauern, viel, viel länger als nur knappe zwei Wochen. Und ich packe diese Tage voll, will Beziehungen pflegen, Liegengelassenes vollenden und mit meinen Weihnachtsgeschenken spielen. Doch allzu schnell ist auch dieses Stück Faden abgerollt – so verzweifelt ich mich auch an ihm festhalten will – und der Alltag zeigt sich von seiner dunkelsten, kältesten und schmuddeligsten Form: Es ist Januar, der schrecklichste und längste aller Monate. Eine Drehung ist gemacht. Wieder einmal. Schnell verliert der neue Kalender Gewicht und ich wirble wieder etwas schneller um meine Achse.

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Dieser Blog ruht zwischen den Jahren. Ich wünsche denen, die mein Leben begleiten, aber auch den Menschen, die ich gekannt und aus den Augen verloren habe, allen Freunden, Bekannten, Kollegen und Followern aus ganzem Herzen Tage der Ruhe und der Besinnung, Tage des Atemholens und des Feierns, Tage in Freude und Gemeinschaft, voller Begegnungen und Liebe.

Bis bald,

Euer Nikolaus Klammer

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Verflixt – da lächle ich beinahe schon wieder!