Montag, 18.03.19

Alltägliches, Der Autor, Essen, Gedankensplitter, Gesellschaft, Kolumne, Leben

Montag, 18.03.19

Da gibt es diese Carnivoren, die mir als Vegetarier am spanischen Buffett die fleischlosen Tapas, die für mich vorbereitet wurden, wegessen und mir dann kauend und schmatzend lang und breit auseinandersetzen, dass sie nie auf Fleisch verzichten und mich auch nicht verstehen könnten. Wut und Hunger sind zwei Seiten einer Medaille.

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Darf ich eigentlich die Leser meines Blogs duzen? Mir wurde gerade in einer anonymen Nachricht vorgeworfen, dass dies arrogant und eine Respektlosigkeit sei, die Überheblichkeit eines „Ultra-Intellektuellen, der den Normalsterblichen das Licht des Geistes predigen möchte“. Aber Hallo! Respekt. Solch einen ‚ultra-intellektuellen‘ Satz hätte ich mir nicht ausdenken können. In Wirklichkeit ist das Gegenteil der Fall; ich bin weder herausragend intelligent, noch besonders talentiert. Und ich bin auch kein Prediger, denn mir fehlt jedes Sendungsbewusstsein. Und ich duze trotzdem weiterhin, denn ich fühle mich meinen Lesern so nahe, als wären sie gute Bekannte:

Liebe Leserin, lieber Leser. Du nimmst dir die Zeit, an dieser Stelle hin und wieder meine Gedanken und Texte zu lesen und sie ab und an mit einem „Gefällt mir“ zu kommentieren. Ich stelle mir dich während des Schreibens als einen guten und geduldigen alten Freund vor, dem ich von mir und den Dingen, die mich beschäftigen, erzähle. Ich stelle mir vor, wir sitzen nahe beieinander in bequemen Sesseln, nippen ab und an an einem Glas Wein (oder Limonade, wenn du noch fahren musst) und im Hintergrund singen leise Buddy Guy und Ian Anderson.

Einmal schmunzelst du, lachst vielleicht sogar, einmal nickst du ernst und runzelst die Augenbrauen. Ich kann Freude und Zustimmung, manchmal Betroffenheit und Trauer in deinem Gesicht erkennen. Mag sein, dass dich mit ein paar meiner Zeilen und Meinungen geärgert haben und du mich am liebsten wütend unterbrochen hättest, aber du leider keine Gelegenheit dazu hast. Sicher bist du manchmal abgelenkt und hoffst, dass ich endlich zum Schluss komme. Klar, manchmal zieht es sich. Trotzdem lauscht du meinen Monologen weiter, tolerierst meine Fehler  – auch die häufigen Tippfehler – und machst mir das Geschenk deiner Aufmerksamkeit und deiner Zeit. Das ist etwas so Kostbares, dass ich es nicht leichtfertig verschwenden möchte.

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Ach, ja, den Frühling gibt es ja auch noch … Manche Fotos macht man jedes Jahr aufs Neue und erfreut sich jedes Jahr aufs Neue an ihnen.

Gut. Ich gebe mich geschlagen.

Alltägliches, Der Autor, Garten, Leben, Literatur

garten10

Der Wind bläst zwar noch recht kräftig aus dem Westen, aber man kann es nicht leugnen: Seine Brise ist lau und sie duftet nach Frühling, nach schwerer Erde, Sonnenstrahlen und Hoffnung. Die Vögel haben sie längst bemerkt. Ich spüre ein Durchatmen wie nach einer langen Bergwanderung, eine im Unbewussten längst geahnte Erleichterung ist in meiner Brust. Es geht aufwärts, es beginnt etwas von Neuem. Das Leben wird weiter, offener, intensiver. Es hat Qualität gewonnen.

Ich gehe nach draußen in den Garten, mache ein Foto vom Geilwuchs der wilden Krokusse, die Natur tut mir gut. Ich erwache mit ihr gemeinsam aus einem langen unruhigen Schlaf. Vielleicht ist ja 2016 mein Jahr – wer weiß?

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Obwohl es vielleicht ein Fehler war, habe ich mich überreden lassen und mir eben ein Facebook-Konto eingerichtet. Wahrscheinlich ist kaum jemand ungeeigneter für soziale Netzwerke als ich, aber gehört es für einen modernen Autor offenbar doch zum Unverzichtbaren, dort präsent zu sein. Wer mich also tatsächlich näher kennenlernen, an meinem Leben als Autor und auch als Mensch direkt teilnehmen will, ist herzlich eingeladen, dort mein „Freund“ zu werden:

Moi
Nikolaus Klammer