Aber ein Traum …

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Sonntag, 21.04.19 – Ostergrüße

Sonntag, 20.04.19

Ich unterbreche kurz mein „Blogfasten“ und sende aus meinem wohlverdienten (1) Urlaub allen meinen Lesern und auch denen, die es erst noch werden wollen (auch wenn sie es vielleicht nicht wissen), herzliche Ostergrüße. Ich hoffe, ihr verbringt diese Tage wie ich bei traumhaftem Wetter in Gemeinschaft mit euren liebsten Menschen, findet die dicksten Schokoladeneier und findet die Gelegenheit, mit einem Buch (am besten einem von mir) in der Hand zu euch selbst zu finden. Mögen all unsere Begegnungen und glücklichen Momente bleibende Eindrücke hinterlassen.

Und ich wünsche euch einen Partner, der so wundervolle Kuchen backen kann wie Frau Klammerle (2). Und jetzt weg vom Bildschirm und hinaus ins Freie mit euch! Bis bald …

Euer Nikolaus

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(1) „Wohlverdient?“ Ich weiß, ich bin der einzige, der das so sieht; aber das allein zählt doch, oder? Nach einer Wanderwoche in Südtirol befinde ich mich in der nächsten Woche übrigens nicht direkt im Zentrum der Welt, aber doch genau am geografischen Mittelpunkt Bayerns – was für viel das gleiche ist.

(2) Wir feiern in zwei Tagen – am „Tag des Buches“, wann auch sonst? – bereits unseren 32. Hochzeitstag. Doch das ist eine andere Geschichte, die ich euch schon einmal erzählt habe:

Es gab einmal eine Zeit in der zweiten Hälfte der Achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts – die Älteren unter meinen Lesern erinnern sich vielleicht noch – da war der 23. April weder der Tag des Buches noch der Tag des Bieres. Damals waren Tage einfach nur Tage und political correctness ein Wort, das in keinem Lexikon auftauchte. Die Mauer stand auf felsenfestem Grund zwischen den beiden deutschen Staaten. Helmut Kohl würde noch weitere 11 Jahre Kanzler bleiben. Der junge Mann, der nicht Soldat werden wollte, musste den „Kriegsdienst“ verweigern und vor einem aus alten Nazis bestehenden Ausschuss begründen, warum er nicht auf böse Russen schießen wollte, die gerade seine Familie vergewaltigen. Die Musik und die Frisuren waren grausam – eine ferne Zeit, wie auf einem fremden Planeten – endlos weit von Heute entfernt.

Damals – ich spreche von 1987 – fiel der 23. April auf einen Donnerstag. Es gab es in Augsburg ein am Freitag erscheinendes Käseblatt, das sich „Neue Presse“ nannte. Wenn auf der letzten Seite zwischen Kleinanzeigen und Vereinsnachrichten noch Platz war, lungerte ein Fotoreporter dieser „Zeitung“ vor dem Standesamt in der Maxstraße herum, um vom sog. Brautpaar der Woche ein Foto vor dem Hintergrund des Herkulesbrunnens (daran kommt niemand vorbei, der in Augsburg heiratet) zu schießen und es zu interviewen. Er erwischte ausgerechnet Frau Klammerle, die zu diesem Zeitpunkt noch ganz anders hieß und mich, die wir just an jenem Donnerstag den Bund fürs Leben eingehen wollten. Ich war erkältet, trug einen schlecht sitzenden, grau-melierten Anzug (meinen ersten), eine hässliche Fliege unter einem ausgefransten Gewächs, das ich für einen Vollbart hielt – und, wenn ich die schwarzweißen Fotos, die er von uns machte, genauer betrachte, wahrscheinlich irgendein ein totes, haariges Tier auf dem Kopf. Die nachmalige Frau Klammerle wirkte dagegen wie aus einem Modeheft der Achtziger ausgeschnitten: Man beachte die Dauerwelle in ihren blonden Haaren und die kleinkarierte Jacke mit hochgekrempelten Ärmeln und Schulterpolstern. Manchmal denke ich, Mode wurde nur erfunden, damit man sich später zu Tode schämt.

Hochzeit

„Als sich die Kinderkrankenschwester (23) und der EDV-Profi Nikolaus Klamme (sic!) (24) beim Wochenendtreff der Pfarrjugend von St. Josef tief in die Augen blickten, da war’s um die beiden geschehen. Jetzt, nach fünf Jahren, wurde im Augsburger Standesamt die Sache perfekt gemacht. Nachdem nun der frischgebackene Ehemann seine Traumfrau gefunden hat, habe er nur noch einen Wunsch: Einen Verleger, der sein literarisches Talent erkennt und seine Erzählungen auch druckt … fau/Foto: Müller (Originaltext)“

Ich erlaube mir mal ein, zwei sentimentale, vielleicht abgeschmackte Bemerkungen über den Gang der Dinge. Wie man dem Text zum Bild entnehmen kann, war der damalige „Nikolaus Klamme“ – nicht einmal meinen Namen haben die von der „Neuen Presse“ richtig geschrieben – von seiner Weltbedeutung als Autor überzeugt und wartete jeden Tag darauf, dass ein Verleger an seiner Tür klingeln und ihm einen lukrativen Vertrag unter die Nase halten würde. Tatsächlich hatte ich erst das erste Kapitel von Meister Siebenhardts Geheimnis (das ich eben erst beendet habe), einige kürzere Geschichten und den Roman Die Wahrheit über Jürgen begonnen. Das hinderte mich nicht, unverdrossen an meine Zukunft als gefeierter Schriftsteller zu glauben. Wie hier allgemein bekannt, kam es anders. Ich bin niemals einem Verleger begegnet.

Zwei mir fremde Menschen sehen leicht gequält aus diesem Bild heraus auf eine ungewisse Zukunft. Es fällt mir schwer, in ihrem noch so unglaublich jungen Blick die Frau und den Mann zu erkennen, die wir heute sind. Wenn wir uns heute Abend in dem Lokal, in dem wir unsere Seifenhochzeit (wieder etwas gelernt) feiern wollen, zufällig begegnen würden – das „frischgebackene“ Paar von 1987 und wir, wie wir heute sind – würden wir uns mögen? Hätten wir uns etwas zu sagen, würden wir uns verstehen? Viele Jahresringe sind um unser Selbst von damals gewachsen, so viel ist geschehen. Doch die zwei vom Foto sind noch in uns, aber ganz tief verborgen. Wenn noch einmal 32 Jahre vergangen sind, am 23. April 2051 – dann sind wir fast Neunzig – was werden wir über die Menschen sagen, die wir heute sind?

Der Brautstrauß war übrigens sehr schön und hat mich, wie ich mich erinnere, ein Vermögen gekostet. Meine Frau hat ihn getrocknet und viele Jahre aufbewahrt, bis sie den von Milben befallenen Staubfänger endlich im Sondermüll entsorgte.

Da fällt mir ein: Ich muss noch Blumen für Frau Klammerle besorgen …

 

Dienstag, 09.04.19

Dienstag, 09.04.19

Am Wochenende, das – rein von Wetter her betrachtet – besser war als angekündigt und mich weniger zum Schreiben und dafür mehr zur Gartenarbeit (1) und zum Lesen animierte, habe ich ein neues Wort gelernt. Nein, nicht „kärchern“, sondern „molestieren“. „Molestieren“, das ist fast so schön wie „Dachjuhe“ oder „Ideosynkrasie“, „Socke“ oder „Expropriation“. Mein Verhältnis zu diesen Wörtern ist beinahe erotisch; sie streicheln meine Seele. Ihr müsst nicht im Duden nachsehen, wie ich das getan habe; die Bedeutung von „molestieren“ ist „belästigen“. Es kommt von dem lateinischen „molestare“ und taucht eigentlich nur in Büchern des 18. und 19. Jahrhunderts auf.  Gelernt habe ich das Wort bei den „Jugenderinnerungen eines alten Mannes“ von Wilhelm von Kügelgen (1802 – 1867), die es bei mobileread.com auch gratis als E-Book zum Lesen gibt. Ich besitze eine alte Manesse-Ausgabe dieses wirklich lesens- und empfehlenswerten „Volksbuchs“ des Biedermaiermalers, die ich irgendwann einmal aus einer Bücherramschkiste gezogen habe und mit denen ich mich, wie es der in Dresden aufgewachsene Kügelgen ausdrücken würde, seit ein paar Wochen angeregt delektiere.(2) In den „Erinnerungen“ findet sich gegen Ende des 5. Teils folgender, von mir hier stark gekürzter Satz: „[..] mir ward irgendein Vergnügen oktroyiert, wie zu Beispiel [..], die Spatzen mit der Windbüchse zu molestieren.“ Ich liebe solche altväterlichen Formulierungen, wie sie insbesondere Jean Paul bis nahe an die Unles- und Unverstehbarkeit benutzt habt. Ich konzediere hier unumwunden, wie sehr sie meinen eigenen Schreibstil persuadieren. Und da steht es, mein neues Lieblingswort: Mein Nachbar molestiert mich also mit seinem Rasenmäher, während ich versuche, unter dem blühenden Kirschbaum ein Nickerchen(3) auf meinem frischgestrichenen Deckchair zu unternehmen. Frau Klammerle molestiert mich mit der Restmülltonne, während ich mich gerade zu dichterischen Höhenflügen aufschwingen will. Mein Montagmorgen molestierte mich mit mittelmäßigen Magenschmerzen. Einfach schön! Die deutsche Sprache mag im 20. Jahrhundert prägnanter geworden sein, aber sie hat eindeutig an Schönheit verloren.

Aber ich will euch nicht ennuieren.

Amy molestiert mich, weil sie mir mal wieder meinen Platz auf den Deckchair weggeschnappt hat.

*

Ach ja, es ist wieder einmal soweit. Übermorgen brechen Frau Klammerle und ich unsere Zelte in Diedorf ab und verreisen in den hoffentlich sonnigen Süden. Unser alljährlicher Osterurlaub steht an, der uns bei in den nächsten Wochen zum Wandern, Genießen, Radfahren und Entspannen zuerst an den Kalterer See in Südtirol und dann ins Altmühltal führen wird. Dort will ich dann auch die Hauptarbeit am 2. Teil meiner Fantasysaga „Der Weg, der in den Tag führt“ abschließen, der im Frühsommer in den Buchhandel kommen soll. Mein Blog ruht deshalb bis Anfang Mai. Ich hoffe, ihr werdet mir bis dahin treu bleiben.

Urlaub (Symbolbild)

Aber jetzt will ich euch nicht länger molestieren. Ich wünsche allen Lesern, Followern, Freunden und zufällig Hereinschneienden eine wunderbare, friedliche und genussvolle Osterzeit, fette Schokoladeneier und anregende Begegnungen.

Euer Nikolaus

Dieser leider bereits leicht lädierte Hase ist unverkäuflich und ein frühes Meisterwerk von Sohn Nr. 2.

 

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(1) Unter anderem habe ich meine über den Winter doch arg verschmutzten Sandsteinfliesen meiner kleinen Gartenterrasse „gekärchert“, also mit Hilfe eines Wasserstrahls gereinigt. Es ist ein seltsam befriedigendes Gefühl, eine Fliese nach der anderen mit dem Kärchergerät abzuspritzen, sie von Dreck, grünem Moosbelag und einem hartnäckigen Grauschleier zu befreien. Nun habe ich zwar von der vibrierenden Spritze einen Muskelkater in der linken Hand, aber die Terrasse leuchtet in der milden Frühlingssonne wieder wie neu.

(2) Kügelgen – übrigens ein wundervoller Name, wenn man ihn sächsisch ausspricht – soll im Gegensatz zu seinem Vater Gerhard ein eher mittelmäßiger, pietistischer Maler gewesen sein, aber in seinem Buch macht er Geschichte und das Leben der Menschen während und kurz nach den Napoleonischen Kriegen so lebendig, als wäre  das alles – trotz der antiquierten Sprache – erst gestern geschehen. Zusätzlich erfährt man die interessantesten Dinge: Caspar David Friedrich, ein Freund der Kügelgenschen Familie, malte nackt, Goethe konnte sich vor den Zugriffen seiner Groupies kaum retten und die Kohle von verbrannten Elstern wurde erfolgreich gegen Epilepsie eingenommen.

(3) Ich habe gehört, „Nickerchen“ sei politisch nicht mehr korrekt. Frau Klammerle, die darin ungeschlagene Meisterin ist, meint, man sage jetzt „Powernapping“ und ich habe noch ein weiteres neues Wort dazu gelernt, das ich allerdings wohl eher selten in meiner Literatur verwenden werde.

Dienstag, 02.04.19

Dienstag, 01.04.19

In den letzten Wochen haben sich einige neue Besucher auf meinen Blog verirrt und folgen ihm nun aus dem einen oder anderen Grund, der mir wie immer verschlossen bleibt. Das setzt mich bei dem einen oder anderen meiner neuen Follower, die ich hiermit herzlich auf meinen Seiten begrüßen möchte, durchaus in Verwirrung, wenn ich dann neugierig die Inhalte ihrer eigenen Blogs studiere.

Neu hinzugezogen …

Nichtsdestotrotz hoffe ich, ihr fühlt euch hier wohl. Seht euch um, ihr dürft alle Schränke aufmachen und alles anfassen. Fühlt euch wie zuhause! (1)

Würde ich mir selbst folgen, wenn ich durch Zufall auf meinen eigenen Blog stoßen würde? Wahrscheinlich nicht. Zum einen kenne ich ja meine eigenen Gedanken auswendig und führe nur dann mit mir selbst Gespräche, wenn ich einmal ein Rededuell gewinnen möchte. Nur selten gelingt es mir, mich selbst zu überraschen und meinen teils endlosen und oftmals reichlich abstrusen Monologen würde ich nicht zuhören wollen. Zum anderen ist Nikolaus Klammer schon ein wenig autistisch veranlagt und mir eigentlich gar nicht mal so sonderlich sympathisch. Er ist schon ein merkwürdiger Kerl. So richtig wird man mit ihm nicht warm und kommt auch nicht an ihn ran. (2) Eines ist sicher: Je mehr Worte er macht, um so mehr verschwindet er hinter ihnen; als ob seine Texte eine Mauer oder eine Rüstung sind, hinter der er sich verbirgt und beschützt. Zudem pflegt er seinen Leserstamm nicht, dieser eitle grumpy old man. Er schreibt selten oder nie Kommentare unter anderer Leute Blogs – auch wenn er sie viel liest -, und ist noch knausriger mit den nichtssagenden „Gefällt mir!“, die andere so großzügig verteilen wie unverbesserliche Impfgegner ihre todbringenden Viren auf einer Masernparty (Was ausgesprochen dämlich und verbrecherisch ist – die Masernpartys, nicht die „Gefällt mir!“ natürlich).

Was mich in diesem Zusammenhang zum Nachdenken bringt, ist die Blogstatistik von „Aber ein Traum“, die nachweist, dass meine leicht dahin geschriebenen und keinerlei literarischen Anspruch erhebenden Gedankensplitter viel häufiger gelesen, kommentiert und gelobt werden, als meine Literatur, wegen der ich eigentlich diesen Blog führe, um Werbung für sie und mich als Autor zu machen. Es hat auch so gut wie nie einer meiner inzwischen 150 Follower ein Buch von mir erworben – auch nicht „Noch einmal davon gekommen“, in dem ich die Gedankensplitter der ersten fünf Blogjahre gesammelt habe. Niemanden habe ich bisher persönlich kennengelernt. Ihr bleibt mir also alle ein unlösbares Rätsel, ihr Menschen, die ihr meine Seite besucht und mir folgt. Ihr seid für mich wie die Schatten von Gespenstern, die um mich schweben, die ich aber nicht greifen kann.

Nur noch ein paar Tage, dann platzen bei meinem Kirschbaum die Blüten auf – und ich habe wieder lauter fotografierende Japaner im Garten.

 


(1) … aber achtet bitte auf meine Urheberrechte.

(2) Tatsächlich empfinde ich Blogs, in denen sich Leute allzu sehr entblößen, als unangenehm und peinlich. Es bereitet mir fast körperliches Unbehagen, wenn jemand sein Innerstes hervorkramt und vor mir ausbreitet, mich zum sezieren und begutachten einlädt. Und ganz ehrlich: Es interessiert mich auch nicht. Da ich denke, dass es anderen auch so geht, halte ich immer einen gewissen Abstand, auch zu mir selbst. Wer mein Seelenleben kennenlernen will, findet es überreichlich in meiner Literatur – selbstverständlich verschlüsselt und verallgemeinert, in Hegelschem Sinne „aufgehoben“. Ich bin nicht Nikolaus Klammer, aber Nikolaus Klammer ist „Ich“.

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