Aber ein Traum …

Autorer als andere Autoren

Archiv für das Schlagwort “Felix Palma”

Wochenlese 03. Juni – 09. Juni 2013

werdenfalls
Ja ronemechs: wandlig sam verdrohnt, zwitschelnd par oletanen. Nie rone melde nex: pasin ot begrihnt, gendelnd wer ubilanen. werdenfalls. jojo.
ldnaj, werdenfalls

In dieser Woche habe ich einfach weitergelesen.

Palma2Felix J. Palma
Die Landkarte des Himmels

Manche Literatur gleicht einer Tafel Milka-Schokolade. Sie erfüllt exakt die Erwartungen und schmeckt doch immer gleich. Eine Tafel ist wie die andere – ein Buch ist wie das andere. ‚Die Landkarte des Himmels‘ ist geringfügig dicker als ‚Die Landkarte der Zeit‘, aber sonst ist es ‚the same procedure‘. Wer also mit einer langweiligen Milka-Schokolade glücklich ist, sollte auch den 2. Band lesen. Seine Erwartungen werden genau erfüllt, leider mit gehörigem Abnutzungseffekt.
Wieder stehen H. G. Wells und der „Zeitreisende“ Murray im Mittelpunkt des Geschehens, das sich diesmal um eine Invasion vom Mars dreht. Erneut erwartet den Leser ein intelligentes Spiel um Sein und Schein, das sich diesmal aber mehr dem Genre Horror verpflichtet fühlt und unter anderen Oscar Wilde, Lovecraft und Poe in den Cocktail mixt; Edgar A. Poet tritt sogar in einer prominenten Rolle auf.
Ob ich mich
beim zweifelsfrei demnächst erscheinenden 3. Band wieder auf diese etwas retardierende Geisterbahnfahrt über 800 Seiten  einlasse, glaube ich nicht, zumal jeder Band für sich abgeschlossen ist.

Kindler, 2013
(Hugendubel-Remitte)

buch

helix

Quarantäne
John Vornholt

Der mir völlig unbekannte Autor hat die undankbare Aufgabe, den 4. von 6 Bänden des Star-Trek-Zyklus ‚Doppelhelix‘ (peinliche Lektüren, hatten wir schon) fortzusetzen, einigermaßen anständig über die Bühne gebracht, obwohl er neben dem langweiligen Band 3 den eigentlich überflüssigsten Roman des Zyklus geschrieben hat.
Im Mittelpunkt steht Tom Riker, eine bei einem Transporterunfall entstandene identische Kopie des bekannten Commander Will Riker, seines Zeichens 1. Offizier der Enterprise-D. (TNG: Riker:2=?)
. Der Maquis, vertreten u. a. durch Chakotay und B’Elanna Torres, darf ebenfalls mitmischen. Die im Mittelpunkt des Buches stehende Gewissensfrage, ob Tom sich den Rebellen des Maquis anschließen soll und überhaupt die Quarantäne überleben kann, wurde bereits mit der DS9-Folge ‚Defiant‘ beantwortet, die später spielt. Die Handlung ist also für den Trekkie eher uninteressant, ein klassischer Lückenfüller.

cross-cult, 2012

buch

jandl1

Am 09. Juni 2000 starb mit Ernst Jandl einer der besten deuschsprachigen Dichter und Lyriker der 2. Hälfte des 20 Jhds.; vielleicht war er der einzige, dessen Werk Volkstümlichkeit erreichte. (Lechts und Rings).

„du wundern mein schön deutsch sprach? sein sprach von goethen mir heilig sein. das sein ein sprach…“

Ernst Jandl, Die Humanisten

…und da ich schon mit einer Hommage an ihn begonnen habe, ende ich auch mit einer:

Für Ernst
daJnl im lWdane
Jdanl im Wdlane
Jadln im Wadlne
Janld im Wandle
Jandl im Wandel

Wochenlese 27. Mai – 02. Juni 2013

palma1Felix J. Palma
Die Landkarte der Zeit

Der in sich abgeschlossene erste Teil der „Landkarten“-Trilogie des spanischen Autors ist trotz gelegentlichen Leerlaufs, der einen strengeren Lektor erfordert hätte, ein Fest für alle, die mit roten Ohren unter der Bettdecke lesend von den Vätern der SF und der Phantastik sozialisiert wurden: Jules Verne, Henry Rider Haggard, Bram Stoker oder schließlich H. G. Wells,  der in diesem umfangreichen Roman über mehr oder weniger eingebildete Zeitreisen und ihre Paradoxe die Hauptrolle spielt.

Der Autor hat seine Vorbilder und die Verfilmung der „Zeitmaschine“ von 1960 mit Rod Taylor in der Hauptrolle genau studiert, dazu ein wenig Steampunk, „The importance of being earnest“, Jack the Ripper, den Elefantenmenschen und viel angelesenes Wikipedia-Halbwissen miteinander verquirlt – und trotzdem ist ein durchaus bekömmlicher, lesenswerter Cocktail entstanden. Aber ihm das vorzuwerfen, hieße im Glashaus Steine zu werfen…

Kindler 2010
(Eine Remitte bei Jokers)

buch

blomPhilipp Blom
Böse Philosophen

Der Historiker verfolgt mit eleganter Feder die prekären Lebensläufe einiger fast vergessener Radikalaufklärer und Autoren wie Denis Diderot, Baron d’Holbach oder Friedrich Grimm, deren bekanntestes gemeinsames Werk die französische Encyclopédie ist.

Blum weiß viel pikanten Klatsch und Anekdotisches über seine Protagonisten  zu berichten und man erfährt Fundiertes über die aus verständlichen Gründen meist anonym veröffentlichten und heute nur noch Spezialisten bekannten philosophischen Werke dieser revolutionären und meist wütend atheistischen Denker und Proto-Kommunisten. Kürzere Schlaglichter fallen auch auf die Besucher von Holbachs Salon wie Benjamin Franklin, d’Alembert, Galiani, David Hume und ein besonders grelles auf Rousseau, der als der klinische Fall eines Psychoten geschildert wird und ordentlich sein Fett abbekommt, meist maliziös herablassend nur ‚Jean-Jacques‘ genannt wird. Gerade diese viel zu ausführliche Rousseau-Schelte kommt nach all den Lobeshymnen zu seinem 300. Geburtstag etwas zu überspitzt herbei.

In diesem Zusammenhang sei auch auf das nahe verwandte Buch „Rousseaus Hund“ von David Edmonds und John Eidinow (DVA 2008) über das Zerwürfnis zwischen Hume und dem Genfer Philosophen hingewiesen, das noch polemischer auf Rousseaus menschlichen Mängeln herumreitet.

dtv 2010
(ab und an kaufe ich mir auch ein Vollpreis-Buch)

buch

…apropos Wells: Obwohl man den englischen Autor eher im 19. Jahrhundert verorten würde, ist er erst 1946 gestorben und sein umfangreiches Werk damit noch nicht gemeinfrei. Wells hat übrigens auch viele interessante, im englischen Sprachraum vielgelesene Non-SF-Romane und historische und soziologische Fachbücher geschrieben, die man auf Deutsch allerdings nur schwer findet.
Egon Friedells († 1938) geniale Fortsetzung „Die Rückkehr der Zeitmaschine“ ist jedoch als E-Book gratis erhältlich und zusammen mit seiner „Kulturgeschichte der Neuzeit“ das wohl heute noch lesenswerteste Buch des
österreichischen Allround-Genies, das ähnlich wie Stefan Zweig an der Barbarei der Nazis verzweifelte und den Freitod suchte.

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