09.03.21 – Stromausfall, Cevennen und Grammatik

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Dienstag, 09.03.21

Liebe Leserin,

ich habe es wieder getan. Erneut habe ich als Selfpublisher mit „Stromausfall“ ein Buch veröffentlicht, das du seit gestern überall im Online-Buchhandel erwerben oder beim Buchhändler deines Vertrauens bestellen kannst. Es ist mittlerweile mein 14. Buch, seit ich im März 2017 damit begonnen habe, meine Werke auf diese Weise unter die Menschheit zu bringen. 

Ich komme dabei fleißiger rüber, als ich bin. In einem Schriftstellerleben wie dem meinen, das ich nun ja schon über 40 Jahre lang führe, sammelt sich doch einiges in der Schublade an. Ich habe zum Beispiel noch zwei komplette Kriminalromane, einen SF-Roman und einiges Halbfertiges im Materiallager herumliegen, dazu kommen Erzählungen, Kurzgeschichten, Essays – sogar Lyrik. (1) Diese Texte müssen nur überarbeitet, geglättet, ergänzt oder beendet werden. Zusammen mit den neuen Texten, die gerade entstehen, werde ich noch einige Zeit damit weitermachen können, 2 oder sogar 3 Bücher im Jahr zu veröffentlichen.

Die vier Erzählungen in „Stromausfall“, die ich gerade veröffentlicht habe, sind alle aus den frühen 90ern und eine sogar aus den 80ern, also gut abgelagerter und alter Käse, den ich nur ein wenig entstaubt und im Fall von „Eine andere Art der Liebe“ erweitert und umgeschrieben habe.

Meine buntgemischte Bücherreihe im Eigenverlag gebe ich auch zu meinem Privatvergnügen heraus, um meine eigenen Werke in akzeptablen Ausgaben ins Bücherregal stellen zu können. Ich werde dadurch weder als Autor bekannter, noch kann ich mit den Taschenbüchern und E-Books Geld verdienen. Aber ich gebe zu, dass ich manchmal manische Schreibphasen habe, in denen ich gut vorankomme. Bis zum nächsten Buch, dem 4. Geltsamerband, wird jeodoch noch ein halbes Jahr vergehen; da bin ich mittendrin und die Protagonisten bereiten mir gerade ein paar Widerstände. Ich rechne mit seiner nächsten Veröffentlichung frühstens Ende des Sommers. „Mánis Fall“ – der Prolog-Roman zu meiner Fantasy-Reihe „Brautschau“  – wird noch ein paar Monate länger brauchen, bis ich ihn wahrscheinlich um Weihnachten herum freigebe. Die ersten 90 Seiten kannst du auf brautschau.blog lesen. Jede Woche kommen noch einmal 10 Seiten hinzu.

Eine Protagonistin der Erzählung „Eine andere Art der Liebe“, mit der „Stromausfall“ beginnt, ist Clara Szczeszny. Sie ist in der Erzählung, die Anfang der 90er Jahre spielt, eine noch junge Augsburger Autorin, die kurz vor dem Durchbruch steht. Da ich gerade an solchen Spielereien Spaß habe, zeige zeige ich dir mal das Cover ihres Erstlingsroamans, der in der Geschichte mehrmals erwähnt wird. Du siehst mal wieder, dass ich von meinen Figuren wesentlich mehr weiß, als dann in der Geschichte über sie erzählt wird. Wer meine Romane aus der „Jahrmarkt in der Stadt“-Reihe gelesen hat, kennt Clara übrigens auch aus den zeitlich später angesiedelten Romanen „Nutzlose Menschen“ und „Die Wahrheit über Jürgen“ (beide als Paperback oder E-Book erhältlich), in denen sie eine wichtige Figur ist. Inzwischen ist sie eine arrivierte Augsburger Autorin und ihr „Lavendelbett“ wurde gerade verfilmt.

Zugleich ist dieses Cover ein weiterer Beitrag zu meiner neuen „Galerie von „Imaginierten Buchtiteln“. Und noch ein Insider für die Fans meiner Geltsamerreihe: Clara Szczesny veröffentlicht im Welkenbaum-Verlag. Hier noch ein Ausschnitt aus „Eine andere Art der Liebe“:
»Für viele bin ich die Eloise du Bracque aus dem ›Lavendelbett‹. Du glaubst gar nicht, wie oft ich danach gefragt werde, ob der Roman auf eigenen Erfahrungen beruht.« – »Und? Tut er das?«, fragte Gitta und verzog maliziös die Mundwinkel. Sie selbst hätte ihr Lächeln niemals maliziös genannt – sie hatte nicht einmal eine genaue Vorstellung davon, was das Wort eigentlich bedeutete – aber Clara kam dieses Adjektiv sofort in den Sinn. Auch wenn sie sich lieber einen Finger abgeschnitten hätte, bevor sie es in einem ihrer eigenen Texte zu verwendet hätte. Sie gehörte nicht zu den Autorinnen, die angeberisch ein Fremdwort benutzten, wenn es auch passende deutsche Formulierungen dafür gab.
»Du fragst mich allen Ernstes, ob ich meinen schwindsüchtigen Ehegatten mit einem muskulösen, cevennischen Bauernsohn betrogen habe?« – »Und? Tust du das?«

 

Der gestrige Abend fand mich bei meiner Lieblingsbeschäftigung: Ich saß in meinem Lesesessel, begann ein neues Buch und nippte an einem Glas Weißwein. Die Katze hatte es sich auf meinem Schoß gemütlich gemacht. Der Roman, den ich begonnen habe, war „Sprich mit mir“ von T. C. Boyle. Das ist ein Autor, den ich sehr schätze, obwohl seine Bücher in letzter Zeit etwas nachlassen. Aber „Die Frauen“ ist einer der besten Romane, die ich je gelesen habe. Leider kam ich bei „Sprich mit mir“ nur bis zur Seite 33, als mir der Text eine heftige Ohrfeige verpasste, die mich dazu bewog, das Buch wütend in die Ecke zu schmeißen und den Fernseher einzuschalten (2). Nachdem kurz vorher schon „Worte“ und Wörter“ verwechselt worden waren, tauchte eine geballte Ladung an gravierenden Grammatikfehlern auf, die mir den Spaß verdorben haben. Ich weiß, dass Boyle nichts dafür kann und ich kann auch normalerweise gut mit Druckfehlern leben. Die tauchen schließlich in jedem Buch auf – selbstverständlich auch in meinen eigenen. Aber das hier ist nur Schlamperei vom Hanser-Verlag, der offenbar kein Lektorat mehr beschäftigt. Der Übersetzer jedenfalls ist mies oder hat – wahrscheinlich schlecht bezahlt und unter Zeitdruck – extrem schlampig und oberflächlich gearbeitet. Gefühlt taucht zum Beispiel in jedem dritten Satz eine mehr oder weniger missglückte „dass“-Nebensatzkonstruktion auf, die ein typischer Anfängerfehler ist und die ein erfahrener Schriftsteller wie der Teufel das Weihwasser meidet. Ich werde wohl ein anderes Buch lesen müssen – schade.

Geht dir das auch so? Oder bin ich der einzige, dessen innerer Monk solche Grammatikfehler nicht ertragen kann und sie – obwohl ich kein Deutschlehrer bin – am liebsten im Buch rot markieren würde?

Grüße, Nikolaus

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(1) Keine Sorge, die werde ich schön brav für mich behalten.

(2) „Magnus“ in der ARD-Mediathek. Unbedingt anschauen! Skurriler geht es kaum mehr.

Der Freitagsaufreger (V): Meine Fehler

Alltägliches, Aufreger, Essen, Leben, Literatur

Blind für meine Fehler

 Mit der unausweichlichen Regelmäßigkeit des weihnachtlichen Tauwetters stellt sich bei mir nach all der üppigen Feiertagsvöllerei spätestens am Nachmittag von Stephani der dringende Wunsch und feste Entschluss ein, nie mehr in meinem Leben etwas zu essen. Ich beginne dann, meine Spirituosenvorräte nach den übers Jahr verschmähten Kräuterlikören zu durchforsten, die ganz hinten im Schrank verstauben. Leider hält diese Spontan-Magersucht nur bis zum Abend, an dem ich alle Jahre wieder einen Vernichtungsfeldzug gegen die übrig gebliebenen Plätzchen (auf schwäbisch „Loibla“ genannt), Schokokugeln, Marzipankartoffeln und Lebkuchen führe, was mir – ich will es weder beschönigen noch näher ausführen – das eine oder andere Problem mit der Verdauung und jedesmal eine mehr als unruhige Nacht beschert. Obwohl mir das vorher bewusst ist, tappe ich immer wieder in die Falle und leide bis Silvester wie ein Hund. Da bin ich dann wieder so weit hergestellt, dass ich das fette Käsefondue überlebe.

Wenn wir schon beim Essen sind: Ich weiß, dass Spinat heiß ist. Das Wasser in ihm speichert die Kochhitze und wenn das Gemüse auch noch gemeinsam mit Schafkäse in einem Filoteig im Ofen briet (Spanakopita, wir Gräkophilen nennen es auch gerne σπανακόπιτα), ist es noch heißer. Wie gesagt, mir ist diese Tatsache bekannt, da habe ich im Physikunterricht mal aufgepasst. Trotzdem verbrenne ich mir dabei grundsätzlich den Mund und immer frage ich mich, wie mir das erneut passieren konnte. Nebenbei: So heiß zu essen, wie es gekocht wurde, ist zwar äußerst schmerzhaft, hat aber den Vorteil, dass der dazu genossene Retsina plötzlich nicht mehr nach Harz schmeckt und auch schlechter Ouzo eine milde Note bekommt.

Aber ich denke, die Richtung wird deutlich. Ich lerne nicht aus meinen Fehlern. Ich weiß nicht, wie oft ich mich schon vergeblich an meinem E-Mail-Konto anzumelden suchte, weil ich mich bei dem Passwort verschrieben hatte. Eigentlich passiert das jeden Tag mehrmals und häufig gelingt es mir erst auf den dritten oder vierten Versuch, mein Postfach mit der richtigen Buchstabenkombination zu öffnen. (Sie ist übrigens so einfach, dass sich ein IT-Sicherheitsfachmann die Haare raufen würde.) Das kostet mich schätzungsweise täglich 30 Sekunden, in denen ich mich vergeblich abmühe. Da ich das E-Mail-Konto seit etwa fünfzehn Jahren nutze, habe ich wegen meiner Vertipper bereits zwei ganze Tage (ca. 47,3 Stunden) meines Lebens nur damit verschwendet, mich beim Anmelden zu vertippen. Ich möchte diese Zeit dermaleinst auf meinen Aufenthalt im Fegefeuer angerechnet bekommen. (Wenn ich die Zeit dazu rechne, die ich dämlich damit verbracht habe, dem Ladebalken eines Programmes zuzusehen, wie er langsam von links nach rechts wandert, um dann eisern bei 97 % zu verharren, kriege ich wahrscheinlich noch etwas raus – aber das ist ein Thema für einen anderen Aufreger.)

Ähnlich geht es mir natürlich, wenn ich mich an diesem blöden Blog anmelden will, aber auch mit dem Handy und der EC-Karte, die deswegen beide schon gesperrt wurden. Ich bin nicht so dement, dass ich die Zeichen vergessen würde – ich vertippe mich nur hartnäckig, immer und immer wieder.

Damit sind wir beim Kern des Problems:

Es ist vollkommene Blindheit für meine Fehler, die mich zwingt, sie immer wieder von Neuem zu begehen. Jedes Weihnachten aufs Neue überfresse ich mich, verbrenne ich mir den Mund, verknöpfe ich mich am Hemd und versuche, beim Supermarkt im Ausgang reinzugehen. Der Beispiele sind Legion.

Schauen wir uns doch diesen Text an: Beim Abtippen habe ich sicherlich 20 Tipp- und auch ein paar Rechtschreibfehler übersehen, überflüssige Wörter und Wortwiederholungen ignoriert und sie trotz eingeschalteter Autokorrektur des Schreibprogramms stehen lassen. Ich bin selbstverständlich vollkommen überzeugt, diesmal einen perfekten Text getippt zu haben. Also landet er dann im Blog. Den ersten Fehler entdecke ich direkt nach der Publizierung und ich muss den Artikel wieder und wieder überarbeiten, manche Artikel schon zwanzigmal. Aber dann haben schon alle Interessierten den Text gelesen und sich über meine Rechtschreibschwächen lustig gemacht. (Ergänzung zwei Tage später: Eben habe ich in die E-Book-Fassung des zweiten Kapitels meines Romans „Aber ein Traum“ reingelesen und sofort 5 Fehler entdeckt!)

Es heißt, wenn man sich in einer Sache auskennt, mache man nicht weniger Fehler, sondern andere. Bei mir kommen zu den alten noch die neuen hinzu; die Fehlermenge insgesamt steigt. Die Fehler der anderen hingegen, die finde ich sofort. Ich habe noch nie einen Text oder ein Buch gelesen, in dem ich keine Syntax- oder Semantikaussetzer fand – sie springen mir förmlich ins Gesicht und verderben mir manchmal sogar die Lektüre. Meine eigenen, die verbergen sich mir jedoch vollkommen und wie Sisyphos schleppe ich sie jeden Tag den Berg empor, um sie am Abend wieder vor meiner Hütte zu finden. (Für das Wort „Sisyphos“ habe ich gerade drei Anläufe gebraucht, bis ich es richtig hatte. Ich habe es auch bei der Wiederholung nicht fehlerfrei geschrieben.)

fehler

Ach ja, ich habe mir gestern schon wieder an der Bohrmaschine die Hand aufgerissen, weil ich in einen Alustreifen ein Loch bohren wollte…