Aber ein Traum …

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Wanderer – Eine Kurzgeschichte

Ein Tag beginnt. Düster schlüpft er aus der starren Larve dieser Nacht. Zuerst ist der Morgen nur eine Ahnung, eine Hoffnung, die in der Willenskraft des Sehnenden erwacht. Er ist ein matter, kaum erkennbarer Widerschein im Grau der Wolken. Noch ist er vielleicht nur eine Täuschung. Leben kriecht aus dem Schutz der Nacht, noch ist es hilflos und schwach. Bewegung raschelt im Unterholz, speckig glänzendes Laub schwitzt braunes Nass.

Es regnet.

(R.) Es regnet ich gehe in die Feuchtigkeit durch mein Land aus Nebel und Nacht. Ein Vorhang aus Nässe fällt auf mich herab ich teile ihn schreite voran denn ich habe ein Ziel. Mich kann nichts erreichen mir ist nicht einmal mehr kalt. Vorne schlängelt sich mein Pfad durch den Wald er allein ist wichtig. Ich sehe zehn Meter weit. Dahinter ist ein Aschewirbel Dunkelheit verborgen Regen wie Nebelschleier. Aber zumindest brauche ich meine Taschenlampe nicht mehr. Sie flackerte zuletzt nur mehr Orange ich konnte in ihrem erschöpften Licht kaum die Zeiger meiner Armbanduhr erkennen ein Placebo für einen in Todeskrämpfen zuckenden Leib.

N. geht hinter mir ich weiß das. Wo wäre ich ohne ihn? Nur knapp ist der Abstand vielleicht zwei Schritten. Wenn ich jetzt verharre unsicher nach dem nächsten Schritt taste über diese schwarze feuchte Wurzel in den aufgeschwemmten Matsch darunter dann tritt er mir in die Fersen. Aber ich werde nicht stehen bleiben ich werde nicht stolpern nicht langsamer werden ich werde laufen fester Tritt in schwerem Schuhwerk eins zwei … einatmen ausatmen. Ich bin längst zu müde um stehenzubleiben.

Ich höre N. atmen. Er ist ein ruhiges gleichmäßiges Geräusch ein Gesang er feuert mich damit an. Noch ein Schritt noch ein Atemzug nicht zurücksehen. Der Berg in meinem Rücken existiert nicht mehr ich sage das immer wieder. Auf keinen Fall sehe ich hinauf und zurück. Ich verliere wenn ich den Kopf drehe. Noch ein Schritt. Ein Atemzug.

Wann ist N. verstummt? Er redete viel es half ihm durch die Nacht. Er erzählte von gestern immer wieder von gestern unterbrochen nur von Schimpfwörtern, wenn er daneben trat und ein paar Meter das abschüssige Geröll herabrutschte. Sofort stand er auf und sprach weiter suchte neue Lösungen wo es keine gab. Ein endloses Band von Worten trug uns den Hang hinab. Nun schweigt er starrt dem Morgen entgegen. Ich bin sicher der Morgen ist nah er kommt uns aus dem Tal entgegen begleitet von Regen und Wind.

(N.) Ich bin allein, allein in dieser Welt. Noch gestern gab es Menschen. Jetzt gibt es nicht einmal mehr das Gestern. Vor mir geht einer, leitet mich stur durch die Nacht und den Regen. Aber hat er denn ein Ziel? Wird dieser Pfad enden oder geht er immer weiter, endlos? Sind wir schon tot? Ich würde den Rücken vor mir gerne fragen; hinter dem Rucksackgestell und der blauen Daunenjacke muss doch ein Leben sein. Das ist keine Maschine, die im Rhythmus meiner Atemzüge durch den Schlamm stapft, als wäre ich es, der ihre Beine in Bewegung hält. Das ist ein Freund. Ich erinnere mich.

Ich könnte ihn berühren, wenn ich meinen Arm ausstrecken würde. Aber meine Finger sind taub und pelzig, mit Blut vollgelaufen. Würde er sie spüren? Ich könnte ihn anreden, aber ich habe seinen Namen vergessen. Eben wusste ich ihn noch … Er ist ein Freund, mit ihm konnte ich immer reden. Doch wenn ich es versuche, öffnen sich nur meine Lippen, ziehen sich zurück zu einer drohenden Fratze. Die Kiefer pressen die Zähne fest aufeinander, sie haben sich ineinander verbissen, hinten, nahe bei den Ohenr, kann ich die Knochen spüren, über denen sich meine Haut spannt. Ich werde nie mehr reden. Schweigend gehe ich in diesen neuen Tag. Wenn er denn kommt.

„Härrschaften! Die Damen und die Härren, liebä Kinderr! Stolz präsentieren wir ihnän das Wunder där sechs Kontinente: Der Mann ohne Mund! Träten sie näherr, träten sie ein in einän Raum der Magiie, der Fatasiie, där Imagination! Sähen sie den Schweiger, die mänschliche Tragöödie, die Tränen, die übär seine hohlän Wangen rinnen. Die Damen und die Härren, kommen Sie in seine Welt und lauschen Sie: Wenn Sie kein Geräusch hören, schafft ihre Einbildung eines. Und es wird sein, als würde er reden, der Mann ohne Mund.“

R., er heißt R.! Das ist doch schon einmal etwas. Vor mir läuft R. Wenn ich jetzt nicht diese dämliche Maulsperre hätte, wenn mein Arm nicht eingeschlafen wäre und ich mich nicht darauf konzentrieren müsste, in seine Fußstapfen zu treten …

Dann würde ich ihm sagen: „R., weißt du noch, wie es  war? Damals. Gestern…“

Und R. würde sagen: „Erzähl mir, N. Unser Weg ist noch lang.“

Träge Tropfen stürzen von den hohen Fichten. Der nadelweiche, federnde Boden schluckt sie lautlos. Die Stämme der Bäume sind schwarz. Sie stehen eng beieinander, aber sie berühren sich nicht. Respektvoll stehen sie in Habacht, warten auf Malcolms Befehl. Dieser Morgen ist still. Er lauscht hinaus, zögert, lässt sich Zeit. In seinen Ohren rauscht das Blut, quält ihn ein dünner Pfeifton. Eine Dohle krächzte eben kurz und unsicher, schwieg dann betreten. Kalter Dampf liegt zwischen den Stämmen in der bewegungslosen Luft. Ihr Atem schmeckt nach Torf.

(N.) Er hört wohl nicht zu. Nie hört mir jemand zu. Dabei sollte er mir zuhören.

‚Das ist die Geschichte, die nicht gut endet’, würde ich sagen. ‚Sie erzählt vom Beginn, du verstehst’, würde ich sagen. Du würdest dich halb wenden und mir wäre, als sähe ich in einen Spiegel. Ich wäre mein Gesicht gewöhnt, dennoch hätte der Anblick etwas Rührendes. Du hast ja auch schon oft gesagt, es seien gerade die Augen, die dich an daheim erinnerten.

‚Da war die Welt noch Welt und nicht Misthaufen’, würdest du beiläufig sagen, ‚obwohl ich mich mühe, dich zu begreifen. Die Sätze, die du mir gibst, kann ich nicht in mein Verstehen einbinden – daran scheitere ich; egal, wie sehr ich mich bemühe. Die Geschichte, die nicht gut endet, kenne ich schon.’

‚Willst du mich wütend machen? Langweile ich dich schon jetzt?’, würde ich fragen. ‚Es gibt viele Geschichten, die nicht gut enden. Du kennst nur eine von ihnen.’

‚Das ist nicht wahr’, würdest du erwidern, ‚diese Geschichten sind alle gleich. Kenne ich eine, kenne ich jede. Wie es nur eine Wahrheit gibt, so gibt es auch nur eine Geschichte, die schlecht ausgeht.’

‚Du musst auf meine Worte achten. Eine Geschichte, die nicht gut endet, ist etwas anderes, etwas tieferes. Wie ich Wahrheiten erfinden kann, kann ich auch Geschichten erfinden, die wahr werden, wenn ich sie dir erzähle. Wenn ich dir eine Geschichte von einem Mann erzähle, die nicht gut endet, dann lebt dieser Mann. Die Geschichte ist wahr.’

Jetzt würdest du zurücksehen, sehr aufmerksam auf mich blicken und nicken. ‚Das ist nicht wahr’, würdest du sagten, ‚dein Weltbild ist verschroben und weinerlich. Trotzdem will ich dir zuhören. Auch wenn deine Geschichte erlogen ist, klingen deine Worte gut, wenn auch manchmal etwas abgedroschen. Worte werden auch nicht wahrer, wenn man sie oft wiederholt.’

Du hast recht’, würde ich antworten, ‚aber nur mit deinem letzten Satz.’

Jetzt begänne ich zu erzählen. Dabei sähe ich zu deinen Fußstapfen, denen ich folgte und bewegte wie von ungefähr meine Finger, um die Blutzirkulation anzuregen. Selten starrte ich auf deinen Rücken, auf die Wasserperlen auf deinem Janker; eigentlich nur dann, wenn ich bei einem gut plazierten Wort deine nickende Zustimmung suchte. Sie bliebe fast immer aus, du nicktest wohl an anderen Stellen, aber es gäbe mir doch das Gefühl, du würdest zuhören.

‚Du hörst mir zu’, würde ich sagen, ’du bist anders, aber du hörst zu. Ich weiß, du wirst das nicht mögen, aber ich habe das Bedürfnis, dich zu streicheln, während du mir lauscht.’

‚Deine Geschichte verwirrt sich, du bist abgelenkt’, würdest du erwidern.

‚Es war alles bedeutend’, erzählte ich, ‚alles nur ein Mittel, um zu verdrängen. Von dem Tag an, an dem er erwachend sein Erwachen bemerkte, war alles bedeutend. Das Bein, das er zuerst aus der Decke zog und weit zur Seite drehte, damit es über den Rand des Bettes abknickend mit dem nackten Fuß den warmen und rauhen Teppich berührte, war wichtig. Die Lichtflecken, die seine Augen blendeten, als er sie öffnete, waren wichtig. Sein ganzes Leben war mit einem Mal bedeutend, es war in sein Dasein eingetreten.’

Hier würdest du mich räuspernd unterbrechen, wie es so deine Art ist. ‚Ja’, würdest du bemerken, ‚aber warum erzählst du das? Es ist nicht wichtig und auch nicht ehrlich. Warum musst du dich denn mit übertriebenen Gefühlsausbrüchen schmücken, mit Gefühlen, die nicht mehr in unsere Welt passen?’

‚Aber du wirst doch einsehen, wie ich aus dem Zustand des einen auf die Gesamtheit schließen kann. Ich will einen herausgreifen und ihn zeigen, wie er scheitert oder sich arrangiert. Eine dritte Möglichkeit gibt es nicht.’

Hier hättest du es eilig, mich zu unterbrechen: ‚Auch ein Arrangement ist ein Scheitern. Es ist die alltägliche Form des Scheiterns, die undramatische, die du in deinen Geschichten und Bildern gerne unterschlägst. Auf einem falschen Weg kann man nur wenige Schritte in die richtige Richtung gehen.’

‚Aber eine Übereinkunft kann auch eine Hoffnung sein. Doch du hast recht, davon wollte ich nicht erzählen.’

‚Ich toleriere deine Meinung’, würdest du nach einem kurzen Schweigen sagen, ‚aber sie ist falsch. Doch erzähle deine Geschichte weiter, ich hätte dich nicht unterbrechen dürfen.’

‚Ja’, würde ich triumphierend erwidern, ‚auch ich toleriere deine Meinung, denn sie ist so richtig wie die meine. Ich erzähle meine Geschichte gerne weiter. Ich weiß inzwischen auch, warum sie nicht gut endet. Eben wusste ich das noch nicht.’

So sollte unser Gespräch sein. Wenn du mir zugehört hättest. Vielleicht wäre dann alles anders gekommen.

 (R.) N. in meinem Rücken er schweigt. Ich hoffe geraume Zeit schon auf ein Wort von ihm das erklären würde wie er fühlt was er fühlt ob er fühlt was denn ist. Doch er schweigt. Wenn es einer weiß dann doch er hat ein viel engeres ein freundschafliches liebevolles ist sein Kumpel sie reden miteinander. Noch geht er hinter mir ein Schritt und noch einer und er führt hinab immer hinab wir sind auf dem richtigen Weg wenn es nur endlich wiederhole ich mir ein tausendmal verwirrender Gedanke wenn es denn wenn es nie mehr hell würde die Dunkelheit bliebe schließlich aber kam der Tag herauf an dem sich das Schicksal muss immer so wirken als wäre er ein Bankdirektor enden voller Schmerz und Leid nach einer Periode des Aufstiegs der Entfaltung nach einer ungeheuren Ausbreitung der Macht über die Natur schließlich nur ein Übergang zu neuer Barbarei. Richtiges Leben im Falschen.

Ach, N.

Blutend rot krallt Morgen kalter Hauch seine Federfinger in die Dämmerung küsst auffunkelnd die gezackten Bergzinnen goldene Flüssigkeit bernsteinfarben warm und weich mündet in eine ewige Nacht warte nur in Bälde ruhst auch du kritische Theorie.

Ein Zaun. Ein Steig, hinüber. Kühe hinterließen Fußtritte Wasserpfützen Leben da ein grüner Geruch. Es ist ein Zeichen Zivilisation wir nähern uns dem Tal bald werden wir die Lichter sehn gerettet sein in Reih und Ruh. Wir werden Lichter sehn sie werden uns führen. Und selbst wenn dieser Weg nun wieder etwas emporgeht das Ende ist nah noch ein kleiner Hügel eine waldige Strecke dann ein paar Felder. Wiesen. Straßen.

Licht.

 Der Wald schweigt. Er sammelt sich für den Tag.

wahrheit (Kurzgeschichte)

wahrheit
eine kurzgeschichte

die tränen des weinbergs ertränkten ein paar touristen. als dieses geschehen ruchbar wurde, schloss der bürgermeister seine fenster. er mochte doch mittags den gestank der verwesung nicht. der stadtrat beriet unermüdlich. der berg muss weg, da waren sich alle einig. ihm wurde daher vom findigen kämmerer vorgeschlagen, zum propheten zu gehen, da dieser schließlich noch nie hiergewesen sei. der berg weigerte sich trotzig und verbarg sein haupt in nebelschleiern. einige wanderer fanden deshalb über ihr ziel hinaus in den abgrund, der sie angewidert wieder ausspie.

montag vormittag. der raum ist weiß. er ist seit tagen weiß und das ist gut so. meine schmerzen sind nicht mehr so stark wie zuvor. sie sind noch da, selbstverständlich: sie haben sich nur versteckt, lauern heimlich in meinem schädel. wenn ich nach ihnen spüre und suche, bemerke ich sie. trotzdem werden sie mich überraschend überfallen. das tun sie immer und ich kann nichts dagegen machen. seit der raum weiß ist, haben die schmerzen mit mir waffenstillstand geschlossen. der tee, der dampfend vor mir steht, wird langsam dunkler. er ist bitter und seine hitze ätzt sich in meinen gaumen. der tee schmeckt nach dem regen, der gegen meine erblindeten fensterscheiben seufzt. wie lange ist das her? regen. wie lange ist es her? er lacht.

schau, ich bin auf dem weg. ich bin nicht weit von hier. du hörst mich. ist das nicht ein gutes zeichen? wenn wir uns schon hören, dann ist es nicht mehr weit. ich sehe auch schon ein licht, wo bisher schwärze war. siehst du es auch? ist das der morgen? ich wünsche mir, es wäre der morgen. ich möchte dich so gerne sehen. ich weiß genau, wie du aussiehst, obwohl ich dich noch nie gesehen habe. aber so vor dir zu stehen und deine blicke zu spüren, das ist doch etwas anderes. ich bin auf dem weg.

montag vormittag. ich schließe die augen und endlich kann ich wieder sehen. ich bin jetzt ruhig. der raum ist weiß, die schmerzen sind weit weg. meine hand streckt sich, noch vorsichtig, aber gierig. die finger tanzen hektisch, sie dürsten nach berührung. dann ist alles still. ein schwerer tropfen trifft meine nach oben gereckte handfläche, sammelt sich in der grube. er ist klar und durchsichtig und ich kann in ihm meine geschlossenen augen spiegeln sehen. er zittert ein wenig und krallt sich kalt an meiner haut fest. ich fühle sein feuchtes sein. die feuchte kriecht von der hand in meinen körper, gräbt eine hoffnungsvolle furche in meine stirn. mein mund will sich öffnen, meine lippen flüstern. soll es bei dem versuch bleiben?

ich bin in der nähe. so nah war ich dir noch nie. ich bin vor langer zeit aufgebrochen, um dich zu sehen. schwärze war damals um mich herum. ich erinnere mich genau, ich lebte mit vielen menschen in der schwärze. das war nicht einfach, aber ich musste nicht die tränen der anderen sehen, nur ihr weinen war lauter als die dunkelheit. immer stieß ich gegen mauern, wohin ich mich auch wandte. dann hörte ich von dir. der, der mir das erzählte, hatte einen seltsamen klang in der stimme. sie war gebrochen und gleichzeitig frohgemut, obwohl er dich noch nie gesehen hatte. er sagte, in seinem inneren würden helle feuer brennen. da habe ich mich entschlossen, dich zu suchen. ich irrte zwischen den mauern und die anderen nannten mich einen narren. ich irrte lange, es mag sein, dass es eine ewigkeit war. doch ich gab nicht auf. endlich fand ich hinaus. auch dort, jenseits der mauern, war nur schwärze, dunkler noch und wattiger als auf der anderen seite. fast wäre ich verzweifelt, doch dann ging ich einfach los, hinein in die dunkelheit, die vor der schwärze floh, die ich mit mir nahm.

ursprünglich hatten die Berge große flügel. sie flogen über den himmel und landeten auf der erde, ganz wie es ihnen gefiel. die erde erzitterte dann und schwankte. deshalb schnitt gott den bergen die flügel ab. er machte die berge an der erde fest. die flügel wurden zu wolken. seitdem sammeln sich die wolken um die gipfel.

montag vormittag. blut sprüht heran, vergewaltigt den jungfräulichen tropfen in meiner hand. ich öffne die augen. das weiß ist noch da, aber nun hat es begonnen, zu pulsieren. wenn das weiß nur bliebe! wenn ich es nur halten könnte! meine nägel haben sich zur faust gekrallt und in mein fleisch gebohrt. das rote rinnsal tropft zögernd in den tee. der aufguss verschluckt das blut. ich möchte wieder meine augen schließen, aber ich kann es nicht mehr. sie starren. jemand macht einen groben scherz. ich sehe nach ihm. er ist noch immer da und er beobachtet mich. blutige flecken wirbeln nun durch den raum. das weiß der wand ist besudelt. bald werden die schmerzen zurückkommen. ich sehe mir gleichgültig dabei zu, wie ich die teetasse gegen die wand schleudere. sie lässt dort einen klebrigen, braunen schweif zurück. doch die flecken lassen sich nicht vertreiben. so einfach machen sie es mir nicht. eine kleine nadel sticht in meinen kopf. durch mein ohr kriecht das nichts. ich presse meine hände gegen den schädel. ich will diese stille nicht hören, mich ekelt vor ihr. ich will nicht sehen, noch hören. mich foltert unstillbarer durst.

dann fanden sich hindernisse in den schatten, an denen ich meine knie blutig schlug. ich kann dir nicht sagen, was das war, du weißt, ich sah ja nichts. schließlich fand ich das licht. zuerst war es noch sehr entfernt und ich dachte, es sei ein trugbild. doch nun komme ich näher. vielleicht kommt auch das licht näher, denn manchmal habe ich den eindruck, ich würde mich auf der stelle fortbewegen. ist das der morgen? du weißt doch so viel, sag mir, ist er es? du schweigst. warum schweigst du? sag mir, warum du schweigst. hast du angst vor mir? ich höre dich jetzt atmen. dein atem erfüllt die dunkelheit um mich und schenkt ihr wärme, in der ich mich bergen kann. schläfst du vielleicht? wach doch auf und erzähle mir von dir. ich will lauschen.

montag vormittag. der raum ist rot. nun ist er wieder rot. schmerzen peitschen mich in einen fieberwahn. meine augen werden sich nun nie mehr schließen. die letzte gelegenheit ist vertan. er beobachtet mich noch immer. der raum ist tot. ich lebe.

nun musste der bürgermeister doch in das geschehen eingreifen, ob er nun wollte oder nicht. sein posten wackelte bedenklich und ihm wurde doch so leicht übel. er stellte sich also vor den weinberg und rief: „ich trage, wo ich geh und steh doch niemals eine uhr bei mir. denn das habe ich nicht nötig, da ich mich in einer uhr befinde. ich brauche nur den himmel und schon wird mir das verschwinden der zeit deutlich. mit der zeit verschwindest auch du. ich muss nur warten. das machen wir politiker so.“

da nickte der berg und ging. ja, ja.

Mein Vadderdag

Ich habe nie begriffen, warum Männer an Christi Himmelfahrt (auf gut schwäbisch „Vadderdag“ genannt) mit Bollerwägen und Bierkisten durch die Gegend ziehen und sich volllaufen lassen. Zudem dies in aller Regel keine Väter sind.

Ich für meinen Teil war heute mit Frau Klammerle und Sohn Nr. 1 beim Bergwandern. Gerade kommen wir wieder heim und lassen den warmen Tag auf unserer Terrasse ausklingen. Wir sind von Blaichach kurz hinter Immenstadt durch die idyllische Klamm der Gunzesrieder Ache (mit traumhaft schönem Stausee) gegangen und anschließend über Reute auf den Mittag, den ersten Gipfel der Nagelfluh-Kette. Es war ein herrlicher Tag und ich wünsche euch allen, dass eurer ebenso gelungen war.

  

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