Kleine Veränderungen – Lesung

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Willkommen zu meiner spontanen Lesung meiner Kurzgeschichte „Kleine Veränderungen“. Ich hoffe, die 10 Minuten, die mein kleiner Vortrag dauert, sind nicht dir zu lang. Diese und andere Kurzgeschichten findest du übrigens in meinem Buch „Das Rote Haus“.

Das Bild in meinem Hintergrund ist übrigens von dem Maler Thomas Becker, der mehrere meiner Kurzgeschichten illustriert hat. Es heißt „Kiesbank“.

kießbank

Ich wünsche viel Vergnügen und würde mich übrigens wirklich über einen Kommentar freuen, ob dir so etwas gefällt und ob ich häufiger auf meinem Blog Lesungen einbinden soll.

Liebe Grüße, Dein Nikolaus

moiedel

12.05.21 – Werkstattbericht aus Stillblüten

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Mittwoch, 12.05.21

Liebe Leserin,

nach einigen Wochen melde ich mich mal wieder bei dir. Viel hat sich bei mir nicht getan in den letzten drei Wochen. Ich faste noch immer fleißig, und ernähre mich weiterhin von Wasser, ayurvedischem Tee und morgens mal einem Trinkjoghurt. Heute ist schon mein 31. Fastentag. Das ist für mich, der ich alle drei, vier Jahre faste, ein neuer persönlicher Rekord – über drei Wochen bin ich bislang noch nie hinausgekommen. Ich wollte eigentlich morgen endlich mit der inzwischen doch recht lästigen Selbstkasteiung aufhören und mit einem Vatertagsgrillen meine Abnehmerfolge (1) und die neugewonnene Lebensqualität feiern. Doch leider ist das Wetter weiterhin grausam zu uns und auf den viel zu kalten und verregneten April folgt nun ein viel zu kalter und verregneter Mai. Langsam nehme ich das alles sehr persönlich. Meine Forderung nach der sofortigen und dringenden Mediterranisierung Bayerns verhallte leider bislang ungehört, wenn man mal von dem 24-Stunden-Sommer-Intermezzo absieht, das den Muttertag wärmte. Zusammen mit der für mich sehr bedrückenden Pandemiesituation ist dies das besch*ste Frühjahr, an das ich mich erinnern kann. Deshalb habe ich mich entschieden, noch einmal ein paar Fastentage draufzulegen und weiterzumachen –  es spielt ja eh keine Rolle.

In den Pfingstferien wird Sohn Nr. 2 endlich seine inzwischen langjährige Verlobte standesamtlich ehelichen. Das Ganze wird coronabedingt in sehr kleinem Rahmen stattfinden, da außer dem glückseligen Bräutigam nur die Trauzeugen und die Mütter des Brautpaares vollständig geimpft sind und am der Zeremonie teilnehmen dürfen. (2) Alle anderen werden draußen vor der Tür warten müssen. Und gemeinsam feiern geht aufgrund der Pandemieregeln ebenfalls nicht. Auf jeden Fall möchte ich dann wieder in meine gute alte schwarze Hose passen, deren obersten Knopf ich allerdings im Moment noch nicht schließen kann. Daher werde ich wie der Herr in der Wüste nun volle 40 Tage hungern (das Beten werde ich sein lassen). Falls mich der Teufel mit einer Vier-Käse-Pizza oder einem Teller Spaghetti versuchen möchte, werde ich ihm wohl nachgeben. Aber bis jetzt hat er noch nicht an meine Tür geklopft. Für die zwei Wochen danach plane ich dann eine gemäßigtere Diät, in der ich auch viel Radfahren und Wandern möchte – sofern dieses Sch*-Wetter mitmacht. Ich plane ein Intervallfasten. Dies ist dann übrigens der kritischste Punkt, denn ich muss verhindern, dass ich wieder in alte Gewohnheiten falle und ich mir rasch wieder meinen Bierbauch zulege. Vielleicht ist es ganz gut, dass die Gastronomie noch geschlossen und auch kein Biergartenwetter ist. Habe ich eigentlich schon gesagt, wie gräuslig dieses Frühjahr ist?

Ich habe es schon erwähnt: Wenn mein Körper darbt, dann hüpft der Geist beschwingt. Das alte Sprichwort, dass ein voller Bauch nicht gern studiere, ist tatsächlich wahr. Seit 30 Tagen sprudle ich über von Einfällen und bin literarisch so aktiv wie schon ewig nicht mehr. Ich habe mit „Mein Frühjahr in Stillblüten“ eine Erzählung begonnen, die sich inzwischen zu einem veritablen kleinen Romanprojekt entwickelt hat. Inzwischen stehen über 10.000 Wörter in meinem Schreibprogramm. Da ich den Text hier Schritt für Schritt veröffentliche, kannst du seine Entwicklung mitverfolgen, wenn du Lust hast. Ich habe inzwischen auch mit meinem Grafikprogramm gespielt und einen ersten Entwurf des Covers gestaltet, das meiner Meinung nach die düstere und unheimliche Stimmung des Romans gut widerspiegelt:

Cover Stillblüten4

Mein Frühjahr ins Stillblüten spielt hauptsächlich in einem Bergdorf in den Schweizer Alpen in der Zeit ab Mitte April dieses Jahres. In einem komfortablen Chalet oberhalb von Stillblüten will sich die Schriftstellerin Bernadette Rainer von einem Schicksalsschlag und einer damit verbundenen Schreibkrise erholen und an ihrem angefangenen Roman „Levin Leonheart“ weiterschreiben. In einer Unzahl von E-Mails, die sie an ihre Tochter schickt, erzählt sie ihre Erlebnisse. Mit der Zeit bemerkt Bernadette, dass in ihrer Umgebung etwas nicht stimmt. Es geschehen merkwürdige Dinge in dem einsamen Chalet. Auch die Dorfbewohner von Stillblüten scheinen Geheimnisse zu haben – wie Bernadette selbst übrigens auch …

Was ist dran an der örtlichen Sage vom „Zug der armen Seelen“, von einer Seuche hingeraffte geisterhafte Erscheinungen, die nächtens von wilden Hunden begleitet über die Berggrate an den Wetterkreuzen vorbeiziehen und die Lebenden heimsuchen? Ist Bernadettes Leben in Gefahr? Wahrheit, Mythos und Wahngespinnste verfließen ineinander.

Die düstere Stimmung des Bildes auf dem Cover beruht also auf der einen Seite auf dem scheußlichen Regenwetters dieses Frühjahres (in Stillblüten schneit es fast ununterbrochen) und ist von der zermürbenden Pandemiesituation geprägt, aber auch von dem unheimlichen Rätsel, das das Dorf Stillblüten gefangen hält. Ich bin trotz meiner leicht morbiden Geschichte, die nicht nur vom „Todeszug“, sondern auch – ich gebe es zu – von „The Turning of der Screw“ von Henry James beeinflusst ist, übrigens noch immer guter Dinge und voller Aufbruchsstimmung  – wenn nur endlich das Wetter besser werden und die eine oder andere Ferienregion wieder öffnen würde.

Zum Abschluss noch ein Cover, diesmal eines aus meiner Galerie der imaginierten Cover. Es ist der Titel des Romans, an dem die Autorin Berndadette in „Mein Frühling in Stillblüten“ so verzweifelt wie erfolglos arbeitet. Ich kann mir vorstellen, dass du dieses Buch lieber lesen möchtest, aber sie hat es leider noch nicht zuende geschrieben.

LevinCover


(1) Immerhin sind es schon mehr als 15 Kilos, die ich abgespeckt habe. Das ist das Gewicht eines Kastens Bier, den ich nun nicht mehr mit mir herumschleppe. Wirklich erstaunlich!

(2) Ich habe am letzten Donnerstag auch meine 1. Portion Biontech erhalten, das gerade das Tagesangebot im Impfzentrum war. Die zweite erfolgt dann in 4 Wochen. Ich habe keine Ahnung, in welcher der Spritzen nun der Chip von Bill Gates ist und werde es wohl nie erfahren, weil meine Heimatgemeinde Diedorf ein großes Funkloch ist.

 
 

22.04.21 – Ich werde wieder ich

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Mittwoch, 22.04.21

Liebe Leserin,

ich will zuerst einmal ein Loblied auf das Fasten singen. Dessen Vorteile sind nicht nur, dass die zehn Kilo, die ich mir im Lockdown während der letzten 12 Monate zulegte, langsam wieder verschwinden (leider sehr langsam), sondern in erster Linie ist es auch ein geistiger, mentaler. Wenn man auf feste Speise, Alkohol und Kaffee und andere ungesunde Dinge verzichtet, sind die ersten drei Tage durchaus die Hölle. Aber dann ist plötzlich der Hunger weg, die Kopfschmerzen wegen des Koffeinentzugs schwinden und der Geist wird klarer, leistungsfähiger. Er erweitert sich. Das Fasten ist wie ein Durchlüften des Gehirns. Plötzlich öffenen sich in den Windungen der Neuronen wieder Türen, die vorher verschlossen waren. Es ist ganz erstaunlich. Kein Wunder, dass das das Fasten seit Jahrtausenden in allen Religionen und vielen Philosophien eine bedeutende Rolle spielt. Heute ist mein zehnter Fastentag. Ich fast habe gemeinsam mit den gläubigen Muslimen begonnen (ein reiner Zufall) und plane, bis zum Zuckerfest (das fällt in diesem Jahr auf Christi Himmelfahrt) weiterzumachen. Ich bin voller Tatendrang und das erste Ergebnis meines wiederaufgefrischten ICHs ist die nagelneue Erzählung „Mein Frühjahr in Stillblüten“, von der du den ersten Abschnitt gestern hier auf meinem Blog lesen konntest.

BannerStillblüten

Diese Geschichte wird in etwa 20 E-Mails erzählt, hat also beinahe den Umfang eines Romans, wenn sie fertig ist. Sie beginnt in der Woche nach Ostern 2021. Du begleitest darin ein paar Monate lange einen Autor, den sein Verleger in eine Schreibklause in ein Chalet oberhalb des Schweizer Bergdorfs Stillblüten geschickt hat. Dort soll er seine Schreibkrise überwinden, die ein Trauerfall in der engen Familie ausgelöst hat. In den E-Mails, die der Autor von dort verschickt, berichtet er von seinen Versuchen, wieder auf die Beine zu kommen und seinen angefangenen Roman zu beenden. Doch die scheinbare Idylle in dem abgeschiedenen Hochtal ist trügerisch. Die Menschen in Stillblüten haben ein Geheimnis und auch der Schriftsteller verbirgt etwas … Er ist ein unzuverlässiger Berichterstatter, dem man nicht trauen darf.

Ich plane, die E-Mails, auf denen die Erzählung aufbaut und in denen langsam die Geheimnisse enthüllt werden, regelmäßig auf meinem Blog zu veröffentlichen. Morgen folgt bereits die 2. Fortsetzung. Ursprünglich war angedacht, sie interessierten Lesern direkt und tatsächlich über die elektronische Post zukommen zu lassen. Das ist ein hübscher und wie ich denke, auch origineller Gedanke. Aber nicht zuletzt mangels Interesse nicht durchführbar. Ich kann ja froh sein, wenn sich überhaupt drei oder vier Leserinnen auf meinen Blog verirren. Falls du aber doch Interesse hast, sende ich dir die E-Mails gerne regelmäßig zu.

moi-verletzt

Ich bin also wieder aus meinem Schlaf erwacht. Verletzt, aber ungebrochen … Du hast es sicher bemerkt: Nun habe ich mich schon eine ganze Weile nicht mehr bei dir gemeldet. Und ich war nicht ohne Grund oder aus Faulheit verstummt.

Die letzten Monate waren für mich wie ein schier endloser Sturz in einem düsteren Schacht Richtung Erdmittelpunkt. Ich war antriebslos, frustriert, ausgelaugt. Ich trank und aß viel zu viel, konnte mich kaum zum Arbeiten oder Schreiben aufraffen, habe praktisch nichts gelesen. Im Nachhinein habe ich das Gefühl, dass ich durch Corona verdummt bin. Meine sozialen Kontakte, die schon immer recht eingeschränkt waren, tendierten gegen Null. Ich war also (mal wieder) in einer veritablen Krise. Ich existierte, aber ich lebte nicht. Ende März/Anfang April schlug ich dann am Boden meines Schachts auf und blieb zerschlagen und zerstört liegen. Das grausame Wetter, das mich in mein Heim fesselte, tat den Rest. Manchmal ist mir, als würde ich mein Leben in Spiralen leben, die sich um die Dinge ziehen. Ich komme regelmäßig wieder an den gleichen Punkt, aber immerhin gelingt es mir mit jeder Drehung, mich ein wenig höher hinaufzuschwingen. Ein Psychologe würde allerdings etwas von boarderline murmeln …

Was ist für eine Zeit, in der wir uns da befinden und an der wir leiden! Ich muss Frau Klammerle danken, die mich trotz meiner üblen Launen und meiner Niedergeschlagenheit tapfer ertrug und immer stützte. Ihr allein ist es zu verdanken, dass ich mich in meiner Verzweiflung nicht aus dem Kellerfenster stürzte. Doch ich war nahe dran und deshalb musste eine Änderung her. Es benötigte einige Anläufe, aber dann sprang mein Motor wieder an. Auch wenn er noch immer rumpelt und ab und an aussetzt. Ich faste, ich lese und ich schreibe.

Mein Blog, der in diesen Tagen 8 Jahre alt wird – ich habe ihn am 1. Mai 2013 gestartet – , soll wieder lebendiger werden. Ich habe schon einige Ideen. Ich hoffe, du bleibst neugierig und bist in »Stillblüten« dabei. Ich würde mich sehr freuen.

Bis bald, dein Nikolaus

 
 

30.03.21 – The rites of spring

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Dienstag, 30.03.21

Liebe Leserin,

kaum sind Ende März die Uhren vorgestellt und ein paar erste warme Sonnenstrahlen haben die Spinnweben und Depressionen dieses Winters aus den unaufgeräumten Rumpelkammern in meinem Kopf vertrieben (1), dann geht mit Frau Klammerle etwas Seltsames vor. Frühjahrsmüdigkeit ist ihr ein Fremdwort. Im Gegenteil, sie explodiert dann förmlich vor Tatendrang und Energie. Das Haus muss gesäubert und vom Dachspitz ganz oben bis hinab in die staubigen Kellergewölbe grundgereinigt werden, Altes entsorgt und Neues angeschafft, hier geputzt, dort drübergewischt, da umgestellt, dieses neu eingetopft, jenes gewienert, eines weggeschmissen, mehreres umorganisiert, umgestellt oder ausgeräumt und vieles hinterfragt werden – und erst der Garten: Ojeh! Er ist noch wintermüde und nur wenige Frühjahrsblüher strecken ihre nadelfeinen Blätter und zarten Blütenkelche aus dem schweren, noch halb gefrorenen Erdreich. Aber für Frau Klammerle hat mit einem Paukenschlag das Gartenjahr begonnen und es ist bald Ostern: Jetzt muss neu gepflanzt, angesät, gekrautet, umgegraben, geplant, gedüngt und organisiert werden. Gut, dass sich die Politiker für „Brot und Spiele“ entschieden haben und die Bau- und Gartenmärkte wieder geöffnet halten. Man könnte frech behaupten, sie übe schon einmal für ihr späteres Rentnerdasein, aber so war meine liebe Frau schon immer, wenn im Frühjahr das Thermometer die 15°C-Marke überschreitet. Sie ist da wie der Roboter in Alfred Besters empfehlenswerter Kurzgeschichte „Geliebtes Fahrenheit“, der ab einer gewissen Außentemperatur durchdreht und sich wie Oedipus selbst jagt (Die dicken, schweren Hummeln, die gerade mit dumpfen Dröhnen unser Gärtlein auf der Suche nach einer geeigneten Erdhöhle durchstöbern, scheinen gerade in Frau Klammerles Hintern zuhause zu sein).

Selbstverständlich ist es in diesen Tagen auch um meine Ruhe geschehen – allerdings nicht aus freiem Antrieb, sondern aus schlechtem Gewissen und Selbsterhaltungstrieb. Mir gelingt es einfach nicht, auf der Gartenterrasse in der Sonne zu liegen und in einem Buch zu lesen (2), während um mich herum in gefährlicher Nähe ninjamäßig mit Besen, Wischmopp, Putztüchern, Staubsauger, Kärcher, Spaten und anderen Werkzeugen hantiert und herumgewuselt wird. Zumal Frau Klammerle nicht nur stumme Impulse setzt, um mich zur Mithilfe zu bewegen, sondern auch mit ihren punktgenauen „Nikolaus, möchtest du …?“-Befehlen genaue Anweisungen erteilt. So bin ich in letzter Zeit wenig zum Lesen und kaum zum Schreiben gekommen, denn es gibt ja in diesen Frühlingstagen so viel zu tun.

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Osterurlaub 2021 – Traum und Wirklichkeit

Und wir haben beide Urlaub … den wir selbstverständlich brav in Diedorf und im Weichbild von unserem Reihenmittelhaus verbringen. Wir planen nicht einmal Wanderausflüge ins verseuchte Allgäu und unsere geliebten Berge. Obwohl keiner von uns „positiv“ ist und Frau Klammerle längst durchgeimpft wurde, leben wir die vorösterlichen „Ruhetage“ gerade in selbstauferlegter, staatstragender Quarantäne. Leider sind Urlaube in Garten und auf dem Balkon nie ganz vergleichbar mit tatsächlichen in einem südlichen Ferienhaus am Meer. Auch wenn gerade das Wetter stimmt und in den nächsten Tagen sogar sommerlich werden soll: Der Alltag klebt wie Pech am Haus und – siehe oben – will gerade jetzt, wo man so viel Zeit hat, erledigt werden. Aber wir haben das klassische Brettspielen(3) neu entdeckt und können wieder unsere geniale, selbstgekochte Mittelmeerkost genießen, nachdem nun endlich die neue Küche eingebaut ist. Und gestern Abend, da saßen wir noch lange nach Sonnenuntergang vor unserem alten, kleinen Atztekenofen im Freien, testeten unseren diesjährigen Spargelwein und planten einen Radausflug, während im noch kahlen Kirschbaum unser Amselmännchen seinen Gesang anstimmte und sich Amy, die Katze, schnurrend in meinen Schoß schmiegte. Da kam für einen zeitlosen, aber allzu kurzen Moment doch so etwas wie Urlaubsstimmung auf.

Der erste Abend auf der Terrasse

Wenn ich Urlaub mache, dann versuche ich mich auch immer ein wenig mit Internet-Fasten. So auch in diesem Jahr. Ich werde bis Ende April nur sehr selten in die virtuelle Welt eintauchen und meine dortigen „Beziehungen“ pflegen. Wenn nach Ostern Frau Klammerles Frühjahrs-Quartalsfieber rapide nachlässt und wieder etwas Ruhe einkehren wird, will ich fleißig an meinen literarischen Werken basteln und feilen. Bis zum Sommer soll mit den „Bücherkellern des Vatikans“ der 4. Band von „Dr. Geltsamers erinnerte Memoiren“ fertig werden. (4)

Ich wünsche dir bis dahin eine schöne und glückliche Zeit!Und frohe Ostern.Dein Nikolaus


(1) Gut, um ein wenig Wermut in den Frühlingscocktail zu mischen: In diesem Jahr II. der Corona-Pandemie hat des der Frühling schwer, den winterliche Trübsinn meiner Gedanken zu vertreiben. Während ich mich exakt an die Seuchenregelungen halte, meine privaten Freuden und meine sozialen Kontakte auf Null reduziert habe, mich an Ausgangs-, Kontakt- und Abstandsregeln halte, sehe ich zu, wie die große Politik eigentlich seit November den Wagen mit Schwung und Anlauf an die Wand fährt, weil die 3. Welle zufällig mit ein paar Wahlsonntagen zusammenfällt. Das macht zornig und hilflos zugleich. Nein, dieser Frühling ist in vielerlei Hinsicht ein spring of discontent.

(2) Gerade ist meine Lektüre „Herzfaden“ von Thomas Hettche. In dem Buch erzählt der Autor, der in meinem Alter ist, in manchmal allzu plakativer und manieristischer Weise, aber oft auch überraschend poetisch und tiefsinnig und damit durchaus gelungen von der Entstehungsgeschichte und den ersten Jahren der „Augsburger Puppenkiste“, die die Kindheit meiner Generation kaum überschätzbar stark beeinflusst hat. Selbstverständlich ist viel „Wahrlügen“ in dem Text, aber das ist ja nicht verkehrt. Da ich Augsburger bin und in meinem weiteren verwandtschaftlichen Umfeld auch Marionettenspieler und frühere Mitarbeiter der „Puppenkiste“ sind und mitreden kann, weiß ich die manchmal vielleicht ein wenig zu aufdringliche Recherchearbeit von Hettche durchaus zu schätzen, der sich nur selten im Ton vergreift (niemand geht in Augsburg „einholen“, man „kauft ein“) und noch seltener irrt (es gibt keinen „Anna-Brunnen“).

(3) Frau Klammerle ist seit drei Monaten „Carcassone“-süchtig, seit sie dieses Spiel zu Weihnachten geschenkt bekam.

(4) Und dann spiele ich gerade wie die viele mit Animationssoftware herum und habe gerade ein Foto meiner Wenigkeit im unschuldigen Alter von 6 Jahren kurz zum Leben erweckt. Das ist ein wenig gruslig und erinnert an den „Daily Prophet“ bei Harry Potter, macht aber Spaß.

23.03.21 – Ich werde berühmt – oder?

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Dienstag, 23.03.21

Liebe Leserin,

ich habe in der letzten Woche ein Interview für den Podcast „Windmanns Eck“ der norddeutschen Autorin Laura Windmann gemacht. Sie wird bei Bastei-Lübbe verlegt und hat einige heitere Bücher über ihr Leben mit Mann, Hund, Garten und „Muddi“ geschrieben. Ich habe sie über Instagram kennengelernt und sie hat mich mit ihrer Einladung, an ihrem Podcast mitzuwirken, ziemlich überrascht und mir auch geschmeichelt.

Unser Gespräch, das wir in Coronazeiten selbstverständlich nicht vis-à-vis, sondern über das Smartphone und die Podcast-Software „Anchor“ führten, dauerte aufgrund einiger Tonprobleme (mein Sch*-Internetanschluss von Vodaphone) ziemlich lang, bis wir eine knappe halbe Stunde einigermaßen sendbares Material zusammengebracht hatten. Wir haben insgesamt viermal von Neuem begonnen. Doch Laura ließ sich nicht aus der Ruhe und ihrer guten Laune bringen und so ist – glaube ich – ein ganz ordentliches Autoreninterview zustande gekommen, in dem ihre humorvolle und sympathische Hamburger Containance auf meine Bayerische Geschwätzigkeit trifft. Ergänzt haben wir das Ganze durch eine kurze Lesung aus meinem Buch „Noch einmal davon gekommen“. Trotz der akustischen Mängel, meinem „Augschburgerisch“ und der Tatsache, dass wir die Hälfte der Fragen vergessen haben, kann sich das Ergebnis hören lassen und dies selbstverständlich auch auf spotify, google, amazon etc. Hier die direkten Links zum Interview und zur Lesung (einfach auf das Bild klicken):

Durch das Interview bin ich jetzt auch im Besitz der Podcast-Software und ich spiele nun mit dem Gedanken, mir ebenfalls eine wöchentliche „Radio-Sendung“ zu erstellen, in der ich z. B. meine Blogartikel einlese, Lesungen aus meinen Büchern halte oder einfach ein wenig mit Freunden oder mit mir selbst (1) plaudere. Ich könnte das auch hier auf meinem Blog machen. Vielleicht nenne ich meinen Podcast „Nikolaus plaudert …“ und ich werde ein berühmter Influencer wie !Bibi und so oft gehört wie „Gemischtes Hack“. Aber das ist eine Welt, in der ich mich noch nie bewegt habe und wahrscheinlich bin ich dort vollkommen fehl am Platz. Zudem hat mir Sohn Nr. 2, der immer das Ohr am Puls der Zeit hat, glaubhaft versichert, dass heutzutage jede*r_s, wirklich jeder, einen Podcast führt; sogar Kühlschränke und Haustiere. Das ist dann doch wohl eher nichts für mich. Oder was meinst du?

Nur ein Entwurf …

*

Wie die anderen eitlen Autoren neige auch ich dazu, mich selbst im Internet zu suchen. Dabei stieß ich nicht nur auf weihnachtliche Basteleien mit Nikoläusen und Wäscheklammern, sondern in mehreren Gebrauchtbuch- und Antiquariatsseiten auf folgendes Angebot:

Das war wie ein Stich direkt ins Herz und es blutet noch immer. Da habe ich jemandem ein gewidmetes (!) Exemplar meines Kurzgeschichtenbands „Das Rote Haus“ zukommen lassen (wahrscheinlich sogar als Geschenk) und dann ist der- oder diejenige so dreist, es nicht einfach weiterzuverschenken, auf einer Parkbank liegenzulassen oder in einen öffentlichen Bücherschrank zu stellen, sondern es verkaufen zu wollen, obwohl es „handschriftliche Anmerkungen“(?) enthält. Auch der Angebotspreis des gebrauchten Buchs von 8 € (plus Versand) ist frech, denn ein nagelneues Exemplar des „Roten Hauses“ aus der Buchhandlung um die Ecke wäre erheblich billiger (und würde mir wenigstens ein paar Cent Autorenhonorar einbringen). Allein die E-Book-Variante würde weniger als das Porto kosten. So wird das wohl nichts mit dem Verkauf. Trotzdem:

Ich weiß, ich müsste loslassen können. Aber diese Bücher sind meine Kinder und es schmerzt, wenn sie jemand nicht mit Respekt behandelt. Es ist, als würde man mich selbst nicht wertschätzen. Ich fühle mich benutzt und irgendwie besudelt – ein nur schwer erklärbares Gefühl.

*

Und dann sind da noch dieser mistige, eisige Frühling, die ganze äußere Situation, die mich einengen und einsperren und der sich über Monate aufgestaute Ärger über eine Corona-Politik, die zu spät, zu wenig und zu inkonsequent handelt. Ja, mir ging es schon einmal besser. Und die Arbeitsplatte für unsere neue Küche ist auch noch nicht da!

Vielleicht sieht ja in der nächsten Woche alles wieder ein wenig besser aus und wir hören uns demnächst bei Windmanns Eck oder bei meinem eigenen Podcast.

Bis dahin, dein Nikolaus


(1) Das kann ich besonders gut. Laura, die ich zwischendurch in Grund und Boden schwatzte, kann davon ein Lied singen. Ich bin mir mein liebster, interessantester und belesenster Gespächspartner, der mich immer wieder durch seine Schlagfertigkeit, seinen Esprit und seine Selbstironie begeistert.