Aber ein Traum …

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Dienstag, 10.12.19 – Facebook, Werbung, Isabella und der Weihnachtshund

Dienstag, 10.12.19

Facebook, Werbung, Isabella und der Weihnachtshund

Ich verbringe im Moment aufgrund meines harnäckigen Hexenschusses, der mich zu relativer Bewegungslosigkeit ins Haus verdammt, viel Zeit am PC und kann an einigen Projekten arbeiten, die im Lauf des Jahres liegengeblieben sind. Sollten meine Texte und Blogeinträge im Moment etwas rührselig, klagend oder gar weinerlich wirken, so entschuldige ich mich an dieser Stelle. Das  bin nicht ich, sondern aus mir spricht das Leid. Das liegt ausschließlich an meinen Rückenschmerzen, die sich weiterhin bei jeder Drehung meines Körpers melden. Erstaunlich, wie schnell ich mich an sie gewöhnt habe und sie inzwischen fast für selbstverständlich nehme. Aber insgesamt gesehen, geht es aufwärts, langsam zwar, nur graduell, aber inzwischen spürbar. Der Schmerz kam abrupt, von einem Augenblick auf den anderen, aber er hat es sich bequem in meiner Hüfte eingerichtet und verlässt diesen warmen Ort nur zögernd und unwillig. Aber die Hoffnung ist da, dass ich zumindest bis Weihnachten wieder einigermaßen hergestellt bin. In der Zwischenzeit jammere ich weiter, schreibe, fresse zuviel Loible und warte.

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Gestern habe ich den Abschlussteil des bellend-tristischen Meisterwerks „Karl-Heinz, der Weihnachtshund“ hier im Blog veröffentlicht und er bleibt nun für die nächsten drei, vier Wochen an dieser Stelle online lesbar, bis ich ihn wieder privat stellen werde.

Ich weiß nicht, was mich ritt, aber ich wollte dem satirischen Weihnachtsmärchen, das ich wirklich mag, einen breiteren Auftritt gönnen und habe es auf  Facebook beworben, wo ich ja eine Künstlerseite betreibe, die noch niemals einer der wenigen Besucher meines Blogs aufgerufen hat oder gar ein „Gefällt mir“ dort zurückließ. Dieser „Spaß“ hat mich verschmerzbare zehn Euro gekostet und der Erfolg war – wie ich eigentlich nicht anders erwartet hatte -, äußerst durchwachsen. In der letzten Woche bekamen etwa 3000 Facebooker in Bayern zwischen 30 und 65+ auf ihrer Seite meine Werbung angezeigt, die die meisten von ihnen selbstverständlich sofort weiterscrollten, ohne einen weiteren Blick zu verschwenden. Unten auf der Statistikabbildung, die einem FB zur Verfügung stellt, kann man, nach Männlein und Weiblein aufgeschlüsselt, sehen, wieviele der von mir Umworbenen das Angebot doch angenommen haben, tatsächlich auf die Anzeige klickten, ihre Facebook-Höhle verließen und dann, zu ihrem fassungslosen Erstaunen von der blendenden Schönheit und Helle meines Blog geblendet, hier landeten. Es waren immerhin ungefähr 2 % von allen, die meine Werbung bekamen, übrigens in der überwältigenden Mehrheit von 87,5 % Frauen, die meisten zwischen 50 und 60 Jahre alt und damit aus meiner Altersstufe. Das bestätigt mich in meiner Meinung, dass Literatur heutzutage nur noch von Frauen und in der Hauptsache von der Babyboomer-Generation konsumiert wird. Die müsste ich also umschmeicheln, wenn ich mit meinen Texten mehr Erfolg haben will(1). Die Männer hingegen verdummen und wählen die AfD … vielleicht sollte ich mal eine Geschichte über einen Fußballhund schreiben, der einen SUV fährt. Von diesen 60 mutigen Frauen (Danke!) haben mir dann fünf übermittelt, dass ihnen mein Karl-Heinz gefallen hätte – es sind übrigens ausschließlich Damen gewesen, die Hunde lieben.

Ich habe zeitgleich auch auf meinem nigelnagelneuen Instagram-Account für den Hund geworben – aber dort findet man offenbar zwar viele „Gefällt mir“-Klicker, doch keine Leser, die sich trauen, die schöne, neue Instagram-Welt zu verlassen und auf meinen Blog zu gehen. Diese Welt der sozialen Netzwerke, auch die hier auf WordPress, bleibt mir weiterhin verschlossen und ich weiß auch nach beinahe 8 Jahren „Aber ein Traum“ nicht, wie ich Menschen finden kann, die sich für meine Literatur interessieren.

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Da es einige gibt, die es ablehnen, meine Texte hier im Blog in kleine Dosen zerhackstückt zu lesen (das kann ich durchaus verstehen), stelle ich hier bis zum „Drei-Königs-Tag“ als Zip-Datei gratis die E-Book-Varianten (azw und epub) des „Weihnachtshundes“ ein, die man sich durch einen Klick auf das Cover unten herunterladen und dann auf dem Lesegerät des Vertrauens genießen oder die 60 spannenden, abenteuerlichen, phantastischen und humorvollen Seiten meiner Weihnachtsmärchen-Satire meinetwegen ausdrucken kann. Ich bin gespannt, ob jemand dieses Angebot annimmt.

Zur kostenlosen E-Book-Ausgabe von
Karl-Heinz, der Weihnachtshund

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Schließlich schreit der gute Weihnachtshund nach einer Fortsetzung. Es sind ja auch noch 2 Wochen bis Weihnachten. Deshalb werde ich in den nächsten Adventstagen auch das atemberaubende Märchen von Isabella, der Krippenkatze folgen lassen, in denen alle liebgewonnenen Hauptfiguren von Karl-Heinz auftauchen und in ein neues, unvorstellbares Abenteuer verwickelt werden. Es kommt sogar ein Drache vor! Diesmal stammt der Text ausschließlich von mir und da ich es wie Bukowski halte, nämlich „Hunde mehr mag als Menschen und Katzen mehr als Hunde“, dreht sich diesmal alles um die geschmeidigen Zimmertiger, die die Welt und im Speziellen die biblische Weihnachtsgeschichte ändern wollen.

Möge auch diese Geschichte mit dem gleichen Ernst gelesen werden, mit dem sie geschrieben wurde.


(1) Allerdings liegt tonnenschwer ein Gewicht auf meinen Büchern: Das Genre „Fantasy“, das die meisten Leserinnen gar nicht oder nur mit Vorsicht berühren wollen. Dabei sind von meinen zehn veröffentlichten Büchern momentan nur zwei diesem Genre zuzuordnen.

So ist das Leben eben …

Tja, lieber Leser, du hast es sicher auch bemerkt. Es ist November … deshalb verzeih mir diesen Text. Im November darf ich das.

Omne animal post coitum triste, behauptet ein Aphorismus aus dem 18. Jahrhundert, der fälschlicherweise Aristoteles untergeschoben wurde. So weit würde ich zwar aus eigener Erfahrung nicht gehen, aber eines stimmt – zumindest bei mir: Nach dem Bücherschreiben ist der Autor traurig. Seit geraumer Zeit ist mein neuer Roman „Nutzlose Menschen“ im Buchhandel erhältlich und ich warte ungeduldig auf eine Reaktion meiner von mir wohl nur eingebildeten Leser – doch es kommt keine. Der Schriftsteller ist einer, der glaubt, es würden alle so aufgeregt wie er selbst auf sein neues Buch warten. Doch er lügt sich in die Tasche, jeden Tag und mit jedem Buch aufs Neue. Auf die „Nutzlosen Menschen“ wartete niemand und ich befüchte, dass ich bislang der einzige bin, der meinen neuen Roman gelesen hat. Auch für meine anderen Bücher interessiert sich gerade niemand.

Jammer, jammer … du weißt schon, der traurige Autor, in seinem Selbstwertgefühl verletzt. Ich wollte eigentlich ganz anders anfangen.

Ich versuche es mal so: Die Zeitumstellung ist vorbei und die Nächte und meine Dämonen haben vor vier Wochen an Sanhaim nicht wie vorher schleichend, sondern mit einem Handstreich den Abend erobert und frühe Schwärze vor der Haustür ausgeschüttet. Mein Brotberuf zwingt mich im Dunkeln aus den Federn und ich kehre erst heim, wenn es wieder dunkel ist. Nicht, dass ich dabei allzu viel Sonnenlicht versäumen würde; denn hier, in unmittelbarer Nähe zur Donau, liegt bei Hochdrucklagen den ganzen Tag ein zäher, grauer Nebel über der Landschaft und er lässt sich nur selten und dann auch nur für wenige Stunden vertreiben. Es ist eben ein typischer November hier, vielleicht ein wenig zu trocken und zu warm, aber ebenso trist und deprimierend, wie er das seit meiner Kindheit in jedem Jahr ist. Und im November sterben die Menschen.

Jammer, jammer … ihr wisst schon, der traurige Autor. Ich wollte wirklich ganz anders anfangen.

Vielleicht so: Es ist leicht, über das Internet zu schimpfen und ich suche auch fast täglich nach den Gründen (außer meiner Ruhmsucht und Selbstverliebtheit), aus denen ich drei- bis viermal in der Woche meine Literatur und meine Gedanken blogge, mich auf Facebook und neuerdings auch auf Instagram herumtreibe. Mein Brotberuf erlaubt mir zwar eine gewisse Freizeit; doch dieser selbstgewählte, aber nach sieben Jahren bloggen ein fröhliches Eigenleben führende Zwang, mich hier auf diesen Seiten bei einer eingebildeten Öffentlichkeit zu prostituieren, nimmt viel zu viel meiner Zeit in Anspruch, die ich lieber mit Frau Klammerle, Freunden oder einem Buch verbringen sollte. Denn meine Prosa lesen, das habe ich in der langen Zeit, in der ich nun meinen Blog schon führe, gelernt, lesen, das macht im Internet niemand (Es gibt eh von Jahr zu Jahr immer weniger Menschen, die das tun. König Literatur ist tot, es lebe Königin Netflix-Serie). Denn eigentlich – da sind wir uns hoffentlich einig, lieber Leser, den ich mir immer noch trotzig beim Schreiben einbilde, ist Literatur (außer kurzer Lyrik) nicht für dieses schnelllebige und nach der nächsten Sensation gierende Medium gemacht. Die modernen Menschen haben die Aufmerksamkeitsspannen von Essigfliegen(1) und ich bin mir sicher, dass auch diese Ausführungen schon viel zu lang sind, um mehr als einen kurzen, überfliegenden Blick von den Besuchern deines Blogs zu bekommen.

Jammer, jammer … ihr wisst schon, der traurige Autor. Ich werde jetzt mal ganz anders anfangen.

Dennoch möchte ich das Internet mit seinen unzähligen Möglichkeiten und meinen eigenen Blog nicht mehr missen, sie haben nicht nur die Gesellschaft, sondern auch meine kleine Welt vollkommen verändert: Meine Begegnung und Auseinandersetzung mit dem Internet war meine ganz persönliche Revolution, meine „Renaissance“. Danach war meine Erde eine Kugel und drehte sich um die Sonne. Ich bin vielen, vielen Menschen begegnet, mit denen ich offline niemals in Kontakt gekommen wäre und die mir – im Guten wie im Schlechten – weiterhalfen. Manche – wenige, aber immerhin – von ihnen darf ich inzwischen als Freunde bezeichnen. Ich schätze, dass gut die Hälfte meiner Leser mich zuerst online entdeckte. Ohne den Blog wiederum würde ich vor mich hin privatisieren, tausend Texte und Geschichten beginnen und nichts zuende bringen. Diese Seite gibt mir Halt und Führung, presst eine Struktur in mein Leben, denn sie zwingt mich an jedem Tag, für meine eingebildeten Leser, die alle wissen wollen, wie es mit meinen Figuren oder mit mir weitergeht, zu schreiben. Meine Romane hätte ich ohne die Ordnung und die Termine, die mein Blog mir auferlegt, niemals fertiggeschrieben. Bin ich deshalb ein „Online-Autor“, was immer das auch bedeutet? Doch wohl nicht, denn alle meine Texte entstehen zuerst auf dem Papier und werden – wenn überhaupt – auch eher in Buchform als als E-Book konsumiert. Aber klar, Sucht spielt hier eine Rolle, die Meinung, man würde etwas versäumen, wenn man auf seiner Terrasse in der Sonne sitzt. Der Griff zum Smartphone und der Kontrollblick, ob jemand etwas erwiderte, den Blog besuchte oder gar dort ein „Gefällt mir“ hinterließ, ist eine kaum kontrollierbare, lästige und schlechte Gewohnheit, die mir manchmal wie das Kratzen an einem juckenden Ausschlag erscheint. Manche haben Heroin, Zigaretten, Alkohol, manche ihren Fernseher, ich habe das Internet … Meine Sucht kann ich mir aber auch schnell wieder abgewöhnen, wenn Vodaphone zickt oder ich gerätelos in den Urlaub fahre.

Das Leben allerdings, da gebe ich dir völlig recht, lieber imaginierter Leser, das ist anderswo – an einem anderen Ort, zu einer anderen Zeit. Nicht hier in Augsburg, nicht im November. (2)

Liebe Grüße, Nikolaus

Dies ist kein informelles Gemälde meines Freundes Norbert Kiening, sondern der eben abfotografierte Himmel über Diedorf.


(1) Sohn Nr. 1, der Biologe, hat vor ein paar Jahren in Oxford an Essigfliegen geforscht. Sie können sich knapp zwanzig Sekunden daran erinnern, dass irgendwo eine Gefahr droht, dann haben sie es wieder alles vergessen und fliegen erneut und unverdrossen in die Gefahr hinein. Zwanzig Sekunden, hm … eigentlich ganz schön lang. Ich muss mein Urteil revidieren. Die Aufmerksamkeitsspanne eines modernen Menschen ist schlechter als die einer Essigfliege. Übrigens: Sohn Nr. 1 ist in der Lage, durch reines Betrachten das Geschlecht einer Essigfliege zu bestimmen. Aber das wirklich nur nebenzu.

(2) Aber zum Glück hat Frau Klammerle wieder Weihnachtsplätzchen und Lebkuchen gebacken und diesmal vielleicht ein wenig übertrieben. Das wird mich retten.

Die Bücher sind da!

Gestern hat der nette Paketbote von der DHL endlich das ersehnte Paket von meiner Druckerei gebracht und ich bin schließlich doch noch in den Besitz meiner beiden bisher erschienen „Brautschau“-Romane mit den von mir selbst gestalteten neuen Coverbildern gelangt. Ich finde, sie sind mir gut gelungen und machen hoffentlich Lust auf den spannenden Inhalt. Vielleicht locken diese Titelbilder ja ein oder zwei neuer Leser an. Vergesst nicht, in nur 35 (in Worten: fünfunddreißig) Tagen ist Weihnachten! Diese Bücher machen sich perfekt unter dem Gabentisch und kann sich während der Tage zwischen den Jahren in ihren Seiten und Geschichten verlieren. Wie angekündigt, wird noch in diesem Jahr der 2. Band der Karukora-Trilogie erscheinen, dessen erstes Kapitel (120 Seiten) ihr hier lesen könnt. Für Lesestoff ist also gesorgt.

Nebenzu: Ich höre immer wieder die bedauernde Ausrede „Das sind zwar tolle Bücher, aber ich lese eigentlich keine Fantasy.“(1) Ich finde es schade und auch ein wenig verbohrt, einfach ein Genre auszuschließen und sich damit einen großen Lesegenuss zu verschließen. Denn einige Werke, die der deutsche Leser überheblich einem Genre zuordnet und damit den Stempel „minderwertig“ verpasst, sind Weltliteratur (z. B. „Gormenghast“ von Mervyn Peake(2)). Marcel Reich-Ranicki hat zum Beispiel grundsätzlich keine Kriminalromane gelesen und wahrscheinlich auch nie einen SF- oder einen Fantasyroman in der Hand gehalten. Wir arm und karg muss die Lektüre des Kritikerpapstes gewesen sein! Es ist wie mit Loriots Möpsen. Ein Leben ohne Genreliteratur ist möglich, aber sinnlos. Keine Angst. Bei mir gibt es keine Elfen oder Orks und auch keine Zauberei und Fantasy habe ich es nur genannt, weil mir kein adäquater anderer Begriff zur Verfügung stand – Sage oder Märchen würde zwar auch passen, führt aber ebenso in die Irre.

Aber genug geplappert. Lest meine Bücher, verflixt!

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(1) Dabei weiß ich genau, das die Hälfte dieser Leute überhaupt nichts lesen!

(2) Kennst du nicht? Das ist wirklich eine Sünde. „Gormenghast“ zählt zu den zehn besten Büchern, die ich in meinem Leben gelesen habe.

Die Verliese des elfenbeinernen Palastes – Was bisher geschah …

Wie ich gestern ausführte, werde ich in den nächsten Wochen intensiv an dem 2. Band meines Fantasy-Epos „Der Weg, der in den Tag führt“ arbeiten, damit ich den Roman bis zum Ende des Jahres abschließen kann. Deshalb gibt es heute schon einmal eine kleine Zusammenfassung des 1. Teiles „Karukora“, der auch am Anfang des Buches zu finden sein wird. Ich denke, das ist ein Dienst am Kunden, vor allem, wenn es vielleicht schon ein Jahr oder länger her ist, dass man den Einstiegband gelesen hat. Nur wenige besitzen das Gedächtnis, sich an die Verwicklungen der Handlung und die Namen der Protagonisten zu erinnern.

Eine aktuelle Daguerrotypie des „Elfenbeinernen Palastes“ aus dem Jahr 5875 im 14. Jahr der glorreichen Regierung des „Unterwerfers“

Was bisher geschah

In den Überlebenden Landen herrscht der heiße Sommer des Jahres 5879 nach der Großen Welle, die die alte Welt der Vorgän­ger zerstörte. Der Stadtstaat Karukora ist auf der Höhe seiner Macht. Das Juwel der Wüste, wie die große Stadt auch ge­nannt wird, befindet sich inmitten unwegsamer Wüs­teneinöden und westlich der Ebenen des Ewigen Krie­ges, wo sich seit Jahrtausenden drei Robo­terarmeen Nacht für Nacht eine erbitterte und doch nie endende Schlacht liefern, die keinen Sieger kennt. Aber Karuko­ra liegt auch am Kreuzungspunkt der wichtigsten Han­delsrouten der Überlebenden Lan­de im Mündungsdelta des vielbefahrenen gewaltigen Stromes Ma­rat ins Süd­meer. Die Stadt wird seit ihrer frühesten urkundlichen Erwähnung im Jahr 3126 von einer Ab­folge von Herr­scherfamilien regiert, deren erste, die so­genannte Bingh-Dynastie, sich direkt von dem legendä­ren Grün­der des Stadtstaats herleitete, dessen Name im Dunkel der Zeit verlorengegangen ist. An der Spitze des Staa­tes steht deshalb seit vielen Jahrhunderten der sogenannte Namenlose Herrscher, der, von seinem Diwan und sei­nem Vezir-Bey beraten, vom Falken­thron des Elfenbein-Pa­lasts aus die Geschicke der Stadt und der umliegen­den Wüsten- und Oasenland­schaften bis hinauf zum Helmgebirge und den Gro­ßen Wall lenkt. Dort grenzt das Herrschaftsgebiet der Namenlosen an das Königreich der Lamargue, mit der Karukora jahrhundertelang in Grenzstreitigkeiten und kriegerische Auseinanderset­zungen verwickelt war und sich heutzutage in einem prekären und brüchigen Waffenstillstand befindet.

Der augenblickliche Herrscher, der sich auch der „Unterwerfer“ nennen lässt, entstammt der relativ jungen Bişra-Dynastie. Sein machtgieriger und intriganter Vezir Ómer Sud, mit dessen hochschwangerer Tochter Eóra der Namenlose ver­mählt ist, plant dessen Sturz, um sich selbst zum Re­genten zu machen und seine eigene Sud-Dynastie zu begründen. Ómer hat sich für seinen Putsch mit dem mächtigen General Paşha Ultem verschworen und will auf einem Gastmahl zuschlagen, das er für Regno Raul IV., den Fürsten der Lamargue, ausrichtet. Dieser be­findet sich gerade von seiner Entourage und seinem Geheimdienstchef Idrichson Galves, der die „Schwalbe von Avríl“ genannt wird, zu diplomatischen Beratungen und Handelsgesprächen in Karukora. Auch die oberen Zehntausend Karukoras und Miladí da Hiver, die rät­selhafte Botschafterin des technologisch fortschrittli­chen 5-Städte-Bundes weit im Osten der Überlebenden Lande, sind zu dem Fest eingeladen, das Ómer mit gro­ßem Aufwand geplant hat, um seine Gäste mit der Überlegenheit der Karukorer Kultur zu beeindrucken. Er erhofft sich gleichzeitig ihre Unterstützung bei sei­nem Handstreich, der ihn an die Macht befördern soll. Doch sein Festmahl, dessen Höhepunkt ein Vortrag des berühmten alten Märchenerzählers Alis Dabinghi sein soll, ruft noch andere Verschwörer auf den Plan, von denen Ómer nichts ahnt.

Druşba es Sakr, die geheimnisvolle Anführerin der legendären Karukorer Assassinengilde „Kalte Hand“, plant an diesem Abend ein bezahltes Attentat auf den hühnenhaften Regno, den man auch als den „Bären von Jasir“ bezeichnet. Der Auftraggeber für diese Mordtat bleibt zwar noch im Verborgenen, aber Meister Adelf von Süderbal, der Botschafter des Mönchsstaats Italmar in Karukora, erfährt durch einen Zufall von dem Komplott. Doch bevor er den Regno oder jemanden anderen warnen kann, wird er von der „Kalten Hand“ aus dem Weg geräumt. Allerdings kann er eine Botschaft hinterlassen, die der Mönchsadept Sahar findet, der sich eigentlich in Karukora aufhält, um nach dem abtrünnigen Meister Siebenhardt zu suchen, der von Italmar wegen Ketzerei gesucht wird. Sahar überredet die skeptischen Raul und Galves, dass auch er als ein weiterer Märchenerzähler verkleidet an dem Fest teilnehmen kann, um die Assassinen auf frischer Tat entlarven und ihren Anschlag vereiteln zu können.

Auch der alte Alis Dabinghi hat eigene Pläne für das Fest. Er lebt mit seinem Enkel Selin, dessen Mutter bei seiner Geburt starb, und mit seiner älteren Tochter Sirtis in ärmlichsten Verhältnissen in den Slums von Karukora, denen er entfliehen möchte. Er will den Abend des Fests dazu nutzen, um mit der Hilfe eines Dieners von Ómer, seinem stummen, alten Freund Muhar, einen wertvollen Schatz aus dem Elfenbein-Palast zu stehlen. Diesen Raub soll für ihn der junge und geschickte Selin durchführen, während Alis selbst auf der Bühne steht und eines seiner Märchen vorträgt. Das Objekt seiner Begierde ist der „Weg, der in den Tag führt“. Dabei handelt es sich der Sage nach um eine Karte oder eine Wegbeschreibung, die eine Möglichkeit aufzeigt, wie man unbeschadet die Ebenen des Ewigen Krieges durchqueren kann, um zu der legendären Stadt des Friedens und des Glücks Pardais zu gelangen, die inmitten des Schlachtfelds liegt. Soweit Alis, der ein direkter Nachfahre der Bingh-Dynastie ist, aus den Familienüberlieferungen weiß, ist „Der Weg, der in den Tag führt“ in einem Geheimfach im Falkenthron direkt im Thronsaal des Elfenbein-Palasts verborgen. Da Selin zwar seinem Großvater gehorsam, aber kein Dieb ist, macht Alis einen Vertrag mit der Diebeszunft von Karukora, ihn bei einem Raub zu unterstützen. Diese schmuggelt zwei ihrer Mitglieder auf das Fest, die Selin unterstützen sollen: Das sind Jalah, die Dienerin von Semira Binsa, die mit ihren reichen Eltern ebenfalls an dem Fest teilnimmt und Selins heimliche Geliebte ist, und der geheimnisumwitterte Meisterdieb Ludo sorriento, der sich als der Kaufmann Juel aus dem 5-Städte-Bund ausgibt und niemand anderer als der von Sahar gesuchte ehemalige Meister Siebenhardt ist.
Schließlich beginnt Ómers Gastmahl und während sich Sahar und Alis vor den hohen Gästen ein Duell liefern, wer von ihnen der beste Märchenerzähler ist, machen sich Selin und Juel heimlich in Richtung Thronsaal auf, um den „Weg, der in den Tag führt“ zu rauben. Auch Jalah schleicht sich davon. Sie wird von der neugierigen und aufmerksam gewordenen Semira verfolgt, die sich fragt, was ihr Freund und ihre Dienerin vorhaben.

Der traditionelle Satz, mit dem ein Märchenerzähler zum Schluss seines Vortrags kommt, lautet: „Aber das ist eine weitere Geschichte nach der Geschichte und ich will sie euch an einem anderen Tag erzählen.“ Ómer hat mit Paşha Ultem verabredet, dass diese Worte, wenn sie Alis ausspricht, das Signal sein sollen, ihre Palastrevolte gegen den Namenlosen zu starten. Doch auch der ehrgeizige General hat seine eigenen Pläne. Er hat den Vezir gemeinsam mit dem Seneschall Radik Emre an den „Unterwerfer“ und an die Elitesoldaten des Namenlosen, die „Treuwacht“, verraten und vereitelt mit seiner Truppe Wüstenkriegern den Putsch. Ómer wird sofort verhaftet und ins Verlies des Palasts gebracht. Das Gastmahl könnte nun weiter-gehen. Doch in diesem Augenblick stürzt der Regno Raul von seinem Stuhl. Er wurde von den Assassinen der Kalten Hand vergiftet.

Ein paar Stunden vor diesen Ereignissen, kurz vor Sonnenuntergang, nähert sich ein Eselsgespann, das von einer dicken Frau auf dem Kutschbock gelenkt wird, der großen Alhaşra-Karawanserei vor den Toren von Karukora …

Ab morgen werde ich als Leseprobe und zum Reinschmecken das über 100 Seiten lange, längst überarbeitete und fertige 1. Kapitel des Romans in Fortsetzungshäppchen veröffentlichen. Dessen Inhalt, eine Geschichte, die am Großen Feuer der Karawanserei erzählt wird, kann auch gut ohne Kenntnisse des ersten Teils gelesen werden. Obwohl ich schon lange nicht mehr daran glauben mag: Vielleicht findet sich ja unter meinen ach so schweigsamen Followern und Blogbegleitern ein Leser, der mich auf dieser Reise begleiten und den einen oder anderen Kommentar abgeben möchte.

 

Kampf um Karukora – ein Werkstattbericht

Bis Ende Dezember, also pünktlich zum Weihnachtsgeschäft und den Tagen zwischen den Jahren, in denen die meisten Literaturbegeisterten viel Zeit zum Lesen haben, wollte ich eigentlich meinen Roman „Die Verliese des elfenbeinernen Palastes“ fertigstellen, der der zweite Band der „Der Weg, der in den Tag führt“-Trilogie werden soll.

Nun zeigt sich aber immer deutlicher, dass dies ein sehr sportlicher Termin ist, den ich mir da leichtsinnigerweise in den Kalender geschrieben habe. In den letzten Wochen und Monaten habe ich immer wieder erheblich in die Struktur des Buchs eingreifen müssen, weil ich beim endgültigen Überarbeiten des Buchs feststellen musste, dass das Fundament, auf dem die Handlung ruht, insgesamt mehr Breite, Stabilität und Tiefe benötigt. Glaubt einem alten Hasen:

Nichts ist schwieriger für einen Autor, als am Mittelteil einer Trilogie zu schreiben.

Der zweite Band ist wie eine Waage, auf deren Schalen der 400 Seiten lange und damit recht gewichtige, im letzten Jahr erschienene, 1. Band „Karukora“ und der noch zu schreibende Abschlussband „Der Schatten über Paradis“ liegen. Der Mittelteil ist das Zünglein an dieser Waage. Diese ausgleichende Mitte muss den Leser des 1. Teils abholen und seine Erwartungen erfüllen, ihn mit einer spannenden Handlung an der Hand nehmen und ohne größere Umwege vor die Tore des 3. Teils transportieren. Dabei sollte der Plot sinnvoll fortgesetzt und ausgebaut werden, mann muss Dinge erklären und Geheimnisse aufdecken, die bisher noch im Dunkeln verborgen lagen, und den Figuren, die ja noch einen fetten, aktionreichen Schlussroman tragen sollen, mehr Tiefe verleihen. Insgesamt musste ich als Autor mehr Farben und vor allem Zwischentöne auf meine ohnehin schon sehr bunten Palette haben. Das Universum, in dem die Geschichte spielt, muss sich sinnvoll und auch logisch erweitern, neugierig auf mehr machen. Das alles darf aber auch nicht ausarten, wie es z. B. George R. R. Martin(1) oder Patrick Rothfuss(2) geschehen ist, die wohl nie mehr aus dem Labyrinth des Mittelteils ihrer Geschichten herausfinden werden und lieber kleine Nebennovellen oder Prequels schreiben, als ein Ende zu finden. Diese Versuchung kenne ich gut. Ein Autor hat unverschämtes Glück, wenn er Leser findet, die ihm dabei über viele Jahre die Stange halten. Es ist wie mit dem Rauchen: Das Anfangen ist leicht, das Aufhören schwer. Das liegt auch daran, dass viele Autoren – ich nehme mich da nicht aus – zu Beginn gar keinen oder nur einen oberflächlichen Handlungsentwurf haben und während des Schreibens am ersten Teil von ihren eigenen Einfällen wie ein Ast von einem strudelnden und reißenden Bergbach mitgerissen werden und es ihnen im Anschluss kaum mehr gelingt, in ruhigeres Fahrwasser zu gelangen und zu einem befriedigenden oder auch nur logischen Abschluss zu kommen. Oder glaubt hier jemand, J. K. Rowling hätte das heillose Durcheinander der letzten Potter-Bände am Anfang geplant? Wahrscheinlich hätte sie die Serie nie zuende gebracht, wenn ihr kein Verlag im Nacken gesessen wäre.(3)

»Der Weg, der in den Tag führt«

Gleichzeitig muss im Mittelteil noch viel Luft nach oben bleiben, denn der Höhepunkt ist eindeutig der Schlussband, in dem man „aus allen Rohren feuern“ muss. Für mich hieß dies, dass ich etwa 100 Seiten(4) von „Der Schatten über Paradis“ vom Anfang des Buchs in den 3. Teil verschieben musste, wo sie nun den Prolog bilden. Andere Textteile wurden hin- und hergeschoben, eine große Rückschau als neuen Prolog eingefügt und etliche Handlungslücken, die mir erst beim Überarbeiten auffielen, ergänzt. Einige wichtige Handlungsträger wie z. B. der „Namenlose“, seine Frau Eóra, der Senneschal Radik Emre oder General Ultem, die im ersten Teil noch sehr kursiv eingeführt wurden, benötigten danach eine ausführlichere Beschreibung ihres Charakters und ihrer Beweggründe. Die Bösen müssen ausgefeilter und Vielschichtiger sein als die Helden. Den Schluss des Romans musste ich vollkommen neu schreiben, um den 3. Teil vorzubereiten und auf einen noch gemeineren „Cliffhanger“ als am Ende von „Karukora“ zusteuern. Das ist alles viel Arbeit, doch noch habe ich die Hoffnung, sie in den nächsten beiden Monaten abschließen zu können – auch wenn „Die Verliese des elfenbeinernen Palastes“ vielleicht erst Anfang 2020 in den Buchläden auftauchen werden. Nun, ich denke, meine Leser werden sich noch gedulden und vielleicht in der Zwischenzeit noch einmal den 1. Band lesen, damit sie wieder in der Handlung sind.

Deshalb ruhte in diesem Jahr auch meine Arbeit an meinem persönlichen Lieblingsbuch „Dr. Geltsamers erinnerte Memorien“, deren zwei Abschlussbände ich mir endlich im nächsten Jahr vornehmen und zu einem hoffentlich befriedigenden Ende führen werde.

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(1) Wir hätten das Ende seiner „Game-of-Thrones“-Sage nie erfahren, wenn ihm nicht ein riesiger Konzern in Nacken gesessen hätte, der ihn zwang, die Handlung der nach seinen Romanen gestalteten Fernsehserie zu einem – übrigens äußerst schlampigen, fahrigen und auch unausgegorenen – Ende zu bringen. Ich glaube auch nicht, dass Martin die Serie in Buchform beendet. Wie man hört, schreibt er inzwischen an einem Prequel, das tausend Jahre vorher spielt. Viel Erfolg beim Mittelteil!

(2) Patrick Rothfuss – „Die Königsmörder-Chroniken“. Das kennst du nicht? Das ist wirklich eine Bildungslücke, auch für Leute, die eigentlich keine Fantasy-Romane lesen und mögen. „Der Name des Windes“ und „Die Furcht des Weisen“ sind die beste Fantasy nach „Ghormengast“ von Marvin Peake (oder meinetwegen auch J. R. R. Tolkien, den ich allerdings für vollkommen überschätzt, rassistisch, misogyn und insgesamt britisch-langweilig halte). Der abschließende Band der Trilogie namens „The doors of stone“ ist seit über einem Jahrzehnt angekündigt, aber wird wohl nie mehr erscheinen. Lieber schreibt Herr Rothfuss Novellen zu einen Hauptfiguren.

(3) Von Douglas Adams wird kolportiert, dass sein Verleger bei ihm vor der Haustür kampierte, damit er endlich die „Anhalter“-Romane vollendete.

(4) Jeder Roman der Trilogie soll etwa 400 Seiten, resp. um die 100.000 Wörter, lang werden.  Im Moment existieren etwa 850 Seiten von der „Der Weg, der in den Tag führt“-Trilogie. Von der Anschluss-Trilogie „Brautschau“ gibt es noch einmal so viele Seiten. Jemand wie Tad Williams mag darüber lachen, für mich ist das ganz schön viel Holz.

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