Aber ein Traum …

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Diese Sommerlektüren (8) – Faulkner

Das Leben ist an Gut und Böse nicht interessiert…
Das moralische Gewissen des Menschen ist der Fluch,
den er von den Göttern anzunehmen hatte,
damit er von ihnen das Recht bekam, zu träumen.
William Faulkner

Dieser Sommer ist anders.

Er ist alt, ein Anachronismus. Er ist ein Sommer aus dem letzten Jahrhundert. Einer, den ich in „Stromausfall“ beschrieben habe; einer, wie er streng und unnachgiebig in meiner Erinnerung regelmäßig die Augustferien während meiner Schuljahre dominierte: Schwül, drückend, gewitterreich, dann grau, regnerisch und rasch abkühlend in der Nacht. Ein August, der morgens schon nach Oktober schmeckt. In dem bereits Nebel in der Frühe über den Feldern dampft, der sich dann nur zögernd und unwillig wie ein schlecht erzogener Hund vor der stechenden Sonne  in die Wälder flüchtet.

Selbst wenn der Morgen wolkenlos und frisch aus der Nacht tritt und der Tag heiß und trocken wird, sich eitel vom Regen der Nacht sauber gewaschen mit Tautropfen wie mit einer Perlenkette schmückt: Spätestens zur Mittagsstunde quellen wieder hitzige Wolken in den Himmel, erobert wie eine sich rasch ausbreitende Seuche tintenfarbenes Schiefergrau das Blau. Vom Luftdruck verblödete Schmeißfliegen taumeln ziellos und lästig brummend herum. Bremsen und kleine Mücken stürzen wie Kamikazeflieger auf ihre Beute. Träge, endlose Nachmittage, voller unbestimmter Erwartung und nie erfüllbarer Sehnsucht. In ihnen fällt sogar das Nichtstun schwer und jede Bewegung erzeugt Schweißtropfen auf der Stirn.

Dann, am Ende dieser blauen Stunden, folgt ein atemloser Moment der Bewegungslosigkeit, in dem nur die Grillen und von Ferne der ICE zu hören sind. Kein Blatt bewegt sich am Baum, die Natur lauscht und wartet. Bald bläst ein Unwetter den toten Nachmittag davon und der Abend ist so nass und feucht, dass sich das Papier meiner Lektüre wellt, das Hemd juckend auf dem Leib klebt und die Atmosphäre am Weinglas kondensiert.

Nein, der Coronasommer ist hier südlich der Donau kein Sommer des 21. Jahrhunderts. Die großen Ferienthemen wie Kornkreise, Sommerbaustellen und Schnapsideen aus politischer Sommerfrische tauchen in diesem Jahr nur am Rande auf. Kalte und heiße Kriege werden zwar weiterhin erbittert geführt, Ideologien und Religionen stoßen unversöhnlich aufeinander, Machtphantasien oder schlichtweg Irrsinn fordern täglich ungezählte unschuldige Opfer. Die Deutschen sind im Heimaturlaub und stehen im Stau. Wenn ich nicht schon längst den Glauben an die menschliche Vernunft oder an einen Gott verloren hätte, ich würde verzweifeln und ein Ende suchen. Aber so, im Zynismus und im Auge des Sturms, lebt es sich in diesem Sommer gar nicht schlecht. Man kann ja auch unter dem Vordach grillen. Ennui.

Und nun zur Sommerlektüre

Das Licht und die Stimmung dieses Sommers: Genau so muss es in den südlichen Staaten am Mississippi sein und das nicht nur eine Fegefeuer-Saison lang von ein paar Wochen, sondern eine lange Höllenewigkeit. Man denke nur an Elisabeth Taylor, die es sich in einem engen schwarzen Kleid als Katze auf dem heißen Blechdach gemütlich macht, an die frühen Romane von Truman Capote („Die Grasharfe“ und „Andere Stimmen, andere Räume„), an Rhett Butler, Onkel Tom (ja, ja, ich weiß. Die Sommerthemen) und an die Hitze der Nacht. Baumwollplantagen, große Villen mit Säulengängen, gewaltige Eichen. Dampfiges, regenreiches, subtropisches Klima, Sklavenhalter, Louisiana. Ein Schwarzer Diener in Livree reicht Highballs, die mit schwarz gebranntem Whiskey gemixt wurden. An den Gläsern kondensiert die hohe Luftfeuchtigkeit, blaue Stunden. Ennui.

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Niemand hat diese Welt besser und zugleich komplexer in seinen Büchern bewahrt wie der Nobelpreisträger Willam Faulkner (1897 – 1962), der bei all seinen teilweise kindischen Modernismen[1] ein genialer Erzähler war und nicht zuletzt auch ein kleiner Balzac. Seine vielen Novellen, Kurzgeschichten und die etwa 20 Romane aus der von ihm erfundenen, vom Mississippi durchflossenen Provinz Yoknapatawpha (kein Scherz!) mit ihrer Hauptstadt Jefferson sind eine Art Chronik seiner Zeit mit einem festen Figurenpersonal, die sich im großen und ganzen um die Familien Satoris und Snopes dreht.

Das Gesamtwerk – auch hier ähnelt Faulkner Balzac – ist auf Deutsch nur antiquarisch erhältlich, wichtige Werke wie die Snopes-Trilogie sind nicht in aktuellen Ausgaben erhältlich. Es gibt eine alte Taschenbuchedition von Diogenes, von der allerdings nur ein Teil im Buchhandel erwerbbar ist. Faulkner zu übersetzen ist übrigens immer eine Großtat und erzeugt Rauschen in den Blättern der Feuilletons. Kürzlich  ist bei Rowohlt eine aktuelle Übersetzung von Schall und Wahn erschienen, dem Hauptwerk des Südstaatenromanciers – für Faulkner-Beginner ist das Werk allerdings nahezu unlesbar; egal, in welcher Ausgabe. Auch der wundervolle Roman Licht im August wurde neu übersetzt.

Empfohlen seien für Einsteiger, die sich nicht schwindlig lesen und das Buch wutentbrannt in die Ecke feuern wollen, die Erzählungen und unter diesen die Kriminalgeschichten, für die Faulkner ein Faible hatte. Ich will behaupten, dass „Eine Rose für Emily“ die beste Krimi-Kurzgeschichte ist, die ich je gelesen habe. Wer es nicht ganz so kurzatmig haben will, dem sei in diesem Südstaatensommer der für Faulknerverhältnisse leicht und flüssig lesbare Roman „Griff in den Staub“ empfohlen, in dem dieser mit der Hand des Meisters geradezu lässig eine Stimmung aufbaut, vor der man nur bewundernd in die Knie sinken kann. Es ist eine Detektivgeschichte, die sich zu einem ganz großen Drama entwickelt.

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[1] Im Satz wechselnde Erzähler, Hauptfiguren mit gleichem Vornamen, Stream-of-consciousness, fröhliche Zeitsprünge und andere, ungezählte Manierismen. Faulkner ist Meister im Leserverärgern.

Diese Sommerlektüren (7) – Berg und See

„Hier werden wir bleiben,
was auch geschieht.
Und auf die Stimmen des alten Meeres hören.“
Norman Lewis

Es gibt eine Diskussion, die führen Frau Klammerle und ich in jedem Jahr. Wenn im Frühling die Entscheidung ansteht, wohin es uns in unserem gemeinsamen Urlaub ziehen wird, stehen grundsätzlich zwei Himmelsrichtungen zur Auswahl: Der Norden oder der Süden. Meine Frau will ans Meer. Sie will ein Cottage in Irland, im Watt wandern, finnische Fjorde, Radfahren auf Rügen, die salzige Nordsee der windgepeitschten Bretagne im Gesicht spüren. Mich hingegen zieht es in die Wärme. Ich möchte Renaissance in der Toskana, Alpenglühen am Rosengarten, Antiken in Griechenland, die Abgeschiedenheit einer Berghütte, das Zirpen der Grillen nach einem hitzeschweren Sommertag. Vor allem aber möchte ich nicht tagelang im Auto sitzen, um abgekämpft meinen Urlaubsort zu erreichen. Dieses Argument sticht in der Regel. Schließlich liegt Augsburg schon recht südlich an der alten Via Claudia und ich bin fast schneller in Rom als in Hamburg. In Italien ist zudem das Essen besser; dort würde niemand auf die Idee kommen, „Labskaus“ zu servieren. Warum sollte ich zu den Mücken und dem Regen des Vänersees fahren, wenn ich mich mit einem Vino Rosso in der Hand im abendlich warmen Licht des Lago Maggiore stechen lassen kann? Billiger ist es auch.

Obwohl also meist die Vernunft (also ich) siegt, bleibt doch eine Sehnsucht, die ich mit Frau Klammerle teile, wenn ich ehrlich bin. Wer die „Binderseil-Erzählung“ meines Romans „Aber ein Traum“ liest, kann dort diese Faszination wiederfinden. Der erste ernsthafte Romanversuch, den ich im Alter von zarten 14 Jahren schrieb und freilich nie beendet habe, begann mit folgenden Worten (Achtung, jetzt kommt eine Jugendsünde!):

„Das Meer ruht niemals. In ewiger Bewegung kräuselt es schaumige Wellen empor und strömt dahin. Wie Könige erheben sich hohe Wellen. Ihre Spitzen tragen Kronen von blendendem Weiß, ihr Umhang ist durchsichtig grün. Sie schwimmen und ergießen sich sterbend in die Gischt des Ufers.“

Und so geht es noch ein paar Absätze weiter. Ich wusste eben den Anfang auswendig, obwohl ich den Text seit Jahren nicht mehr aus meiner Giftschublade holte. Es muss die Sehnsucht des Landbewohners sein, eine Ur-Erinnerung, eine Suche nach dem Mutterschoß des Meeres. Und ich meine hier nicht die müde, alte Badewanne Mittelmeer, die zumindest auf ihrer europäischen Seite (1) ein gezähmtes, zahnloses und verschmutztes Raubtier ist, sondern die Endlosigkeit des Großen Ozeans, den Atlantik, den Pazifik, die Schicksale, die sich an oder auf ihnen begeben …

Wie gut, dass da Schriftsteller sind, die vom Meer schreiben und die Sehnsüchte befriedigen können. Ihre Zahl ist Legion und ihr Heerführer ist Herman Melville.

Ich habe mich wieder einmal durchgesetzt und verbrachte die letzte Woche gemeinsam mit Frau Klammerle bei extrem hitzigen Wetter im Berchtesgadener Land. Vielleicht sollten wir noch weiter in den Süden fahren. Im Gepäck hatte ich auf jeden Fall den einen Roman von Josef Conrad (1857 – 1924), den ich noch nicht las, weil er außer in teuren Gesamtausgaben auch antiquarisch kaum erhältlich ist. Es ist sein letzter Roman „Der goldene Pfeil“, der nicht mehr ganz die Wucht seiner früheren See-Stücke erreicht, sondern wie „Mit den Augen des Westens“ mehr ein von Galsworthy beeinflusstes Gesellschaftsdrama ist. Conrad ist längst gemeinfrei und man kann einige seiner Werke bei den üblichen Verdächtigen als kostenlose E-Book-Ausgaben auf seinen Reader laden. Neben „Lord Jim“ ist „Herz der Finsternis“ sein bekanntestes Werk und es ist schlicht die beste Erzählung, die ich je gelesen habe. Conrad wurde übrigens in Polen geboren und erlernte die englische Sprache erst im Erwachsenenalter, die er dann allerdings so perfekt beherrschte, dass er als der sprachlich beste Romancier Britanniens gilt. Wer eine Ahnung davon haben möchte, sollte als Strandlektüre „Die Schattenlinie“ lesen, ein kleiner Roman, von dem Jakob Wassermann geschrieben hat, die Erzählung sei „so markant und unverwechselbar, daß man ihre Luft noch atmet, in ihrem Rhythmus noch schwingt, auch wenn ihr Inhalt, Fabel und Szene längst in der Erinnerung verblaßt sind.“ Vielleicht ist das das größte Kompliment, das man einem Autor machen kann. Ich wünschte mir, dass dies irgendwann einmal jemand über einen Text von mir sagen wird.

Die zweite Empfehlung ist Norman Lewis (1908 – 2003). Obwohl er ein geradezu magischer Geschichtenerzähler war und viele spannende Romane und Reiseberichte geschrieben hat, ist er in Deutschland nahezu unbekannt und kaum übersetzt. Wer das Glück hat, die Insel-Taschenbuchausgabe von „Die Stimmen des alten Meeres“ mit einem Vorwort von Cees Nooteboom antiquarisch zu ergattern, sollte diesen frühen „tourismuskritischen“ Roman unbedingt in diesem Sommer lesen. Er ist teilweise autobiografisch und erzählt aus der Sicht eines Fremden, wie die Moderne innerhalb von 3 Jahren die archaische Gemeinschaft eines spanischen Fischerdorfs zerstört, wie der bereits in den 50er-Jahren aufkommende Massentourismus bewirkt, dass über Jahrhunderte gewachsene Strukturen aufbrechen, uralte Traditionen vergessen werden, die Umwelt und die Lebensgrundlagen der Menschen vergiftet werden. Und es ist ein wundervolles Buch über das Meer und seine Anwohner.

Im paradoxen Gegensatz zu der ozeanischen Literatur, die sich wie ein Berg auftürmt, ist die alpine flach wie der Meeresspiegel. Es gibt kaum nennenswerte Bergliteratur. Woran mag das liegen? Dass viele Schriftsteller lieber am Sandstrand im Schatten einer Palme schreiben, wenn sie die Alkoholmengen des Vortages verdaut haben (Hemingway) und nicht im Frühtau zu Berge ziehen, fallera? Dort dann eher „Der alte Mann und das Meer“ als „Der alte Mann und der Berg“ entstehen? Dass Bergliteratur immer ein „Geschmäckle“ hat, wie die Schwaben es nennen, man sofort an Ludwig Ganghofer, Heidi, Luis Trenker, den Förster vom Silberwald, unsägliche nationalsozialistische Blut-und-Boden-Schinken, den Obersalzberg, Andy Borg und die Kastelruther Spatzen denken muss? Warum regt die atemberaubende Enge und Tiefe der Schluchten, das todweiße, kristallklare Eis des Gipfels, die menschenverachtende Majestät der Höhen nicht mehr und vor allem bessere Autoren an, ihnen ein Lied zu singen? Ich weiß es nicht. Gelungene Bücher gibt es selbstverständlich auch, zum Beispiel Jon Krakauers „In eisige Höhen“, das den Irrsinn des boomenden Mount-Everest-Tourismus beschreibt, der in schöner Regelmäßigkeit Katastrophen und Dramen produziert, die eines Shakespeare würdig wären. Die modernen Menschen spielen leichtfertig mit der Tragödie, weil sie nicht an sie glauben …

Also, liebe Schriftstellerkollegen, hier ist noch viel Stoff zu finden. Die Berge sind ein Steinbruch an Ideen, ein unbekanntes Land voller weißer Flecken, die auf ihren Erforscher warten. Oder um es mit Franzl Lang zu sagen:

„Wenn wir erklimmen schwindelnde Höhen,
steigen dem Gipfelkreuz zu,
in unsern Herzen brennt eine Sehnsucht,
die lässt uns nimmermehr in Ruh.“

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(1) Lawrence Durrell (1912 – 1990) spricht in seiner „Alexandria“-Romantetralogie von der richtigen und der falschen Küste des Mittelmeers. Betrachtet man das Schicksal der afrikanischen Flüchtlinge, von denen viele ihren Versuch, von der einen zur anderen Seite zu wechseln, mit dem Leben bezahlen, ist diese Einteilung noch heute aktuell. Durrells Griechenland- und Italien-Reisebücher aus den 40er- und 50er-Jahren (z. B. „Leuchtende Orangen“ oder „Bittere Limonen“) sind noch immer Standardwerke, die man im Reisegepäck haben sollte, wenn man nach Rhodos oder Zypern fährt.

Aber da gab es noch einen Traum – Postkarte ZWEI

All that we see or seem
is but a dream within a dream.
E. A. Poe

Liebe unbekannte Leserin, lieber unbekannter Leser und alle anderen dazwischen und daneben und was es sonst noch so gibt, (ab jetzt der Einfachheit halber „Lieber Leser“ genannt),

das Schreiben ist eine Form des Lesens; man liest sich selbst. Da ist immer eine Stimme, die mir den Text ins Ohr flüstert, während ich hektisch und manchmal vergeblich versuche, mitzuschreiben. (1) Oft jedoch erzählt dieser innere Vorleser mir seine Geschichte, während ich keinen Stift in der Hand halte. Vielleicht ist das der Grund, aus dem viele Autoren (auch ich selbst) Schwierigkeiten haben, ihre Romane und Romanserien zu Ende zu bringen. Sie kennen den Plot schon und langweilen sich, wenn sie ihn auch noch für andere niederschreiben müssen. Für sie ist die Geschichte längst abgeschlossen, sie haben sie bereits gelesen und in ihrem Bücherschrank einsortiert. Sie wenden sich lieber Neuem zu.

Ein Text von mir, der 2013 zur Gründung dieses Blogs führte, heißt „Aber ein Traum“. Der Titel nimmt Bezug auf die oben zitierte Gedichtzeile von Poe, die ich zugegebenermaßen sehr eigenwillig übersetzt habe. In den Katakomben des Blogarchivs finden sich viele hundert Seiten des Romans. Viele der Ideen aus dem, von meiner inneren Stimme schon längst zuende erzählten aber nie zuende geschriebenen, Buch landeten später bei meiner „Geltsamer“-Trilogie. Obwohl „Aber ein Traum“ im Gegensatz zum „Geltsamer“ gehobene Literatur ist und über weite Strecken recht retardierend (um nicht zu sagen, langweilig), hat der Roman wirklich besseres verdient, als hier in den Kellern meines kaum gelesenen Blogs zu verschimmeln. Vor allem ist zwischen die Zeilen sehr viel von meinem Herzblut getropft und manche Passagen darin gehören zu dem Besten, das ich je geschrieben habe. Es ist an der Zeit, „Aber ein Traum“ einem größeren Publikum vorzustellen und es selbst urteilen zu lassen.

Ich habe deshalb in der letzten Woche begonnen, den vorhandenen Text vorsichtig umzugestalten und umzustellen. Ich will das Romanfragment, das momentan ungefähr 400 Seiten lang ist (das ist etwa die Hälfte des ganzen Buchs) so organisieren, dass ich aus ihm eine Trilogie machen kann. Ich habe vor, den 1. Teil, der „Das Geheimnis der Eulenvilla“ heißen soll, noch in diesem Jahr im Eigenverlag zu veröffentlichen. Ich habe in der letzten Woche bereits am Cover gebastelt. Dies ist mein erster Entwurf, mit dem ich schon recht zufrieden bin:

Wie gefällt es dir, mein lieber Leser? Was glaubst du, erwartet dich, wenn du den Roman aufschlägst? Wohin wird er dich geleiten? Und, die wichtigste Frage: Willst du mit mir diesen Weg gehen?

Grüße von deinem Nikolaus.

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(1) Habe ich hier eigentlich schon einmal eingestanden, dass ich vor 25 Jahren die Deutsche Einheitskurzschrift (Stenografie) erlernt und tatsächlich eine deutschlandweit gültige Lehrbefugnis für dieses Fach erworben und in der Schublade verstauben lasse – ein Fach, das ich gottseidank niemals unterrichten musste? Als ich erkannte, dass das Schreiben eine brotlose Kunst ist, habe ich alles Mögliche und auch Unmögliche aus der Furcht heraus unternommen, dass meine Familie und ich bald verhungern werden, wenn ich nicht für ein geregeltes Einkommen sorge. Ich habe z. B. auch jahrelang als Briefzusteller bei der Bundespost gejobbt, Fliesen verlegt und Computerkurse gegeben.

Irgendwann einmal werde ich ausgestopft mit einem Notizblock und einem Stenobleistift ausgerüstet im Ichenhausener Schulmuseum stehen und unter mir wird ein Schild angebracht sein, auf dem „Der letzte Stenolehrer (20. Jhd.)“ steht. Das Erlernen der Kurzschrift ist in etwa so schwer wie das Erlernen einer Fremdsprache. Es benötigt ständige Übung und Pauken. Das sind Dinge, die mir nicht so liegen. Als Schüler hatte ich Stenografie und das Zehn-Finger-Tastschreiben 3 lange Jahre als Unterrichtsfach. Da man darin nicht durchfallen konnte, ignorierte ich es vollkommen und las währenddessen unter der Bank Perry-Rhodan-Hefte. Ich konnte nach den 3 Jahren nicht einmal meinen Namen in Kurzschrift kritzeln und tippte weiterhin im 2-Finger-Adlersuchsystem (einkreisen und zuschlagen!). Heute schreibe ich längst mit allen zehn Fingern und schaffe 300 Anschläge/min. Um hier mal mein Lieblingszitat von Goethe aus dem Torquato Tasso anzubringen:

„So zwingt das Leben uns, zu scheinen, ja, zu sein,
wie jene, die wir blind und kühn verachten konnten.“

Flink in Steno schreiben ist nicht so schwer, wenn man mal die höheren Weihen, also Schnell- und Eilschrift, beherrscht. Aber eine Herausforderung ist es allerdings, das Aufnotierte anschließend wieder entziffern zu können. Da verliert man mehr Zeit als man vorher gewonnen hat. Heutzutage, im Zeitalter der Diktiersysteme und der modernen Textverarbeitung, ist diese Kunst zudem so überflüssig wie ein Bootsverleih in der Sahara. Selbstverständlich hat die Kurzschrift ihre Meriten. Ohne ihre Erfindung würden sich die Lateinschüler nicht mit Ciceros Anklagereden herumquälen müssen (Tironische Noten) und wir besäßen kaum ein Theaterstück von Shakespeare, der zwar seine Stücke nie zu Papier brachte, deren Aufführungen im Globe Theatre jedoch eifrig von Fans und Raubkopierern mitstenografiert wurden.

Im Gegensatz zum Tastschreiben, das ich mir selbst beibrachte, benutze ich die Kurzschrift übrigens überhaupt nicht mehr. Die Herren Gabelsberger, Stolze-Schrey und Co. mögen es mir verzeihen, aber ich bin noch immer der Meinung, die ich schon als Schüler hatte, der sich mit Kürzeln und seinem Geschmiere herumschlug: „Steno ist doof.“

Sommerangebot: Alle E-Books für 99 Cent!

Tapetenwechsel beim Herrn Dr. Geltsamer – Postkarte EINS

Lieber unbekannter Leser,

es sind meine am häufigsten verkauften Romane und sie haben bisher die meisten und besten Rezensionen erhalten:

»Meister Siebenhardts Geheimnis« aus der Brautschau-Reihe und der erste Band des Geltsamer-Zyklus‘ »Die Frau, die der Dschungel verschluckte« waren die beiden ersten Bücher, die ich vor 4 Jahren im Selbstverlag veröffentlichte und da ich ja alles allein mache (Ich habe nie einen Künstler gefunden, der mich beim Design und den Illustrationen unterstützen wollte), ging ich unbedarft an die ganze Sache heran und meine Cover sahen entsprechend amateur-, um nicht zu sagen, stümperhaft aus. Aber damals glaubte ich noch, es käme nicht auf die Verpackung, sondern auf den Inhalt an. Das war ein Irrtum, wie ich langsam erkennen musste. Da ich immer mehr Bücher gestaltete und in den Buchhandel stellte, war es nur eine Frage der Zeit, bis mir meine von vielen Seiten kritisierten Titel nicht mehr gefielen. Zuerst erneuterte ich die Bücher der Brautschau-Reihe, und an diesem Wochenende habe ich mich nun endlich an die Geltsamer-Romane gemacht (Irgendwann sind dann auch die Noch einmal …-Bände an der Reihe).

Hier ein Vergleich:

Ich weiß natürlich nicht, wie du das siehst, lieber imaginierter Leser, aber bin mit der neuen Variante zufrieden. Sie ist wesentlich schlichter und seriöser und ich denke, sie sieht einfach edler und optisch ansprechender aus. Stimmst du mir zu? Die Softcoverausgaben haben bereits die neuen Titel, auch wenn es noch nicht in allen Shops angezeigt wird – bei den E-Book-Ausgaben dauert es noch ein wenig.

Wie du sehen kannst, steht nun auch der Einzeltitel des Bandes vorne (Es sorgte für einige Verwirrung, dass ich ihn früher wegließ) und ich benutze jetzt den Originalstich aus dem alchymistischen Werk »Atalanta Fugiens« von Michael Maier und nicht ein farbenfroh hingeklextes Wasserfarben-Plagiat des Emblems aus eigener Produktion. Ich sehe es dir an der Nasenspitze an: Du bist neugierig, was es mit diesem hermetischen Text und dessen rätselhaften Illustrationen aus dem Jahr 1618 auf sich hat. Aber ich werde einen Teufel tun und dir das jetzt erzählen. Da musst du schon meinen Romanzyklus lesen, damit du es erfährst.

Und so habe ich die ganze Reihe neu gestaltet:

Ja, ich weiß, den 4. Band ganz rechts gibt es noch nicht im Handel, denn ich arbeite noch an ihm. Es fehlt auch der 5., noch namenlose, der die »Trilogie in fünf Bänden« zum krönenden Abschluss bringen soll. Aber jetzt lies erst einmal die ersten drei Romane und erzähle mir bitte anschließend, wie sie dir gefallen – und was du zu meinen neuen Titeln sagst.

Ich danke dir schon mal und grüße dich herzlich von meiner 1. Urlaubsarbeitswoche, die ich noch zuhause verbringe, da Frau Klammerle noch arbeitet und ich nicht nur den »Geltsamer«-Zyklus, sondern gerade auch meinen Balkon renoviere.

Dein Nikolaus

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