Aber ein Traum …

Autorer als andere Autoren

Archiv für die Kategorie “Literatur”

Neue Cover für meine Brautschau-Romane

Bereits jetzt schon kann man im einen oder anderen Online-Shops der Buchhändler meine Brautschau-Bücher mit ihrem von mir neugestalteten Titelblatt erwerben. Ich bin ziemlich stolz darauf.

Zum Beispiel hier bei Hugendubel:

Vielleicht findet sich ja zufällig der eine oder andere Leser, der Geschmack an diesen Covern findet und sich auf das Abenteuer einlässt, meine Romane zu lesen. Ich verspreche spannende und faszinierende Lektüre. Hier noch ein paar begeisterte Stimmen zu den Brautschau-Büchern.

»Ich bin mit gemischten Gefühlen an diese Geschichte gegangen. Aber im Gegensatz zum Cover ist die Geschichte sofort fesselnd und absolut märchenhaft. Man muss sich natürlich in die Namen und Städte reinlesen, auch in die Herrscher und Gottheiten, aber da führt einen der Autor gekonnt Schritt für Schritt rein. Zwischen 1000 und einer Nacht, Fantasy und Science Fiction würde ich dieses Buch einsortieren. Der Schreibstil ist flüssig und sorgte vor meinem geistigen Auge für tolle Bilder. Die Charaktere sind ausführlich und glaubhaft beschrieben und man fühlt sich mit ihnen verbunden, fast so, als würden sie hinter einem stehen. Der Spannungsaufbau ist da und es gibt Geschichten in der Geschichte, die alleine für sich auch wieder sehr schön sind. An einem absoluten Spannungshoch endet der erste Teil und man möchte augenblicklich zu Teil 2 greifen. Fazit: abgesehen vom Cover ein wundervolles fantasyreiches Buch mit einem Touch ins märchenhafte. Definitiv lesenswert!«

»Das erste Buch der Fantasyreihe bietet einen durchweg gelungenen und spannenden Auftakt eines tollen Abenteuers durch eine fazinierende Welt. Neugierigen ist vor allem empfohlen, in den Prolog reinzulesen, der zeitlich losgelöst von der Haupthandlung spielt, aber einen sehr guten Einblick in die packende Erzählweise und der liebevollen Kreativität bietet, mit der diese Fantasywelt behutsam gebaut wurde. Alles in allem ein echter Geheimtipp.«

»Kopfkino allererster Güte. Für alle die Fantasygeschichten lieben sehr zu empfehlen. Hoffe es gibt bald mehr von Meister Siebenhardt und Co zu lesen.«

»Ich bin kein Fan von SF & Fantasy, aber die märchenhaften Brautschaubücher sind eine wirklich lohnende Lektüre. Meine Empfehlung!«

Und nicht vergessen! Noch in diesem Jahr erscheint »Band Zwei von Der Weg, der in den Tag führt«.

Laura zwischen zwölf und vier – Eine Erzählung (Leseprobe)

[Ich habe mich entschlossen, von meinen neueren Erzählungen, aus denen ich demnächst einen Sammelband zusammenstellen werde, hier im Blog nur noch Leseproben zu veröffentlichen.]

Laura zwischen zwölf und vier

Der Lüfter der Klimaanlage pfiff und knarzte wie ein aufgeschreckter Igel. Obwohl ihr das Geräusch auf die Nerven ging, stellte Laura das Gerät nicht ab. Schließlich arbeitete es, von der Lärmbelästigung einmal abgesehen, zuverlässig und blies trockene Kälte in das nur mit dem Nötigesten eingerichtete, billige Pensionszimmer. Der frische Windzug tat ihr wohl auf der nackten Haut, die ein dünner Schweißfilm bedeckte. Sie sah zurück auf das zerwühlte Bett, in dem der Ingegnere Andrea Involti ins dünne, zerknitterte Laken gewickelt schlief. Die beiden hatten gerade einen noch kurzen und klebrigen, mehr geschäftsmäßigen als leidenschaftlichen Sex gehabt. Ohne auf seine Geliebte zu achten, hatte er sich sofort nach seinem peinlich frühen Erguss von ihrem verschwitzen Körper zur Seite gewälzt und war sofort danach ohne ein Wort eingeschlafen. Er schnarchte nun gleichmäßig und ruhig in seinem eigenen Takt, der exakt in die kurzen Ruhepausen des aus dem Gleichgewicht geratenen Gebläses fiel. Erstaunlich, welchen Höllenlärm der schmale, weiße Kasten über dem Bett und der Mann gemeinsam erzeugten. Die schlanke, dunkelhaarige Frau mochte nicht zu entscheiden, welches Geräusch sie im Moment mehr störte: Das an das Instrument eines Zahnarztes mahnende Quietschen und Jammern des in Unwucht geratenen Lüfters oder in dessen kurzen Pausen das feuchte Schnorcheln ihres schlafenden Liebhabers.

Laura sammelte ihre Unterwäsche und das ärmellose, kurze Kleid mit den Spaghetti-Trägern von den mäßig sauberen Terrakotta-Fliesen des Zimmers und ging nach nebenan in das kleine Bad, um sich zu richten. Die Tür zu dem Feuchtraum ließ sich nur mit Mühe hinter ihr schließen, die Frau musste sich mit dem Rücken gegen sie stemmen, um den Riegel ins Schloss schieben zu können. Die Tür schabte nur widerwillig über den Boden und machte dabei ein Geräusch, das die attraktive Frau an das Schlurfen ihres Großvaters erinnerte, wenn er sich mit seinem Gehwagen durch die schmale Gasse hinauf zur Bar schleppte, um mit seinen ebenso hinfälligen alten Freunden einen kleinen Weißen zu trinken. In dem Bad war es zwar stickig heiß, aber bis auf das stete Tropfen aus dem Duschkopf über der Wanne angenehm still. Laura tastete nach dem Lichtschalter, denn das einzige kleine Fenster war durch hölzerne Läden und einen Vorhang nutzlos gemacht. Sie fischte aus ihrer Handtasche, die sie vorher auf dem Wasserkasten der Toilette deponiert hatte, zuerst ihr Smartphone heraus. Sie hatte einige Whats-App-Nachrichten von Freundinnen und einen Anruf ihrer Mutter verpasst. Laura wischte die Benachrichtigungen mit dem Daumen zur Seite und überprüfte die Uhrzeit auf dem Display. Es war erst kurz nach zwei Uhr. Sie würde also noch mindestens eine Stunde in diesen bedrückenden Räumen ausharren müssen, bis sie mit Andrea gemeinsam zur ihrem abseits geparkten, kleinen Fiat aufbrechen konnte, hinter dessen Steuer sie dann allein den Rest des Weges zurück in die Stadt zurücklegen und danach etwas später als ihr Liebhaber im Büro auftauchen würde. Da der Ingegnere ihr Vorgesetzter war, würde er sie wegen ihrer Unpünklichkeit ermahnen. Auch dies war eine der eingeübten Routinen, die sie in jeder Woche wiederholten, wenn sie ihren Ausflug in die Pension in den mückenverseuchten Hügeln machten.

Laura legte ihr Telefonino zur Seite und holte das Schminkset aus der Tasche. Über das kleine Waschbecken gebeugt zog sie den kohleschwarzen Lidstrich nach und malte sich neue Farbe auf die Lippen. Sie sah sich dabei zwar über den Spiegel direkt in die Augen, aber Laura nutzte die Gelegenheit nicht, mit sich selbst Zwiesprache zu halten. Sie versuchte Würde zu bewahren, während sie darüber nachsann, dass es trotz der Werbeversprechen keinen kussechten Lippenstift gab. Sie würde später Andreas Kleidung und seinen Körper nach verräterischen Spuren untersuchen müssen; vor allem sein weißes Hemd. Männer waren ja so unachtsam. Jeder im Büro würde einen Farbfleck an seinem Kragen in exakt dem gleichen Farbton wie das rote Kleid seiner Sekretärin richtig deuten. An die eifersüchtige Frau ihres Liebhabers wollte Laura im Moment überhaupt nicht denken. Die alte kupferhaarige Hexe ahnte etwas. Da war sie sich sicher.

Die schöne Frau zog ihre nackten Schultern in die Höhe. Sollte sie doch, die feine Signora Involti! Dann würde sich Andrea endlich zu Laura bekennen und die beiden mussten sich nicht mehr heimlich während der Mittagspause in diesem kleinen Agritourismo auf den staubigen Hügeln hinter der Stadt treffen, in dem ihr Liebhaber durch ein augenzwinkerndes Arrangement mit dem Besitzer jederzeit für ein paar Stunden eines der Zimmer mieten konnte. Vielleicht sollte Laura einfach einen verschmierten Lippenabdruck auf dem Hemd übersehen. Sie lächelte versonnen über diesen ketzerischen Gedanken. Freilich wusste sie, dass sie ihn nie in die Tat umsetzen würde. Sie trug in ihrer geräumigen Tasche sogar eine Tube Reisewaschmittel spazieren, damit sie ihre und die Kleidung von Andrea von den Spuren der mittäglichen Treffen reinigen konnte.

Laura machte einen Schritt zurück, um den Sitz ihres dünnen Kleides im Spiegel zu überprüfen und klappte dann beiläufig den Deckel auf die Toilettenschüssel. Dabei wurde ihr schwindlig und auch ein wenig übel. Ganz vorne auf der Zungenspitze schmeckte sie einen fischigen, bitteren Geschmack nach halbrohen Sardinen. Ausgerechnet heute hatte sie ihr Zahnputzset und das Mundwasser zu Hause vergessen. Plötzlich war die ohnehin schon stickige Luft in dem Bad zum Schneiden dick und blieb ihr beim Einatmen wie ein zu hastig heruntergeschlungenes Stück Apfel im Hals stecken. Die schlanke Frau schwankte und fiel halb gegen das Fenster. Sie riss es auf und schob in Panik zuerst die engmaschige Gaze zur Seite, die verhindern sollte, dass die Mücken, die jeden Abend in Schwärmen von den Reisfeldern hinauf zu den Hügeln zogen, einen Weg ins Innere der Gebäude fanden. Nun konnte Laura bereits die frische Luft erahnen. Nur noch die schrägen, mit abgeplatzter grüner Farbe gestrichenen Lamellen der hölzernen Fensterläden waren ihr im Weg. Nervös fummelte sie an dem festsitzenden, verrosteten Riegel, den wahrscheinlich schon lange niemand mehr geöffnet hatte. Einer ihrer künstlichen Fingernägel brach ab und fluchend schlug sie mit beiden Fäusten gegen den Verschluss. Gerade noch rechtzeitig klappten die Flügel zur Seite und die Frau konnte ihren Oberkörper gierig über die Fensterbank ins Freie strecken. Das Badezimmerfenster lag im Schatten des Gebäudes über einem kleinen Verandadach im ersten Stock und bot einen Blick hinunter auf eine gelbvertrocknete Wiese und einen größeren Swimmingpool für die Gäste des Agritourismo. Das ölige, lange nicht gereinigte Wasser des Pools glitzerte und funkelte unter der gnadenlosen Sonne. Schwalben stießen hohe, kreischende Laute aus und flogen tollkühne Angriffe auf hilflos im Bassin zappelnde Insekten. Dabei berührten sie beinahe die Wasseroberfläche. Ein paar gelblich ausgebleichte Plastikliegen standen herum. Unter einem Sonnenschirm lag ein älteres Touristenpaar. Sie las in einem Taschenbuch mit deutschem Titel, der Mann hielt träge die Augen geschlossen. Aber er schnarchte nicht.

Laura atmete tief ein und langsam wieder aus. Sie zählte mit: Eins – ein Atemzug. Zwei, drei, vier – ausatmen. Die Luft war zwar nicht so erfrischend, wie sie erhofft hatte – sie war von der Mittagshitze geschwängert und roch penetrant nach Chlor und ranziger Sonnenmilch –, aber Laura ging es sofort besser. Ihre Panik und die sie wie ein Wasserguss überschwemmende Übelkeit hatten keine körperliche Ursache. Es war nur einer der Platzangstschübe gewesen, die sie seit geraumer Zeit immer wieder hinterrücks überfielen. Vielleicht sollte sie sich endlich einmal dazu durchringen, das Ärztehaus in der Stadt aufzusuchen. Einer der gut dreißig Spezialisten dort, deren Namen auf den goldenen Schildern standen, die neben dem Eingang hingen, würde ihr vielleicht helfen können. Diese Panikattacken, deren Grund ihr schleierhaft waren, hatten ihren Körper wahrscheinlich so durcheinander gebracht, dass seit drei Wochen ihre Regel ausgeblieben war. Nein, sie war nicht schwanger, sie hatte einen Test gemacht. Andrea weigerte sich zwar prinzipiell, Kondome zu benutzen, aber ihm zuliebe nahm Laura seit dem Beginn der Affäre vor über einem Jahr wieder gewissenhaft die Pille, auch wenn ihre streng katholische Mutter, die bei ihr wohnte, verzweifelt die Hände gerungen hatte und sofort zur Beichte zum Don Capelli geeilt war, um sich moralische Unterstützung aus dem Schoß der Kirche zu holen. Sie musste lächeln, denn ihr fiel der anschließende Hausbesuch des alten Pfarrers ein, der sie wieder auf den rechten Weg bringen sollte und in der Wohnung großzügig Gebete und Weihwasser versprengte. Es wäre sinnvoller gewesen, dem verbrannten Rasen dort unten mal ein wenig von dem geweihten Nass zu geben.

Da spürte sie, dass sie beobachtet wurde – und dies schon eine ganze Weile lang. Der deutsche Tourist unten am Pool hatte inzwischen die Augen geöffnet und starrte sie an. Und nun erwiderte er plötzlich ihr Lächeln, das überhaupt nicht ihm, sondern dem fast schon jenseitigen Pfarrer galt, der Laura aus dem Taufbecken gezogen und ihr die erste Kommunion überreicht hatte. Nur ein Missverständnis, aber es war ihr zu intim und schuf eine Verbindung, die sie auf keinen Fall wünschte. Eilig zog sie ihren Kopf zurück und schloss das Fenster.

Mein neues Buch – „Noch einmal daran gedacht“

NOCH EINMAL DARAN GEDACHT

Neuerscheinung!

Ir sult sprechen willekommen:
der iu maere bringet, daz bin ich.
allez daz ir habt vernomen,
daz ist gar ein wint: nû fraget mich.
Walther von der Vogelweide

Wie versprochen steht nach dem erfolgreichen 1. Band „Noch einmal daran gedacht“ nun mein zweiter Band mit Artikeln aus meinem Blog in den virtuellen Regalen der Online-Buchhandlungen und ist beim Buchhändler des Vertrauens bestellbar. Selbstverständlich kann man wie immer auch mein neues Buch direkt über meine Wenigkeit erwerben; E-Mail genügt:

Noch einmal daran gedacht
Die besten Essays aus meinem Blog
„Aber ein Traum“
260 Seiten, illustriert
7,99 € als Taschenbuch und
2,49 € als Ebook

Ich habe auch diesen neuen Band so billig wie möglich gemacht und verdiene selbst nichts daran.

In „Noch einmal daran gedacht“ habe ich eine Auswahl aus meinen

      • halbautobiografischen Wahrlügen-Texten, aus meinen
      • originellen Essays und Glossen über die Literatur und das Schreiben,
      • Buchkritiken und
      • Kurzgeschichten

versammelt und gebe mal wieder ein paar tiefere und heitere Einblicke in mein Autoren- und Familienleben. Der umfangreiche Band ist üppig illustriert und enthält 103 Fußnoten(1).

Wer Vergnügen an kurzweiligen, mit Humor, Geist und Esprit geschriebenen Texten und meinen Gedankensplittern hat, wer Sprache liebt und sich gerne auf das Abenteuer „Denken“ einlässt, wird sich mit dem Buch in der Hand wohlfühlen und es genießen. (Und es haben sich sogar ein paar Gedichte zwischen die Prosa gemogelt – Entschuldigung!)

Um es – salopp übersetzt – mit meinem alten Kumpan Freund Walter zu sagen:

Heißt mich willkommen!
Der, der euch neue Gedanken und Geschichten bringt – das bin ich.
Und alles, was ihr vorher gehört habt, ist nur ein Furz.
Jetzt erzähle ich!

 

Das Inhaltsverzeichnis – Da ist für jeden etwas dabei!

Jetzt müssen nur noch mein Lektor und ich ein paar kleinere Korrekturen erledigen und hier und da noch etwas feilen – dann steht nichts mehr zwischen euch und dem Lesevergnügen!

Auch mein alter Kumpan Wolfgang hat schon sein Wohlgefallen an meiner „Wahrheit und Dichtung“ bekundet.

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(1) Ich weiß, mit Fußnoten habe ich ein kleines Problem; ich bin süchtig nach ihnen. Ich liebe sie einfach, auch wenn mir durchaus bewusst ist, dass es für einen Leser dadurch nicht leichter wird, meine Texte zu genießen.(1a)

(1a) Aber sind wir mal ehrlich: Wollen wir, dass uns alles leichtgemacht wird?

Montag, 07.10.19 – Pläne und Vergeblichkeiten

Montag, 07.10.19
Tand, Tand ist das Gebilde von Menschenhand.
Fontane, Brücke am Tay

*

Das Tiroler Lechtal, das mit seinen überaus schroffen Bergspitzen und herrlichen Seitentälern von einer wildromantischen Flusslandschaft geprägt ist, die an die Weiten Kanadas erinnert, ist von Augsburg aus ein lohnendes Ziel für Natursüchtige und Wanderer, die auch beim Bergwandern nicht auf Marillenschnaps und Kaiserschmarrn verzichten wollen. Wenn es normal läuft, dann fährt man mit dem Auto von meiner Haustür in knapp zwei Stunden bis zum Eingang des Tals.

Das Lechtal – ein Sehnsuchtsort

Seit einigen Jahren versuchen Frau Klammerle und ich trotz vieler Rückschläge immer wieder unverdrossen – manche würden es naiv nennen – dort ein paar unbeschwerte Urlaubstage zu verbringen, zuletzt über den Brückentag zwischen dem 3. Oktober und dem darauffolgenden Wochenende hinweg. Wir waren auch schon im Frühjahr und zwei-, dreimal im Sommer dort. Doch obwohl wir als Augsburger ebenfalls Lechanrainer(1) sind, mag uns dieses Tal offenbar nicht. Denn es wird uns grundsätzlich jeder unserer Aufenthalte dort massiv verregnet. Schon die Anreise am Donnerstag war ein mittleres Desaster, denn bereits die B17 Richtung Süden war ab Steingaden wegen einer Baustelle gesperrt und ich musste auf einer kurvigen Umleitungsstrecke eine Stunde hinter einem italienischen Laster hinterherzuckeln, der offenbar noch nie etwas vom Feiertagsfahrverbot gehört und es auch nicht gerade eilig hatte, aber so breit war, dass man ihn einfach nicht überholen konnte. Dann, kurz hinter Füssen, noch immer hinter dem Italiener her, begann auf der österreichischen B179 der übliche Stau Richtung Fernpass um die Ortschaft Reutte herum. Da ließen wir dann noch einmal über eine Stunde auf dem grauen Asphalt liegen und kamen deshalb erst in der Abenddämmerung an unserem Ziel in Stanzach(2) an. Lassen wir der Wahrheit Gerechtigkeit erfahren: Es war zwar kalt, aber schön. Doch schon der nächste Tag begann wolkenverhangen und brachte ab Mittag anhaltenden und starken Regen, den wir gestern auch wieder brav mit nach Hause genommen haben und der gerade gegen die Fensterscheibe meines gut eingeheizten Arbeitszimmers prasselt, während ich dies schreibe. Goldener Oktober? Zumindest in diesem Jahr ist das ein ziemlich makaberer Witz.

Beeindruckend, aber nass und arsc*kalt.

Am Samstag ging dann überhaupt nichts mehr. Der stürmische Westwind trieb die Wolken tief ins Tal hinunter, die hinter sich die Berge versteckten; es hatte höchstens 5° C und ergiebigen Land- und Schnürlregen. Die Schneefallgrenze sank auf 1500 m herab. Die Rettung vor der Herbstdepression war die Ehrenberger Therme mit ihrer schönen und ausgedehnten Saunaanlage, die jedoch spätestens ab Mittag vollkommen mit schwitzenden, wohlgenährten Leibern überfüllt war.(3) Nein, dieses Lechtal mag uns nicht. Aber wir sind unverbesserlich und werden in knapp drei Wochen wieder in die Alpen fahren (diesmal ins Martelltal) und auf Sonnenschein und Wärme hoffen. Drückt uns die Daumen!

So war das letzten Herbst in Südtirol.

*

Mein nächstes Buch ist fertig und demnächst bestellbar. Es ist auf über 250 Seiten eine weitere Sammlung meiner besten Blogartikel und trägt den Titel „Noch einmal daran gedacht“. Im Gegensatz zum Vorgänger „Noch einmal davon gekommen“ wird der Fokus auf meinen Texten zur Literatur im Allgemeinen und meiner eigenen im Besonderen liegen. Es werden dort also Kritiken, Essays und dazu Gedanken zu meinem literarischen Schaffen und Schöpfen und meinem Leben als Autor, aber auch die eine oder andere Glosse zu finden sein, die im Lauf der letzten 7 Jahre für „Aber ein Traum“ entstanden sind. Ich habe diese Blogartikel erweitert, umgeschrieben, aktualisiert und in Zusammenhänge gebracht und glaube, dass mir dieses Buch ganz gut gelungen und originell ist. Im Moment warte ich auf mein Korrekturexemplar vom Verlag, dann kann ich zusammen mit meiner kleinen Helferlein-Lektorin die üblichen kleinen Tippfehler ausmerzen. Die Chancen stehen gut, dass der Band noch Ende Oktober vor meinem Herbsturlaub in den Regalen der Online-Buchhandlungen stehen wird und von meinen „begeisterten“ Lesern in Massen erworben und genossen werden kann.

Noch einmal daran gedacht, 260 Seiten, illustriert

Anschließend werde ich in den nächsten Wochen endlich die Arbeit am 2. Teil meiner Fantasy-Saga „Der Weg, der in den Tag führt“ abschließen, um den Band noch vor Weihnachten zu veröffentlichen. Auf diese Weise bleibe ich 2019 in meinem Edititonsplan. „Die Verliese des elfenbeinernen Palasts“ leisteten mir im Sommer heftigen Widerstand und ich musste den Roman mehrmals komplett umschreiben und umstrukturieren, als mir deutlich wurde, dass ich noch einen 3. Teil benötige, um alles zu einem befriedigenden Ende zu führen und auszuerzählen. Dadurch wird „Der Weg, der in den Tag führt“ zu einer umfangreichen Trilogie anwachsen. Ein längerer Abschnitt, der der Einstieg zum 2. Teil sein sollte, flog raus und wird nun den 3. Teil  eröffnen. „Die Schlacht um Paradis“ wird aber noch eine Weile auf sich warten lassen, weil ich 2020 endlich als erstes die Geltsamer-Reihe beenden (zumindest aber fortsetzen) will und anschließend den zweiten Brautschau-Roman und einen Band Erzählungen aus dem „Jahrmarkt in der Stadt“ in Angriff nehmen möchte. Zumindest ist das mein Plan, der sich freilich auch noch ändern kann. Da ich kaum Leser habe, muss ich ja keine Erwartungshaltungen erfüllen und kann in meinem eigenen Tempo an den Texten schreiben, an denen ich gerade Interesse habe. Es hat auch durchaus Vorteile, ein unbekannter, selten gelesener Autor ohne Fangemeinde zu sein …

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(1) Der Tiroler würde uns „Anstößer“ nennen …

(2) Dort feierte man an diesem Wochenende übrigens „Oktoberfest“. Deshalb waren die Gaststätten geschlossen und nur ein feuchtklammes Bierzelt, das 9 Euro Eintritt kostete, hatte geöffnet. Dort gab es natürlich nichts für Vegetarier, dafür spielten „Igor und seine Oberkrainer“(!). Nein, wir waren nicht dort, wir blieben in unserem Zimmer in der Pension und hungerten bei einer kargen Brotzeit. Zum Glück hatten wir wenigstens einen Flachmann und eine Flasche Wein dabei, die uns diesen Abend retteten.

(3) Nebenbei: Gibt es eigentlich außer mir noch einen Menschen, der sich kein hässliches Tatoo hat stechen lassen?

 

Dienstag, 24.09.19: Die Große Depression

Dienstag, 24.09.19
Noch drei Monate bis Weihnachten

„Oh, Jammer und Not. Oh, dräuend Ungemach.
Oh je, oh jemine, die Sorgen! Die Sorgen!“
Donald Duck

Alles ist nur eine Zeitlang schön.
Vorerst.
Nikolaus Klammer

Pünktlich wie die verheerenden Herbststürme in den USA, die Lebkuchen und Nikoläuse in den Supermarktre­galen, den Kürbiscremesuppen, Wildwochen und Maro­ni-Rezepten auf den Speisekarten der Gaststätten und die künstliche Erregung, wer wieder einmal nicht den Literaturnobelpreis bekommen hat, ist ab Ende September in allen literarischen Zeitschriften, Feuilletons, Blogs und Foren, bei allen Dichterlingen und jenen, die es noch werden wollten – oder wie ich nur meinen, es zu sein -, ein Phä­nomen zu beobachten, das exakt bis zum ersten Advent reicht: Obwohl es noch ein paar Monate hin ist, erinnert man sich plötzlich wieder an den No­vember mit all seinen makaberen Festtagen. Es riecht überall nach Verzweiflung, Verwesung und Tod.

Mit den morgendlichen Nebeln, die ein viel zu früher, eiskalter Nordwind aus den klammen Wiesen über die feuchten, grauen Wege treibt, auf denen letzte bunte Blätter wie tote Schmetterlinge kleben, kultivieren die Literaten ihre ach so tiefempfundene, ach so heuchleri­sche Pseudotrauer, ich will sie mal Das Große Herbstjammern nennen. Sie wird im Advent von der Weih­nachts-Weinerlichkeit und der Feiertags-Betroffenheit abgelöst. Dann folgt bis in den März hinein die Winterdepression.

Es is geradet, als hätten sie voller Ungeduld den ganzen Som­mer darauf gewartet: Wie bestellt legen auch gleich ein paar Große der Zunft erschöpft ihre Stifte zur Seite und den Geist in die Hände einer trauernden Nachwelt. Plötzlich springt jeder auf diesen Zug auf und drückt seine Betrof­fenheit in mehr oder weniger gelungenen Nekrologen und larmoyanten Erinnerungen aus. Die Journalisten reiben sich die Hände, weil sie ihre längst geschriebenen genialen Nachrufe endlich gegen Bares im Feuilleton unterbringen können und die Verleger sind erfreut, weil sie pünktlich zur Buchmesse die Werke des – egal, wie alt er war – immer allzu früh von uns Gegangenen nach­drucken können und diese sich wie geschnitten Brot verkaufen. Ich glaube, es gibt keinen einzigen gro­ßen Autoren, der mitten im Sommer in seiner Villa auf Fuerteventura starb. Vielleicht wird hier von der Verlagsmafia auch manches Ableben künstlich hinausgezögert.(1)

Apropos Sommer: Wo haben sie sich eigentlich in den letzten Mona­ten versteckt gehalten, jene aschgrauen, wehmütigen, todessehnsüchtigen, morbiden Gedichtlein und Texte voll von Herbst, Ab­schied, Weltschmerz, frühem Leid, Bedauern, Melancholie, Depressi­on, Krankheit, Verzweiflung? Lagen sie am Strand in der Sonne? Wie Saunaschweiß perlen sie jetzt auf den erhitzten Stirnen der Lyriker und tropfen mit salzigen Tränen vermischt aufs Papier oder die Tastaturen! Ach, so klamm und kalt ist dem Poeten plötzlich, ein namen­loses Gefühl greift ihn fest und unbarmherzig ans Herz und engt seine Brust. Wie einsam und verlassen ist er doch mit einem Mal, wie gleichgültig behandeln ihn sei­ne Mitmenschen – so furchtbar allein ist er mit seinen tiefen Empfindungen und Sorgen. So sehr trägt er am Gewicht der Welt, am Kummer seiner Menschheit, dass ihm jeder Schritt zur schleppenden Qual wird. So schrecklich ist das Absterben der Natur und so furcht­bar dabei sein eigenes Los, so bedeutungsschwanger die Kürze der Tage und die lange, frostkalte Nacht. Jam­mern auf höchstem Niveau. Ach, wir sind doch nur Staub im Wind.

„Oje, morgens ist es jetzt schon immer länger dunkel. Und abends auch. Da brauche ich tatsächlich Licht im Bad! Ich musste schon die Heizung anmachen, festes Schuhwerk und die dicke Jacke aus den hinteren Schrankwinkeln ziehen … Und in drei Monaten ist Weihnachten! Wann soll ich da nur mit meiner Diät an­fangen können?“

Das ist doch ein Gedicht wert! Das muss ich allen mit­teilen, darüber muss man schreiben dürfen. Meine Herbstdepression, die interessiert die anderen, die teile ich. Ich habe traurige Worte, die will jeder hören. Meine zweihunderttausend Facebook-Freunde kennen das gar nicht, das muss ich ihnen erklären! Von denen empfin­det niemand so tief und ehrlich wie ich. Vielleicht kriege ich ja von allen ein „Gefällt mir“. Ich nenne das Gedicht:

Herbstnacht
Ein Wasserfall von Kälte stürzt hernieder.
Die Menschen werden fahl und grau.
Asche dunkelt den Himmel.
Lichter erwachen
zu geisterhaft glitzerndem Leben.
Müde bleichen Sterne
in schweren Wolkenmeeren.
Nacht wimmert zwischen den Ästen,
beweint den verlorenen Tag.
Die Stadt erbricht lasterhaftes Tun.
Schlaf sinkt wie Tod herab.
Schwärze schluckt den Lärm.
Nebel geifert grauen Qualm.
Alles still, Gott so fern:
Albträume Wahnsinniger.

Gut, nicht? Ich bin selbst ganz betroffen von der Tiefe meiner Lyrik. Ich werde mir jetzt eine Flasche Bordeaux öffnen und noch ein paar Tränen über das Schicksal der Menschheit vergießen. Dann schmecken die ersten Schoko-Lebkuchen noch viel besser.

*

PS. Diesen inzwischen gut abgehangenen, aber nie veraltenden und ähnliche ältere Texte dieses Blogs habe ich in meinem Büchlein „Noch einmal davon gekommen“ gesammelt, das demnächst mit „Noch einmal daran gedacht“ eine Fortsetzung erhält.

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(1) Und damit habe ich jetzt auch einmal ein Fake-Nachricht in die Welt gesetzt. Ich bin gespannt, wann ich es bei web.de als Schlagzeile lese.

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