Aber ein Traum …

Autorer als andere Autoren

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Kleine Erinnerung: Meine Bücher für 99 Cent!

Nicht vergessen!

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Billiger konnte ich sie nicht machen! Wenn das kein Gelegenheit ist!

Meine Bücher im Angebot!

Meine Bücher!

Wie es beinahe schon Tradition ist, sind auch in diesem Sommer während meiner Blogpause die E-Book-Ausgaben meiner 8 Bücher in der Zeit vom

13. August – 09. September 2019

überall im Buchhandel im Preis reduziert und kosten statt 2,49 Euro nur noch neunundneunig Cent. Wenn das keine Occasion ist!

Nur 0,99 €!

Das sollte auch den geizigsten, ärmsten oder vorsichtigsten meiner Freunde und Follower überzeugen, sich einmal auch an die Werke von mir zu wagen; schließlich ist schon ein Eis am Stil, das man in drei Minuten geschleckt hat, viel, viel teurer. Selbstverständlich verdiene ich da überhaupt nichts mehr – ich verschenke mich und hoffe, jemand nimmt dieses Geschenk an.

Liebe Grüße aus meinem Urlaub,

Nikolaus

PS. Und wenn euch vielleicht meine Literatur nicht interessiert, dann teilt doch bitte diesen Beitrag mit euren Freunden. Danke.

PPS. Und wenn einer von euch erkennt, an welchem Ort Frau Klammerle und ich uns gerade aufhalten, dann schenke ich ihm eine gebundene Ausgabe eines von meinen Büchern.

Haare lassen – Eine Erzählung aus der Heimat (Leseprobe)

Der Weg in die Hölle ist mit Sofas, Computerspielen, Sudokus, Fernsehen, der Familie, Einkaufen, Essen, mit Faulheit, Verpflichtungen, Müdigkeit, Urlaub, Gartenarbeit, Sprachlosigkeit, dem fehlenden treffenden Wort, Ideenlosigkeit, Kaffeepausen, vollen Mülleimern und leeren Bierkästen, Waagen und Gewichtstabellen, Terminen und ein wenig auch dem Brotverdienst, mit Augenkontakten, Angst vor leeren Blättern, vor Häme, vor Qualitätsmängeln und Qualitätsverlust, vor Kritik und vor Alzheimer, aber auch mit Verdauung, Krankheit, Alter, Kopfschmerz (gleichgültig, ob psychosomatisch oder echt), Geschlechtsverkehr und der Vorbereitung auf denselben, innerer Leere, Bewegungslosigkeit, roten Ampeln, Vojeurismus und vor allem mit Büchern, Büchern und Büchern gepflastert.

Kein Wunder, dass ich auf diesem meinem Weg kaum vorwärtskomme.“

Vorbemerkung des Autors

Haare lassen
Aus dem Leben eines Tunichts

11.03., 10:15 Uhr
Café St. Anna

Die Uhr über dem Eingang kennt kein Zurück, lustig schreitet sie voran, scheint sich selbst überholen zu wollen. Der letzte Rest Schnee dieses Winters tröpfelt eifrig von den schrägen Dächern. Spatzen tummeln sich aufgeregt zwischen den leeren Bistrotischen und Stühlen draußen auf der Terrasse vor dem Café; ich sitze hinter dem großen Fenster allein an meinem Tisch und die Sonne strahlt mir warm ins Gesicht. Eine Tasse Cappuccino steht vor mir und ich wische mir den Schlaf aus den Augen. Mir wäre recht wohl an diesem ersten Frühlingstag, wenn da nicht ein Termin auf mich warten würde.

Es gibt kein Zurück mehr. Gestern noch, als ich den Termin unter dem sanften und zugleich zwingenden Druck meiner Mutter vereinbarte, war ich noch sicher gewesen, irgendwie heil aus der ganzen Sacher herauszukommen. Schließlich lag eine endlose Nacht lag vor mir und ich würde problemlos eine gelungene Ausrede finden. Das ist schließlich meine Spezialität, meine unangefochtene ‚Superheldenkraft’. Ich erzähle Ihnen jetzt mal etwas, aber das bleibt unter uns: Ich bin der Meister der Ausrede, Herr der ausweichenden, wohlgesetzten Worte, der Seitenpfade und versteckten Abkürzungen, der zwar absonderlichen, aber gerade daher umso wahrer klingenden Gespinste. Meine Kunst ist so groß, dass ich, selbst wenn ich tatsächlich einen gewichtigen Grund habe, etwas nicht zu tun, mich lieber mithilfe einer erfundenen lustigen Geschichte rechtfertige, als die langweilige und traurige Wahrheit kundzutun. Ich weiß, wie angeberisch das klingt – und wenn ich das schreibe, klingt es wohl nicht nur so -, aber ich bin bei meinen Lügengespinsten, durch die ich mich von allen möglichen Arbeiten, Verantwortungen, Terminen und Aufträgen drücke, noch nie ertappt worden.

Es gibt den einen oder anderen, der etwas ahnt, meine Eltern natürlich, und auch mein Bruder Lukas; am hartnäckigsten auf meiner Fährte ist mein Seminarleiter, Herr Hubertus Wandelbauer, der seit zwei Jahren, seit er die Kollegstufe übernommen hat, meine Ausreden fürs morgendliche Zuspätkommen sammelt und daraus einen eigenen Ordner erstellt hat, den er ‚Leitfaden zum kreativen Schuleschwänzen’ nennt und nur noch keinen Verlag gefunden hat, ihn zu veröffentlichen. Ich weiß davon, weil er dieses recht umfangreiche Vademecum der Redaktion der Abiturzeitung zur Verfügung gestellt hat, wo ich zwar ein zwangsrekrutiertes Mitglied bin, mich bislang aber erfolgreich davor gedrückt habe, die von mir versprochenen Artikel auch abzuliefern. Wenn die rothaarige Jeanette aus dem Physikkurs nicht ebenfalls mitmachen würde, würde ich auch  bei den Redaktionssitzungen nicht mehr auftauchen.

Ich weiß, Sie stellen sich jetzt die Frage, was ich mit dem ganzen Freiraum mache, den ich mir so mühselig – unter Aufwendung meiner ganzen Leistungskraft und Phantasie – verschaffe, jener Zeit, die ich gewinne, indem ich den Dingen aus dem Weg gehe, die ich eigentlich erledigen sollte. Nun, in aller Regel mache ich dann nichts, ruhe von der erschöpfenden Flucht vor der Verantwortung aus. Das mag nicht sehr aufregend klingen, ich weiß, aber es ist genau das, was mir zukommt. Ich bin überzeugt, dass mich Gott zu diesem Zweck geschaffen hat, dass es der Urgrund meines Seins ist, als bewegungslose, lässig am Bildrand im Gras hingestreckte Genrefigur zu wirken, eine auf den ersten Blick unwichtige, schemenhafte Gestalt zu sein, deren Fehlen dem Gesamtbild ein schmerzliches Ungleichgewicht geben, die Komposition zerstören würde.

Kennen Sie zum Beispiel das Gemälde ‚Der Mittag’ von Caspar David Friedrich? Sie haben doch einen PC!; ‚googlen’ Sie es, es gibt gute Abbildungen davon im Internet. Sehen Sie neben der Gruppe Kiefern da links einen Mann, auf seinen Spazierstock gelehnt, im Gras neben den Maulwurfshügeln stehen? Das bin ich. Stellen Sie sich nun vor, jemand hätte mich übermalt oder meinetwegen entfernen Sie mich mit einem Bildbearbeitungsprogramm selbst. Da wäre nur diese weite brandenburgische Landschaft, die feuchte Wiese, ein paar Bäume; auch der Wanderer rechts auf dem Weg hätte das Bild bereits verlassen – wie leer und bedeutungslos wäre das alles, das Auge glitte ohne Anhaltspunkt über den Ölschinken, Achselzucken – langweilig!

Bei den unzähligen Milliarden Individuen auf dieser unter ihrem Gewicht stöhnenden Erde muss es eben auch solche wie mich geben, Nebenfiguren, die niemandem weiter ins Auge fallen, von denen man sich auch nicht vorstellen kann, sie je zu vermissen, die aber eine wirbelnde und schwindelerregende Leere hinterlassen, wenn sie fehlen. Ich fülle eine Lücke aus, an der die Welt auseinanderzuklaffen und ins Chaos zu stürzen droht. Ohne meine Anwesenheit an genau diesem Ort würde alles zerreißen und untergehen. Ich bin der Faden, mit dem Gott den Kosmos zusammengenäht hat, ich allein verhindere die Entropie! Wenn das nicht alle Anstrengung wert ist, zu der ich schwacher Mensch fähig bin, dann nennen Sie mir einen besseren Grund, um zu leben. Ich für meinen Teil habe keinen gefunden und verteidige daher das Nichtstun mit aller Kraft; es ist das Lohnendste und zugleich Schwerste überhaupt; ich packe den Stier an den Hörnern und zwinge ihn in den Staub!

Reicht es da nicht schon, dass ich oft genug den ermüdenden Konventionen und Regeln folgen muss, die mir mein soziales Leben aufzwingt und die mir mein für die Welt so wichtiges Nichtstun sauer machen? Wenn ich also in die Schule gehe, einen Alltag im Rahmen meiner Rolle als Sohn, Bruder oder Freund nachgehe, mich mit lästigen Dingen wie Waschen, Schlafen, Essen, Zähneputzen, An- und Ausziehen, im Haushalt helfen, Lernen, am öffentlichen Nahverkehr und am Unterricht teilnehmen – dort zumindest körperlich anwesend sein -, wenn ich also all diese Dinge betrachte und noch tausend andere dazu; denn ich habe noch nicht die zeitraubenden Sozialkontakte erwähnt: Dann fühle ich mich von mir selbst getrennt und ausgehöhlt, verliere ich mich. Daher muss ich mir die wichtigen Freiräume durch meine Ausflüchte schaffen. Wenn ich also irgendwo – im Winter zumeist in meinem Zimmer oder in einem Café, im Sommer in einem Stadtpark (Ich präferiere den Hofgarten) – sitze und nichts mache, fühle ich mich geborgen, identisch, echt. Manchmal, wenn meine Augen vom Sehen vollgefüllt sind, kurz bevor sie sich ermattet zum Schlafe schließen, gelingt es mir, mein Empfinden in ein paar Gedichtzeilen zu fassen oder – seltener – einen Text wie diesen zu beginnen. Vielleicht greife ich auch zu meiner Gitarre, falle aber bald in einen leichten und traumlosen, dabei erfrischenden Schlaf, der mir die Kraft schenkt, meinen schweren Alltag weiter zu bestehen.

Leider wird dieses Leben, das so wichtig ist, immer wieder von unvorhergesehenen Ereignissen unterbrochen, die meine ganze Aufmerksamkeit, Geschicklichkeit und Kraft erfordern, um ihnen auszuweichen. Das sind Besonderheiten, die mein ordentlich eingerichtetes Leben zwischen sozialem Funktionieren und Nichtstun unter den wohlwollenden Blicken des Herrgotts gefährden. Als da zum Beispiel sind: Verwandtenbesuche, Kleidungskauf, die ein- bis zweimal im Monat zu Tage tretende Zwangsneurose meine Eltern, sich und ihre Söhne bewegen zu müssen, sie auf Berge zu ziehen oder in Museen zu drängen. Dies ist übrigens für meinen degenerierten Bruder ebenso lästig wie für mich. Er will sein Leben ausschließlich vor seinem Computer hockend verbringen, ist aber aufgrund seiner geistigen Defizite nicht wie ich in der Lage, den massiven Angriffen auf seine Lebensweise durch seine rhetorischen Fähigkeiten auszuweichen. Denn er besitzt keine. Lukas folgt daher wesentlich häufiger als ich den kulturellen Pfaden der Eltern, wo er doch lieber Horden von Orks niedermetzeln oder seinen privaten 2. Weltkrieg gewinnen oder via Snapchat mit seinen Kumpeln in rudimentärem und stümperhaftem Deutsch Belanglosigkeiten über Deutschrockgruppen und Fotos von knapp gekleideten Mädchen austauschen würde.

Von all diesen Angriffen auf meinen weise geordneten Alltag ist die schlimmste vielleicht – neben einem Zweiwochenaktivurlaub in Niederbayerischer Bäderlandschaft -, die plötzlich aus dem Nichts auftauchende Anmutung meiner Mutter, ich müsse mir nun mal endlich wieder die Haare schneiden lassen. Auf der einen Seite wäre es sicherlich praktisch, wenn meine Haare immer kurz bleiben könnten, schnell trockneten und nicht fettig in die Augen und sich in einer Außenwelle lockend auf die Schultern fielen, aber da der Herrgott das Vergehen der Zeit nicht mit der Uhr, sondern mit dem Wachsen der Haare und Nägel seiner Geschöpfe misst, ist der Ausbruch meiner Mutter, meist Sonntagmorgens am Frühstückstisch geäußert, nahezu blasphemisch:

Herrgott, deine Haare! Du musst nächste Woche unbedingt zum Friseur.“

Hier ist es das Beste, nickend Zustimmung zu heucheln und darauf zu hoffen, dass sie über den Drangsalen ihrer geschäftigen Woche alles wieder vergessen würde – was übrigens nach ihrem ersten Ausbruch noch recht wahrscheinlich ist. Aber nun ist die Sache auf der Welt, der Gedanke ausgesprochen, auf Wittgensteinsche Art denkbar geworden. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis er sich wieder auf ihrer Zunge manifestieren wird und diesmal um so nachdrücklicher und apodiktisch. Nun ist meine ganze Geschicklichkeit im Erfinden von Ausreden gefordert, um das Unvermeidliche hinauszuzögern, den partiellen Verlust meiner prächtigen Haartolle in einer demütigenden Foltersitzung, einer Form von waterboarding mit Verstümmelung, die dazu unverschämt viel Geld kostet, zu verlieren. Mit Douglas Adams bin ich der Meinung, dass Friseure und Steuerberater zu den nutzlosen Berufen zählen – ich würde noch Autohändler und Soldaten dazuzählen. Die verzichtbarsten unter diesen Professionen sind zweifelsohne die ausgebildeten Haarschneider, die sich selbst mit einem Apostroph-s schreiben. Was ist das für eine Welt, in der ich leben muss und in der es mehr Coiffeure als Buchhändler gibt? In meiner Not habe ich sogar schon einmal versucht, mir selbst die Haare zu schneiden, aber das Ergebnis war zumindest in den Augen meiner Mutter so zweifelhaft, dass sie mich persönlich zu einem Haircutter schleppte, der mir einen Archipel-Gulag-Bürstenkopf verpasste, der meine Klassenkameraden zu einem wochenanhaltenden Hohngelächter provozierte, das ich manchmal aus einem lusziden Traum aufschreckend noch heute vermeine dröhnen zu hören. Mir war nicht einmal die Gnade eines zweifelhaften Wetters und damit eine Mütze vergönnt, nein, die Sonne beschien fröhlich meinen kahlen Kopf, bis die Zeit auch diese Wunde heilte und der Herrgott Haare über der ganzen Sache wachsen ließ.

Und nun sitze ich in einem Café neben der St. Anna-Kirche und warte auf meinen Termin beim Friseur. Diesmal hat keine Ausrede gewirkt. Und schlimmer: Ich weiß nun keine mehr.

*

Hinein in 2019! Gedanken zum Jahreswechsel

Nachdem die Verwandschaft beim großen Familientreffen am Stefanstag alle unsere Lebensmittelvorräte verputzt hatte, war letzten Freitag ein Einkauf beim nächsten Discounter fällig. Frau Klammerle wollte Spanakopita und Gemüsequiches machen und benötigte deshalb dringend Gemüse, Zwiebeln, Schafskäse, Spinat und Blätterteig. Außerdem hatte mein Vater eine Einkaufsliste dalassen, die noch im alten Jahr abgearbeitet werden wollte.(1) Nachdem mein wenig zuverlässiges Auto am Vormittag des Hl. Abends den Anlass augenutzt und sein Anlasser auf einem Supermarktparkplatz den Dienst verweigert hatte und sich nun in der kostspieliger Reparatur befindet, fuhr ich mit dem kleinen Flitzer meiner Frau zum Diedorfer Lidl, der in harmonischer Gemeinschaft mit Konkurrent Aldi, Rewe, Kik und Rossmann im überall in der Republik gleich aussehenden und gleich öden Gewerbegebiet liegt. Das stellte sich im Nachhinein als eine gute Entscheidung heraus, denn das ganze Dorf war zum Einkaufen unterwegs und es herrschte auf dem Parkplatz drangvolle Enge. Doch mit Frau Klammerles putzigem Spielzeugauto konnte ich mich gerade noch so zwischen zwei fette SUVs quetschen. Zuerst wunderte ich mich, dass so viele Männer mit ihren Söhnen beim Lidl waren, bis mir dann die Erleuchtung kam, als ich mich mit meinem kleinen Einkauf ans hintere Ende einer quer durch den Laden reichenden und schier endlosen Kassenschlange einreihte: Seit heute wurden Silvesterböller und -raketen verkauft und in den Einkaufswägen der Leute vor mir stapelten sich die Pakete mit Feuerwerkskörpern und Knallern. Einige der Einkäufer (Feuerwerkkauf ist offensichtlich Männersache) schoben gleich zwei der Gitterwägen vor sich her und weiter hinten, bei den Sonderangeboten, wurde bereits erbittert um die Restware gekämpft. Jeder hatte für mehrere hundert Euro Schall und Rauch aufgeladen und schob nach dem Bezahlen seine Beute mit stolzgeschwellter Brust zum Auto. So müssen die Steinzeitjäger ausgesehen haben, die mit einem erlegten Mammut an die Feuer der Herde zurückkehren. (Damit muss ich wohl als Autor leben, dass die Leute lieber einen halben Monatslohn in die Luft jagen, als für 99 Cent ein Buch von mir zu kaufen.)

Man merkt schon, dass ich diesem Phänomen ziemlich ratlos gegenüberstehe, da für mich 31. Dezember nur der Tag vor dem 1. Januar ist. Je älter ich werde, um so bedeutungsloser und lästiger wird mir dieses Silvesterfest; es macht mir nur meine sonst gut verdrängte Sterblichkeit bewusst, der ich wieder ein Jahr näher gerückt bin. Wer nicht an die Zukunft denkt, lebt ewig … Deshalb ist mir dies heut nur ein weiterer Montag, an dem ich nicht nur ein Blatt, sondern eben mal den ganzen Kalender auswechsle, aber ansonsten wie bisher weitermache – Schritt für Schritt in eine ungewisse Zukunft, von der nicht behaupten kann, dass ich mich auf sie freue. Und diese doofe Erkältung, die mich seit über einer Woche quält, habe ich noch immer nicht auskuriert! Das Wetter scheint meiner Meinung zu sein. Wir leben hier gerade unter einer kalten, nieselnden Wolke, die keine Sonnenstrahlen durchlässt und den tristen Tag in eine lange, graue Dämmerung verwandelt.

Silvester wird bei mir auch keine Party gemacht, denn Frau Klammerle hat wie immer Nachtwache und ich bin in der Regel so gegen 11 Uhr Abends eigentlich so müde, dass ich meinen Lesesessel der Katze überlassen und mich ins Bett schleppen könnte. Aber da ich weiß, dass mich der Lärm der Böller und Raketen wecken wird, werde ich geduldig bis Mitternacht warten, brav einen Piccolo öffnen – nicht mein Ding, dieser saure Sprudel, aber es gibt halt doch ein paar Traditionen, denen ich mich nicht entziehe -, dann stelle ich mich kurz ans Fenster und mache zweimal „Ahh“ und „Oohh!“, wenn die Leuchtspur einer Silvesterrakete den Nachthimmel zerkratzt und die feuchte Luft anschließend mit 5000 Tonnen krebserregendem Feinstaub geschwängert ist.(2) Vielleicht hängt das mit meinem fortschreitenden Alter zusammen – es gibt für mich immer weniger Gründe, den Beginn eines Neuen Jahres zu feiern. Denn die Erfahrung zeigt: Es kommt einfach nichts besseres nach. Was kann ich schon von 2019 erwarten, wenn bereits 2018 ziemlich mies war?

2019 liegt vor mir wie ein schroffer, schier unüberwindlicher Bergrücken.

Obwohl es mir eigentlich nicht zusagt, will ich jetzt aber doch einen letzten Kerzenrest, der von Weihnachten übriggeblieben ist, anzünden, Frau Klammerles neues Spielzeug, einen Aromadiffuser, der „Gute-Laune-Duft“(3) verbreitet, starten und ein wenig über gestern und morgen als Schriftsteller nachdenken. Während es 2018 im privaten und familären Kreis kaum Veränderungen gab, uns keine Krankheiten oder Schicksalsschläge trafen und damit alles so weit gut war – denn das Paradies muss man sich als einen Ort vorstellen, an dem sich nie etwas ändert -, war 2018 erneut ein schlechtes Jahr für mich als Autor; eine weitere einer langen Reihe von Niederlagen. Oh, ich habe meine Pläne verwirklicht und vier (!) Bücher veröffentlicht, darunter die ersten Bände meines „Jahrmarkt“-Zyklus‘ und den 3. Teil der Geltsamer-Trilogie – aber ich habe mir wieder kein Publikum aufbauen können und bleibe der unbekannteste Autor der Welt. Denn gelesen wurde nur, wenn ich meine Literatur verschenkte. Dafür kann ich mir zwei Gründe vorstellen: Entweder bin ich tatsächlich als Autor eine Pfeife und einfach schlecht oder ich habe einfach noch nicht meinen Leserkreis gefunden und er nicht mich. Selbstverständlich tendiere ich zu zweiterem, den mit ersterem kann ich nicht leben und werde deshalb weitermachen: Für 2019 habe ich selbstverständlich den vorletzten Geltsamer-Roman geplant, es werden ein weiterer Band mit Glossen aus meinem Blog und ein Erzählungsband aus dem „Jahrmarkt“ erscheinen und endlich der 2. Teil vom „Weg, der in den Tag führt“.

Meine Bücher 2019

Man kann mir nun vielleicht vorwerfen, dass dies zuviel Papiermüll ist, den ich da produziere, wenn schon die anderen 8 Bücher aus den Vorjahren selten gekauft und wenig gelesen werden. Aber diese Ankündigung dient zum einen meiner eigenen Schreibmotivation, die ich ja mangels Leser nur aus mir selbst fischen kann, und zum anderen glaube ich, dass ein großer back catalogue(4) mir mehr Publikum und Öffentlichkeit beschert. Vielleicht wecke ich aber auch bei dem einen oder anderen Vorfreude auf meine neuen Bücher, denn ein paar Leser habe ich freilich doch. Ich jedenfalls bin schon ganz aufgeregt, wie es weitergeht.

Auf jeden Fall wünsche ich einen schönen Silvesterabend und ein erfolgreiches, glückliches und gesundes 2019 und plaudere morgen Vormittag gut ausgeschlafen und weniger deprimiert weiter. [Hier geht es weiter …]

Nikolaus

___________

(1) Wenn ich für meinen bald 92jährigen alten Herrn einkaufen gehe, der noch immer in seiner Wohnung lebt und seit der Erkrankung meiner Mutter für sich selbst kocht, würde ich mir am liebsten ein Schild um den Hals hängen, auf dem „Dieser Einkauf ist nicht für mich“ steht. Neben Speisen, die ich als Vegetarier nur mit zwei Fingern vorsichtig und angeekelt aus dem Regal nehme („Schweinskopf in Aspik“, „Saures Lüngerl“, „Labskaus“, „Negerbeutel“ (1a), etc.), stehen auch immer zwei Flaschen Schnaps auf seinem Zettel. Diesmal sind es Calvados und „Kümmel“ – wobei ich mir nicht ganz sicher bin, ob bei zweiterem der Klare gemeint ist oder tatsächlich das Gewürz.

(1a) Fragt mich nicht …

(2) Ich werde mich jetzt mal bei den Silvesterfeuerwerks-Kritikern einreihen; das ist gerade Mode. Außerdem macht es mich wirklich krank, wenn ich überlege, was mit den 150 Millionen Euro alles gemacht werden könnte, die der Deutsche innerhalb von ein paar Minuten in die Luft jagt, dabei die Luft verschmutzt, seine verängstigten Haustiere mit dem Lärm terrorisiert (2a) und es in jedem Jahr Schwerverletzte und Tote gibt. Was für ein Schwachsinn!

(2a) Katze Amy wird sich zwei Tage nicht aus dem Keller trauen.

(3) Wie gute Laune riecht? Nach Zitrusfrüchten, eher scharf und aufdringlich. Ob es auch „Schlechte-Laune-Duft“ gibt? Den stelle ich mir eher erdig und salzig vor, mit Tabak- und Torfnoten im Abgang. Hmm, vielleicht sollte ich heute Abend statt einem Sekt ein Glas schottischen Whiskey trinken …

(4) Ursprünglich sollte hier „Backkatalog“ stehen, aber ich gönnte Hans-Dieter Heun den vorhersehbaren Scherz nicht.

 

Isabella, die Krippenkatze (Teil 5)

[Zum 1. Teil …]

Isabella, die Krippenkatze

Ein weihnachtliches Capriccio von
Nikolaus Xaver Maria Klammer.

weihnachtsband

Der erste Schritt auf dem Weg war getan.

Dargomir von Istafell nickte zufrieden und schob sein blutiges, längst schartig geschlagenes Kurzschwert zurück in die Scheide an seinem Ledergürtel und hängte sich seinen Schild über die Schulter. Dann stieg er mit entschlossener Miene über den Ringwall aus erschlagenen Eynhiriern, den er während seines langen Kampfes auf der Fallbrücke um sich herum aufgestapelt hatte.

Er ging ein paar Schritte, dann blickte er mit zusammengekniffenen Augen unter zornig herabgezogenen Brauen hinauf zu den Zinnen der finsteren Zitadelle Fynstrdarff. Die Regenschwaden, die ihm dabei entgegenpeitschten, wuschen die Blutflecken seiner Gegener aus seinem edlen Gesicht. Fynstrdarffs unüberwindbare Mauern, die aus fugenlosen und neumondsnachtschwarzen Obsidianquadern errichtet waren, stammten direkt aus den Vulkanschmieden des in der Vorväterzeit vom Himmel gefallenen Dribnisfelsens und galten als das härteste Gestein Hygëas. Die messerscharfen und wie groteske Alpträume ineinanderverschlungenen Wehrtürme dieses Bauwerks des Uralten Erzbösen ragten aus der Grabsteinebene vor dem mächtigen Ytselsgebirge so weit in den düstergrauen Himmel, dass ihre Spitzen die massiven Wolkenmassen aufrissen und es rund um die Heimatfeste des Molochs Dar‘Gyr in Ewigkeit regnete und gewitterte.

Dargomir lächelte grimmig und trat dann mit selbstsicherem, aber vorsichtigem Schritt auf das immer geöffnete Ausfalltor zu, das als einziges in die Zitadelle hinein führte. Es hatte schon viele, viele namenlose Recken und berühmte Helden verschluckt, aber noch nie einen wieder freigegeben. Ihre Körper baumelten für jeden leichtsinnigen Ritter zur Warnung in allen Stadien der Verwesung von den Obsidianmauern. Dem mächtigen Paladin Dargomir von Istafell würde dies nicht passieren! Er war der auserwählte Streiter von Belengar, des Gottes der Freien Lande. Mochte ihm Moloch Dar auch weiterhin all seine grausigen Geschöpfe und Monster entgegenschicken, die er in seinen Mauern züchtete; Dargomir würde sich wie ein Felsen in der Brandung dieser Flut entgegenstemmen, die Burg betreten und sie mit dem abgeschlagenen Kopf des Erzbösen in der Hand weider verlassen. So war es ihm vorhergesagt von der legendären Narne Skyd und nichts auf Himmel und Erde würde ihn von seinem Weg abbringen, den das Schicksal für ihn vorgezeichnet hatte. Auch nicht das Gelächter einer gewaltigen, unerträglich lauten Stimme, die ihn von oben herab verspottete:

„Dragomir der Starke kommt mich besuchen!“, rief sie kichernd und ihr Klang dröhnte in den Ohren des Paladins, der sich nur unzureichend schützen konnte, indem er die Hände an die Ohren presste. Es schien, als entstünde diese Stimme direkt in seinem Gehirn. „Welch eine Ehre!“

„Uralter Erböser! Siehe, die Zeit ist den Feind! Stelle dich deinem Schicksal!“, brüllte Dragomir und es gelang ihm tatsächlich, die Stimme in seinem Kopf auf diese Weise zum Schweigen zu bringen. Eine kurze Stille senkte sich über das blutige Schlachtfeld auf der Brücke vor dem einladend geöffenten Burgtor. „Schicke mir nur weiterhin deine ekelhaften Kreaturen und die Untoten, die du ihren Gräbern entrissen und mit deinen schwarzen magischen Künsten wiedererweckt hast, entgegen, du Vater der Lüge. Sie können mich nicht aufhalten, denn ich habe die Macht Belengars. Du jedoch hast deine widerwärtige Existenz endgültig verwirkt, als du meine Iduna ermorden ließest! Ich bin dein Richter! Ich bin dein Henker!“

„Nun, wir werden sehen, größenwahnsinniger Paladin eines kleinen, unbedeutenden Gottes“, wurde ihm dann voller Ironie geantwortet. „Noch hast du nicht einmal den Burghof von Fynstrdarff betreten.“

Dann … erklang ein furchtbares Gebrüll. Darin war nichts Menschliches. Es war der Urlaut ein entsetzlichen Ungeheuers und der Paladin wusste sogleich, was da vom Inneren der Zitadelle direkt auf ihn zukam. Und hier auf der engen Brücke gab es keine Möglichkeit, ihm auszuweichen. Dieses Gebrüll war unverkennbar der Schlachtruf von Dar‘Gyrs Schoßtier, dem entsetzlichen, feuerspeienden Drache Hymyr, der ganze Landstriche mit einem seiner glühenden Atemzüge vernichten konnte. Wo einmal seine Pratzen mit ihren mannsgroßen Klauen die Erde berührt hatten, dort wuchs in tausend Jahren nichts mehr. Dragomir atmete tief ein und suchte seine innere Mitte. Er fasste sich an seine Brust, wo er das Amulett trug, das ihm Iduna kurz vor ihrem Tod geschenkt hatte. Es pulsierte und zuckte in seiner Hand wie ein lebendiges Tier. Wie gerne wäre Dragomir nun auf seinem Ross Padra gesessen, um mit ihm gemeinsam dieser Monstrosität entgegenzutreten! Doch sein treues Pferd hatte den grausamen Ritt über die Grabsteinebene nicht überstanden und der Paladin war vollkommen allein und auf sich gestellt.

Doch er zögerte nicht länger. Jetzt entschied sich das Schicksal von Hygëa für die nächsten zehntausend Jahre, da durfte es kein Hadern und Zweifeln mehr geben! Er zog sein legendäres Zweihänderschwert Windterwynd aus dem Futteral in seinem Rücken. Die glänzenden Muskeln seiner Oberarme spielten wie mächtige Schlangen unter seiner Haut und, da er seine Kampfhaltung einnahm. Windterwynd pfiff in dem Regensturm eine heitere Melodie. Und da schob sich ein gigantisches Maul durch das Tor. Es schien nur vielen Reihen aus spitzen und scharfen Zähnen zu bestehen. Es roch nach Schwefel und Tod.

„Das hier ist nicht Betlehem, oder?“ Jemand tippte Dragomir von hinten vorsichtig auf die Schulter. Der Paladin fuhr zutiefst erschrocken herum. Ein seltsames Trio stand hinter im auf der Brücke und sah sich eingeschüchtert um. Sie waren aus einer merkwürdigen Tür aus Licht getreten, aus der es widerwärtig nach Unrat und Schsm stank. Die Gruppe bestand aus einem nassen, müffelnden und großen Hundvieh, einem merkwürdigen Esel mit roter Gnomenmütze zwischen den Langohrohren und einer Laterne im Maul, in der ein magisches Licht flackerte und einem kleinen, unscheinbaren Männlein, das der Gottesstreiter mit einem Atemzug hätte umblasen können. Das mickrige Kerlchen hatte ihn eben angetippt und fuhr nun verschüchtert fort: „Dann wollen wir nicht länger stören. Wir sehen ja, dass sie beschäftigt sind.“

Der aus dem Nichts aufgetauchte Mann – ein Zauberer von den fernen Schwürbleranfurten aus der tristen Nordmark vielleicht? Diese Magier sollten ja recht seltsam sein! – deutete erschrocken nach hinten. Verflucht und alles Pech der Hölle! Dragomir hatte den Drachen vergessen, der sich inzwischen durch das Tor gequetscht hatte, durch das er gerade so hindurchpasste und sich nun zu seiner vollen Größe aufgerichtet hatte! Deswegen wurde es ihm im Rücken plötzlich so heiß! Etwas kinsterte verbrannt und ein Feuerstoß traf den Paladin wie ein geschleuderter Speer direkt in sein geschultertes Schild. Der harte Flammenstrahl ließ ihn nach vorne taumeln. Dragomir ächzte und stolperte gegen den kleinen Schwächling, der so unvermutet aufgetaucht war. Friederbusch fiel nach hinten und setzte sich in den blutigen Matsch der Holzbrücke, der von der Hitze qualmte und in Brand geriet.

„Nein, dies ist nicht Bethlehem, bei den schwefelgelben Wasserfällen von Skydaris! Ich weiß überhaupt nicht, wo oder was das sein soll, dieses Beth— Krötenschleim nochmal!“, rief der Paladin und wirbelte auf seinen Füßen herum, ließ dabei seinen Bihänder kreisen. Die gewaltige Götterklinge traf den jadeharten Hals des Ungeheuers und brachte ihn wie einen Schrank mit Untertassen zum Klirren und Wanken. Doch vollkommen unbeeindruckt senkte sich das enorme Maul und schnappte nach Dragormir, der sich nur mit einer kühnen Seitwärtsrolle in Sicherheit bringen konnte. „Und ich bin gerade wirklich beschäftigt. Verdammnis!“, zischte er in Richtung des Trios. Dann drang von Neuem auf den Drachen des Erzbösen ein, der ihm für einen Moment seine ungeschützte, vernarbte Flanke zuwandte, wo ihn vor Jahrzehnten der Neunte Herr von Taigard verwundet hatte. Dies war die einzige Stelle, wo Hymyr verletzt werden konnte!

Der Weihnachtshund nahm Friederbusch am Kragen und zog ihn ein wenig zurück aus der Gefahrenzone.

„Ich gebe zu, das war ein kleiner Irrtum“, räumte Karl-Heinz kleinlaut ein und wirkte ein wenig ärgerlich. Von seinem verbrannten Fell kräuselte sich ein kleiner Rauchfaden empor. Er stupfte Friederbusch mit der Schnauze an, der mit dem Hintern im dampfenden Schlamm wie in einer Sauna saß und fasziniert den entscheidenden Kampf des mutigen Helden mit dem geflügelten, giftiggrünen Drachen verfolgte, der den Ritter um eine Haushöhe überragte. Sein größter und sehnlichster Wunsch, einmal wirklich in ein Fantasy-Abenteuer zu geraten, war eben spektakulär in Erfüllung gegangen. „Offensichtlich war das die falsche Abzweigung und bestimmt die falsche Tür, durch die wir gestolpert sind. Die führte uns wohl geradewegs in die Unwahrscheinlichen Welten. Gut, dann haben wir das jetzt auch gesehen. Aber jetzt gehen wir besser wieder. Kommst du auch oder willst du noch ein wenig zugucken?“

[Die Fortsetzung folgt am nächsten Sonntag.]

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