21.07.21 – Aus! Aus! Das Spiel ist aus.

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Mittwoch, 21.07.21

sommerpause

Heute Morgen war es ziemlich kalt in meinem Gärtchen; der Tau lag in dicken Tropfen auf dem Gras und den Terrassenmöbeln. Die jungen Diedorfer Störche (wir haben hier inzwischen eine Kolonie mit vier Nestern und etwa zehn Jungtieren) übten in der Höhe ihre Kreise. Zwar hat dieser schier endlose Zeitschleifen-, Regenbogen- und Gewittersommer der letzten Wochen (Monate?) einem zumindest bis Samstag stabilen Hoch Platz gemacht, aber der Juli ist wie der Juni und wie der Frühling ersatzlos ausgefallen.  Die Sonnenblumen und Echinaceen haben zu blühen begonnen, die Kürbisse und Tomaten reifen auf dem Hochbeet. Ein wohlbekannter Duft, ein würziger Geschmack und durchsichtiges Licht liegen in der Luft: Aus dem Regenloch kam nicht der Sommer, sondern der Herbst gekrochen.

Und ich bemerkte heute Morgen beim Umsehen in meinem Gärtlein auch mit plötzlichem Erschrecken, dass es für mich endlich Zeit wird, so bald wie möglich den jährlichen Urlaub zu beginnen, bevor die Tage immer kürzer werden und man bei den Discountern Lebkuchen, Zwetschgendatschi und neuen Suser kaufen kann. Und es ist höchste Zeit! Für mich als Autor ist jetzt Jahresende, im Sommer sind alle mehr Körper als Geist und das ohnehin schon mangelnde Interesse an meiner Kunst kommt vollkommen zum Erliegen. Meine Literatur eignet sich leider auch nicht zur leichten Urlaubslektüre. Ich werde in den nächsten Tagen noch die eine oder odere Lesung einsprechen (1), aber dann pfeife ich das Spiel ab. Ich werde mich für die nächsten zwei Monate aus dem Internet zurückziehen, meinen social-media-Kramladen schließen und nur noch im Notfall auf E-Mails und Whats-App-Nachrichten reagieren (2). Analoge Arbeit, die keine Ablenkung duldet, steht an. Das Kerngeschäft muss im Vordergrund stehen; der vierte Band meiner fünfteiligen Geltsamer-Trilogie will zuende geschrieben und korrigiert werden; denn ich will den Roman noch in diesem Jahr veröffentlichen, auf den nicht wenige meiner Leser seit drei Jahren mehr oder weniger ungeduldig warten.

Kerr - Kopie (2)

Selbstverständlich ist auch längst ein längerer Urlaub geplant. Frau Klammerle und ich werden uns zum ersten Mal seit November 2019 wieder ins befreundete Ausland wagen und einen längeren Wanderurlaub zuerst in Österreich (Kaunertal), dann in Südtirol (Stilfser Joch) unternehmen. Weiter in den Süden haben wir uns nicht gewagt und so muss das geliebte mare nostrum ein fernes Sommermärchen bleiben, eine unerreichbare, süße Sehnsucht, die im Herzen wie eine Nadel sticht.

sommerpause1

Trotzdem: Es wird herrlich werden. Vielleicht schicke ich euch ja mal eine Postkarte. Seid ruhig ein wenig neidisch.

Und nun schicke ich zum Abschluss herzliche Grüße aus meiner Schreibklause. Ihr wisst ja, vor dem Spiel ist nach dem Spiel. Vielleicht bleibt mir ja der oder die eine oder andere von euch über meine Sommerpause hinweg treu und wir sehen und hören uns im Herbst wieder.

Euer Nikolaus

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(1) Ich sehe zwar, dass ich mit meinen Online-Lesungen büchstäblich niemanden erreiche, aber da es mir noch Spaß macht, die kleinen Filmchen zu erstellen und sie hier und bei Youtube hochzustellen, mache ich noch ein wenig weiter.
 
(2) Sehe ich mir die Zugriffszahlen hier auf diesem Blog, auf Youtube und auf Instagram an, dann ist die Tendenz klar: Es wird mich kaum jemand in den nächsten Wochen vermissen. Falls doch der oder die eine oder andere Entzugserscheinungen bekommt: Ich habe den ganzen August meine 14 E-Books in allen Onlineshops auf 0,99 Euro verbilligt und man kann meine großartige und spannende Literatur genießen, ohne sich finanziell ruinieren.
 

16.07.21 – Kummer mit „Klummer“

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klummer

Freitag, 16.07.21

Nein, ich werde kein Foto von meinem Impfpass oder den Pflastern an meinem Arm posten! (1) Seit nun zwei Wochen gehöre ich ebenfalls zu den bundesrepublikanischen Privilegierten, die eine vollständige Corona-Impfung hinter sich haben. Und es geht mir ausgezeichnet dabei. Die beiden kleinen Nadelstiche in den Oberarm knapp unterhalb meiner Pockenimpfungsnarbe hatten keinerlei Neben- oder Nachwirkungen. Gesundheitlich (ich habe ja über 50 Pfund abgenommen) geht es mir so gut wie schon lange nicht mehr. Die Irren von der Impfgegner- und Coronaleugnerfront sind zwar der Meinung, dass ich damit mein eigenes Todesurteil unterschrieben habe, dessen Vollstreckung Gevatter Hein im Spätherbst zuverlässig erledigen wird – aber, hey, immerhin kommt nun ein Sommer, in dem ich wieder relativ unbelastet arbeiten, Freude und Verwandte treffen, in Konzerte und Essen gehen, reisen und Bergwandern kann. Das ist es wert. (2)

Oder aber: Das passiert alles nicht mir, sondern „Norbert Klummer“. Und das kam so: Zu den Impfungen meldete mich mein Arbeitgeber an, bei dem ich –  ständig einer größeren und wechselnden Personengruppe ausgesetzt – meinem Brotberuf nachgehe. Dabei kam es zu einem Übermittlungsfehler, den ich allerdings erst bemerkte, als der zweite Termin im Impfzentrum anstand und ich meine Unterlagen zusammensammelte. Dort stand zu lesen, dass statt „Nikolaus Klammer“ „Nikolaus Klummer“ die Impfung erhalten sollte. Nicht einmal meine Wohnadresse stimmte – es war die Adresse meines Arbeitgebers eingetragen. Ich machte im Zentrum selbstverständlich das Personal und den Arzt sofort auf diesen Fehler aufmerksam. Der ungläubige Arzt fragte mich zuerst allen Ernstes, ob ich zwischen den Impfungen meinen Namen in „Klammer“ geändert hätte.

„Klar. Ich habe geheiratet und den Namen meiner Frau angenommen.“ Er goutierte meinen Humor nicht und danach hatte ich es schwerer mit ihm. Zwar weist mich mein gelber Impfausweis richtig als „Klammer“ aus, aber leider hat auch er ein Manko. Als der Pass irgendwann in den 70ern erstellt wurde, hat sich die Arzthelferin beim Vornamen geirrt. Auf dem Impfausweis steht „Norbert Klammer“. Ich habe den „Norbert“ dann damals einfach durchgestrichen, in krakeliger Schrift „Nikolaus“ drübergeschrieben und mir in all den Jahren bei meinen Gelbsucht-, Tetanus- und all den anderen Impfungen nie Gedanken darüber gemacht. Ich kann also nicht beweisen, dass ich „ich“ bin und auf jeden Fall konnte niemand im Computer des Impfzentrums meinen Datensatz ändern und einfach aus dem „u“ ein „a“ machen.

„Das ist uns aus Datenschutzgründen nicht möglich“, hieß es. Dies ist echte deutsche Bürokratie. Der Datenschutz schützt mich vor mir selbst. (3) Der Fehler liegt immer bei mir und nie im Amt. Deshalb erhielt ich zwar trotzdem meine zweite Impfung, aber das QR-Zertifikat für die Corona-App nennt mich unverdrossen „Nikolaus Klummer“ (In die Luca-App kann ich es erst gar nicht eintragen). Bislang gab es damit keine Probleme, aber wenn ich in einem Monat nach Österreich und Südtirol zum Bergwandern reisen will, werde ich wohl meinen Namen in „Norbert Klummer“ ändern müssen, wenn ich über die Grenze möchte. Denn was im Computer steht, stimmt. Da könnte ja jeder kommen!

Ja. Wir wagen es und werden im August für mehrere Wochen verreisen. Wir haben Ferienwohnungen gebucht. Zuerst geht es ins Kaunertal und dann hoch zum Stilfser Joch. Jetzt hoffen wir, dass uns „Delta“ oder dieser Regenloch-Sommer(1) nicht noch dazwischen grätschen und wir in der Abgeschiedenheit und Einsamkeit auf unsere Berge steigen und Ruhe und Abstand finden können. Drückt uns die Daumen!


(1) Ich habe keine Ahnung, was die Leute dazu treibt, Instagram und Facebook mit solchen exhibitionistischen Aufnahmen zu fluten. In diesem Zusammenhang: Seit mehreren Monaten gibt es offenbar keine Nachrichtensendung mehr, in der nicht in Großaufnahme gezeigt wird, wie jemandem eine Impfung gesetzt wird. Ich glaube, ich habe in dieser Pandemie mehr entblößte Oberarme gesehen als in meinem ganzen Leben vorher. Es gibt viele Körperstellen, die beim Durchschnittsbürger nur bedingt erotisch sind und bleiche, picklige, fette Oberarme gehören definitiv dazu.

(2) Frau Klammerle ist übrigens schon seit Januar doppelt geimpft und ihr geht es ebenfalls glänzend. Sie lässt grüßen. Und lasst euch verdammt noch mal impfen! Es gibt kein vernünftiges Argument dagegen. Impfung ist der einzige Weg, um diese Pandemie zu überwinden. So sind wir auch die Pocken und die Kinderlähmung losgeworden und hoffentlich bald auch die Masern.

(3) Vor ein paar Jahren benötigte Sohn Nr. 2 für seinen Beruf als Erzieher ein sauteures, sogenanntes erweitertes Führungszeugnis. Als es endlich eintraf, stellten wir fest, dass als seine Staatsbürgerschaft als „finnisch“ angegeben war. Als Frau Klammerle nach endloser Buchbinder-Wanninger-Telefoniererei endlich bei der zuständigen Stelle landete, wurde sie allen Ernstes zuerst gefragt, ob es nicht möglich sei, dass er doch Finne sei. Es musste von ihr einiges an Überzeugungsarbeit geleistet und eidesstattlich versichert werden, dass es in unserer Familie noch nie einen Finnen gab, bis wir ein zweites, richtiges Zeugnis bekamen, das wir selbstredend noch einmal bezahlen mussten. Ein anderes Beispiel: In meinem digitalen Personalbogen bei meinem Brötchengeber steht eingetragen, dass ich insgesamt 4 Söhne hätte, Zwillinge, die wie mein Sohn Nr. 1 heißen und zwei, die den Vornamen von Sohn Nr. 2 tragen. Dieser Fehler wurde auch nie verbessert, obwohl ich mehrmals auf ihn hingewiesen habe. Ich habe keine Ahnung, was dieser Tippfehler noch für Konsequenzen haben wird.

(4) Nein, ich werde nicht über diesen beschissenen Sommer jammern! Ich will mir das abgewöhnen. Ist dir aufgefallen, wie viele Fotos von Regenbögen gerade gemacht werden? Ich habe mich auch schon dabei ertappt; man kommt ihnen morgens und abends kaum mehr aus. Dies ist ein Regenbogensommer. Und das ist ein herrlicher Titel für einen Roman, für den ich hiermit das Urheberrecht beanspruche (Demnächst in der Galerie der imaginären Cover)

 
 

wahrheit – Lesung

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Willkommen zu meiner Lesung der Kurzgeschichte „wahrheit“. Die meisten meiner Kurzgeschichten findest du übrigens in meinem Buch „Das Rote Haus“, wenn du sie lieber lesen, als hören willst. Ich bin entschlossen, solche Lesungen hier häufiger zu posten. Vielleicht finde ich ja ein paar Hörer.

Das Foto in meinem Hintergrund zeigt den Ortler mit seinen Wolkenflügeln. Das ist einer meiner Sehnsuchtsorte, den ich im Sommer endlich einmal wieder besuchen möchte.

wahrheit1

Ich wünsche viel Vergnügen und würde mich übrigens wirklich über einen Kommentar freuen.

Liebe Grüße, Dein Nikolaus

moiedel

16.02.21 – Der Güter gefährlichstes

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Faschingsdienstag, 16.02.21

Liebe Leserin,

was ist denn nun der Güter gefährlichstes?, wirst du jetzt fragen. Laut Hölderlin ist »der Güter gefährlichstes die Sprache, die dem Menschen gegeben wurde«, damit er mit der Sprache schafft, zerstört und untergeht, und wiederkehrt zur Ewiglebenden, zur Meisterin und Mutter, der allerhaltenden Liebe. Ja, das ist schwülstig formuliert, aber trotzdem nicht falsch. Sprache ist gefährlich, manchmal sogar tödlich – für jene, die reden und auch für jene, die zuhören.

Ich bin inzwischen ein Hansdampf-in-allen-Gassen geworden und treibe mich in einer Vielzahl von sozialen Medien herum (1), um für meine Literatur (und auch für mich) zu werben. Der Erfolg, das weißt du ja auch, ist sehr übersichtlich. Aber es kann doch sein, dass einige hundert fremde Personen lesen, was ich so von mir gebe. Das ist für meine literarischen Texte, hinter denen ich mich gut verstecken kann, eigentlich kein großes Problem. Zwar beurteilen mich manche allein über meine Geschichten und kommen dann zu einem für meine Psyche recht zweifelhaften Ergebnis, aber da sie mich nicht persönlich kennen, kann ich gut damit leben. Doch heute scheint es gerade für den Autor ganz wichtig zu sein, aus seinem Kämmerchen ins Licht der Öffentlichkeit zu treten und sich mitsamt seinem Werk zu verkaufen. Der anonyme Schöpfer im Hintergrund darf nicht mehr schaffen. Das Publikum fordert seine Präsenz. Das ist ein ganz neues Konzept unserer Zeit.

Dadurch stehe ich vor zwei Herausforderungen: Um Erfolg beim Publikum zu haben, muss ich symphatischer, menschenfreundlicher und kommunikativer erscheinen, als ich tatsächlich bin. Dazu kommt, dass ich mir immer wieder überlegen muss, was ich von mir und damit auch von meinem Umfeld preisgebe und was ich verschweige. Grundsätzlich mache ich einen Unterschied zwischen »persönlich« und »privat«. Ich will es mal an einem Beispiel erklären:

In der letzten Zeit habe ich das Gefühl, dass die Wände meiner Wohnung immer näher auf mich zurücken. Auch der tägliche »Hofgang« ist nicht mehr besonders erquicklich und inzwischen bin ich mit jedem Hundehaufen im Weichbild meines Dorfes per Du. Kürzlich zeigte mir mein grausamer Cloud-Fotospeicher, was für tolle Urlaubstage ich in den Jahren vor den Coronalockdowns erlebt hatte und bekam eine mittlere Lebenskrise (2), bei dem Gedanken, nie wieder in Südtirol Urlaub machen zu können. Das sind zwar Erstweltprobleme, aber deshalb für mich nicht weniger bedeutend. Dann waren am Sonntag Frau Klammerle und ich bei eiskaltem, aber traumhaftem Winterwetter im Unterallgäu unterwegs und wanderten, bis sich Eiszapfen an den Nasenspitzen bildeten. Es war ein perfekter Tag und ich bin wieder aus meiner Depression heraus. Jetzt mag endlich der Frühling kommen!

Frau Klammerle hat sich extra für die Wanderung eine Mütze gestrickt. Sie hat im Lockdown das Stricken wiederentdeckt und inzwischen jeden in meiner Familie mit bunten Socken versorgt.

Das war jetzt ein Beispiel für »persönliche« Nachrichten, die ich gerne teile. Privates jedoch wird immer außen vor bleiben;  wie Frau Klammerles Vorname oder ihr Gesicht, aber auch viel Schwerwiegenderes wie Schicksalsschläge, Krankheiten oder auch mein Brotberuf. Dies geht Fremde nichts an und es steht ihnen auch nicht zu, mich danach zu fragen. Viele sind da mitteilungsfreudiger, aber ich finde, dass es weiterhin Dinge gibt, die ich nicht mit aller Welt und jedem, sondern nur mit meinen Freunden teilen möchte. Solche Dinge auf Instagram oder einem anderen oberflächlichen Jahrmarkt der Eitelkeiten zu teilen,  ist falsch und kann gefährlich werden. Der Güter gefährlichstes, das ist die Sprache.

Dein Nikolaus

PS. In der letzten habe ich zu meiner Überraschung im Kalender entdeckt, dass gerade Fasching ist. Das betrifft mich kaum. Der Augs- hat mit dem Hamburger gemeinsam, dass er lieber ein Glas Essiggurkenwasser trinkt, als in Karnevalslaune zu kommen. Ich bin eher auf gutbayerisch »narrisch« als närrisch. Allerdings gibt es ein Ding, auf die ich in den tollen Tagen nicht verzichten kann. Das ist durchaus nicht die Pappnase, sondern Schmalzgebackenes aus Frau Klammerles Produktion. Hurra!  Alle Jahre wieder: Es ist Fasenacht, wenn Frau Klammerle Küchle backt! Und man beachte meine wunderschöne Tasse aus dem Brautschau-Fanshop!

PPS. Ein Rat noch: Bestelle nie zum Valentinstag online einen Blumenstrauß, wenn die Außentemperatur – 16 ° C beträgt. Es sei denn, der Mensch, den du liebst, steht auf schockgefrorene Rosen (Frau Klammerle tut es nicht).


(1) Ist es dir aufgefallen? Ich habe heute nikolaus-klammer.blog ein neuen neuen Look verpasst. Ganz fertig bin ich noch nicht, aber die Site ist nun schlichter und einprägsamer und ich hoffe, sie gefällt dir wie mir.

(2) Dieser Moment fiel auch mit meinem ziemlich einsamen Geburtstag zusammen, den ich in der letzten Woche … naja, feierte. Deshalb war auch mein Tagebucheintrag der letzten Woche so negativ und deprimiert.

26.01. Die Nebenwirkungen des Heimbüros …

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Dienstag, 26.01.21

Liebe Leserin,

Homeoffice (1) ist ja in aller Munde. Auch wenn Frau Klammerle als examinierte Intensiv-Krankenschwester über diese Diskussion nur bitter lächeln kann, wenn sie mal wieder in Schneetreiben und Finsternis zu Frühschicht oder Nachtwache antritt. Aber sie ist ganz im Gegensatz zu mir gesellschaftlich relevant, wurde schon zweimal geimpft und ist aus dem Gröbsten raus. Meine Autorenarbeit jedoch fand schon immer zu 99 % zu Hause statt. Deshalb war der Corona-Lockdown oder, exakter, -Shutdown (wo kommen eigentlich diese Wörter her?) für mich keine große Umgewöhnung. Er entspricht eigentlich meiner natürlichen Lebensweise. Im Gegenteil, mein Schreibtag ist nun sogar wesentlich strukturierter und ertragreicher. Ich setze für gewöhnlich Abends oder Morgens Texte in meinen Notizbüchern auf, tippe sie anschließend mit meinem neuen Schreibprogramm (2) ab, überarbeite sie, verbessere Fehler und recherchiere im Internet. Am Nachmittag – also jetzt – schreibe ich Blogartikel und arbeite fleißig an meiner neuen Website siebenhardt.wordpress.com. (3)

Ich gebe gerne zu, dass es im Weichbild meines Wohnorts sehr schön ist, wenn das Wetter passt.

Regelmäßig zwingt mich auch Frau Klammerle dann auch – mal mit roher und mal mit sanfter Gewalt, meine Balzac’sche Schreibklause zu verlassen und jagt mich in die gerade tiefverschneiten Wälder rings um Diedorf. Schließlich muss ich ja manchmal ausgelüftet, heruntergekühlt und bewegt werden. Dazu haben wir wieder neu entdeckt, wie sehr es Spaß macht, ein Brettspiel zu spielen und wir kochen jetzt jeden Abend gemeinsam und meist auch lecker. Netflix und Amazon Prime beenden dann den Tag, der meist sehr befriedigend war. Über meiner Nachtlektüre schlafe ich dann ein und der Kreislauf beginnt von Neuem.

Der Verlust der sozialen Kontakte, der mit dem Lockdown einhergeht, macht mir übrigens wenig zu schaffen, denn ich hatte ja noch nie welche. Nur, dass ich meine Söhne höchstens einzeln und dann nur alle zwei Wochen sehen kann, macht mir ein wenig zu schaffen. Mit dem einzigen Freund, der mir inzwischen verblieben ist, treffe ich mich ab und an in einer Videokonferenz und wir spielen übers Internet Schach. (4)

Gut, ganz so rosig ist alles nicht, denn wir bekommen immer wieder einmal einen Lagerkoller, streiten uns aufgrund von Kleinigkeiten. Ich neige – auch aufgrund des Wetters – zu depressiven Momenten und zu Verzweiflungsattacken, wenn wieder einmal ein Tag vergangen ist und niemand auf meinem Blog oder meiner Website gewesen ist und es mir seit Wochen nicht mehr gelungen ist, auch nur ein einziges Buch an die Frau zu bringen. Frau Klammerle geht auf die Nerven, dass sie nur immer mich sieht, keinen Sport treiben, in kein Café darf und keinen Schaufensterbummel machen kann. Und was uns beiden wirklich, wirklich, wirklich fehlt und uns manchmal in Verzweiflung treibt: Das wäre ein Urlaub.  Doch davon kann man wohl in den nächsten Monaten nicht einmal träumen …

Aber ich wollte eigentlich etwas ganz anderes erzählen.

Frau Klammerle ist modern. Ihre Hobbys waren schon immer am Puls der Zeit. Als es „in“ war, hat sie Makramee geknüpft, dann einen Seidenmal-Rahmen und passende Farben gebraucht. Sie hat merkwürdige Kunststoff-Fensterbilder gemalt, Joghurt gemacht, Seife gekocht und hielt sich sogar kurzzeitig einen Kombucha. Sie experimentierte mit Serviettentechnik, gärtnert eifrig, macht Objekte aus Weidenholz und ist jeder Backidee aufgeschlossen. Nur Schneidern, Häkeln und Stricken versucht sie zwar ab und an, wird allerdings mit ihren Projekten selten fertig und ist noch seltener mit ihnen zufrieden. 

Dies ist keine weitere Fantasy-Map von mir, sondern ein ofenfrisches Ergebnis von Frau Klammerles neuestem Steckenpferd: Dies ist ein Foto von ihrem genial leckeren Roggenbrot. Sie hat sich kürzlich sogar einen Gärkorb und eine Steinplatte für den Backofen beschafft (auf dem auch herrliche Pizzen entstehen). Der (noch namenlose) Sauerteig, der jetzt seit ein paar Monaten im Kühlschrank wohnt, ist inzwischen eine Art zweites Haustier geworden, das wenig Ansprüche stellt und mich nicht wie eine gewisse Katze morgens um 06:00 Uhr weckt, weil es Hunger hat. Ein Löffel Mehl in der Woche reicht ihm.

Und deshalb gibt es als jetzt als Frühstück oder kleinere Zwischenmahlzeit immer noch ein leckeres Marmeladen- oder Käsebrot, bevor ich den Schreibvormittag starte. Ganz ehrlich: Das ist das beste Hobby, das meine Frau jemals pflegte und ich hoffe, dass sie es nicht wie manche andere zur Seite legt und in einer Kiste in ihrem Arbeitszimmer versteckt.

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(1) Homeoffice ist wie Handy übrigens mal wieder einmal ein „denglischer“ Begriff, d. h. niemand außer den Deutschen benutzt ihn. In den USA ist es einfach working at home und ich frage mich, wer den Ausdruck erfunden hat und warum man nicht „Heimarbeit“ oder meinetwegen „Heimbüro“ verwendet kann.

(2) Nach langem Zögern habe ich mich dazu durchgerungen, mir das Schreibprogramm „Papyrus Autor“ zu gönnen, das sich direkt an Schriftsteller wendet. Das Schreiben mit der kostenlosen LibreOffice war nicht unbedingt schlecht, zumindest besser als mit dem grausamen Word. „Papyrus“ hat zwar einigen unnötigen Schnickschnack an Bord, aber auch einige Komfortelemente wie z. B. den Dudenkorrektor oder eine direkte und ordentliche E-Book-Exportfunktion, die ich inzwischen zu Schätzen gelernt habe. Das ideale Schreibprogramm für Autoren gibt es ebenso wenig wie die ideale Kaffeemaschine.

(3) Ich bin dabei, den Prologroman „Mánis Fall“ zu schreiben und noch viel mehr Landkarten für die Site zu erstellen. Ich habe sie inzwischen auch mit einer Wiki verknüpft, auch wenn diese noch keine nennenswerten Einträge hat. Ich glaube, die Online-Brautschau-Enzyklopädie der Jenseitigen und Überlebenden Lande wird eine Aufgabe für meine Rente. Wer trotzdem schon einmal reinschnuppern möchte: Hier ist der Link.

(4) Und, ja, er gewinnt immer, so, wie Frau Klammerle beim „Mensch-Ärgere-Dich-Nicht“. Er war auch früher in dem Spiel besser als ich, aber heute bin ich mit dem langsamen Nachlassen meiner Gehirnleistung chancenlos. Nebenzu: Warum nennen Politiker und Journalisten im Fernsehen eine Online-Konferenz immer eine „Video-Schalte“? Schalte! Was ist das für ein doofes Preußenwort, das mir jedesmal Kopfschmerz bereitet, wenn ich es höre. Hat es etwa der selbe Mensch erfunden, dem wir auch die Homeoffice und das Handy verdanken?