16.02.21 – Der Güter gefährlichstes

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Faschingsdienstag, 16.02.21

Liebe Leserin,

was ist denn nun der Güter gefährlichstes?, wirst du jetzt fragen. Laut Hölderlin ist »der Güter gefährlichstes die Sprache, die dem Menschen gegeben wurde«, damit er mit der Sprache schafft, zerstört und untergeht, und wiederkehrt zur Ewiglebenden, zur Meisterin und Mutter, der allerhaltenden Liebe. Ja, das ist schwülstig formuliert, aber trotzdem nicht falsch. Sprache ist gefährlich, manchmal sogar tödlich – für jene, die reden und auch für jene, die zuhören.

Ich bin inzwischen ein Hansdampf-in-allen-Gassen geworden und treibe mich in einer Vielzahl von sozialen Medien herum (1), um für meine Literatur (und auch für mich) zu werben. Der Erfolg, das weißt du ja auch, ist sehr übersichtlich. Aber es kann doch sein, dass einige hundert fremde Personen lesen, was ich so von mir gebe. Das ist für meine literarischen Texte, hinter denen ich mich gut verstecken kann, eigentlich kein großes Problem. Zwar beurteilen mich manche allein über meine Geschichten und kommen dann zu einem für meine Psyche recht zweifelhaften Ergebnis, aber da sie mich nicht persönlich kennen, kann ich gut damit leben. Doch heute scheint es gerade für den Autor ganz wichtig zu sein, aus seinem Kämmerchen ins Licht der Öffentlichkeit zu treten und sich mitsamt seinem Werk zu verkaufen. Der anonyme Schöpfer im Hintergrund darf nicht mehr schaffen. Das Publikum fordert seine Präsenz. Das ist ein ganz neues Konzept unserer Zeit.

Dadurch stehe ich vor zwei Herausforderungen: Um Erfolg beim Publikum zu haben, muss ich symphatischer, menschenfreundlicher und kommunikativer erscheinen, als ich tatsächlich bin. Dazu kommt, dass ich mir immer wieder überlegen muss, was ich von mir und damit auch von meinem Umfeld preisgebe und was ich verschweige. Grundsätzlich mache ich einen Unterschied zwischen »persönlich« und »privat«. Ich will es mal an einem Beispiel erklären:

In der letzten Zeit habe ich das Gefühl, dass die Wände meiner Wohnung immer näher auf mich zurücken. Auch der tägliche »Hofgang« ist nicht mehr besonders erquicklich und inzwischen bin ich mit jedem Hundehaufen im Weichbild meines Dorfes per Du. Kürzlich zeigte mir mein grausamer Cloud-Fotospeicher, was für tolle Urlaubstage ich in den Jahren vor den Coronalockdowns erlebt hatte und bekam eine mittlere Lebenskrise (2), bei dem Gedanken, nie wieder in Südtirol Urlaub machen zu können. Das sind zwar Erstweltprobleme, aber deshalb für mich nicht weniger bedeutend. Dann waren am Sonntag Frau Klammerle und ich bei eiskaltem, aber traumhaftem Winterwetter im Unterallgäu unterwegs und wanderten, bis sich Eiszapfen an den Nasenspitzen bildeten. Es war ein perfekter Tag und ich bin wieder aus meiner Depression heraus. Jetzt mag endlich der Frühling kommen!

Frau Klammerle hat sich extra für die Wanderung eine Mütze gestrickt. Sie hat im Lockdown das Stricken wiederentdeckt und inzwischen jeden in meiner Familie mit bunten Socken versorgt.

Das war jetzt ein Beispiel für »persönliche« Nachrichten, die ich gerne teile. Privates jedoch wird immer außen vor bleiben;  wie Frau Klammerles Vorname oder ihr Gesicht, aber auch viel Schwerwiegenderes wie Schicksalsschläge, Krankheiten oder auch mein Brotberuf. Dies geht Fremde nichts an und es steht ihnen auch nicht zu, mich danach zu fragen. Viele sind da mitteilungsfreudiger, aber ich finde, dass es weiterhin Dinge gibt, die ich nicht mit aller Welt und jedem, sondern nur mit meinen Freunden teilen möchte. Solche Dinge auf Instagram oder einem anderen oberflächlichen Jahrmarkt der Eitelkeiten zu teilen,  ist falsch und kann gefährlich werden. Der Güter gefährlichstes, das ist die Sprache.

Dein Nikolaus

PS. In der letzten habe ich zu meiner Überraschung im Kalender entdeckt, dass gerade Fasching ist. Das betrifft mich kaum. Der Augs- hat mit dem Hamburger gemeinsam, dass er lieber ein Glas Essiggurkenwasser trinkt, als in Karnevalslaune zu kommen. Ich bin eher auf gutbayerisch »narrisch« als närrisch. Allerdings gibt es ein Ding, auf die ich in den tollen Tagen nicht verzichten kann. Das ist durchaus nicht die Pappnase, sondern Schmalzgebackenes aus Frau Klammerles Produktion. Hurra!  Alle Jahre wieder: Es ist Fasenacht, wenn Frau Klammerle Küchle backt! Und man beachte meine wunderschöne Tasse aus dem Brautschau-Fanshop!

PPS. Ein Rat noch: Bestelle nie zum Valentinstag online einen Blumenstrauß, wenn die Außentemperatur – 16 ° C beträgt. Es sei denn, der Mensch, den du liebst, steht auf schockgefrorene Rosen (Frau Klammerle tut es nicht).


(1) Ist es dir aufgefallen? Ich habe heute nikolaus-klammer.blog ein neuen neuen Look verpasst. Ganz fertig bin ich noch nicht, aber die Site ist nun schlichter und einprägsamer und ich hoffe, sie gefällt dir wie mir.

(2) Dieser Moment fiel auch mit meinem ziemlich einsamen Geburtstag zusammen, den ich in der letzten Woche … naja, feierte. Deshalb war auch mein Tagebucheintrag der letzten Woche so negativ und deprimiert.

04.02.21 »Lasciate ogni speranza, voi ch’entrate!«

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Donnerstag, 04.02.21

Liebe Leserin,

Dante Alighieri (1) hatte offenbar prophetische Fähigkeiten: »Ihr, die ihr durch mich eintretet, lasst alle Hoffnung fahren«, kann man in seiner Commedia als Inschrift über dem Tor zur Hölle lesen. Eigentlich sollten diese Zeilen auch erscheinen, wenn man den Browser öffnet und ins Internet geht, um seine sozialen Netzwerke zu pflegen. Denn das Internet und seine hohlen Versprechungen sind zumindest das Purgatorio, in dem ich gequält werde – ohne zu wissen, wann ich in seinen Feuern genug »geläutert« wurde, um es endlich verlassen zu dürfen. Ja, ich weiß, ich bin selbst schuld. Ich mache es für mich (und vielleicht auch für dich) durch mein Gejammere noch schlimmer, das ist mir klar. Aber es ist gerade in dieser Zeit, in der ich den Eindruck habe, ich hocke von Gott, den Menschen und allen guten Geistern verlassen in einer Zeitschleife und in Einzelhaft gefangen in meinen vier Wänden, kaum erträglich. Wie jemand in diesen Tagen Optimismus ausstrahlen kann, ist mir ein vollkommenes Rätsel. Ich schleppte mich durch den schier end- und hoffnungslosen Januar, den irgendwie auch der Februar noch nicht beendet hat, funktioniere mehr, als dass ich handle. Meine ohnehin wenigen  Kontakte tendieren gegen 1 (Das ist Frau Klammerle, der ich gerade ein wenig auf die Nerven gehe). Ich esse und trinke viel zu viel und starre gefühlt stundenlang in den Regen hinaus oder in mein Smartphone. Doch weder in meinem Garten, noch im Internet tut sich etwas – überall herrscht nur Leere und Ödnis; es wird früh dunkel und spät hell. Ich werde vom Wetter und vom Internet geghostet. Die Kraft, mich hier aus meinem Fegefeuer herauszuwinden, schwindet mit jedem Tag, den ich gezwungenermaßen im Lockdown verbringen muss.

Und ich bemühe mich wirklich, mich aus diesem Sumpf zu befreien – Zeit habe ich ja. Mein Erzählungsband »Stromausfall« ist beinahe fertig und ich hoffe, ihn nach dem Lektorat im März veröffentlichen zu können. Ich schreibe regelmäßig an meinen neuen Romanen »Die Bücherkeller des Vatikans« und »Mánis Fluch«, die mir beide gut von der Hand gehen. Von ihnen habe ich bereits gut 30.000 Wörter, also fast 150 Seiten geschrieben und wenn ich in diesem Tempo weitermache, beende ich die Romane im Sommer, bzw. im Herbst.

Ich habe für meine Fantasy-Saga »Brautschau« eine WordPress-Site eingerichtet und viel Zeit in ihre Erstellung investiert, Illustrationen und Landkarten gezeichnet, dazu eine Wiki begonnen und Texte und Videos und ein Logo erstellt. Man kann dort Leseproben aus allen Brautschau-Romanen lesen und den kompletten Anfang von »Mánis Fluch«. Ich habe die Site siebenhardt.wordpress.com exzessiv in Facebook, Instagram, Twitter, youtube und bei Freunden und Verwandten beworben. Anzahl der Besucher von siebenhardt.wordpress.com in den letzten zwei Wochen: 0. (2)

Aber ein Traum, den privaten Blog und Schriftsteller-Tagebuch, auf dem du dies gerade liest, führe ich seit Mai 2013 und ich habe in den acht Jahren über 1000 Artikel für ihn geschrieben (und die besten in zwei Bänden als Taschenbuch und als E-Book veröffentlicht). Auch hier habe ich regelmäßig geschrieben und etwa 100 Seiten von dem 4. Geltsamer-Roman »Die Bücherkeller des Vatikans« vorveröffentlicht. Anzahl der Besucher auf dieser Site in den letzten zwei Wochen: 4. (Die Spammer und Suchmaschinenbots sind wieder abgezogen).

Ich habe in den letzten Jahren 13 Bücher von mir im Eigenverlag veröffentlicht und biete sie in allen Buchhandlungen und Onlineshops im deutschsprachigen Raum an. Sie gibt es als Taschenbuch und als E-Book. Die Preise sind so gestaltet, dass sie gerade so meine Unkosten decken. Ich bewerbe sie täglich auf allen Kanälen, die mir zur Verfügung stehen und mache regelmäßig Online-Lesungen und stelle sie auf youtube. Anzahl der Käufer meiner Bücher im Januar: 0. Ich lese, rezensiere und bewerte immer wieder auch die Bücher anderer Autoren und versuche, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Anzahl der Rezensionen oder Sternchen meiner Bücher im Januar: 0. (3)

Ja, ich weiß, ich jammere zu viel in dem Feuerloch, in dem ich gebrutzelt werde. Aber ich finde, ich habe wirklich allen Grund dazu. Ich kann mich abstrampeln, wie ich will – ich bin und bleibe vollkommen erfolglos. Als Schriftsteller habe ich vollkommen versagt.

Dein Nikolaus.

PS. Wenigstens hat heute das Wetter ein Einsehen und ist fast frühlingshaft schön. Sollte die Zeitschleife doch noch ein Ende finden und sich die Türen meines Purgatoriums öffnen? Mein lieber Kollege und Freund Jean Paul hat mal gesagt, dass es der Vorteil des Frühlings sei, genau dann zu kommen, wenn man ihn am nötigsten hat. Vielleicht sollte ich hinaustreten und dabei nicht alle Hoffnung fahren lassen. Und ich verspreche hiermit feierlich: Mein nächster Blogartikel wird wieder ein lustiger. Versprochen!

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(1) Ein paar Bücher gibt es, die sind in aller Munde und jeder behauptet, sie zu kennen. Doch mir bleiben sie einfach verschlossen und ich bringe weder die Kraft noch den Mut oder gar die Freizeit auf, sie zu lesen. Die »Göttliche Komödie« habe ich im Gegensatz zur »Menschlichen« von Balzac niemals gelesen, obwohl ich sie inzwischen sogar in zwei verschiedenen Ausgaben im Bücherschrank habe – als reich illustrierte Prosaübersetzung und in den originalen Terzinen. Beides ist für mich fast unlesbar, obwohl ich auch harten Stoff gewöhnt bin und ich wirklich den Wunsch habe, absolut jedes Buch zu lesen. Ähnliche Hürden sind z. B. Proust, Musil oder Joyce, obwohl diese, wenn ich sie mit Dante vergleiche, beinahe Zeitgenossen sind. Oh, Boccaccio, Ariost, Machiavelli und viele andere Renaissanceautoren habe ich mit Vergnügen und Gewinn studiert, ich habe auch Dantes Vorbilder (Homer, Vergil etc.) gelesen, aber Dante selbst … nein, der geht gar nicht. Im Gegensatz zu meinen Söhnen habe ich nicht einmal das Computerspiel gezockt, das auf der Divina Commedia beruht.

(2) Ausnahme sind natürlich die Drecks-Spammer. Diese Pest überschwemmt mich überall im Netz. Jeden Tag beginne ich damit, den Mist zu löschen, Pornobots und Betrüger zu blockieren. Auf Instagram z. B. werden 3 % aller Zugriffe auf mein Konto von heiratswilligen Frauen von der Elfenbeinküste aus getätigt. Gerade wurde ich beim Schreiben unterbrochen, weil die Meldung aufploppte, dass mir auf Facebook ein Mädel folgen will, das mir irgendwelche »pics« von sich schicken will. Ich kann gar nicht mit Worten ausdrücken, wie mich das nervt!

(3) Anderen geht es noch schlimmer: Eine Autorin, die ich über Instagram kennenlernte, hat 350 Exemplare ihres Romans „Liliensommer“ verschenkt und sich dadurch in erhebliche Unkosten gestürzt. Sie hat eine einzige 3-Sterne-Rezension bei Amazon bekommen. Es ist manchmal unglaublich, wie arrogant Leser mit Autoren umgehen. Sie wollen unsere Werke – wenn es geht, kostenlos – aber mit den Schriftstellern wollen sie nichts zu tun haben. Der Autor ist dem Leser unsympathisch, denn er adoptiert das Werk und argwöhnt, dass dessen Schöpfer ein Konkurrent ist, der den Besitz wieder zurückverlangt. Manchmal habe ich auch das Gefühl, die Leser denken, wir existieren nicht in Wirklichkeit und sind nur Ausgeburten unserer eigenen Fantasie.

26.01. Die Nebenwirkungen des Heimbüros …

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Dienstag, 26.01.21

Liebe Leserin,

Homeoffice (1) ist ja in aller Munde. Auch wenn Frau Klammerle als examinierte Intensiv-Krankenschwester über diese Diskussion nur bitter lächeln kann, wenn sie mal wieder in Schneetreiben und Finsternis zu Frühschicht oder Nachtwache antritt. Aber sie ist ganz im Gegensatz zu mir gesellschaftlich relevant, wurde schon zweimal geimpft und ist aus dem Gröbsten raus. Meine Autorenarbeit jedoch fand schon immer zu 99 % zu Hause statt. Deshalb war der Corona-Lockdown oder, exakter, -Shutdown (wo kommen eigentlich diese Wörter her?) für mich keine große Umgewöhnung. Er entspricht eigentlich meiner natürlichen Lebensweise. Im Gegenteil, mein Schreibtag ist nun sogar wesentlich strukturierter und ertragreicher. Ich setze für gewöhnlich Abends oder Morgens Texte in meinen Notizbüchern auf, tippe sie anschließend mit meinem neuen Schreibprogramm (2) ab, überarbeite sie, verbessere Fehler und recherchiere im Internet. Am Nachmittag – also jetzt – schreibe ich Blogartikel und arbeite fleißig an meiner neuen Website siebenhardt.wordpress.com. (3)

Ich gebe gerne zu, dass es im Weichbild meines Wohnorts sehr schön ist, wenn das Wetter passt.

Regelmäßig zwingt mich auch Frau Klammerle dann auch – mal mit roher und mal mit sanfter Gewalt, meine Balzac’sche Schreibklause zu verlassen und jagt mich in die gerade tiefverschneiten Wälder rings um Diedorf. Schließlich muss ich ja manchmal ausgelüftet, heruntergekühlt und bewegt werden. Dazu haben wir wieder neu entdeckt, wie sehr es Spaß macht, ein Brettspiel zu spielen und wir kochen jetzt jeden Abend gemeinsam und meist auch lecker. Netflix und Amazon Prime beenden dann den Tag, der meist sehr befriedigend war. Über meiner Nachtlektüre schlafe ich dann ein und der Kreislauf beginnt von Neuem.

Der Verlust der sozialen Kontakte, der mit dem Lockdown einhergeht, macht mir übrigens wenig zu schaffen, denn ich hatte ja noch nie welche. Nur, dass ich meine Söhne höchstens einzeln und dann nur alle zwei Wochen sehen kann, macht mir ein wenig zu schaffen. Mit dem einzigen Freund, der mir inzwischen verblieben ist, treffe ich mich ab und an in einer Videokonferenz und wir spielen übers Internet Schach. (4)

Gut, ganz so rosig ist alles nicht, denn wir bekommen immer wieder einmal einen Lagerkoller, streiten uns aufgrund von Kleinigkeiten. Ich neige – auch aufgrund des Wetters – zu depressiven Momenten und zu Verzweiflungsattacken, wenn wieder einmal ein Tag vergangen ist und niemand auf meinem Blog oder meiner Website gewesen ist und es mir seit Wochen nicht mehr gelungen ist, auch nur ein einziges Buch an die Frau zu bringen. Frau Klammerle geht auf die Nerven, dass sie nur immer mich sieht, keinen Sport treiben, in kein Café darf und keinen Schaufensterbummel machen kann. Und was uns beiden wirklich, wirklich, wirklich fehlt und uns manchmal in Verzweiflung treibt: Das wäre ein Urlaub.  Doch davon kann man wohl in den nächsten Monaten nicht einmal träumen …

Aber ich wollte eigentlich etwas ganz anderes erzählen.

Frau Klammerle ist modern. Ihre Hobbys waren schon immer am Puls der Zeit. Als es „in“ war, hat sie Makramee geknüpft, dann einen Seidenmal-Rahmen und passende Farben gebraucht. Sie hat merkwürdige Kunststoff-Fensterbilder gemalt, Joghurt gemacht, Seife gekocht und hielt sich sogar kurzzeitig einen Kombucha. Sie experimentierte mit Serviettentechnik, gärtnert eifrig, macht Objekte aus Weidenholz und ist jeder Backidee aufgeschlossen. Nur Schneidern, Häkeln und Stricken versucht sie zwar ab und an, wird allerdings mit ihren Projekten selten fertig und ist noch seltener mit ihnen zufrieden. 

Dies ist keine weitere Fantasy-Map von mir, sondern ein ofenfrisches Ergebnis von Frau Klammerles neuestem Steckenpferd: Dies ist ein Foto von ihrem genial leckeren Roggenbrot. Sie hat sich kürzlich sogar einen Gärkorb und eine Steinplatte für den Backofen beschafft (auf dem auch herrliche Pizzen entstehen). Der (noch namenlose) Sauerteig, der jetzt seit ein paar Monaten im Kühlschrank wohnt, ist inzwischen eine Art zweites Haustier geworden, das wenig Ansprüche stellt und mich nicht wie eine gewisse Katze morgens um 06:00 Uhr weckt, weil es Hunger hat. Ein Löffel Mehl in der Woche reicht ihm.

Und deshalb gibt es als jetzt als Frühstück oder kleinere Zwischenmahlzeit immer noch ein leckeres Marmeladen- oder Käsebrot, bevor ich den Schreibvormittag starte. Ganz ehrlich: Das ist das beste Hobby, das meine Frau jemals pflegte und ich hoffe, dass sie es nicht wie manche andere zur Seite legt und in einer Kiste in ihrem Arbeitszimmer versteckt.

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(1) Homeoffice ist wie Handy übrigens mal wieder einmal ein „denglischer“ Begriff, d. h. niemand außer den Deutschen benutzt ihn. In den USA ist es einfach working at home und ich frage mich, wer den Ausdruck erfunden hat und warum man nicht „Heimarbeit“ oder meinetwegen „Heimbüro“ verwendet kann.

(2) Nach langem Zögern habe ich mich dazu durchgerungen, mir das Schreibprogramm „Papyrus Autor“ zu gönnen, das sich direkt an Schriftsteller wendet. Das Schreiben mit der kostenlosen LibreOffice war nicht unbedingt schlecht, zumindest besser als mit dem grausamen Word. „Papyrus“ hat zwar einigen unnötigen Schnickschnack an Bord, aber auch einige Komfortelemente wie z. B. den Dudenkorrektor oder eine direkte und ordentliche E-Book-Exportfunktion, die ich inzwischen zu Schätzen gelernt habe. Das ideale Schreibprogramm für Autoren gibt es ebenso wenig wie die ideale Kaffeemaschine.

(3) Ich bin dabei, den Prologroman „Mánis Fall“ zu schreiben und noch viel mehr Landkarten für die Site zu erstellen. Ich habe sie inzwischen auch mit einer Wiki verknüpft, auch wenn diese noch keine nennenswerten Einträge hat. Ich glaube, die Online-Brautschau-Enzyklopädie der Jenseitigen und Überlebenden Lande wird eine Aufgabe für meine Rente. Wer trotzdem schon einmal reinschnuppern möchte: Hier ist der Link.

(4) Und, ja, er gewinnt immer, so, wie Frau Klammerle beim „Mensch-Ärgere-Dich-Nicht“. Er war auch früher in dem Spiel besser als ich, aber heute bin ich mit dem langsamen Nachlassen meiner Gehirnleistung chancenlos. Nebenzu: Warum nennen Politiker und Journalisten im Fernsehen eine Online-Konferenz immer eine „Video-Schalte“? Schalte! Was ist das für ein doofes Preußenwort, das mir jedesmal Kopfschmerz bereitet, wenn ich es höre. Hat es etwa der selbe Mensch erfunden, dem wir auch die Homeoffice und das Handy verdanken?

17.01. Mánis Fall und die Dramen der Natur

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Sonntag, 17.01.21

Liebe Leserin,

ich kann mir gut vorstellen, dass ich dir mit meiner penetranten Werbung für meine neue Internet-Präsenz

Brautschau – Zeit muss enden

inzwischen ein wenig auf die Nerven gehe. Aber ich hoffe eben, dass ich mit meiner Werbung nicht nur dich, chinesische Suchmaschinen-Bots und all die 100.000 Spammer erreiche, die mir mit nervtötender Penetranz Onlinecasinos und Pornographie anpreisen. Vielleicht gelingt es mir ja, auch jemanden anderen von hier auf meine andere Site zu locken. Denn das Angebot dort ist einfach zu gut, um es ablehnen zu können. Gerade erst gestern habe ich dort den Anfang meines neuen Romans „Mánis Fall“(1) vorveröffentlicht. Er ist der Einstieg in meinen Brautschau-Zyklus, von dem ich bereits drei dicke Bücher herausgegeben habe. Obwohl am Anfang einige der Hauptfiguren der Saga auftreten, kann „Mánis Fall“ ohne Vorkenntnisse gelesen werden, da er Ereignisse schildert, die sich fast 6000 Jahre vor der Haupthandlung ereignen. Ich will den Roman, der mehr Science-Fiction als Fantasy ist, noch in diesem Jahr veröffentlichen.

Ich habe den deprimierenden Lockdown der letzten Wochen dazu genutzt, fleißig an meinen Texten zu arbeiten und auch unendlich viel Arbeit in die Brautschau-Site gesteckt. Dass ich überhaupt keine Rückmeldungen oder Kommentare bekomme und die Romane nicht gekauft und nicht gelesen werden, das lässt mich schon ein wenig verzweifeln. J.R.R. Tolkien würde N.M. Klammer lesen. Warum nicht auch du?

In der letzten Woche hat sich mal wieder ein Drama in mehreren Akten ereignet. Im Mittelpunkt stand wie in den meisten Fällen, wenn es im Klammerschen Haushalt dramatisch wird, meine Katze Amy. Als ich am Mittwochmorgen aufstand und mich mit viel Kaffee selbst in den Tag schupsen wollte, bemerkte ich, dass sie schon die ganze Nacht unbeweglich und ausdauernd vor meinem Kaminofen (2) in Lauerstellung war.

Da es regelmäßig geschieht, vermutete ich gleich, dass sich die ältere Katzendame mal wieder etwas zum Spielen und Naschen mit in die Wohnung geholt hatte, das ihr dann entkommen war und sich im Ofen verbarg. Ich entfernte also die untere Abdeckung und fand eine putzmuntere Feldmaus, die sich dort recht behaglich eingerichtet hatte. Halten Feldmäuse eigentlich keinen Winterschlaf? Leider entwischte das putzige Tierchen (Frau Klammerle sieht sie etwas differenzierter als ich) und kletterte höher ins Innenleben des Ofens, wo sie für mich unereichbar war und mir wahrscheinlich eine Nase drehte.

Also stellte ich eine Falle auf. (3) Leider entschied sich die kleine, hübsche Maus in der darauffolgenden Nacht, mein Rettungsangebot zu ignorieren und stattdessen ihre neue Umgebung zu erkunden. Amy war jedoch noch immer auf der Lauer. Es gab kurz nach Mitternacht einen kurzen Krach im Wohnzimmer, dann herrschte Ruhe. Am nächsten Morgen fand ich nur noch eine stolze Katze vor. Die Maus ist seitdem verschollen. Ich habe nicht einmal einen Rest von ihr gefunden.

Und die Lehre daraus? Tja. Lieber in einer Falle gefangen, als in Freiheit gefressen? Gehst du nicht in die Natur, dann kommt sie zu dir? Keine Ahnung. Auf jeden Fall habe ich gerade in meinem Gärtchen ein Denkmal für die beiden Helden meiner kleinen Geschichte aufgestellt.

Ach, ja! Du hast es gesehen. Es schneit. Vier Wochen zu spät, aber immerhin. Und ich kann ihn genießen, da ich momentan das Auto nicht bewegen muss. Und ja, ich habe gerade auch viel Spaß daran, Videos zu machen und zu bearbeiten. (4)

Ich wünsche dir in dieser bewegungslosen, erstarrten Zeit einen schönen und besinnlichen 8. Adventssonntag.

Bis zur nächsten Woche, dein Nikolaus.


(1) Ein wenig Nerd-Wissen, falls du neugierig bist: Máni ist in der nordischen Mythologie der Gott des Mondes. Er findet in der nordischen Dichtung und selbstverständlich auch in der Edda Erwähnung. Während Ragnarök, also am Ende aller Zeiten, wird er von dem Wolf Hatti verschlungen.

(2) Winter, Schneefall, ein bullernder Holzofen, Glühwein, ein fetter Roman, Frau Klammerles selbstgebackene Leckereien … Kann das Leben im Lockdown schöner sein?

(3) Selbstverständlich eine Lebendfalle. Ich bin ja Vegetarier und kein Unmensch. Ich habe in dem Ding schon mehrere Mäuse gefangen (der beste Köder ist Marzipan oder, wie sind ja in Bayern, altbackene Brezelbrocken). Wir hatten Anfang letzten Jahres für drei Wochen eine Maus hinter dem Kühlschrank, die mir die Vorgängerfalle zuverlässig leerfraß, sich aber nie fangen ließ. Ich vermutete zuerst, das Tier sei sehr clever. Aber in Wirklichkeit war die Falle defekt. Die neue hatte ich keine zwei Stunden aufgebaut, als ich die Maus schon gefangen hatte und sie auf dem nächsten Acker aussetzen konnte.

(4) Ich weiß, ich bin lästig mit meiner Werbung. Aber bei der Gelegenheit möchte ich dich noch einmal auf meinen Youtube-Kanal aufmerksam machen, auf dem ich aus meinen Romanen lese.

Sweet Glowwine to go und some other adventliche Troubles

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„Es gibt nichts Behaglicheres,
als einfach zu Hause zu bleiben“

„Ärgern wir uns nicht über die Dinge,
die wir nicht haben, sondern freuen wir uns
über das, was wir besitzen.“

Jane Austen

Tja, so ist das in diesem Jahr. Das große Sodbrennen und die frühmorgendlichen Kopfschmerzen fallen aus. Der Ausschank von Glühweinen ist verboten, die Christkindlesmärkte sind abgesagt und in privatem Rahmen darf ich nicht einmal meine Söhne gleichzeitig treffen. (1) Diese Adventszeit ist spürbar anders als die anderen, melancholischer und weniger farbenfroh. aber vielleicht hat diese Beschränkung auf das Wesentliche auch etwas Gutes und es kömmt tatsächlich ein wenig Besinnlichkeit und Ruhe in die sonst so hektischen dunklen Nächte vor dem Hl. Abend. Die gute Jane Austen ist in diesen Tagen wirklich eine gute Ratgeberin und die Lektüre ihrer Bücher die beste Begleitung, die man sich gerade wünschen kann.

Vergessen wir nicht, wie es noch im letzten Jahr war. Wollen wir eine solche Adventszeit wirklich wiederhaben?

Von allem viel zu viel

Eine Glosse aus dem Jahr 2018

Die Deutschen sterben aus!

Immer weniger Kinder werden geboren, ganze Dörfer veröden zu Geisterstäd­ten. Kirchen und Gasthäuser müssen schließen; es lohnt nicht mehr, Postboten von Tür zu Tür zu schicken, man schickt Drohnen und Roboter auf Rädern. Die wenigen, die überhaupt noch Brie­fe und Päckchen bekommen, sollen sie gefälligst selbst bei den seltenen Post-Service-Schaltern abholen, die sich in den staubi­gen Ecken irgendwelcher  Zeitschriftenläden in der fer­nen Stadt verstecken. In der Lausitz ist wieder Wolfsge­heul über den vereinsamten, aber durch meinen Soli aufgeblühten Landschaften zu hören und die Rudel lauern den vereinzelten Rentnern auf, die sich aufgrund ihrer Al­tersarmut nur noch eine Billigbusreise mit Wärmede­ckenverkaufsvorführung in der Provinz leisten können.

Jeder kennt diese Nachrichten. Immer, wenn den Re­dakteuren dieser Tage nichts mehr einfällt, Trump sei­nen Mund hält – schließlich muss er ja auch mal schla­fen oder Golf spielen -,  irgendein Model einmal nicht mit halb- oder vollkom­men nacktem Hintern in eine Kamera winkt oder uns ausnahmsweise der Bayerische Ministerpräsident mal nicht die Welt erklärt, dann wird die Titelseite der Zeitungen mit der Horrormeldung von der gefährdeten Tierart „Deutscher“ befüllt und uns ein großes, textsparendes Diagramm gezeigt, das einem Pilz ähnelt. Das aber ei­gentlich eine Pyramide sein sollte – oder so ähnlich. Die Renten, die Sorgen … Diese Meldung erscheint seit Jahrzehnten in schöner Regelmäßigkeit und wird ebenso erregt debattiert und kommentiert wie die gerade heutzutage so bedeutende Frage, ob man weiterhin dulden sollte, dass der Hl. Nikolaus zum Weihnachtsmann amerikani­siert wird und immer häufiger keine Mitra, sondern eine rote Mütze trägt. (2) Aber auch das Aussterben der Deutschen ist meiner Meinung nur eine dieser absonderlichen Weltverschwörungs­theorien wie Chemtrails, Hohlwelt-Eidechsenwesen, geimpfte Kontrollchips und die Illuminaten. Warum fällt nur mir allein das auf?

Diese Lüge ist schnell entlarvt. Jeder kann selbst das Ex­periment machen und morgen Nachmittag versuchen, mit einem übervollen öffentlichen Verkehrsmittel in die vorweihnachtlich geschmückte Innenstadt zu fahren –  falls er sich überhaupt in die enge, von Körperdünsten dampfende Straßenbahn hineinquetschen kann – um sich an­schließend durch verstopfte Fußgängerzonen zu schie­ben, damit man im Kaufhaus seiner Wahl endlich einmal frühzeitig ein Geschenk für die Liebsten zu erwerben. In der qualvollen Enge allerorten, dem Gestoße, dem Gerempel und Gedränge, dem Gequetsche und Gequängel, den endlosen Schlangen an den Kassen, wird der Gedanke, der Deutsche sei in seiner Existenz bedroht, zur Groteske. Denn all die agoraphoben Bürger haben sich demons­trierend versammelt und genießen es, ohne Ängste über den übervollen mit Buden und Glühweinständen vollge­stopften Rathausplatz zu wandeln, wenn sie sich zwi­schen den zermalmenden Menschentrauben überhaupt willentlich vorwärtsbewegen können und nicht einfach von der Flut aus schwitzenden Leibern, Einkaufsta­schen und Kinderwägen mitgerissen und an Orte und Örtchen abgetrieben werden, an die sie niemals gelan­gen wollten.

Oder er sollte in diesen Tagen auf einen Christkindels­markt gehen, um dort einen übersüßten, Sodbrennen er­zeugenden Glühwein, eine verkohlte Bratwurst in einer staubtrockenen Semmel oder als Vegetarier eine undefi­nierbare, fetttriefende Masse – die sich aus welchem Grund auch immer „Kartoffelpuffer“ nennt – zu genießen und sich dazu vom Band überlaut schmalzige Weihnachtslieder interpretiert von Wham!, Heino, den Regensburger Domspatzen und Freddy Quinn in die Ohren blasen lassen. „Oh, du fröliche“ (sic!), um den Herrn Friederbusch aus meinem Weihnachtsmärchen „Karl-Heinz, der Weihnachts­hund“ zu zitieren. (3)

Es ist ein Gelüst, das mich – ich gebe es unumwunden zu – zur Adventszeit ebenso suchtartig packt wie das ge­neralstabsmäßige Vernichten aller Plätzchen von Frau Klammerle, die diese gerade in mühe- und liebevoller Kleinarbeit zubereitet hat. Dies ist übrigens eine ab- und suchtartige Ab­hängigkeit, die mich längst nicht mehr glücklich macht (der Glühmarkt, nicht das Vertilgen der „Loibla“), son­dern wie die Qual einer unerwiderten, manischen Liebe in mein Herz sticht. Ich bin in dem Alter, in dem man erkennt, dass früher tatsächlich mehr „Lametta“ war und weniger Menschen, die sich gegenseitig zwischen den Buden zerquetschten, es war noch keine abendfül­lende Beschäftigung, einen Glühpunsch zu ergattern und anschließend einen klebrigen, wackligen Bistrotisch zu finden, auf dem man das dampfende Getränk abstel­len kann.

Es beginnt schon mit dem Problem, dass mein Dorf kei­nen Weihnachtsmarkt hat. Da man in Diedorf nicht ar­beitet oder lebt, sondern nur zum Schlafen aus der Stadt herausfährt, ist das wahrscheinlich auch überflüssig, verlangt aber von mir – der ich ja ein bekennender und begeisterter Anhänger der Sportart Extreme-christkind­lesmarket-going bin – dass ich den Witterungsverhält­nissen zum Trotz ins Auto steigen und fahren muss, wenn ich nicht Frau Klammerle überreden kann, dies zu tun. Wenn ich dann doch einen Parkplatz gefunden habe – meist so weit vom Geschehen entfernt, dass ich gleich hätte laufen können – und mich tatsächlich wie ein Dschungelforscher durch den dampfenden Urwald zum Glühweinstand durchgekämpft habe und bei der Gelegenheit meinen armen studenti­schen Namensvetter St. Nikolaus über den Haufen ge­rannt habe, der dort für einen Hungerlohn von einer gie­rigen Kindertraube umgeben Nuss und Mandelkern ver­teilen muss, kommt das nächste Problem.

„Ich hätte gerne einen Glühwein.“

Verständnislos sieht mich der Verkäufer an, deutet stumm auf das Schild über seinem Haupt und ich merke: Es gibt keinen Glühwein mehr … Es gibt heißes Bier mit „Stich“, kochenden Amaro im Weinglas, Marillen-, Mira­bellen-, Heidelbeer-, Holunder-, Brombeer-, Kirschwein, drei Sorten Kinderpunsch, Eierpunsch, „Eggnog“, war­men Weißwein mit und ohne Zucker, vegan, aus biologi­schem Anbau, fair gehandelt oder einfach aus dem Te­trapack, Jägertee, Tee mit Schuss, mit Rum, mit Whis­ky, mit Absinth, mit Kandis und mit Rahm. Es gibt Grog. Von hinten werde ich gegen die Theke und schmerzhaft an den Topf gepresst, in dem ein Glüh­punsch seit Stunden vor sich hin köchelt und inzwischen außer Alkohol so ziemlich alles enthält, was ungesund ist. Ich deute kurzentschlossen auf das Heizgerät:

„Zweimal“, rufe ich kurzentschlossen, ohne zu ahnen, was dort drinnen vor sich hin blubbert – eh egal, das kos­tet alles dasselbe und es schmeckt auch gleich widerlich. Ich zah­le den Punsch und einen ungeheuerlichen Pfand, den ich nie einlösen werde, da die Schlange vor der Rückgabe, an der ich mich als letzter anstellen würde, länger ist als die vor der Getränkeausgabe, verschütte die Hälfte über einer von einer Rentnerin gezogenen Einkaufstasche auf Rädern und als ich endlich Frau Klammerle im Gewühl wiederentdecke, ist das pappige Gesöff kalt und ungenießbar.

Die Deutschen sterben aus? Ha! Jedenfalls nicht in der Vorweih­nachtszeit. (4)

Ernsthaft? Wollen wir, dass es im nächsten Jahr wieder so ist?

Ich wünsche eine schöne Adventszeit.

Nikolaus Klammer

 

 

 

 

 

 


(1) In meinem Brotberuf treffe ich übrigens werktags 30 Personen aus unterschiedlichen Haushalten und dies in einem kleinen Raum bei schlechter Belüftung und mehrere Stunden lang. Aber das spielt anscheinend keine Rolle. Wenn wir arbeiten, sind wir offenbar immun …

(2) Ich – Nikolaus M. Klammer – trage im Winter übrigens meistens eine schwarze Baskenmütze. Das wollte ich nur mal bemerken.

(3) Ich erinnere an das wundervolle Weihnachtsmärchen, das ich an den Adventssonntagen auf Instagram live vortrage. Aber ich will dafür eigentlich über­haupt keine Werbung machen, denn die Qualität spricht für sich. Doch jetzt mal ehrlich: „Karl-Heinz, der Weihnachtshund“ ist wirklich eine tolle Geschichte; wer sie nicht liest, wird sich noch in Jahren Vorwürfe wegen dieses Versäumnis­ses machen!

(4) Diese Glosse und viele, viele weitere findet sich in meinem wunderbaren Buch:

Noch einmal davon gekommen

Dieser schöne Band ist für wenig Geld überall im Buchhandel erhältlich und ein ideales Weihnachsgeschenk für jung und alt. Kommt Leute! Unterstützt mal zur Abwechslung einen hungernden Autor.