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25.o8.22 – Erwischt!

Diese bescheuerte Grundsteuererklärung müssen wir auch noch machen. Dabei haben wir noch nicht einmal die normale Steuererklärung von 2o21 begonnen. Das wird noch ein hartes Stück Arbeit. Kaum zu fassen, wie dämlich ich mir vorkomme und wie schnell ich wütend werde, wenn ich mit für einen durchschnittlich intelligenten Autor vollkommen unverständlichem Behörden-Deutsch konfrontiert werde. Da ich auch der Betreuer meiner vollkommen dementen 93jährigen Mutter bin, die zwei Gartengrundstücke besitzt, die meine Geschwister nutzen, muss ich diese Grundsteuerformular sogar mehrmals ausfüllen. Hoffentlich schmoren die Steuerbeamten, die sich diesen Wahnsinn ausgedacht haben, einmal im Fegefeuer und müssen den ganzen Tag sinnlose und unverständliche, kaum leserliche Behördenformulare bearbeiten, deren Text sich über Nacht wieder löscht.

Müde und unausgeschlafen, aber zufrieden mit mir, sitze ich gerade vorm Tuttifrutti in Neusäß vor meinem Espresso doppio und genieße das dolce vita, während Frau Klammerle nebenan im Femisport, in ihrem Fitnessstudio nur für Frauen, schwitzt. Die Heldentat ist vollbracht. Die Nacht begann wie die gestrige. Frau Klammerle, die Katze und ich genossen einen gemütlichen Terrassenabend; die Damen des Hauses in ihrem Hängesessel, resp. in meiner Gartenliege (Amy), und ich auf einem auf die Dauer nicht besonders bequemen Terrassenstuhl. Wie jedermann im Moment diskutierten wir zuerst, dass es nun nach dem schier endlosen Sommer („Herr, der Sommer war groß …“) doch noch Herbst geworden ist, es abends schnell dunkel und kühl wird. Ich habe zum ersten Mal seit langen meinen kleinen mexikanischen Tonofen anfeuern müssen (1). Das nächste, ausufernde Thema betraf das Hochzeitsgeschenk für unser Brautpaar, das Samstag in einer Woche zum zweiten Mal heiratet. Frau Klammerle gründete zusammen mit den Schwiegereltern von Sohn Nr. 2 eine WhatsApp-Runde und seitdem wird überlegt – das heißt, die Frauen überlegen, die Männer trinken Bier und jagen Mammuts.

Anschließend planten wir generalstabsmäßig die Gefangennahme unseres neuen Untermieters, der es sich seit gestern in unserem Schlafzimmerkleiderschrank behaglich gemacht hat. Gegen Mitternacht zog sich Frau Klammerle wieder ins Gästezimmer zurück und ich präparierte die Mausefallen diesmal mit klebrigem Marzipan, das die Maus unmöglich stibitzen konnte, ohne den Schnappverschluss auszulösen. Dann legte ich mich ins Bett und wartete lauschend auf das erlösende Geräusch, wenn die Falle zuschnappt. Erstaunlich, wie viele Geräusche ein Eigenheim (Baujahr 1974) macht, wenn es sich unbeobachtet fühlt. (2) Da dehnen sich Dielen und Balken, dort knirscht, da schabt etwas, hier knackt es, hinten rauscht Wasser. Ein bisschen hört es sich an wie ich, wenn ich morgens aufstehe. Nach einer Weile begann dann doch die Maus in den Ecken zu stöbern und zu rumoren, löste zuerst die Falle im Schrank aus, ohne sich von ihr erwischen zu lassen. Ich fürchtete schon, dass der Jagd auch in dieser Nacht kein Erfolg beschieden sein würde. Doch dann tat das Tierchen mir den Gefallen und ließ sich bereitwillig von der zweiten Falle beim Fenster gefangen nehmen.

Ha! Der Mensch hat wieder einmal über die Natur gesiegt. Ich bin doch schlauer als eine Maus! Ich habe allerdings den Verdacht, dass das possierliche Tierchen sich absichtlich hat fangen lassen, damit ich es vor Amy in Sicherheit bringen und ihm die Freiheit schenke. Als ich im Schlafanzug vors Haus trat und die Falle öffnete, ließ sie sich alle Zeit der Welt, schnupperte lange in den kalten, glitzernden Sternenhimmel und trottete dann gemütlich davon.

Mission accomplished!


(1) Wir sehen der winterlichen Energiekrise gelassen entgegen, da wir eine Warmwasser-Solaranlage auf dem Dach haben und sonst mit Öl und Holz heizen, deren Vorräte wir im Frühjahr erst auffüllten und die bis 2024 reichen müssten, wenn wir ein wenig sparsam sind. Aufgrund der Klimakatastrophe steht uns wahrscheinlich eh wieder ein milder Winter ins Haus.

(2) Diese bescheuerte Grundsteuererklärung müssen wir auch noch machen. Dabei haben wir noch nicht einmal die normale Steuererklärung von 2o21 begonnen. Das wird noch ein hartes Stück Arbeit. Kaum zu fassen, wie dämlich ich mir vorkomme und wie schnell ich wütend werde, wenn ich mit für einen durchschnittlich intelligenten Autor vollkommen unverständlichem Behörden-Deutsch konfrontiert werde. Da ich auch der Betreuer meiner vollkommen dementen 93jährigen Mutter bin, die zwei Gartengrundstücke besitzt, die meine Geschwister nutzen, muss ich diese Grundsteuerformular sogar mehrmals ausfüllen. Hoffentlich schmoren die Steuerbeamten, die sich diesen Wahnsinn ausgedacht haben, einmal im Fegefeuer und müssen den ganzen Tag sinnlose und unverständliche, kaum leserliche Behördenformulare bearbeiten, deren Text sich über Nacht wieder löscht.

2 Antworten auf „25.o8.22 – Erwischt!“

Hallo Herr Klammer,

…ich kam gerade etwas erschlagen von der Arbeit…( eigentlich nur aus dem einzigen Grund, weil ich mit dem Rad von der Arbeit kam😊…und nicht, weil es im Geschäft so stressig war).
Habe die Geschichte gelesen. Sie ist richtig amüsant.
Ich fühlte mich irgendwie anwesend in ihr. Sehr witzig geschrieben…
Toll!

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