o9.o8.22 – Lautlos im Weltall

„Lautlos im Weltall“, oder silent running, wie der Originaltitel lautet, ist einer meiner Lieblings-Science-Fiction-Filme. (1) Kennt noch jemand den Streifen, der heute aktueller ist denn je? Nach der finalen Klimakatastrophe wurden in dem Film die letzten Biotope der Erde in großen Kuppeln in den Orbit verfrachtet, wo sich ein paar Astronauten und eine Handvoll Roboter um die kümmerlichen Reste der Flora und Fauna kümmern. Die Arbeit ist ein langweiliger Leuchtturmwärter-Job. Als eines Tages der Befehl kommt, aus Kostengründen die Kuppeln zu sprengen, versucht einer der Astronauten (Bruce Dern) alles, diese Katastrophe zu verhindern. Ganz am Schluss treibt eine einzige Biotop-Kuppel lautlos und unbemerkt durchs All und nur ein kleiner Roboter gießt dort noch die Blumen …

Manchmal denke ich, mein Blog ist auch so ein Biotop, das meine Literatur bewahrt und lautlos und unbemerkt durchs Internet treibt und nur noch ein einziger Roboter (die chinesische Suchmaschine baidu) sucht ihn auf. Damit kann ich leben, aber ein wenig schade ist es doch.

Gestern konnte ich meinen Artikel nicht beenden, weil ich mal wieder auf Abwege geriet. (2) Ich wollte eigentlich über die Videos erzählen, die ich hier immer häuiger einspreche – heute ging es zum Beispiel um die berühmte Mangold-Affäre zwischen Frau Klammerle und mir, die sich vor ein paar Jahren in meinem Gärtlein zutrug. Nachdem ich leide keine Gelegenheit habe, anderswo aus meinen Werken zu lesen, sind diese Videos (der REELS, wie sie Instagram nennt) eine der wenigen Arten, mich an mein Publikum zu wenden. Auch wenn alle meine Verwandten, meine Freunde und insbesondere Frau Klammerle von meinen cringen Beiträgen eher peinlich berührt sind und sich fremdschämen. Ich weiß außerdem, dass ich mit diesen Kurzlesungen gegen das sechste meiner „1o Gebote für den erfolgreichen Autor“ verstoße: „Lies niemals aus deinen eigenen Werken vor!“ Aber mir macht es Spaß und das genügt eigentlich bereits als Daseinsgrund. In den kleinen Videos kann man übrigens schön erkennen, wie ich mich in den letzten zwei Pandemie-Jahren äußerlich verändert und zu dem zurückverwandelt habe, der ich vor zehn Jahren war. (3) Besonders deutlich ist das in meinem Youtube-Kanal nachvollziehen. Zwischen Karl-Heinz, der Weihnachtshund und summertime liegen satte 6o Pfund.

Mit diesen Aufnahmen könnte ich eine Vorher-Nachher-Werbung für Diätpillen machen.

Wie ich die Videos mache, wie sie in meiner Giftküche mit Zuhilfenahme der Windows-Bordmittel und Freeware entstehen, die Frage, ob ich mir meine süddeutsche Klangfarbe abtrainieren oder gleich eine Sprachschulung (auch für meinen Podcast, den ich nächste Woche fortsetzen werde) machen oder vielleicht doch einen arbeitslosen Schauspieler engagieren soll, werde ich demnächst berichten – oder auch nicht, falls mir etwas anderes plötzlich wichtiger erscheint. Ich habe inzwischen gelernt, meine ADS als eine Zitrone zu betrachten, aus der ich Limonade pressen kann. (4)


  • Ich höre gerade die Titelmelodie, die Joan Baez gesungen hat. Die Sängerin war bei meinen Freunden Ende der 7oer total angesagt und ich liebte ihr House of the rising sun und The night they drove old dixie down, bevor ich die Original-Fassungen von Eric Burdon und The Band kennen- und schätzenlernte. Frau Klammerle hingegen findet Joan Baez ganz furchtbar und bekommt von ihrer Stimme Migräne. Das ist der Grund, aus dem die Folksängerin bei uns nicht mehr singen darf.

(2) Der gestrige Text ist ein typisches Beispiel für meinen modus operandi. Da ich ein Schriftsteller mit ADS bin, gerate ich sofort auf Abwege, wenn ich die Tinte aufs Papier fließen lasse. Ich erliege 1oo1 Ablenkung, gerate in Sackgassen und komme vom hundertsten ins tausendste. Trete ich über eine Türschwelle in ein neues Zimmer, habe ich sofort vergessen, was ich dort eigentlich wollte und beschäftige mich mit etwas anderen, was mir dort ins Auge fällt. Deshalb auch meine vielen Fußnoten, zu denen ich eine geradezu zärtliche Beziehung pflege. Eigentlich sollte man mir die Proust-Plakette am goldenen Halskettchen verleihen.

(3) Gut, ein wenig grauer bin ich geworden und ich habe mehr Falten, obwohl ich mein Gesicht jeden Morgen mit dem Q1o-Fett einer Gesichtscreme einreibe.

(4) Ach, ja, über dumme Sprüche, von denen der mit der Zitrone und der Limo einer der dümmsten ist (offenbar leitet er sich von dem alten Sprücheklopfer Goethe ab), die die social-media-Accounts von Leuten, die nichts zu sagen haben, überschwemmen, muss ich auch noch schreiben. Und über Klischees und wie man sie unterläuft. Das habe ich Luna versprochen.

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