Das Meer, Montalbano und die Leuchtturmwärter – Kurzkritiken

Liebe Leserin,

ich weiß nicht, ob ich dich wieder häufiger an meinen Leseerlebnissen teilnehmen lassen soll und du das überhaupt möchtest. Schicke mir einfach eine Nachricht.

In der letzten Woche habe ich zwei vollkommen unterschiedliche Bücher gelesen: „Die Leuchtturmwärter“ von Emma Stonex und „Das Ende des Fadens“ von Andrea Camilleri.

Wie schon an meinen Bildern zu erkennen, transportieren die beiden Romane sehr unterschiedliche Stimmungen, obwohl es bei beiden um mörderische Obsessionen geht und das Meer rauscht. Es ist in den Geschichten die verdeckte Heldin und ihre Wellen schwappen aus jeder Zeile. Ich weiß nicht, warum ich dem Meer eben einen weiblichen Genus gegeben habe. Das war eine unbewusste Handlung. Aber jetzt, wenn ich darüber nachdenke, bemerke ich, dass es so passt. „Die Meer“ – „la mer“, so müsste es eigentlich wie im Französischen heißen. Denn für mich hat die See eine weibliche Seele, auch wenn sie mitleidlos und herrisch wie eine mörderische Furie toben kann. Das mare nostrum ist mein ewiger Sehnsuchtsort, zu dem es mich immer wieder hinzieht.

Ich begehe seit vielen Jahren im Frühling meinen persönlichen „Montalbano“-Tag, an dem ich den neuesten Kriminalroman um den schlecht gelaunten Commisario aus Vigàta lese. Sein Autor Andrea Camilleri ist zwar leider schon 2019 verstorben, aber da die deutschen Ausgaben den italienischen hinterherhinken, hoffe ich, dass ich meinen „Montalbano“-Tag noch ein paar Jahre feiern kann. Ein Montalbano-Krimi ist wie der nächste. Er ist das literarische Pendant einer Ritter-Sport-Schokolade. Ein Montalbano schmeckt immer gleich und ist aus den selben Zutaten gemacht – und das ist genau das was ich will.

Diesmal, an einem wundervollen und warmen Frühlingstag reichte ich mir zum Roman einen Panzanella-Salat (mit erstaunlich leckerem veganen Thunfisch und dem ersten Salat aus meinem Garten), dazu einen sizilianischen Grillo. Danach fühle ich mich von Buch und Speise so vollgefressen wie der Commisario nach einem Besuch in seiner Lieblingstrattoria. Leider konnte ich nicht wie er einen Verdauungsspaziergang zur Mole hinab machen, aber der Täter ist überführt und ein Grappa hat auch geholfen. Bonasira! Das Leben ist schön.

Manche Bücher nehmen einen direkt mit in ihre Welt.

„Die Leuchtturmwärter“ gehört dazu. Leider verspricht das Buch in der ersten Hälfte viel mehr, als es dann halten kann und am Schluss, wenn sich alles „auflöst“, geht dem Roman endgültig die Luft aus. Die Schicksale der recht eindimensionalen Protagonistinnen und Protagonisten ließen mich merkwürdig gleichgültig zurück. Die „Leuchtturmwärter“ sind kein Joseph Conrad und schon gar kein Stephen King, auch wenn sie es vielleicht gerne wären. Doch eine Stimmung können sie erzeugen und das ist ganz schön viel. Das gelingt wirklich nicht jedem Buch. Ich habe „Die Leuchtturmwärter“ in seiner schönen Büchergilde-Gutenberg-Ausgabe trotz aller Kritik gerne gelesen. Für ein paar Stunden fühlte ich mich an der stürmischen Küste Cornwalls und roch den salzigen Geschmack eines Meeres, an dessen Küste ich noch nie gestanden bin. Trotzdem hatte ich in meinem Mallorca-Urlaub, der gerade zu Ende gegangen ist, das Gefühl, sowohl in Monatalbanos Vigàta, als auch an Stonex‘ Atlantik zu stehen.

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