Aber ein Traum …

Autorer als andere Autoren

Sonntag, 24.03.19

Sonntag, 24.03.19

Es heißt, Lesen sei eine aussterbende Kulturtechnik und nur alte Menschen würden sie heute noch ausüben. Ich bekenne mich schuldig. Ich gehöre zu den alten Büchernarren, die leidenschaftlich lesen. Nun ist es mir aber nicht gegeben, einmal erworbene Literatur weiterzuschenken, sie auf Flohmärkten oder bei Ebay zu verkaufen, sie in öffentlichen Bücherschränken oder auf Parkbänken freizulassen oder sie einfach in der Papiertonne zu entsorgen. Letzteres erschiene mir sogar wie eine Art Mord. Ich trenne mich nur von Büchern, wenn ich zufällig eines doppelt habe. Manchmal werde ich unabsichtlich eines los, wenn ich es entleihe – denn ausgeliehene Bücher kriegt man niemals wieder. Nun sammle nicht nur ich, sondern auch  Frau Klammerle, die mindestens ebenso viel liest wie ich. Allerdings ist ihre Lektüre in der Regel eine andere und sie liest gerne frische, gebundene Bücher, während ich meist bescheiden auf die kleinere Taschenbuchausgabe warte. Ohne die segensreiche Erfindung des E-Books würden wir wohl in ein größeres Haus ziehen müssen.

Man beachte Frau Klammerles geschmackvolle Osterdeko – insbesondere das Hasenkissen.

Im Wohnzimmer z. B. nehmen unsere Bücher inzwischen zwei gegenüberliegende Regalwände mit insgesamt etwa 2500 literarischen und belletristischen Werken ein, mindestens noch einmal so viele – Kriminalromane, SF & Fantasy, Sachbücher etc. – bedecken die Wände in den restlichen Zimmern. Ich zähle sie längst nicht mehr. Nur in Toilette und Badezimmer finden sich meist keine Bücher, es sei denn, einer von uns hat nach einer länger währenden Verrichtung dort eines vergessen.

Da ich ein recht konservativer Mensch und in diesem einen, diesem einzigen Fall auch penibel ordentlich bin, sind die Bände auf klassische Bibliotheksweise alphabetisch geordnet. Die Wand auf dem Foto reicht von A bis O, die gegenüberliegende dann von P bis Z. Innerhalb des einzelnen Autors sind die Bücher übrigens in der Regel nach ihrer Entstehungszeit sortiert. Inzwischen vermeide ich häufig den Kauf von Büchern von Schriftstellern, deren Nachname mit A, B oder C beginnt und halte es für eine gezielte Frechheit meiner Freunde, wenn sie mir solch ein Buch eines Autors zu schenken (Von meinem guten Freund Bernhard erhielt ich gerade den 1500 Seiten dicken Roman „Weltpuff Berlin“ von Rudolf Borchardt; das sind fast zehn Zentimeter Buchrückenbreite. Ich war einen halben Nachmittag beschäftigt, das Buch an der richtigen Stelle weit oben im Regal einzuordnen und den Rest weiterzurutschen).

Büchersammler werden ja immer wieder gefragt, ob sie die wirklich alle gelesen hätten. Klassische Antworten sind z. B.:

„Das sind nur ungelesene. Sie bewahren ja auch keine leeren Dosen im Küchenschrank auf.“

„Nein. Die Gelesenen spende ich monatlich der Gemeindebücherei.“

„Eigentlich lesen wir nicht. Die dienen nur zur Wärmedämmung.“

Ich will mal ehrlich sein: Ich schätze, dass ich ungefähr ein Viertel meiner Bücher nicht gelesen habe, denn Frau Klammerle und ich kaufen schneller, als wir konsumieren können – bei Schokolade machen wir übrigens den gleichen Fehler. Ich finde aber, es ist durchaus beruhigend, wenn immer genug zu lesen und zum naschen daheim haben, um einen verregneten, tristen Sonntag durchzustehen. Wir sorgen eben für die Rente vor und legen uns ein Vorratslager an. Problematisch ist nur, dass sowohl mein Leibesumfang als auch meine Buchregale inzwischen ihre optimale Ranzenspannung erreicht haben und es immer schwieriger wird, Platz für Neuerwerbungen zu finden. Vielleicht sollte ich mal wieder ernsthaft über eine Diät nachdenken und ein paar ungeliebte Bücher zum Wertstoffhof bringen – allerdings komme ich dann mit mehr Bänden zurück, als ich dorthingebracht habe …

*

Übrigens: Das Wetter dieses Sonntags ist kaiserlich. Wir werden heute nicht lesen, sondern die Räder entstauben und nach Oberschönenfeld in den Klosterbiergarten radeln. O’gradlt und O’biergartlt is.

 

Diese Klagemauer voller gefangener Steine im Hintergrund gehört einem unserer Nachbarn, der sich offenbar deutlich von uns abgrenzen will. „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten …“

Mist! Im Klosterlädle gab es einen Stand mit Billigbüchern … zum Glück war es Evelyn Waugh – der beginnt mit einem akzeptablen „W“.

 

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