Aber ein Traum …

Autorer als andere Autoren

Ich lüge mir selbst in die Tasche

Machen wir reinen Tisch: Ich lüge mir selbst in die Tasche.

Ich muss meinen Blog zu überdenken. Eine Pause machen, Luft holen, mir über ein paar Dinge Klarheit verschaffen.

So, wie es im Moment läuft, kann es nicht mehr weitergehen. Seit geraumer Zeit gelangen eigentlich nur noch diese strunzdummen Spammer-Arschlöcher und Suchmaschinen-Bots auf meinen Internetauftritt. Meine annähernd eintausend veröffentlichten Texte hier werden nicht gelesen oder diskutiert, nicht einmal wahrgenommen werden sie. Fast keiner meiner „Follower“ verirrt sich mal auf eine meiner Seiten, interessiert sich gar für meine Literatur oder nimmt mit mir Kontakt auf. Die Arbeit, die ich mir hier mit meinen Texten, Glossen und Essays mache, – täglich etwa zwei bis vier Stunden – steht dazu in einem grotesken Widerspruch. Hinzu kommt: Meine bis jetzt acht veröffentlichten Bücher werden nicht gekauft; es gelingt mir nicht einmal, sie zu verschenken. Ich bin im Augenblick genauso weit wie vor fast 6 Jahren, als ich mich entschloss, mein Glück in der „Öffentlichkeit“ zu suchen:

Ich stehe vor dem Scherbenhaufen meiner Existenz als Autor.

Ichkönnte mich nun in die Ausrede flüchten, dass Literatur im Internet einen schweren Stand hat und tot ist. Das mag sein, aber die Wahrheit ist: Ich habe versagt. Meine Träume sind wieder einmal geplatzt. Das kann ich mir nicht länger schönreden. Diese allgemeine Missachtung für meine Texte kann eigentlich nur bedeuten, dass meine Literatur ganz einfach „Scheiße“ ist und nicht den Ansprüchen der Leser genügt. Ich langweile die Leute und offensichtlich belästige ich sie nur. Auf die Dauer sind diese Gleichgültigkeit und Ablehnung, dieses achselzuckende Wegklicken meiner Arbeit nicht mehr erträglich. Sie sind tägliche Pfeile in mein Herz, denen ich mich nicht weiter aussetzen will. Ich bin waidwund geschossen, deprimiert, wehrlos. Und ich kann keine weiteren Verletzungen erleiden.

Ich werde daher die Konsequenzen ziehen:
Ich werde mich für noch unbestimmte Zeit aus dem Internet zurückziehen und meinen Blog schließen.

Ich hoffe, diese Pause tut mir gut. Ich bin niemand, der sich aufdrängt. Deshalb werde ich meine Zeit besser nutzen, keine Blogartikel schreiben, keine Bücher veröffentlichen und vorerst nur noch für die Schublade schreiben.  Ich weiß nicht, ob es mir noch ein weiteres Mal gelingen wird, mich wie Münchhausen an meinem eigenen Zopf aus diesem Sumpf zu ziehen. Aber ich hoffe, dass es noch nicht das Ende, sondern nur eine Atempause ist, in der ich viel nachdenken werde. Vielleicht sehe ich die ganze Angelegenheit im nächstne Monat, vielleicht schon in der nächsten oder der übernächsten Woche aus einem anderen Blickwinkel, denn ich bin nur selten mit mir einer Meinung und streite mich auch häufig mit mir selbst. Auf jeden Fall werde ich den Blog, wenn ich ihn weiterführe, komplett umkrempeln.

 

 

 

Nikolaus Klammer

PS. Auf dumme „Gefällt mir!“-Bekundungen, ohne obigen Text überhaupt gelesen zu haben, bitte ich  – wohl vergeblich – zu verzichten.

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10 Gedanken zu „Ich lüge mir selbst in die Tasche

  1. Pingback: Renovierungsarbeiten | Aber ein Traum ...

  2. Lieber Nikolaus,
    jaja, das Scheitern hat definitiv Größe 🙂 Und Du hast sicherlich recht: Was den Verkauf angeht, wäre eine klare Linie besser – ein Autor, ein Genre. Ich wünsche Dir jedenfalls von Herzen eine kreative Blogpause und freue mich schon auf Deine Rückkehr! Keep writing!

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  3. „Scheitern“ ist ein großes Wort und ich habe es wohl im gerechten Zorn viel zu schnell ausgesprochen – wie ich auch hinter meinen Artikel hätte schreiben müssen: Meine Klage richtet sich an alle außer simonsegur und luna. Aber du hast recht: Nicht Verkaufszahlen und Leser machen den Erfolg und den Autor – das ist eine Entscheidung, die wir oder unser Unterbewusstes irgendwann getroffen hat und mit der wir jetzt leben müssen, denn es gibt kein Zurück auf diesem Weg. Also nehmen wir die Scherben, vor denen wir hocken, in die Hand und formen aus ihnen einen neuen Text.

    Vielleicht schrecken wir Leser durch unsere Vielseitigkeit ab und dadurch, dass uns Genregrenzen nichts bedeuten. Die meisten wollen Literatur, die immer gleich ist. Wie eine Tafel Schokolade. Bei simonsegur und Nikolaus Klammer weiß man jedoch nie, was man geliefert bekommt: Ob Kinderbuch, Krimi, Fantasy oder Gesellschaftsroman. Diese Unsicherheit schreckt wohl viele ab. Und die Bewertungen bei Amazon – du weißt ja, wie sie entstehen und wie wenig sie mit dem Verkaufserfolg zu tun haben; „Der Geltsamer“ hat nur positive und teilweise sogar überschwängliche Rezensionen – aber gekauft wird er trotzdem nicht. („Brautschau“ ist übrigens ein ganz schlechtes Beispiel: Eine Rezension stammt von einem guten Freund, eine von meinem Sohn – und eine von mir selbst.)

    Vielleicht sollten wir uns mal zusammentun und gemeinsam ein Buch schreiben – vielleicht scheitern wir dann doppelt.

    Liebe Grüße, Nikolaus

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  4. Ja. Der Blog ist unübersichtlich, die Leute im Internet mit langen Texten, die sie doch nicht lesen, zu überschwemmen, ist Zeitverschwendung und aufgrund mangelnder Resonanz deprimierend. Deshalb mache ich ja auch eine Pause und will mit verändertem Design und anderen Inhalten neu anfangen. Der Blog ist einfach eine über sechs Jahre gewachsene Sache, von der ich anfänglich noch gar nicht wusste, wohin sie mich führen würde und dann immer schwerer auf meiner Brust lag. Davon wollte ich mich befreien und weil ich gerade etwas verärgert war, klang es viel melodramatischer, als ich wollte. Aber ich stehe dazu, das ist eben so meine Art. Jetzt mache ich einfach Pause, bereite in Ruhe mein nächstes Buch vor, denke nach und schreibe sicherlich mal den einen oder anderen Kommentar auf deiner Seite. (Ob das Verschenken von Rezensionsexemplaren an Buchblogger sinnvoll ist, will ich bezweifeln, es wäre mir auch viel zu teuer)

    Liebe Grüße vom Winterurlaub, Nikolaus

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  5. Nun, das war nun ein bemerkenswerter Rundschlag, der den Bogen von meiner Erzählung „Eine andere Art der Liebe“, meiner Existenz als Autor, der Literaturtheorie im Allgemeinen und Kafka im Speziellen schlug. Ich danke für die Mühe, die Sie sich mit diesem Kommentar machten, der jedoch zielsicher und exakt – daneben traf. Ich weiß nicht, welches Schlagwort Sie anlockte und Sie erstmalig auf meine Seite führte, wo Sie dann ausgerechnet den einen von meinen vielen Texten kommentierten, in dem ich von der langen Dunkelheit des Winters, ein paar Krankheiten und Rückschlägen der unterschiedlichsten Art deprimiert war und eine Schreib- und Nachdenkenspause in vielleicht ein wenig zu melodramatischen Worten verkündete.

    Ich schreibe seit 50 Jahren und und habe die Zeit der „hohen und falschen Erwartungen“ bereits vor langer, langer Zeit hinter mir gelassen. Dass aus mir nie mehr ein erfolgreicher und vielgelesener Autor werden wird, weiß ich längst. Der Blog dient mir nicht dazu, Publikum zu finden, sondern mich selbst zu disziplinieren: Er zwingt mich, regelmäßig an meinen Texten weiterzuschreiben und sie auch abzuschließen; die Vorstellung eines imaginären Lesers hilft dabei. Doch in den letzten Monaten fühlte ich mich von meinem Blog gehetzt. Das wollte ich beenden. Der Vergleich aus „Eine andere Art der Liebe“ ist übrigens grotesk und fast beleidigend, denn der Protagonist ist in jeder Beziehung impotent. Haben Sie den Text vollständig gelesen? Und mit dem Herrn Kafka, der sehr wohl zu seinen Lebzeiten Bücher veröffentlichte und nach Erfolg schielte und bloß seinen unvollendeten literarischen Nachlass nicht veröffentlicht sehen wollte, vergleiche ich mich nicht. Ich vergleiche mich nur mit mir selbst: Bin ich heute besser als gestern? Im Moment scheint mir das eben nicht so zu sein und das ist ein weiterer Grund, mit dem Veröffentlichen an dieser Stelle eine Pause zu machen.

    Meine Literatur ist kein „Geschreibsel“ und auch kein „Protokoll“. Sie ist ein Angebot, etwas zu erfahren. Wenn jemand das Angebot annehmen will, freue ich mich. Mir ist egal, wie viele Leser ich habe, aber wichtig, dass ich Leser habe. Das ist im Internet nicht der Fall.

    Danke für Ihre Anmerkungen, Nikolaus

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  6. Liebe Freunde, ich danke schon einmal für eure lieben Kommentare, die ich alle gerne beantworten werde, wenn ich aus meinem Kurzurlaub im Allgäu zurück bin, zu dem ich gleich am Freitag früh aufgebrochen bin – noch bevor mein defätistischer Artikel erschien. Ich hatte übrigens gestern 45 Zugriffe auf ihn, das ist mehr, als ich normalerweise in einer Woche bekomme. Hätte ich gewusst, wie viele sich für diese Blogpause interessieren, hätte ich schon viel eher hier schlussgemacht. 😉

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  7. lunaewunia sagte am :

    Ach, ich ärgere mich, hatte heute morgen einen recht umfassenden Kommentar verfasst, aber offensichtlich nicht abgeschickt… Also zweiter Versuch…

    Für mich ist deine Entscheidung natürlich schmerzlich, auch, wenn ich sie komplett nachvollziehen kann. Immerhin ist es ein mächtiger Zeit und Gedankenaufwand und in gewisser Weise möchte man entlohnt werden. Sei es schlicht durch Aufmerksamkeit (und dadurch Wertschätzung) oder sogar finanziell durch Buchkäufe. Und das ist natüröich enrom schwer… Denn im Internet etwas zu schaffen, das heraus sticht aus der Masse ist ein enormer Aufwand.

    Ohne nun wirken zu wollen, als sei ich belehrend (wie könnte ich kleines junges Ding das je sein^^) aber doch ein paar Gedanken.
    ich glaube, es wäre schon ganz gut, die Benutzeroberfläche des Blogs zu verändern (übersichtlicher und moderner), ich zum Beispiel hatte ernom Mühe, mich darauf zurecht zu finden. Und wir wissen, dass niemand mehr Mühe aufwenden möchte. Vielleicht sind auch Tatsächlich die Auszüge aus den Romanbearbeitungen für einige zu abscreckend, nehmen sie doch viel Raum ein und geben eben schon vieles deiner Kunst preis.
    Und dann stellt sich eben die Frage, inwiefern man auch noch auf sozialen medien agiert… Ich glaube, ich werde bei dieser ganzen Marketinggeschichte später auch enorm abkacken…^^
    Vielleicht würde es helfen, einen ordentlichen Schwung Rezensionsexemplare an Buchblogger rauszuhauen…?

    Es ist kein Leichtes, was da unsere Seelen eingenommen hat und diese Rückschläge wohl nur natürlich… Ich hoffe, du wirst gute Gedanken dazu finden können!

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  8. lunaewunia sagte am :

    Nun, ich like nicht. Wenngleich ich den Text sehr wohl zuende gelesen habe… Aber er ist aus meiner Perspektive natürlich nicht sonderlich likenswert…

    Ich mache mir Tatsache immer wieder Gedanken darüber, wie dein Dilemma zustande gekommen sein könnte… Denn meiner Meinung nach kann es nicht an deiner Literatur liegen, aber ich bin da wohl auch nicht objektiv…
    Ich könnte mir vorstellen, dass die Struktur die es Blogges etwas unförderlich ist. Man braucht wirklich sehr sehr lange Zeit, um sich darin zurecht zu finden… Zeit, die die meisten nicht aufbringen wollen. Ich denke, es wäre sinnvoll, ein anderes Design mit einer besseren Benutzeroberfläche zu wählen… So, dass man als Besucher auf den ersten Blick ganz genau weiß, was einem geboten wird.

    Selbstvermarktung ist unfassbar schwierig und auch etwas, woran ich sehr wahrscheinlich scheitern werde. Die Präsenz auf sozialen Medien ist unabdingbar, man muss sich eine community aufbauen und das braucht Zeit… Zumal Man über mehrere Kanäle gehen und diese pflegen muss… Was mir wohl schwer fallen wird, denn ich sehe in keiner dieser portale einen Sinn…

    Hast du eig Rezensionsexemplare an verschiedene Bichblogger raisgeschickt? Wenn man sich da informiert und herausfindet, wer evtl die potentiell eigene Leserschaft anspricht, dann kann man aube ich viel Bewirken…

    Doch ich möchte hier nicht Klugscheißen!
    Ich denke, die Pause kann dir gut tun. Es ist sinnvoll, nach einer Umstrukturierung zu suchen, denn Tatsache ist dein zeitaufwand nicht für das Resultat gerechtfertigt.
    Falls du irgendwelche Fragen haben solltest, was die Benutzeroberfläche deines Blogs aus lesersicht angeht (man selbst hat da ja so seine Scheuklappen),kannst du dich immer gerne melden.

    Liebe Grüße!

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  9. Neulich habe ich Konstantin Weckers Buch zum Thema „Scheitern“ gelesen – das gefiel mir sehr. Scheitern ist durchaus Größe. Vielleicht rede ich mir das auch nur ein, bin ich doch ebenfalls ein gescheiterter Autor. Einer, der in doch recht großen Verlagen 14 Romane veröffentlicht hat, aber nie genug Bücher verkaufte. Der auch vor einem Scherbenhaufen sitzt. Glücklicherweise bin ich selbstsicher genug, zu sagen: Das liegt nicht an mir. Ich weiß nicht, wie gut ich wirklich bin – aber gut genug allemal. Und besser als viele. Das ist so!
    Und das mag ich Dir auch zurufen. Du hast ein absolut wunderbares Sprachgefühl, Du „kannst“ schreiben. Deine Texte sind gerne ironisch, mäandernd, philosophisch – das ist nur für wenige was. Aber damit musst Du halt leben. Wenn ich mir Deine „Brautschau“ – ein Titel, der die meisten Leser erstmal irritieren wird, und das weißt Du genau – auf Amazon anschaue, hast Du zwei Bewertungen dafür bekommen – mehr als viele meiner Bücher.
    Und auch bei Blogs weißt Du doch, wie es funktioniert: Letztlich muss man sich erst selbst bewegen, erst selbst fleißig kommentieren auf den Blogs der anderen.
    Ach, egal: Ich hoffe, Du kommst bald zurück, ich hoffe, Du verlierst nie die Lust am Schreiben. Denn das ist und bleibt das Wichtigste für uns.
    Liebe Grüße!

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  10. »Ich habe das Ficken hinter mir. Ich bin das Ende. Jetzt kann ich mein Leben ganz auf Clara konzen­trieren.«, Zitat aus »Eine andere Art der Liebe« – nun haben Sie offenbar auch das Schreiben unter dem wachsenden Druck falscher und darin zu hoher Erwartungen hinter sich und können nun auf Ihre eigenen Ansprüche, nicht mehr die irgendwelcher imaginären da draußen, konzentrieren. Nennen Sie sie Clara. Das, was Sie erleben, erleben doch sehr viele hier, die meinen, man könne es mit Quantität »schaffen«. Tun Sies frei in den Tag, um ein Zeugnis zu geben Ihrer Zeit, denn das ist erste Pflicht von Literatur. Nehmen Sie Kafka, der wollte, dass sein Geschreibsel verbrannt werde nach seinem Tod. Er hat bloß niedergeschrieben, was seine Wirklichkeit, die seiner Zeit, in ihm erzeugt hatte. Es sind Protokolle.

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