Aber ein Traum …

Autorer als andere Autoren

Im Rückspiegel betrachtet …

Ich weiß nicht, welchen Grund die Römer 154 v. Chr. hatten, ihren Jahresanfang vom 1. März ausgerechnet auf den 1. Januar vorzuverlegen; mitten hinein in eine Phase der amorphen Bewegungslosigkeit, Kälte und Düsternis in der Natur, in der zumindest ich mir kaum vorstellen kann, dass es irgendwann auch mal wieder Frühling oder gar einen Sommer gibt. Der nasskalte und triste Anfang von 2019 setzt da keine eigene Duftmarke. Er beginnt, wie 2018 gestern endete – abweisend, neblig und feucht schält er sich nur mühsam aus der viel zu engen und nach Schießpulver stinkenden Düsternis der Silvesternacht. Doch er ist zumindest um diese Uhrzeit, in der ich dies schreibe, geduldig, still, abwartend, der milchige, von Ascheschlieren durchzogenene Himmel so gleichmäßig und rein wie ein Malgrund. Die Palette des Morgens, den das Neue Jahr darauf entwirft,  sind ausgewaschen und bleich – wie auf einem alten Foto. Es ist, als würde es sich für 2019 im Augenblick noch nicht lohnen, für die wenigen Wachen wie mich neue, leuchtende Farben anzumischen und sie auf dem Malgrund zu verteilen.

Katze Amy übrigens, die die halbe Nacht ängstlich zusammengekauert auf den Stufen zum Keller verbrachte und zitterte, ist wieder auf der Höhe und checkt gerade ihr Revier ab. Frau Klammerle schläft den Schlaf des aufrechten Gutmenschen, die in der Nacht wieder Leben rettete. Und ich? Ich sitze vor meinem PC, trinke schwarzen Kaffee(1) und fülle Papiertaschentücher und diese weiße Seite vor mir auf dem Bildschirm mit dem Rotz der Vergangenheit, versuche heute einen anderen Ansatz als gestern Nachmittag. Ich werde mich über die Statistik an die ernüchternden Tatsachen dieses Blogs annähern. Es sind ein paar rohe Zahlen, die rosiger aussehen, als sie es in Wirklichkeit sind:

2018 war das Jahr mit den meisten Aufrufen und auch den meisten Besuchern auf „Aber ein Traum“, der seit Mai 2013 existiert. Allerdings wurde meine Seite übers Jahr immer wieder von Suchmaschinen indexiert (allein im Februar hatte ich über 500 Zugriffe aus Singapur) und tagtäglich von Bots und Spammern besucht – auch bei denen hatte ich mit 915 Kommentaren einen neuen Jahresrekord. Das Bild oben sagt also wenig über die tatsächliche Besucherzahl aus. Ich schätze aber, es waren nicht mehr als zwei oder drei pro Tag – höchstens! Aber vielleicht waren es doch mehr als in den Jahren zuvor; ich nehme es mal als kleinen Erfolg. Die Zahl der Follower ist erwartungsgemäß kaum gestiegen, mehr als die momentanen 136 sind für mich offenbar nicht drin und die Tendenz ist eher fallend. Mein Blog dümpelt also weiterhin auf niedrigem Wasserstand und wäre ich nicht so hartnäckig von der Qualität meiner Beiträge überzeugt – es waren im letzten Jahr übrigens stolze 161 Blogartikel – und würde nicht soviel Arbeit investieren, wäre er schon lange auf Grund gefahren wie so viele andere Blogs. Der Tod der Kunst ist die Interesselosigkeit der Leute – das gilt vor allem für Deutschland. Unter den 136 Followern gibt es etwa zehn, die mich hier auch tatsächlich besuchen und lesen. Seid mir deshalb besonders herzlich gegrüßt, für euch mache ich das – auch 2019! Die anderen Follower sind unsichtbare und ungreifbare Phantome, deren Gründe, mir auf meinem Weg als Autor zu folgen, vollkommen schleierhaft sind. Auf den anderen social medias, von denen man mir dringend riet, sie als Autor zu benutzen, sieht es übrigens noch düsterer aus, denn dort folgt mir kein einziger, der sich für mich und meine Literatur interessiert, sondern nur Personen, die auf sich selbst aufmerksam machen wollen und nach „Gefällt mir“ fischen: Auf meiner Facebookseite folgen mir 7, auf Twitter 31 und auf Lovelybooks 2 Personen. Wahrscheinlich werde ich diese Präsenzen im neuen Jahr dichtmachen. (Nein, ich habe kein Instragram, warum auch?)

Schaue ich auf die Aufrufe der einzelnen Beiträge, so ergibt sich erstaunliches:

Lasse ich mal die Klicks auf die Startseiten weg (Startseite, Lesen, Der Blog etc.), dann war mit 146 Aufrufen der erfolgreichste Artikel 2018:

Ein Unfall auf Madeira

Wie ist das möglich? Dieser Text vom April dieses Jahres wird fast täglich geöffnet und zwar in erster Linie von Portugal aus, das deshalb in meiner Länderstastik noch vor der Schweiz und Österreich rangiert. Auch heute wurde der „Unfall“ bereits schon einmal aufgerufen. Das liegt mit Sicherheit nicht am Inhalt, sondern an dem Titel, der erstaunlicherweise zu einem hohen Ranking auf der portugiesischen Google-Seite geführt hat und deshalb immer wieder angeklickt wird. Traditionell weit oben findet sich auch mein erfolgreichster Text im Internet, meine etwas halbgare und schon vor 20 Jahren aus dem Handgelenk geschüttelte Satire

Der Fremde – Eine Kurzgeschichte

Auch hier habe ich den Titel in Verdacht, für den Erfolg verantwortlich zu sein. „Der Fremde“, das passt in die migrationsfeindliche Stimmung im Land und ruft dazu alle auf den Plan, die kostenfrei Albert Camus lesen wollen und aus Versehen bei mir landen. Die Nummer Drei hat wieder ein Text aus 2018 eingefahren. Es ist mein streitbares Essay über

Meine Probleme mit der Lyrik.

Erstaunlich, dass es tatsächlich Menschen da draußen im Land gibt, die das interessiert. Leider ist es mir auch hier nicht gelungen, mit diesen Personen ins Gespräch zu kommen. Meine Texte werden selten bis nie kommentiert. Den 4. Platz will ich noch erwähnen, denn meinen alten Freund Hans-Dieter Heun, der diese Geschichte schrieb, wird es tierisch freun:

Auf Kur – Eine Kurzgeschichte

Diesen Text habe ich als Gastartikel hier bereits am 1. April 2014 veröffentlicht und er ist seitdem in jedem Jahr unter den Top Ten. Auch das liegt leider eher weniger an der  bemerkenswerten Heunschen Sprachgewalt, als an den Suchmaschinen und den Menschen, die sie für merkwürdige Dinge benutzen. Die kleine Geschichte ist die unanständigste, die man auf meinem Blog finden kann und enthält zuhauf die Reizwörter, die Männer eben so eingeben, wenn sie zu später Stunde im Internet surfen und Entspannung suchen. „Kurschatten“ ist z. B. einer der häufigsten Suchbegriffe, über die Leute auf meinen Blog kommen. Wobei die am meisten in Google eingetippten Wörter, die Suchende zufällig auf meine Seite brachten, „beilaufig hemds“ (???) waren. Der merkwürdigste Suchtext war folgender: „wie kann es sein wenn mit seinen mann telefoniert und mann sieht mann sie und gegen abend blau anlauft und schleim aus dem mund kommt?“ Ich glaube, beiden konnte ich nicht wirklich helfen.(2)

Doch genug von trockenen Zahlen. Ich werde jetzt einen ausgedehnten Neujahrsspaziergang machen und versuchen, meine verstopfte Nase wieder freizubekommen. Dann geht die Arbeit weiter: Dr. Geltsamer wartet ungeduldig in den Kellerverliesen des Vatikans auf mich.

Bis bald, liebe Freude! Einen wundervollen, friedlichen und harmonischen Jahresbeginn wünscht euch

Nikolaus

__________

(1) Ich trinke normalerweise meinen Kaffee mit viel Milch, aber die habe ich vorhin vergessen und jetzt habe ich einfach keine Lust, wieder vom Arbeitszimmer in die Küche hinunterzulaufen, denn das würde den gerade sprudelnden Fluss meiner Gedanken versiegen lassen.

(2) Ich sollte vielleicht mal das Experiment machen und ein paar nicht jugendfreie Wörter als Schlagwörter oder Titel benutzen. „Geile Möpse“ statt „Im Rückspiegel betrachtet …“ würde die Zugriffe auf meinen Blog mit Sicherheit durch die Decke gehen lassen. Allerdings käme niemand, der sich für meine Literatur interessiert.

 

 

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6 Gedanken zu „Im Rückspiegel betrachtet …

  1. lunaewunia sagte am :

    Da sind definitiv einige Kandidaten, die ich mit meinen Texten bewerfe, ob sie wollen, oder nicht 😉 Doch momentan schreibe ich noch am Besten, wenn ich nur für mich bin. Nach momentanen Stand wird es eine Weile dauern, bis jemand etwas zu gesicht bekommt^^

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  2. Der Urlaub? Hat Spaß gemacht, danke. Und inzwischen bin ich auch wieder gesund und voller Tatendrang.
    Ein guter Roman schreibt sich nicht so schnell. Ich hoffe, du hast Leser für deine Entwürfe, die sie kommentieren; das hilft ungemein.
    Ja, hier liegt ordentlich Schnee, aber bei weitem nicht so viel wie in den Alpen – Winter halt. Aber jetzt kommt erst einmal Tauwetter. Grüße.

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  3. lunaewunia sagte am :

    Na, ich hoffe der Urlaub war erfolgreich… wie man auch immer den Erfolg eines Urlaubs messen mag^^
    Sehr gut zu hören, dass du dich nicht abbringen lässt!
    Was den Roman angeht, ich bin und bleibe dran, muss wohl nur in kauf nehmen, dass alles ein bisschen langsamer von der Hand geht, aber das ist wohl zu verkraften^^

    Hab einen wundervollen Tag!
    (und ich hoffe, du zählst nicht zu den eingeschneiten)

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  4. Danke, Luna, für deinen schmeichelhaften Kommentar. Schön, mal wieder von dir zu hören. Ich wünsche dir ebenfalls ein tolles und erlebnisreiches 2019, in dem dir dein Roman hoffentlich wieder besser von der Hand geht – und wenn nicht, dann fang einfach einen neuen an und dann noch einen und noch einen. Das habe ich zumindest früher getan. Ich habe ungefähr zehn angefangene Romane in der Schublade in der Länge von einer bis zu dreihundert Seiten. Ein paar von denen schreibe ich gerade um und zuende; z. b. „Die Wahrheit über Jürgen“. Und – Nein! – ich gebe nicht auf. Mein Blog bewahrt mich im Gegenteil davor, weil er mich elenden Faulpelz und ADS’ler zu Ordnung und konzentrierter, regelmäßiger Arbeit zwingt.

    Frau Klammerle und ich werden bis Sonntag noch einen kurzen Winterurlaub im Bayerischen Wald machen, dann geht es anschließend hier auch wieder weiter.

    Bis bald …

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  5. lunaewunia sagte am :

    Schön, dass du auch im nächsten Jahr noch dabei bist 😉
    War ich zwar auch in der letzten Zeit einer jener stillen Leser, so möchte ich diesen Blog hier bitte nicht missen^^
    Nun, und was diese ganzen Kanäle angeht, die man als Autor zu bespielen hat… Als ich noch zuverlässiger mit meinem Roman voran kam und mit baldige Vollendung und natürlich direkter Veröffentlichung rechnete (denn wer wöllte schon einen solchen Geniestreich zurück halten😉) legte ich mir ein insta Profil zu… Nun, und musste und muss eine sinnkrise erleben… Denn die Oberflächlichkeit auf diesen Kanälen ist erschreckend. Linken um gesehen zu werden, aber eig schaut ja niemand so genau hin – bzw es interessiert niemanden. Und erfolgreich ist man sowieso nur wenn man die leicht bekömmliche weichgelutschte scheiße bringt, die alle 20 jährigen weiblichen bookstagrammer und „Autoren“ abliefern…
    Also bitte, bitte gib nicht auf. Nimm dem Netz nicht noch mehr Niveau 😉
    Ein frohes neues Dir!… Und Deiner Frau versteht sich 😉

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