Aber ein Traum …

Autorer als andere Autoren

Neujahrsgrüße 2018

31. Dezember 2017, Silvester

Ich gebe es zu: Ich bin ein wenig skeptisch, wenn ich an das neue Jahr denke und das Leben, das ich in ihm führen werde. Aber die Zeit lässt sich durch Jammern nicht aufhalten und ich bin auch noch ein wenig von Weihnachten überfressen. Außerdem beginnt ja eigentlich nichts Neues. Es setzt sich nur das Alte fort; die Landmarke „Neujahr“ ist ein zufällig gewählter Kalendertag. Die Chinesen feiern den Beginn des neuen Jahres zum Beispiel am 16. Februar, die Juden erst am 10. September. Bei den Römern startete der Jahreskreis am 1. März und im Mittelalter bis in die Renaissance hinein war Neujahr am 25. März. Für Lehrer und Schüler beginnt das Jahr mit dem Ende des Sommerferien. Der 31. Dezember ist also ein Tag wie jeder andere, kein Grund daher, Dinner for one zu sehen, sich zu besaufen, Fondue zu essen und 5000 Tonnen Feinstaub in Form von Feuerwerk und kubischen Böllern in die Luft zu blasen und allen Haustieren ein nachhaltiges Trauma zu verpassen. Und keine passende Gelegenheit, zu versuchen, sein Leben zu ändern. Ich gebe es offen zu: Dieses Silvester war nie mein Fest. Trotzdem bleibt da dieses Gefühl, heute über das Gestern und das Morgen nachzudenken, die Gesellschaft zwingt mich geradezu.

Nun, falls ich nicht gegen 22:30 Uhr mit den Confessiones von Augustinus in der Hand – den Bischof von Hippo plagten vor fast 2000 Jahren ganz ähnliche Gedanken – in meinem Lesesessel einnicke und einigermaßen wach bin, wenn 2018 beginnt (1), dann werde ich mir selbstverständlich einen Piccolo und mein Dachfenster öffnen, „Ah“ und „Oh“ sagen, an meinem Getränk nippen und über die Zukunft im Allgemeinen und meine immer kürzer werdende im Besonderen nachdenken. Und ich werde auf alle meine Mitmenschen ein Glas erheben, die mit mir gemeinsam in dieses 2018 hinein gehen können und wollen, ob als Familie, Freunde, Kollegen oder als Blogfollower. Manche kenne ich nur über die Bücher und Texte, die ich von ihnen lese, aber sie sind mir näher als mancher, dem ich in persona begegne.

Ich wünsche uns allen ein gesundes und glückliches Neues Jahr.

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(1) Falls sich jemand fragt: Frau Klammerle, Krankenschwester in der Intensiv-Frühgeburten-Abteilung des Augsburger Josefinums, arbeitet wie in jedem Jahr in der Silvesternacht und rettet Leben (das ist sinnvoller als alles andere, was der Rest von uns so an Silvester macht). Deshalb werden ich und meine Katze, die sich allerdings ängstlich und zitternd im Keller verkriechen und erst im Morgengrauen von dort wieder hervorkriechen wird, alleine sein.

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