Aber ein Traum …

Autorer als andere Autoren

Die Abenteuer von Karl-Heinz, dem Weihnachtshund – Teil 2

 

Rabenhorn war gerade einge­nickt, da klopfte es kurz und bestimmt an der Tür. Als sie sich öff­nete, glaubte der Lektor zu träumen:

Seine Mundwinkel klappten nach unten – nicht vor Er­staunen, eher schon aus purem Entsetzen. Durch die Tür schob sich ein riesiger, schwarzer und zotte­liger Hund. Falsch, das war kein Hund mehr: Das war ein Kalb, ein Bär, ein Minotaurus, ein Oger!

Eine Woge muffigen Gestanks nach nassem, unge­pflegtem Fell schlug dem Lektor entgegen, der sich keine ande­re Hilfe wusste, als eiligst auf seinen Schreibtisch zu stei­gen. Rabenhorn hatte Angst vor großen bösen Hunden, und dieser hier war bestimmt der größte und böseste Hund, dem er jemals so nahe gekommen war. Da half es auch nicht, dass das Tier eine Nikolausmütze trug und ei­nen grün-rot gestreif­ten Schal. Der Hund jedenfalls trotte­te nä­her, legte seine riesige Hundeschnauze auf den Tisch, sah treu­herzig nach oben zu dem panischen Lektor und sab­berte genussvoll dessen Tischkalender voll.

„FRÄULEIN WIESENGARD!“, schrie Rabenhorn nach sei­ner Vorzimmerdame. „FRÄULEIN WIESEN­GARD! Hier steht ein gar schrecklicher Hund! Meine Liebe, Sie haben einen Hund in mein Büro gelassen! Bringen Sie das bitte sofort in Ordnung.“

„Wuff“, machte der Hund.

Fräulein Wiesengard jedoch antwortete nicht. Wahr­scheinlich hatte das gigantische Vieh Fräulein Wiesengard zuerst gefressen, bevor er hereinkam. Ob das Monstrum jetzt wohl satt war? Rabenhorn sah sich vorsichtig um. Vom Schreibtisch auf die Fensterbank und aus demselben in die Tiefe sprin­gen? Das war im 8. Stock keine schlaue Idee. Telefo­nieren? Das konnte vielleicht diesen Mörder­hund reizen. Ihn mit Friederbuschs fettem Manuskript in die Flucht schlagen? Das wäre mutig, aber Raben­horn war nicht mutig, keinesfalls schon lebensmüde, aber der Ge­danke hatte etwas. In diesem Augenblick öffnete sich wie­der die Tür. Der leibhaftige Egon M. Friederbusch stand im Rahmen und lachte sich schief.

„Komm, Karl-Heinz, sei lieb“, rief er endlich, „der Onkel will nicht mit dir spielen. Karl-Heinz!“ Er klopfte auffor­dernd auf seine Oberschenkel, doch der Hund ignorierte ihn völlig. Friederbusch zuckte bedauernd mit den Schul­tern.

„Schlecht erzogen, tut mir leid. Er ist mir zugelau­fen.“

Rabenhorn sah von oben auf den Schriftsteller, dann auf den Hund. Langsam wich die Panik. Er wäre jetzt gerne von seinem Schreibtisch herunterge­stiegen, denn er spür­te, dass er sich lächerlich mach­te. Aber ein kurzer Blick­kontakt mit dem Monstrum ließ ihn oben verharren.

„Das ist Ihr Hund, HERR Friederbusch? Ja, sind Sie denn völlig wahnsinnig geworden?“, forderte er kei­ne Ant­wort, sondern Trost; dabei bemüht er sich, lei­se und ruhig zu sprechen, damit der Hund bloß nicht nervös wurde. „Den Esel haben Sie hoffentlich nicht dabei“, fügte er noch mit Galgenhumor hinzu.

„Das nicht, aber etwas viel Besseres …“, erwiderte der Autor.

Die Überraschung war gelungen, auch wenn dem Lektor plötzlich der singende Esel doch lieber gewe­sen wäre: Her­ein schwebte ein strahlender Engel mit einer Tupper­schüssel in der Hand, eine Schneeköni­gin, blond, blauäu­gig blin­zelnd, mit grell geschmink­ten Lippen und nur mit einem langen Nerz, der in der Farbe des Winters schim­merte, be­kleidet: Marie-Theres Kienbauer, wie der Herr oder ein Chirurg sie in einer Schapslaune erschaffen. Sie wirkte auf Ra­benhorn, als käme sie frisch von einer Schönheits-OP und sie schwebte tatsächlich wie ein mit Helium ge­füllter Ballon einige Handbreit über dem Bo­den! Ra­benhorns Kinnlade klappte nach unten, fast wäre er von seinem Schreibtisch gefallen, auf dem er immer noch als die Un­würde in Person hockte.

Die Schneefrau Marie-Theres, Hetäre dieses Schaf­scheiß dichtenden Dichters und gestrenge Chefin, schwebte nicht einem Flöckchen gleich zu Boden, nein, Schwerkraft spielte für sie keine Rolle. Gerade­zu mühelos flog sie jetzt zur De­cke empor und nahm Platz auf der Hängelampe. Dort ent­nahm sie ihrer Tupperdose, die sie mit einem schmatzen­den Ge­räusch öffnete, ein Spruchband, entroll­te es und ließ es von der Decke flattern. Güldene Lettern in Leipzi­ger Fraktur:

Einladung zu meiner Weihnachtsparty mit Schichtkohl, an­schließend menage a trois!

Solche Feinheiten wie den Schriftfont nahm des Lektors geschultes Auge noch wahr, bevor er vom Schreibtisch auf den Sisalteppich stürzte, mit all sei­nen verbliebenen Kräf­ten darum rang, gleich und auf der Stelle ohnmächtig zu werden, aber von Karl-Heinzens feucht-sorgender Zunge und seinem wi­derlichen Mundgeruch daran ge­hindert wurde. Der Monsterhund schleckte ihn hartnä­ckig wieder zu­rück ins Bewusstsein, dem er so verzwei­felt entkom­men wollte.

„Ja, ja, mein Lieber!” Egon M. Friederbusch grinste sar­donisch. „Sie stecken jetzt wohl mitten in einem, will sa­gen: meinem Weihnachtsmärchen. Kommen Sie, genießen Sie das Wunder! Der Höhepunkt war­tet auf uns.”

Und aus weiter Ferne sang dazu ein besoffener Esel:

„Wenn zur Weihnacht die rote Sonne im Meer versinkt,
und vom Himmel die bleiche Sichel des Mondes blinkt,
dir ‘n geiler Donkey vom Ufer zum Abschied winkt …“

Dann geriet alles ein wenig durcheinander: Menage a deux! Marie-Theres kam über ihn, und sie wurden ge­schichtet wie Kohl, im Fass gärte ihr Saft zu saftig Weini­gem. Und während sie Karl-Heinzens Zunge englisch brie­ten, im Rosenrot seines Inneren lustvoll schwelgten, klang von draußen das Jingle Bells, das wie das Glocken­geläut ei­ner großen Nikolausver­schwörung über ihre Lei­ber hin­weg fegte. Und dunstvoll roch ihr Gebäck nach Zimt. ge­paart mit dem rosmarinmus der holden mariethe­res. es ge­ronn zu lustvollen. gaumenfreuden. des Riesen­hundes rau­es bellen verhaucht. in der Kehle des Genie­ßers. sein schwanzwedeln. es würzt die suppe der begehrl­ichkeit. zack. sein fell. zack. getrocknet und gepul­vert. zack. lindert husten und schleim. doch wenn er kommt. zackzack-oh. lindert er ihre dürre. ah. und wasser füllt die abendmahl­schale mit wein der frühe der nacht erwacht lacht sacht …

Rabenhorn applaudierte: Was für ein Text! Endlich ge­hobene, erhabene Literatur! Das war moderne Dichtung!

…hallelujatanztenengelgleichchimärenausplatzendenringen. Um die Welt.

Zack!

Hart schlug Rabenhorns Kopf auf dem unnachgie­bigen Sisalboden seines Büros auf.

Gleichzeitig und genau in dem Augenblick, in wel­chem Rabenhorn vor den erstaunten Augen von Egon M. Frie­derbusch und der Verlegerin Marie-Theres Kienbauer mit brünstigen Fieberphantasien von seinem Schreibtisch her­nieder und gen Hölle des Sisalbodens stürzte …

Während sich ihm die Zeit dehnte und er in einem Weih­nachtsrausch befangen, der jedoch nur ein Schwä­cheanfall aufgrund eines überraschenden mit Macht zu Tage treten­den grippalen Infektes war, verursacht durch den Schock, den der Hund in ihm ausgelöst …

Während er von einer Himmelsleiter der Glücks­eligkeit ins Antlitz der Herrn blickte, welcher ihm mit seiner gro­ßen, weichen und feuchten Zunge lie­bevoll ableckte – es war natürlich Karl-Heinz, wel­cher solches tat – und ihm da­bei war, als würde eine getragene Stimme nur für ihn mo­derne Dichtung vortragen, eben da …

… nahm am anderen Ende der Stadt, jenseits des Flus­ses, dort, wo der soziale Woh­nungsbau scheußlich bittre Sumpfblüten wachsen ließ und nur Le­bensmüde und Triebtäter sich des Nachts aus den Häusern trauten, ein Ereig­nis seinen Lauf, das, obgleich sich daran Personen beteilig­ten, die Rabenhorn vollkommen unbekannt waren, später auf das Leben des Lektors einen bedeuten­den, um nicht zu sagen, den bedeu­tendsten Ein­fluss gewann:

Es öffnete sich mitten auf dem Bürgersteig vor einer schmud­deligen und traurigen Döner-Bude knirschend ein Kanaldeckel, klappte dann langsam in die Senkrechte, um anschließend von der Wucht der Schwerkraft gezogen scheppernd auf den Beton zu klatschen. Anschließend stieg ein Mann aus dem rauchen­den und stinkenden Un­tergrund, sich nicht im Geringsten an den Blicken der Fußgänger störend, die einen weiten Bogen um ihn mach­ten. Neugierig sah er sich um und schnüffelte, das Ge­sicht zu einer angewiderten, empörten Grimasse verziehend, in die Luft.

Ömer Özgür, schnauzbärtiger Ostanatolier und stolzer Besit­zer des Bosporus-Imbiss‘, träumte sich gerade frös­telnd aus sei­nem Straßenverkaufsfenster in ein Restau­rant am Strand des sonnen- und wärmeüberfluteten Bo­drum, als sich der Mann aus dem Untergrund wie der leibhaftige Scheitan vor ihm auf­richtete. Ömer war zwar einige seltsame Aufzüge gewöhnt, schließlich wohnten ei­nige seiner besten Kunden in der nächs­ten Straße im Männerasyl, aber solch einen Menschen hatte er noch nie gese­hen.

Der Fremde sah aus, wie sich der theaterbegeisterte Tür­ke den shakespeareschen Macbeth vorstellte: Ein großer, hagerer, dabei kräftiger, in Gliedern und Muskeln stark gebauter Mann – scheinbar in den Fünfzigern. Sein Ge­sicht mochte einmal gut­aussehend gewesen sein, denn noch funkelten die großen Augen unter den schwarzen, buschigen Augenbrauen mit jugendli­chem Feuer hervor. Jedoch seine Kleidung, Mantel, Barett, ge­kräuselter Kra­gen, kurze, aufgeplusterte Hosen, darunter ein dunkelgrün­er Strumpf – hing da nicht etwa auch ein schmaler Degen an seiner Seite? – schienen aus einem an­deren Jahrhun­dert zu stammen. Erstaunlicherweise hatte die seltsame Klei­dung jedoch nicht unter dem Abwasser­kanal gelitten, dem der Mann eben entsprungen war, son­dern war farbenfroh und sau­ber; ein Kunststück, das Ömer durchaus zu schätzen wusste.

„Bin ich hier richtig im bildhübschen Bromberg an der Fiesel, der edlen Fürstenstadt mit ihren wohlgenährten Pfeffersäcken und deren liebreizenden Töchtern? Sprich, Muselmann!”, de­klamierte der Fremde zu Ömer mit schö­ner, gleichwohl schon lange nicht mehr geübt klingender Bassstimme. Und Ömer konnte nur nicken. Solch eine Sprache kannte er von der Büh­ne, nicht aus dem Leben, in dem jeder Deutsche mit ihm so sprach, als sei er dämlich und wäre bereits von einem Konditio­nalsatz überfordert. Wollte der Fremde sich lustig machen und ihn beleidigen oder meinte er sein geschwollenes Geschwätz Ernst?

„Dann, oh Sohn des Propheten, sage mir: Wo kann ich den ed­len Herrn Johann Emanuel Kienbauer finden, der allhier ein an­gesehen Buchgeschäft führt? Sieh, Abge­sandter der Pforte, ich war einige Jahre nicht mehr im Lande und will einem Freund die Hände reichen”, fuhr der Fremde fort und lächelte hinter­sinnig. Ömer hingegen staunte und schwieg, während er für sich die Sätze des Unbekannten in verständliches Deutsch übersetzte. „Aber verzeihe mir meine Ungeduld, rechtgläubiger Herr der Töpfe und Fleischspieße, deren sottene Wohlgerüche gar lecker­lich in meine Nase stechen, der ich einige Jahrhun­derte auf solch feine Genüsse verzichten musste. Ich ver­gaß, meine Wenigkeit vorzustellen.”

Er machte eine dramatische Pause und verneigte sich tief.

„Ich bin Carlos Niccolo Diego Pedro Lamentoso Siesta Ortega y Cuerno del Cuervo“, und der Fremde in den Pluderhosen schlug sich mit Macht auf die Brust, voll­führte dann plötzlich einige seltsame Koboldsprünge, schrumpfte dabei ein wenig und bekam einen Buckel, „aber du darfst mich Karldinal-Rum­pelstilz nen­nen, ich bin’s, der Echte Karl-Nickel! Der Karlni­ckelaus! Du hast sicherlich von mir gehört. Mein Ruf eilt mir voraus. Aber eigentlich, Sohn des Orients, ist Karl-Nickel nicht nur mein Name, sondern auch meine Berufung. Ha! Seit Jahr­hunderten schon züchte ich in den Abwässern dieser schö­nen Stadt Karlni­ckel, eure Abwässer erlauben ihnen näm­lich ein be­sonders langes Leben. Verstehst du?”

„Klar doch, schon krass!” Ömer verstand … Bahnhof. Aber Ir­ren sollte man immer recht geben.

„Das musst du auch, denn wir sind uns gar nicht so fremd. Du betreibst dein Geschäft und ich das meine, mein Freund. Nun höre er mir einfach mal zu:”
Er klatschte im Rhythmus in die Hände.

„Heute koch ich, morgen brau ich und übermorgen ma­che ich der Kienbauer ein Karlnickel! Kommt dir das nicht türkisch vor?”Der Rumpelstilz brach in schallendes Ge­lächter aus! Ömer Özgür konnte nur nicken, obwohl er ei­gentlich den Kopf schüt­teln wollte. Er griff unauffällig nach seinem Schabefleisch­schaber.

„Jedoch”, erneut zwei Sprünge, der Degen schlug Fun­ken auf der Straße; das war furchteinflößend, „vor fünf­hundert Jahren wurde mir langweilig, ewig nur Karlni­ckel zu produzieren. Das sind auch ganz gefährliche Zeitgenossen! Diese kleinen Biester, diese! Mit denen will ich nichts mehr zu tun haben! Wusel, wu­sel, fress, fress, ah! Schrecklich. Folglich verlegte ich mich auf die Auf­zucht von … Trommelwirbel! Je nun, von Weihnachts­hunden. Tada! Und was soll ich dir sagen, mein Freund vom Bospo­rus, nach unerheblichen Anfangsschwierigkeit­en – einige Nach­geburten entwickelten ein Eigenleben und mutierten zu singen­den Schmuseeseln – glückten mir die bes­ten, die langlebigsten und die treuesten Weih­nachtshunde, die unsere Welt je gesehen. Ich bin wahrhaft stolz auf sie, und jeder von ihnen trägt auch meinen Na­men: Karl-Ludwig, Karl-Fried­rich, Karl-Marx und Karl-Heinz. Letzterer jedoch ist nun in eurem lieblichen Brom­berg in geheimer Mission für mich un­terwegs. Ganz ge­heim! Es ist wegen der Karlnickel. Pst! Des­halb, oh mein getreuer Musel­mann, musst du mir helfen.”

Er blickte zurück zu dem Loch, aus dem er eben gekro­chen war.

„Komm mit mir hinab. Allein bin ich zu schwach.”

 

„Und Marie-Theres kam über ihn, wurde geschichtet wie Kohl und im Fass gärte ihr Saft zu saftig Weinigem, während sie Karl Hein­zens Zunge englisch brieten: Hallelu­ja!…”

So hätte Friederbusch schreiben müssen, so wird zeitge­mäß gedichtet! Ich sage nur einen Namen und den mit der nötigen Ehrfurcht: Durs Grünbein! Ha! Selbst in den Gedanken seiner Ohnmacht erfüllte Ra­benhorn noch seinen Job. Durs und nicht anders, und Friedi wäre ein Gro­ßer. Mit einem Weih­nachtshund jedoch, mit Singing Sam, diesem ab­sonderlichen Schmu­seesel und mit gefährlichen Karl­nickeln aus dem Ab­grund wird dieser Schreiber­ling zugrunde gehen … und eigentlich: In Bezug auf sein schamloses Verhalten hier im Büro war das so­gar wün­schenswert!

Rabenhorn erschrak, erwachte fast aus den bunten Bil­dern seiner Phantasmen. Moment, hatte er gerade von langlebigen Karlnickeln geträumt? Was war denn das für ein Unfug? Wie kam er denn darauf? Er kniff seine Augen fest zu. Aber das Fieber ließ ihn nicht los.

Und es ging ein Raunen durch die Straßen. Ein Flüstern durch die Gassen. ER war auferstanden aus den Einge­weiden der Stadt, suchte seinen Nachkommen, um zu ret­ten, was noch zu retten war. ER, der ER seit Jahrhunder­ten rumorte wie schwer­verdaulicher Schichtkohl. Karl-Ni­ckel, der Karldinal­großfürst, genannt Karldinalkaiser und im Volksmund Karl­nalrumpelstilz. Doch jetzt war ER da. Und der Karlnikolaus suchte, schnüffelte, fand. Er war mitten unter uns, mitten im Advent. Angekommen wie angekündigt in den Archiven der Stadt, wo die geheimge­haltene Weissagung hinter sieben Türen ängstlich verbor­gen gehal­ten wurde. ER, der Herr und UR-UR-UR-UR-und-so-weiter-und-so-weiter-und-so-fort-URAH­NE des Geschlechts derer von Ceratias-Corvus.

Und ein Schauern fegte durch die kalten Schluchten aus Schichtbeton und Schichtkohl, durch Nachtschichten und Tag­schichten, durch alle Schichten der schlichten Bevölke­rung.

Aber nur das feine, ahnungsdralle Gemüt des Lek­tors Jan Philipp Rabenhorn erfasste den Ernst der Gegenwart mit einem visionären Blick seines dritten Auges hinter sei­ner fieberigen Stirn: Karl-Nickel war adveniert und er plante etwas! Friederbusch hatte seine Aufgabe erfüllt, Verkünder und Vorbote zu­gleich, er war nur das hohle Gefäß, das der Rumpel­stilz zum Klingen gebracht. Der echte Karl-Heinz leckte ihm über die schweißnasse Stirn, aber das be­merkte er kaum. Rabenhorn sprang im Fieber­wahn auf. Er sah eine blinkende Kienbauer in ihrer halb­en Nacktheit vom Leuch­ter herabsinken.

„Marie-Theres, schnell weg von hier! Er kömmt über dich! Er wird dich nehmen, füllen, schichten wie Kohl. Karl-Ni­ckel, der inkarlnalische, der unter­gründige, er ist aufge­fahren aus den Katakomben. Nichts wie weg hier! Sonst bist du dran!”

Mit diesen Worten fasste er Marie-Theres Kienbau­er, die Herrin des Kienbauer-Imperiums, beim einge­bildeten Schweifstern und schleifte sie zur Tür hin­aus. Frieder­busch und sein Hund blickten ihnen fas­sungslos nach.

 

[Hier geht die unfassbar spannende Geschichte weiter …]

Einzelbeitrag-Navigation

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: