Aber ein Traum …

Autorer als andere Autoren

Ein Beginn – Das Spiel (Teil 3)

SIE WAR AM ERSTEN ABEND

Die Wand. Weiß gekachelt. Schwankte auf mich zu. Blähte sich mir entgegen. Ich griff mit der Hand nach ihr. Um sie ruhig zu stellen. Meine Finger glitten über die Oberfläche. Ölig. Schweißig. Aber ich konnte ihre Bewegung. Pulsierend. Nicht stoppen. Eine M****. Ungelenk gestrichelt. Tanzte zum Takt. Fern. Wie ein Bild von Miró. Lebendig geworden. Dann hatte ich diesen Geschmack im Mund. Ganz vorne bei den Zähnen. Er drängte herauf. Ein letztes Schlucken. Unterdrückend. Endete in Würgen. Keuchend. Ich erbrach in die Pissrinne: Viel Rotwein. Schaumig. Schleim und Abendessen. Aufgeschwemmt. Besudelten den Boden zu meinen Füßen. Etwas spritzte gegen meine Hose. Die beste mit dem Fischgrätenmuster. Dunkel. Und die Wildlederschuhe. Ein Speichelfaden tropfte zäh aus meiner Nase. Obwohl mein Magen schnell leer war. Würgte ich ohnmächtig nach Luft schnappend. Erst durch den Anblick meines eigenen Erbrochenen wurde mir wirklich übel. Die Klotür hinter mir öffnete sich rumpelnd. Wurde aber nach Schweigen. Kurz. Betreten. Rasch wieder geschlossen. Jetzt konnte ich mich aufrichten. Vorsichtig. Meine Bauchdecke krampfte hektisch. Für einen Moment. Besinnungslos. War ich versucht. Wieder nach vorn zu kippen. Entschloss mich aber zur Bewegung. Entgegengesetzt. lehnte mich zurück. Mit dem Rücken. Gegen den Kondomautomaten. Der nach Blech tönte. Matt. Ich verharrte. Atmete. Schwer. Mein Kopf sank zurück. Ich schloss die Lider. Drückte auf diese Weise Wasser. Ein bisschen. Aus den Augenwinkeln. Das über meinen Backen lief. Warm.

Ich weiß noch genau

Eine Erinnerung. Belanglos. Kam in den Sinn: Eine Banalität. Das waren die von einer Strumpfhose. Weiß. Plattgedrückten Haare. Fettig glänzend. Schwarz. Am Bein einer Schwester. Ansonsten hübsch und jung. Die mir am Nachmittag im Krankenhaus freundlich und aufmunternd zugelächelt hatte. Als ich meinen Vater besuchte. In diesem Moment war mein Blick zu ihren Beinen herabgerutscht. Ich spürte eine Scham. Plötzlich. Hitzig. Einem Schlag mit der Hand. Flach. Ins Gesicht sehr ähnlich. Die Schwester bemerkte meinen Blick. Der Ekel kam erst später. In jenem Moment. Als ich mich erbrochen hatte und am Automaten lehnte. Er hielt für Tage an. War mal stärker. Mal schwächer. Aber vorhanden. Ständig.

Ein Rhythmuswechsel draußen

Ein Lied. Neu. Lenkte mich ab. Tönte durch die Tür. Angelehnt. Der Geruch. Säuerlich. Meines Erbrochenen überlagerte langsam den Klogestank. Meine Sinneseindrücke wurden nüchterner. Sie schälten sich aus der Dumpfheit. Jetzt schien es mir auch wieder möglich. Mich zu bewegen. Erst nach einem Versuch. Vergeblich. Gelang es mir. Ich spülte den Mund. Unzulänglich. Mit Wasser. Warm. Bedacht. keines zu schlucken. Der Geschmack und auch der Geruch blieben an mir haften. Ich würde eine Weile auf Distanz bleiben müssen. Das hieß. Wenn sie noch da war. Für einen Augenblick der Verwirrung. Zaghaft. Fragte ich mich. Was ich von ihr erwartete. Für eine Ablenkung. Billig. Unverbindlich. Schnell. Für eine Nacht hatte ich noch nie etwas übrig. Ich weiß nicht. Warum ich in diese Diskothek gegangen war. Hier war ich fehl am Platz. Wie ich mich dazu versteigen konnte. Mich an dieses Mädchen. Sichtlich einsam. Mit einer Masche ausgesprochen dumm. Heranmachen. Warum ich nicht in diesem Moment. Nachdem sie darauf eingegangen war. Überraschend fröhlich und geschmeichelt. Die Gelegenheit. Günstig. Nutzte und mich davonstahl. Noch war Zeit. Ich hatte mich bereits den Abend. Ganz. Mit jedem Wort und jeder Bewegung gegen meinen Charakter verhalten. Gefiel mir darin.

Ich schüttelte den Kopf

Wie viel Zeit war vergangen? Minuten? Eine Viertelstunde? Sie hatte gesagt. Sie würde warten. Ich säuberte notdürftig meine Hosenbeine. Besudelt. Dann wagte ich einen Blick. Abschätzend. In den Spiegel. Ich erschien mir zu dünn. Zu bleich. Zum ersten Mal fiel mir auch auf. Meine Nase war wie die des Kranken. Scharf. Kantig. War das nur eine Sinnestäuschung. Die das Neonlicht. Hart. In diesem Raum schuf. Ich riss mich von mir selbst los. Energisch. Trat zurück in die Diskothek. Lou Reed sang. Niemand tanzte.

i‘ m just your average guy. trying to do. what’s right. I’m average looking. and I’m average inside.

Der Bass. Überlaut. Wuchtig. Bearbeitete meinen Magen. Fast hätte ich kehrt gemacht. Wäre zurück in die Toilette gestolpert. Gewöhnlich. Ich. Dachte ich.Schob die Hose. Zu weit. In die Höhe. Machte den Schritt. Entscheidend. Auf sie zu. Den ich nicht mehr zurücknehmen konnte. Ja. Sie saß noch da. Sie hatte ausgeharrt.

Ich wusste ihren Namen nicht. Sie trieb Koketterie mit ihm. Ansonsten schien sie offen. Sie saß halb gegen den Tresen gelehnt vor ihrem Glas. Bis auf einen Schaumrest. Kümmerlich leer. Längst bezahlt. Und sah abwesend in den Spiegel über der Bar. Sann Lichteffekten und Menschen nach. Die sich in ihrem Rücken bewegten. Ihr Gesicht war entspannt. Ungewichtet. Nur die Unterlippe. Breit. War nach vorn geschoben. Sie fühlte sich. Obwohl das in einer Diskothek kaum möglich ist. Unbeobachtet. Da sah sie mich. Ihr Gesicht mühte sich in eine Maske. Freundlich. In dem Augenblick. Abwesend. War sie mir schöner erschienen. Sie hatte ihren Körper. Ein wenig zu drall. In eine Bluse. Leicht durchsichtig. Hell und in einen Minirock. Schwarz. Für die Jahreszeit. Spätherbstlich. Viel zu kurz. Gezwängt. Den sie jetzt im Sitzen mit einer Hand bewachte. Ihn immer wieder übers Knie rutschte. Was im übrigen vergebens war. Da er sich bei jeder Bewegung. Klein. Nach oben schob und viel von ihren Oberschenkeln entblößte. Natürlich hatte sie in ihren Lackschuhen. Hoch. Spitz. Schwierigkeiten beim Laufen und beim Tanzen. Dennoch bewegte sie sich in ihnen mit Anmut und Selbstverständlichkeit. Überlegener.

Obwohl sie also unvorteilhaft gekleidet und nuttiger wirkte. Als sie war. Sie war doch genau das Mädchen. Das ich benötigt hatte. Als mich mein. Ich nehme an. Unterbewusstsein überredete. Diese Disco zu betreten.

Ich hielt mir die Hand halb vor den Mund. Als ich sie aufforderte. Mit mir das Lokal zu wechseln. Sie nickte. Zustimmend. Griff nach ihrem Mantel. Dunkel. Neben ihr. Über einen Barhocker gelegt. Anscheinend um den Platz für mich frei zu halten. Auf meine Abwesenheit. Länger. Ging sie nicht ein. Ihr schien auch kein Geruch aufzufallen.

Wir stiegen zu dem Café

Drei Stockwerk höher hinauf. Ich weiß. Es war ein Fehler. Aber ich bestellte wieder Alkohol. Diesmal Weißbier. Helles. Obgleich ich damals eigentlich keines mochte. Ich erzählte Unsinn. Irgendeinen. Einfach. Um keine Pause aufkommen zu lassen. Sie saß. Das Kinn in die Hand. Die rechte. Gewichtet. Und hörte meinem Redeschwall zu. Leicht lächelnd. Zerstreut. Während sie Zucker in ihrem Kaffee zerrührte. Um uns herum war das Publikum. Üblich. Für das ich mich langsam zu alt fühlte. Keiner meiner Freunde war hier. Das war gut so. Wenn ich mich wie ein Gockel aufplustere. Brauche ich keine Zuseher. Wohlmeinend. Lästernd.

Dann hielt ich inne. Mitten im Satz. Sah sie an. Ich weiß nicht. Ob ich das erklären kann. Vielleicht lag es daran. Mir war übel. Immer noch. Jetzt kam sogar ein wenig Betrunkenheit hinzu. Auf jeden Fall war die Luft plötzlich zäher. Das Schummerlicht brach sich anders. Es schien mir. Als würde ich das Mädchen vor mir zum ersten Mal ansehen. Durch ihr Gesicht. Zugeschminkt. Hindurch. Obwohl es sicher nicht glaubhaft klingt. Habe ich mich in genau diesem Augenblick. In einem Nu. Zeitlos. Nicht erfassbar. Zwischen dem still werden. Noch grundlos. Und einer Erschütterung am ganzen Körper. Plötzlich. In sie verliebt.

Ich war mir dieser Tatsache sofort bewusst. Das Bedürfnis. Einzige. Das ich nun hatte. War. Sie in den Arm zu nehmen. Sie bemerkte mein Verstummen. Fühlte sich durch meine Blicke geschmeichelt. Offensichtlich. Erstaunlich lässig und überlegen nahm sie. Sich zurücklehnend. Meinen Gesprächsfaden auf. Ließ kein Schweigen zu. Sprach dann leider von Politik und machte damit bereits am ersten Abend unserer Liebe viel kaputt. Denn ich konnte nicht verhindern. Dass eines der Reizworte fiel. Die mich an meinen Vater erinnerten. Der zur selben Stunde im Krankenhaus mit dem Tod rang.

In den letzten Tagen habe ich drei längere Ausschnitte aus meinem Roman „Das Spiel“ gebloggt. Meine anderen Texte verschieben ich aus diesem Grund in dieser Woche um einen Tag. Falls Interesse besteht – woran ich allerdings begründete Zweifel habe, denn eigentlich interessiert sich hier niemand für meine Literatur – werde ich weitere Abschnitte veröffentlichen.

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