Aber ein Traum …

Autorer als andere Autoren

Anmerkungen zu „Pasenows Schöpfung“ – Teil 2

Ja, es gibt noch mehr zu sagen, denn das Wichtigste habe ich bis jetzt noch ausgelassen. Leider bin ich heute hauptsächlich mit Schneeräumen und anderen Haushaltstätigkeiten beschäftigt, deshalb setze ich diesen Beitrag aus zwei älteren zusammen:

Die Erzählung „Pasenows Schöpfung“ gehört zu einer Gruppe von Kurzgeschichten, Erzählungen (Novellen?) und auch Romanen, die ich – ich gebe diesen Fetisch öffentlich zu – nach allzu heftiger und leidenschaflicher Auseinandersetzung (Sex?) mit der „Menschlichen Komödie“ des Monsieur Honoré Balzac entworfen und zu einem großen Teil auch geschrieben habe. Davon ausgehend, dass jeder in seinem eigenen Leben die Hauptrolle spielt, wollte ich – freilich in viel bescheidenerem Maße als der göttliche Franzose – einen zusammengehörigen Zyklus schreiben, in dem ein festes Figurenesemble immer wieder auftaucht und sich wie in einem Kettenkarussell sitzend um seinen Götzen dreht, der bei Balzac das Geld, bei mir die Eitelkeit und der Ruhm sein sollten. Zum Beispiel ist der zynische ältere Beamte Nikolaus Klammer eine dieser Figuren. Wie sattsam bekannt, leiht er mir zudem seit Jahren seinen Namen als Pseudonym und taucht gleich in mehreren meiner Geschichten auf, hat vorgeblich sogar die eine oder andere von ihnen geschrieben. In dem umfangreichen Romanfragment „Nutzlose Menschen“ ist er gar als Autor eines Balzac-Plagiats zu bestaunen.

Von diesem Zyklus mit dem Obertitel „Jahrmarkt in der Stadt“ (2) ist auf „Aber ein Traum“ einiges zu lesen, obwohl ich die Geschichten urprünglich für zu lang hielt, sie diesem neuen Medium zu opfern, das schnell, tagesaktuell, dabei vergesslich wie eine Stubenfliege, hyperaktiv und bemerkenswert kapitalistisch, Ich-bezogen, arrogant und grausam ist (eigentlich genau wie ich selbst, stelle ich gerade fest).

Wirbelndes Mausrad und nervöses Klicken sind die Feinde jedes literarischen Textes, auf den man sich intensiver und länger einlassen muss, der sich nicht hektisch und sensationsgierig, sondern sich langsam und gemächlich entwickelt. Ich will aber nicht nur Wegwerf-Gedichtlein für den kurzen Augenblick schreiben, um den Fast-Food-Gewohnheiten der Internetkonsumenten Genüge zu tun. Meine ausgefeilten Texte – ich bin mir dessen bewusst – sind für gedruckte Bücher und aufmerksame Leser geschrieben und nicht für Internet-AHDSler vor einem Monitor, der keine zwei zusammenhängende Sätze lesen kann.

Doch leider gibt es niemanden, der meine Geschichten verlegt. Auch mit über fünfzig bin ich noch immer zu entdecken. Ich müsste Leser kaufen, damit ich gelesen werde, aber ich müsste erst gelesen werden, damit ich Leser kaufen kann – der übliche Teufelskreis des gescheiterten Autors. Ich habe tatsächlich noch nie auch nur einen einzigen Cent mit meiner Literatur verdient. Längst habe ich  die Hoffnung verloren, dass ich diesen Circulus vitiosus zu meinen Lebzeiten durchbrechen werde und auch für die Zeit danach sehe ich schwarz. Ich schreibe also nicht einmal für eine Nachwelt oder meine Enkel. Und was übrig bleibt, ist Vanitas.

goya

Trotzdem habe ich meine Geschichten in die große Cloud geschleppt und ihnen dort in meiner kleinen Wohnung ein Regal eingerichtet, das der eine oder andere Spezialist entdecken und vielleicht sogar wertschätzen wird.

Und so sieht die Ordnung von „Jahrmarkt in der Stadt“ chronologisch aus:

(Die Links verweisen auf das kostenlose E-Book in einer zip-Datei, bzw. den Text im Blog)

Licht-TitelWahrheit - Titeltitelblatt-KalbcovercoverLiebe-titelblattNutzlose Menschen - Titelbild

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(2) Der gute alte William M. Thackeray (zwinker, zwinker!) ist auch ein guter Freund von mir – zumindest weiß ich seine frühen Werke „Vanity Fair“, „Barry Lyndon“ oder seinen besten und spannendsten Roman „Henry Esmond“ ehrlich zu schätzen; die späten, wie „Philip“, „Pendennis“ oder „Die Virginier“ fallen unter die Rubrik „gelesen, aber dabei vom Autor gepflegt gelangweilt worden“.

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