Aber ein Traum …

Autorer als andere Autoren

Zwei Jahre „Aber ein Traum“

Liebe Freunde und Leser!

Dieser 3. Mai ist für mich ein ganz besonderer Tag. Heute hat nicht nur mein Blog Aber ein Traum seinen 2. Geburtstag, sondern dieser Text ist durch einen sonderbaren Zufall zugleich der 500. Artikel, den ich auf meine kleine Internetplattform stelle. Das sind zwei Jubiläen an einem Tag, auf dich ich schon ein wenig stolz bin und von denen ich niemals dachte, dass ich sie erreichen könnte.

Den Prosecco zum Feiern habe ich auf Eis gelegt und heute Abend werde ich eine heiße „Blogparty“ mit Frau Klammerle feiern. Leider findet die Fete im Haus statt, denn hier in Diedorf schüttet es seit Donnerstagnacht ununterbrochen. Auch wird die Feier nicht zu lange dauern, denn morgen früh muss ich wieder arbeiten. Ich glaube, ich werde langsam alt.

Und schon wieder lächle ich. So wird das nie etwas mit der Schriftstellerkarriere…

Grund genug für mich, an diesem verregneten und trüben Vormittag ein wenig in die Vergangenheit und mit der Glaskugel in die Zukunft dieses Projektes zu blicken.

Aber ein Traum ist eher zufällig entstanden. Ich wollte eigentlich nur jemandem vorführen, wie er sich ohne großen Aufwand bei WORDPRESS einen eigenen Blog erstellen kann und wählte Titel, Design, Einteilung und Pseudonym als „Lehrbeispiel“. Konzeptlos und eher halbherzig postete ich ein paar kleine Texte, ohne zu wissen, wohin mich die Reise führen – ob ich sie überhaupt antreten sollte. Ich hatte nie vor, meine Literatur als „Indipendent-Autor“ häppchenweise ins Internet zu stellen und schrieb anfänglich in der Hauptsache launige kleine Artikelchen, Reiseberichte, Kritiken zu den Büchern, die ich gelesen hatte und mehr oder weniger heitere Glossen über den Alltag von Frau Klammerle und mir. Dabei übte ich mich, wurde von Woche zu Woche lockerer. Dann fing ich wieder Feuer. Der Blog wurde ein Heilmittel, durch das es mir gelang, eine beinahe zwanzig Jahre andauernde Schreibblockade zu überwinden.  Frustriert wegen meiner vollkommenen Erfolglosigkeit als Autor hatte ich Mitte der 90er meinen Stift frustriert und auch beleidigt in die Ecke geworfen und mein Leben neu organisiert. Ein Lebensabschnitt begann, in dessen Mittelpunkt die Familie stand. Ich suchte mir einen Brotberuf, übernahm Verantwortung und zog meine Söhne groß.

Dann verließen beide vor kurzer Zeit das Haus und mein „verlorener Sohn“, nämlich meine Literatur, kehrte reumütig zu mir zurück. Es gelang mir plötzlich, angefangene und längst zur Seite gelegte Projekte erneut aufzunehmen, zu überarbeiten und zu vollenden. Und ich konnte mich wieder auf ganz neue Abenteuer und Geschichten einlassen. Diesen Weg kann man hier in 500 Blogartikeln gut dokumentiert entdecken.

Die beiden am häufigsten aufgerufenen Artikel sind übrigens die Kurzgeschichte Vision und meine Zehn Gebote für den erfolgreichen Schriftsteller, dann folgt das Oktopusdrama.

Statistik

Die Statistik lügt nicht: In der Tendenz hat mein Blog von Monat zu Monat weniger Besucher.

Inzwischen sprudelt meine Quelle wieder munter und kraftvoll und tut dies mit so viel Überschwang, dass sie inzwischen häufig meine Tages- und Wochenabläufe dominiert. Ein Tag, an dem ich nicht schreiben kann, fühlt sich verloren an. Das Entstehen meiner Geschichten erfüllt mich mit tiefer Befriedigung, um nicht zu sagen: mit Glück.

Ein autobiografisches Buch von Jorge Semprun trägt den Titel „Leben oder Schreiben“. Tatsächlich gewinne ich langsam den Eindruck, diese beiden Entwürfe seien eifersüchtige Antagonisten, unversöhnbare Gegensätze, die einander vollkommen ausschließen. Kein bedeutender Autor führte jemals ein interessantes oder gar spannendes Leben, es sei denn, die Zeitumstände zwangen ihn dazu. Da ich aber weiterhin ein Familienmensch und Ehemann bin, werde ich meine Quelle in der nächsten Zeit wieder etwas drosseln, mehr „leben“. Im Sommer bin ich Körper, im Winter Geist. Mein Schreibfluss soll zwar nicht wieder vollkommen versiegen, aber doch ein wenig langsamer fließen.

Leider bittert weiterhin ein herber Wermutstropfen meine Begeisterung. Meine Literatur ist kein Tagebuch, das für mich schreibe. Ich will eine Erfahrung anbieten, die ein Leser – wenn er es denn möchte – teilen darf. Ich wende mich mit diesem Geschenk an ein Publikum, egal wie umfangreich es ist. Doch genau das finde ich nicht. Es haben sich zwar auf diesem Blog im Moment 70 „Follower“ eingetragen; bei der überwältigenden Mehrzahl von ihnen weiß ich nicht, warum sie das getan haben. Denn sie besuchen nie meine Seite oder lesen gar meine Texte. Im Moment kommen täglich fünf, sechs Besucher bei mir vorbei, drei davon sind „Googlebots„.  Ich bin also als Autor weiterhin vollkommen erfolglos und finde keine Leser oder gar Kritiker. Ich weiß nicht, ob oder was meine Texte taugen. Daher habe ich das zweite Ziel meines Blogs nicht erreicht. „Aber ein Traum“ bleibt aber ein Traum, den ich ganz allein und einsam träume.

Aber wahrscheinlich sind ein Blog und das Internet einfach der falsche Ort, um Leser zu finden. Ich habe allerdings noch nicht den richtigen gefunden.

Doch genug davon. Heute ist für mich ein Tag der Freude. Ich grüße die wenigen, die sich mit mir auf mein „Blog-Abenteuer“ eingelassen haben und stoße auf das Jahr „Drei“ an.

Euer Nikolaus Klammer

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2 Gedanken zu „Zwei Jahre „Aber ein Traum“

  1. Das Kryptische steht dir gut, weiser Mann vom Berg. Es ist schön, endlich mal wieder von dir zu hören und ich hoffe, du bist wohlauf.

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  2. Hans-Dieter Heun sagte am :

    Trotz Deiner Frustrationen, nicht die Dir gebührene Aufmerksamkeit erschreiben zu können – es gäbe allerdings auch andere Wege als einen Blog -, meinen Glückwunsch zu Deinem Durchhaltevermögen. Zu Deinem Schreiben vielleicht eine kryptisch lobende Anmerkung: Die Welt draußen vor dem Tor zu Diedorf ändert sich, Du und Deine Werke nicht.

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