Am Wegesrand (IX)

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Wie berichtet war ich am Sonntagabend auf dem Donaufest in Ulm, jenem in den letzten Jahren nett herausgeputzten Städchen, das beispielhaft demonstriert, wie man einen Fluss ins Stadtleben integriert. Die Anreinerstaaten der Donau stellen sich auf dem Fest mit Infoständen, mit Kunsthandwerk und Fressbuden vor. An einer der selben entdeckte ich obiges, nicht unbedingt vegetarisches Gericht. Ich habe mir eine Kostprobe verkniffen, frage mich aber, ob es auch Ungarisches Büffelhodengulasch gibt.

Hans-Dieter Heun, der hier häufig ein wenig kryptisch kommentiert, ist nicht nur Schriftsteller, sondern auch ein gelernter und herausragender Koch (was man seiner überaus schmackhaften Literatur anmerkt). Er weiß vielleicht das Rezept zu dieser leckeren Balkanspezialität und übermittelt es mir. Ich werde es dann hier gerne weitergeben.

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Musikalisch wurde der Abend von der Combo La Strada untermalt, in der mein Freund Heinz Christian Klarinette und Saxofon spielt. Man beachte seine Klarinette mit französischem Griff und das extrem seltene Glasmundstück. Heinz und ich hatten zusammen mit dem Maler Bernhard Wurzer (von dem in diesem Blog einige Bilder zu sehen sind) das gemeinsame Kunstprojekt Vorwürfe, das hier näher erläutert wird.

Und so hört sich das Ganze an:

La Strada spielt das Lied „La Strada“ aus dem Film „La Strada“ von Nino Rota.

12 Gedanken zu “Am Wegesrand (IX)

  1. Zufälle gibt es nicht: Gestern Abend verzehrte ich wieder einmal und voll innigem Genuss meine geliebten, in Ingwer, Knoblauch, Zitronengras und gelben Curry geschmorten Enten- und Gänsefüße. Und heute fragt mich Freund Klammer nach einem Rezept für Büffelhoden. Wendet er sich gar, angewidert vom ewigen Blumenkohl und anderen per se geschmacklosen Gemüsen, endlich der aussagekräftigen, überaus gaumenfreundlichen Küche des Balkans und des Orients zu? – Obwohl, in manchen Dingen ist das Schwabenland durchaus mit dem Balkan zu vergleichen. Oder umgekehrt. Schließlich sind die Balkanschwaben nicht ganz unbekannt, ausgewandert wohl einzig und allein, weil sie rund um Augsburg keine Hahn- oder Büffelhoden zu kaufen bekamen.
    Grundsätzlich ist jedoch zu sagen: Der liebe, nicht schwäbische Herrgott meinte mit Seinem Rat: „Macht euch die Erde untertan!“ sicherlich nicht, Güter zu vergeuden oder sich in der Fleischküche auf Schnitzel und Filets zu beschränken. Ganz im Gegenteil schuf er den besonders guten Geschmack eher an Stellen, die von den ‚modernen‘ Menschen, äußerst etepetete, aus Unkenntnis oder gar Ekel abgelehnt werden. So etwa in Ziegenköpfen, den Gänsefüßchen oder selbstverständlich auch in den Hoden. Übrigens, durch die Zivilisation unverdorbene Völker wissen das sehr wohl und schätzen diesen wahren Genuss wie eh und je.

    Freund Klammer fragte also nach einem Gulasch aus Büffelhoden, das jedoch eine böse Sünde für den Feinstschmecker darstellt. So auch für mich. Schafft es der mir freundliche gesonnene Metzger, am Veterinär Stierhoden vorbei zu schmuggeln und mir freudestrahlend und verschwörerisch blinzelnd zu schenken – weil er weiß, wie sehr ich sie schätze, würde er niemals schnöden Mammon dafür verlangen –, so kommt bei ihrer Zubereitung in meiner Küche die Reinheit des Gedankens zu tragen. Also pur: nur in Kümmel mit ein paar Wurzel gesotten … allenfalls noch halb warm in einer Schnittlauch-Rote Zwiebel-Vinaigrette serviert.

    Und weil Klammer halt gar so ein guter Freund ist, werde ich mit aller Macht versuchen, ihm beim nächsten Besuch Hoden, möglicherweise sogar Hammelhoden, zu kredenzen. Versprochen.

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  2. Na, da habe ich dir wieder einmal eine Steilvorlage gegeben… Und weiß immer noch nicht, ob jetzt in dem Gulasch Hahnhoden war oder nur die Fettdrüsen aus dem Bürzel.

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  3. Es gibt tatsächlich den Beruf des Hähnchenhodenentferners, bei dem sehr sensible Finger gefragt sind. Also eher nichts für Spätzle-Schwaben, meistens machen das Japaner. Sei Dir aber sicher, mein Freund Klammer, das Hahnhodengulasch war, schriftstellerisch ausgedrückt, eine Art lustige Metapher. Ein lustiger Scherz von lustigen Leuten im lustigen Ulm.

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  4. Also, um das Thema abzuschließen: Ich habe mich auch etwas schlauer gemacht. Es war kein Scherz. Auf dem Donaufest gab es wirklich Hahnhodengulasch. Über diesen Link ist sogar eine Abbildung dieser zweifelhaften Delikatesse zu finden.

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  5. Dürfte meines Wissens aus veterinärmedizinischen Gründen absolut verboten sein, und schaut auch eher nach Nieren aus, aber …

    Apropos Hähnchenhoden-Japaner, ich hätte da noch eine Moritat…

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  6. Hallo Klammerle,
    um das Thema wieder auf Musik zu lenken:
    Der Auftritt in Ulm führte zu einer Zusammenarbeit mit Anjù, einer sehr talentierten Sängerin:

    Verzeih Klammer, dass ich so klammheimlich einen Link in deinen Blog setze.
    Am 30. August stellt sie ihre neue CD (mit Top-Jazzern aus der Toskana produziert) in Schelklingen im Stellwerk vor. Ich bin als Mitmusiker dabei.
    Gruß Heinz

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  7. Na, dann wünsche ich dir viel Spaß und Erfolg. Ich muss allerdings erst ‚googlen‘, wo Schelklingen liegt. Vergiss nicht, wir wollten uns mal zum Grillen treffen.
    Grüße zurück.

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