Aber ein Traum …

Autorer als andere Autoren

But a dream (Rewind) – Ein Jahr „Aber ein Traum“

Wer wagt, durch das Reich der Träume zu schreiten,
gelangt zur Wahrheit.

E.T.A. Hoffmann

Heute auf den Tag genau vor einem Jahr, am 3. Mai 2013, begann mit dem folgenden Artikel mein Traum von einem Blog, mit dem ich mich als Autor einer Öffentlichkeit präsentieren, neue Menschen kennenlernen, alte Bekannte wiedertreffen, Kontakte pflegen und Gespräche führen wollte, nachdem ich 20 Jahre lang geschwiegen und nur für meine Familie gelebt hatte. Ich hatte sogar die verschämte Hoffnung, meine intellektuelle Vereinsamung beenden und – welch kühner, naiver Gedanke – vielleicht einen Verlag finden zu können…

Nun, aus diesem Traum bin ich erwacht. Nach einem Jahr fasse ich nüchtern zusammen: Niemand interessiert sich für meine Literatur oder meine Glossen. Der Blog dient mir inzwischen als Textarchiv in der ‚Cloud‘ und als Anreiz, meine Texte in eine endgültige Form zu schleifen.

Trotzdem kann ich mir selbst auf die Schultern klopfen: In dem Jahr habe ich 280 Einträge erstellt, jede Woche etwas neues geschrieben und veröffentlicht. Dabei sind hunderte von Seiten aus meinen Romanen, viele Erzählungen, Lyrik, 16 Kurzgeschichten, 32 „Freitagsaufreger“, 27 „Wochenlesen“ über Bücher und Autoren, ein Theaterstück und ein umfangreiches Essay über Minnedichtung, Artikel über das Leben in meinem Dorf, viele Glossen und Momentaufnahmen, Wanderberichte und sogar 3 Kochrezepte. Zum Zwecke der Illustration habe ich etwa 300 eigene Fotos eingebunden.

Heute beginnt mein zweites Blogjahr. Ich werde mir später eine Flasche französischen Sprudel von der Witwe Clicquot entkorken und mit mir selbst anstoßen.

Und weitermachen…

All that we see or seem
Is but a dream within a dream.

E. A. Poe

Gut, but mit aber zu übertragen mag ein wenig eigenwillig sein – „Edgar a Poet“ hätte es mir wohl verziehen, zumal seine Deutschkenntnisse nur gering waren – es gefiel mir deutlich besser als das gebräuchliche nurAber ist viel trotziger, aufsässiger, durch den langen Vokal am Anfang dominanter und hier ist es nicht als Konjunktion, sondern als Adverb gebraucht (im Sinne von wieder, abermals).

Aber ein Traum… Damit ist das Thema meines Romanes gesetzt und auch auf eine Quelle der Inspiration hingewiesen, und so beginnt das erste Kapitel auch mit dem Erwachen aus einem Traum, der jedoch erst später erzählt wird:

Am ersten Montag seines Sommerurlaubs erwachte Jonas Zacharias Habakuk mit bohrenden Rückenschmerzen, die wie ein Messer zwischen seinen Lendenwirbeln steckten.

Das war ihm überraschend, da der sportliche Mittvierziger nur selten Probleme mit seiner Wirbelsäule hatte und sich auch nicht erinnern konnte, am Wochenende schwer gehoben oder unbequem gesessen zu haben. Er lag daher selbstmitleidig und mehr erstaunt als ängstlich auf dem Rücken und versuchte, ihn so wenig wie möglich zu belasten. Ihm wurde bewusst, dass er bereits aus einem nicht erinnerten Traum heraus jede plötzliche Bewegung vermied, es nicht einmal wagte, seinen Kopf in Richtung Nachttischlampe und Uhr zu wenden.

Es dämmerte, wie er an dem verwaschen grauen, zum Fenster hin heller werdenden Lichtfleck an der Decke erkennen konnte und mochte gegen fünf Uhr am Morgen sein, noch viel zu früh, um an seinem verpflichtungslosen Urlaubstag Ende Juni aufzustehen.“

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