Aber ein Traum …

Autorer als andere Autoren

Geschmackloses (Rewind)

In diesem Jahr hat die Gartensaison schon so früh wie noch nie begonnen. Seit mehreren Wochen bereits lacht die Sonne hier im von Gott gesegneten Schwabenländle von einem wolkenlosen, blautrunkenen Himmel. Grund genug für Frau Klammerle, allerlei Blumen und Kräutlein zu pflanzen, von mir die Kübelpflanzen ins Freie tragen zu lassen, im Frühbeet – meinem berühmten selbstkonstruierten Hochbeet – Salat zu ziehen und die Nachmittage kaffeetrinkend und auf ihrem Smartphone „Quizduell“ spielend auf der Terrasse zu verbringen. Die Forsythien und die Narzissen blühen, die Sträucher und Bäume schmücken sich mit fetten Knopen und kleinen grünen Blattspitzen. Kein Frost in Sicht. Ich musste bereits düngen und gießen und in der Nacht leuchten die Solarlämpchen – Frühsommer im März. Ob das noch lange so weiter geht?

Auch die Gartendeko wandert Stück für Stück aus den Kellerwinkeln und Vorratsschränken zu Auslüften ins Freie. Seit Mittwoch – Frau Klammerle feierte einen runden Geburtstag – thront ein neuer Frosch auf den Fliesen der Terrasse, bzw. er macht dort Joga. Damit ist ein neuer Höhepunkt  der Geschmacklosigkeit erreicht, der meinen alten Lieblingsfrosch, über den ich im letzten Jahr berichtete, um Längen schlägt. Nun, einem geschenkten und vom Schenker liebevoll selbstbemalten Frosch schaut man eben nicht ins Maul. Aber ich glaube fast, dass Sohn Nr. 2 auch wegen solcher Deko-Artikel bei uns ausgezogen ist. Hat also durchaus auch etwas Gutes…

Ein neuer Frosch ist in der Stadt.

Ein neuer Frosch ist in der Stadt.

Und hier noch der Originalblogartikel vom 14. Mai 2013, jenem Jahr, in dem es einfach nicht Sommer werden wollte:

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Nachdem ich seit über einem Jahrzehnt glücklicher Reihenhausbesitzer im ländlichen Weichbild der Stadt bin, nenne ich auch einen Garten mein Eigen. Er hat in etwa die Größe einer Picknickdecke; bietet immerhin Platz für eine Südterrasse, einen Werkzeugschuppen, einen Kirschbaum, Obststräucher, Blumenbeete, ein Kräuterbeet, Kompost und sogar ein Hochbeet, in dem ich gerade Salat, Kohlraben (ist das die richtige Mehrzahl?) und Radieschen züchte. Selbstverständlich alles in der Bonsaiausführung – gut, dass  meine Familie und ich eher unterdurchschnittlich groß sind. Die Rasenfläche ist so ausladend, dass ich schon an die Anschaffung eines Aufsitzmähers gedacht habe ;).

Mit der Zeit sammelte sich ein gerüttelt Maß an Deko-Artikeln an, die sich im sehr überschaubaren Areal verteilen; das Gärtchen an manchen Stellen okkupieren. Als da sind: Figuren aus Ton (Kugeln, Pilze, Mäuse, Katzen, Raben, eine Schildkröte, eine große Schnecke), mit der CNC-Fräse gesägte und stark verrostete Metalltiere, andere blecherne Gestalten in allen Größen, auf Stangen, am Boden sitzend, an der Mauer hängend. Dazu kommen noch Solar- und Windlichter, Laternen, Vogelhäuschen, Blumenampeln und -kästen usw, usf, etc.

Manches haben die Kinder (Muttertagsgeschenke) gebastelt, einiges wurde geschenkt (z. B. ein Solarkolibri mit einer Regenbogen-LED, inzwischen ‚leider‘ kaputt ist und im Keller verstaubt), vieles tatsächlich bei Gärtnern oder Gartenausstellungen gekauft. Frau Klammerle beginnt jedes Frühjahr damit, bei den Dekosachen auszumisten – manche rutschen ihr zufällig aus der Hand. Da aber der Nachschub ständig fließt, scheitert sie regelmäßig.

 Warum ich das alles erzähle? Nun, nachdem der Kolibri nicht mehr existiert, stelle ich heute den peinlichsten Gegenstand in meinem Gärtchen in die ‚Öffentlichkeit‘ meines Blogs: Mein von mir selbst in einem Augenblick geistiger Umnachtung erworbener, fast 30 cm hoher Frosch, der im Lotussitz prominent auf einem Mäuerchen vor dem Staudenbeet hockt und verzückt in den Kirschbaum starrt. Immerhin ist er kein Gartenzwerg oder – hochmodisch – gar ein goldfarbener Buddah. Allerdings – ich weiß es selbst – er kommt dem Gautama unter seiner Pappelfeige ziemlich nah.

Mein Prachtstück!

Mein Prachtstück!

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